Donnerstag, 12. April 2012

Wenn das Wörtchen WENN nicht wäre - Über vermeintliche Umstände und sonstige Querelen

Wenn das Wörtchen WENN nicht wäre, ja dann wäre sowieso alles anders, oder? Wie oft ist es Ihnen schon passiert, dass Sie gesagt haben „Ja wenn…, dann würde ich das-und-das machen und dann wäre sowieso alles viel leichter.“?
Lassen Sie uns einmal ein wenig spezifischer werden. Was ist denn dieses WENN überhaupt? Hier einige Beispiele, die ich kürzlich hörte:
  • Wenn ich doch nur wüsste wie, dann könnte ich…
  • Wenn doch bloß die ständige Auseinandersetzung mit den Kollegen nicht wäre, dann…
  • Wenn ich mehr Geld hätte, dann würde ich…
  • Wenn ich damals eine andere Entscheidung getroffen hätte, dann wäre ich heute…
  • Wenn mein Partner so-und-so wäre, dann würde es mir in der Beziehung besser gehen…
  • Wenn ich doch nur wüsste, dass es sicher ist, diesen Schritt zu gehen, dann würde ich ihn ja machen.
  • Wenn das Wetter nur besser gewesen wäre, dann wäre der Urlaub richtig schön gewesen.
  • Wenn nur die nervigen Nachbarn / der Chef nicht wären, dann…
Sie können die Liste im Prinzip beliebig fortsetzen. Es wird immer auf das gleiche hinaus laufen: die lieben Umstände bzw. die anderen sind schuld daran, dass Ihnen bestimmte Dinge im Leben passieren. Oder etwa nicht? Schließlich wäre das Leben viel leichter, wenn die anderen nicht wären und es nicht ständig diese Missverständnisse und sonstigen Dramen gäbe.
Wohl wahr, wohl wahr und zwar genau so wahr, wie der Glaube an den Weihnachtsmann. Wenn Sie immer noch an den Weihnachtsmann glauben möchten, dann sollten Sie jetzt aufhören, diesen Artikel weiterzulesen, denn die Illusion des weißbärtigen Rotjäckchens muss ich Ihnen genauso rauben, wie die Illusion, dass Ihr Leben von den Umständen bestimmt wird.
Keine Bange, es ist zwar meist etwas schmerzhaft, einen liebgewordenen und langgehegten Glaubenssatz  loszulassen, doch es tritt mitunter etwas viel besseres an die leere Stelle. In diesem Fall lade ich Sie zu dem Experiment ein, sich für die magische Wirkung von Verpflichtung und Absicht zu öffnen. Das mag jetzt im ersten Moment erst einmal verwirrend klingen. Fakt ist - Sie mögen diesen Satz schon einmal gelesen haben – dass Sie alles, was Sie in Ihrem Leben vorfinden, selbst kreiert haben. Alles ist auf Ihrem Mist gewachsen. Die vermeintlichen Umstände, Wirrungen, geplatzten Träume oder sonstige Querelen, haben Sie selbst manifestiert. Egal, ob es sich dabei um den Streit mit dem Partner handelt oder die Überforderung im Job.
Wie funktioniert das im Allgemeinen? Es funktioniert über die Kraft ihrer Gedanken und über Ihre bewussten und unbewussten Glaubensmuster, die Sie im Laufe Ihres Lebens angenommen haben. Die spannende Frage, die Sie sich in jeder Situation stellen können ist „Was ist meine Absicht?“ Wenn Sie zum Beispiel einen Streit mit Ihrem Kollegen oder Partner haben, wäre es natürlich einfach, in dem Moment zu sagen „Oh man, wenn der mal nicht so stur wäre…“ Zu solch einer Situation gehören jedoch immer zwei und im Zweifel ist der andere nur ein Spiegel für Sie. Stellen Sie sich nun die Frage „Was ist meine Absicht?“, dann könnten Sie ziemlich schnell zu der Einsicht gelangen, dass es Ihre Absicht ist, Recht zu behalten, anstatt mit dem anderen in Beziehung zu sein. Vielleicht ist es auch Ihre unbewusste Absicht, Nähe und Vertrautheit zu zerstören, um sich selbst zu schützen. Was ist Ihre wahre Absicht?
Wie Sie es auch drehen und wenden, es hat immer etwas mit Ihnen zu tun. Es sind nie die anderen, die an ihrem Leben Schuld sind. Es hat immer etwas mit Ihrer Absicht und vor allem mit Ihrer Verpflichtung zu tun.
Natürlich ist es leicht und vor allem viel bequemer, an dem alten Glaubenssatz festzuhalten, dass die Umstände an Ihrer Situation Schuld sind. Doch um mit einem weiteren Mythos aufzuräumen: So etwas wie einen Glaubenssatz gibt es in Wirklichkeit gar nicht. „Wie bitte?“, höre ich da jetzt einige entsetzt sagen. Sie haben richtig gelesen, ein Glaubenssatz ist eine reine Illusion, eine Geschichte, die Sie sich selbst zurecht gestrickt haben, um eine logische Basis für Ihr Leben zu haben.
Sich an einen Glaubenssatz festzuklammern ist Selbstbetrug, weil Sie sich damit an eine Geschichte klammern, die für Sie Gültigkeit hat. Geschichten zu kreieren ist nicht gut und nicht schlecht. Es produziert einfach nur ganz bestimmte Ergebnisse, je nachdem, welche Absicht Sie verfolgen. Ein Glaubenssatz ist also lediglich eine Geschichte mit einer bestimmten Absicht.
Das Entscheidende ist: Sie sind die Quelle!
Sie sind die Quelle aller Geschichten in Ihrem Leben. Sie kreieren jede Geschichte und dabei können Sie entweder eine bewusste, verantwortliche Absicht wählen oder eine unbewusste, unverantwortliche Absicht. Es liegt an Ihnen. Welcher Absicht verpflichten Sie sich? Uuuh, bei dem Wort „Verpflichtung“ da rollen einige schon mit den Augen. Warum nur hat das Wort Verpflichtung diesen schweren Beigeschmack in unserer Gesellschaft?

Ver-pflicht-ung, es steckt ja schon im Wort: da geht es um Pflicht. Und wenn etwas eine Pflicht ist, dann macht man es nicht freiwillig und hat folglich keinen Spaß, oder wie? Das Wort Verpflichtung löst genau wie das Wort Verantwortung bei vielen Menschen nach wie vor einen Schauer aus. Verpflichtung ist eine Last, man MUSS etwas tun und unterliegt bestimmten Zwängen. Da geht das englische Wort „commitment“ schon leichter über die Lippen.
Der große Unterschied, ob Verpflichtung eine Last oder eine Freude ist, liegt darin, ob Sie mit dem Herzen bei der Sache sind. Eine Verpflichtung können Sie im Prinzip nur dann wirklich eingehen, wenn Sie voll und ganz hinter etwas stehen; wenn Sie Stellung beziehen. Wenn Sie sich ver-pflichten, dann übernehmen Sie Verantwortung für etwas. Ver-pflichten heißt, SIE und nur SIE nehmen die Pflicht und Verantwortung auf sich für eine bestimmte Sache oder Person. Wie aber können Sie sich ehrlich verpflichten, wenn es nicht von Herzen kommt?
Beängstigende Frage: Wie viele Menschen machen einen Job in einem Unternehmen, dem Sie nicht wirklich verpflichtet sind? Wie viele Menschen leben in mittelmäßigen Pseudo-Beziehungen ohne wirkliche Verpflichtung, einfach um sich abzulenken und nicht alleine sein zu müssen?
Experiment 1: Ihre persönliche Wunschliste
Listen Sie einmal ganz ehrlich die  Dinge auf, von denen Sie sich wünschen, dass sie anders wären. Erstellen Sie sozusagen Ihre persönliche Wenn-Dann-Liste. Dabei müssen die Sätze nicht zwangsläufig mit „Wenn“ beginnen. Sie könnten z. B. auch lauten „Ich wünschte, dass…, dann wäre…“. Listen Sie einmal die Dinge auf, die Sie verändern möchten, doch wo bisher die vermeintlichen Umstände im Weg waren.

Experiment 2: Wo sind Sie nicht wirklich verpflichtet?
Haben Sie Ihre Liste? Prima, dann kommen wir jetzt zum ungemütlicheren Teil. Nun sind Sie an der Reihe, schonungslos aufzudecken, wo Sie die Umstände verantwortlich gemacht haben, weil es bequemer war, anstatt sich vollen Herzens zu verpflichten.
Wenn die Umstände anders wären, dann würden Sie Ihren Traum erfüllen und nach Australien reisen? Nun, wie verpflichtet sind Sie diesem Traum tatsächlich? Haben Sie sich mit Haut und Haaren und vor allem mit Ihrem Herzen diesem Traum verpflichtet? Ist es das, was Sie wirklich wollen und wofür Sie alles tun würden? Oder ist es beim Blättern im Reiseführer geblieben?
Wenn mein Partner bloß anders wäre, dann wäre unsere Partnerschaft viel erfüllter. Ach ja? Wie sehr haben Sie sich einer erfüllten Partnerschaft verpflichtet? Würden Sie tatsächlich alles dafür tun? Sind Sie für sich glücklich oder meinen Sie, dass Ihr Partner für Ihr Glück verantwortlich ist? Haben Sie sich tatsächlich mit dem Herzen entschlossen aus Ihrem Partner einen König zu machen? Oder ist Ihre unbewusste Absicht eher darauf gerichtet, die ganzen Dinge ausfindig zu machen, die er / sie nicht kann, oder nicht nach Ihren Vorstellungen macht? Kurzum: haben Sie vielleicht die unbewusste Absicht, Ihren Partner statt zu einem König zu einem Schwein zu machen?
Wenn Sie nur einen anderen Job hätten, dann ginge es Ihnen besser? Wie sehr haben Sie sich verpflichtet, einen für Sie erfüllenden Job zu finden? Haben Sie z. B. die Grenze gesetzt und Ihren aktuellen Job gekündigt? Oder warten Sie immer noch darauf, dass irgendwann der richtige Job daher spaziert kommt und Ihnen jemand die Lösung präsentiert?
Viele Menschen lamentieren über die unterschiedlichsten Zustände in ihrem beruflichen oder privaten Leben, ohne aber tatsächlich eine innere Bereitschaft zu haben, etwas bei sich selbst zu verändern. Und da ist der große Haken. Verpflichtung und Verantwortung gehen einher. Sie können also nicht erwarten, dass irgendwann eine Fee vorbeifliegt und Ihnen Ihre Wünsche erfüllt oder die Dinge nach Ihren Vorstellungen regelt, ohne dass Sie bereit sind, dafür Verantwortung zu übernehmen.
Verpflichtung heißt übrigens auch nicht Manipulation. Manipulation ist eine unbewusste, unverantwortliche Aktion. Konkret: wenn Sie sich verpflichten, Ihrem Chef Honig um den Bart zu schmieren, damit er Sie vielleicht befördert, dann verfolgen Sie eine sogenannte Schattenabsicht, die mitunter schneller auffliegt, als Ihnen lieb ist.
Jetzt fragt sich der ein oder andere vielleicht „Moment, wie soll denn das mit der Verpflichtung gehen? Wenn andere Menschen involviert sind, kann ich die ja nicht steuern.“ Ganz richtig. Und genau da greift das universelle Gesetz, das da heißt: Verpflichtung erzeugt Notwendigkeit. Lassen Sie das noch einmal sacken:
VERPFLICHTUNG ERZEUGT NOTWENDIGKEIT
Was heißt das? Wenn Sie sich absolut mit ihrem Herzen zu etwas verpflichten, dann bewegt sich das Universum und erzeugt die notwendigen Ressourcen, die Sie brauchen. Wohlgemerkt nur dann, wenn Sie eine Verpflichtung nicht für egoistische, manipulative Zwecke benutzen. Das Universum kann sehr wohl zwischen klar, verantwortlicher Verpflichtung und Pseudo-Verpflichtung unterscheiden.
Und damit haben Sie den ersten Schlüssel in der Hand. Verpflichtung erzeugt Notwendigkeit. Sie sind die Quelle. Sie können das kreieren, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, indem Sie sich dazu verpflichten. Kreieren funktioniert wie Bogenschießen: Zuerst fokussieren Sie das Ziel. Wo wollen Sie hin, wo soll der Pfeil hingehen? Genauso funktioniert es mit Ihrer Absicht. Sie setzen zuerst bewusst die Absicht dessen, was Sie kreieren wollen, bevor Sie wissen, wie Sie es kreieren werden.  Hier ist also der zweite Schlüssel:
VERPFLICHTE DICH BEVOR DU WEISST, WIE ES GEHT
Im Beispiel des Bogenschießens kennen Sie auch nur das Ziel. Sie haben die Absicht, das Ziel zu treffen. Wie der Pfeil jedoch seinen Weg dahin findet, entzieht sich Ihrer Kenntnis. Sie haben einfach nur die bewusste Absicht, das Ziel zu treffen. Genauso funktioniert es mit der Verpflichtung in Ihrem Leben. Um es mit den Worten eines aktuellen Werbeslogans zu sagen „Don’t be a maybe“, seien Sie kein „Vielleicht“. Seien Sie ein klares JA, wenn es um ein Ziel geht, das Ihnen wirklich am Herzen liegt.
Neulich war ich zum Beispiel von einer Firma zu einem Gespräch eingeladen. Bereits im Auto auf der Fahrt zu dem Kunden habe ich die bewusste Absicht gesetzt, ein kreatives, kooperatives Meeting mit diesem Kunden abzuhalten. Wusste ich, wie das geht? Nein. Ich konnte es gar nicht wissen, weil ich die Teilnehmer überhaupt nicht kannte und  keine Ahnung hatte, wie deren Laune an dem Tag war. Trotzdem habe ich mich dieser Absicht mit ganzem Herzen verpflichtet. Daraus ergab sich dann der ganze Rest. Schon bei meiner Ankunft ereignete sich überraschend eine sehr humorvolle Situation, die schließlich die Stimmung der gesamten Besprechung prägte.
Und noch einmal: es funktioniert nur, wenn Sie eine bewusste, ehrenwerte Absicht haben, die allen Beteiligten dient. Wenn Sie die Absicht haben, die Dinge so hinzubiegen, dass es für Sie passt, egal wie es den anderen damit geht, good luck. Viel Erfolg. Der Schuss wird ziemlich schnell nach hinten los gehen. Wenn Sie eine unverantwortliche Absicht haben, dann produzieren Sie automatisch unverantwortliche Resultate.
Und: Verpflichtung hat auch nichts mit positivem Denken zu tun. Auch positives Denken funktioniert wieder rein im Verstand, kommt aber meist nicht von Herzen. Da ist der Wille eher der Antreiber. Naja, und wenn der Verstand sich immer positive Bilder ausmalt und sagt „Das will ich“, dann sorgt das Universum meist dafür, dass Sie es auch immer weiter wollen, sprich es manifestiert sich nicht. Die Absicht liegt auf dem Wollen.
Experiment 3: Verpflichten Sie sich von ganzem Herzen
Schauen Sie sich nun noch einmal die Liste an, die Sie unter Experiment 1 erstellt haben. Was möchten Sie tatsächlich in Ihrem Leben ändern oder verwirklichen? Picken Sie sich ein Beispiel raus, von dem Sie sagen können „Ja, das möchte ich wirklich und dazu verpflichte ich mich.“ Und jetzt kommt der Trick: Eine Verpflichtung, zu der Sie wirklich stehen, treffen Sie nicht rein im Verstand. Wenn Sie eine Verpflichtung nur mit dem Verstand treffen, ist es eine reine Ego-Entscheidung. Eine wahre Verpflichtung mit dem Herzen können Sie auch entsprechend im Körper spüren. In dem Moment, in dem Sie eine wahre Verpflichtung eingehen, spüren Sie, wie sich diese in Ihrem Körper regelrecht verankert. Oft ist damit ein Gefühl der Freude verbunden. Mit dieser Verankerung entsteht die Notwendigkeit, die das Universum in Aktion treten lässt
Hierzu eine kleine persönliche Anekdote:
Vor einigen Jahren, saß ich zuhause und dachte über meinen damaligen Job nach. Ich war erfolgreich, alles war schön und gut, aber wirklich erfüllt hat mich der Job nicht. Ich hätte noch zig Jahre so weitermachen können, doch plötzlich war dieses Wort „Bestimmung“ in meinem Kopf. Ich hatte eine innere Gewissheit, dass es für jeden Menschen eine Bestimmung gibt, die ihn erfüllt. Und dann packte es mich plötzlich und ich hörte mich vollen Herzens sagen: „Es gibt so etwas wie die Bestimmung. Ich habe keine Ahnung, was meine Bestimmung ist, aber ich werde sie finden und ich werde sie leben.“ Ich konnte im gleichen Moment spüren, wie sich diese Verpflichtung innerlich verankerte. Es dauerte keine 2 Wochen, bis ich einen Hinweis auf Possibility Management bekam. 2 weitere Wochen später war ich auf meinem ersten Training und 2 Monate später begann ich die Trainer Ausbildung.
Sie sehen also, das Universum reagiert ziemlich schnell, sobald Sie eine bewusste, verantwortliche Absicht setzen und die Verpflichtung eingehen. Sie sind der Schöpfer Ihres Lebens. Ich lade Sie somit herzlich ein aufzuhören, irgendwelche Drama-Geschichten von vermeintlichen Umständen zu erzählen und stattdessen Ihre persönliche Verpflichtung einzugehen. Wie gesagt, Verpflichtung erzeugt Notwendigkeit im Universum, auch wenn Sie nicht wissen wie es geht. Und das ist ein echtes Abenteuer.
Verbundene Grüße,
Ihre Nicola Nagel



POTENZIALE LEBEN!
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Burnout - Killer auf leisen Sohlen


Es ist erschreckend: die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frührente sind psychische Krankheiten. Einen Spitzenreiterplatz nimmt dabei der sogenannte Burnout ein. In Deutschland beträgt die Zahl der offiziell gemeldeten Burnout-Fälle gut 9 Millionen, Tendenz steigend. Die Dunkelziffer liegt weit höher. Burnout kann jeden treffen, ganz egal ob Manager, Werksarbeiter, CEO, Sekretärin oder Buchhalter. Vor dem leisen Killer ist keiner gefeit.  

Burnout ist wie viele andere psychische Symptome eine Krankheit der Moderne, der schnell-lebigen Zeit. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Dinge immer schneller verändern, der Druck im Job immer größer wird, die Anforderungen steigen, und mehr denn je Leistung gefordert wird. Burnout ist vor allem deswegen so tückisch, weil er schleichend kommt. Meist merken die Betroffenen die ersten Anzeichen gar nicht, bis sie schließlich derart psychisch angeschlagen sind, dass sie ihrem täglichen Job nicht mehr nachgehen können.  

Doch was ist Burnout denn nun genau? Burnout heißt ja einfach übersetzt nichts anderes als ausgebrannt sein. Und genau dieses Ausgebrannt-Sein beschreiben die Klienten, die mit Burnout in meine Coachings kommen, gerne auch mit folgenden Begriffe:  

·         Müde
·         Schlapp
·         Ausgelaugt
·         Depressiv
·         Lethargisch
·         Entscheidungsunfähig
·         Gereizt
·         Genervt
·         Unmotiviert
·         Nicht mehr belastbar
·         Alles ist zu viel
·         Unkonzentriertheit
·         Fehlende Fokussierung
·         Angst zu versagen

 Die Liste an Begriffen könnten wir an dieser Stelle sicher noch weiterführen, doch geht es hier nur darum, einige beispielhaft zu erwähnen.  

Doch wie kommt es nun zum Burnout und was kann man vor allem dagegen tun?

Es ist sicher schon viel über dieses Thema geschrieben worden. Warum also ein weiterer Artikel? Aus dem Grund, weil mir bei allen Berichten und Untersuchungen, die erstellt werden, bisher ein ganz entscheidender Aspekte fehlt und zwar das Thema Gefühle. Denn ganz ehrlich: meines Erachtens sind Burnout Kandidaten in keinster Weise psychisch krank. Ihnen hat bloß noch keiner etwas über Gefühle und die Vermischung von verschiedenen Gefühlen erzählt, geschweige denn, sie über bewusste Gefühlsarbeit wieder zu ihrer ursprünglichen Kraft zurück geführt. 

Burnout ist nichts anderes als eine Vermischung von verschiedenen Gefühlen über einen sehr langen Zeitraum. Der Vorbote davon ist permanenter Stress. Doch bevor wir uns dem Kernthema widmen, ist es notwendig, zunächst einige Überlegungen zum Thema Gefühle anzustellen, ein Thema, das in der Arbeitswelt tabu ist. Unsere moderne Gesellschaft trainiert uns dahingehend, dass es nicht okay ist zu fühlen. Besonders im Job ist es nicht angemessen, Gefühle zu zeigen, denn das gilt in der Regel als unprofessionell und unseriös. Und genau da fängt das Dilemma an. 

Warum ist es zum Beispiel nicht okay, wütend zu sein? Nun, Wut wird allgemein als zerstörerisch, gefährlich, kindisch, negativ, unprofessionell, destruktiv und verletzend angesehen. Da ist man gut beraten, nicht zu zeigen, dass man wütend ist.  

Wie wird Traurigkeit in der Regel gesehen? Traurigkeit ist ebenfalls kindisch und unprofessionell, zieht andere herunter, verbreitet schlechte Stimmung und ist unlogisch. Im Job hat sie außerdem gar nichts verloren, denn was sollen die Kollegen denken? 

Wie steht es um die Angst? Angst gilt es bitte gänzlich zu vermeiden, denn Angst ist ebenfalls unprofessionell, blockierend und negativ. Wer Angst hat, ist ein Feigling und Weichei und außerdem ist Angst keine Eigenschaft einer starken Führungskraft.  

Bleibt noch ein viertes Gefühl, die Freude? Freude ist für die meisten Menschen noch das einigermaßen „positive“ Gefühl. Was passiert jedoch, wenn Sie den ganzen Tag gut gelaunt und grinsend im Büro sitzen? Sie werden gefragt, ob Sie nicht genug Arbeit haben, einen Clown gefrühstückt haben, die Nachrichten noch nicht gehört haben oder gar auf Drogen sind. Zu viel Freude ist ebenfalls unprofessionell, ja kindisch, albern und macht andere sehr schnell neidisch.  

Und damit hätten wir alle Gefühlsbereiche schon durch. Es gibt nur diese 4 Gefühle: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Dies sind sogenannte Gefühls-Territorien, d. h. es mag andere Begriffe für Gefühle geben, die jedoch allesamt einem dieser Territorien zugeordnet werden können. So wäre Hass zum Beispiel der Wut zuzuordnen, während Nervosität in den Bereich der Angst gehört. 

Soweit so gut. Was haben jetzt diese 4 Gefühle mit Burnout zu tun? Eine ganze Menge. Das Entscheidende ist nämlich, dass wir diese 4 Gefühle nicht nur unbewusst fühlen und unterdrücken, sondern auch noch miteinander vermischen. Gefühle miteinander zu vermischen ist nicht gut und nicht schlecht, es produziert einfach nur ganz bestimmte Ergebnisse, die eben im schlimmsten Fall zum Burnout oder nervlichen Zusammenbruch führen können.  

Im Folgenden finden Sie eine Darstellung über die Vermischung von Gefühlen nach Clinton Callahan*:

                                                              

Die Vermischung von Gefühlen führt in den meisten Fällen zu Krankheiten, die ihren Ursprung auf der psychisch-seelischen Ebene haben. Lassen Sie uns diese Vermischung einmal im Detail anschauen.

Vermischen Sie Wut und Traurigkeit miteinander, bekommen Sie das, was im Volksmund als Depression bekannt ist. Auch wenn es sicherlich einige Depressionsarten gibt, die genetisch bedingt sind, so sind doch die meisten Fälle auf eine Vermischung von Wut und Traurigkeit zurückzuführen und die fehlende Klarheit darüber, wie man bewusst diese Gefühle trennen und einzeln ausdrücken kann. Depressive Menschen fühlen sich hoffnungslos und sehen keinen Ausweg, was auch eine Folge von Arbeitsüberlastung sein kann.

Eine Vermischung von Traurigkeit und Angst ergibt das Gefühl der Isolation. In diesem Zustand möchte die Person niemanden sehen, zieht sich komplett zurück und will sich nur vergraben. Dies können in einem Unternehmen z. B. auch Eigenbrödler sein, die den Kontakt zu Kollegen vermeiden und sich dadurch selbst ausgrenzen.

Eine Vermischung von Freude und Angst führt zu Leichtsinn oder auch Übermut. Adrenalin-Junkies vermischen gerne Angst und Freude, sei es z. B. beim Achterbahnfahren, beim Schnellfahren mit dem Auto oder dem Motorrad oder beim Bungy-Jumping.

Eine Vermischung von Wut und Freude ist die sogenannte Schadenfreude. Dies tritt auf, wenn sich jemand freut, weil ein anderer Schaden oder Schmerzen hat. In Firmen ist Schadenfreude recht häufig zu finden, z. B. wenn sich jemand freut, dass ein anderer die Beförderung nicht erhalten hat, oder in einem Meeting vor versammelter Mannschaft einen Fehler macht. Schadenfreude kann stumm sein, also nur innerlich ablaufen oder ganz offensichtlich ausgespielt werden. Schadenfreude ist oftmals auch der Nährboden für Intrigen und Mobbing im Job.

Eine Vermischung von Wut und Angst ergibt Hysterie, ein Gefühl, das in unterschiedlichster Ausprägung ebenfalls häufig bei Mitarbeitern vorkommt. Denken Sie nur an Besprechungen, in denen plötzlich jemand laut wird, weil ein Kollege Fakten liefert, die die eigenen Interessen hinfällig werden lassen. Hysterie muss dabei nicht immer in schrillem Kreischen enden, wie es Frauen sehr gerne nachgesagt wird, doch ist diese Vermischung oft sehr gut am Tonfall erkennbar. Hysterie bei Männern kann sich z. B. durch einen gewissen Panik-Ton bemerkbar machen, während man ihnen ansieht, dass sie innerlich vor Wut kochen.

Die Vermischung von Freude und Traurigkeit ist nichts anderes als Sentimentalität, Melancholie oder Nostalgie. Dies kann in Unternehmen u. a. im Rahmen eines Change Management Projektes auftreten. Wenn z. B. 4 Kollegen lange ein Büro geteilt haben und aufgrund einer Umstrukturierung nun in neue Büros aufgeteilt werden, so kann zum einen Freude bei den Betroffenen da sein, dass sie in ein neues Büro ziehen. Andererseits kann aber auch gleichzeitig Traurigkeit da sein, dass sie nicht mehr in der gewohnten Konstellation zusammensitzen.

Und noch einmal: die Vermischung von Gefühlen ist nicht gut und nicht schlecht. Sie produziert lediglich bestimmte Ergebnisse. Wenn Sie Gefühle vermischen, dann ist das wie ein Gefühlsschleim, der sich innerlich zu einem Kloß formt und Sie träge macht. Sie sind dann nicht mehr im Fluss, sind geistig und physisch nicht mehr so beweglich.  

Nun kommt die Steigerung: die Vermischung von 3 Gefühlen (z. B. Wut, Traurigkeit und Angst) führt zu Eifersucht, Habgier oder Neid. Dabei können die Zusammensetzungen der jeweiligen Gefühle individuell recht unterschiedlich sein (z. B. 35% Wut, 40% Angst, 25% Traurigkeit). Und Sie können über ein und dieselbe Sache wütend, ängstlich und traurig sein.  

Lassen Sie uns nun zurückkommen auf unser eigentliches Thema. Wenn Sie 4 Gefühle über einen längeren Zeitraum miteinander vermischen, dann kommt es zum Burnout oder nervlichen Zusammenbruch. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter ist wütend, weil er immer mehr Arbeit auf den Tisch bekommt und jeden Tag bis 20 Uhr im Büro sitzt. Er hat gleichzeitig Angst, weil er befürchtet, die Arbeitslast nicht termingerecht bewältigen zu können. Er ist traurig, weil er kaum noch Zeit für seine Familie hat. Stellt sich die Frage, wie Freude in diese Vermischung noch reinspielt. Nun, ein Burnout Kandidat kann z. B. ein Workaholic sein, der unbewusst Freude empfindet, wenn er wieder eine Aufgabe fertig bekommen hat. Oder er fühlt sich froh, weil er in 6 Monaten für 2 Wochen mit seiner Frau in den Urlaub fährt. Die Auslöser für die 4 Gefühle können ganz unterschiedlicher Natur sein.  

Fakt ist, dass beim Burnout diese 4 verschiedenen Gefühle über einen längeren Zeitraum vermischt werden. Der Vorbote vom Burnout ist übrigens Stress. Damit fängt es meist an.

Und da es in der Regel als nicht angemessen angesehen wird, Gefühle zu zeigen, drücken viele Menschen ihre Gefühle weg, um ein professionelles und seriöses Bild abzugeben.   

Um einem Burnout zu entkommen, ist es entscheidend, Klarheit über die 4 Gefühle zu bekommen und zu lernen, sie wieder klar getrennt voneinander zu fühlen und zum Ausdruck zu bringen. Die Gefühle sind im Menschen fest installiert und dienen uns eigentlich als Navigations-System, das uns zielsicher durch das Leben führt. Nur leider gibt es in der Schule oder im Studium kein Fach „Gefühle – wie sie uns professionell dienen“. Stattdessen lernen wir, die Gefühle wegzudrücken und eine möglichst hohe Taubheitsschwelle zu erreichen.  Lang unterdrückte Gefühle sind jedoch wie ein Vulkan, der im Stillen brodelt. Irgendwann explodiert er. Das können dann plötzliche, unkontrollierte Gefühlsausbrüche sein, Burnout oder andere Krankheiten, die entstehen. Von Ausschlägen, über Bluthochdruck bis hin zu Krebs ist alles denkbar. Warum denken Sie, werden die meisten Menschen krank, wenn sie endlich länger Urlaub haben oder schließlich in Rente gehen? Weil sie dann das starre Konstrukt, dass sie den Rest der Zeit mit viel Energie aufrecht erhalten, etwas lockern und der Körper endlich einmal sprechen kann, wie es ihm geht.  

Burnout ist ein Killer auf leisen Sohlen. Die meisten merken es erst, wenn es schon zu spät ist. Stress im Job und im Familienleben sind heute so selbstverständlich, dass es schon fast unnormal ist, wenn man nicht gestresst ist. Eine Einstellung in unserer Gesellschaft, die den Burnout sehr fördert, ist die, dass viele meinen, sie gelten erst etwas, wenn sie erzählen können, wie gestresst sie sind. Dann nämlich, haben sie viel zu tun, sind wichtig, nicht abkömmlich und erhalten so von anderen die notwendige Anerkennung und Bewunderung. Dass der Zusammenbruch  - in welcher Schwere auch immer – vorprogrammiert ist, ist vielen nicht klar.  

Wenn ein Burnout-Kandidat (und auch jeder andere) jedoch wieder lernt, die Gefühle bewusst zu fühlen, klar voneinander getrennt, dann dockt er wieder an seine ursprüngliche Kraft an. Der erwachsene, menschliche Körper ist darauf ausgelegt, 100% Maximum aller Gefühle zu fühlen und diese Energie zu nutzen. Denn Gefühle sind neutrale Energie und Information, die uns professionell dienen.  

Ich empfehle übrigens, nicht zu versuchen, die Gefühle zuhause auf dem Sofa nach Feierabend selbst auszupacken und damit zu experimentieren, wie Sie diese wieder klar fühlen können. Der Schuss kann sehr schnell nach hinten losgehen. Lang unterdrückte Gefühle können mit einer enormen Wucht zurück kommen. Für diese Arbeit ist daher ein geschützter Raum notwendig, in dem ein professioneller Trainer und Coach Sie unterstützt. Sie brauchen jemanden, der selbst vollen Zugang zu der Kraft der Gefühle hat und weiß, wo Sie gerade sind. Es geht nicht um Katharsis, also darum, einfach die Gefühle wild raus zu lassen. Es geht um bewusste Gefühlsarbeit und die Erschließung der darin liegenden Kraft und des Potenzials. 

Ein Raum, in dem die Mitarbeiter regelmäßig genau diese Arbeit machen können, wäre für jedes Unternehmen ein Gewinn. Ein Raum, in dem sie lernen, ihre Gefühle wieder in Besitz zu nehmen und für ihren Job zu nutzen, anstatt sie wegzudrücken. Ein Raum, in dem die Mitarbeiter wieder lernen die Kraft und das Potenzial der Gefühle zu erschließen und für das Unternehmen einzubringen. Was für ein unglaubliches, kreatives Potenzial würde dadurch in den Firmen zum Tragen kommen! Wenn Ihre Firma für dieses Experiment bereit ist, lassen Sie es mich wissen. Die Erfahrung zeigt, dass die Mitarbeiter nach genau diesem Raum suchen, um nicht in die Burnout Falle gezogen zu werden.

                                                                                              (Autorin: Nicola Nagel)



*Buchtipp: Falls Sie mehr über die Weisheit und Kraft der Gefühle wissen möchten, empfehle ich Ihnen das Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.



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Mittwoch, 14. März 2012

Wo geht's hin? - Auf der Suche nach Lebendigkeit & Inspiration

Was inspiriert Sie? Haben Sie sich diese Frage schon einmal bewusst gestellt? WAS INSPIRIERT SIE WIRKLICH? Wann kommt in Ihnen eine gewisse Lebendigkeit & Leichtigkeit auf, die Sie spüren lässt, dass Ihr Leben einfach im Fluss ist? Wann spüren Sie, dass Sie mit grundloser Freude leben anstatt zu überleben? Was erfüllt Sie?

Kürzlich saß ich in einem Wartezimmer und musste – wie der Name des Zimmers schon sagt - auf meinen vereinbarten Termin warten. Mit mir saß eine weitere Frau in dem Bereich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich persönlich hasse Wartezimmer. Es sind meist tote Räume, in denen keiner sich traut, den anderen anzuschauen oder gar anzusprechen. Stattdessen starrt jeder an die Wand, auf den Boden oder in eine Zeitschrift. Da mir meine Zeit zum Rumstarren und Klatsch-Kolumnen-Lesen zu schade ist, saß ich also dort im Wartezimmer und fragte mich, was mich in diesem Moment unter den gegebenen Rahmenbedingungen wirklich inspirieren würde.

Ich überlegte kurz und kam als erstes auf eher lineare Antworten: 1) Ich könnte das spannende Buch aus meiner Tasche ziehen, das ich für den „Notfall“ dabei hatte. Keine schlechte Idee, doch es wäre nur marginal anders als sich eine Zeitung vorzunehmen. 2) Ich könnte mir Gedanken über den nächsten Artikel machen (den Sie gerade lesen) und Ideen sammeln. Auch keine üble Idee, doch so richtig inspiriert fühlte ich mich noch nicht. Schließlich schaute ich die Dame an und ein kleines Kribbeln kombiniert mit einem inneren Lächeln machte sich in mir breit. Kennen Sie dieses Kribbeln, das wie eine Mischung aus Freude und ein bißchen Angst ist? Freude, weil sie merken, dass Sie kurz davor sind, etwas zu tun, was Ihnen wirklich Spaß macht. Angst, weil Sie einfach aufgeregt sind, dass Sie gleich etwas Tolles, Neues oder Unbekanntes machen werden. Das was mich inspirierte war, mit dieser Frau einfach in Kontakt zu gehen.

Dieser Inspiration folgend fragte ich sie: „Darf ich Ihnen eine unkonventionelle Frage stellen?“ Die Frau guckte mich kurz überrascht an und bejahte dann. Ich fragte sie, zu welchem Thema sie gerne einmal einen Artikel lesen oder einen Vortrag hören würde, sprich was genau sie inspirieren würde. Sie stutzte erst und nach anfänglichem Zögern erzählte Sie dann, welche Themen ihr einfielen. Es war zunehmend Kreativität und Freude im Raum spürbar. In genau diesem Moment betrat eine weitere Frau den Raum. Sie stutzte neugierig, da es ungewöhnlich war, dass in einem Warteraum gesprochen wurde. Doch sie nahm die Freude und Kreativität im Raum sofort auf und setzte sich mit einem Lächeln und wachen Augen auf einen Platz neben der ersten Frau. Von der Atmosphäre inspiriert fragte ich sie sofort: „Wir haben hier gerade eine kreative Unterhaltung, haben Sie Lust mitzumachen?“ Sie bejahte und klinkte sich unmittelbar ein. Es war spürbar, wie die Energie im Raum weiter anstieg und vibrierte. Da war Leben im Raum, Freude, Inspiration, Kreativität. Wir waren alle wach, präsent und es entstand mit einem Mal eine fast schon freundschaftliche Verbindung zwischen uns Frauen. Das ganze dauerte kaum länger als 10 Minuten und löste sich schließlich ganz auf, als ich zu meinem Termin ging. Es war auch nicht entscheidend, wie lange es dauerte. Entscheidend war, dass durch die ursprüngliche Inspiration Verbindung und Lebendigkeit entstanden war und wir alle Spaß gehabt hatten.

Was inspiriert Sie in diesem Moment? Was inspiriert Sie generell im Leben? Interessanterweise nannten die beiden Damen im Wartezimmer unabhängig voneinander „Zumba“ als inspirierend. Kennen Sie Zumba? Ich kannte es bis gestern nicht. Zumba ist ein Tanz-Fitness-Programm, das von lateinamerikanischen Tänzen inspiriert ist und bei dem Jung und Alt, Anfänger und Fortgeschrittene gemeinsam tanzen. Wie eine der Frauen sagte, sei es für sie so inspirierend, weil sie dabei einfach Spaß hätte und gleichzeitig auch Fehler machen dürfe. Es sei egal, ob sie mal einen falschen Schritt mache. In der Tanzgruppe würde jeder von jedem lernen und jeder dürfe so sein und tanzen, wie er kann und mag. Vor allem aber würde Sie es aus vollem Herzen machen und könne vom Alltag und dem Job richtig abschalten und sie selbst sein. Es würde Sie inspirieren, weil sie es nicht TUN MÜSSE, wie so viele andere Dinge im Leben.

AHA! Da kommen wir der Sache schon näher. Inspiration hat etwas damit zu tun, dass wir Freude empfinden, wenn wir etwas mit Leidenschaft (aus dem Herzen) und Begeisterung freiwillig machen und dabei wir selbst sein können. Inspiration ist also etwas, dass aus unserem tiefsten SEIN kommt, aus einer Quelle, zu der der Verstand keinen Zugang hat. Inspiration ist nicht erklärbar. Wenn Sie jemanden fragen, warum er von einer Sache oder Person inspiriert ist, wird er versuchen Gründe zu finden, doch Sie werden mindestens einmal zwischendrin hören „Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Es inspiriert mich einfach“. Das SEIN braucht keine Gründe. Es IST einfach. Inspiration ist zudem sehr individuell. Was den einen inspiriert, graust den anderen vielleicht. Inspiration ist auch etwas anderes als „Vorlieben“ oder „Etwas-Gerne-Mögen“. Inspiration hat eine andere Komponente, die ich gerne „das innere Feuer“ nenne. Wenn Sie inspiriert sind, dann haben Sie dieses innere Feuer. Sie brennen für etwas. Meist können Sie dann diesen Funken in den Augen einer Person sehen, dieses Leuchten, wenn die Person von ihrer Inspiration erzählt. 

In unserer Gesellschaft ist es jedoch leider so, dass Inspiration oftmals kein Platz eingeräumt wird bzw. wenn, dann meist nur in der Freizeit. Wir sind so darauf trainiert, in einer Gesellschaft zu funktionieren, in der ein linearer Lebensplan als das einzig gültige Modell zählt. Wir werden geboren, gehen zur Schule, zum Studium, heiraten, gründen eine Familie und sterben irgendwann. Wie viele wachen jedoch morgens mit dem inneren Feuer der Inspiration auf, springen aus dem Bett und freuen sich, dass ein neuer Tag anfängt, an dem Sie wieder dem nachgehen können, was sie tatsächlich inspiriert?

Sir Kenneth Robinson, ein britischer Autor und bekannter Redner berichtete während einem seiner Vorträge von einer Langzeitstudie. In dieser Studie wurde die Kreativität und Inspiration von Kindern gemessen. Es stellte sich heraus, dass Kleinkinder ein enormes Potenzial an Kreativität und Inspiration haben. Das wird offensichtlich, wenn Sie sich einfach einmal spielende Kinder anschauen. Die Kreativität sinkt jedoch rapide von 100% auf ca. 50%, sobald die Kinder die ersten 4 Schuljahre absolviert haben. Bis zum Teenager-Alter sinkt dieses Potenzial auf ca. 20%. Das ist erschreckend. Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem Inspiration und Kreativität eher gekillt als gefördert werden. Das ergibt durchaus Sinn, denn wer zu viel Inspiration und Kreativität an den Tag legt, entzieht sich der genormten Masse und ist damit aus Sicht der Machthaber nicht mehr kontrollierbar. Zeit für einen Paradigmen-Wechsel!


Experiment 1: Entdecken Sie wieder Ihre Inspiration
Sie können Ihre Inspiration wieder entdecken. Die Inspiration gehört zu uns, wie die Schuppen zum Fisch (oder so ähnlich). Sie ist sozusagen ein Teil unseres Lebensplanes. Das Feuer, das uns unsere Lebensaufgabe erfüllen lässt. Inspiration kann nicht verloren gehen. Sie ist immer in uns. Die Frage ist nur, ob wir an sie andocken, sie entzünden und nutzen, oder ob wir weiterhin zulassen, dass sie unter einem riesigen Berg von Normen, Regeln, Umständen und Gründen begraben bleibt.

Um wieder an die Inspiration anzudocken, lade ich Sie ein, einen Zettel und einen Stift zu nehmen und einmal aufzuschreiben, wofür Sie brennen. Versuchen Sie nicht, zu viel darüber nachzudenken. Schreiben Sie es einfach auf. Es müssen auch keine großen Dinge sein, denn auch ein spannendes Buch mit einem Cappuccino kann inspirierend sein.

Nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit und schreiben Sie einmal alles auf, was Ihnen einfällt. Vielleicht inspiriert es Sie, in den Bergen zu wandern, Schach zu spielen, auf dem Marktplatz ein Eis zu essen, Gefühlsarbeit zu machen, ein neues Produkt-Layout für Ihre Firma zu entwickeln, mit Ihren Kollegen im Team zu arbeiten, zu Bügeln, zu malen oder Zumba zu tanzen. Was es auch immer sein mag, es muss nicht logisch sein. Nehmen Sie sich einfach einmal die Zeit und lassen Sie Ihr Herz, Ihr SEIN sprechen und nicht ihren Verstand.

Das was Sie inspiriert ist auch zeitlich nicht gebunden. So können Sie kleine Dinge finden (wie das Essen in der Sonne), die Sie in diesem Moment inspirieren oder auch größere Dinge, Personen, Projekte, die Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit inspirieren. Schreiben Sie auf, was kommt und gehen Sie immer tiefer. Drehen Sie einige Inspirations-Runden, damit Sie wieder voll und ganz an die Quelle andocken können. Stellen Sie sich immer wieder die Frage „Was inspiriert mich?“ Vielleicht sagt Ihr Verstand am Anfang „Puh, keine Ahnung, was mich inspiriert.“ Dann schreiben Sie einfach „nichts“ auf und gehen weiter zum nächst tieferen Punkt. „Was inspiriert mich noch…?“ Machen Sie solange weiter, bis Sie mindestens 10 Punkte auf Ihrer Liste haben.


Experiment 2: Spüren Sie die Lebendigkeit
Schauen Sie nun noch einmal die Liste mit den Punkten an und lesen Sie jeden Punkt laut für sich vor. Lassen Sie die einzelnen Punkte sacken. Das sind die Dinge, die Sie inspirieren. Das sind die Punkte, für die Sie im Augenblick „brennen“. Und jetzt spüren Sie einmal in Ihren Körper hinein, was das mit ihnen macht. Können Sie die Freude spüren, die aufkommt, wenn Sie sich mit diesen Punkten auf der Liste verbinden? Können Sie die Lebendigkeit spüren, die sich ausbreitet?

Zum Beispiel war ich heute Vormittag nicht sonderlich inspiriert, ich steckte in Gedanken fest. Irgendwann habe ich mich gefragt, was mich in dem Moment am meisten erfüllen und mir Freude machen würde. Als Impuls kam sofort: Mittagessen auf dem Balkon in der Sonne. Gesagt getan. Der Verstand sagte im ersten Moment „Na toll, das ist ja jetzt nicht sonderlich produktiv.“ Das Entscheidende ist jedoch, dass ich der Inspiration und der Freude gefolgt bin. Mein Körper fühlte sich lebendig, als die März-Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht tanzten. Kaum hatte ich 15 Minuten in der Sonne gesessen, kam die nächste Inspiration, diesen Artikel anzugehen. Einfach so, ohne dass ich etwas hätte dazu tun müssen. Ich hatte einfach richtig Lust darauf, meine Finger wollten nichts als auf der Tastatur rumzuklimpern, ohne dass mein Verstand vorher gewusst hätte, was ich schreiben würde. Jetzt kennen Sie das Geheimnis, wie meine Artikel entstehen. Aus dem Nichts. Durch eine unerklärliche Inspiration entfacht.

Und jetzt? Was machen Sie jetzt damit? In besagtem Wartezimmer stellte ich schließlich die Frage, wie es wäre, die Inspiration des Zumba Tanzens nicht nur in der Freizeit zu spüren, sondern grundsätzlich im Leben, also vor allem auch im Job. Darauf antwortete die eine Frau „Naja, das wäre schon toll!“

Das wäre schon toll…Nun die Quizfrage: Wie inspiriert sind Sie, wenn es um Ihren Job geht? Wie sehr inspiriert Sie Ihr Job, den Sie tagein tagaus verrichten? Hand aufs Herz!

Da mag der ein oder andere jetzt sagen: „Ja Moment, das ist ja etwas ganz anderes.“ Tatsächlich? Inwieweit? Ist es anders, weil wir ja unser Geld verdienen müssen, um unsere Miete zahlen zu können? Was bringt die meisten Menschen der Bevölkerung dazu, einen Job zu tun, der sie nicht inspiriert, der Ihnen keinen Spaß macht, wo das TUN anstatt das INSPIRIERT SEIN im Vordergrund steht? Wo es um das Geldverdienen anstatt um den Spaß an der Sache geht? Wenn Sie wirklich inspiriert von etwas sind, machen Sie das nicht des Geldes wegen. Sie machen es, weil es Sie erfüllt, weil es Sie strahlen läßt und das bringt Ihnen letztendlich Geld. Wie bitte? Wie war das? Ein völlig neuer Ansatz, oder? Lassen Sie das noch einmal sacken:

Wenn Sie mit Inspiration und Freude etwas tun, das Sie erfüllt, folgen Sie Ihrem Lebensplan und das bringt Ihnen letztendlich genug Geld zum Leben. Wenn Sie hingegen meinen, Sie müssten einen Job machen, um Geld zu verdienen, dann stecken Sie in der Mittelmäßigkeit fest, ohne Inspiration und wirkliche Erfüllung. Was ist attraktiver?


Experiment 3: Weiten Sie Ihre Inspiration aus
Ich lade Sie nun zu einem wilden Experiment ein. Es besteht darin, dass Sie das Feuer in sich noch größer werden lassen. Im ersten und zweiten Experiment haben Sie bereits den Zugang zu Ihrem Inspirationsfeuer wiedergefunden.  Lassen Sie es jetzt einmal größer werden, indem Sie die Augen schließen und sich vorstellen, wie Ihr Leben aussehen würde, wenn Sie ausschließlich Ihrer Inspiration folgen würden. Lassen Sie das Ganze zu einer Vision werden. Vielleicht kombinieren Sie sogar verschiedene Dinge, die Sie inspirieren, zu einer neuen Tätigkeit. Baden Sie in dieser Vision. Werden Sie zu der inspirierenden Lebensvision und fühlen Sie die Freude dabei. So fühlt sich Lebendigkeit an. „Spinnen“ Sie einmal rum, wie eine Tätigkeit aussehen würde, die Sie absolut inspiriert und erfüllt. Lassen Sie Ihrer Kreativität und Inspiration freien Lauf.

Ehrlich, das Leben ist zu kurz, um Ihre Zeit in einem Job zu verbringen, der Ihnen Energie entzieht und Sie eher dahin vegetieren lässt, anstatt Sie lebendig sein zu lassen. Da mögen jetzt einige vielleicht sagen „Ja, ja, ja, die hat gut reden. Das ist alles gar nicht so einfach, denn irgendwo muss das Geld herkommen und wenn ich da nur in der Sonne sitze und das mache, was mir Freude macht, kann ich davon noch nicht meine Miete bezahlen und die Familie versorgen.“ Nun, so dachte ich auch schon mal. An dieser Stelle möchte ich Ihnen jedoch gerne eine Geschichte von Frederick Dodson (*) nicht vorenthalten, der mit einem Coaching Klienten eines Tages bei Sonnenschein auf einer Parkbank saß. Vielleicht haben Sie die Geschichte schon einmal gehört oder gelesen. Er fragte den Klienten nach der Coaching Sitzung, was er jetzt als nächstes tun wolle. Der Klient, der selbständiger Unternehmer war, antwortete: „Nun, ich sollte jetzt unbedingt nach Hause gehen und mich dringend wieder um die Kundenakquise kümmern.“ Dodson fragte: „Okay, welche Möglichkeit hättest Du noch?“ Der Klient antwortete: „Nun, ich könnte auch hier weiter in der Sonne auf der Parkbank sitzen, aber ich sollte mich wirklich besser um meine Kunden kümmern.“ Dodson fragte: „Okay, aber was inspiriert dich in diesem Moment wirklich und würde Dich mit Freude erfüllen?“ Der Klient antwortete: „Nun ja, das hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber am meisten hätte ich jetzt Lust, die Eichhörnchen zu füttern.“ Dodson sagte: „Prima, mach das!“ Darauf der Klient: „Ja, aber das ist ja nicht wirklich produktiv.“ Worauf Dodson nur sagte: „Erklär das mal den Eichhörnchen.“ Also ließ sich der Klient darauf ein und fütterte die Eichhörnchen. Eine Frau kam des Weges und sprach ihn genau darauf an. Sie kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie Geschäftsführerin eines größeren Konzerns war. Und so kam es, dass nicht nur sie sondern auch noch ihre gesamte Firma mit 10.000 Mitarbeitern die neuen Kunden des Klienten wurden.

Stellen Sie sich einmal vor, jeder Mensch würde seiner Inspiration folgen und nicht aus Angst heraus einen Job machen, der ihn oder sie nicht erfüllt. Wir produktiv und kreativ wären dann die Unternehmen? Was wäre dann in unserer Gesellschaft möglich? Welch unglaublich kreatives Potenzial würde dann entfaltet und würde neue, bahnbrechende und tragfähige Ideen entstehen lassen?

Der Inspiration und Freude zu folgen ist vielleicht nicht immer der logischste Weg, aber er führt Sie ganz sicher zu einem erfüllten Leben. Wenn Sie Ihrer Inspiration folgen, befinden Sie sich auf Ihrem eigentlichen Lebensweg, auf dem Weg, der Ihrer Bestimmung entspricht und Ihr SEIN blühen lässt. Und dann wird das Universum ganz automatisch dafür sorgen, dass Sie versorgt sind. Ich lade Sie ein, Ihrer Inspiration und Ihrem Sein wieder mehr Raum zu geben und das zu leben, wofür sie hergekommen sind. Haben Sie den Mut die Quelle der Inspiration wieder anzuzapfen und das Feuer in Ihnen brennen zu lassen. Es ist Ihr Leben. JETZT!

Herzlich lodernde Grüße,
Ihre Nicola Nagel


(*) Frederick E. Dodson, Buch „Reality Creation Coaching“
   
POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com
        

Montag, 13. Februar 2012

Wie rein ist Ihr Beziehungsraum? - Über die Achtsamkeit in Beziehungen

Wie rein ist Ihr Beziehungsraum? Haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt? „Mein Beziehungsraum?“ höre ich da einige Stimmen schon fragen. Was ist denn das? Sehen Sie, genau darum geht es. Wenn wir uns nicht über unseren Beziehungsraum bewusst sind, darüber was er ist und wie wir damit umgehen, ist es auch nicht möglich diesen Beziehungsraum bewusst rein und heilig zu halten.

Was ist also ein Beziehungsraum? Ein Beziehungsraum ist der Raum, der Ihnen ermöglicht, eine authentische, aufrichtige Beziehung mit einem Partner zu führen. Ja und wo ist der? Zuhause, in der Wohnung, im Haus, im Restaurant, im Schlafzimmer oder wo? Weder noch. Er ist ein Teil von Ihnen. Lassen Sie uns gleich mit dem ersten Experiment starten.

EXPERIMENT 1: Wo ist der Beziehungsraum?
Um diesen Raum zu erspüren, lade ich Sie ein, kurz aufzustehen. Stellen Sie sich einmal gerade hin und lassen Sie die Arme locker herunterhängen. Schnipsen Sie nun einmal mit den Fingern und deklarieren Sie eine unsichtbare Blase um sich herum. Diese Blase ist wie eine Seifenblase und Sie stehen mittendrin. Die Wände dieser Blase sind ca. 50cm von Ihnen entfernt, es können auch 100 cm sein oder nur 10 cm. Diese Blase ist Ihr sogenannter persönlicher Raum. Sie können
ihn jederzeit mit Hilfe Ihrer Intention und Aufmerksamkeit deklarieren. (Mehr dazu siehe Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität).

Wenn Sie nun Ihren persönlichen Raum haben, legen Sie einmal die linke Hand mit der Kante oben an Ihr Brustbein, sodass Ihre Handfläche nach unten zeigt. Führen Sie dann die Handkante der rechten Hand dorthin, wo die Schamregion beginnt und lassen Sie die Handfläche nach oben zeigen. Spüren Sie nun den Raum zwischen Ihren beiden Handflächen, der sich komplett vor Ihrem Körper ausbreitet (wie ein Quader). Voilà, das ist - energetisch gesprochen - Ihr Beziehungsraum.

Leider lernen wir solche wichtigen Sachen nicht in der Schule, da im Patriarchat die Menschen seit jeher zu schlafenden Schafen trainiert und von Medienmogulen und Machthabern manipuliert werden. Wenn Sie sich jedoch Ihres Beziehungsraumes bewusst werden, könnten Sie sehr viel mehr Klarheit bekommen, warum Ihre Beziehung so ist, wie sie ist (oder auch nicht ist).

Sie wissen nun also, wo Ihr Beziehungsraum ist. Dieser Beziehungsraum sollte das Heiligste sein, was Sie pflegen, denn er bestimmt die Qualität der Beziehung zu Ihrem Partner und damit, wie authentisch und außergewöhnlich Ihre Beziehung sein kann. Dieser Beziehungsraum sollte nur Ihrem Partner vorbehalten sein. Das bedeutet, wenn jemand energetisch in ihrem Beziehungsraum ist, dann NUR ihr Partner. Die Energien aller anderen Personen haben dort nichts verloren.

Leider ist es in den seltensten Fällen so, dass unser Beziehungsraum rein ist, denn wie gesagt sind sich die meisten Menschen überhaupt nicht darüber bewusst, dass wir einen energetischen Beziehungsraum haben. Daher ist es leider in der Regel so, dass unsere Beziehungsräume mit allem möglichen „energetischen Müll“ angefüllt sind. Was ist da nun wieder mit gemeint? Nun, unser Beziehungsraum ist oft gefüllt mit:
  • Alten Beziehungen (sie binden sich automatisch energetisch an jemanden, mit dem Sie eine Beziehung haben)
  • Kindheitserfahrungen
  • Flirtereien (und sei es nur der kecke Blick zu der netten Fahrerin im Nachbarauto)
  • Film-Stars (z. B. wenn jemand ständig von einem Filmstar schwärmt)
  • Konzepten / Ideen über Beziehung (so stelle ich mir eine Beziehung vor)
  • Sexuelle Fantasien
  • Arbeitskollegen, Chef/Chefin
  • Kindern
  • Mutter/Vater
  • Email/SMS/Chatroom/Facebook etc.
  • Einem großen NEIN (z. B. wenn wir Haß auf eine(n) Ex haben)

Was in unserem Beziehungsraum ist, kann sehr vielfältig sein. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Beziehungsraum zu 70% mit allerlei energetischem Müll angefüllt ist.

Neulich war ich auf einer Veranstaltung und habe gedacht, ich werde wahnsinnig. Ich sah eine Frau im Gespräch mit einem Mann. Beide waren in fester Beziehung. Allerdings nicht miteinander. Er war angeblich glücklich verheiratet, sie in langjähriger glücklicher Beziehung. In diesem Gespräch wurde unbewusst von beiden Seiten so viel sexuelle Energie über Blicke ausgetauscht, dass ich kurz davor war, dazwischen zu gehen. Doch es war nicht mein Job, als Trainerin aktiv zu werden. Somit habe ich es beim Beobachten gelassen. Es war schmerzhaft, das zu sehen. In Lichtgeschwindigkeit waren die jeweiligen Beziehungsräume der beiden zu ca. 20% mit der sexuellen Energie des anderen gefüllt. Und das war nur eine Situation an einem Abend.

Um kurz Klarheit zu schaffen, was sexuelle Energie ist: Sie tauschen nicht nur sexuelle Energie mit jemandem aus, dem Sie körperlich nahe sind, den Sie küssen, streicheln oder mit dem Sie schlafen. Sexuelle Energie kann genauso über Blicke, Gesten und den offenen Mund (beim Sprechen) ausgetauscht werden. Es fühlt sich an wie klebrige Spinnenfäden (oder auch ganze Netze), die zwischen den Personen hängen oder über die Personen drüber gestülpt werden. Jetzt überlegen Sie einmal, wie oft Sie oder andere Menschen in Ihrem Umfeld flirten. Es reicht ein kurzer Blick, damit eine andere Person in Ihren Beziehungsraum eindringt. Ich lade Sie ein, einmal kurz innezuhalten und an eine Situation zu denken, in der Sie das mit jemandem erlebt haben, der NICHT Ihr Partner war…

Das Ding ist nur folgendes: Wenn Ihr Beziehungsraum unbewusst mit fremder sexueller Energie angefüllt ist, haben Sie diese Energie nicht mehr für Ihren Partner übrig. Konkret: Der Mann und die Frau aus dem Beispiel, haben nur noch jeweils 80% Energie für Ihren Partner übrig. Die sexuelle Energie, die Sie unbewusst mit jemandem austauschen geht nämlich nicht von alleine wieder aus Ihrem Beziehungsraum. Sexuelle Energie hat eine ganz fiese, klebrige Konsistenz. Und: Ihr Partner spürt das. Vielleicht nicht bewusst. Aber unbewusst und das untergräbt das Vertrauen in Ihrer Beziehung.

Wenn Sie lernen darauf zu achten, können Sie es in relativ kurzer Zeit sehr leicht erkennen. So wie ein Bekannter es kürzlich tat. Seine Freundin war am Wochenende auf einer Messe. Sie kam am Sonntag zurück. Er schaute sie an und sagte Ihr auf den Kopf zu nicht nur dass sie mit einem Mann geflirtet hatte, sondern er beschrieb ihr detailliert, wie er ausgesehen hat. Worauf der Freundin ziemlich abrupt die Kinnlade herunterklappte, weil es zutraf. Das ist kein Scherz.

Ehrlich, lernen Sie Achtsamkeit für Ihren Beziehungsraum zu entwickeln.


EXPERIMENT 2: Womit ist Ihr Beziehungsraum gefüllt?Das Experiment wird einem Teil in Ihnen vielleicht nicht gefallen. Doch ich lade Sie ein, es trotzdem zu machen. Wenn Sie bis hierher gelesen haben, ist es eh zu spät. Sie wissen schon etwas über Beziehungsräume.

In diesem Experiment geht es darum zu schauen, womit Ihr Beziehungsraum angefüllt ist. Setzen Sie sich einmal entspannt hin. Nehmen Sie ein DinA4 Blatt Papier und malen Sie einen einfachen viereckigen Raum mit einer gewölbten Kuppel darauf, sodass er das ganze Blatt ausfüllt. Das ist Ihr Beziehungs-Tempel. Nehmen Sie nun einen tiefen Atemzug und schließen Sie die Augen. Versuchen Sie dieses Experiment nicht mit dem Verstand zu „lösen“. Erspüren Sie vielmehr Ihren Beziehungsraum. Spüren Sie nun hin und seien Sie gnadenlos ehrlich, wenn Sie
folgende Frage beantworten:

„Wer ist alles in Ihrem Beziehungsraum und zu wie viel Prozent?“

Schreiben Sie die Namen und die Prozentzahl auf das Blatt in den Beziehungstempel. Es könnte sein, dass Ihnen erst einige ehemalige Partner einfallen, Ihr Chef/Chefin, Ihre Kollegen oder Freunde. Und dann gibt es da vielleicht noch den ganzen „Klein-Kruscht“ an vorüberfliegenden, sekundenschnellen Flirtereien mit Unbekannten (in der U-Bahn, auf einer Party, im Park, im Café). Letztere können Sie in einem Block zusammenfassen. Es kommt auch vor, dass der ein oder andere seinen Beziehungsraum mit einem Konzept über Beziehung gefüllt hat. Das heißt eine Vorstellung/Idee/Träumerei, wie eine Beziehung zu sein hat. Wieder andere spüren vielleicht auch einfach ein „Nein“. Was auch immer intuitiv auftaucht, schreiben Sie es auf.

In Ihrem Tempel könnte dann (angenommen, Sie sind ein Mann) z. B. stehen:
  • Maria (Ex-Freundin): 30%
  • Claudia (Kollegin): 10%
  • Mutti: 20%
  • Gabriele (Ex-Ex-Freundin): 5%
  • Party-Flirtereien: 15%
  • Beziehungskonzept von den Eltern: 10%
Schreiben ie alle Namen auf oder Konzepte, die hochkommen. Erspüren Sie die Prozentzahl.
Es ist nicht wichtig, ob Sie hinterher mehr oder weniger als 100% haben. Das ier ist keine Mathe-Aufgabe. Es geht darum ein Gespür dafür zu bekommen, wie ugemüllt Ihr Beziehungsraum ist.
Im eispiel wären es also 90%.

Quizfrage: Wie wollen Sie eine authentische Beziehung mit einem Partner leben, wenn Ihr
Beziehungsraum mit energetischem Müll von anderen Menschen angefüllt ist? Wie wollen Sie eine vertrauensvolle Partnerschaft leben?


EXPERIMENT 3: Schaffen Sie den Müll raus.Ich würde Ihnen gerne eine Schnellmethode geben, mit der Sie in 2 Sekunden den Müll aus Ihrem Beziehungsraum befördern können. Und: es gibt keine Schnellmethode. Es geht darum, dass Sie es bewusst machen. In unserer Gesellschaft muss immer alles schnell-schnell-schnell gehen. Doch Sie können Ihren Beziehungsraum nicht mal eben reinigen, so wie Sie auf die Toilette gehen. Es braucht Achtsamkeit. Es braucht Aufmerksamkeit und es braucht Bewusstheit. Ansonsten wäre es nur eine Methode für den Verstand, die Sie gleich wieder vergessen und es würde sich rein gar nichts im Hinblick auf Ihren Beziehungsraum ändern.

Warum würden Sie überhaupt Ihren Beziehungsraum reinigen wollen? Was wäre Ihre Absicht?
Seien Sie sich über folgendes bewusst: Wenn Sie Ihren Beziehungsraum reinigen, würde plötzlich mehr Intimität und Nähe mit Ihrem Partner möglich. Ihre Beziehung würde eine neue Qualität erreichen. Wären Sie bereit, eine neue Intensität an Nähe überhaupt zuzulassen?

Wenn Sie das erste Mal Ihren Beziehungsraum reinigen, empfehle ich Ihnen dringend, es auf keinen Fall alleine zu tun, aber auch nicht mit Ihrem Partner. Ihr Partner muss den ganzen energetischen Müll nicht im Detail kennen. Es reicht, wenn Sie ihm/ihr sagen, dass Sie etwas über Beziehungsräume gelernt haben.

Suchen Sie sich für das Reinigen Ihres Beziehungsraumes jemanden, der sich mit Gefühlsarbeit auskennt und den Raum für Sie sicher machen kann. Es dauert nicht sehr lange, vielleicht 30 Minuten, aber es werden Gefühle hochkommen wenn Sie bewusst die Energie der verschiedenen Personen aus Ihrem Beziehungsraum entfernen und es ist entscheidend, dass diese gehört
werden.

Was Sie ab sofort jedoch machen können ist, Sie können aufhören, Ihren Beziehungsraum mit weiterem Müll anzufüllen. Wenn Sie das nächste Mal unterwegs sind, im Büro, auf einer Party, in einem Café, dann beobachten Sie zunächst einmal wie häufig Menschen, die offensichtlich nicht
zusammen gehören, unbewusst sexuelle Energie miteinander austauschen. In italienischen Restaurants ist das z. B. sehr leicht bei den Kellnern zu beobachten. Es scheinen vielleicht harmlose Flirtereien zu sein, doch die Auswirkungen sind verheerend und führen zu Vertrauensverlust in Beziehungen. Nachdem Sie es bei anderen beobachtet haben, beobachten Sie sich selbst. Wann, wo und mit wem flirten Sie? „IIIICH? Ich flirte nicht!“ Nun, wenn Sie sich bisher nicht über Beziehungsräume bewusst waren, dann liegt die Wahrscheinlichkeit bei 99,9%, dass Sie es doch tun. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Sie ein Mann oder eine Frau sind, auch wenn Frauen zugegebenermaßen ein unglaubliches Flirt-Repertoire haben. Doch Sie müssen als Mann nicht darauf eingehen. Sie müssen auch als Frau das klebrige Spiel nicht spielen. Es reichen wirklich kleine Blicke. Oder, was die Männer sehr gerne machen: sie geleiten eine Dame in einen Raum und berühren dabei wie zufällig ferngesteuert ihren Arm oder ihren Rücken. Meine Damen, Sie können es sofort spüren, ob der Mann in ihren persönlichen Raum eindringt. Werden Sie sich dessen bewusst. Gleiches gilt umgekehrt. Die Frauen berühren die Männer gerne wie zufällig liebreizend an der Hand oder am Arm oder flattern mit Ihren langen getuschten Wimpern. Sie erkennen und spüren sexuelle Energie sofort an ihrem „Drall“.

Und: Ja, es ist schmerzhaft sich das Spiel bewusst zu machen. Es ist schmerzhaft zu erkennen, dass Sie unbewusst wahllos mit fremden Leuten sexuelle Energie ausgetauscht haben. Aber wie viel ist Ihnen Ihre Beziehung wert? Was sind Sie wirklich bereit dafür zu tun? Belangloser, unbewusster Austausch von sexueller Energie ist Beziehung auf dem Niveau eines Jugendlichen, der gerade von zuhause ausgebrochen ist und das erste Mal das andere Geschlecht erkundet. Es ist ein minderjähriges Verhalten. Doch hatten Sie in der Schule ein Fach mit dem Titel „Authentische Beziehungen“? Sehen Sie. Verurteilen Sie sich jetzt nicht selbst, wenn Sie sich dieses Spieles bewusst werden. Freuen Sie sich, dass Sie ab sofort das Spiel nicht mehr mitspielen müssen.


EXPERIMENT 4: Aus dem Spiel aussteigenEs gibt verschiedene Möglichkeiten zu reagieren, wenn Ihnen jemand seine sexuelle Energie überstülpen will, Sie es wahrnehmen und sich entscheiden, dieses Spiel nicht mehr zu spielen. Hier einige Beispiele:
  • Wenden Sie den Blick ab, wenn jemand über die Augen mit Ihnen flirten will.
  • Wenn jemand versucht Sie über eine Frage zu „ködern“, wechseln Sie neutral das Thema.
  • Wenn Sie am Tisch sitzen und jemand dieses Spiel mit Ihnen spielt, drehen Sie einfach
    einen Gegenstand auf dem Tisch um und deklarieren Sie, dass sich die Situation ändert.
  • Wenn Ihnen klebrige Energiefäden entgegen schleudern (oder auch ganze klebrige Netze),
    deklarieren Sie augenblicklich, dass Sie eine Spindel in Ihrem Körper haben, die sich ganz schnell dreht. Durch die Drehbewegung können die Energiefäden nicht andocken.
  • Wenn Sie mit jemandem sprechen müssen und es kein Ausweichen gibt, haben Sie neben der Spindel zwei weitere Möglichkeiten:

    1. Legen Sie Ihre Zunge gegen die obere Zahnreihe. Dadurch verändert sich automatisch
    Ihr Blick, sodass über Ihre Augen keine Flirtenergie rein oder raus gehen kann.

    2. Sprechen Sie die Person an, indem Sie ein Metagespräch führen. „Ich würde gerne etwas
    ansprechen. Ich weiß nicht, ob es Dir bewusst ist, aber Du versuchst gerade mit mir zu flirten und sexuelle Energie mit mir auszutauschen. Ich stehe für diese Art Spiele nicht zur erfügung. Bitte hör sofort damit auf. Ich würde das Gespräch sonst gerne beenden.“ Das wird dem Anderen unter Umständen kurz den Boden unter den Füßen wegziehen, aber dann gibt es zumindest wieder jemanden, der eine Bewusstheit über Beziehungsräume und sein Handeln entwickelt.

Ich lade Sie wirklich ein, aufmerksam zu werden und Achtsamkeit dafür zu entwickeln, was Sie mit Ihrer Energie tun. Eine Beziehung ist etwas besonderes, ein Beziehungsraum ist etwas Heiliges. Um es mit den Worten von Clinton Callahan zu sagen: „Beziehungen sterben nicht aus Mangel an Liebe. Beziehungen sterben aus Mangel an Intimität.“*

Achten Sie also auf Ihren Beziehungsraum und halten Sie ihn sauber, damit Sie mit Ihrem Partner außergewöhnliche und vielleicht sogar archetypische Intimität leben können.

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel

*Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie authentische Beziehungen erschaffen, empfehle ich Ihnen das Buch „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.

POTENZIALE LEBEN!