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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der Phönix Effekt - Kreieren aus dem Nichtwissen heraus



Heute ist so ein Tag, an dem ich nicht weiß, über was ich eigentlich schreiben soll. Ich weiß es einfach nicht. Ich könnte über alles und nichts schreiben, doch es kommt kein klarer Impuls für ein Thema. Gleichzeitig habe ich mich verpflichtet, meinen Lesern monatlich neue Möglichkeiten in Form eines Artikels zur Verfügung zu stellen. Was nun? Vielleicht ist ja genau das DAS Thema, im Nichtwissen zu stehen.

Kennen Sie das, dass Sie manchmal einfach keine Ahnung haben? Wie geht es Ihnen damit? Können Sie gut im Nichtwissen stehen, oder suchen Sie eher sofort nach einer Lösung oder einem bekannten Konzept, das Sie hoffentlich anwenden können? In der modernen westlichen Gesellschaft wird uns eingetrichtert, dass wir immer alles wissen müssen. Wir müssen für jedes Problem eine Lösung finden, Antworten parat haben und mit Fachwissen im Job brillieren. Wir sind darin trainiert, ständig etwas zu tun und maßgeblich unseren Verstand zu gebrauchen und diesen unser Leben steuern zu lassen. Wir sind geübt darin, immer mehr Wissen anzuhäufen. Es beginnt bereits in der Schule, geht in der Ausbildung und im Studium weiter, hört auch im Job nicht auf und die Medien wie Fernsehen, Radio und Internet tun ihr übriges dazu. Wissen, wissen, wissen. „Wissen ist Macht“ heißt ein Sprichwort. Wen wundert es da, dass eine Fehlverkabelung in unserem Gehirn installiert ist, die heißt „Wenn ich etwas nicht weiß, ist das schlecht“ oder „Wenn ich etwas nicht weiß, bin ich nicht professionell“ oder – sinnbildlich gesprochen - „Wenn ich etwas nicht weiß, sterbe ich“.

Kürzlich war ich auf einer mehrtägigen Veranstaltung, bei der es um nachhaltige Wege für die planetare Zukunft ging. Für dieses Event gab es einen Ablaufplan, auf dem genau stand, an welchem Tag zu welcher Uhrzeit welche Aktivitäten oder Zusammenkünfte der Teilnehmer stattfanden. Am Anfang einen Plan zu haben, war im konkreten Fall zunächst einmal sinnvoll, um der Veranstaltung überhaupt eine Struktur zu geben. Doch wenn mehrere Pioniere, Revolutionäre und Visionäre zusammenkommen, kann ein starres Festhalten an einem Plan sehr schnell nach hinten los gehen. Nachdem eine schöne, riesige Plakatwand entstanden war, an der Post-It Zettel klebten, auf denen die Workshop Angebote für einen weiteren Tag standen, trug es sich zu, dass jemand über Nacht in geheimer Mission die Zettel abgemacht und dazu benutzt hatte quer über die Plakatwand den Satz zu kleben „We don’t know“.

Es war sehr spannend die Reaktionen der Teilnehmer und Organisatoren zu beobachten, als sie morgens den Raum betraten. Einige waren komplett entspannt und fühlten sich sichtlich wohl damit, während andere völlig irritiert – ja fast schon wütend - anfingen zu versuchen herauszufinden, wer es denn gewagt hatte den „Plan“ zu zerstören und ihre Zettel wegzunehmen. Es gibt sogar Menschen, die heute noch wissen wollen, wer es denn nun damals war. Dabei ist das völlig egal. Die Aktion hat dazu geführt, dass sich die Veranstaltung aus eben diesem Nichtwissen heraus auf einer völlig anderen Ebene weiter entwickeln konnte. Nur das zählt.

Wir sind es so sehr gewohnt, einen Plan, ein Konzept, eine Strategie zu haben und Dinge unter Kontrolle zu halten. Schließlich müssen wir doch WISSEN, wo es hin geht, was wir tun müssen, oder wie etwas aussehen wird. Fakt ist jedoch, wenn Sie das anwenden, was Sie immer schon wussten, können Sie auch immer nur die gleichen Resultate erzielen, die Sie immer schon erzielt haben. Möchten Sie also etwas Neues im Leben kreieren, könnte es notwendig sein, altes Wissen über Bord zu werfen und sich dem Chaos des Nichtwissens hinzugeben. Ein neuer Phoenix kann bekanntermaßen erst entstehen, wenn der alte Phoenix in Flammen aufgegangen ist. Ein neuer Phoenix kann nur aus der Asche entstehen, aus dem NICHTS.

Wir sehen uns öfter dem Nichtwissen gegenüber, als wir meinen. Da die wenigsten jedoch damit vertraut sind, im Nichtwissen zu stehen, überkleben wir selbiges gerne mit Glaubenssätzen. Anstatt mutig einen Schritt in das Nichtwissen zu machen und authentisch zu sagen „Ich weiß es nicht“ lautet die Antwort oftmals „Ich glaube, dass…“ oder „Ich habe gehört, dass…“ Glaubenssätze sind Pflaster über den Löchern in unserer Weltsicht, wo wir nicht wissen. Pläne und Glaubenssätze bilden somit eine gewisse Sicherheit.

Doch vielleicht kennen Sie das Zitat „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ von John Lennon. Leben ist das, was passiert, während Du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen. Das Leben rennt sozusagen an Ihnen vorbei und Sie verpassen es, wenn Sie versuchen verschiedene Lebensbereiche durchzuplanen, sei es Ihr Job, Ihre Beziehung, Ihre Vision. Der Versuch Dinge zu planen, schränkt Ihre Kreativität, Inspiration und Ihr Leben insgesamt ein. Und vor allem hindert das Planen Sie daran, überhaupt loszugehen und Dinge auszuprobieren. Wenn Ihr Leben nach einem Plan verlaufen und „sicher“ sein muss, dann kann das Leben vorrangig nur linear sein: Sie werden geboren, gehen zur Schule, machen vielleicht eine Ausbildung, haben einen allgemein gültigen Job, der auch auf dem Formular des Finanzamtes Gültigkeit hat, verdienen im Job Geld, heiraten, bekommen Kinder, gehen irgendwann in Rente und sterben dann letztendlich. Das ist der lineare Lebensplan.

Eigentlich sind wir Menschen jedoch dazu entworfen, zu fliegen, im Nichtwissen zu stehen, kreativ zu sein und voller Inspiration neue Wege zu gehen. Sie könnten z. B. einen neuen Job erfinden, der nicht auf dem Formular des Finanzamtes steht, der Sie aber erfüllt. Die Fehlverkabelung in unserem Gehirn, dass Nicht-Wissen gleich „Gefahr“ oder „Tod“ bedeutet, geht einher mit einer zweiten Fehlverkabelung in Bezug auf Angst. Prüfen Sie einmal kurz, welche Verkabelung Sie bezüglich des Wortes Angst in Ihrem Kopf haben und ergänzen Sie „Angst ist….“. Vielleicht ist es eine Definition wie „Angst ist schlecht“ oder „Angst ist zu vermeiden“ oder „Angst ist blockierend bzw. lähmend“. Egal, welche Definition Sie mit Angst verknüpft  haben, Fakt ist, dass Sie mit einer solchen Definition dem Nicht-Wissen nur ungern begegnen werden, denn Nichtwissen impliziert Angst. Angst, weil Sie Wege gehen, die Sie vorher noch nicht gegangen sind. Die Definition „Angst ist lähmend bzw. schlecht“ wird Sie somit davon abhalten sich überhaupt in eine Situation zu begeben, in der Sie keine Ahnung haben, wie es geht. Sollten Sie dennoch in eine Solche Situation geraten, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie sich an altbekannten Konzepten und Strategien festklammern werden und versuchen, diese so zu verbiegen und anzuwenden, um sich irgendwie „sicher“ zu fühlen. Dieser Effekt wird erst recht eintreten, wenn es möglicherweise sogar chaotisch wird. Sie werden versuchen, irgendwie Herr der Lage zu werden.

Stellen Sie sich vor, 3 Personen fallen in ein Loch ohne Boden (also ins Nicht-Wissen). Mit der Verkabelung „Angst ist schlecht“ könnte das dazu gehörige Bild ungefähr so aussehen:



Mit der oben genannten Fehlverkabelung sind Sie in einer Situation, in der Sie nicht wissen, wie es geht, hilflos, blockiert, gelähmt und verkrampft.

Entgegen der gängigen Meinung, dass Angst nach Möglichkeit zu vermeiden ist, ist Angst jedoch – wie andere Gefühle auch – ein wertvolles Gefühl, dass uns durch das Leben navigiert. Sie brauchen die Angst. Angst ist weder schlecht, noch ein Design-Fehler im menschlichen Körper. Entscheidend ist somit, die Angst tatsächlich dienlich zu verkabeln. Wie würde die kraftvolle Verkabelung lauten? Angst ist….? Richtig: ANGST IST ANGST! Nur das. ANGST IST ANGST. Ohne weitere Bedeutung. Angst ist einfach ein wichtiges Gefühl, das Ihnen z. B. zeigt, dass Sie Neuland betreten, oder nicht wissen wie es geht. Wenn es okay für Sie ist, Angst zu haben, dann können Sie auch im Nichtwissen stehen und sich dabei entspannen. Unsere 3 Personen, die in ein bodenloses Loch des Nichtwissens fallen und für die Angst okay ist, würden dann so aussehen:


Wie gesagt, Angst ist ein wunderbarer Gefühls-Indikator, der Ihnen unter anderem sagt, dass Sie neues Gebiet betreten. Hier ein Beispiel: Neulich sollte eine Mitarbeiterin einer Geschäftsführerin Feedback geben, was nicht funktioniert. Die Mitarbeiterin wusste nicht, wie das gehen sollte, schließlich war sie doch in der Hierarchie weiter unten und sie hatte große Angst davor, dieses Experiment zu wagen. Es lag weit über ihrer Angst-Schwelle und weit außerhalb ihrer Komfortzone. Sie entschied sich letztendlich, der Angst zu vertrauen und den Schritt ins Nichtwissen zu wagen. Sie fing also einfach an zu sprechen und gab klares, kritisches Feedback, ohne zu wissen, wie es ging, wie es ankommen oder was als nächstes passieren würde. Das Resultat war, dass die Geschäftsführerin sehr dankbar über das Feedback war und die Mitarbeiterin hinterher treffend feststellte „Toll, mein Kopf ist ja noch dran. Ich lebe noch. Und es tat gar nicht weh.“

Vielleicht haben Sie auch eine Vision, wie z. B. die Struktur Ihres Unternehmens in Zukunft aussehen könnte, haben aber keine Ahnung, wie Sie dahin kommen können. Prima, beste Voraussetzungen!!! Erzählen sie genau das zwei, drei Leuten, holen Sie diese ins Boot, lassen Sie sich überraschen, welche Möglichkeiten sich plötzlich ergeben und wie das Projekt ins Rollen kommt.

Oder nehmen wir das Beispiel von authentischem Kontakt in Beziehung. Wenn Angst für Sie nicht okay ist und Sie deswegen Nichtwissen vermeiden wollen, dann bleibt Ihre Beziehung auf der gleichen Ebene. Dann bewegen Sie sich nicht aus Ihrer bekannten Komfortzone heraus und wagen nichts Neues, weil Sie ja nicht wissen, was passieren wird. Wenn Sie sich mit Angst und Nichtwissen hingegen angefreundet haben, dann sind Sie in der Lage, z. B. eine neue Ebene von Kontakt und Intimität auszuprobieren und zuzulassen. Dann ist Angst nur Angst (und es ist übrigens angemessen, Angst zu haben, wenn Sie etwas Unbekanntes ausprobieren). Mit Angst können Sie eine höhere Intensität von Intimität halten und Ihrem Partner z. B. das Experiment vorschlagen, 20 Minuten still in Beziehung gegenüber zu sitzen, sich in die Augen zu schauen und die Intensität auszuhalten wahrhaftig gesehen zu werden. Es geht dabei nicht darum zu starren getreu dem Motto „wer zuerst blinzelt hat verloren“. Es geht darum wahrhaftig gesehen zu werden und den anderen wahrhaftig zu sehen. Wenn Sie bei diesem Experiment Angst spüren, erinnern Sie sich, dass es nur Angst ist und atmen Sie weiter, während Sie Ihre Maske fallen lassen.

Sie können der Angst vertrauen. Der menschliche Körper ist dazu entworfen, 100% maximale Angst zu spüren und zu nutzen. Das hört sich enorm an, doch wenn Sie diese Angst in einem sicheren Umfeld in dieser Größe einmal erlebt haben, können Sie sofort folgende Frage beantworten: „Wer ist größer, Sie oder die Angst?“ Die Antwort lautet SIE sind größer. Sie besitzen die Angst, nicht umgekehrt.

Experiment: Entspannt im Nicht-Wissen stehen
SCHRITT 1:
Lehnen Sie sich einmal kurz zurück und seien Sie schonungslos ehrlich: In welchen Situationen oder Lebensbereichen haben Sie bisher vorgegeben zu wissen, wie etwas geht, obwohl Sie eigentlich keine Ahnung hatten?

Und: Wie oft haben Sie etwas nicht gewagt oder gesagt, weil Sie nicht wussten, wie Sie es machen sollen? Wie oft wollten Sie etwas ausprobieren, vielleicht einen verrückten Vorschlag im Job machen oder Ihre Beziehung auf eine andere Ebene bringen, haben es aber letztendlich nicht getan, weil Sie nicht wussten, wie es geht? Oder vielleicht weil es für andere nicht logisch nachvollziehbar gewesen wäre?

SCHRITT 2:
Wenn Sie das nächste Mal in einer Situation sind, wo Sie etwas nicht wissen, seien Sie authentisch und sagen Sie ganz bewusst „Ich weiß es nicht.“ Entspannen Sie sich in das Nichtwissen und lehnen Sie sich zurück. Anstatt in blanken Aktionismus zu verfallen, oder automatisch zu reagieren, tun Sie zur Abwechslung erst einmal gar nichts. Halten Sie inne. Atmen Sie weiter und bleiben Sie so lange ruhig, bis der nächste Impuls kommt. Und der wird kommen. Sei es, dass Sie plötzlich eine zündende Idee haben, oder von außen ein Impuls kommt, der den nächsten Schritt einleitet. Im ersten Moment fühlt es sich möglicherweise unbehaglich an, es nicht zu wissen und nichts zu tun. So fühlt es sich einfach an. Ihr Verstand wird möglicherweise sagen „Aber Du musst doch etwas tun. Du musst doch wissen, was zu tun ist.“ Schießen Sie diese Stimme ab und bleiben Sie im Nichtwissen.

Sie werden erkennen, dass sich neuer Boden unter Ihren Füßen auftut, wenn Sie Ihrer Angst vertrauen und den Schritt über den vermeintlichen „Abgrund“ hinaus ins Nichtwissen tun. Dann können Sie selbst im Chaos entspannt navigieren. Es geht immer nur um den nächsten Schritt. Und Vertrauen ist kein Gefühl, Vertrauen ist eine Entscheidung.

In diesem Sinne, herzliche Grüße aus dem Nichtwissen.
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com 

Montag, 16. September 2013

Die Krux von Akzeptanz und Ertragen.



Kennen Sie Menschen, die gelegentlich JA sagen, aber innerlich eigentlich NEIN meinen? Waren Sie womöglich selbst schon einmal in der Situation, dass Sie JA gesagt haben, obwohl Sie mit etwas nicht wirklich einverstanden waren?

Hier ein simples Beispiel: Stellen Sie sich vor eine Gruppe von 6 Freunden hat sich zum Abendessen in der Stadt verabredet, ohne vorher die Lokalität festzulegen. Am vereinbarten Treffpunkt beginnt eine wilde Ideen-Sammlung und schnell steht fest, dass drei Leute gerne zum Italiener möchten, während die andere Hälfte lieber zum Asiaten möchte. Oh-Ha! Was nun? 2 Positionen mit jeweils wirklich guten Argumenten. Letztendlich stellt sich heraus, dass einer der 3 Asiaten-Befürworter eigentlich indifferent ist und durchaus auch zum Italiener gehen würde. Somit wird kurzerhand das Mehrheitsprinzip angewandt, die 2 verbleibenden Asiaten-Fans überstimmt und die Meute bricht Richtung Italiener auf.

Nun könnte man meinen, dass die Mehrheit ja für den Italiener gestimmt hat und damit alles gut ist. Doch ist es das tatsächlich? Der Mehrheitsentscheid ist Gang und Gäbe in unserer Gesellschaft. Wer ist dafür, wer ist dagegen. Zack, die Mehrheit gewinnt. Ich gewinne – Du verlierst, lautet das beliebteste Spiel.

Im Beispiel „gewinnt“ die Gruppe, die für den Italiener ist. Nun wird es spannend: Was ist mit den 2 Personen, die lieber zum Asiaten wollten und nun als Schlusslichter der Gruppe hinterher trotten? Ertragen sie die Entscheidung oder akzeptieren sie diese? Wie sieht es aus mit diversen Gegebenheiten oder Situationen in der Partnerschaft, dem Job, in der Freizeit mit Freunden, mit dem Nachbarn? Es ist eine Frage, die alle Lebensbereiche betrifft.  Ertragen Sie Entscheidungen, Gegebenheiten, Situationen? Oder akzeptieren Sie sie voll und ganz.

Lassen Sie uns einmal schauen, was der Unterschied ist.

Wenn Sie etwas akzeptieren, dann:
·         sind Sie in Ihrer Kraft.
·         sind Sie im Hier und Jetzt präsent mit dem was ist.
·         sind Sie ein JA.
·         können Sie kreativ sein und in Aktion treten .
·         können Sie verantwortlich agieren.
·         können Sie neutral sein.
·         können Sie spielerisch sein.
·         sind Sie flexibel.
·         sind Sie zentriert.
·         können Sie den nächsten Schritt gehen.
·         Können Sie die nächste Entscheidung treffen.

Wenn Sie hingegen etwas ertragen, dann
·         sind Sie in der Opferrolle; Sie sind das Opfer der Umstände.
·         sind Sie innerlich ein Nein.
·         bauen Sie unbewusst Groll auf.
·         zerstören Sie Nähe und Vertrautheit.
·         sind Sie nicht authentisch.
·         verhalten Sie sich angepasst.
·         vergeuden Sie Ihre Energie und Kraft.
·         sind Sie in Abwehr-Position.
·         machen Sie andere für die Umstände verantwortlich.
·         können Sie keine klaren Entscheidungen treffen.
·         stecken Sie im Sumpf fest.
·         sind sie unflexibel und starr.

Das Wort birgt es schon in sich: ER-TRAGEN. Sie tragen etwas, das Sie nicht wollen. Es ist wie eine Last. Wie viele Menschen kennen Sie in Ihrem Umfeld, die im Job, in der Familie, ja sogar in ihrer Freizeit verschiedenste Dinge ertragen? Wenn Sie etwas ertragen, dann sind Sie innerlich gegen das, was gerade passiert. Und genau das ist der kraftzehrende Akt: Sie kämpfen innerlich gegen etwas, das für Sie nicht in Ordnung ist und grummeln – mal mehr, mal weniger – vor sich hin.

AKZEP-TANZ hingegen hat in der Tat etwas mit Tanz zu tun. Wenn Sie eine Gegebenheit voll und ganz akzeptieren, d. h. innerlich bejahen und sagen können „Ja, okay es ist wie es ist, das ist jetzt die Situation“, dann wird Ihr Agieren zu einem spielerischen Tanz mit dem, was ist. Sie bleiben flexibel, spontan, kreativ. Doch wie kommen Sie zu Akzeptanz?

Lassen Sie uns an dieser Stelle mit den beiden folgenden Experimenten weitermachen.

Experiment 1: Was ertragen Sie?
Schreiben Sie einmal auf, welche Dinge oder Situationen Sie in Ihrem Leben ertragen. Das können kleine oder große Dinge sein. Angefangen beim Nachbarn, der zu laut Musik hört, Sie jedoch aus Höflichkeit und Toleranz lieber nichts sagen, bis hin zum Job, der Sie eigentlich alles andere als erfüllt, der aber sehr lukrativ ist und die Miete, das Auto und den nächsten Urlaub sichert. Es geht wie gesagt um Gegebenheiten oder Situationen, bezüglich derer Sie lieber nichts sagen, jedoch auch nicht einverstanden sind. Was ertragen oder dulden Sie?

Experiment 2: Welchen Nutzen haben Sie davon?
Uuuh, jetzt wird es herausfordernder. Denn jetzt geht es darum, dass Sie schonungslos ehrlich aufschreiben, welchen Nutzen Sie davon haben, etwas zu ertragen, zu erdulden. Ihr Gremlin (Sie wissen ja, dieses kleine Monster in jedem, der innere Schweinehund) könnte zum Beispiel den großen Nutzen haben, Nähe und Vertrautheit zu zerstören, authentischen Kontakt zu vermeiden, Rache zu üben, das arme Opfer zu spielen, das ja doch nicht bekommt, was es will. Oder er könnte den großartigen Grund erfinden, dass im Leben eben nicht alles so einfach ist und rund läuft, insbesondere nicht für Sie und dass Sie eben einfach gewisse Dinge ertragen müssen. Tolle Opfergeschichte! ER-TRAGEN… Manche Menschen ziehen den herrlichen, versteckten Nutzen daraus, dass andere Personen in ihrem Umfeld sehen, wie vermeintlich stark sie sind und sie dadurch Anerkennung bekommen, getreu dem Motto „Schaut her, was ich alles zu ertragen habe bzw. ertragen kann!“

Seien sie wirklich ehrlich. Ihr Gremlin wird diese Übung hassen. Das ist okay. Geben Sie ihm ein Stück Schokolade oder einen Kaffee, damit er für diese Übung etwas zu fressen hat und Sie nicht von dem Experiment abhält. Oder geben Sie ihm die interessante Aufgabe, Ihnen mindestens 5 seiner Schattenabsichten zu nennen, wenn Sie etwas in Ihrem Leben erragen.


Die entscheidende Frage ist oftmals, wie Sie dahin kommen, dass Sie Veränderungen oder Gegebenheiten akzeptieren können.

Insbesondere bei spontanen Veränderungen ist es entscheidend, die verschiedenen Phasen des Veränderungsprozesses* zu durchlaufen. Es handelt sich um insgesamt 5 Phasen, die mit jeweils einem Gefühl verbunden sind. Lassen Sie uns einmal zu dem Restaurant-Beispiel „Italiener vs. Asiate“ zurückkehren und die 5 Phasen betrachten:

1.    Phase 1: Verleugnung – Angst
Verleugnung ist meist die erste Phase bei Veränderung. Die 2 Personen, die zum Asiaten wollen, könnten das z. B. wie folgt ausdrücken: „Was? Oh nein! Ihr wollt doch nicht im Ernst zum Italiener, oder?“ Das dahinter steckende Gefühl ist Angst. Angst, dass das, was sie sich vorgestellt haben, zusammenbricht und nicht mehr relevant ist, übergangen wird oder sie ihre Position verlieren könnten.

2.    Phase 2: Empörung – Wut
Nachdem der erste Schock verdaut wurde, kommt der Zustand der Empörung. Ein innerer Mechanismus springt an, der Sie die eigene Position verteidigen lässt. Es kommt u. U. zur Diskussion und die eigene Position wird mit Argumenten untermauert. Die Asiaten-Fans könnten z. B. sagen: „Oh man, immer muss es der Italiener sein. Das nervt. Beim Italiener waren wir doch neulich erst.“

3.    Phase 3: Verhandlung – vermischte Gefühle
Das ist die Phase in der Sie, wenn Sie Ihre Position gefährdet sehen, einen Kompromiss vorschlagen. Genauer gesagt ist es der Gremlin, der mit cleveren Mitteln versucht „faule“ Kompromisse ins Spiel zu bringen, sodass die andere Person auch nicht gewinnt. Im Restaurant-Beispiel könnten die Befürworter des asiatischen Restaurants z. B. sagen: „Hey, wieso gehen wir nicht einfach mal ganz woanders hin, zum Beispiel zum Afghanen? Da waren wir noch nie!“ In dieser Phase sind oftmals verschiedene Gefühle vermischt.

4.    Phase 4: Gram – Traurigkeit
In der vierten Phase erkennen Sie, dass Sie Ihre Position aufgeben müssen. Das damit einhergehende Gefühl ist Traurigkeit. Im Falle des Restaurants ist das die Erkenntnis, dass die Mehrheit zum Italiener möchte. Es ist die traurige Erkenntnis, dass Sie das, worauf Sie sich vielleicht so sehr gefreut haben, nicht bekommen.

5.    Phase 5: Akzeptanz – Freude
Schließlich gelangen Sie zur Phase der Akzeptanz. Das damit zusammenhängende Gefühl ist Freude. Doch genau diese Phase birgt die größte Herausforderung. Die Falle die in dieser Phase lauert, ist die sogenannte vermeintliche Akzeptanz. Das bedeutet, dass Sie zwar „Jaja“ sagen, doch innerlich nicht wirklich zustimmen. Es ist eine Pseudo-Akzeptanz. Und Sie sind garantiert in der Pseudo-Akzeptanz, wenn Sie innerlich weiter wütend sind, oder diese netten Stimmen in Ihrem Kopf Sätze plappern wie „Oh man, das nächste Mal gehe ich alleine essen. Immer das gleiche.“


Um zur wahren Akzeptanz zu gelangen, ist es entscheidend, dass Sie sich klar machen, was Sie tatsächlich wollen und was Ihre wahre, helle Absicht ist, nicht Ihre sogenannte Gremlin Schattenabsicht. Sie werden vielleicht lachen, doch die wenigsten Menschen sind in der Lage zu sagen, was sie wollen.

Experiment 3: Was wollen Sie wirklich?
Schauen Sie sich noch einmal die Liste aus Experiment 1 an. Das sind die Dinge, die Sie in Ihrem Leben aktuell ertragen. Nun schreiben Sie auf, was Sie stattdessen tatsächlich wollen. Legen Sie los und lesen Sie erst weiter, wenn Sie Ihre Liste erstellt haben.



Haben Sie alles aufgeschrieben? Nun zählen Sie einmal folgendes:

·         Wie viele Punkte haben Sie, die eine Negierung enthalten? (Also z. B. „Ich will keinen Streit mehr mit meinem Mann um das Aufräumen der Garage“ oder „Ich will nicht ständig mit meinem Chef diskutieren müssen“).

·         Wie viele Punkte haben Sie, die andere Menschen einbeziehen? (Z. B. „Ich will, dass mein Nachbar leiser Musik hört“ oder „Ich will, dass mein Partner mehr klare Grenzen gegenüber den Kindern setzt.“)

Gut, hier die Auflösung: Alle Punkte, die in die beiden soeben genannten Kategorien fallen, sagen NICHTS darüber aus, was SIE wollen. Stattdessen sagen diese Punkte aus, was Sie nicht wollen, bzw. was Sie wollen, dass andere Leute tun. Es ist erstaunlich, dass viele Menschen ad hoc Schwierigkeiten haben, das auszudrücken, was sie selbst wollen.

Formulieren Sie diese Punkte nun so um, dass sie genau aussagen, was Sie wollen. Z. B. „Ich möchte mehr Harmonie in meiner Partnerschaft“, oder „Ich möchte mehr Teamwork in der Firma“, oder „Ich möchte eine nette Nachbarschafts-Beziehung“ oder „Ich möchte mehr Klarheit und Grenzen in der Familie“.

Klarheit darüber zu haben, was Sie wollen, ist der erste Schritt, um aus dem „Ich-Ertrage-Es-Opfer-Modus“ heraus zukommen. Wenn sie wissen, wo Sie hin möchten, können Sie im zweiten Schritt klar sehen, wo Sie in Aktion treten müssen.  Sie kommen vom „Wollen“ ins „Tun“. Vielleicht ist es an der Zeit Grenzen zu setzen, oder Entscheidungen zu treffen. Seien Sie authentisch. Bleiben Sie nicht in der vermeintlichen Akzeptanz, im Ertragen hängen, nur um zu vermeiden, Grenzen zu setzen oder klare Entscheidungen zu treffen. Wie viel Zeit wollen Sie noch vergeuden mit dem Ertragen von Situationen? Wie viel unbewussten Groll wollen Sie noch aufbauen? Etwas zu ertragen schürt unbewusst das Aufbauen von Groll. Nutzen Sie stattdessen Ihre Wut bewusst, um in Aktion zu treten oder Grenzen zu setzen. Wenn Sie mehr Harmonie in der Partnerschaft wollen, denn spiegelt Ihnen das Universum genau das wieder, nämlich die Erfahrung von „es wollen, aber nicht haben“. Können Sie akzeptieren, dass Sie im Augenblick keine Harmonie in der Partnerschaft haben? Und wenn ja, was tun Sie im nächsten Schritt, um verantwortlich die helle Absicht von Harmonie in Ihre Partnerschaft zu bringen?

Der Gremlin ist clever. Er liebt es etwas zu er-tragen, um jammern zu können, um ja keine Verantwortung übernehmen zu müssen, oder um Beziehung durch Groll zu zerstören. Welche Schattenabsichten sind beim Er-TRAGEN am Werk und um welche hellen Absichten geht es Ihnen tatsächlich? Im einfachen Beispiel des Restaurants könnten Sie zum Beispiel die Frage stellen: „Worum geht es wirklich?“ Geht es darum Recht zu haben und Ihren Willen durchzusetzen und es zu ertragen, wenn es dann doch zum Italiener anstatt zu Ihrem Asiaten geht (unverantwortliche Schattenabsicht)? Oder geht es Ihnen tatsächlich darum, gemeinsam mit Freunden essen zu gehen (verantwortliche Helle Absicht)? Was wollen Sie wirklich? Und wenn letzteres Ihre helle Absicht wäre, wie leicht wäre es dann, die Wahl für das Italienische Restaurant voll und ganz zu akzeptieren, um verantwortlich Gemeinschaft mit Freunden zu kreieren?

Hat (akzep-)TANZEN oder (er-)TRAGEN in Ihrem Leben die Oberhand? Tanzen oder Tragen, Authentizität oder Farce, Kreieren oder Feststecken, es liegt in Ihrer Hand.

In diesem Sinne herzlich tanzende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Die 5 Phasen zur Anpassung an Veränderung stammen ursprünglich von Elisabeth Kübler-Ross und wurden im Rahmen des Possibility Managements abgewandelt und auf andere Themenbereiche übertragen.