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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Die Illusion des Konsums - oder: Eine etwas andere Art von Weihnachtsgeschenken…



In der Vorweihnachtszeit drängt sich eine Frage auf, die zwar unterjährig auch relevant ist, jedoch im Dezember an Brisanz gewinnt: Wie neurotisch ist unsere Gesellschaft?

Es scheint als verfalle die moderne Gesellschaft in den 4 Wochen vor Weihnachten in einen Kauf- und Konsumrausch, der seinesgleichen sucht. In allen Geschäften glitzert und funkelt es und an jeder Ecke werden die Menschen mit Werbung, Weihnachtsliedern und Kaufangeboten beschallt. Die Reizüberflutung in den Städten ist unvergleichlich und trägt in der ohnehin schnelllebigen Zeit einmal mehr zum Stress der Menschen bei. Das Leben vieler Menschen ist ein einziger schneller, gestresster Irrsinn geworden, beginnend bei einem stressigen Job, über Freizeitstress (schließlich müssen die meisten am Wochenende mit Freizeitaktivitäten den Stress kompensieren, der sich unter der Woche angesammelt hat) und nun kommt auch noch das Weihnachts-Geschenke-Dilemma dazu.

Kürzlich sah ich an einem alten, weit-gereisten VW Bus an der Ampel einen interessanten Aufkleber: „No shoes, no shirt, no worries“. Was wäre, wenn wir uns darauf wieder besinnen würden und weniger mehr wäre? Fülle ist nur bis zu einem gewissen Grad gesund ist und zwar gesund für die Erde. Wie vielen Menschen ist beispielsweise tatsächlich bewusst, dass aktuell die Ressourcen von 2,5 Planeten verbraucht werden, obwohl wir nur diesen einen schönen Planeten haben? Wie viele Personen haben Kenntnis darüber, dass jeden Tag tausende, wenn nicht gar Millionen Tiere elendiglich verrecken, weil  sie Plastikmüll aus dem Meer fressen, in der Annahme es seien bunte Fische? Und das alles aufgrund der neurotischen Habgier und Ignoranz der modernen Gesellschaft, die zur Weihnachtszeit wieder einen Höhepunkt erreicht.  (Falls Sie das noch nicht gehört haben, schauen Sie sich dieses kurze Youtube Video an:http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=0ZCNRzQ0IH4 ).

Der ein oder andere mag jetzt denken, dass dies ja nun nicht gerade ein besinnliches Thema zur Weihnachtszeit ist. Doch was, wenn es genau das Thema ist, um sich wirklich auf den Ursprung zu besinnen? Die Menschen wünschen sich gegenseitig be-SINN-liche Weihnachtstage. Doch was ist dieser SINN?

Einige mögen sagen, der Sinn ist, traditionell einem lieben Menschen mit einem Geschenk eine Freude zu machen, um an den Ursprung der Weihnachtsgeschichte zu erinnern. Doch wie viele Menschen zermartern sich jedes Jahr aufs Neue den Kopf darüber, was sie ihrem Mann, ihrer Frau, Tante Trudi, oder Oma Else und den 3 Freunden schenken sollen? Letztendlich wird alles gekauft, was es zu haben gibt: Handtaschen, Smartphones, Trockenhauben, Toaster, Kleidung, massenhaft Plastik-Spielzeug, Schmuck, Kitsch-Kram und Verlegenheitsgeschenke. Der Konsum ist eine Gesellschafts-Neurose geworden. Die Medien haben es geschafft, die Masse der Gesellschaft glauben zu machen, sie müssten bestimmte materielle Dinge besitzen, um „in“ oder „hip“ zu sein, anerkannt zu werden und – in Bezug auf Weihnachten – den gesellschaftlichen Norm zu entsprechen und dazu zu gehören (getreu dem Motto „Zu Weihnachten macht man halt Geschenke. Das ist nun mal so.). Doch genau das ist eine der größten Lügen überhaupt. Den eigenen Wert über materielle Dinge zu definieren, ist eine Illusion, eine künstliche Abhängigkeit. Nicht selten wird insbesondere zur Weihnachtszeit sogar die Liebe an dem Wert des Geschenkes der Person gemessen, die es macht. Konsum ist nichts anderes als eine Möglichkeit, die persönliche Taubheitsschwelle möglichst hoch zu halten, um nicht fühlen zu müssen, was tatsächlich auf der Erde, oder auch in der eigenen Beziehung los ist bzw. um wahre Intimität und Nähe zu vermeiden. Es scheint diesbezüglich eine einzige Verwirrung in der Gesellschaft zu herrschen.  

Da ist der Spruch auf dem VW Bus doch ein ernst zu nehmender neuer Ansatz „No shoes, no shirt, no worries“. Keine Schuhe, kein Shirt, keine Sorgen. Kein Konsum, keine Sorgen. Kein Geschenkwahn, keine Sorgen. Verstehen Sie das bitte nicht falsch, es geht nicht darum einer anderen Person keine Freude mehr in Form eines Geschenkes zu machen. Doch es geht einerseits um die Freude, die von Herzen kommt, nicht um die Pflicht und einen hausgemachten Gesellschaftsdruck. Andererseits geht es um die Sinnhaftigkeit der Geschenke.

Wie könnten be-SINN-liche Weihnachtstage aussehen, wenn Konsum nicht mehr im Vordergrund stünde? Was wäre die Besinnung auf den Ursprung? Es würde nicht mehr um die materiellen Geschenke gehen, sondern um das, was sich dahinter verbirgt: Wertschätzung, Respekt, Liebe, Nähe, Gemeinschaft. Es würde darum gehen, eine nährende Zeit mit lieben Menschen zu verbringen und die Wertschätzung für diese Menschen zum Ausdruck zu bringen. Anstatt dies über haufenweise gekaufte Geschenke auszudrücken (wenn diese Geschenke überhaupt ein Ausdruck dessen sind), gäbe es noch eine ganze Menge anderer Optionen. Sie könnten beispielsweise Wertschätzung, Möglichkeiten, Miteinander Sein und Zeit schenken. Wie würde das aussehen?


Wertschätzung schenken
In unserer Gesellschaft geht es fortwährend darum, was eine Person tut (z. B. welche Position sie im Job sie einnimmt) oder was eine Person hat (das neueste Smartphone, das schicke Auto, die Designer-Schuhe, etc.). Die Seins-Qualitäten einer Person werden meist völlig ignoriert. Doch es ist das Sein, das eine Person wirklich ausmacht. Wertschätzung  bezieht sich auf genau diese Seins-Qualitäten. Sie wertschätzen eine Person, indem Sie deklarieren, wie eine Person in ihrem Wesenskern IST. Wir sind es gewohnt zu sagen, dass jemand einen schönen Pulli trägt oder einen schicken Haarschnitt hat. Das hat jedoch nichts mit Wertschätzung des Seins zu tun. Das Sein hungert nach Nahrung, denn die wenigsten Menschen fühlen sich in ihrem Wesen gesehen. Dabei ist es so einfach. Sie können Wertschätzung in verbaler Form oder in Schriftform schenken.

Wenn sie die verbale Form wählen, dann setzen Sie sich der ausgewählten Person gegenüber (kein Tisch oder andere Gegenstände in der Mitte). Bevor Sie beginnen, klären Sie die Person über Ihr spezielles Wertschätzungs-Geschenk auf, indem Sie z. B. sagen „Ich habe ein ganz spezielles Geschenk für Dich. Ich würde Dir gerne Wertschätzung schenken….“ Bitten Sie die andere Person einfach nur zuzuhören und zu versuchen, das Geschenk anzunehmen. Dabei ist es sinnvoll, wenn Sie beide eine offene Körperhaltung haben und weder die Arme noch die Beine verschränken, damit Ihre Wertschätzung wirklich in der anderen Person landen kann.

Wenn Sie sich gegenüber sitzen, schauen Sie der Person in die Augen. Das kann bereits sehr intensiv sein. Atmen Sie einfach weiter. Wertschätzung kommt nicht aus Ihrem Verstand. Sie sehen die Seins-Qualitäten vielmehr in den Augen der anderen Person. Fangen Sie dann an zu sprechen, bevor Sie denken. Beginnen Sie beispielsweise mit „Was ich an Dir schätze, ist…“ und ergänzen Sie dann den Satz. Oder sagen Sie „Du BIST eine Frau/ein Mann mit viel….“ Sagen Sie, wie die Person in ihrem Kern IST. Vielleicht ist die Person sehr kreativ, oder Sie schätzen die Tiefe und Weisheit, die sie in sich trägt, oder die Person ist in ihrem Kern wie ein bunter Schmetterling, der die Menschen in seinem Umfeld mit Leichtigkeit begeistert. Malen Sie mit Ihren Worten die Seins-Qualitäten der Person aus. Machen Sie das für 3-5 Minuten (oder auch länger). Ihr Verstand funkt möglicherweise dazwischen und meint nach 2 Sätzen, dass es genug ist. Hören Sie nicht auf Ihren Verstand! Ihr Herz hat sehr viel mehr zu sagen und Sie können die Seins-Eigenschaften wirklich in den Augen der anderen Person ablesen. Vertrauen Sie darauf.

Wenn Sie mit mehreren Menschen Weihnachten verbringen, können Sie alle in diese Wertschätzungs-Geschenk-Runde einbinden und Zweier-Teams bilden. Schlagen Sie vor, dass sich jeweils 2 Personen gegenüber setzen und jeder den anderen für 3-5 Minuten wertschätzt (dann ist es sinnvoll, dass Sie auf die Zeit achten und nach 3  oder 5 Minuten alle gleichzeitig die Rollen wechseln lassen). Sobald eine Runde vorbei ist, lassen Sie die Personen noch eine Minute still miteinander sitzen, damit die Wertschätzung – die sie möglicherweise noch nie in der Form gehört haben – sacken kann.

Sie können die Übung alternativ auch als gesamte Gruppe machen. Dazu würden Sie im Kreis sitzen und jeweils ganz laut gemeinsam den Namen einer Person rufen, damit diese wach und präsent ist. Dann gibt die ganze Gruppe gleichzeitig dieser Person Wertschätzung. Nach 3-5 Minuten lassen Sie eine Glocke ertönen und der Name der nächsten Person wird gerufen.

Sie werden überrascht sein, welch besinnlicher und nährender Raum sich dadurch für alle Beteiligten öffnet. Dieses Experiment ist nicht nur für diejenigen nährend, die Wertschätzung bekommen, sondern auch für die, die Wertschätzung geben.

Falls Ihnen die verbale Form von Wertschätzung zu gefährlich ist, können Sie auch einen Brief formulieren, in dem Sie die entsprechende Person wertschätzen. Diesen können Sie dann schön verpackt überreichen.


Möglichkeiten schenken
Eine weitere, sehr nährende Form von Geschenk ist das sogenannte Möglichkeits-Sprechen. Das funktioniert zu Weihnachten besonders gut, wenn Sie mindestens zu dritt sind. Eine Person sitzt den beiden anderen in einem Stuhl gegenüber. Sie eröffnen diese Möglichkeits-Geschenk-Runde, indem Sie zunächst den Kontext dafür setzen und erklären, dass es beim Möglichkeits-Geschenk darum geht, dass die Einzelperson um konkrete oder allgemeine Möglichkeiten bittet. Dies geschieht durch die Konkrete Formulierung „Bitte gebt mir Möglichkeiten.“ (das wäre allgemein) oder „Bitte gebt mir Möglichkeiten in Bezug auf….“ (die Einzelperson würde hier ein konkretes Thema wählen). Dadurch entsteht eine Notwendigkeit im Raum und die beiden anderen Personen können beginnen, in diese Notwendigkeit hineinzusprechen (durch die ausgesprochene Notwendigkeit „retten“ Sie die andere Person nicht). Für die Sprecher gilt lediglich: Nicht denken! Sie sprechen als Raum für die sogenannten Hellen Prinzipien. Ihr Verstand und Ihr Ego treten in den Hintergrund. Sie sprechen das aus, was sie als Impuls bekommen, ohne dass Ihr Verstand das ganze vorher editiert. Um zu einem „Raum“ zu werden, schnipsen Sie mi Ihren Fingern und stellen Sie sich vor, dass Sie eine Blase um sich herum haben, die den Raum darstellt. Dies ist am Anfang eventuell etwas schwierig. Wenn Sie beispielsweise den Impuls bekommen zu sagen „Geh in den Wald und füttere das Kaninchen“, dann könnte Ihr Verstand dazwischen funken und Ihnen erzählen, dass das überhaupt keinen Sinn ergibt. Sagen Sie es trotzdem. Die Person, die um Möglichkeiten gebeten hat, kann damit garantiert etwas anfangen. Manchmal kommen Botschaften als Bilder verschlüsselt. Geben Sie der Person 3-5 Minuten Möglichkeiten.

Eine humorvolle Alternative dazu ist – und das ist möglicherweise für den ein oder anderen zu Beginn einfacher – dass Sie einen bestimmten Charakter annehmen. Sobald die Einzelperson die Bitte um Möglichkeiten gestellt hat, stehen Sie und der zweite Sprecher auf, drehen sich einmal um sich selbst und sowie Sie sich hinsetzen, schlüpfen Sie in die Rolle des ersten Charakters, der Ihnen in den Sinn kommt. Das kann eine berühmte Person sein, der Nachbar, eine Fantasie-Figur,  ein Tier, was auch immer. Sie nehmen das erste, was auftaucht. Kommt Ihnen z. B. Donald Duck in den Sinn, dann stellen Sie sich bei der Einzelperson kurz vor, sobald Sie sitzen: „Hallo mein Name ist Donald Duck“. Dann sprechen Sie aus diesem Charakter, indem Sie Mimik, Gestik und Stimme dieses Charakters annehmen. Wichtig ist, Ihren Impulsen zu folgen und diese ungefiltert auszusprechen.

Die Einzelperson wird einen Haufen Möglichkeiten bekommen. Dieses Geschenk ist wertvoller, als es ein gekauftes Geschenk je sein könnte. Nach 3-5 Minuten wechseln Sie die Rollen und die nächste Person bittet um Möglichkeiten.


Miteinander Sein – Sitzen in Beziehung
Ein ganz anderes Geschenk, bei dem nicht gesprochen wird, ist das sogenannte „Sitzen in Beziehung“. Dazu setzen Sie sich Ihrem Partner oder einer anderen lieben Person nah gegenüber, achten jedoch darauf, dass Sie sich nicht berühren. Sie können entweder auf Stühlen oder auf dem Boden sitzen. Dann schauen Sie einander für 10 Minuten in die Augen, ohne etwas zu sagen. Es geht nicht darum zu Starren oder das Spiel zu spielen, wer zuerst blinzelt. Es geht darum, gesehen zu werden, sich sehen zu lassen und die andere Person wirklich zu sehen. Es ist eine Verbindung von Sein zu Sein, die keiner Worte bedarf. Es hilft, wenn Sie sich dabei auf ein Auge der anderen Person konzentrieren. Sie müssen nicht das ganze Gesicht oder beide Augen gleichzeitig im Blick haben. Das sorgt nur für eine unruhige Bewegung Ihrer Augen. Konzentrieren Sie sich auf ein Auge. Möglicherweise verschwimmt dabei sogar das Gesicht der anderen Person ein wenig. Es kann auch passieren, dass Sie dabei etwas fühlen, denn es kann bewegend sein, wirklich gesehen zu werden und die andere Person zu sehen.

Nach 10 Minuten beenden Sie das stille Sitzen in Beziehung und tauschen sich darüber aus, was Sie wahrgenommen haben.


Zeit schenken
Eine weitere interessante Möglichkeit ist es, Zeit zu schenken. Im stressigen Alltagsleben ist es oftmals schwierig, Zeit zu finden, die wirklich intensiv mit dem Partner oder mit Freunden genossen werden kann. „Ich habe keine Zeit“ ist ein viel benutzter Satz in unserer Gesellschaft.  Statt jedoch Opfer von Zeit und Umständen zu sein, wäre die Alternative, dass Sie zum Zeitmacher werden. Denn das sind Sie. Sie sind Zeitmacher! Wie Sie Ihre Zeit verbringen, ist grundsätzlich Ihre Entscheidung. Sie machen Zeit für die Dinge die Sie tun.  Wenn Sie beispielsweise meinen „keine Zeit“ zu haben, um mit Ihrer Frau oder Ihrem Mann einen schönen Tag in der Natur zu verbringen und ein romantisches Picknick zu machen, dann sind Sie Opfer der Zeit. Sie können jedoch genauso Zeit für solch einen schönen Tag machen, indem Sie diesen Tag im Kalender einfach blocken und keinem anderen Termin erlauben, diesen Tag zu zerstören.  Sie entscheiden, für wen oder welche Aktivitäten Sie Zeit machen. Werden Sie zum Zeitmacher und verschenken Sie Ihre kostbare Zeit an eine Person, die Ihnen am Herzen liegt.

Diese vier genannten Experimente sind eine Einladung, dem Geschenkwahn zu entrinnen und Weihnachten einmal anders zu gestalten, als bisher. Probieren Sie es einfach einmal aus. Ihr Ego wird möglicherweise ein Veto einlegen und Sie spüren vielleicht sogar Angst. Es ist angemessen Angst zu haben, wenn Sie diese Experimente machen, denn Sie betreten damit unbekanntes Gebiet. Sie wagen etwas, das Sie vielleicht noch nie gewagt haben. Nehmen Sie die Angst als Indikator dafür, dass sie einfach etwas Ungewohntes, Neues tun. Angst ist einfach nur Angst. Ein wertvolles Gefühl, das Ihnen dient. Lassen Sie nicht zu, dass die Angst Sie blockiert und Sie die Gelegenheit verstreichen lassen, nährende Erfahrungen zu machen.

Wirklich be-SINN-lich sind jene Momente, die unser Herz und unser Sein nähren. Lassen Sie diese nicht verstreichen, sondern kreieren Sie diese mutig. 

Besinnlich, wertschätzende Seins-Grüße,
Ihre Nicola Nagel


CREATING POSSIBILITIES!
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Sonntag, 9. Dezember 2012

Von Königen und Schweinen - Welche Art von Beziehung kreieren Sie?



Es kommt jedes Jahr wieder einmal völlig überraschend……WEIHNACHTEN! Eine Zeit, in der sich viele Menschen einfach nur Ruhe, Liebe und Harmonie wünschen. Es ist, als würde ein unglaubliches Damokles-Schwert über dem Wort „Weihnachten“ schweben. Alles soll bitte perfekt und harmonisch sein und am Besten in Liebe „ersaufen“. Entschuldigen Sie bitte, diese etwas rüde Ausdrucksweise. Die Frage, die ich mir angesichts dieser scheinheiligen Illusion stelle ist „Wieso bitte immer nur diese 3 Tage im Jahr?“ Was ist Liebe überhaupt? Und wie wäre es für Sie, wenn Sie tatsächlich die Möglichkeit hätten, in jedem Moment, außergewöhnliche Beziehung voller Liebe zu Ihrem Partner oder Ihrer Familien zu kreieren?

Als ich vor einigen Tagen in der Münchner Innenstadt war, hatte ich den Eindruck, dass Liebe heutzutage oft an Konsum festgemacht wird. Es war ein Geschiebe und Gedränge in der Stadt, als sei es der letztmögliche Tag, an dem die Menschen jemals etwas kaufen könnten. Und was zum weihnachtlichen Verkauf angeboten wurde, hat mich nur noch den Kopf schütteln lassen. Ich war traurig und wütend zugleich, was für ein Plastikmüll über die Ladentheken ging, und wie viele Dinge „Made in China“ (sei es Kleidung, Dekoration o. ä.) gekauft wurden…viele Dinge, die die Welt nicht braucht und die größtenteils an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen sind. Wie abgestumpft ist unsere Gesellschaft?

Messen wir Liebe tatsächlich an Geschenken, oder vielmehr noch am Wert der Geschenke? Ich komme nicht umhin, die Erwartung, die in der vorweihnachtlichen Luft hängt, wahrzunehmen. Es ist eine regelrechte Massen-Erwartung. Viele Menschen scheinen die Erwartung zu haben, z. B. von dem Partner ein besonderes Geschenk zu bekommen – oder ihm ein besonderes Geschenk machen zu müssen – um ja die Liebe zu beweisen. Und wehe, das Geschenk entspricht nicht unseren Vorstellungen, oh je, das ist garantiert ein Beweis, dass uns der Partner nicht kennt und gar nicht liebt. Mit so einer Erwartungshaltung im Gepäck ist der Groll meist vorprogrammiert. Ich werde nie die Geschichte vergessen, als ein Bekannter meiner Eltern seiner Frau zu Weihnachten eine Trockenhaube an einem fahrbaren Gestell schenkte. Er hatte wirklich liebevoll für seine Frau mitgedacht, die unglaublich feine Haare und daher immer Schwierigkeiten mit dem Frisieren hatte. Tja, nur fand eben diese Frau eine fahrbare Trockenhaube als Geschenk alles andere als lustig. Sie war stinksauer und der weihnachtliche Haussegen hing mächtig schief, da sie sich in ihrer Schönheit und Ehre gekränkt fühlte. Stille Nacht, heilige Nacht.

Es scheint, als wäre unsere Gesellschaft darauf programmiert in den drei magischen Tagen, sprich dem 24., 25. und 26. Dezember – besonders viel Liebe zu bekommen. Die Menschen hungern regelrecht danach. Alle Hoffnung ruht auf Weihnachten (oder im Februar auf dem Valentinstag). Es scheint eine große Sehnsucht nach Liebe da zu sein, was ja grundsätzlich nicht verwerflich ist. Viel trauriger ist es, dass die Sehnsucht danach so groß ist, weil sie unterjährig scheinbar nicht gestillt wird. In unserer Gesellschaft, die auf Konkurrenz,  Wettkampf und Macht gepolt ist, mangelt es an Liebe, Nähe, Miteinander und Fürsorge. Zu Weihnachten fällt es uns dann – oh Wunder – wieder ein und wir versuchen, diesen Mangel zu kompensieren. Doch leider funktioniert das nicht. Was nicht langfristig gesät und achtsam großgezogen wurde, kann nicht innerhalb von jetzt auf gleich da sein und 3 Tage anhalten. Das wäre ungefähr so, als würden Sie verlangen, dass Sie und Ihr Partner mit dem Mitternachts-Gongschlag zum 24. Dezember eine komplizierte „Lord of the Dance“ Choreographie tanzen können und zwar 3 Tage nonstop, ohne jemals vorher Stepptanz gemacht zu haben. Viel Erfolg. Das ist genau der Grund, warum  es in vielen Familien oder Partnerschaften bevorzugt zur Weihnachtszeit kracht, wenn die Lieben aufeinander hocken und ihren Wert und ihre Liebe füreinander an Geschenken messen.

Und nu‘?

Wie ist denn etwas anderes möglich bzw. was wäre das denn?

Lassen Sie uns einmal zurückkommen auf die Eingangsfrage, was Liebe überhaupt ist. Wie viele von Ihnen dachten bisher, dass Liebe ein Gefühl ist? … Gefährliche Frage: Was, wenn Liebe gar kein Gefühl ist? Was, wenn Liebe ein sogenanntes helles Prinzip ist, die Kraft, aus der das Universum besteht und die alles im Universum durchwebt und zusammenhält? Liebe wird gerne mit einem Gefühl verwechselt, da wir, wenn wir lieben, unterschiedliche Gefühle in Beziehung zu unserem Partner oder zu unserer Familie fühlen. Die aufgeregten Schmetterlinge im Bauch, die oft als „Verliebtheit“ bezeichnet wird, ist zum Beispiel eine Vermischung von Freude und Angst. Wir freuen uns den anderen zu sehen, haben aber auch gleichzeitig Angst, weil wir uns in unbekanntes Gebiet begeben, sozusagen auf Forschungsreise in Sachen Nähe. Liebe als Kraft ist jedoch unabhängig von diesen Gefühlen.

Um die Frage zu beantworten, wie etwas anderes in Sachen zwischenmenschlicher Beziehung möglich ist – und das nicht nur zur Weihnachtszeit – ist es hilfreich zunächst einmal zu wissen, welche Art von Beziehung Sie gerade führen. Das erfordert Bewusstheit, Aufmerksamkeit, Selbst-Beobachtung und vor allem Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst (lügen Sie sich also nicht selbst in die Tasche, wenn Sie beim Lesen des folgenden Abschnitts Ihre Beziehung betrachten).

Es gibt 3 unterschiedliche Arten von Beziehung*:
  • gewöhnliche menschliche Beziehung
  • außergewöhnliche menschliche Beziehung
  • archetypische Beziehung


1. Gewöhnliche menschliche Beziehung
Der Zweck einer gewöhnlichen menschlichen Beziehung besteht darin, geliebt zu werden, Einsamkeit zu vermeiden, als sozial akzeptiert oder erfolgreich angesehen zu werden. Überlegen Sie z. B. einmal, wie weit es noch verbreitet ist, dass gewisse Positionen in Firmen nur an Leute vergeben werden, die auch „seriös verheiratet“ sind und idealerweise Frau und Kinder aufweisen können. Da wird Liebe und Beziehung zum Statussymbol. Der Zweck gewöhnlicher Beziehung besteht auch darin zu überleben, Orgasmen zu haben, oder  unsere Eltern glücklich zu machen. In gewöhnlicher Beziehung versuchen Sie selbst glücklich zu sein, einen Kampfpartner zu haben und sogenanntes niederes Drama zu erzeugen.

Gewöhnliche Beziehung findet statt, wenn Sie meinen Ihren Partner zu „brauchen“, ohne ihn nicht leben zu können. In dieser Art von Beziehung wird der Partner als Besitz betrachtet, er gehört Ihnen. „Das ist meine(r).“ Die meisten Liebes-Beziehungs-Lieder im Radio handeln übrigens von gewöhnlicher Beziehung, wenn Sie einmal auf den Text achten.

Ein anderes Anzeichen gewöhnlicher Beziehung ist, wenn Sie von Ihrem Partner Anerkennung brauchen, als Beweis, dass Sie liebenswert sind. Damit einher geht oftmals eine subtile Manipulation durch Worte und Gesten, um eben diesen Liebesbeweis zu erhalten. Ohne diese Liebesbeweise fühlen Sie sich nicht liebenswert. Sie gehen davon aus, dass es nicht genug Liebe gibt und Sie deswegen so viele Beweise wie möglich einheimsen müssen. Gewöhnliche Beziehung findet auch statt, wenn Sie im Restaurant z. B. einfach für Ihren Partner etwas zu trinken bestellen, ohne ihn gefragt zu haben („Aber er trinkt immer Bier!“). In dem Fall erliegen Sie der Illusion, die Gedanken und Gelüste Ihres Partners in allen Details in jeder Sekunde zu kennen. Ihr Partner wird zu einem Konzept und Sie bevormunden und erniedrigen ihn in genau dem Moment auf ganz subtile Art und Weise.

In gewöhnlicher menschlicher Beziehung meinen Sie zudem, eine Beziehung zu „haben“, aber Sie SIND nicht in Beziehung. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Beziehung HAT oder in Beziehung IST. Viele Menschen meinen, eine Beziehung haben zu müssen. Eine Beziehung wird gleichgesetzt mit einem Ding, das man besitzen kann. Doch in genau dem Moment, ist die Beziehung schon tot, weil Sie dann einem Konzept hinterherjagen, einem Ding, einem Anspruch, wie eine Beziehung zu sein HAT.

In gewöhnlicher Beziehung kommen immer wieder Diskussion und Streit vor – sei es laut oder leise, offensichtlich oder subtil. Es ist ein fortwährendes Argumentieren, Beweisen, Rechthaben, Anordnen. Es geht ständig darum, wer Recht hat. Wer Recht hat, gewinnt.

Doch es gibt einen ganz entscheidenden Satz und ich lade Sie ein, sich diesen Satz groß an die Kühlschranktür oder sichtbar im Haus hinzuhängen. Er lautet wie folgt:

Entweder Du hast Recht
ODER
Du bist in Beziehung!

Beides geht nicht. Wenn Sie Recht haben wollen, spielen Sie niederes Drama, ein „Ich gewinne – Du verlierst“ Spiel. In dem Moment können Sie nicht in Beziehung sein, weil es Ihnen nur darum geht, Recht zu behalten. Und genau dann zerstören Sie Nähe und Vertrautheit.


2. Außergewöhnliche menschliche Beziehung
Außergewöhnliche menschliche Beziehung verfolgt einen anderen Zweck als die gewöhnliche Beziehung. Der Zweck außergewöhnlicher Beziehung ist zu lieben, eine Partnerschaft zu erschaffen, authentisch zu kommunizieren (auch über die Gefühle Wut, Freude, Traurigkeit und Angst). Es geht darum, gemeinsam zu lernen und zu wachsen, Vertrautheit zu erforschen, die Gesellschaft des anderen zu genießen und wertzuschätzen. Und ja, es geht auch darum, Sex zu haben (jedoch im Sinne von Nähe und Vertrautheit erforschen, NICHT um Orgasmen als Konzept hinterherzujagen).

In dieser Art von Beziehung ehren Sie den anderen für das, was er ist. Sie versuchen nicht, ihn/sie zu manipulieren und ihn/sie so hinzubiegen, wie Sie es gerne hätten. In außergewöhnlicher menschlicher Beziehung verhalten Sie sich nicht angepasst, sondern respektieren Ihren persönlichen Raum genauso wie den des anderen. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen.

Wenn Sie auf einer Party gefragt werden, was Ihr Partner trinkt, antworten Sie nicht „Orangensaft“ (auch wenn er vielleicht häufig Orangensaft trinkt), sondern sagen „Ich weiß nicht, was er jetzt trinken möchte. Bitte frage ihn doch direkt, wenn er von der Toilette zurück kommt.“

Sie übernehmen Verantwortung für Ihre Beziehung. Sie übernehmen Verantwortung für eine erwachsene Beziehung ohne subtile Manipulation, niederes Drama und Rechthaberei. Sie übernehmen Verantwortung für sogenanntes „Hohes Drama“, für verantwortliche und achtsame Kommunikation, dafür, dass Liebe geschieht. In außergewöhnlicher Beziehung ist Liebe kein Zufall. Während in gewöhnlicher Beziehung die Meinung vorherrscht, dass es nicht genug Liebe gibt, sind Sie in außergewöhnlicher Beziehung die Quelle von Liebe. Wenn es einen Moment gibt, wo Sie feststellen, dass keine Liebe da ist, dann sind Sie die Quelle und generieren Liebe, weil Liebe im Überfluss da ist. In jeder Sekunde. Sie können diese Quelle anzapfen.

Viele Menschen warten oft darauf, dass ihnen die Liebe zufliegt, oder sie liebevolle Momente in der Familie erleben. Sie machen andere dafür verantwortlich Liebe zu bekommen. Doch in dem Moment sind Sie Opfer der Umstände von „es gibt nicht genug Liebe“ und damit wieder in gewöhnlicher Beziehung. Sie wünschen sich in Beziehung zu Ihrem Partner oder Ihrer Familie mehr Liebe und Nähe? Na los, worauf warten Sie noch? Was tun Sie dafür? Erschaffen Sie selbst diese Momente der Liebe, Nähe und Vertrautheit. Sie sind die Quelle. Hören Sie auf, Opfer zu spielen und fangen Sie an, Verantwortung zu übernehmen. Nehmen Sie Ihr kleines Monster (Ihren Gremlin) an die Leine, das gerade dem Partner wieder einen Spruch schräg reinwürgen will, weil er mal wieder vergessen hat, den Müll rauszubringen, oder mal wieder nicht erraten hat, dass Sie die unausgesprochene Erwartung haben, dass er den Wasserkasten aus dem Auto holt. Genau das sind die Momente, wo Sie Liebe zerstören. In dem Moment machen Sie Ihren Partner, oder wahlweise auch Ihre Familienangehörigen oder Freunde zum Schwein anstatt zum König oder zur Königin. In dem Moment sammelt Ihr kleines Monster Grollpunkte, um dann bei bester Gelegenheit alle gesammelten Punkte in einem handfesten Streit auf den Tisch zu bringen („Du machst immer…“, oder „Immer sagst Du…“, oder „Nie tust Du, was ich sage…“).

Bitte, hören Sie auf Ihren Partner oder Freunde zu Schweinen zu machen. Schulen Sie Ihre Achtsamkeit und Bewusstheit. Fangen Sie an, sich selbst zu beobachten. Welche Absicht verfolgen Sie mit jedem Satz Ihrer Kommunikation? Möchten Sie die andere Person manipulieren, zum Schwein machen und wieder mal Beweise sammeln, dass der andere ein Idiot ist? Oder möchten Sie mit der anderen Person SEIN, ihre Gesellschaft genießen, sie zum König/zur Königin machen und die Quelle von Liebe sein? Was ist Ihre Absicht? Jetzt…und jetzt…und jetzt…? In jedem Moment. Was ist Ihre wahre Absicht?


3. Archetypische Beziehung
Eine dritte Form von Beziehung ist die archetypische Beziehung. Der Zweck dieser Art von Beziehung ist es, etwas Größerem zu dienen, als uns selbst. Sie stehen im Dienst der sogenannten hellen Prinzipien. Sie akzeptieren das, was ist, so wie es ist, ohne jegliche Bedeutung. Der Zweck ist, einfach präsent zu sein und mit dem anderen zu sein. Sie erschaffen die Möglichkeit für die Präsenz des archetypisch Weiblichen und Männlichen. Der Zweck archetypischer Beziehung ist Evolution. Ihre Beziehung dient nicht mehr nur Ihnen und Ihrem Partner, sondern wird zu einem Raum in dem etwas völlig anderes geschehen kann.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf archetypische Beziehung eingehen. Es ist schon eine große Herausforderung von gewöhnlicher zu außergewöhnlicher Beziehung zu wechseln, nicht mehr zu diskutieren, nicht mehr Recht zu haben und nicht mehr subtil mit kleinen Worten zu manipulieren. Sie meinen, Sie haben schon eine recht außergewöhnliche Beziehung? Kurzer Test: Wie oft sagen Sie einen Satz wie z. B. „Sollen wir spazieren gehen?“

Na…? Nutzen Sie solche Sätze? Sie denken, an diesem Satz ist nichts auszusetzen? Nun, dieser Satz ist leider nichts anderes als gewöhnliche, subtile Manipulation. Oh-oh-oh, jetzt höre ich Protest von einigen Lesern: „Was? So ein Quatsch, wieso soll denn das Manipulation sein? Das ist doch ganz normal, dass man so spricht!“ Ja, normal im Sinne von „Damit sind wir aufgewachsen. Das haben wir gelernt“. Haben Sie es auch jemals hinterfragt? Überlegen Sie einmal kurz, was Sie mit dem obigen Beispiel „Sollen wir spazieren gehen?“ tatsächlich sagen möchten. Was ist Ihre Absicht? Sie wollen in dem Moment doch Ihren Partner dazu bewegen, mit Ihnen spazieren zu gehen, weil Sie da  Lust zu hätten, oder? Wenn Sie Ihren Partner zum König machen wollen und verantwortlich kommunizieren, würden Sie sagen „Ich würde jetzt gerne mit Dir spazieren gehen. Hast Du Zeit und Lust mit mir zu kommen?“ Sagen Sie konkret, was Sie wollen und brauchen, anstatt subtil zu manipulieren.

Um noch einmal auf Weihnachten zurück zu kommen:
Nutzen Sie die Weihnachtstage als Experimentierfeld. Welche Art von Beziehung zu Ihrem Partner oder zu Ihrer Familie kreieren Sie? Beobachten Sie sich selbst. Es ergibt sich ein Streit oder eine Diskussion? Schauen Sie, wo Sie (und nur Sie!!!) ums Verrecken Recht haben oder den anderen kontrollieren wollen. Und dann hören Sie auf damit. Gehen Sie kurz aus dem Raum, sagen Sie, Sie müssten kurz auf die Toilette und kommen Sie dann mit einer neuen Absicht wieder zurück, die da heißt, die Quelle von Liebe zu sein und nicht an den rechthaberischen, oder besserwisserischen Drama Haken zu gehen.

Mit unseren Kindern können wir übrigens auch neue Samen der Liebe und Wertschätzung säen. Wieso erzählen Eltern ihren Kindern z. B. immer noch die Bullshit Geschichte vom Weihnachtsmann oder Christkind, der/das die Geschenke bringt? Haben Sie sich jemals gefragt, welch herben Schlag ein Kind erlebt, wenn es herausfindet, dass die Eltern ihm jahrelang einen Bären aufgebunden haben und es den Weihnachtsmann gar nicht gibt? Ehrlich. Warum säen wir in den Kindern nicht die Geschichte, dass es ein Brauch ist, dass man einer Person, die man mag und wertschätzen möchte, zu Weihnachten ein Geschenk machen kann (optional!!!) oder mit ihr einfach zusammen ist und ihre Gesellschaft genießt? Spüren Sie da mal hinein. Das wäre ein völlig neues Spiel. Können Sie wahrnehmen, wie sich Entspannung breit macht, wenn dieser Geschenke-Liebes-Beweis-Stress wegfiele?

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch ein Weihnachtsexperiment mitgeben:

Weihnachts-Experiment:
Dieses Experiment besteht darin, dass Sie Ihrem Partner oder Ihren Familienangehörigen ein etwas anderes Geschenk machen. Ein aufrichtiges Geschenk. Ein Geschenk, das unbezahlbar ist.

Nehmen Sie ein Blatt Papier. Überlegen Sie sich, wem Sie gerne ein ganz besonderes Geschenk machen möchten. Schreiben Sie nun oben auf das Papier „Liebe(r) …“ und ergänzen den Vornamen. Und jetzt schreiben Sie dieser Person einen Brief voller Wertschätzung. Sozusagen einen Liebes-Wertschätzungsbrief. Was schätzen Sie an der anderen Person? Es geht nicht darum zu sagen „Ich schätze Deine schicke Frisur oder Deinen sexy Gang“. Es geht um Seins-Eigenschaften. Vielleicht schätzen Sie die Kreativität und Leichtigkeit, mit der die Person Aufgaben angeht. Vielleicht schätzen Sie auch, wie liebevoll oder diszipliniert jemand ist. Wenn Sie Seins-Eigenschaften wertschätzen, sagen Sie, wie jemand IST (nicht was jemand tut oder hat).

Und bitte, schreiben Sie den Brief mit der Hand, mit einem Füller oder Kuli. Drucken Sie den Brief nicht auf Ihrem super trouper High-Tech-Drucker aus. Nehmen Sie sich die Zeit.
Wenn Sie Lust haben, verzieren Sie den Brief ein wenig, rollen ihn zusammen und binden eine schöne Stoffschleife um die Papierrolle (bitte kein billig Plastik-Band). Wertschätzung zeigt sich im Detail. Seien Sie achtsam und staunen Sie, was passiert.

Es liegt an Ihnen, in jedem Moment, alle 3 Sekunden, für welche Beziehung Sie sich entscheiden. Welche Art von Beziehung Sie kreieren, ist unmittelbar sichtbar. Sie müssen nur die Ergebnisse anschauen. Ist Rechthaberei und Anspannung oder Liebe und Wertschätzung da?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine wunderschöne Weihnachtszeit mit außergewöhnlichen, bereichernden und wertschätzenden Begegnungen und Momenten.

Ihre Nicola Nagel



 
* Nach Clinton Callahan. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, empfehle ich Ihnen als Buch-Tipp: „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.


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Sonntag, 12. Dezember 2010

Wenn es in der Stillen Nacht zuhause mal so richtig kracht…

Bald ist Weihnachten. Freuen Sie sich auch schon auf ein paar ruhige, harmonische Tage mit Ihrem Partner oder Ihrer Familie? Gerade vor Weihnachten scheinen die Menschen noch gehetzter zu sein, als das restliche Jahr. Die Kaufhäuser sind überfüllt, jeder ist auf der Suche nach dem richtigen Geschenk, es ist ein Schieben und Drängeln in der Stadt und es scheint, als sei alles nur noch auf Konsum ausgerichtet. Wie schön, wenn dann endlich Weihnachten ist und der Stress für einige Tage aufhört. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn kaum sind die Weihnachtsgeschenke organisiert und die festlichen Tage beginnen, gibt es die nächste Herausforderung: Die Familie, der Partner, die Oma, die Onkel und Tanten, die Geschwister und alle anderen Lieben, die so um uns herum schwirren. Da kann die harmonische, besinnliche Stille Nacht schon einmal zu einem Desaster werden.

Interessanterweise wünschen sich die meisten Menschen, dass sie ein friedliches und harmonisches Weihnachtsfest verleben. Wieso also kracht es zu Weihnachten dann so häufig?

Es beginnt schon im Vorfeld. Sobald die Adventszeit eingeläutet ist, bauen wir diese Erwartung auf, dass alles schön besinnlich, harmonisch, friedlich sein soll. Wir malen uns aus, wie schön es wäre, friedlich unter dem Tannenbaum mit all den Geschenken zu sitzen und uns mit Partner und Familie einfach zu freuen. Nun ist das aber mit den Erwartungen so eine Sache. Erwartungen und Annahmen sind prädestiniert dafür, nicht erfüllt zu werden, denn diese treffen wir still und heimlich, um uns eine Welt zu erschaffen, wie wir sie gerne hätten. Wir erwarten z. B. dass sich unser Partner riesig freut, wenn er unser Geschenk öffnet, oder dass er zuvorkommend ist, wenn wir gemeinsam am festlich gedeckten Tisch sitzen. Vielleicht erwarten wir auch von unserer Familie, dass sich z. B. die Kinder wenigstens an diesem Abend nicht raufen, Tante Elfi nicht wieder mit ihrer Krankengeschichte anfängt und Onkel Paul nicht wieder muffelig ist. Wenn alle unsere Erwartungen erfüllt würden, ja dann wären wir wirklich glücklich.

Viel Erfolg damit! Erwartungen werden in den wenigsten Fällen erfüllt. Und nicht nur das, ERWARTUNGEN KILLEN BEZIEHUNG. Wenn Sie Ihre Beziehung zu Ihrem Partner und zu Ihrer Familie auf Erwartungen und Annahmen aufbauen, können Sie nicht wahrhaftig in Beziehung sein. Eine Erwartung ist nichts anderes als Wunschdenken und damit versuchen Sie, eine andere Person nach Ihren Vorstellungen zu manipulieren. Sie sind nicht mehr offen dafür, wenn etwas anderes passiert, denn Sie schauen nur darauf, ob Ihre Erwartung erfüllt wird oder nicht.

Wird sie nicht erfüllt, dann fühlen wir uns verletzt, verärgert, unzulänglich, traurig oder genervt, was wiederum dazu führt, dass wir – bewusst oder unbewusst – Groll gegen die andere Person hegen. Das passiert übrigens nicht nur zu Weihnachten, sondern das ganze Jahr über. Passiert dies mehrmals und sprechen wir nicht mit der Person, die diesen Groll in uns auslöst, so sammeln wir persönliche Rabattmarken oder Grollpunkte und kleben diese in unser imaginäres Rabattmarken-Heftchen. Haben wir für die Person dann genug Rabattmarken oder Grollpunkte gesammelt, holen wir aus, um die richtig große Prämie zu kassieren. Wir benutzen unsere Rabattmarken, um zu beweisen, dass wir Opfer sind und von dem anderen betrogen oder verletzt wurden, dass der andere dumm und wir überlegen sind, oder dass wir Recht haben und der andere Unrecht. Nur eins steht fest: „ENTWEDER DU HAST RECHT, ODER DU BIST IN BEZIEUNG!

Wenn Sie stattdessen keinerlei Erwartungen haben oder Annahmen treffen, dann können Sie im JETZT präsent sein und mit dem sein, was gerade da ist. Kürzlich fragte mich jemand: „Ja, aber wenn ich jetzt zu Weihnachten von meinem Partner etwas geschenkt bekomme, was ich total scheußlich finde, dann bin ich nun mal sauer, was soll ich denn da machen.“ Ich stellte folgende Gegenfrage: „Warum denkst Du, schenkt Dein Partner Dir überhaupt etwas?“

Wir sehen oftmals nur das Vordergründige. Wir werden in unserer Gesellschaft dazu erzogen, dass eine Person daran gemessen wird, was sie hat oder tut. Sie wissen schon: mein Haus, mein Auto, meine Jacht. Jemand in einer Vorstandsposition wird als „besser“ angesehen, als jemand, der am Postschalter arbeitet.

Ich lade Sie zu einem Experiment ein:

Teil 1:
Schreiben Sie einmal alle Erwartungen auf, die Sie an Ihren Partner oder an Ihre Familie und Freunde haben, sei es jetzt zur Weihnachtszeit oder generell. Machen Sie eine wirklich detaillierte Liste. Wenn Sie die Liste erstellt haben, überprüfen Sie einmal, wie viele Grollpunkte Sie schon gesammelt haben, weil die eine oder andere Erwartung einmal oder mehrmals nicht erfüllt wurde. Sprechen Sie dann mit Ihrem Partner oder der Person, an die Sie eine Erwartung haben, darüber.

Teil 2:
Schauen Sie einmal hinter die Haben-Tun-Maske und sehen Sie, was das SEIN der Person ausmacht. Dazu schauen Sie mit Ihren energetischen Augen in die Augen der anderen Person und sagen ihr, was Sie in ihr sehen. Dabei geht es nicht darum zu sagen „Du hast schöne Haare“ oder „Dein Pulli gefällt mir“. Es geht um die Seins-Eigenschaften. Gehen Sie mit Ihrem Gegenüber wahrhaftig in Kontakt und schauen Sie ihm in die Augen. Sie werden überrascht sein, was Sie in den Augen einer Person alles lesen können. Machen Sie dieses Wertschätzungs-Experiment einmal 3 Minuten lang mit Ihrem Partner, Ihrer Freundin, Mutter, dem Nachbarn, dem Kollegen oder auch dem muffeligen Onkel Paul. Sie werden erstaunt sein, wie das Ihre Beziehung zu dieser Person ändert. Sehen Sie das Wesen der anderen Person anstatt ihre Box, ihr Ego oder ihre Weltanschauung.

Um auf das Beispiel des scheußlichen Geschenks zurückzukommen, sehen Sie die Wertschätzung, die dahinter steckt, das liebevolle, große Herz, das eine Seins-Eigenschaft Ihres Partners sein könnte. Wenn Sie der anderen Person egal wären, würde sie Ihnen gar kein Geschenk machen, geschweige denn Zeit mit Ihnen verbringen.

„Ja, aber wenn ich mit dem Geschenk nun mal nichts anfangen kann? Dann wäre es doch ehrlicher zu sagen, dass ich es scheußlich finde und umtauschen möchte.“ Ja, und: Es gibt auch so etwas wie TIMING. Wenn Sie ein scheußliches Geschenk erhalten, dann können Sie zunächst einmal „Vielen Dank“ sagen und damit den anderen dafür wertschätzen, dass er an Sie gedacht hat. Wenn Sie das Geschenk dann umtauschen möchten, erspüren Sie den richtigen Moment, um dieses delikate Thema anzusprechen. Eine Möglichkeit, es dem anderen „beizubringen“ wäre dann anstatt zu sagen: „Ich finde es doof!“ eher wertschätzende Worte zu verwenden. Seien Sie ein JA für den anderen, anstatt ein NEIN. In einer ruhigen Minute nach dem Auspacken oder besser noch am nächsten Tag könnte sich das z. B. so anhören: „Ich möchte mich nochmals bei Dir dafür bedanken, dass Du mir ein Geschenk gemacht hast. Ich schätze es sehr, dass Du an mich gedacht hast. Und ich schätze es, dass Du Dir Gedanken gemacht hast, was mir gefallen könnte. Meinen Geschmack zu treffen ist nicht ganz leicht und ich muss zugeben, dass, obwohl ich Deine Geste so sehr schätze, die Trockenhaube (der Pullover, die Socken, das Buch….) leider nicht meinen Geschmack trifft. Wie wäre es daher für Dich, wenn wir nach Weihnachten gemeinsam etwas anderes aussuchen und uns dabei einen tollen Nachmittag machen?“

Seien Sie einfach ein JA für die Menschen um Sie herum und bleiben Sie erwartungsfrei im JETZT. Sehen Sie die Essenz, die in jedem Menschen und in jedem Augenblick steckt. Und: lassen Sie sich nicht von Onkel Pauls und Tante Elfis Drama-Geschichte an den Haken nehmen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen ein besinnliches Weihnachtsfest.

Ihre Nicola Nagel