Posts mit dem Label Zeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Die Illusion des Konsums - oder: Eine etwas andere Art von Weihnachtsgeschenken…



In der Vorweihnachtszeit drängt sich eine Frage auf, die zwar unterjährig auch relevant ist, jedoch im Dezember an Brisanz gewinnt: Wie neurotisch ist unsere Gesellschaft?

Es scheint als verfalle die moderne Gesellschaft in den 4 Wochen vor Weihnachten in einen Kauf- und Konsumrausch, der seinesgleichen sucht. In allen Geschäften glitzert und funkelt es und an jeder Ecke werden die Menschen mit Werbung, Weihnachtsliedern und Kaufangeboten beschallt. Die Reizüberflutung in den Städten ist unvergleichlich und trägt in der ohnehin schnelllebigen Zeit einmal mehr zum Stress der Menschen bei. Das Leben vieler Menschen ist ein einziger schneller, gestresster Irrsinn geworden, beginnend bei einem stressigen Job, über Freizeitstress (schließlich müssen die meisten am Wochenende mit Freizeitaktivitäten den Stress kompensieren, der sich unter der Woche angesammelt hat) und nun kommt auch noch das Weihnachts-Geschenke-Dilemma dazu.

Kürzlich sah ich an einem alten, weit-gereisten VW Bus an der Ampel einen interessanten Aufkleber: „No shoes, no shirt, no worries“. Was wäre, wenn wir uns darauf wieder besinnen würden und weniger mehr wäre? Fülle ist nur bis zu einem gewissen Grad gesund ist und zwar gesund für die Erde. Wie vielen Menschen ist beispielsweise tatsächlich bewusst, dass aktuell die Ressourcen von 2,5 Planeten verbraucht werden, obwohl wir nur diesen einen schönen Planeten haben? Wie viele Personen haben Kenntnis darüber, dass jeden Tag tausende, wenn nicht gar Millionen Tiere elendiglich verrecken, weil  sie Plastikmüll aus dem Meer fressen, in der Annahme es seien bunte Fische? Und das alles aufgrund der neurotischen Habgier und Ignoranz der modernen Gesellschaft, die zur Weihnachtszeit wieder einen Höhepunkt erreicht.  (Falls Sie das noch nicht gehört haben, schauen Sie sich dieses kurze Youtube Video an:http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=0ZCNRzQ0IH4 ).

Der ein oder andere mag jetzt denken, dass dies ja nun nicht gerade ein besinnliches Thema zur Weihnachtszeit ist. Doch was, wenn es genau das Thema ist, um sich wirklich auf den Ursprung zu besinnen? Die Menschen wünschen sich gegenseitig be-SINN-liche Weihnachtstage. Doch was ist dieser SINN?

Einige mögen sagen, der Sinn ist, traditionell einem lieben Menschen mit einem Geschenk eine Freude zu machen, um an den Ursprung der Weihnachtsgeschichte zu erinnern. Doch wie viele Menschen zermartern sich jedes Jahr aufs Neue den Kopf darüber, was sie ihrem Mann, ihrer Frau, Tante Trudi, oder Oma Else und den 3 Freunden schenken sollen? Letztendlich wird alles gekauft, was es zu haben gibt: Handtaschen, Smartphones, Trockenhauben, Toaster, Kleidung, massenhaft Plastik-Spielzeug, Schmuck, Kitsch-Kram und Verlegenheitsgeschenke. Der Konsum ist eine Gesellschafts-Neurose geworden. Die Medien haben es geschafft, die Masse der Gesellschaft glauben zu machen, sie müssten bestimmte materielle Dinge besitzen, um „in“ oder „hip“ zu sein, anerkannt zu werden und – in Bezug auf Weihnachten – den gesellschaftlichen Norm zu entsprechen und dazu zu gehören (getreu dem Motto „Zu Weihnachten macht man halt Geschenke. Das ist nun mal so.). Doch genau das ist eine der größten Lügen überhaupt. Den eigenen Wert über materielle Dinge zu definieren, ist eine Illusion, eine künstliche Abhängigkeit. Nicht selten wird insbesondere zur Weihnachtszeit sogar die Liebe an dem Wert des Geschenkes der Person gemessen, die es macht. Konsum ist nichts anderes als eine Möglichkeit, die persönliche Taubheitsschwelle möglichst hoch zu halten, um nicht fühlen zu müssen, was tatsächlich auf der Erde, oder auch in der eigenen Beziehung los ist bzw. um wahre Intimität und Nähe zu vermeiden. Es scheint diesbezüglich eine einzige Verwirrung in der Gesellschaft zu herrschen.  

Da ist der Spruch auf dem VW Bus doch ein ernst zu nehmender neuer Ansatz „No shoes, no shirt, no worries“. Keine Schuhe, kein Shirt, keine Sorgen. Kein Konsum, keine Sorgen. Kein Geschenkwahn, keine Sorgen. Verstehen Sie das bitte nicht falsch, es geht nicht darum einer anderen Person keine Freude mehr in Form eines Geschenkes zu machen. Doch es geht einerseits um die Freude, die von Herzen kommt, nicht um die Pflicht und einen hausgemachten Gesellschaftsdruck. Andererseits geht es um die Sinnhaftigkeit der Geschenke.

Wie könnten be-SINN-liche Weihnachtstage aussehen, wenn Konsum nicht mehr im Vordergrund stünde? Was wäre die Besinnung auf den Ursprung? Es würde nicht mehr um die materiellen Geschenke gehen, sondern um das, was sich dahinter verbirgt: Wertschätzung, Respekt, Liebe, Nähe, Gemeinschaft. Es würde darum gehen, eine nährende Zeit mit lieben Menschen zu verbringen und die Wertschätzung für diese Menschen zum Ausdruck zu bringen. Anstatt dies über haufenweise gekaufte Geschenke auszudrücken (wenn diese Geschenke überhaupt ein Ausdruck dessen sind), gäbe es noch eine ganze Menge anderer Optionen. Sie könnten beispielsweise Wertschätzung, Möglichkeiten, Miteinander Sein und Zeit schenken. Wie würde das aussehen?


Wertschätzung schenken
In unserer Gesellschaft geht es fortwährend darum, was eine Person tut (z. B. welche Position sie im Job sie einnimmt) oder was eine Person hat (das neueste Smartphone, das schicke Auto, die Designer-Schuhe, etc.). Die Seins-Qualitäten einer Person werden meist völlig ignoriert. Doch es ist das Sein, das eine Person wirklich ausmacht. Wertschätzung  bezieht sich auf genau diese Seins-Qualitäten. Sie wertschätzen eine Person, indem Sie deklarieren, wie eine Person in ihrem Wesenskern IST. Wir sind es gewohnt zu sagen, dass jemand einen schönen Pulli trägt oder einen schicken Haarschnitt hat. Das hat jedoch nichts mit Wertschätzung des Seins zu tun. Das Sein hungert nach Nahrung, denn die wenigsten Menschen fühlen sich in ihrem Wesen gesehen. Dabei ist es so einfach. Sie können Wertschätzung in verbaler Form oder in Schriftform schenken.

Wenn sie die verbale Form wählen, dann setzen Sie sich der ausgewählten Person gegenüber (kein Tisch oder andere Gegenstände in der Mitte). Bevor Sie beginnen, klären Sie die Person über Ihr spezielles Wertschätzungs-Geschenk auf, indem Sie z. B. sagen „Ich habe ein ganz spezielles Geschenk für Dich. Ich würde Dir gerne Wertschätzung schenken….“ Bitten Sie die andere Person einfach nur zuzuhören und zu versuchen, das Geschenk anzunehmen. Dabei ist es sinnvoll, wenn Sie beide eine offene Körperhaltung haben und weder die Arme noch die Beine verschränken, damit Ihre Wertschätzung wirklich in der anderen Person landen kann.

Wenn Sie sich gegenüber sitzen, schauen Sie der Person in die Augen. Das kann bereits sehr intensiv sein. Atmen Sie einfach weiter. Wertschätzung kommt nicht aus Ihrem Verstand. Sie sehen die Seins-Qualitäten vielmehr in den Augen der anderen Person. Fangen Sie dann an zu sprechen, bevor Sie denken. Beginnen Sie beispielsweise mit „Was ich an Dir schätze, ist…“ und ergänzen Sie dann den Satz. Oder sagen Sie „Du BIST eine Frau/ein Mann mit viel….“ Sagen Sie, wie die Person in ihrem Kern IST. Vielleicht ist die Person sehr kreativ, oder Sie schätzen die Tiefe und Weisheit, die sie in sich trägt, oder die Person ist in ihrem Kern wie ein bunter Schmetterling, der die Menschen in seinem Umfeld mit Leichtigkeit begeistert. Malen Sie mit Ihren Worten die Seins-Qualitäten der Person aus. Machen Sie das für 3-5 Minuten (oder auch länger). Ihr Verstand funkt möglicherweise dazwischen und meint nach 2 Sätzen, dass es genug ist. Hören Sie nicht auf Ihren Verstand! Ihr Herz hat sehr viel mehr zu sagen und Sie können die Seins-Eigenschaften wirklich in den Augen der anderen Person ablesen. Vertrauen Sie darauf.

Wenn Sie mit mehreren Menschen Weihnachten verbringen, können Sie alle in diese Wertschätzungs-Geschenk-Runde einbinden und Zweier-Teams bilden. Schlagen Sie vor, dass sich jeweils 2 Personen gegenüber setzen und jeder den anderen für 3-5 Minuten wertschätzt (dann ist es sinnvoll, dass Sie auf die Zeit achten und nach 3  oder 5 Minuten alle gleichzeitig die Rollen wechseln lassen). Sobald eine Runde vorbei ist, lassen Sie die Personen noch eine Minute still miteinander sitzen, damit die Wertschätzung – die sie möglicherweise noch nie in der Form gehört haben – sacken kann.

Sie können die Übung alternativ auch als gesamte Gruppe machen. Dazu würden Sie im Kreis sitzen und jeweils ganz laut gemeinsam den Namen einer Person rufen, damit diese wach und präsent ist. Dann gibt die ganze Gruppe gleichzeitig dieser Person Wertschätzung. Nach 3-5 Minuten lassen Sie eine Glocke ertönen und der Name der nächsten Person wird gerufen.

Sie werden überrascht sein, welch besinnlicher und nährender Raum sich dadurch für alle Beteiligten öffnet. Dieses Experiment ist nicht nur für diejenigen nährend, die Wertschätzung bekommen, sondern auch für die, die Wertschätzung geben.

Falls Ihnen die verbale Form von Wertschätzung zu gefährlich ist, können Sie auch einen Brief formulieren, in dem Sie die entsprechende Person wertschätzen. Diesen können Sie dann schön verpackt überreichen.


Möglichkeiten schenken
Eine weitere, sehr nährende Form von Geschenk ist das sogenannte Möglichkeits-Sprechen. Das funktioniert zu Weihnachten besonders gut, wenn Sie mindestens zu dritt sind. Eine Person sitzt den beiden anderen in einem Stuhl gegenüber. Sie eröffnen diese Möglichkeits-Geschenk-Runde, indem Sie zunächst den Kontext dafür setzen und erklären, dass es beim Möglichkeits-Geschenk darum geht, dass die Einzelperson um konkrete oder allgemeine Möglichkeiten bittet. Dies geschieht durch die Konkrete Formulierung „Bitte gebt mir Möglichkeiten.“ (das wäre allgemein) oder „Bitte gebt mir Möglichkeiten in Bezug auf….“ (die Einzelperson würde hier ein konkretes Thema wählen). Dadurch entsteht eine Notwendigkeit im Raum und die beiden anderen Personen können beginnen, in diese Notwendigkeit hineinzusprechen (durch die ausgesprochene Notwendigkeit „retten“ Sie die andere Person nicht). Für die Sprecher gilt lediglich: Nicht denken! Sie sprechen als Raum für die sogenannten Hellen Prinzipien. Ihr Verstand und Ihr Ego treten in den Hintergrund. Sie sprechen das aus, was sie als Impuls bekommen, ohne dass Ihr Verstand das ganze vorher editiert. Um zu einem „Raum“ zu werden, schnipsen Sie mi Ihren Fingern und stellen Sie sich vor, dass Sie eine Blase um sich herum haben, die den Raum darstellt. Dies ist am Anfang eventuell etwas schwierig. Wenn Sie beispielsweise den Impuls bekommen zu sagen „Geh in den Wald und füttere das Kaninchen“, dann könnte Ihr Verstand dazwischen funken und Ihnen erzählen, dass das überhaupt keinen Sinn ergibt. Sagen Sie es trotzdem. Die Person, die um Möglichkeiten gebeten hat, kann damit garantiert etwas anfangen. Manchmal kommen Botschaften als Bilder verschlüsselt. Geben Sie der Person 3-5 Minuten Möglichkeiten.

Eine humorvolle Alternative dazu ist – und das ist möglicherweise für den ein oder anderen zu Beginn einfacher – dass Sie einen bestimmten Charakter annehmen. Sobald die Einzelperson die Bitte um Möglichkeiten gestellt hat, stehen Sie und der zweite Sprecher auf, drehen sich einmal um sich selbst und sowie Sie sich hinsetzen, schlüpfen Sie in die Rolle des ersten Charakters, der Ihnen in den Sinn kommt. Das kann eine berühmte Person sein, der Nachbar, eine Fantasie-Figur,  ein Tier, was auch immer. Sie nehmen das erste, was auftaucht. Kommt Ihnen z. B. Donald Duck in den Sinn, dann stellen Sie sich bei der Einzelperson kurz vor, sobald Sie sitzen: „Hallo mein Name ist Donald Duck“. Dann sprechen Sie aus diesem Charakter, indem Sie Mimik, Gestik und Stimme dieses Charakters annehmen. Wichtig ist, Ihren Impulsen zu folgen und diese ungefiltert auszusprechen.

Die Einzelperson wird einen Haufen Möglichkeiten bekommen. Dieses Geschenk ist wertvoller, als es ein gekauftes Geschenk je sein könnte. Nach 3-5 Minuten wechseln Sie die Rollen und die nächste Person bittet um Möglichkeiten.


Miteinander Sein – Sitzen in Beziehung
Ein ganz anderes Geschenk, bei dem nicht gesprochen wird, ist das sogenannte „Sitzen in Beziehung“. Dazu setzen Sie sich Ihrem Partner oder einer anderen lieben Person nah gegenüber, achten jedoch darauf, dass Sie sich nicht berühren. Sie können entweder auf Stühlen oder auf dem Boden sitzen. Dann schauen Sie einander für 10 Minuten in die Augen, ohne etwas zu sagen. Es geht nicht darum zu Starren oder das Spiel zu spielen, wer zuerst blinzelt. Es geht darum, gesehen zu werden, sich sehen zu lassen und die andere Person wirklich zu sehen. Es ist eine Verbindung von Sein zu Sein, die keiner Worte bedarf. Es hilft, wenn Sie sich dabei auf ein Auge der anderen Person konzentrieren. Sie müssen nicht das ganze Gesicht oder beide Augen gleichzeitig im Blick haben. Das sorgt nur für eine unruhige Bewegung Ihrer Augen. Konzentrieren Sie sich auf ein Auge. Möglicherweise verschwimmt dabei sogar das Gesicht der anderen Person ein wenig. Es kann auch passieren, dass Sie dabei etwas fühlen, denn es kann bewegend sein, wirklich gesehen zu werden und die andere Person zu sehen.

Nach 10 Minuten beenden Sie das stille Sitzen in Beziehung und tauschen sich darüber aus, was Sie wahrgenommen haben.


Zeit schenken
Eine weitere interessante Möglichkeit ist es, Zeit zu schenken. Im stressigen Alltagsleben ist es oftmals schwierig, Zeit zu finden, die wirklich intensiv mit dem Partner oder mit Freunden genossen werden kann. „Ich habe keine Zeit“ ist ein viel benutzter Satz in unserer Gesellschaft.  Statt jedoch Opfer von Zeit und Umständen zu sein, wäre die Alternative, dass Sie zum Zeitmacher werden. Denn das sind Sie. Sie sind Zeitmacher! Wie Sie Ihre Zeit verbringen, ist grundsätzlich Ihre Entscheidung. Sie machen Zeit für die Dinge die Sie tun.  Wenn Sie beispielsweise meinen „keine Zeit“ zu haben, um mit Ihrer Frau oder Ihrem Mann einen schönen Tag in der Natur zu verbringen und ein romantisches Picknick zu machen, dann sind Sie Opfer der Zeit. Sie können jedoch genauso Zeit für solch einen schönen Tag machen, indem Sie diesen Tag im Kalender einfach blocken und keinem anderen Termin erlauben, diesen Tag zu zerstören.  Sie entscheiden, für wen oder welche Aktivitäten Sie Zeit machen. Werden Sie zum Zeitmacher und verschenken Sie Ihre kostbare Zeit an eine Person, die Ihnen am Herzen liegt.

Diese vier genannten Experimente sind eine Einladung, dem Geschenkwahn zu entrinnen und Weihnachten einmal anders zu gestalten, als bisher. Probieren Sie es einfach einmal aus. Ihr Ego wird möglicherweise ein Veto einlegen und Sie spüren vielleicht sogar Angst. Es ist angemessen Angst zu haben, wenn Sie diese Experimente machen, denn Sie betreten damit unbekanntes Gebiet. Sie wagen etwas, das Sie vielleicht noch nie gewagt haben. Nehmen Sie die Angst als Indikator dafür, dass sie einfach etwas Ungewohntes, Neues tun. Angst ist einfach nur Angst. Ein wertvolles Gefühl, das Ihnen dient. Lassen Sie nicht zu, dass die Angst Sie blockiert und Sie die Gelegenheit verstreichen lassen, nährende Erfahrungen zu machen.

Wirklich be-SINN-lich sind jene Momente, die unser Herz und unser Sein nähren. Lassen Sie diese nicht verstreichen, sondern kreieren Sie diese mutig. 

Besinnlich, wertschätzende Seins-Grüße,
Ihre Nicola Nagel


CREATING POSSIBILITIES!
www.viva-essenza.com

Freitag, 14. Juni 2013

Die Illusion von Zeit und Verstand. - Es existiert nur das JETZT!



Unser Verstand ist eine clevere Maschine, die fortwährend mit Informationen gefüttert wird und das Wissen in endlosen Schleifen wiederholt und abruft. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Die entscheidende Frage ist, gebrauchen Sie Ihren Verstand, oder gebraucht Ihr Verstand Sie? Denken Sie, Sie sind Ihr Verstand?

In unserer Gesellschaft wird uns eingetrichtert, dass der Verstand das Wichtigste am Menschen ist, dass wir sozusagen unser Verstand sind. Die meisten Menschen sind vollständig mit Ihrem Verstand identifiziert. Getreu dem Motto „Ich denke, also bin ich.“  Doch was, wenn die Identifikation mit dem Verstand eine Illusion ist? Was wenn es ein Trick Ihres Egos ist, die Dinge so zu belassen wie sie sind?

Ihr Ego – oder auch Ihre „Box“ – ist ein Konstrukt aus Konzepten, Begriffen, Vorstellungen, Erwartungen, Meinungen und Definitionen. Seit Ihrer Kindheit hat Ihre smarte Verstands-Maschine Informationen, Eindrücke und Erlebnisse gesammelt und diese in einer riesigen Datenbank abgespeichert. Diese Informationen können permanent abgerufen werden. Es sind die Informationen, aus denen Sie Ihre Identität, Ihre Persönlichkeit, Ihr Ego oder eben Ihre Box aufgebaut haben.

Das Ziel des Egos ist es, diese Identitäts-Struktur aufrecht zu erhalten und das zu reproduzieren, was es bereits kennt. Es nutzt den Verstand, um die Informationen in Endlosschleifen abzurufen, damit gewährleistet ist, dass Ihre Identität nicht erschüttert wird oder sich verändert. Um das Bekannte zu reproduzieren, lässt Ihr Verstand Sie zudem glauben, es existiere eine Zeitschiene und es gäbe Vergangenheit und Zukunft.

Wenn Sie sich nun vollständig mit Ihrem Verstand identifizieren, glauben Sie das auch, ja es ergibt sogar Sinn. Schließlich waren Sie doch gerade gestern mit Freunden gemeinsam essen und das ist doch Vergangenheit, oder nicht? Und übermorgen ist doch der wichtige Kundentermin und das ist doch Zukunft, oder nicht? Ja, und beides ist nur eine Illusion. Denn Sie können weder beeinflussen, was gestern war, noch, was übermorgen sein wird. Das einzige, was existiert ist JETZT.

Für die meisten von uns ist es so normal mit dem Verstand identifiziert zu sein. Wir denken, wir sind unser Verstand. Tatsache ist jedoch, dass wir nicht unser Verstand SIND, sondern einen Verstand HABEN, den wir bewusst einsetzen können. Doch statt das zu tun, werden wir fortlaufend von unserem Verstand benutzt.

Unser Verstand plappert permanent. Gedanken rasen unaufhörlich durch unseren Kopf und kreieren Geschichten. Wenn wir nun keine Des-Identifikation vornehmen, glauben wir unserem Verstand tatsächlich das, was er uns vorgaukelt. Um es etwas anschaulicher zu machen, wie der Verstand dafür sorgt, dass wir uns in der Illusion von Vergangenheit und Zukunft bewegen, lassen Sie uns ein kleines Experiment machen.

Experiment 1: Benutzt Ihr Verstand Sie?

Beantworten Sie einmal folgende Fragen für sich:
  • Versuchen Sie ständig irgendwo hinzukommen, sei es räumlich (von A nach B) oder gedanklich („Wenn ich das erst geschafft habe, dann…“)?
  • Versuchen Sie ein Ziel zu erreichen?
  • Ist Ihr Fokus darauf gerichtet, wie sich eine Situation in Ihrem Leben wohl entwickeln wird?
  • Warten Sie darauf, dass Sie Urlaub haben?
  • Warten Sie darauf, den idealen Partner zu finden, um endlich glücklich zu sein?
  • Hoffen Sie, dass einige Dinge in Ihrem Leben sich bessern werden? Malen Sich sich aus, wie das aussehen könnte?
  • Hoffen Sie, dass sich Ihr Partner, Boss, Freund, Nachbar ändert, damit es Ihnen besser geht?
  • Sind Sie gedanklich schon bei der Verabredung mit Ihrem Partner morgen Abend und malen sich aus, wie es wohl sein wird?
  • Denken Sie immer wieder darüber nach, wie das Gespräch mit dem Kollegen letzte Woche verlaufen ist?
  • Malen Sie sich aus, was Sie das nächste Mal sagen werden?
  • Machen Sie sich Sorgen und wissen nicht, wie es weitergehen soll oder wie Sie ein Problem lösen sollen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, benutzt Ihr Verstand Sie! Dann sind Sie in der Vergangenheit oder Zukunft gefangen und bauen sich gerade Ihr eigenes Gefängnis. Beobachten Sie einmal wie schnell es geht, dass Ihr Verstand Sie in Geschichten der Vergangenheit und Zukunft zieht.

Es gibt jedoch gute Neuigkeiten: Sie sind nicht Ihr Verstand. Sie sind nicht Ihr Ego oder Ihre Box. Sie können eine Des-Identifikation vornehmen und damit anfangen wirklich präsent im JETZT zu leben.

Die Sache ist die: Durch den Mangel an Präsenz im Jetzt setzt sich die Vergangenheit weiter fort. Das Ego ist darauf getrimmt, die Dinge so zu belassen, wie Sie sind. Wenn sie jedoch permanent Ihrem Verstand glauben, dann haben Sie keine Kraft, weil Sie nicht im JETZT präsent sind. Dann glauben Sie die Geschichten und wundern sich, warum Sie wieder Enttäuschungen erleben. Genau das ist die Strategie Ihres Egos.

Hier ein Beispiel:
Angenommen, Sie sind nächste Woche mit einer charmanten Person zum Essen verabredet und freuen sich bereits heute darauf. Sie malen sich aus, wie es wohl sein wird und was Sie der Person unbedingt erzählen möchten. Sie sind gedanklich komplett in der Zukunft.
Was passiert dann, wenn Sie diese Person tatsächlich treffen? Sie haben bereits eine Geschichte im Kopf, ein Konzept, wie die Begegnung idealerweise abläuft und sind nicht mehr offen und präsent für das, was JETZT gerade in diesem Moment da ist. Sie leben in Geschichten, in einer Illusion, die sie des tatsächlichen Lebens im JETZT beraubt. Sie haben Erwartungen, wie etwas zu laufen hat und können nicht mehr mit dem sein, was gerade in diesem Moment da ist, in dem Sie mit der Person zusammen sind. Und genau das ist das fatale, denn diese Erwartungen sind prädestiniert dafür, enttäuscht zu werden. Diese Ent-Täuschung ist nichts anderes als die Befreiung von der Täuschung der Illusion. Ein Weckruf, dass das JETZT anders ist, als Sie sich vorgestellt haben. Es ist wie ein Wecker, der Sie aus dem Schlaf der Illusion rausholt.

Viele Menschen leben in Erinnerungen oder Erwartungen. Sie kennen ja vielleicht den Spruch von John Lennon „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ zu Deutsch „Leben ist das, was Dir passiert, während Du andere Pläne machst.“

Dieser Satz trifft es genau. Das Leben passiert nur JETZT. Das was unser Verstand uns psychisch als Zeit vorgaukelt, also die Vergangenheit oder Zukunft, existiert nicht. Dinge sind nie in der Vergangenheit oder Zukunft passiert sondern immer nur im JETZT. Zum Beispiel gab es vor 2 Sekunden ein JETZT, wo ein Auto vor meinem Haus vorbeigefahren ist. Oder gestern gab es ein JETZT, wo eine Freundin angerufen hat. Alles was passiert, passiert immer nur JETZT.  Und um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: Sie bestimmen JETZT Ihre Zukunft. JETZT in diesem Moment. Es lohnt sich also präsent in das HIER und JETZT zu kommen und diesen Moment bewusst zu gestalten und zu erleben, weil er Ihre Zukunft gestaltet.

Wie machen Sie das? Dazu können Sie ein Experiment in 3 Schritten machen:


Experiment 2: JETZT und HIER präsent werden

·         SCHRITT 1: Schalten Sie den Verstand aus
„Haha, sehr witzig“ werden jetzt einige denken. Und auch das ist nur eine Stimme Ihres Verstandes. Nicht zu denken ist tatsächlich möglich. Gehen Sie zum Beispiel raus in den Garten oder Park und beobachten Sie dort einen Vogel oder eine Blume. Beobachten Sie ganz bewusst. Fokussieren Sie das, was Sie beobachten. Aha, die Blume ist gelb. Sie hat runde, kleine Blätter mit roten feinen Streifen, die zur Mitte hin dicker werden…“ Oder nehmen Sie einen Gegenstand auf Ihrem Schreibtisch. Üben Sie 5 Minuten…Na, wie war’s? Konnten Sie feststellen, dass Ihr Verstand aufgehört hat, zu plappern und Ihnen Konzepte und Bewertungen zuzuflüstern? Sie waren in dem Moment voll präsent.

Alternatives Experiment: Sitzen Sie entspannt im Stuhl. Spüren Sie jetzt ganz bewusst die Sitzfläche und die Stellen, wo Ihr Po den Stuhl berührt. Spüren Sie die Lehne im Rücken. Spüren Sie, wo Ihre Kleidung Ihre Haut berührt. Spüren Sie, wie Ihr Atem durch Ihren Körper fließt. Hören Sie die kleinsten Geräusche um sich herum.

·         SCHRITT 2: Beobachten Sie, wie der Verstand sich wieder einschaltet
Beobachten Sie als nächstes, wie der Verstand sich wieder einschaltet. Beobachten Sie die Stimmen, die Bewertungen (z. B. „Na das ist ja ein Experiment, was soll ich jetzt damit?“ oder „Oh man, ich muss ja noch einkaufen.“, etc.). Beobachten Sie einfach den Verstand, das womit Sie denken, das Ding, was Ihnen ständig Geschichten erzählt. Und bewerten Sie nicht, was Sie beobachten.

Sobald Sie anfangen im Jetzt Ihren Verstand zu beobachten, sind Sie auf dem besten Weg der Des-Identifikation. Identifizieren Sie die wiederkehrenden Stimmen in Ihrem Kopf.

·         SCHRITT 3: Kreieren Sie JETZT etwas anderes
Der Verstand projiziert das, was er aus vergangenen Erfahrungen und Erlebnissen gespeichert hat. Das ist sein Job. Wenn Ihnen bewusst wird, was Ihr Verstand für wiederkehrende Muster produziert, haben Sie JETZT die Möglichkeit, dem einen Riegel vorzuschieben. Wie Eckhard Tolle sagt: „Die Zukunft wird durch die Qualität Deines Bewusstseins in diesem Augenblick geprägt.“ Sie können jeden Moment bewusst voll Liebe, Güte, Großzügigkeit, Leidenschaft und Gemeinschaft gestalten (Sie können zum Beispiel auch mit Leidenschaft den Abwasch machen oder mit Großzügigkeit dem Kollegen helfen). Genau das wird sich dann auch in Ihrem Leben zeigen.

Wenn Sie hoffen, dass sich in Zukunft in Ihrem Leben etwas bessert, dann sind Sie in der Zukunft. Dann sind Sie gefangen im Verstand. Dann benutzt Ihr Verstand Sie und Sie haben keine Kraft. Sie können weder ändern, was letzte Woche passiert ist, noch was übermorgen passiert. Sie haben nur JETZT Kraft und können nur JETZT diesen Moment gestalten. Ob Sie dies bewusst tun, oder Ihr Ego und Ihren Verstand es unbewusst tun lassen, liegt bei Ihnen. Keins ist besser oder schlechter. Es produziert einfach nur verschiedene Ergebnisse. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sobald Sie aufhören, sich mit Ihrem Verstand zu identifizieren, wird das Leben sehr viel intensiver und reicher, weil Sie im HIER und JETZT präsent sind und den Augenblick leben. Und es wird auch ruhiger, weil Sie sich nicht mehr mit allem möglichen Quatsch aus Vergangenheit und Zukunft beschäftigen müssen. Dadurch werden enorme Energiereserven in Ihnen freigesetzt, die Sie im HIER und JETZT nutzen können.

Das heißt jedoch nicht, dass sie jetzt gar nicht mehr denken sollen. Sie können sich jedoch entscheiden, Ihren Verstand nur dann bewusst einzusetzen, wenn er wirklich gebraucht wird, z. B. wenn Sie eine konkrete Aufgabe lösen müssen oder herausfinden müssen, wie Sie mit dem Zug von A nach B kommen. Dann benutzen Sie Ihren Verstand und nicht umgekehrt. Es geht darum, Ihr LEBEN nicht mit permanentem Denken zu vergeuden. Lassen Sie sich nicht von der Verstandsmaschine in den Strudel von Erinnerungen, Erwartungen und Projektionen und damit in die Vergangenheit oder Zukunft ziehen. Das ist alles nur eine Illusion des Egos. Das, was wirklich von Bedeutung im Leben ist – Liebe, Schönheit, Gemeinschaft, Freude, inneres Wachstum, etc. – hat seinen Ursprung jenseits des Verstandes. Sie sind mehr als Ihr Verstand. Sie sind größer als Ihr Verstand. Leben Sie JETZT aus Ihrem Sein heraus.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


 POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com

Montag, 15. Oktober 2012

Der Lauf im Hamsterrad - Vom Irrsinn des täglichen Lebens.



Ist es nicht ein absoluter Irrsinn, den wir Menschen betreiben? Die meisten arbeiten tagein, tagaus, von morgens bis abends, jonglieren mit Terminen und diversen Verpflichtungen und wissen oft gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Sätze wie „Puh, das ist alles so viel“ oder „Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll“ oder „Ich habe keine Zeit“ sind Gang und Gäbe. Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor?

ZEIT! Ein sehr kostbares Gut heutzutage. Das Paradoxe ist, dass wir ständig im Hamsterrad des Alltags rennen und meinen keine Zeit zu haben, doch gleichzeitig zu 100% dafür verantwortlich sind, was wir mit unserer Zeit machen.

Oh! Da gibt es bereits bei dem ein oder anderen die ersten Irritationen. Denn bitteschön, schließlich verlangt der Job doch so viel Zeit, Mühe, Gerödel und Gerenne. Oder die Kinder, die zum Schwimmen, Musizieren, den Pfadfindern oder sonst wohin gekarrt werden wollen. Aha, ist das so? Lassen Sie mich eine wichtige Frage stellen. Wer hat sich Ihren Job ausgesucht? Wer hat gewählt, eine Familie zu haben? Wer hat entschieden, eine bestimmte Herausforderung im Leben anzunehmen? YEP! Sie liegen absolut richtig, SIE SELBST. 

Diejenigen, die also meinen, dass alle anderen an Ihrer Zeit-Misere Schuld sind (oder auch an vielen anderen Dingen in ihrem Leben), muss ich leider der Illusion des bequemen Opfer Daseins berauben. Das einzige, was Ihnen bequemes Opfer-Dasein bringt, ist Jammern auf höchstem  Niveau, schlechte Laune und graue Haare. Ansonsten gar nichts.

Viel interessanter wird es, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie Ihre eigene Zeitmaschine sind. Sie sind ein Zeitmacher. Sie selbst bestimmen in Ihrem Leben, wie viel Zeit Sie für eine bestimmte Tätigkeit aufbringen. Niemand anderes. Wenn Sie sich getrieben fühlen, sind Sie Opfer der Umstände. Wenn Sie sich hingegen bewusst entscheiden, für etwas Zeit aufzuwenden, dann haben Sie das Ruder in der Hand und können somit auch jederzeit in eine andere Richtung steuern. Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied.

Sie fühlen sich zum Beispiel gestresst, weil Sie schon wieder spät dran sind und es vielleicht gerade noch so zum nächsten Termin schaffen? Wer könnte seine Zeit anders planen und sich verpflichten, 10 Minuten eher loszufahren? „Ja, aber…“ tönt da vielleicht die ein oder andere Stimme, „Wenn der Termin vorher bereits zu lange dauert und ich deswegen in Zeitbedrängnis für den nächsten Termin laufe?“ Tolle Opfergeschichte! Planen Sie Zeitpuffer ein. Wenn ein Termin bis 15 Uhr angesetzt ist und Sie dann definitiv los müssen, um bei Ihrem Kunden um 16 Uhr den nächsten Termin wahrnehmen zu können, dann seien Sie nicht Opfer der Zeit, wenn der vorherige Termin um 15 Uhr noch nicht beendet ist. Wenn der vorherige Besprechungsleiter sein Meeting nicht gut genug zeitlich geplant hat, wessen Problem ist es dann? Definitiv nicht Ihres. Stehen Sie auf und kommen Sie Ihrer Verpflichtung nach, pünktlich und entspannt bei Ihrem nächsten Termin zu sein. Was denken Sie, wie viel Zeit und Geld eingespart würde, wenn es keine überzogenen Meetings mehr gäbe.

Gleiches gilt für das Privatleben. Sie haben Ihren Bekannten klar gesagt, dass Sie nur bis 21 Uhr bleiben können, weil Sie dann den Babysitter ablösen müssen? Dann bleiben Sie nicht aus gespielter Höflichkeit bis 21.15 Uhr, nur um es diesen Menschen recht zu machen und anschließend mit Vollgas und entsprechendem Risiko nach Hause zu rasen.

Nun kann es jedoch passieren, dass es einfach sehr viele Projekte und Aufgaben in Ihrem Leben gibt, denen Sie sich gleichzeitig verpflichtet haben. Da kann es sehr leicht passieren, dass man den Überblick verliert und vor lauter Aufgaben nicht mehr weiß, was man zuerst machen und wie man sich die Zeit einteilen soll. Falls Sie sich in solch einem Hamsterrad wiederfinden und verzweifelt nach der Bremse oder der Gangschaltung suchen, um Herr der Lage zu werden, kann es hilfreich sein, die verschiedenen Aufgaben auf Ihrem Tisch zu nach ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit zu klassifizieren. Dabei gibt es 4 Kategorien:

1.    Dinge, die NICHT dringend und NICHT wichtig sind - STREICHEN
In diese Kategorie fallen Dinge, die ich gerne als „nice to have“ oder als „nettes Blümchen auf dem Tisch“ bezeichne. Es sind Aufgaben, die weder wichtig, noch dringend sind und deren Erledigungs-Priorität sehr niedrig, wenn nicht gar null ist. Zum Beispiel:
  • Dem Kollegen, der gefragt hat, ob ich einen guten Italiener kenne, noch zusätzlich eine Liste mit den besten Restaurants der Stadt erstellen.
  • Eine neue Pflanze für das Büro kaufen.
  • Die Gartenmöbel in einer neuen Farbe lackieren.
  • Die Gardinen waschen.
  • Den Keller oder Dachboden ausmisten.
  • Im Sommer bereits über Weihnachtsgeschenke nachdenken.
  • Bei Gelegenheit die Tarife für Strom und Telefon online vergleichen.

Diese Dinge können Sie getrost von Ihrer Liste streichen, denn ob sie getan oder nicht getan werden, ist ungefähr so bedeutend wie ein Sack Reis, der in China umfällt. Wenn Sie diese Dinge nicht tun, geht die Welt nicht unter und weder Sie noch jemand anderes leidet darunter.

2.    Dinge, die SEHR dringend, aber NICHT wichtig sind – DELEGIEREN
In dieser Kategorie wird es bereits brenzliger, denn hier sitzt Ihnen womöglich ein Termin im Nacken. Auch wenn die Aufgabe für Sie selbst nicht wirklich wichtig ist bzw. es Ihnen egal ist, auf welchem Weg sie erledigt wird, so muss sie doch erledigt werden. Zum Beispiel:

  • Ein Flugticket und ein Hotel für das Business-Meeting in Rom buchen.
  • Einem Kunden die allgemeinen Unterlagen über Ihre Firma und die Produktpalette schicken.
  • Termine mit 5 potentiellen Kunden vereinbaren.
  • Einen Seminarraum für den Abteilungsworkshop nächste Woche organisieren.
  • Neues Büromaterial bestellen.
  • Die Hemden vor Ladenschluss aus der Reinigung abholen.
  • Mit Oma klären, ob die Kinder am Mittwoch bei ihr übernachten können.

Dies sind Aufgaben, die Sie delegieren können. Diese Dinge müssen zwar erledigt werden, doch ist es nicht erforderlich, dass Sie es persönlich erledigen. Ob durch die Sekretärin, einen anderen Kollegen, den Partner, die Kinder, Hauptsache die Aufgabe wird erledigt. Zum Beispiel fand ich als Teenager, wenn ich früher aus der Schule kam, häufig einen Zettel meiner Mutter auf dem Küchentisch, der da sagte „Bitte schon mal Kartoffeln schälen / Salat vorbereiten / Gemüseauflauf schichten. Komme um 13 Uhr.“ Wenn die Zeit also knapp war, die Familien-Bäuche aber gefüllt werden wollten, war das eine sehr elegante Art meiner Mutter, durch Delegieren Zeit zu schaffen, damit das Mittagessen dennoch pronto auf dem Tisch stand und alle Familienmitglieder anschließend pünktlich zu ihren Nachmittags-aktivitäten aufbrechen konnten.  

3.    Dinge, die SEHR dringend und SEHR wichtig sind - PRIORISIEREN
  • Den Personalausweis und Reisepass vor dem Auslandsurlaub nächste Woche verlängern lassen.
  • Das vom Kunden geforderte Angebot bis heute Abend fertigstellen und rausschicken.
  • Den Kollegen aus der Produktentwicklung umgehend sagen, dass der Kunde eine Änderung an der Spezifikation vorgenommen hat.
  • Die Präsentation für die Vorstandssitzung, die in einer Stunde beginnt, vorbereiten.
  • Neue Texte für die Webseite erstellen und freischalten, bevor die Firmenveranstaltung übermorgen beginnt.
  • Um 18 Uhr den kleinen Sohn vom Pfadfinder-Treffpunkt abholen.
  • Einen Babysitter für heute Abend organisieren.

Diese Kategorie von Dingen verlangt kurzfristige bzw. sofortige Erledigung. Ein Aufschub ist nicht möglich. Vor allem aber verlangen diese Aufgaben Ihren direkten Einsatz. Diese Themen sind zu wichtig, als dass sie verschoben oder von jemand anderem erledigt werden könnten. Gibt es mehrere Dinge, die sowohl dringend als auch sehr wichtig sind, so gilt es, diese zu priorisieren, um klaren Kopf zu behalten. Was kommt zuerst? Was kann zeitlich vielleicht ein, zwei Stunden später erfolgen?

4.    Dinge, die NICHT dringend, aber SEHR wichtig sind – HYPER-NETZWERKEN
Die vierte Kategorie an Dingen ist sehr spannend. Hierbei handelt es sich nämlich um Dinge, die Ihnen persönlich sehr wichtig sind, die jedoch keine Dringlichkeit besitzen. Es sind vielmehr Dinge, die Sie vielleicht immer schon einmal machen wollten, wenn Sie denn endlich einmal Zeit hätten. Gleichzeitig sind es jedoch Dinge und Themen, die Sie nähren und inspirieren. Zum Beispiel:

  • Eine Reise zu indianischen Eingeborenen im Amazonas machen.
  • Ihren Partner mit einem außergewöhnlichen Abend überraschen, den Sie selbst kreieren.
  • Einen Vortrag zum Thema Gefühle vor 300 Menschen halten.
  • Einen Paragliding Flug vom Mont Blanc starten.
  • Ein Buch schreiben.
  • Argentinischen Tango lernen.
  • Sich mit Leuten weltweit vernetzen, die tragfähige Lebensweise erforschen.
  • Das Dachgeschoss in Ihrem Haus eigenhändig zu einer großen Dachterrasse umbauen.

Sie tragen ein Projekt oder einen Traum in sich, oder vielleicht auch mehrere, die sie angehen würden, wenn Sie endlich mal Zeit und die nötigen Ressourcen hätten. Etwas, das sie begeistert. Dinge, die Ihnen persönlich am Herzen liegen, die Sie in Freude versetzen, jedoch aufgrund des übervollen Terminplans immer wieder hinten runterfallen. Manchmal fehlt Ihnen zur Realisierung einfach auch nur der letzte Input, die letzte Idee, der letzte Anstoß. Solche Themen gehen Sie am besten über das sogenannte „Hyper-Netzwerken“ an. Das bedeutet konkret, dass Sie andere Menschen, unabhängig von ihrem Status, ihrer Position, Religion, Kultur, Alter, Geschlecht, etc. um Ressourcenaustausch bitten. Jeder Mensch ist eine Quelle von Fülle. Jeder Mensch hat Ideen, Ressourcen, Kontakte, Fähigkeiten. Einige haben vielleicht auch die nötigen finanziellen Mittel, oder Verbindungen und Erfahrungen, die Sie zur Realisierung Ihres persönlichen Projekts benötigen.

Lassen Sie mich ein simples Beispiel geben. In einem meiner Trainings habe ich dieses Hypernetzwerken mit den Teilnehmern durchgeführt. Eine Teilnehmerin erzählte mir von ihrem Projekt, dass sie für ihren Mann zum Geburtstag gerne eine Steinpyramide selbst bauen wolle, da er für Pyramiden einen Fabel habe. Sie habe jedoch festgestellt, dass sie dafür spezielles, teures Werkzeug zum Durchbohren von Steinen benötige, das sie nicht finanzieren könne. Ich konnte ihr umgehend helfen, denn ich hatte einen Bekannten, der selbst Steinmetz war und über genau das notwendige Werkzeug verfügte. Ich stellte den Kontakt zwischen beiden her und er bohrte in null-komma-nichts kostenlos die Löcher in die Steine. So konnte Sie Ihrem Mann eine großartige Geburtstagsüberraschung bereiten.

Experiment 1: Kategorisieren Sie Ihre Aufgabenliste
Schreiben Sie einmal alle aktuell anfallenden Aufgaben auf ein Blatt Papier. An was müssen Sie alles denken, was müssen Sie noch erledigen, was dürfen sie auf keinen Fall vergessen? Schreiben Sie wirklich alle Dinge auf, die auf Erledigung warten.

Nun schauen Sie sich die Liste an. Schreiben Sie dann links neben die Punkte, in welche der Kategorien 1 bis 4 die entsprechende Aufgabe fällt.

Wichtig ist dabei, dass Sie die Punkte verantwortlich einschätzen und nicht neurotisch werden. Oft meinen wir, alle Dinge seien wichtig und könnten nur von uns persönlich erledigt werden. Die Einzelkämpfer-Strategie bzw. die Herangehensweise des einsamen Wolfes ist weit verbreitet, denn das ist die Strategie, die wir im Patriarchat lernen. Nur wer alles weiß und selbst meistern kann ist heldenhaft. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Früher habe ich eher mit zwei langen Kochlöffeln in der Kaffeeküche der Firma das letzte Glas aus dem obersten Regal gehangelt, als dass ich den 1,92m großen Kollegen, der neben mir stand, gefragt hätte, ob er mir das Glas herunter reichen kann.

Wir sind brillant darin trainiert, alles selbst zu schaffen, um im Job und auch im Privatleben Anerkennung einzuheimsen. Es herrscht der unbewusste Irrglaube, man sei nur vollwertig, wenn man gestresst sei, denn das ist schließlich ein Beweis dafür, wie viele Dinge man zu tun hat und wie wichtig man daher ist. Wir sind eine Leistungs-Gesellschaft, eine Wettkampf-Gesellschaft in der das Wort Team immer mehr zur Farce geworden und Stress bzw. die Drehzahl unseres Hamsterrades als Messlatte für Leistung geworden ist. Traurig, aber wahr. 
Glücklicherweise wachen immer mehr Menschen auf und stellen fest „Das kann es doch nicht sein!“ Alte Pfade zu verlassen kann jedoch mitunter eine Herausforderung sein. Allein die Tatsache, andere - womöglich fremde - Menschen um Unterstützung zu bitten (wie beim Hyper-Netzwerken), kann zunächst beängstigend sein. Sie begeben sich in dem Moment in unbekanntes Gebiet, denn Sie geben etwas von sich preis und werden dadurch verwundbar. Doch eines ist dabei garantiert: Lebendigkeit, Bereicherung und Spaß auf höchstem Niveau.

Experiment 2: Planen Sie SEINS-Phasen ein
Sich mehr Raum und Zeit zu schaffen, indem Sie Dinge streichen, delegieren oder um Unterstützung bitten, ist die eine Sache. Lassen Sie uns nun noch einmal auf das Thema zurück kommen, dass Sie Ihre eigene Zeitmaschine sind. Wie oft räumen Sie sich bewusst ZEIT FÜR SICH ein? Wie oft haben Sie in Ihrem Terminkalender einen Zeitraum für sich selbst geblockt, in dem Sie bewusst eine Auszeit nehmen, bei sich ankommen und vielleicht sogar  NICHTS tun? Solche kurzen Auszeiten sind essenziell, wenn Sie an eine andere Weisheit als Ihren logischen Verstand anknüpfen wollen.

Schauen Sie sich einmal Ihren Terminkalender für diese Woche an. Tragen Sie nun – abgesehen vom Wochenende – unter der Woche jeden Tag einen 10-minütigen Termin ein, der Ihnen persönlich gewidmet ist. Sie können diesen Zeit-Slot als Ihren persönlichen Auszeit-Block deklarieren. In der Zeit gehen Sie nicht ans Telefon, lesen keine E-Mails, surfen nicht im Internet, reden nicht mit Kollegen. Nada. Finden Sie stattdessen einen ruhigen Ort, genießen Sie bewusst und in Ruhe einen schaumüberdeckten Cappuccino oder schauen Sie bewusst aus dem Fenster und nehmen Sie die Schönheit der Herbstfarben in sich auf. Machen Sie sich bewusst, dass Sie gerade in diesem Moment Zeit für sich geschaffen haben. Atmen Sie ein paar Mal tief und entspannt ein und aus, seien Sie präsent in diesem Augenblick, ohne an das zu denken, was Sie dann im Anschluss noch alles erledigen müssen. Bauen Sie Entschleunigungs-Phasen ein. Diese müssen nicht jedes Mal 1 Stunde dauern. Es geht darum, dass Sie durch kurze Zeit-Blocker, Bewusstheit darüber bekommen, dass Sie in jedem Moment ein Zeitmacher sind. Sogar jetzt, in diesem Augenblick, machen Sie Zeit dafür, diesen Artikel zu lesen, anstatt 12 andere noch anstehende Sachen zu erledigen. Eine großartige Möglichkeit der Entschleunigung ist übrigens auch, den Tag morgens damit zu beginnen, dass Sie 10 bis 30 Minuten still für sich dasitzen und nichts tun und sich auf den Tag einstimmen. 

Der Trick, das Hamsterrad zum Stehen zu bringen, liegt darin, einfach nicht mehr wie ferngesteuert zu rennen, weil Sie meinen anderen genügen oder gefallen zu müssen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen, die Hand an die Gangschaltung zu legen und den Fuß auf die Bremse zu setzen, um dadurch in die Geschwindigkeit zu kommen, die Ihrem persönlichen Rhythmus entspricht. Denn Zeit ist nicht Geld. Zeit ist Leben!

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com