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Mittwoch, 13. März 2019

3 Schritte, um in Bewegung zu kommen, wenn Du feststeckst


Steckst Du in dem einen oder anderen Lebensbereich fest, oder hast Du in der Vergangenheit schon einmal festgesteckt? Die meisten werden dies schon erlebt haben. Wenn Du feststeckst, dann hast Du den Eindruck, es geht nicht vorwärts und nicht rückwärts. Eventuell hast Du es auch schon erlebt, dass Sätze wie „Ich weiß nicht, was ich tun soll“ oder „Ich weiß nicht, wie ich es verändern soll“ durch Deinen Kopf. Hier sind zwei Beispiele:

Beispiel 1: „Ich stecke im Job fest“
Stell Dir vor, Du hast einen Chef oder eine Chefin, die enormen Druck ausübt, sodass Du Dich letztendlich in Deinem Job gestresst fühlst. Du bekommst immer mehr Aufgaben und versuchst dieser Aufgaben Herr zu werden, denn schließlich möchtest Du Deinen Job nicht verlieren. Doch eigentlich fragst Du Dich, wie Du das nur schaffen sollst. Du weißt nicht, wie Du aus dem Hamsterrad aussteigen kannst und machst daher weiter wie bisher, möglicherweise so lange, bis Du völlig erschöpft bist und krank wirst.

Beispiel 2: „Ich stecke in meiner Beziehung fest“
Vielleicht steckst Du auch in Deiner Beziehung fest, z. B. in der Form, dass Du Dich mit Deinem Partner/Deiner Partnerin immer wieder in Streits oder Diskussionen wiederfindest und Du mittlerweile der festen Überzeugung bist, dass nichts anderes möglich ist. Eventuell passiert auch genau das Gegenteil und Du steckst fest in der Situation, dass Ihr nicht mehr viel miteinander sprecht, Distanz da ist und Du Dich fragst, welche gemeinsame Basis Ihr eigentlich habt. Du sagst Dir: „Ich würde ja gerne eine andere Art von Nähe und Intimität leben, aber ich weiß nicht wie. Mit ihm/ihr ist das nicht möglich. Jedes Mal, wenn ich es probiere, kommen wir wieder in das alte Muster und streiten. Er/Sie sieht mich einfach nicht.“

Es gibt noch viele andere Beispiele des Feststeckens. Die spannende Frage ist jedoch, wie Du in Bewegung kommst, wenn Du meinst, festzustecken. Dafür ist es notwendig kurz zu beleuchten, wie Du überhaupt in eine festgefahrene Situation kommst.

Wenn Du feststeckst, dann meinst Du in dem Moment, dass nichts anderes möglich ist. Du wünschst Dir vielleicht etwas anderes, weißt aber nicht, wie Du aus der eigentlichen Situation rauskommen sollst. Du deklarierst „Es IST so!“ „Nichts anderes ist möglich.“ „Ich stecke fest“. Das bedeutet, dass Du komplett mit Deinen Gedanken und Geschichten über die Situation identifiziert bist und auch fortlaufend Gründe dafür findest, warum es so ist. Die Welt ist reich an Beweisen, und welche Geschichte Du auch immer untermauern willst, Du wirst die Beweise finden.

Hast Du die festgefahrene Situation, dass Dein Chef ein Idiot ist, dann wirst Du jeden Tag im Job Beweise finden, dass er z. B. schon wieder einen gemeinen Drall in der Stimme hatte, oder nicht gegrüßt hat, oder was auch immer. Wenn Du die festgefahrene Situation in Deiner Beziehung hast, dass Nähe mit Deinem Partner/Deiner Partnerin nicht wirklich möglich ist, dann wirst Du eine Menge Beweise finden, z. B. dass er/sie jeden Abend müde auf dem Sofa liegt, dass er Dir vielleicht schon lange keine Blumen mehr mitgebracht hat, oder sie schon lange nicht mehr „Ich liebe Dich!“ gesagt hat.
In dem Moment, wo Du meinst Festzustecken, bist Du in einer Opfer-Haltung. Du bist Opfer der Umstände, Opfer der Situation, Opfer des Feststeckens. Vielleicht sagst Du jetzt „Ja, toll, und wie komme ich da raus?“ Hier sind 3 wichtigen Schritte, um in Bewegung zu kommen.

SCHRITT 1: Gesteh Dir ein, dass Du feststeckst
Dir einzugestehen, dass Du feststeckst, ist der erste Schritt. Dir das einzugestehen, kann möglicherweise schmerzhaft sein, vor allem wenn Du zu den Menschen gehörst, die normalerweise alles im Griff haben und gerne für alles eine Lösung haben. Um Dir einzugestehen, dass Du feststeckst, mache einmal folgendes Experiment:

·         Schreibe die Lebenssituation auf, in der Du feststeckst. Wer sind die Beteiligten? Worum geht es genau? In welcher Form steckst Du fest? Was passiert da genau?

·         Dann schreibe Deine ganzen Beweise für diese Situation auf. Welches sind konkret die Beweise, die Deine Geschichte des Feststeckens untermauern? Sie präzise. Und sei vor allem radikal ehrlich, auch wenn Du Beweise anführst, die Dir vielleicht peinlich sind. Es liest ja niemand außer Dir. Hier geht es darum, dass Du es Dir selbst eingestehst.


SCHRITT 2: Dein Nutzen, festzustecken
Nun da Du Klarheit über Deine Situation und die ganzen Gründe hast, geht es ans Eingemachte. Ein Teil in Dir möchte diesen zweiten Schritt vielleicht gar nicht machen. Wenn Du wirklich in Bewegung kommen willst, mach ihn trotzdem!

In Schritt 1 hast Du gerade aufgeschrieben, wo Du Opfer des Feststeckens bist. Jetzt geht es darum, dass Du aufschreibst, was Dein Nutzen davon ist. Was ist der Nutzen davon, dass Du feststeckst und immer wieder Beweise für die festgefahrene Situation findest? Möglicherweise sagt eine Stimme in Dir „Wie, Nutzen? Ich habe davon doch keinen Nutzen! Das Feststecken ist Mist! Ich will ja etwas anderes.“ Und doch hast Du einen Nutzen davon, sonst hättest Du bereits etwas anderes im Leben. Es geht darum, dass Du beginnst, Verantwortung für Dein Feststecken zu übernehmen. Beantworte dazu folgende Fragen:

  • Wie hast Du dazu beigetragen, dass Du feststeckst?
  • Was konntest Du durch das Feststecken bisher vermeiden?
  • Was musstest Du nicht tun?
  • Was hast Du dadurch eventuell bekommen?
  • Was war bisher der Nutzen?

Es geht bei diesem Schritt also nicht um die anderen beteiligten Personen, sondern um Dich. Was ist DEIN Nutzen des Feststeckens. Verantwortung für Dein Feststecken zu übernehmen, scheint im ersten Moment nicht fair. Doch wenn Du in Bewegung kommen willst, kommst Du um diesen Schritt nicht herum. Im Folgenden findest Du Schritt 2 angewandt auf die beiden oben genannten Beispiele.


Beispiel 1: Der Nutzen, im Job festzustecken
Lass uns das obige Beispiel wieder hernehmen. Vielleicht hast Du in der Form zum Feststecken im Job beigetragen, dass Du nie glasklar NEIN gesagt und eine Grenze gesetzt hast, als das Arbeitspensum längst erreicht war. Du bist nicht für Dich eingestanden, sondern hast Deine Autorität an Deinen Chef abgegeben und Dich angepasst verhalten. Möglicherweise ist Dein sehr großer Nutzen auch der, dass Du Anerkennung und Aufmerksamkeit von Kollegen oder Deinen Lieben bekommst, wenn Du gestresst nach Hause kommst, weil Du wieder so viel gearbeitet hast. Aufmerksamkeit ist ein toller Nutzen! Vielleicht musst Du Dir bei so viel Stress auch nicht eingestehen, dass Du den Job eigentlich gar nicht machen möchtest. Dadurch musst Du Dich nicht der Angst aussetzen, was passiert, wenn Du kündigst. … und so weiter. Sei radikal ehrlich.

Beispiel 2: Der Nutzen, in Deiner Beziehung festzustecken
Wenn Du mit Deinem Partner immer wieder streitest oder Ihr umgekehrt nicht mehr viel miteinander sprecht und Du in dieser Situation feststeckst, wie hast Du dazu beigetragen und was könnte Dein Nutzen sein? Möglicherweise hast Du in der Form dazu beigetragen, dass Du irgendwann aufgehört hast, Deinen Partner wertzuschätzen. Vielleicht teilst Du auch nicht mehr mit, welche Dinge Dich bewegen. Der Nutzen davon könnte sein, dass Du Dich nicht verletzlich zeigen musst und dadurch nicht riskieren musst verletzt zu werden. Du kannst im Bekannten bleiben. Ein weiterer Nutzen kann auch sein, dass Du Mitleid von Deinen Freunden bekommst, wenn Du Dich bei ihnen über Deine Beziehung beschwerst. Außerdem musst Du Dich nicht der Angst stellen, die aufkommt, wenn echte Nähe und Intensität entsteht. Du siehst, auch da gibt es einen interessanten Nutzen, wenn Du radikale Verantwortung übernimmst.

Schreibe einmal genau auf, was Dein Nutzen ist, wenn Du radikale Verantwortung für Dein Feststecken übernimmst.


SCHRITT 3: Wie lautet Deine Entscheidung?
Nachdem Du nun Klarheit über die Situation, die Beweise dafür und Deinen Nutzen des Feststeckens hast, besteht Schritt 3 darin, eine gefährliche Frage zu beantworten, und zwar aus Deinem Körper heraus, nicht aus Deinem Verstand. Atme, komm in Deinen Körper, spüre in Deinem Körper den Schmerz des Feststeckens ganz bewusst und beantworte aus dem heraus  folgende Frage:
Hast Du lange genug festgesteckt?

Stelle Dir diese Frage ernsthaft und beantworte sie aus Deinem Körper heraus, nicht aus dem Verstand. Falls Deine Antwort JA lautet, kannst Du beginnen, Deine Geschichte zu verändern. Dann bist Du bereit, Deinen bisherigen vermeintlichen Nutzen aufzugeben und etwas völlig neues zu wagen. Dann ist Dir klar, dass Du zu dieser Situation und dem Feststecken beigetragen hast und somit auch Verantwortung übernehmen kannst, etwas Neues zu kreieren.

Ist Deine Antwort NEIN, dann ist das nicht gut und nicht schlecht. Es bedeutet einfach, dass es einen Teil in Dir gibt, der nicht bereit ist, Verantwortung für die Situation zu übernehmen, weil Dein Nutzen noch zu groß ist. Vielleicht erfindest Du dann Geschichten wie „Ja, vielleicht ändert er/sie/die Situation sich ja und dann ist alles anders!“ In dem Fall ist es bequemer für Dich, weiter festzustecken und das Leben an Dir vorbei ziehen zu lassen. Dann machst Du Dir den Schmerz des Feststeckens nicht in seinem vollen Ausmaß bewusst, denn sonst würdest Du etwas verändern. Sei Dir einfach bewusst, dass es Deine kostbare Lebenszeit ist, die Du durch das Feststecken vergeudest. Du bekommst sie nicht zurück.

Etwas zu verändern und aus dem Feststecken herauszukommen kann beängstigend sein. Du verlässt bekanntes Gebiet und probierst vielleicht etwas Neues aus. Es ist absolut angemessen Angst zu haben. Doch anstatt sich von der Angst blockieren zu lassen, kannst Du sie einfach als Indikator dafür nehmen, dass Du aus etwas Bekanntem ausbrichst und nicht weißt, was dann passiert. Das braucht Mut. Vielleicht hilft es Dir, an dem Punkt dann folgendes in Betracht zu ziehen:

Mut ist nicht das Ausbleiben von Angst.
Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.

Ziehe zudem einmal in Betracht, dass Du nicht bereits wissen musst, wie das Neue geht. Du musst es auch nicht alleine tun, sondern kannst Dir jederzeit Unterstützung holen in Form von Freunden, erfahrenen Trainer, oder was es auch immer braucht. Die einzige Frage, die zählt, ist:

War es jetzt lange genug?

In diesem Sinne, herzlich bewegende Grüße,
Nicola

Montag, 16. September 2013

Die Krux von Akzeptanz und Ertragen.



Kennen Sie Menschen, die gelegentlich JA sagen, aber innerlich eigentlich NEIN meinen? Waren Sie womöglich selbst schon einmal in der Situation, dass Sie JA gesagt haben, obwohl Sie mit etwas nicht wirklich einverstanden waren?

Hier ein simples Beispiel: Stellen Sie sich vor eine Gruppe von 6 Freunden hat sich zum Abendessen in der Stadt verabredet, ohne vorher die Lokalität festzulegen. Am vereinbarten Treffpunkt beginnt eine wilde Ideen-Sammlung und schnell steht fest, dass drei Leute gerne zum Italiener möchten, während die andere Hälfte lieber zum Asiaten möchte. Oh-Ha! Was nun? 2 Positionen mit jeweils wirklich guten Argumenten. Letztendlich stellt sich heraus, dass einer der 3 Asiaten-Befürworter eigentlich indifferent ist und durchaus auch zum Italiener gehen würde. Somit wird kurzerhand das Mehrheitsprinzip angewandt, die 2 verbleibenden Asiaten-Fans überstimmt und die Meute bricht Richtung Italiener auf.

Nun könnte man meinen, dass die Mehrheit ja für den Italiener gestimmt hat und damit alles gut ist. Doch ist es das tatsächlich? Der Mehrheitsentscheid ist Gang und Gäbe in unserer Gesellschaft. Wer ist dafür, wer ist dagegen. Zack, die Mehrheit gewinnt. Ich gewinne – Du verlierst, lautet das beliebteste Spiel.

Im Beispiel „gewinnt“ die Gruppe, die für den Italiener ist. Nun wird es spannend: Was ist mit den 2 Personen, die lieber zum Asiaten wollten und nun als Schlusslichter der Gruppe hinterher trotten? Ertragen sie die Entscheidung oder akzeptieren sie diese? Wie sieht es aus mit diversen Gegebenheiten oder Situationen in der Partnerschaft, dem Job, in der Freizeit mit Freunden, mit dem Nachbarn? Es ist eine Frage, die alle Lebensbereiche betrifft.  Ertragen Sie Entscheidungen, Gegebenheiten, Situationen? Oder akzeptieren Sie sie voll und ganz.

Lassen Sie uns einmal schauen, was der Unterschied ist.

Wenn Sie etwas akzeptieren, dann:
·         sind Sie in Ihrer Kraft.
·         sind Sie im Hier und Jetzt präsent mit dem was ist.
·         sind Sie ein JA.
·         können Sie kreativ sein und in Aktion treten .
·         können Sie verantwortlich agieren.
·         können Sie neutral sein.
·         können Sie spielerisch sein.
·         sind Sie flexibel.
·         sind Sie zentriert.
·         können Sie den nächsten Schritt gehen.
·         Können Sie die nächste Entscheidung treffen.

Wenn Sie hingegen etwas ertragen, dann
·         sind Sie in der Opferrolle; Sie sind das Opfer der Umstände.
·         sind Sie innerlich ein Nein.
·         bauen Sie unbewusst Groll auf.
·         zerstören Sie Nähe und Vertrautheit.
·         sind Sie nicht authentisch.
·         verhalten Sie sich angepasst.
·         vergeuden Sie Ihre Energie und Kraft.
·         sind Sie in Abwehr-Position.
·         machen Sie andere für die Umstände verantwortlich.
·         können Sie keine klaren Entscheidungen treffen.
·         stecken Sie im Sumpf fest.
·         sind sie unflexibel und starr.

Das Wort birgt es schon in sich: ER-TRAGEN. Sie tragen etwas, das Sie nicht wollen. Es ist wie eine Last. Wie viele Menschen kennen Sie in Ihrem Umfeld, die im Job, in der Familie, ja sogar in ihrer Freizeit verschiedenste Dinge ertragen? Wenn Sie etwas ertragen, dann sind Sie innerlich gegen das, was gerade passiert. Und genau das ist der kraftzehrende Akt: Sie kämpfen innerlich gegen etwas, das für Sie nicht in Ordnung ist und grummeln – mal mehr, mal weniger – vor sich hin.

AKZEP-TANZ hingegen hat in der Tat etwas mit Tanz zu tun. Wenn Sie eine Gegebenheit voll und ganz akzeptieren, d. h. innerlich bejahen und sagen können „Ja, okay es ist wie es ist, das ist jetzt die Situation“, dann wird Ihr Agieren zu einem spielerischen Tanz mit dem, was ist. Sie bleiben flexibel, spontan, kreativ. Doch wie kommen Sie zu Akzeptanz?

Lassen Sie uns an dieser Stelle mit den beiden folgenden Experimenten weitermachen.

Experiment 1: Was ertragen Sie?
Schreiben Sie einmal auf, welche Dinge oder Situationen Sie in Ihrem Leben ertragen. Das können kleine oder große Dinge sein. Angefangen beim Nachbarn, der zu laut Musik hört, Sie jedoch aus Höflichkeit und Toleranz lieber nichts sagen, bis hin zum Job, der Sie eigentlich alles andere als erfüllt, der aber sehr lukrativ ist und die Miete, das Auto und den nächsten Urlaub sichert. Es geht wie gesagt um Gegebenheiten oder Situationen, bezüglich derer Sie lieber nichts sagen, jedoch auch nicht einverstanden sind. Was ertragen oder dulden Sie?

Experiment 2: Welchen Nutzen haben Sie davon?
Uuuh, jetzt wird es herausfordernder. Denn jetzt geht es darum, dass Sie schonungslos ehrlich aufschreiben, welchen Nutzen Sie davon haben, etwas zu ertragen, zu erdulden. Ihr Gremlin (Sie wissen ja, dieses kleine Monster in jedem, der innere Schweinehund) könnte zum Beispiel den großen Nutzen haben, Nähe und Vertrautheit zu zerstören, authentischen Kontakt zu vermeiden, Rache zu üben, das arme Opfer zu spielen, das ja doch nicht bekommt, was es will. Oder er könnte den großartigen Grund erfinden, dass im Leben eben nicht alles so einfach ist und rund läuft, insbesondere nicht für Sie und dass Sie eben einfach gewisse Dinge ertragen müssen. Tolle Opfergeschichte! ER-TRAGEN… Manche Menschen ziehen den herrlichen, versteckten Nutzen daraus, dass andere Personen in ihrem Umfeld sehen, wie vermeintlich stark sie sind und sie dadurch Anerkennung bekommen, getreu dem Motto „Schaut her, was ich alles zu ertragen habe bzw. ertragen kann!“

Seien sie wirklich ehrlich. Ihr Gremlin wird diese Übung hassen. Das ist okay. Geben Sie ihm ein Stück Schokolade oder einen Kaffee, damit er für diese Übung etwas zu fressen hat und Sie nicht von dem Experiment abhält. Oder geben Sie ihm die interessante Aufgabe, Ihnen mindestens 5 seiner Schattenabsichten zu nennen, wenn Sie etwas in Ihrem Leben erragen.


Die entscheidende Frage ist oftmals, wie Sie dahin kommen, dass Sie Veränderungen oder Gegebenheiten akzeptieren können.

Insbesondere bei spontanen Veränderungen ist es entscheidend, die verschiedenen Phasen des Veränderungsprozesses* zu durchlaufen. Es handelt sich um insgesamt 5 Phasen, die mit jeweils einem Gefühl verbunden sind. Lassen Sie uns einmal zu dem Restaurant-Beispiel „Italiener vs. Asiate“ zurückkehren und die 5 Phasen betrachten:

1.    Phase 1: Verleugnung – Angst
Verleugnung ist meist die erste Phase bei Veränderung. Die 2 Personen, die zum Asiaten wollen, könnten das z. B. wie folgt ausdrücken: „Was? Oh nein! Ihr wollt doch nicht im Ernst zum Italiener, oder?“ Das dahinter steckende Gefühl ist Angst. Angst, dass das, was sie sich vorgestellt haben, zusammenbricht und nicht mehr relevant ist, übergangen wird oder sie ihre Position verlieren könnten.

2.    Phase 2: Empörung – Wut
Nachdem der erste Schock verdaut wurde, kommt der Zustand der Empörung. Ein innerer Mechanismus springt an, der Sie die eigene Position verteidigen lässt. Es kommt u. U. zur Diskussion und die eigene Position wird mit Argumenten untermauert. Die Asiaten-Fans könnten z. B. sagen: „Oh man, immer muss es der Italiener sein. Das nervt. Beim Italiener waren wir doch neulich erst.“

3.    Phase 3: Verhandlung – vermischte Gefühle
Das ist die Phase in der Sie, wenn Sie Ihre Position gefährdet sehen, einen Kompromiss vorschlagen. Genauer gesagt ist es der Gremlin, der mit cleveren Mitteln versucht „faule“ Kompromisse ins Spiel zu bringen, sodass die andere Person auch nicht gewinnt. Im Restaurant-Beispiel könnten die Befürworter des asiatischen Restaurants z. B. sagen: „Hey, wieso gehen wir nicht einfach mal ganz woanders hin, zum Beispiel zum Afghanen? Da waren wir noch nie!“ In dieser Phase sind oftmals verschiedene Gefühle vermischt.

4.    Phase 4: Gram – Traurigkeit
In der vierten Phase erkennen Sie, dass Sie Ihre Position aufgeben müssen. Das damit einhergehende Gefühl ist Traurigkeit. Im Falle des Restaurants ist das die Erkenntnis, dass die Mehrheit zum Italiener möchte. Es ist die traurige Erkenntnis, dass Sie das, worauf Sie sich vielleicht so sehr gefreut haben, nicht bekommen.

5.    Phase 5: Akzeptanz – Freude
Schließlich gelangen Sie zur Phase der Akzeptanz. Das damit zusammenhängende Gefühl ist Freude. Doch genau diese Phase birgt die größte Herausforderung. Die Falle die in dieser Phase lauert, ist die sogenannte vermeintliche Akzeptanz. Das bedeutet, dass Sie zwar „Jaja“ sagen, doch innerlich nicht wirklich zustimmen. Es ist eine Pseudo-Akzeptanz. Und Sie sind garantiert in der Pseudo-Akzeptanz, wenn Sie innerlich weiter wütend sind, oder diese netten Stimmen in Ihrem Kopf Sätze plappern wie „Oh man, das nächste Mal gehe ich alleine essen. Immer das gleiche.“


Um zur wahren Akzeptanz zu gelangen, ist es entscheidend, dass Sie sich klar machen, was Sie tatsächlich wollen und was Ihre wahre, helle Absicht ist, nicht Ihre sogenannte Gremlin Schattenabsicht. Sie werden vielleicht lachen, doch die wenigsten Menschen sind in der Lage zu sagen, was sie wollen.

Experiment 3: Was wollen Sie wirklich?
Schauen Sie sich noch einmal die Liste aus Experiment 1 an. Das sind die Dinge, die Sie in Ihrem Leben aktuell ertragen. Nun schreiben Sie auf, was Sie stattdessen tatsächlich wollen. Legen Sie los und lesen Sie erst weiter, wenn Sie Ihre Liste erstellt haben.



Haben Sie alles aufgeschrieben? Nun zählen Sie einmal folgendes:

·         Wie viele Punkte haben Sie, die eine Negierung enthalten? (Also z. B. „Ich will keinen Streit mehr mit meinem Mann um das Aufräumen der Garage“ oder „Ich will nicht ständig mit meinem Chef diskutieren müssen“).

·         Wie viele Punkte haben Sie, die andere Menschen einbeziehen? (Z. B. „Ich will, dass mein Nachbar leiser Musik hört“ oder „Ich will, dass mein Partner mehr klare Grenzen gegenüber den Kindern setzt.“)

Gut, hier die Auflösung: Alle Punkte, die in die beiden soeben genannten Kategorien fallen, sagen NICHTS darüber aus, was SIE wollen. Stattdessen sagen diese Punkte aus, was Sie nicht wollen, bzw. was Sie wollen, dass andere Leute tun. Es ist erstaunlich, dass viele Menschen ad hoc Schwierigkeiten haben, das auszudrücken, was sie selbst wollen.

Formulieren Sie diese Punkte nun so um, dass sie genau aussagen, was Sie wollen. Z. B. „Ich möchte mehr Harmonie in meiner Partnerschaft“, oder „Ich möchte mehr Teamwork in der Firma“, oder „Ich möchte eine nette Nachbarschafts-Beziehung“ oder „Ich möchte mehr Klarheit und Grenzen in der Familie“.

Klarheit darüber zu haben, was Sie wollen, ist der erste Schritt, um aus dem „Ich-Ertrage-Es-Opfer-Modus“ heraus zukommen. Wenn sie wissen, wo Sie hin möchten, können Sie im zweiten Schritt klar sehen, wo Sie in Aktion treten müssen.  Sie kommen vom „Wollen“ ins „Tun“. Vielleicht ist es an der Zeit Grenzen zu setzen, oder Entscheidungen zu treffen. Seien Sie authentisch. Bleiben Sie nicht in der vermeintlichen Akzeptanz, im Ertragen hängen, nur um zu vermeiden, Grenzen zu setzen oder klare Entscheidungen zu treffen. Wie viel Zeit wollen Sie noch vergeuden mit dem Ertragen von Situationen? Wie viel unbewussten Groll wollen Sie noch aufbauen? Etwas zu ertragen schürt unbewusst das Aufbauen von Groll. Nutzen Sie stattdessen Ihre Wut bewusst, um in Aktion zu treten oder Grenzen zu setzen. Wenn Sie mehr Harmonie in der Partnerschaft wollen, denn spiegelt Ihnen das Universum genau das wieder, nämlich die Erfahrung von „es wollen, aber nicht haben“. Können Sie akzeptieren, dass Sie im Augenblick keine Harmonie in der Partnerschaft haben? Und wenn ja, was tun Sie im nächsten Schritt, um verantwortlich die helle Absicht von Harmonie in Ihre Partnerschaft zu bringen?

Der Gremlin ist clever. Er liebt es etwas zu er-tragen, um jammern zu können, um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen, oder um Beziehung durch Groll zu zerstören. Welche Schattenabsichten sind beim Er-TRAGEN am Werk und um welche hellen Absichten geht es Ihnen tatsächlich? Im einfachen Beispiel des Restaurants könnten Sie zum Beispiel die Frage stellen: „Worum geht es wirklich?“ Geht es darum Recht zu haben und Ihren Willen durchzusetzen und es zu ertragen, wenn es dann doch zum Italiener anstatt zu Ihrem Asiaten geht (unverantwortliche Schattenabsicht)? Oder geht es Ihnen tatsächlich darum, gemeinsam mit Freunden essen zu gehen (verantwortliche Helle Absicht)? Was wollen Sie wirklich? Und wenn letzteres Ihre helle Absicht wäre, wie leicht wäre es dann, die Wahl für das Italienische Restaurant voll und ganz zu akzeptieren, um verantwortlich Gemeinschaft mit Freunden zu kreieren?

Hat (akzep-)TANZEN oder (er-)TRAGEN in Ihrem Leben die Oberhand? Tanzen oder Tragen, Authentizität oder Farce, Kreieren oder Feststecken, es liegt in Ihrer Hand.

In diesem Sinne herzlich tanzende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Die 5 Phasen zur Anpassung an Veränderung stammen ursprünglich von Elisabeth Kübler-Ross und wurden im Rahmen des Possibility Managements abgewandelt und auf andere Themenbereiche übertragen.