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Donnerstag, 15. Mai 2014

Respekt und ‚Nett-Sein‘ schließen sich gegenseitig aus!



Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, warum einige Menschen natürliche ‚Respekt-Personen‘ sind, während andere, die wirklich richtig nett sind, keinerlei Respekt von ihren Mitmenschen bekommen? Ist es Ihnen womöglich selbst schon einmal so ergangen, dass Sie sich gewundert haben, warum jemand Sie nicht respektvoll behandelt, obwohl Sie doch unglaublich nett waren? Oder Sie haben in der Vergangenheit freundlich eine Grenze gesetzt und können nicht verstehen, warum die andere Person diese Grenze immer wieder überschreitet?

Die Sache ist die: Nett-Sein und Respekt schließen sich gegenseitig aus.

Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Das bedeutet nicht, dass Sie ab sofort nicht mehr nett sein sollen. Nett-Sein ist auch nicht gut oder schlecht. Es produziert einfach nur bestimmte Resultate in Ihrem Leben. Mit Nett-Sein meine ich hier konkret das ‚dauerhafte‘ Nett-Sein, bei dem Sie Ihre Kraft an eine andere Person abgeben und das ganz einfach eine Überlebensstrategie ist. Kennen Sie Menschen, die permanent versuchen, es anderen recht zu machen, oder womöglich alles für den Partner, den Chef, etc. zu tun? Von diesem Nett-Sein spreche ich, das Nett-Sein, bei dem Sie sich angepasst verhalten.

Diese Art Nett-Sein, von dem ich hier spreche, ist ein Konzept, das viele Menschen wie eine Maske tragen und meist schon in jungen Jahren angenommen haben, z. B. weil sie damals nur Anerkennung von den Eltern oder anderen Autoritätspersonen bekamen, wenn sie eben nett waren. Sobald Sie aber ihren eigenen Kopf hatten, wurde es möglicherweise gefährlich.

Kürzlich erzählte mir eine Klientin, dass sie es überhaupt nicht verstehen könne, warum eine Kollegin die Grenze, die sie schon mehrmals gesetzt hat, einfach ignoriert. Ich bat sie, mir gegenüber einmal die Grenze zu setzen, die sie ihrer Kollegin gesetzt hatte. Sofort war klar, warum diese Grenze überhaupt keinen Bestand haben konnte. Die Klientin war viel zu nett. Um es bildlich auszudrücken stürzten die Worte regelrecht ab und landeten auf dem Boden, noch während sie die Worte aussprach. Die Botschaft kam bei der Kollegin in keinster Weise an. Viele Menschen – besonders Frauen – neigen immer wieder dazu möglichst nett zu anderen zu sein, sei es zum Partner, zu Kollegen oder zu Freunden. Es scheint eine regelrechte Angst zu kursieren, dass sie möglicherweise nicht mehr geliebt oder gemocht werden, wenn sie aufhören nett zu sein. Und wissen Sie was? Ja, das ist sogar durchaus möglich. Doch wenn jemand ein Problem damit hat, dass Sie sich nicht mehr alles gefallen lassen, Klarheit schaffen, Grenzen setzen und Ihre eigene Autorität sind, wessen Problem ist es dann? Richtig, das Problem der anderen Person. Es ist nicht Ihr Problem.

Wenn Sie grundsätzlich nett sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie Ihr sogenanntes Zentrum abgeben, das bedeutet Ihre Kraft, Ihre eigene Autorität. Wenn sie nett sind, fühlen Sie sich vermeintlich sicher und meinen, die andere Person können Ihnen nichts tun.



Frauen sind z. B. gerne nett zu Männern. In Beziehungen neigen Frauen häufig dazu, ihre Autorität an den Mann abzugeben, lieb und nett zu sein, den Fokus komplett auf die Beziehung zu legen, am besten dem Mann noch hinterher zu räumen, permanent verfügbar zu sein, seine Probleme zu ihren eigenen zu machen und ihr eigenes Leben komplett aufzugeben. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche, denn ich war früher selbst ein ‚total nettes Mädchen‘. Dieser Schuss geht jedoch früher oder später nach hinten los. Egal ob in einer Paarbeziehung oder in Beziehung zu anderen Mitmenschen; wenn Sie permanent nett sind, schießen Sie sich ins eigene Knie, verpulvern Ihre Energie und können womöglich hinterher gar nicht verstehen, warum die andere Person Sie so respektlos behandelt.

Doch mal ehrlich: Wenn Sie den dauer-netten Fußabtreter mimen, jederzeit verfügbar sind und die andere Person weiß, dass sie Sie komplett in der Hand hat und Sie ihr aus selbiger fressen, wie soll die andere Person da bitteschön Respekt vor Ihnen haben können?

Wenn Sie permanent versuchen nett zu sein, werden Sie sehr schnell zu einem Spielball für andere. Ihr Partner, die Kollegen oder der Chef durchschauen, dass Sie manipulierbar sind. Menschen, die dauerhaft nett und damit nicht in der Lage sind Grenzen zu setzen, kann nämlich alles abverlangt werden und dann kommen plötzlich im Büro solche Bitten wie „Duuuu, kannst Du diese 5 Aufgaben für mich übernehmen, ich schaffe das nicht!“ oder in der Beziehung „Hey Schatz, wasch doch bitte meine Wäsche mit, ach und könntest Du mir bitte noch ein Bier aus der Küche bringen.“ Nette Menschen machen es anderen gerne recht und beschweren sich klammheimlich – wenn sie es denn merken – dass sie ausgenutzt werden.

Dauer-nette Menschen haben einen unglaublichen Drang nach Harmonie. Alles, was nicht harmonisch ist, scheint gefährlich und bei dem leisesten Anzeichen von Disharmonie tun sie sofort alles, um die Harmonie wieder herzustellen. Der Fokus liegt komplett darauf, ob es dem anderen gut geht und ob es ihm gerade zeitlich oder wie auch immer passt. Dabei mischt sich auch schnell die Tendenz mit rein, Dinge zu kontrollieren. Sobald die dauer-nette Person eine Grenze gesetzt bekommt, oder der andere gar auf Distanz geht, werden die „Netten“ in ihren Grundfesten erschüttert und tun sofort alles dafür, um noch netter zu der anderen Person zu sein, damit sie ja wieder die Gunst gewinnen und hoffentlich Respekt erlangen.

Das Problem an der Sache ist jedoch, dass das genau die falsche Richtung ist. Sie können Respekt nicht durch dauerhaftes Nett-Sein erlangen. Respekt verschaffen Sie sich nur, wenn Sie in der Lage sind, Ihr sogenanntes Zentrum zu behalten, also Ihre eigene Autorität zu sein. Respekt verschaffen Sie sich, indem Sie bewusst den Zugang zu Ihrer Wutkraft erschließen und lernen glasklare Grenzen zu setzen, die auch beim Gegenüber landen. Für eine Respektperson steht ihre eigene Würde an erster Stelle. Sie vertraut sich selbst und ist nicht abhängig von den Launen oder der Zeit anderer Personen. Stattdessen trägt sie eine gewisse, natürliche Gelassenheit in sich, übernimmt Verantwortung und kümmert sich um ihr eigenes Leben.

Es kann durchaus sein, dass ein Mensch das ‚Nettigkeits-Syndrom‘ nur in gewissen Bereichen anwendet. So kann es z. B. sein, dass Sie beruflich, in Ihrer Firma eine Respekt-Person sind, privat jedoch unterm Pantoffel stehen und aaaaallles für den Partner tun, um ja die private Harmonie nicht zu stören. Gleichzeitig wundern Sie sich, warum Ihre Beziehung gewöhnlich ist.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der gravierendsten Unterschiede zwischen einer Respekt-Person und einer Person die „dauer-nett‘ ist.

Wenn Sie „dauer-nett“ sind, dann:
Wenn Sie eine wahre Respekt-Person sind, dann:
Verhalten Sie sich angepasst.
Sind Sie Ihre eigene Autorität und geben nicht Ihr Zentrum/Ihre Kraft an eine andere Person ab.

Versuchen Sie, es anderen Leuten recht zu machen (Ihrem Partner, Chef, Eltern, Kollegen…).

Setzen Sie Grenzen und sagen klar JA und Nein / Stopp.

Stellen Sie Ihr Fähnchen nach dem Wind, in der Hoffnung die Gunst des anderen zu gewinnen.

Haben Sie eine eigene Meinung und stehen dafür ein.
Tragen Sie Ihre Nettigkeit wie eine Maske und sind nicht authentisch (d. h. Sie sagen z. B. Ja, wenn Sie Nein meinen).

Sind Sie absolut authentisch (sagen Ja, wenn Sie Ja meinen und Nein, wenn Sie Nein meinen)

Sind Sie Fußabtreter für andere und lassen alles mit sich machen.

Achten Sie auf sich und können sich abgrenzen.
Räumen Ihrem Partner, Kollegen oder sonstigen Personen hinterher und tun alles für ihn/sie.

Lassen Sie die anderen ihre eigenen Aufgaben erledigen.

Verkaufen Sie Ihre Würde.
Steht Ihre Würde für Sie an oberster Stelle.

Verbiegen Sie sich, um anderen zu gefallen.
Sind Sie Sie selbst.

Versuchen Sie andere zu verändern.
Lassen Sie die anderen sie selbst sein.

Lächeln Sie meist automatisch.

Lächeln Sie nur, wenn Ihnen danach ist.
Machen Sie sich selbst klein.
Strahlen Sie in Ihrer vollen Kraft und Größe.

Geben Sie Verantwortung ab.

Übernehmen Sie absolute Verantwortung.
Machen Sie das Problem von jemand
anderem zu Ihrem eigenen.
Unterscheiden Sie klar, wer ein Problem hat: Entweder Sie haben ein Problem, oder der  andere hat ein Problem, oder es gibt keins.
Wenn Sie „dauer-nett“ sind, dann:
Wenn Sie eine wahre Respekt-Person sind, dann:
Reagieren Sie emotional, wenn auch nur innerlich (nach außen müssen Sie schließlich nett sein und sich nichts anmerken lassen).

Agieren Sie weise (und lassen sich nicht von Emotionen mitreißen, sondern können klar zwischen gegenwärtigen Gefühlen und alten Emotionen unterscheiden).

Werden Sie zum Spielball anderer Personen.

Durchschauen  Sie Spiele und steigen nicht ein.

Unterdrücken Sie Ihre Gefühle.

Haben Sie Klarheit über Ihre Gefühle und kommunizieren diese.

Liegt Ihr Fokus komplett auf der anderen Person.

Liegt der Fokus auf Ihnen selbst.
Sind Sie manipulierbar.

Sind Sie klar und nicht manipulierbar.
Sind Sie abhängig von den Launen/der Gunst anderer.

Bewahren Sie Ihre Unabhängigkeit.
Verhalten Sie sich möglicherweise bedürftig und erwarten viel von anderen.

Sind Sie gelassen und kümmern sich um Ihre eigenen Bedürfnisse.
Kontrollieren Sie.
Vertrauen Sie (sich selbst und anderen).

Werden Sie sehr schnell als ‚langweilig‘ abgestempelt.

Sind Sie immer für Überraschungen gut.
Versuchen Sie akkurat und perfekt zu sein und leugnen unbewusst, dass es in Ihnen auch eine Schattenseite gibt.

Können Sie auch Fünfe gerade sein lassen und wissen, dass niemand perfekt ist, sondern auch Schattenseiten hat.

Tragen Sie Ihre Nettigkeit wie eine Maske und sind nicht authentisch.

Sind Sie absolut authentisch.

Und noch einmal, es geht nicht darum, dass Sie ab sofort nur noch ernst sind. Es handelt sich vielmehr um eine innere Haltung.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es einen großen Unterschied zwischen Respekt und Macht gibt. Es gibt Menschen – häufig in Firmen anzutreffen – die meinen, Sie könnten sich allein durch ihre Statur oder ihre Position in einer Firma Respekt verschaffen. Vielleicht fällt Ihnen jetzt gerade schon eine Person in Ihrem Umfeld ein. Bei dieser Sorte handelt es sich jedoch nicht um ‚wahre‘ Respekt-Personen. Es handelt sich dabei vielmehr um angstbesessene Machthaber, die versuchen, andere Menschen klein zu halten, um ihre eigene Schwäche zu vertuschen. ‚Wahre‘ Respekt-Personen haben ein sogenanntes ‚Standing‘, d. h. sie stehen für das ein, was sie sagen und tun (oder auch nicht tun) und sind absolut vertrauenswürdig.

Zum Abschluss möchte ich Sie zu einem kleinen Experiment einladen:

Experiment:

·         Schritt 1:
Zu welcher Kategorie würden Sie sich spontan zählen, zur ‚Nett-Sein‘ Fraktion oder zu den ‚wahren Respekt-Personen‘? (Seien Sie ehrlich!)
Ist es identisch für Privat- und Berufsleben, oder gibt es da einen Unterschied?

·         Schritt 2:
Beobachten Sie in den nächsten Tagen einmal genau
o    WANN,
o    WO und
o    bei WEM

Sie dazu tendieren, nett zu sein.

·         Schritt 3:
Suchen Sie sich einen Punkt unter Schritt 2 raus und hören Sie auf, genau in dieser Situation mit dieser Person automatisch nett zu sein. Sie können auch erst einmal in einer ungefährlichen Situation üben. Wenn Sie z. B. dazu tendieren, automatisch zu lächeln, sobald Ihnen Ihr Chef entgegen kommt, dann lächeln Sie nicht mehr automatisch.

Die entscheidende Frage ist: Können Sie okay damit sein, nicht mehr dauerhaft nett zu sein?

Falls die Antwort JA ist, dann werden Sie in der Lage sein, sich Respekt zu verschaffen. Ist die Antwort NEIN – nun ja, dann viel Erfolg! Dann werden die anderen Menschen weiter über Ihre Grenzen latschen, Ihnen noch mehr Arbeit auftischen oder Sie als Spielball benutzen, den sie hin und herschieben können, wie sie möchten. 

Die gute Nachricht ist: Sie können lernen Ihre eigene Autorität und Ihre Gefühlskraft wieder vollständig in Besitz zu nehmen und dadurch zu einer natürlichen Respekt-Person zu werden. Die Entscheidung liegt allein bei Ihnen.

In diesem Sinne respektvolle Grüße, 
Ihre Nicola Nagel



CREATING POSSIBILITIES!
www.viva-essenza.com

Montag, 16. September 2013

Die Krux von Akzeptanz und Ertragen.



Kennen Sie Menschen, die gelegentlich JA sagen, aber innerlich eigentlich NEIN meinen? Waren Sie womöglich selbst schon einmal in der Situation, dass Sie JA gesagt haben, obwohl Sie mit etwas nicht wirklich einverstanden waren?

Hier ein simples Beispiel: Stellen Sie sich vor eine Gruppe von 6 Freunden hat sich zum Abendessen in der Stadt verabredet, ohne vorher die Lokalität festzulegen. Am vereinbarten Treffpunkt beginnt eine wilde Ideen-Sammlung und schnell steht fest, dass drei Leute gerne zum Italiener möchten, während die andere Hälfte lieber zum Asiaten möchte. Oh-Ha! Was nun? 2 Positionen mit jeweils wirklich guten Argumenten. Letztendlich stellt sich heraus, dass einer der 3 Asiaten-Befürworter eigentlich indifferent ist und durchaus auch zum Italiener gehen würde. Somit wird kurzerhand das Mehrheitsprinzip angewandt, die 2 verbleibenden Asiaten-Fans überstimmt und die Meute bricht Richtung Italiener auf.

Nun könnte man meinen, dass die Mehrheit ja für den Italiener gestimmt hat und damit alles gut ist. Doch ist es das tatsächlich? Der Mehrheitsentscheid ist Gang und Gäbe in unserer Gesellschaft. Wer ist dafür, wer ist dagegen. Zack, die Mehrheit gewinnt. Ich gewinne – Du verlierst, lautet das beliebteste Spiel.

Im Beispiel „gewinnt“ die Gruppe, die für den Italiener ist. Nun wird es spannend: Was ist mit den 2 Personen, die lieber zum Asiaten wollten und nun als Schlusslichter der Gruppe hinterher trotten? Ertragen sie die Entscheidung oder akzeptieren sie diese? Wie sieht es aus mit diversen Gegebenheiten oder Situationen in der Partnerschaft, dem Job, in der Freizeit mit Freunden, mit dem Nachbarn? Es ist eine Frage, die alle Lebensbereiche betrifft.  Ertragen Sie Entscheidungen, Gegebenheiten, Situationen? Oder akzeptieren Sie sie voll und ganz.

Lassen Sie uns einmal schauen, was der Unterschied ist.

Wenn Sie etwas akzeptieren, dann:
·         sind Sie in Ihrer Kraft.
·         sind Sie im Hier und Jetzt präsent mit dem was ist.
·         sind Sie ein JA.
·         können Sie kreativ sein und in Aktion treten .
·         können Sie verantwortlich agieren.
·         können Sie neutral sein.
·         können Sie spielerisch sein.
·         sind Sie flexibel.
·         sind Sie zentriert.
·         können Sie den nächsten Schritt gehen.
·         Können Sie die nächste Entscheidung treffen.

Wenn Sie hingegen etwas ertragen, dann
·         sind Sie in der Opferrolle; Sie sind das Opfer der Umstände.
·         sind Sie innerlich ein Nein.
·         bauen Sie unbewusst Groll auf.
·         zerstören Sie Nähe und Vertrautheit.
·         sind Sie nicht authentisch.
·         verhalten Sie sich angepasst.
·         vergeuden Sie Ihre Energie und Kraft.
·         sind Sie in Abwehr-Position.
·         machen Sie andere für die Umstände verantwortlich.
·         können Sie keine klaren Entscheidungen treffen.
·         stecken Sie im Sumpf fest.
·         sind sie unflexibel und starr.

Das Wort birgt es schon in sich: ER-TRAGEN. Sie tragen etwas, das Sie nicht wollen. Es ist wie eine Last. Wie viele Menschen kennen Sie in Ihrem Umfeld, die im Job, in der Familie, ja sogar in ihrer Freizeit verschiedenste Dinge ertragen? Wenn Sie etwas ertragen, dann sind Sie innerlich gegen das, was gerade passiert. Und genau das ist der kraftzehrende Akt: Sie kämpfen innerlich gegen etwas, das für Sie nicht in Ordnung ist und grummeln – mal mehr, mal weniger – vor sich hin.

AKZEP-TANZ hingegen hat in der Tat etwas mit Tanz zu tun. Wenn Sie eine Gegebenheit voll und ganz akzeptieren, d. h. innerlich bejahen und sagen können „Ja, okay es ist wie es ist, das ist jetzt die Situation“, dann wird Ihr Agieren zu einem spielerischen Tanz mit dem, was ist. Sie bleiben flexibel, spontan, kreativ. Doch wie kommen Sie zu Akzeptanz?

Lassen Sie uns an dieser Stelle mit den beiden folgenden Experimenten weitermachen.

Experiment 1: Was ertragen Sie?
Schreiben Sie einmal auf, welche Dinge oder Situationen Sie in Ihrem Leben ertragen. Das können kleine oder große Dinge sein. Angefangen beim Nachbarn, der zu laut Musik hört, Sie jedoch aus Höflichkeit und Toleranz lieber nichts sagen, bis hin zum Job, der Sie eigentlich alles andere als erfüllt, der aber sehr lukrativ ist und die Miete, das Auto und den nächsten Urlaub sichert. Es geht wie gesagt um Gegebenheiten oder Situationen, bezüglich derer Sie lieber nichts sagen, jedoch auch nicht einverstanden sind. Was ertragen oder dulden Sie?

Experiment 2: Welchen Nutzen haben Sie davon?
Uuuh, jetzt wird es herausfordernder. Denn jetzt geht es darum, dass Sie schonungslos ehrlich aufschreiben, welchen Nutzen Sie davon haben, etwas zu ertragen, zu erdulden. Ihr Gremlin (Sie wissen ja, dieses kleine Monster in jedem, der innere Schweinehund) könnte zum Beispiel den großen Nutzen haben, Nähe und Vertrautheit zu zerstören, authentischen Kontakt zu vermeiden, Rache zu üben, das arme Opfer zu spielen, das ja doch nicht bekommt, was es will. Oder er könnte den großartigen Grund erfinden, dass im Leben eben nicht alles so einfach ist und rund läuft, insbesondere nicht für Sie und dass Sie eben einfach gewisse Dinge ertragen müssen. Tolle Opfergeschichte! ER-TRAGEN… Manche Menschen ziehen den herrlichen, versteckten Nutzen daraus, dass andere Personen in ihrem Umfeld sehen, wie vermeintlich stark sie sind und sie dadurch Anerkennung bekommen, getreu dem Motto „Schaut her, was ich alles zu ertragen habe bzw. ertragen kann!“

Seien sie wirklich ehrlich. Ihr Gremlin wird diese Übung hassen. Das ist okay. Geben Sie ihm ein Stück Schokolade oder einen Kaffee, damit er für diese Übung etwas zu fressen hat und Sie nicht von dem Experiment abhält. Oder geben Sie ihm die interessante Aufgabe, Ihnen mindestens 5 seiner Schattenabsichten zu nennen, wenn Sie etwas in Ihrem Leben erragen.


Die entscheidende Frage ist oftmals, wie Sie dahin kommen, dass Sie Veränderungen oder Gegebenheiten akzeptieren können.

Insbesondere bei spontanen Veränderungen ist es entscheidend, die verschiedenen Phasen des Veränderungsprozesses* zu durchlaufen. Es handelt sich um insgesamt 5 Phasen, die mit jeweils einem Gefühl verbunden sind. Lassen Sie uns einmal zu dem Restaurant-Beispiel „Italiener vs. Asiate“ zurückkehren und die 5 Phasen betrachten:

1.    Phase 1: Verleugnung – Angst
Verleugnung ist meist die erste Phase bei Veränderung. Die 2 Personen, die zum Asiaten wollen, könnten das z. B. wie folgt ausdrücken: „Was? Oh nein! Ihr wollt doch nicht im Ernst zum Italiener, oder?“ Das dahinter steckende Gefühl ist Angst. Angst, dass das, was sie sich vorgestellt haben, zusammenbricht und nicht mehr relevant ist, übergangen wird oder sie ihre Position verlieren könnten.

2.    Phase 2: Empörung – Wut
Nachdem der erste Schock verdaut wurde, kommt der Zustand der Empörung. Ein innerer Mechanismus springt an, der Sie die eigene Position verteidigen lässt. Es kommt u. U. zur Diskussion und die eigene Position wird mit Argumenten untermauert. Die Asiaten-Fans könnten z. B. sagen: „Oh man, immer muss es der Italiener sein. Das nervt. Beim Italiener waren wir doch neulich erst.“

3.    Phase 3: Verhandlung – vermischte Gefühle
Das ist die Phase in der Sie, wenn Sie Ihre Position gefährdet sehen, einen Kompromiss vorschlagen. Genauer gesagt ist es der Gremlin, der mit cleveren Mitteln versucht „faule“ Kompromisse ins Spiel zu bringen, sodass die andere Person auch nicht gewinnt. Im Restaurant-Beispiel könnten die Befürworter des asiatischen Restaurants z. B. sagen: „Hey, wieso gehen wir nicht einfach mal ganz woanders hin, zum Beispiel zum Afghanen? Da waren wir noch nie!“ In dieser Phase sind oftmals verschiedene Gefühle vermischt.

4.    Phase 4: Gram – Traurigkeit
In der vierten Phase erkennen Sie, dass Sie Ihre Position aufgeben müssen. Das damit einhergehende Gefühl ist Traurigkeit. Im Falle des Restaurants ist das die Erkenntnis, dass die Mehrheit zum Italiener möchte. Es ist die traurige Erkenntnis, dass Sie das, worauf Sie sich vielleicht so sehr gefreut haben, nicht bekommen.

5.    Phase 5: Akzeptanz – Freude
Schließlich gelangen Sie zur Phase der Akzeptanz. Das damit zusammenhängende Gefühl ist Freude. Doch genau diese Phase birgt die größte Herausforderung. Die Falle die in dieser Phase lauert, ist die sogenannte vermeintliche Akzeptanz. Das bedeutet, dass Sie zwar „Jaja“ sagen, doch innerlich nicht wirklich zustimmen. Es ist eine Pseudo-Akzeptanz. Und Sie sind garantiert in der Pseudo-Akzeptanz, wenn Sie innerlich weiter wütend sind, oder diese netten Stimmen in Ihrem Kopf Sätze plappern wie „Oh man, das nächste Mal gehe ich alleine essen. Immer das gleiche.“


Um zur wahren Akzeptanz zu gelangen, ist es entscheidend, dass Sie sich klar machen, was Sie tatsächlich wollen und was Ihre wahre, helle Absicht ist, nicht Ihre sogenannte Gremlin Schattenabsicht. Sie werden vielleicht lachen, doch die wenigsten Menschen sind in der Lage zu sagen, was sie wollen.

Experiment 3: Was wollen Sie wirklich?
Schauen Sie sich noch einmal die Liste aus Experiment 1 an. Das sind die Dinge, die Sie in Ihrem Leben aktuell ertragen. Nun schreiben Sie auf, was Sie stattdessen tatsächlich wollen. Legen Sie los und lesen Sie erst weiter, wenn Sie Ihre Liste erstellt haben.



Haben Sie alles aufgeschrieben? Nun zählen Sie einmal folgendes:

·         Wie viele Punkte haben Sie, die eine Negierung enthalten? (Also z. B. „Ich will keinen Streit mehr mit meinem Mann um das Aufräumen der Garage“ oder „Ich will nicht ständig mit meinem Chef diskutieren müssen“).

·         Wie viele Punkte haben Sie, die andere Menschen einbeziehen? (Z. B. „Ich will, dass mein Nachbar leiser Musik hört“ oder „Ich will, dass mein Partner mehr klare Grenzen gegenüber den Kindern setzt.“)

Gut, hier die Auflösung: Alle Punkte, die in die beiden soeben genannten Kategorien fallen, sagen NICHTS darüber aus, was SIE wollen. Stattdessen sagen diese Punkte aus, was Sie nicht wollen, bzw. was Sie wollen, dass andere Leute tun. Es ist erstaunlich, dass viele Menschen ad hoc Schwierigkeiten haben, das auszudrücken, was sie selbst wollen.

Formulieren Sie diese Punkte nun so um, dass sie genau aussagen, was Sie wollen. Z. B. „Ich möchte mehr Harmonie in meiner Partnerschaft“, oder „Ich möchte mehr Teamwork in der Firma“, oder „Ich möchte eine nette Nachbarschafts-Beziehung“ oder „Ich möchte mehr Klarheit und Grenzen in der Familie“.

Klarheit darüber zu haben, was Sie wollen, ist der erste Schritt, um aus dem „Ich-Ertrage-Es-Opfer-Modus“ heraus zukommen. Wenn sie wissen, wo Sie hin möchten, können Sie im zweiten Schritt klar sehen, wo Sie in Aktion treten müssen.  Sie kommen vom „Wollen“ ins „Tun“. Vielleicht ist es an der Zeit Grenzen zu setzen, oder Entscheidungen zu treffen. Seien Sie authentisch. Bleiben Sie nicht in der vermeintlichen Akzeptanz, im Ertragen hängen, nur um zu vermeiden, Grenzen zu setzen oder klare Entscheidungen zu treffen. Wie viel Zeit wollen Sie noch vergeuden mit dem Ertragen von Situationen? Wie viel unbewussten Groll wollen Sie noch aufbauen? Etwas zu ertragen schürt unbewusst das Aufbauen von Groll. Nutzen Sie stattdessen Ihre Wut bewusst, um in Aktion zu treten oder Grenzen zu setzen. Wenn Sie mehr Harmonie in der Partnerschaft wollen, denn spiegelt Ihnen das Universum genau das wieder, nämlich die Erfahrung von „es wollen, aber nicht haben“. Können Sie akzeptieren, dass Sie im Augenblick keine Harmonie in der Partnerschaft haben? Und wenn ja, was tun Sie im nächsten Schritt, um verantwortlich die helle Absicht von Harmonie in Ihre Partnerschaft zu bringen?

Der Gremlin ist clever. Er liebt es etwas zu er-tragen, um jammern zu können, um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen, oder um Beziehung durch Groll zu zerstören. Welche Schattenabsichten sind beim Er-TRAGEN am Werk und um welche hellen Absichten geht es Ihnen tatsächlich? Im einfachen Beispiel des Restaurants könnten Sie zum Beispiel die Frage stellen: „Worum geht es wirklich?“ Geht es darum Recht zu haben und Ihren Willen durchzusetzen und es zu ertragen, wenn es dann doch zum Italiener anstatt zu Ihrem Asiaten geht (unverantwortliche Schattenabsicht)? Oder geht es Ihnen tatsächlich darum, gemeinsam mit Freunden essen zu gehen (verantwortliche Helle Absicht)? Was wollen Sie wirklich? Und wenn letzteres Ihre helle Absicht wäre, wie leicht wäre es dann, die Wahl für das Italienische Restaurant voll und ganz zu akzeptieren, um verantwortlich Gemeinschaft mit Freunden zu kreieren?

Hat (akzep-)TANZEN oder (er-)TRAGEN in Ihrem Leben die Oberhand? Tanzen oder Tragen, Authentizität oder Farce, Kreieren oder Feststecken, es liegt in Ihrer Hand.

In diesem Sinne herzlich tanzende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Die 5 Phasen zur Anpassung an Veränderung stammen ursprünglich von Elisabeth Kübler-Ross und wurden im Rahmen des Possibility Managements abgewandelt und auf andere Themenbereiche übertragen.