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Donnerstag, 14. Oktober 2021

3 Gängige Illusionen in Beziehung

Hoffst Du darauf, endlich erfüllende Beziehung zu leben, doch es gelingt Dir noch nicht so recht? Es gibt natürlich zahlreiche Faktoren, die notwendig sind, um erfüllende Beziehung erschaffen zu können. Neben bestimmten Fertigkeiten ist es jedoch entscheidend, im ersten Schritt zu klären, inwieweit Du Dich selbst täuschst und einer der 3 gängigen Beziehungs-Illusionen aufsitzt, die wir im Folgenden betrachten.

1.    Wenn mein*e Partner*in sich verändert, dann wird unsere Beziehung besser

Hattest Du diesen Gedanken auch schon einmal? Nun, die meisten hatten diese Hoffnung wohl schon. Doch es ist eine der größten Illusionen in Beziehung. Vielleicht hast Du es schon erlebt, dass Du frisch verliebt eine Beziehung eingegangen bist, doch nach einigen Wochen haben sich dann die tatsächlichen Eigenschaften, Muster und Verhaltensweisen der anderen Person gezeigt. Das ist meist die Phase der Irritation, wo wir uns fragen „Oh, so ist er/sie! Möchte ich mit dieser Person wirklich zusammen sein?“ Auch wenn Du bereits länger in einer Beziehung bist, kann diese Frage hochkommen, sobald Dir bewusst wird, dass Du nicht wirklich glücklich bist und von einer anderen Art von Beziehung träumst. Vielleicht bist Du froh, überhaupt in einer Beziehung zu sein, sodass Du über bestimmte Verhaltensweisen erst einmal hinweg schaust und denkst, das wird sich schon noch verändern.

Damit startet die Phase der Hoffnung. Du hoffst, dass Dein*e Partner*in sich verändert und beginnst, Dir alle möglichen Geschichten zu erzählen, z. B.: Er/sie wird sich ganz bestimmt verändern, wenn er/sie erst einmal Urlaub hat, sich entspannen kann, die Arbeit nicht mehr so stressig ist, die Person einen neuen Job gefunden hat, den Streit mit ihren Eltern, Geschwistern oder sonst wem geklärt hat, oder, oder, oder. Du beginnst die Beziehung an Geschichten, Bedingungen und äußere Umstände zu knüpfen und hoffst und hoffst und hoffst. Glaube mir, ich kenne das sehr gut von früher.

Es ist zudem sehr leicht, diese Perspektive einzunehmen, denn dann musst Du Dich selbst ja nicht verändern. Es liegt dann nur an der anderen Person, dass die Beziehung nicht erfüllend ist. In der Hoffnung auf Veränderung klammerst Du Dich derweil an die kleinen Momente, in denen es doch ganz schön ist, bevor wieder der nächste Stress auftaucht, Ihr auf Distanz seid oder in einer Gewohnheit nebeneinander her lebt.

Doch auch wenn es schmerzhaft ist, mach Dir bewusst, dass Du in diesem Modus in einer Illusion lebst. Dein*e Partner*in wird sich nicht plötzlich auf wundersame Weise verändern. Auch die Beziehung als solche wird sich nicht plötzlich auf wundersame Weise verändern. Wenn Du in Deiner Beziehung nicht glücklich bist geht es darum, die Frage einmal umzudrehen und Dich zu fragen „Warum habe ich diese Person in mein Leben gezogen? Was muss ich lernen oder an mir verändern, damit eine andere Art von Beziehung möglich wird?“ Dann kannst Du Dich auf Deinen persönlichen Entwicklungsweg machen, um zu lernen, wie Du erfüllende Beziehung auf Augenhöhe erschaffst.

Doch damit sind wir gleich bei der nächsten Illusion:

2.    Wen ich mich verändere, wird sich mein*e Partner*in automatisch verändern

Wenn Du Dich veränderst, verändert sich automatisch Dein*e Partner*in und damit Eure Beziehung. Das wäre schön, nicht wahr? Das jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn Du Deine Beziehung auf eine neue, erfüllende Ebene bringen möchtest und wirklich verpflichtet bist, Deine Themen anzuschauen, an Dir zu arbeiten und alte Muster und Mechanismen aufzulösen, die eine erfüllende Beziehung bisher verhindert haben, so ist das ein sehr entscheidender Schritt. Es ist tatsächlich der entscheidende Schritt. Neulich sagte jedoch ein Klient: „Ich habe gedacht, wenn ich mich verändere, dann verändert sich meine Partnerin automatisch mit und die Beziehung dadurch auch.“ Er dachte dabei an die sogenannte Formveränderung. Was hat es damit auf sich? Nun, zieh einmal folgendes Bild in Betracht:

Die Menschen in Deinem Umfeld kennen Dich mit bestimmten Verhaltensweisen und einer bestimmten Energie, haben sich daran gewöhnt und zum Teil auch angepasst. Lass uns einmal sagen, Du hast die Form A. Wenn Du nun  beginnst, an Dir zu arbeiten, verändern sich Deine Verhaltensweisen, Deine Energie, Deine Gedanken, Deine Struktur, etc. und Du beginnst, mehr Bewusstsein zu halten. Du nimmst sozusagen eine neue Form B an. Die Menschen in Deinem Umfeld können es möglicherweise nicht mit Worten erklären, doch sie spüren, dass irgendetwas anders ist. Mit der Zeit gewöhnen sie sich in der Regel daran.


Die Krux an der Formveränderung:

Zieh einmal in Betracht, dass Du mit Deiner aktuellen Partnerin/Deinem aktuellen Partner  zusammen bist, weil Du die andere Person aufgrund Deiner bisherigen Struktur, Energie, Verhaltensweisen und Muster angezogen hast. Wenn Du aufgrund Deiner Verpflichtung, erfüllende Beziehung zu leben, Dich nun in einen Veränderungsprozess begibst und dadurch  eine andere Energie und Struktur bekommst, ist die entscheidende Frage, ob Dein*e Partner*in bereit ist, auf die nächste Ebene mitzugehen. Es kann sein, dass er/sie begeistert über die Veränderung ist und auch beginnt sich zu verändern. Es gibt aber auch Menschen, die diesen Schritt nicht mitgehen können. Ich habe vor vielen Jahren selbst einen Partner gehabt, als ich  meinen persönlichen Veränderungsprozess begonnen habe. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er meine Veränderung zwar spannend fand, er jedoch lieber in seinen alten Blase und seinen Mustern von gewöhnlicher Beziehung bleiben wollte und den Weg nicht mitgehen konnte. Es gibt Menschen, für die ist es zu gefährlich, ihre eigenen Themen anzuschauen. Obwohl sie sich erfüllende Beziehung wünschen, verharren sie deswegen lieber im gewöhnlichen Modus.

Jetzt ist natürlich die interessante Frage, was machst Du in so einer Situation? Entweder Du vertraust Deiner Veränderung, Deiner neuen Kraft und Klarheit, bleibst bei Deiner Verpflichtung erfüllende Beziehung zu leben und ziehst möglicherweise Konsequenzen, auch wenn es schwer fällt (das kann auch Trennung bedeuten). Oder aber Du legst Dein neue gewonnenes Schwert der Klarheit lieber wieder zur Seite, lässt Dich von Deinem Partner/ Deiner Partnerin in sein/ihr gewöhnliches Spiel hinein saugen und bleibst aus Bequemlichkeit und Gewohnheit auf dem alten Level stecken, weil Du lieber in irgendeiner Beziehung bist, als neu durchzustarten.

Das kann vor allem dann sehr leicht passieren, wenn Du Deine Gefühle nicht bewusst und verantwortlich nutzt und vor allem Deiner Angst nicht vertraust. Die meisten Menschen lassen sich von ihrer eigenen Angst lähmen und blockieren oder sagen „Ich habe Angst, also sollte ich es nicht tun. Die Angst warnt mich ja gerade, dass etwas Unbekanntes passieren wird.“ Mit der Sichtweise, dass Angst lähmend, blockierend und definitiv zu vermeiden ist, wirst Du keine klare Entscheidung für erfüllende Beziehung treffen können. Das ist einer der Gründe, warum viele Menschen in Beziehungen bleiben, in denen sie eigentlich nicht glücklich sind. Es macht ihnen Angst, für sich einzustehen, weil sie nicht wissen, wie ihr Leben dann aussieht.

Doch einmal in Betracht, dass die Angst eine großartige Gefühlskraft ist, die Dich planen lässt, Dich in neues Gebiet gehen lässt, Dich über Deine inneren Grenzen hinaus gehen lässt, Dich wach und präsent sein lässt und Du sie obendrein noch brauchst, um kreativ und innovativ zu sein. Es ist also absolut angemessen, Angst zu haben, wenn Du Dich veränderst und Entscheidungen triffst, weil Du nicht wissen kannst, was passieren wird. Hatte ich damals Angst, als ich die Konsequenzen gezogen habe? Ja, hatte ich. Doch ich habe trotzdem die Tür zu erfüllender Beziehung aufgestoßen und bin hindurch gegangen. Und wenn ich eines sagen kann, dann dass es sich wirklich gelohnt hat.

 

3.    Der Spezialfall: „Wir lieben uns ja, aber…“

Ich hatte in den letzten Monaten mehrfach den Spezialfall, dass Klienten gesagt haben, „Ich liebe meine*n Partner*in ja, aber mir fehlt trotzdem etwas und ich bin nicht glücklich“ Jedes Mal, wenn ich nachgefragt habe, was sie denn ihrer Meinung nach mit der anderen Person verbindet, war die Antwort „Wir sind sehr vertraut miteinander, weil wir uns schon länger kennen, einiges erlebt haben und es funktioniert ja auch einiges in unserer Beziehung.“

Die Sache ist die: Wenn Du erfüllende Beziehung leben möchtest, ist es entscheidend, dass Du auf 4 unterschiedlichen Ebenen genährt wirst. Das sind die physische, die intellektuelle, die emotionale und die energetische Ebene. Wenn Du zwar mit der anderen Person prima Gespräche führen kannst oder ihr gemeinsame Projekte durchführt (intellektuelle Ebene), doch Du bekommst keine Nahrung auf der physischen Ebene (ihr tauscht z. B. keine Nähe und Intimität aus, unternehmt in Eurer Freizeit nichts gemeinsam, was Dich nährt), dann steht die Beziehung schon auf wackeligen Füßen. Es ist wie bei einem Tisch. Wenn Du auf einer Ebene nicht genährt bist, ist das so, als würdest Du eines der vier Tischbeine absägen und der Tisch beginnt zu wackeln. Wenn die emotionale Ebene (z. B. authentisch Gefühle mitteilen, sich verletzlich zeigen, etc.) oder die energetische Ebene (z. B. gemeinsam Meditieren, Rituale pflegen, miteinander sein, etc.), dann auch noch wegfallen oder nur wenig genährt werden, dann beginnt der Tisch zu kippen.

Die einzige Frage die Du Dir stellen und radikal ehrlich beantworten darfst, lautet somit:
Bist Du in Deiner aktuellen Beziehung wirklich glücklich und genährt, ja oder nein?

Antworte nicht „vielleicht“, oder „ja, aber…“ oder „ein bisschen“, sondern ganz klar und einfach: ja oder nein. Wenn Die Antwort nein lautet, dann ist die nächste Frage: „Bist Du oder seid Ihr gemeinsam bereit, Dich/Euch auf den Weg der Veränderung zu begeben?“ Es geht immer nur um den nächsten Schritt.

Dein Leben ist kostbar. Deine Lebenszeit ist begrenzt. Sag nicht „Irgendwann kümmere ich mich darum.“ oder „Wenn die Umstände einmal anders sind, dann…“. Wenn Du wirklich erfüllende Beziehung leben möchtest, dann starte JETZT. Die Umstände im Außen sind nur eine Illusion und Ablenkung. Du bist mit einem freien Willen auf die Welt gekommen und Du bist frei zu entscheiden, was Du mit Deiner kostbaren Lebenszeit machst. Vergeude sie nicht in gewöhnlichen Beziehungen, in denen Du nicht glücklich und vollständig genährt bist, denn am Ende aller Tage bleibt nur eine Frage: „Hast Du wirklich gelebt und hast Du wirklich geliebt?“

Sobald Du Dich ernsthaft entscheidest, Dich auf den Weg zu erfüllender Beziehung zu machen, kann das Universum endlich in Aktion treten und Dir die nächsten Schritte liefern. Vertraue dem Prozess.

Ich wünsche Dir von Herzen zutiefst erfüllende Beziehung in Deinem Leben.










Herzlichst,
Nicola

 

Donnerstag, 14. Januar 2016

Gorilla und Wildcat Basics - Erste Schritte zu außergewöhnlicher Beziehung



Den Jahreswechsel nehmen viele Menschen zum Anlass, gute Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Die Klassiker wie mehr Sport, gesünder essen, aufhören zu rauchen haben Sie möglicherweise zuhauf gehört. Doch wie wäre es einmal mit einem Vorsatz der ganz anderen Art, etwas, dass sich viele Menschen immer wieder wünschen: Eine außergewöhnliche Beziehung erschaffen!

Es ist erstaunlich, dass der große Wunsch nach einer erfüllenden, nährenden Beziehung oftmals schwierig realisierbar scheint, obwohl beide Partner die gleiche Sehnsucht in sich tragen. Das liegt häufig daran, dass vielen die unterschiedlichen Dynamiken in einer Beziehung nicht bewusst sind und somit bereits durch kleinste Gesten und Worte schnell Missverständnisse, Auseinandersetzungen, Diskussionen, Oberflächlichkeit und damit gewöhnliche Beziehung entsteht.

Viele Themen spielen beim Erschaffen außergewöhnlicher Beziehung eine Rolle (Buchtipp: Wahre Liebe im Alltag von Clinton Callahan). Eines davon ist das breitgefächerte Thema Kommunikation und gerade da scheitert es oft schon an kleinen aber feinen Grundlagen. Zwei dieser grundlegenden Themen sind:
  1. Gorilla und Wildcat Basics: Wann spreche ich mit meinem Partner?
  2. König(in) oder Schwein: Was ist meine Absicht?

Lassen Sie uns diese beiden Aspekte einmal in Kurzform betrachten.

1.    Gorilla und Wildcat Basics
Der erste entscheidende Schritt bei einem Gespräch ist das Timing, d. h. wann sprechen Sie überhaupt mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin. Die Kenntnis über die sogenannten Gorilla Basics und Wildcat Basics ist an dieser Stelle sehr hilfreich und kann Ihre Beziehung maßgeblich verändern, wenn Sie bewusst Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken. Gorilla und Wildcat Basics mögen im ersten Moment simpel erscheinen, doch interessanterweise führt die Missachtung dieser Basics sehr oft zu Unmut und Sammeln von Grollpunkten in vielen Beziehungen. Gorilla und Wildcat Basics sagen etwas darüber aus, wann Sie idealerweise mit Ihrem Partner sprechen  bzw. nicht sprechen.

Gorilla Basics
Versuche nicht mit einem Mann zu sprechen, wenn:
  • Er hungrig ist.
  • Er müde ist oder er morgens gerade erst die Augen aufgemacht hat.
  • Er genervt von der Arbeit kommt.
  • Er geil ist.
  • Das Fußballspiel im Fernsehen läuft (oder was immer seine Lieblingsportart ist)
  • Es Zeit ist, zu gehen/aufzubrechen (z. B. ins Restaurant, zur Arbeit, ins Kino…)
  • Er gerade mit etwas beschäftigt ist (einschließlich der Dinge, von denen Sie meinen, dass sie nicht wichtig sind)
Wildcat Basics:
Versuche nicht mit einer Frau ernsthaft zu sprechen, wenn:
  • Sie hungrig ist.
  • Sie müde ist.
  • Sie auf dem Sprung zu ihren Freundinnen ist oder die Freundinnen gleich vor der Tür stehen.
  • Kurz vor oder am 1. Tag ihrer Periode (klären Sie mit Ihrer Partnerin, welches der Tag ist, an dem sie deswegen emotional nicht zurechnungsfähig ist. Sie weiß es ganz genau).
  • Sie sich im Bad Zeit nimmt, um sich schön zu machen/zu pflegen.
  • Sie vor dem Kleiderschrank steht und sich fragt, was sie anziehen soll.

Es kann tatsächlich so einfach sein! Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es gerade das richtige Timing ist, fragen Sie Ihren Partner, indem Sie z. B. sagen „Hast Du gerade einen Moment Zeit? Ich würde gerne etwas mit Dir besprechen/ich habe eine Frage.“ Und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ein Nein als Antwort kommt. Immerhin ist die andere Person dann ehrlich. Schließlich hätte keiner von Ihnen etwas davon, wenn einer während des Gesprächs mit den Gedanken ganz woanders ist. Falls ein Nein kommt, könnten Sie z. B. fragen, wann es der anderen Person passt und sich entsprechend für später verabreden.

Angenommen, Sie haben das richtige Timing erwischt, so ist die nächste Frage, was ist Ihre Absicht?


2.    König(in) oder Schwein?
Machen Sie sich bewusst, was Ihre genaue Absicht bei einem Gespräch ist. Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Absicht ist, schauen Sie sich das Resultat der Unterhaltung oder Ihre Beziehung insgesamt an.

Wenn Sie sich in einem Streit oder endlosen Diskussion wiederfinden oder Beschuldigungen  und Ausreden an der Tagesordnung sind, dann sind Sie dabei, sogenanntes niederes Drama zu kreieren, das Ihre Beziehung untergräbt. Ein niederes Drama ist jede Handlung die dazu dient, Verantwortung zu vermeiden und stattdessen Nähe und Vertrautheit zu zerstören und den Partner/die Partnerin zum Schwein zu machen. Niederes Drama impliziert, dass eine Person die sogenannte Opferrolle übernimmt. Es ist das klassische Täter-Retter-Opfer Spiel. Die Opferrolle kann dabei sehr bequem und lukrativ sein, denn als Opfer bekommen Sie Aufmerksamkeit und Mitleid, müssen keine Verantwortung übernehmen, können die „Ich Arme(r)“ Story erzählen und haben vor allem die Lizenz zur Rache. Wenn Sie beweisen können, dass Ihr Partner/Ihre Partnerin Sie ins Unrecht gesetzt oder angeblich verletzt hat, dann können Sie zum Gegenschlag ausholen. Weitere beliebte Anzeichen für niederes Drama in Beziehung sind Rechthaberei, Besserwisserei, Entschuldigungen und Rechtfertigungen.

Stellen Sie sich also vor und auch während des Gesprächs die Frage: Was ist jetzt gerade meine Absicht? Zum Beispiel:

·         Will ich meinen Partner/meine Partnerin manipulieren oder mit ihm/ihr authentisch und verletzlich in Kontakt sein? (Machen Sie sich einmal bewusst, dass Manipulation schon auf subtile Weise geschehen kann, z. B. durch die kleine Frage „Sollen wir spazieren gehen?“ anstatt klar zu äußern „Ich würde gerne raus an die frische Luft und einen Spaziergang machen, kommst Du mit?“)

·         Will ich gerade unbedingt recht haben oder kann ich von meinem Standpunkt runterkommen, damit Nähe und Vertrautheit möglich ist? (Vielleicht hilft Ihnen folgender Satz zur Erinnerung: Entweder Du haben Recht, oder Du bist in Beziehung. Beides gleichzeitig geht nicht.)

·         Will ich ihn/sie klein machen / zum Schwein machen, damit ich als Sieger aus dem Gespräch hervor gehe, oder kann ich den anderen SEIN lassen wie er ist und respektvoll und erwachsen agieren? (Wertschätzen Sie Ihren Partner z. B. dafür, dass er daran gedacht hat, eine Tüte Milch aus dem Supermarkt mitzubringen, oder tadeln Sie ihn stattdessen dafür, dass er die falsche Marke gekauft hat?)

·         Verhalte ich mich angepasst, um es ihm/ihr recht zu machen (und möglicherweise die Harmonie zu wahren), oder kann ich klar bei mir und in meiner Kraft sein und dadurch erwachsen und verantwortlich den Beziehungsraum halten und gestalten?

·         Projiziere ich gerade z. B. das Verhalten meiner Eltern auf meinen Partner/meine Partnerin oder sehe ich ihn/sie tatsächlich? (Gibt es z. B. nur eine Möglichkeit, die Spülmaschine einzuräumen oder gewisse Kommentare zu machen, oder können Sie gelassen bleiben?)

Was ist tatsächlich Ihre Absicht? Von einigen Klienten habe ich schon gehört „Ich möchte ja eine außergewöhnliche Beziehung, aber er/sie müsste sich ändern.“ Kennen Sie diesen Satz? Wenn Sie erwarten, dass der andere sich ändert: viel Erfolg! Es wird nicht funktionieren. Wenn Sie gewöhnliche Beziehung mit niederem Drama in Ihrem Leben vorfinden, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie dies unbewusst selbst gestaltet haben. Fangen Sie also bei sich an. Wachen Sie auf! Werden Sie aufmerksam!

Es gibt einen Teil in uns – genannt unser Gremlin, der innere Schweinehund oder das kleine fiese Monster – dessen Leibspeise es ist, niederes Drama zu erzeugen und Beziehung zu zerstören. Es ist unsere Schattenseite, die genau das Täter-Retter-Opfer Spiel liebt. Der Gremlin ist sozusagen der König Ihrer eigenen Unterwelt und es ist sehr hilfreich, sich diesen Teil genau anzuschauen. Sobald wir nicht achtsam sind oder gar keine Kenntnis über diesen Teil in uns haben, der niederes Drama liebt, wird es herausfordernd sein, ein anderes Spiel zu spielen und außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen. Mit dem Grad der Bewusstheit über diesen Mechanismus steht und fällt die Qualität Ihrer Beziehung.

Niederes Drama äußert sich übrigens auch in dem Aufrechterhalten von Erwartungen (seien sie nun ausgesprochen oder unausgesprochen). Erwartungen sind prädestiniert dafür enttäuscht zu werden. Gerade in Bezug auf Beziehungs-Kommunikation haben Frauen und Männer gleichermaßen Erwartungen. Der entscheidende Punkt ist: Ein Mann ist keine Frau und umgekehrt!!! „ACH!“ werden jetzt einige von Ihnen möglicherweise sagen. Doch diese Feststellung ist durchaus ernst gemeint, denn viele Frauen erwarten in Ihrer Beziehung unter anderem, dass der Mann

  1. genauso zuhört, wie die beste Freundin
  2. gerne viel und schnell erzählt
  3. in der Lage ist, 7 Themen gleichzeitig zu besprechen

während Männer gerne erwarten, dass ihre Frau

  1. endlich zum Punkt kommt
  2. auf eine Ja/Nein Frage einfach klar mit ja oder nein antwortet
  3. bei einem Thema bleibt.

Um es kurz zu machen: Ihr Mann wird nicht zuhören wie eine Frau, er antwortet anders auf Fragen und behandelt nur ein Thema nach dem anderen. Gleiches gilt umgekehrt: Ihre Frau wird nicht zuhören wie Ihr bester Freund und hat einfach die Tendenz gerne, viel zu erzählen.

Wenn Sie ein Mann sind und Ihre Partnerin Ihnen etwas erzählen möchte, das ihr am Herzen liegt, dann ist es sinnvoll erst einmal nur zuzuhören und nichts zu sagen, bis sie mit erzählen fertig ist. Lassen Sie Ihre Handwerkermütze im Schrank und kommen Sie nicht direkt mit Lösungsvorschlägen. Ihre Frau möchte Ihnen etwas erzählen! Wenn sie einen Rat oder eine Lösung braucht, wird sie es schon sagen. Frauen haben die Tendenz, das was in ihnen ist, vor sich auszubreiten. Es kommt wie ein riesiger Wasserschwall: alles auf einmal. 

Sind Sie hingegen eine Frau und Ihr Mann möchte Ihnen etwas erzählen, das ihm wichtig ist, so lautet die Empfehlung: Halten Sie sich an die 30 Sekunden Regel. Was ist damit gemeint? Nun während eine Frau eher wie ein Wasserfall sprudelt und alles sofort in einem Schwall erzählt, ist der Mann eher wie ein tiefer Brunnen. Er erzählt etwas – kippt sozusagen den ersten Eimer voll Wasser aus – doch dann muss er den Eimer im Brunnen erst wieder herunterlassen, um die nächste Fuhre Wasser (Gedanken/Information) hinauf zu befördern. Sein Motto ist: eine Schicht nach der anderen. Warten Sie also 30 Sekunden. Wenn Sie sich nach dem ersten Wassereimer als Frau nicht in Geduld üben und nach 10 Sekunden Stille schon mit einer Frage oder einem Kommentar dazwischen platzen, weil sie die Stille nicht aushalten, dann schlagen Sie die Tür zur nächst tieferen Ebene an Nähe und Intimität zu. Dann wird Ihr Mann nicht auf die nächste Ebene des Gesprächs gehen, weil der Raum dafür nicht stabil ist. Gleiches gilt, wenn Sie eine Frage gestellt haben: WARTEN Sie!!! Viele Frauen tendieren dazu, den Mann nach 5 Sekunden direkt mit den nächsten 3 Fragen zu bombardieren, bevor er überhaupt auf die erste Frage geantwortet hat, sodass er gar nicht mehr weiß, auf welche Frage er überhaupt antworten soll. Wenn er nach 30 Sekunden nichts mehr sagt, können Sie wieder in Aktion treten.

Es ist hilfreich sich bewusst zu machen, dass Gehirne von Männern und Frauen völlig unterschiedlich ticken. Das Gehirn der Frauen ist wie ein riesiges Knäuel an wirren Drähten. Alle Themen sind mit allen verbunden: der Job mit der Großmutter, die Großmutter mit dem Auto, das Auto mit den Kindern, die Kinder mit dem Haus…alles ist einfach mit allem verbunden. Deswegen können Frauen auch über viele Dinge gleichzeitig sprechen und zig Themen wie einen Haufen Jonglierbälle in der Luft halten. Versuchen Sie einmal als Mann einem Gespräch unter Freundinnen zu folgen. Ihnen wird nach wenigen Minuten wahrscheinlich schwindelig.

Männer hingegen ticken anders. Das Gehirn der Männer besteht aus vielen kleinen Boxen. Jede Box beinhaltet ein Thema und wenn sie über ein spezifisches Thema sprechen, ziehen sie die entsprechende Box heraus, öffnen sie und sprechen nur über das, was in dieser Box ist. Danach schließen sie die Themenbox wieder, schieben sie an ihren Platz und achten sorgfältig darauf, dass diese keine andere Themenbox berührt. Schauen Sie sich passend dazu das sensationelle Video von Marc Gungor auf Youtube an: http://www.youtube.com/watch?v=ulP6f9zXtTs

Das Thema Beziehung ist viel zu komplex, als dass es in einem Artikel abgehandelt werden könnte, das wissen Sie! Allein das Thema Kommunikation in Beziehung würde ein ganzes Buch füllen. Doch eine außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen, beginnt immer mit dem ersten Schritt. Wie wäre es also, das neue Jahr mit dem Experiment zu beginnen, auf die Gorilla bzw. Wildcat Basics zu achten und einen Detektor für niederes Drama zu entwickeln? Nach welcher Art von Beziehung sehen Sie sich?

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um tatsächlich außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen und voll präsent in Ihrer Kraft zu sein, können Sie übrigens in den sogenannten Expand The Box Trainings und Possibility Laboratorien erlernen und erfahren. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu finden Sie auf: http://www.viva-essenza.com/66/privattraining/expand-the-box-training




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