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Montag, 15. Juni 2015

NEW WORK: Die 3 entscheidenden Komponenten für Evolution



In letzter Zeit nimmt eine Bewegung Fahrt auf, die sich mit neuen Arbeitsweisen und neuen Unternehmensstrukturen beschäftigt. Weltweit gibt es immer mehr Menschen und Initiativen, die die Vision verfolgen, eine neue, für die Menschen und die Erde tragfähige Art des Arbeitens und Wirtschaftens zu etablieren. Dazu gibt es bereits großartige und inspirierende Praxisbeispiele von einzelnen Geschäftsführern und Teams, die mutig vorangehen. Sei es die Firma Semco in Brasilien, die u. a. freie Arbeitszeiten und Offenlegung der Gehälter praktiziert, die Firma Gravity Payments in USA, deren CEO Dan Price auf Kosten seines hohen Managergehaltes seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn von 70.000 Dollar pro Jahr garantiert oder die Farbenwerke Wunsiedel in Deutschland, die sich zu einer Netzwerkorganisation wandeln, in der jeder Mitarbeiter sich nur noch entsprechend seiner Talente und Inspiration den Aufgaben widmet, die er vollverantwortlich und gerne macht. Es gibt noch viele weitere Firmen, die mutig vorangehen. Eines ist ihnen gemein: sie alle sind Pioniere.

So beeindruckt viele Menschen von diesen innovativen Praxisbeispielen auch sind,  so oft werden jedoch auch Stimmen laut, die sagen: „Ja, das geht bei denen, aber bei uns in der Firma oder in einem anderen Konzern ist das doch gar nicht möglich.“ Eine sehr beliebte und bequeme Ausrede, um Veränderung von vornherein zu verhindern und die gewohnten Bahnen nicht zu verlassen. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass Evolution 3 entscheidende Komponenten beinhaltet:

  1. Nichtwissen
  2. Regeln brechen
  3. Schnelles Lernen

1.   Nichtwissen
Aus dem Nichtwissen heraus zu agieren bedeutet, tatsächlich keine Ahnung zu haben, wie es geht. Dieser Aspekt an sich scheint völlig absurd, da in der modernen Gesellschaft der Fokus stark auf Kontrolle und Sicherheit liegt. Die Jahreszahlen, der Gewinn, der Marktanteil, die Versicherungen, alles wird genau geplant. Ein Manager, der keine Antwort auf Fragen hat, auf Kontrolle der Mitarbeiter verzichtet oder keine Ahnung hat, wie sich ein Projekt entwickeln wird, wird schnell als unprofessionell und nicht zurechnungsfähig abgestempelt. Das Patriarchat hat die Menschen gelehrt, es sei besser und absolut notwendig, die Dinge im Griff zu haben, zu wissen wie etwas geht, kein zu hohes Risiko einzugehen und jederzeit eine professionelle Figur zu machen.

Diese Aspekte stehen Evolution jedoch entgegen. Evolution funktioniert nicht mit Kontrolle, Sicherheit, Netz und doppeltem Boden. Oder dachten Sie Galileo Galilei hätte gewusst, wie seine Reise verlaufen würde, als er sich auf den Weg machte zu schauen, ob er am Ende der flachen Erdscheibe tatsächlich mit seinem Schiff über die Kante fällt? Evolutions-Pioniere sind bereit, nicht zu wissen. Menschen mit der Vision, dass ein anderes Arbeiten im Dienst der Menschen und der Erde möglich ist, sind bereit, voranzugehen ohne zu wissen, wie es geht. Die Vision ist in dem Fall wichtiger, als „gut“ auszusehen und von allen akzeptiert und gemocht zu werden.

Um im Nichtwissen stehen zu können, ist eines allerdings entscheidend: Sie müssen mit Ihrer Angst vertraut sein und sie in Besitz genommen haben. Wenn Angst für Sie nicht okay ist, dann werden Sie keinen wagemutigen Schritt in eine völlig neue Richtung machen oder bahnbrechende neue Ideen vorschlagen und ausprobieren.

Angst ist eines von vier großen Gefühlsterritorien (Wut, Freude, Traurigkeit und Angst), die uns im Leben dienen. Angst ist mit den anderen drei Gefühlen zusammen ein zielsicheres Navigationssystem, das Sie durch das Leben und durch Veränderung leitet. Die gängige Meinung über Angst ist jedoch, dass sie schlecht und zu vermeiden ist. Sie ist schwach, negativ, blockierend, gefährlich, lässt Sie als Feigling dastehen, ist unprofessionell und ganz sicher keine Eigenschaft eines kompetenten Mitarbeiters oder Managers. Ein Irrglaube, der über Jahrzehnte in unseren Köpfen genährt wurde (denken Sie nur einmal darüber nach, dass 90% der Medien-Werbungen subtile Angstbotschaften benutzen, um die Menschen zu manipulieren und klein zu halten).

Wenn Angst auf Basis dieses parasitären Irrglaubens für Sie nicht okay ist, werden Sie nicht in der Lage sein, sich pionierhaft in evolutionäres Neuland zu begeben. Dann wird die Angst Sie besitzen und dafür sorgen, dass Sie aufgrund möglichen Gegenwinds, Konflikten oder Kontrollverlust auf Ihrem bekannten Platz bleiben, weil es für Sie zu gefährlich ist, bisherige, längst überholte Regeln zu brechen. Mit dem Glaubenssatz Angst sei negativ und unprofessionell, werden Sie Ihre Komfortzone nicht verlassen und somit vermeiden im Unternehmen möglicherweise gefährliche Fragen zu stellen, auf Missstände hinzuweisen, verrückte Ideen auszuprobieren und Ihre Vision einer neuen Arbeitsweise zu verfolgen.

Die interessante Frage ist: Wenn es sich um einen Irrglauben handelt, was ist Angst stattdessen? Ziehen Sie einmal in Betracht, dass Angst (wie die anderen drei oben genannten Gefühle auch) neutrale Energie und Information ist, die Ihnen dient. Wie könnte Ihnen Angst unter dieser neuen Annahme dienen? Was könnten Sie mit Angst sinnvoll tun? Mit Angst können Sie beispielsweise:

  • Kreativ werden
  • Innovativ sein
  • Verrückte oder bahnbrechende Ideen entwickeln
  • Neues Gebiet betreten und erforschen
  • Planen / vorsichtig sein
  • Wachsam und aufmerksam sein
  • Sich konzentrieren
  • Neugierig sein
  • Präzise sein
  • Gefährliche Fragen stellen
  • Fehler machen
  • Nichtlinear vorgehen
  • Improvisieren
  • Gefahren wittern / Risiken abschätzen

Ist Angst vor diesem Hintergrund nützlich? Ja, auf jeden Fall! Machen Sie sich bewusst, dass Angst nur Angst ist, ein hilfreiches Gefühl, das Ihnen dient.

Wenn Angst für Sie okay ist und Sie Ihre Angst in Besitz nehmen (z. B. indem Sie in einem sicheren Trainingsumfeld einmal 100% maximale Angst in Ihrem Körper spüren und feststellen werden, dass Sie größer sind als die Angst), dann können Sie pionierhaft vorangehen, Ihre Komfortzone verlassen und Ihrer Inspiration folgen, ohne zu wissen, was Sie erwartet oder wie etwas geht.

Evolution beinhaltet Nichtwissen. Evolution entsteht aus dem Nichtwissen. Was bedeutet das konkret? Wenn Sie eine brillante, innovative Idee haben, wie neues Arbeiten funktionieren könnte, dann müssen Sie nicht wissen, wie es genau geht. Es ist nicht notwendig, im Vorfeld bereits die Meilensteine in einem Projektplan niederzuschreiben, alle Details zu kennen oder gar zu wissen, wie sich die Idee bzw. das Projekt entwickeln wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie sich der Vision verpflichten. Der Rest ergibt sich automatisch.

Bedarf es dafür Mut? Ja, durchaus. Doch machen Sie sich bewusst, dass Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.


2.   Regeln brechen
Um eine gesunde und tragfähige Arbeitsweise in Unternehmen initiieren zu können, ist es notwendig, Regeln zu brechen und neue Unterscheidungen zu treffen. Regeln, Annahmen und Unterscheidungen sind Teil des Unternehmenskontextes, die als gegeben betrachtet werden und meist nicht mehr hinterfragt werden.

Evolution in Unternehmen beinhaltet jedoch vor allem auch, neue, verrückte Ideen vorzuschlagen bzw. auszuprobieren. Das kann bereits bei kleinen Dingen beginnen. Ihre Meetings dauerten in der Vergangenheit beispielsweise viel zu lange und die Teilnehmer waren oftmals während dessen mit anderen Dingen beschäftigt? Dann entfernen Sie für das nächste Meeting einmal alle Tische und Stühle aus dem Raum, sodass die Leute in einem offenen Kreis stehen. Lassen Sie sich überraschen, wie schnell und effektiv das Meeting sein wird. Wenn Sie vorher Angst spüren ist das angemessen, denn Sie betreten Neuland (vorausgesetzt, Sie haben solch ein Meeting noch nie gemacht). Sie können nicht wissen, wie die Kollegen reagieren werden, was sie von Ihnen halten werden, ob Sie möglicherweise für verrückt erklärt werden, etc. Haben Sie jedoch die oben genannte neue Sichtweise in Bezug auf Angst verinnerlicht, können Sie sich – sobald Sie Angst spüren – bewusst machen:„Ah! Ich spüre Angst. Angst ist Angst. Nur das. Sie zeigt mir, dass ich jetzt gerade etwas völlig Ungewohntes ausprobiere.“ Dann vertrauen Sie im nächsten Schritt dieser Angst und gehen einfach mutig weiter.

Genauso wie für das kleine Beispiel mit der neuen Raumanordnung können Sie Angst für größere, evolutionäre Ideen nutzen. Viele großartige Ideen, die einen echten Unterschied in Unternehmen machen würden, werden von Mitarbeitern nicht angebracht aus Angst davor, was der Chef oder die Kollegen von ihnen halten werden oder gar aus Angst davor, ihren Job zu verlieren. Der alte Irrglaube über Angst und darüber, dass Regeln in jedem Fall zu befolgen sind, sitzt tief in unseren Zellen. Es ist jedoch höchste Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen und den Weg für neues Miteinander, andere Kommunikations- und Verhaltensformen, neue tragfähige Werte und neue Führungs- bzw. Nicht-Führungsmodelle zu ebnen.

Welche Regeln sind es in Ihrem Unternehmen, die veraltet, nicht zielführend, destruktiv und demotivierend sind und dringend einer Änderung bedürfen? Welche inspirierenden Ideen haben Sie stattdessen?

3.   Schnelles Lernen
Wie bereits erwähnt, bedingt Evolution Nichtwissen. Niemand weiß, wie die Unternehmen der Zukunft genau aussehen werden. Das ist schon allein deswegen nicht möglich, weil jedes Unternehmen andere Mitarbeiter hat, die alle anders ticken und es somit kein einheitliches Konzept gibt. Es gibt kein Patentrezept, wie eine tragfähige Arbeitsweise in Zukunft aussehen wird. Umso wichtiger ist es, Dinge  auszuprobieren, um für das eigene Unternehmen den optimalen Weg zu finden.

Pioniere, Edgeworker, Impuls- und Ideengeber, die ihre Vision einer neuen Arbeitswelt verfolgen, sind bereit, ihre Komfortzone zu verlassen. Im übertragenen Sinne sind sie bereit, zu sterben. Sie fürchten sich nicht davor, Fehler zu machen. Im Gegenteil, sie sind bereit Fehler zu machen, da Fehler für sie nicht negativ, sondern einfach nur glasklares Feedback auf dem Weg der Evolution sind.

Sie praktizieren sogenanntes Schnelles Lernen, das aus 3 Schritten besteht:
  1. GO! => Sie haben eine brillante Idee, gehen los und probieren die neuen Möglichkeiten aus.
  2. Feedback => Sobald Sie losgegangen sind, erhalten Sie unmittelbar Feedback. Dies kann entweder GO! („Das funktioniert!“) oder BEEP! („Das hat nicht funktioniert!“) sein. Machen Sie sich bewusst, dass es tatsächlich nur diese beiden Arten von Feedback gibt. Wenn Sie etwas Neues ausprobieren und ein BEEP! erhalten, bedeutet dies lediglich, dass etwas nicht funktioniert hat. Es ist neutrales Feedback über die Vergangenheit. Gehen Sie dann einfach zum dritten Schritt des schnellen Lernens über.
  3. SHIFT! Haben Sie ein BEEP! erhalten, ist dieser dritte Schritt entscheidend. Verändern Sie etwas und gehen Sie dann wieder los und probieren etwas anderes aus.

Schnelles Lernen ist entscheidend, wenn Sie Neuland betreten. Die Effektivität dieses 3-Stufen-Prozesses ist dabei abhängig von Ihrer Sicht auf Feedback. Ist Feedback für Sie Kritik, negativ, oder gar ein persönlicher Angriff, so werden Sie steckenbleiben. Schnelles Lernen funktioniert nur, wenn Sie Feedback als Gold betrachten und als klaren Indikator dafür, was es auf dem Weg der Evolution zu verändern gilt. Beim Erforschen und Etablieren einer neuen, tragfähigen Arbeitsweise ist es notwendig, das schnelle Lernen in den Alltag integrieren und permanent Feedback von Kollegen einzuholen.

Erinnern Sie sich: Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst. Die Zeit des Wandels in Unternehmen ist bereits angebrochen. Es ist dringend notwendig, alte, nicht mehr dienliche Strukturen, Regeln und Vorgehensweisen über Bord zu werfen und neue, inspirierende und tragfähige Möglichkeiten zu etablieren. Was ist Ihre Vision in Bezug auf neues Arbeiten? Wann beginnen Sie?

Herzlich visionäre Grüße,
Ihre Nicola Nagel


    www.viva-essenza.com  

 
EMPOWERING PEOPLE - FACILITATING CHANGE!

 
Tipp: Mehr zu neuer Feedback-Kultur, schnellem Lernen und vielen evolutionären Aspekten hinsichtlich neuer Unternehmensführung und Arbeitsweise finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio


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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der Phönix Effekt - Kreieren aus dem Nichtwissen heraus



Heute ist so ein Tag, an dem ich nicht weiß, über was ich eigentlich schreiben soll. Ich weiß es einfach nicht. Ich könnte über alles und nichts schreiben, doch es kommt kein klarer Impuls für ein Thema. Gleichzeitig habe ich mich verpflichtet, meinen Lesern monatlich neue Möglichkeiten in Form eines Artikels zur Verfügung zu stellen. Was nun? Vielleicht ist ja genau das DAS Thema, im Nichtwissen zu stehen.

Kennen Sie das, dass Sie manchmal einfach keine Ahnung haben? Wie geht es Ihnen damit? Können Sie gut im Nichtwissen stehen, oder suchen Sie eher sofort nach einer Lösung oder einem bekannten Konzept, das Sie hoffentlich anwenden können? In der modernen westlichen Gesellschaft wird uns eingetrichtert, dass wir immer alles wissen müssen. Wir müssen für jedes Problem eine Lösung finden, Antworten parat haben und mit Fachwissen im Job brillieren. Wir sind darin trainiert, ständig etwas zu tun und maßgeblich unseren Verstand zu gebrauchen und diesen unser Leben steuern zu lassen. Wir sind geübt darin, immer mehr Wissen anzuhäufen. Es beginnt bereits in der Schule, geht in der Ausbildung und im Studium weiter, hört auch im Job nicht auf und die Medien wie Fernsehen, Radio und Internet tun ihr übriges dazu. Wissen, wissen, wissen. „Wissen ist Macht“ heißt ein Sprichwort. Wen wundert es da, dass eine Fehlverkabelung in unserem Gehirn installiert ist, die heißt „Wenn ich etwas nicht weiß, ist das schlecht“ oder „Wenn ich etwas nicht weiß, bin ich nicht professionell“ oder – sinnbildlich gesprochen - „Wenn ich etwas nicht weiß, sterbe ich“.

Kürzlich war ich auf einer mehrtägigen Veranstaltung, bei der es um nachhaltige Wege für die planetare Zukunft ging. Für dieses Event gab es einen Ablaufplan, auf dem genau stand, an welchem Tag zu welcher Uhrzeit welche Aktivitäten oder Zusammenkünfte der Teilnehmer stattfanden. Am Anfang einen Plan zu haben, war im konkreten Fall zunächst einmal sinnvoll, um der Veranstaltung überhaupt eine Struktur zu geben. Doch wenn mehrere Pioniere, Revolutionäre und Visionäre zusammenkommen, kann ein starres Festhalten an einem Plan sehr schnell nach hinten los gehen. Nachdem eine schöne, riesige Plakatwand entstanden war, an der Post-It Zettel klebten, auf denen die Workshop Angebote für einen weiteren Tag standen, trug es sich zu, dass jemand über Nacht in geheimer Mission die Zettel abgemacht und dazu benutzt hatte quer über die Plakatwand den Satz zu kleben „We don’t know“.

Es war sehr spannend die Reaktionen der Teilnehmer und Organisatoren zu beobachten, als sie morgens den Raum betraten. Einige waren komplett entspannt und fühlten sich sichtlich wohl damit, während andere völlig irritiert – ja fast schon wütend - anfingen zu versuchen herauszufinden, wer es denn gewagt hatte den „Plan“ zu zerstören und ihre Zettel wegzunehmen. Es gibt sogar Menschen, die heute noch wissen wollen, wer es denn nun damals war. Dabei ist das völlig egal. Die Aktion hat dazu geführt, dass sich die Veranstaltung aus eben diesem Nichtwissen heraus auf einer völlig anderen Ebene weiter entwickeln konnte. Nur das zählt.

Wir sind es so sehr gewohnt, einen Plan, ein Konzept, eine Strategie zu haben und Dinge unter Kontrolle zu halten. Schließlich müssen wir doch WISSEN, wo es hin geht, was wir tun müssen, oder wie etwas aussehen wird. Fakt ist jedoch, wenn Sie das anwenden, was Sie immer schon wussten, können Sie auch immer nur die gleichen Resultate erzielen, die Sie immer schon erzielt haben. Möchten Sie also etwas Neues im Leben kreieren, könnte es notwendig sein, altes Wissen über Bord zu werfen und sich dem Chaos des Nichtwissens hinzugeben. Ein neuer Phoenix kann bekanntermaßen erst entstehen, wenn der alte Phoenix in Flammen aufgegangen ist. Ein neuer Phoenix kann nur aus der Asche entstehen, aus dem NICHTS.

Wir sehen uns öfter dem Nichtwissen gegenüber, als wir meinen. Da die wenigsten jedoch damit vertraut sind, im Nichtwissen zu stehen, überkleben wir selbiges gerne mit Glaubenssätzen. Anstatt mutig einen Schritt in das Nichtwissen zu machen und authentisch zu sagen „Ich weiß es nicht“ lautet die Antwort oftmals „Ich glaube, dass…“ oder „Ich habe gehört, dass…“ Glaubenssätze sind Pflaster über den Löchern in unserer Weltsicht, wo wir nicht wissen. Pläne und Glaubenssätze bilden somit eine gewisse Sicherheit.

Doch vielleicht kennen Sie das Zitat „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ von John Lennon. Leben ist das, was passiert, während Du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. Das Leben rennt sozusagen an Ihnen vorbei und Sie verpassen es, wenn Sie versuchen verschiedene Lebensbereiche durchzuplanen, sei es Ihr Job, Ihre Beziehung, Ihre Vision. Der Versuch Dinge zu planen, schränkt Ihre Kreativität, Inspiration und Ihr Leben insgesamt ein. Und vor allem hindert das Planen Sie daran, überhaupt loszugehen und Dinge auszuprobieren. Wenn Ihr Leben nach einem Plan verlaufen und „sicher“ sein muss, dann kann das Leben vorrangig nur linear sein: Sie werden geboren, gehen zur Schule, machen vielleicht eine Ausbildung, haben einen allgemein gültigen Job, der auch auf dem Formular des Finanzamtes Gültigkeit hat, verdienen im Job Geld, heiraten, bekommen Kinder, gehen irgendwann in Rente und sterben dann letztendlich. Das ist der lineare Lebensplan.

Eigentlich sind wir Menschen jedoch dazu entworfen, zu fliegen, im Nichtwissen zu stehen, kreativ zu sein und voller Inspiration neue Wege zu gehen. Sie könnten z. B. einen neuen Job erfinden, der nicht auf dem Formular des Finanzamtes steht, der Sie aber erfüllt. Die Fehlverkabelung in unserem Gehirn, dass Nicht-Wissen gleich „Gefahr“ oder „Tod“ bedeutet, geht einher mit einer zweiten Fehlverkabelung in Bezug auf Angst. Prüfen Sie einmal kurz, welche Verkabelung Sie bezüglich des Wortes Angst in Ihrem Kopf haben und ergänzen Sie „Angst ist….“. Vielleicht ist es eine Definition wie „Angst ist schlecht“ oder „Angst ist zu vermeiden“ oder „Angst ist blockierend bzw. lähmend“. Egal, welche Definition Sie mit Angst verknüpft  haben, Fakt ist, dass Sie mit einer solchen Definition dem Nicht-Wissen nur ungern begegnen werden, denn Nichtwissen impliziert Angst. Angst, weil Sie Wege gehen, die Sie vorher noch nicht gegangen sind. Die Definition „Angst ist lähmend bzw. schlecht“ wird Sie somit davon abhalten sich überhaupt in eine Situation zu begeben, in der Sie keine Ahnung haben, wie es geht. Sollten Sie dennoch in eine Solche Situation geraten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie sich an altbekannten Konzepten und Strategien festklammern werden und versuchen, diese so zu verbiegen und anzuwenden, um sich irgendwie „sicher“ zu fühlen. Dieser Effekt wird erst recht eintreten, wenn es möglicherweise sogar chaotisch wird. Sie werden versuchen, irgendwie Herr der Lage zu werden.

Stellen Sie sich vor, 3 Personen fallen in ein Loch ohne Boden (also ins Nicht-Wissen). Mit der Verkabelung „Angst ist schlecht“ könnte das dazu gehörige Bild ungefähr so aussehen:



Mit der oben genannten Fehlverkabelung sind Sie in einer Situation, in der Sie nicht wissen, wie es geht, hilflos, blockiert, gelähmt und verkrampft.

Entgegen der gängigen Meinung, dass Angst nach Möglichkeit zu vermeiden ist, ist Angst jedoch – wie andere Gefühle auch – ein wertvolles Gefühl, dass uns durch das Leben navigiert. Sie brauchen die Angst. Angst ist weder schlecht, noch ein Design-Fehler im menschlichen Körper. Entscheidend ist somit, die Angst tatsächlich dienlich zu verkabeln. Wie würde die kraftvolle Verkabelung lauten? Angst ist….? Richtig: ANGST IST ANGST! Nur das. ANGST IST ANGST. Ohne weitere Bedeutung. Angst ist einfach ein wichtiges Gefühl, das Ihnen z. B. zeigt, dass Sie Neuland betreten, oder nicht wissen wie es geht. Wenn es okay für Sie ist, Angst zu haben, dann können Sie auch im Nichtwissen stehen und sich dabei entspannen. Unsere 3 Personen, die in ein bodenloses Loch des Nichtwissens fallen und für die Angst okay ist, würden dann so aussehen:


Wie gesagt, Angst ist ein wunderbarer Gefühls-Indikator, der Ihnen unter anderem sagt, dass Sie neues Gebiet betreten. Hier ein Beispiel: Neulich sollte eine Mitarbeiterin einer Geschäftsführerin Feedback geben, was nicht funktioniert. Die Mitarbeiterin wusste nicht, wie das gehen sollte, schließlich war sie doch in der Hierarchie weiter unten und sie hatte große Angst davor, dieses Experiment zu wagen. Es lag weit über ihrer Angst-Schwelle und weit außerhalb ihrer Komfortzone. Sie entschied sich letztendlich, der Angst zu vertrauen und den Schritt ins Nichtwissen zu wagen. Sie fing also einfach an zu sprechen und gab klares, kritisches Feedback, ohne zu wissen, wie es ging, wie es ankommen oder was als nächstes passieren würde. Das Resultat war, dass die Geschäftsführerin sehr dankbar über das Feedback war und die Mitarbeiterin hinterher treffend feststellte „Toll, mein Kopf ist ja noch dran. Ich lebe noch. Und es tat gar nicht weh.“

Vielleicht haben Sie auch eine Vision, wie z. B. die Struktur Ihres Unternehmens in Zukunft aussehen könnte, haben aber keine Ahnung, wie Sie dahin kommen können. Prima, beste Voraussetzungen!!! Erzählen sie genau das zwei, drei Leuten, holen Sie diese ins Boot, lassen Sie sich überraschen, welche Möglichkeiten sich plötzlich ergeben und wie das Projekt ins Rollen kommt.

Oder nehmen wir das Beispiel von authentischem Kontakt in Beziehung. Wenn Angst für Sie nicht okay ist und Sie deswegen Nichtwissen vermeiden wollen, dann bleibt Ihre Beziehung auf der gleichen Ebene. Dann bewegen Sie sich nicht aus Ihrer bekannten Komfortzone heraus und wagen nichts Neues, weil Sie ja nicht wissen, was passieren wird. Wenn Sie sich mit Angst und Nichtwissen hingegen angefreundet haben, dann sind Sie in der Lage, z. B. eine neue Ebene von Kontakt und Intimität auszuprobieren und zuzulassen. Dann ist Angst nur Angst (und es ist übrigens angemessen, Angst zu haben, wenn Sie etwas Unbekanntes ausprobieren). Mit Angst können Sie eine höhere Intensität von Intimität halten und Ihrem Partner z. B. das Experiment vorschlagen, 20 Minuten still in Beziehung gegenüber zu sitzen, sich in die Augen zu schauen und die Intensität auszuhalten wahrhaftig gesehen zu werden. Es geht dabei nicht darum zu starren getreu dem Motto „wer zuerst blinzelt hat verloren“. Es geht darum wahrhaftig gesehen zu werden und den anderen wahrhaftig zu sehen. Wenn Sie bei diesem Experiment Angst spüren, erinnern Sie sich, dass es nur Angst ist und atmen Sie weiter, während Sie Ihre Maske fallen lassen.

Sie können der Angst vertrauen. Der menschliche Körper ist dazu entworfen, 100% maximale Angst zu spüren und zu nutzen. Das hört sich enorm an, doch wenn Sie diese Angst in einem sicheren Umfeld in dieser Größe einmal erlebt haben, können Sie sofort folgende Frage beantworten: „Wer ist größer, Sie oder die Angst?“ Die Antwort lautet SIE sind größer. Sie besitzen die Angst, nicht umgekehrt.

Experiment: Entspannt im Nicht-Wissen stehen
SCHRITT 1:
Lehnen Sie sich einmal kurz zurück und seien Sie schonungslos ehrlich: In welchen Situationen oder Lebensbereichen haben Sie bisher vorgegeben zu wissen, wie etwas geht, obwohl Sie eigentlich keine Ahnung hatten?

Und: Wie oft haben Sie etwas nicht gewagt oder gesagt, weil Sie nicht wussten, wie Sie es machen sollen? Wie oft wollten Sie etwas ausprobieren, vielleicht einen verrückten Vorschlag im Job machen oder Ihre Beziehung auf eine andere Ebene bringen, haben es aber letztendlich nicht getan, weil Sie nicht wussten, wie es geht? Oder vielleicht weil es für andere nicht logisch nachvollziehbar gewesen wäre?

SCHRITT 2:
Wenn Sie das nächste Mal in einer Situation sind, wo Sie etwas nicht wissen, seien Sie authentisch und sagen Sie ganz bewusst „Ich weiß es nicht.“ Entspannen Sie sich in das Nichtwissen und lehnen Sie sich zurück. Anstatt in blanken Aktionismus zu verfallen, oder automatisch zu reagieren, tun Sie zur Abwechslung erst einmal gar nichts. Halten Sie inne. Atmen Sie weiter und bleiben Sie so lange ruhig, bis der nächste Impuls kommt. Und der wird kommen. Sei es, dass Sie plötzlich eine zündende Idee haben, oder von außen ein Impuls kommt, der den nächsten Schritt einleitet. Im ersten Moment fühlt es sich möglicherweise unbehaglich an, es nicht zu wissen und nichts zu tun. So fühlt es sich einfach an. Ihr Verstand wird möglicherweise sagen „Aber Du musst doch etwas tun. Du musst doch wissen, was zu tun ist.“ Schießen Sie diese Stimme ab und bleiben Sie im Nichtwissen.

Sie werden erkennen, dass sich neuer Boden unter Ihren Füßen auftut, wenn Sie Ihrer Angst vertrauen und den Schritt über den vermeintlichen „Abgrund“ hinaus ins Nichtwissen tun. Dann können Sie selbst im Chaos entspannt navigieren. Es geht immer nur um den nächsten Schritt. Und Vertrauen ist kein Gefühl, Vertrauen ist eine Entscheidung.

In diesem Sinne, herzliche Grüße aus dem Nichtwissen.
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!
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Montag, 18. November 2013

Weisheit versus Wissen - Koppeln Sie sich vom Verstand ab!



Wie treffen Sie im Leben Entscheidungen? Verlassen Sie sich auf Ihren Verstand oder nutzen Sie eine andere Weisheits-Quelle? Die meisten werden vielleicht antworten, dass sie den Großteil Ihrer Entscheidungen logisch nachvollziehbar mit dem Verstand treffen. Das haben wir schließlich jahrelang gelernt, angefangen in der Schule über Ausbildung oder Lehre bis hin zum Job. Wir sind darin trainiert, Wissen anzusammeln.

Wir haben gelernt unseren Verstand zu gebrauchen. Mehr noch, wir glauben, wir sind unser Verstand. „Ich denke, also bin ich“ heißt das weit verbreitete Motto. Das ist durchaus nicht verwerflich, denn schließlich haben wir oft genug erfahren, welche Konsequenzen es haben kann, wenn wir etwas nicht wissen. Dann nämlich gab es entweder schlechte Schulnoten oder jemand anderes hat den begehrten Job bekommen. Sobald Sie sagen „Ich weiß es nicht“ werden Sie schräg angeschaut. Denn bitteschön, in unserer hoch-technisierten Zeit, wo man ständig über Smartphone, Internet und GPS Zugriff auf alle Daten haben kann, ist es doch fast schon ein Frevel, etwas nicht zu wissen. Die Angst, bloßgestellt zu werden, sitzt tief und wurde bei den meisten seit frühester Kindheit genährt.

Es ist zu einem sonderbaren Phänomen der Gesellschaft geworden zu glauben, dass wir unser Verstand sind. Doch was, wenn das nur eine Illusion ist? Was, wenn der Verstand lediglich vergleichbar ist mit einer außer Kontrolle geratenen Maschine, die endlose Wissens- und Gedankenschleifen dreht, sich unserer bemannt hat und uns von unserer wahren Weisheits-Quelle abschneidet? Was ist überhaupt diese andere Quelle? Und wie kann ich daran wieder andocken?

Oftmals wird jemand als weise bezeichnet, der ein gewisses Alter erreicht und eine gehörige Portion Lebenserfahrung gesammelt hat. Wie wäre es jedoch für Sie zu wissen, dass jeder von uns weise ist, unabhängig davon, wie alt eine Person ist? Wir sind es tatsächlich. Wir haben lediglich verlernt, auf die innere Weisheit zuzugreifen. Wie viele von Ihnen hatten schon einmal einen Impuls etwas zu tun oder zu sagen und haben es im Endeffekt doch nicht getan, weil die Vorstellung davon zu gefährlich war? Es scheint jedoch nur deswegen so gefährlich, weil wir dermaßen mit unserem Verstand verhaftet sind. Sobald der Verstand etwas nicht logisch begründen kann, generiert er den Gedanken „Das geht nicht. Das kenne ich nicht. Das ist nicht sicher.“ Wie oft ist es Ihnen passiert, dass der erste Impuls den Sie hatten, jedoch womöglich aus Verstandes-Angst nicht verfolgt haben, sich letztendlich doch als der richtige herausgestellt hat? Fragen über Fragen.

Lassen Sie uns an dieser Stelle einmal gemeinsam schauen, was überhaupt der Unterschied zwischen Weisheit und Wissen ist.


Weisheit
Wissen/Verstand
Intuitiv
Logisch
Unbegrenzt
Begrenzt
Vielfältig
Analytisch
Weich
Hart
Spielerisch
Strukturiert
Irrational
Rational
Nicht erklärbar
Erklärbar
Basiert auf Impulsen
Basiert auf Fakten
Flexibel
Starr
Fließend
Eckig
Unendlich
Endlich
Lebendig
Tot. Basiert auf Konzepten
Vertrauen
Planen
Verbunden mit dem Lebensfluss.
Vom Lebensfluss abgeschnitten. Das Leben planen. Zielgerichtet, erfolgsorientiert.
Zentriert
(energet. Zentrum liegt auf phys. Zentrum)
Unzentriert
(energetisches Zentrum liegt im Kopf)
Zugriff auf Unbekanntes
Zugriff auf bereits Bekanntes
Sich entfaltend
Sich wiederholend
Freiheit
Sicherheit
Verbindung
Trennung
Schafft Nähe
Schafft Distanz
Authentisch in Kontakt sein, Herzverbindung
Kopf-gesteuert, fehlende Herzensverbindung
Präsent im Jetzt
Ausgerichtet auf die Zukunft
Fördert Gemeinschaft und Prinzipien
Fördert Konkurrenz und Positionierung.
Basiert auf Erfahrungs-Realität.
Basiert auf verbaler Realität.
Ich bin.
Ich weiß.

Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Die obige Gegenüberstellung meint nicht, Weisheit ist gut und Wissen/Verstand ist schlecht. Die Frage ist einfach, was Ihr Leben bestimmt und was dadurch möglich oder nicht möglich ist.

Der Verstand ist wichtig. Entscheidend ist jedoch, dass Sie aufhören, sich von Ihrem Verstand beherrschen und sich alles logisch vorgeben zu lassen, denn dadurch begrenzen Sie sich selbst. Der Verstand, der nach Konzepten und Sicherheit strebt hält Sie quasi in Ihrem eigenen Gefängnis gefangen. Die gute Nachricht ist: Bei diesem Gefängnis steckt der Schlüssel innen. Es liegt also in Ihrer Hand ein neues Experiment zu wagen und an eine Weisheitsquelle anzudocken, die zwar auf den ersten Blick (aus Sicht des Verstandes) weniger stabil zu sein scheint, die sich jedoch als absolut verlässlich entpuppt, sobald Sie ihr vertrauen. Verlässlicher, als der Verstand es jemals sein könnte.

Die Krux an der Geschichte ist jedoch, dass Sie an diese Weisheit nur unter einer Bedingung andocken können:
Um auf Ihre innere Weisheit zugreifen zu können ist es entscheidend, dass Sie sich von Ihrem Verstand abkoppeln. Uaaaaah, wie bitte? Sie haben richtig gelesen:

Weisheit kommt durch die Abkopplung vom Verstand.

Allein diese Vorstellung kann sehr beängstigend sein. Sie sollen plötzlich nicht mehr alles wissen, planen, logisch denken, analysieren und ein Konzept haben? Yep! So ist es. Und das ist bereits alles an schlechter Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass Sie und alle anderen dann nur gewinnen können.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Kürzlich war ich auf einer Geburtstagsfeier eingeladen und kannte die Gastgeberin noch nicht lange. Rein vom Verstand her und anhand gesammelter Fakten konnte ich definitiv nicht sagen, was ich ihr zum Geburtstag mitbringen sollte. Also habe ich meiner inneren Weisheit die Frage gestellt „Was ist das passende Geburtstagsgeschenk?“ Postwendend kam die Antwort „Das Acryl-Bild, das Du vor einiger Zeit auf Leinwand gemalt hast.“

Es war spannend, was direkt im Anschluss passierte. Dieser erste Impuls fühlte sich absolut stimmig an. 5 Sekunden später hat sich jedoch der Verstand eingeklinkt und angefangen zu argumentieren: „Also Moment mal. Ich kenne sie ja nicht wirklich und weiß gar nicht, welchen Geschmack sie hat. Und ein Bild…also bitte, das ist ja wirklich gewagt. Was, wenn sie es scheußlich findet? Das wäre ja sehr peinlich. Nein, also ich kann doch einer quasi fremden Person kein Bild schenken, das zudem noch sehr wilde Farben und Muster hat.“ Der Geburtstag rückte näher. Einen Tag vor der Einladung holte ich das Bild aus dem Keller. Der Verstand versuchte die gleiche Gedankenschleife wieder und wieder runter zu leiern. Der Teil von mir, der gerne eine absolut sichere Lösung parat hat, hatte Angst. Doch ich habe mich entschieden, dem ersten, sehr klaren Impuls zu folgen und packte das Bild schön in Geschenkpapier ein. Am nächsten Tag kam die Stunde der Wahrheit. Die Gastgeberin packte das Bild aus und …… hat sich vor Begeisterung nicht mehr eingekriegt. Es seien genau ihre Farben und überhaupt fänd sie das Bild gigantisch. Einen Tag später schickte sie mir eine E-Mail und schrieb, dass sie das Bild nachts nach der Feier noch aufgehängt habe und sie es nun direkt von ihrem Schreibtisch aus den ganzen Tag sehen könne.

Wusste ich mit meinem analytischen Verstand, dass das Bild genau „ihre Farben“ enthielt? Nein. Wusste ich zuvor rein von der Logik, dass sie einen besonderen Bezug zu einer bestimmten Form auf dem Bild haben würde? Nein. Wusste ich mit meinem strukturierten Hirn überhaupt irgendetwas über ihren Geschmack? Nein. Aber meine innere Weisheits-Quelle wusste es. Hatte der logische Verstandes-Teil in mir Angst, diese völlig irrationale Idee umzusetzen? Ja.

Hier ein weiteres, etwas praktischeres Beispiel für die Herren unter Ihnen:
Kürzlich brauchte ich neue Winterreifen für mein Auto. Also informierte ich mich im Internet, welche Möglichkeiten es gab. Für diese Recherche nutzte ich zunächst einmal meinen analytischen Verstand; ich habe ihn also nur für diese Aktion bewusst eingeschaltet, um verschiedene Angebote zu vergleichen. Schließlich stieß ich auf eine Internetseite eines Reifenhändlers, der meine gewünschten Kompletträder zu einem sensationellen Preis anbot, der 100 Euro unter den Standardangeboten lag. Prima. Jetzt konnte ich meinen Verstand wieder ausschalten. Da ich noch einen Termin hatte, entschied ich mich, die Räder am nächsten Tag in Ruhe zu bestellen. Am nächsten Tag ging ich also wieder auf diese Internetseite und sah, dass der Preis gestiegen war. Auf meine Nachfrage bei besagtem Händler stellte sich heraus, dass es sich um Tagespreise handelte, die praktisch wie Börsenkurse schwanken können. Ergo: je mehr das Wetter Richtung Schnee tendiert und je mehr von den Reifen gekauft werden, desto mehr schnellt der Preis in die Höhe. Mein Verstand sagte also: „Sieh zu, dass Du die Dinger kaufst, bevor der Preis noch weiter steigt.“ Eine andere Weisheit in mir sagte jedoch „Warte bis morgen.“ Mein Verstand war in dem Moment total verwirrt, da ich ja live verfolgen konnte, wie der Preis stieg. Was tun? Ich spürte Angst, dem ersten Impuls zu folgen. Die finanziellen Beweise lagen schließlich auf der Hand. Letztendlich ließ ich mich von meinem Verstand überreden, zu dem noch einigermaßen günstigen Preis zu kaufen, bevor dieser weiter stieg. Dreimal dürfen Sie raten, was am nächsten Tag passiert ist. Ich schaute aus Neugier noch einmal auf der Internetseite nach und der Preis war um 15% unter meinen Kaufpreis gefallen, obwohl er am Vorabend noch um weitere 10% über meinen Preis gestiegen war. Die innere Weisheit hatte wieder einmal ihre Verlässlichkeit gegenüber dem rationalen Verstand bewiesen. Das war eine kleine Lehre für mich, direktes Feedback vom Universum sozusagen.

Diese Weisheits-Quelle wohnt in jedem von uns, in Männern wie in Frauen. Und: Sie können Sie jederzeit anzapfen. Wir müssen lediglich wieder Bewusstheit darüber erlangen, dass es diese Weisheit in uns gibt, diesen Teil in uns, der jederzeit mit allem verbunden ist, was im Universum existiert. Wir können sozusagen in jedem Moment alle Informationen herunterladen, die im jeweiligen Moment benötigt werden. Es funktioniert in jedem Lebensbereich, sei es im Job, zuhause mit der Familie oder beim Sport mit Freunden. Egal, ob Sie eine Präsentation beim Kunden halten müssen, eine schwierige Aufgabe zu lösen haben oder gerade eine neue Wohnung suchen.

Die Quizfrage die sich nun stellt ist: „Wie können Sie sich vom Verstand abkoppeln und ihn nur bei absoluter Dringlichkeit einschalten, während Sie sich ansonsten aus ihrer Weisheit heraus bewegen?“

Eine Möglichkeit ist, sich mit folgenden Übungen an die Abkopplung heranzutasten.

Experiment 1: Neuverkabelung von Angst
Als aller erstes ist es entscheidend, dass Sie einen neuen Bezug zur Angst entwickeln. Wenn für Sie Angst bedrohlich oder gefährlich ist, oder Sie den Glaubenssatz haben, dass man Angst um jeden Preis vermeiden sollte, weil man sonst als Feigling bezeichnet wird, stehen Sie sich selbst im Weg. Wenn Sie an Ihre innere Weisheit andocken wollen, bedeutet das zwangsläufig, dass Sie mehr und mehr im Nichts stehen. Das heißt, Sie WISSEN nicht mehr wie es geht. Es nicht zu wissen, keinen Plan zu haben, etwas nicht erklären zu können kann beängstigend sein. Somit ist es hilfreich Ihre Definition von Angst zu überprüfen. Welchen Begriff haben Sie mit Angst verbunden.

Sagen Sie einmal den Satz „Angst ist…“ und ergänzen Sie das fehlende Wort. Die meisten werden Definitionen haben wie „Angst ist schlecht“, „Angst ist bedrohlich“, „Angst ist blockierend.“ Wie auch immer ihre Definition lautet, in Ihrem Gehirn ist das rote Kabel mit der Aufschrift „Angst“, mit einem andersfarbigen Kabel mit einer Definition verbunden, was eine wenig zielführende Querverbindung darstellt. Suchen Sie einmal diese Kabelverbindung. Dann schneiden Sie das andersfarbige Kabel mit der Definition ab, sodass Sie nur noch das rote „Angst“-Kabel übrig haben. Welches Kabel würde genau zu dem roten „Angst“-Kabel passen?....Richtig, das andere rote Kabel mit der Aufschrift „Angst“. Suchen Sie es einmal in Ihrem Kopf. Wenn Sie es gefunden haben, stecken Sie diese beiden Kabel zusammen und verlöten Sie diese, damit die Verbindung stabil ist. Das ist wie eine energetische Operation. Wie heißt nun die neue Definition? „Angst ist…?“ Richtig, „ANGST IST ANGST“. Nur das. Angst ist Angst. Nichts weiter. Angst ist Angst. Ein Gefühl, das Sie für sich nutzen können.

Wenn Sie also Ihre innere Weisheit anzapfen und die Informationen, die sie von dort erhalten, nicht erklären können und folglich Angst spüren, sagen Sie einfach „Angst ist Angst. Ich fühle Angst, weil ich keinen Plan habe.“ Die Angst sagt Ihnen in dem Moment einfach nur, dass Sie sich in unbekanntes Gebiet begeben. Angst ist Angst.

Experiment 2: Sagen Sie „Ich weiß es nicht“
Ist es okay für Sie, „nicht zu wissen“? Beobachten Sie einmal im Alltag, wie Sie versuchen, Dinge zu erklären, oder eine Antwort zu haben, obwohl Sie vielleicht nicht wirklich eine klare Aussage treffen können. Der Mechanismus, eine Antwort parat zu haben, sitzt so tief in unseren Nervenzellen, dass die meisten Menschen Mühe damit haben, zu sagen „Ich weiß es nicht.“ In der Schule gab es dafür schließlich schlechte Noten. Ich lade Sie ein, diese Erinnerung den Abfluss hinunter zu spülen. Wenn Sie also das nächste Mal jemand etwas fragt und Sie die Antwort nur vage kennen, dann sagen Sie einfach einmal „Ich weiß es nicht“, anstatt sich eine halbgare Erklärung abzuringen. Üben Sie sich im Nichtwissen. Was kann schon passieren? Vielleicht werden Sie verdutzt angeschaut, doch im gleichen Moment sind Sie Vorbild für eine neue authentische Lebensart. Und vielleicht werden Sie sogar zunehmend feststellen, wie entspannend es ist, endlich nicht mehr alles logisch wissen zu müssen.

Experiment 3: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Weisheits-Quelle
Sobald Sie mit der Angst und dem Nicht-Wissen ein wenig vertraut sind, verbinden Sie sich mit Ihrer Weisheits-Quelle. Jemand stellt Ihnen eine Frage? Halten Sie erst inne, bevor Sie antworten. Werden Sie still. Antworten Sie nicht blitzschnell aus dem Verstand. Schauen Sie stattdessen die Person an und atmen Sie weiter. Benutzen Sie dann Ihre Absicht, um Ihre Aufmerksamkeit auf die Weisheits-Quelle zu legen, die die Antwort auf die gestellte Frage kennt. Sprechen Sie dann, ohne vorher mit dem Verstand zu analysieren. Es könnte sein, dass Sie selbst überrascht sind, was aus Ihrem Mund kommt.

Oder Sie haben eine Frage, die Sie für sich beantwortet haben möchten? Stellen Sie Ihre Frage der inneren Weisheit und WISSEN SIE NICHT VORHER, was die Antwort wohl sein könnte. Üben Sie sich in absoluter Gelassenheit und Empfänglichkeit für den Impuls der kommt. Zu Beginn wird Ihr Verstand vielleicht noch versuchen dazwischen zu funken. Sobald die logisch, analytische Maschine anspringt, sagen Sie sofort „Ich weiß es nicht“. Dann ist der Verstand mit diesem Satz beschäftigt und die eigentliche Information von der Weisheits-Quelle kann zu Ihnen durchdringen. Es braucht ein wenig Übung.

Ich lade Sie ein, jeglichem Impuls zu vertrauen (sofern er nicht Ihr Leben gefährdet). Wenn Sie auf dem Heimweg den Impuls haben eine andere Straße entlang zu fahren, ohne dass es einen logischen Grund gibt, tun Sie das. Wenn Sie spontan den Impuls haben, auf eine bestimmte Veranstaltung zu gehen, obwohl Ihr Plan für den Abend eigentlich war, einen ruhigen Abend zuhause zu verbringen, gehen Sie zu der Veranstaltung. Seien Sie im Jetzt präsent. Denken Sie nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Nur im Jetzt, in diesem Moment haben Sie Zugang zur Quelle. Nur wenn Sie im Jetzt präsent sind ohne bereits alle Antworten parat zu haben, können Sie authentisch mit anderen Menschen in Kontakt sein und die Notwendigkeit erkennen, die der jeweilige Augenblick enthüllt.

Denn Weisheit hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Fähigkeit, sich mit dem Sein und der Quelle dessen, was jetzt gebraucht wird, zu verbinden. Sie werden erstaunt sein, was dann möglich wird.

Herzliche Grüße, 
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!

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