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Donnerstag, 13. September 2012

Management-Strategie: Die Befreiung der Arbeit



Kürzlich führte ich ein sehr bereicherndes Gespräch mit einem HR Direktor eines großen Konzerns. Während dieses Gespräches war schnell klar, dass die aktuelle Strategie, eine immer höhere Wertschöpfung zu erreichen, auf Dauer ein selbstmörderisches Paradigma ist. Selbstmörderisch sowohl für die Mitarbeiter, als auch das Unternehmen als Ganzes. Eigentlich muss komplett ein Wandel weg vom Wertschöpfungsdenken hin zum Wertschätzungsdenken stattfinden. Doch wie soll es möglich sein, aus der Wertschöpfungs-Mühle herauszukommen, die seit der industriellen Revolution unser Denken bestimmt?

Zum einen kann so eine grundlegende Änderung sicher nicht von heute auf morgen erfolgen. Etablierte Unternehmen, die seit Jahren erfolgreich sind und eine an Wertschöpfung und Gewinnen gemessene Strategie fahren, verhalten sich wie ein riesiger Dampfer auf hoher See. Wenn Sie solch einen Dampfer ein rechtwinkliges Manöver fahren lassen wollen, dann fährt er aufgrund seiner Masse zunächst einmal weiter geradeaus, bis er schließlich langsamer wird und der neu eingegebene Kurs greift.

Zum anderen steht eines ganz sicher fest: die Unternehmensstrategie grundlegend zu ändern, erfordert sehr viel Mut. Eine Neuausrichtung würde bedeuten, den gängigen Gesetzen des Wettbewerbs nicht mehr zu folgen, sondern neue Unternehmenswerte zu etablieren. Ist so etwas überhaupt möglich? Ja, so etwas ist möglich. Die Firma Semco aus Brasilien macht es vor. Im Folgenden möchte ich gerne einen interessanten Artikel mit Ihnen teilen, der über die Firma Semco erschienen ist.

Die Befreiung der Arbeit: Das 7-Tage- Wochenende
Weltweit starren Manager fassungslos auf die Firma Semco: Was dort passiert, widerspricht allem, an was sie glauben. Die 3000 Mitarbeiter wählen ihre Vorgesetzten, bestimmen ihre eigenen Arbeitszeiten und Gehälter. Es gibt keine Geschäftspläne, keine Personalabteilung, fast keine Hierarchie. Alle Gewinne werden per Abstimmung aufgeteilt, die Gehälter und sämtliche Geschäftsbücher sind für alle einsehbar, die Emails dafür strikt privat und wie viel Geld die Mitarbeiter für Geschäftsreisen oder ihre Computer ausgeben, ist ihnen selbst überlassen.
Respekt als Erfolgsrezept
Was für heutige Personalchefs klingen mag, wie ein anarchischer Alptraum, ist in Wirklichkeit eine Erfolgsgeschichte. Seit das Unternehmen von Inhaber Ricardo Semler umgestellt wurde, stiegen die Gewinne von 35 Millionen auf 220 Millionen Dollar. Und nicht nur die Zahlen geben Semler recht, sondern vor allem die Mitarbeiter: Die Fluktuationsrate bei Semco liegt unter einem Prozent. Das Rezept ist einfach: Behandele deine Mitarbeiter wie Erwachsene, dann verhalten sie sich auch so. Je mehr Freiheiten du ihnen gibst, desto produktiver, zufriedener und innovativer werden sie. Ein Unternehmen besteht aus erwachsenen gleichberechtigten Menschen, nicht aus Arbeitskräften. Jeder hat das Recht, sich frei zu entfalten und eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Entgegen allem, was man aktuell zu glauben scheint, machen Druck und Stress Menschen nicht produktiv, sondern ganz einfach nur kaputt. Und dabei verliert das Unternehmen letztlich genauso wie der Mensch. Es geht Semler um ein neues Verständnis von Arbeit: Eine Firma ist ein Gemeinschaftsprojekt, im besten Fall eine geteilte Leidenschaft. Die Gesellschaft hat uns das allerdings anders beigebracht, wir sollen uns als Steinmetze, Maler und Hilfsarbeiter sehen, nicht als Kathedralen-Schöpfer. Bei Semco sind die Mitarbeiter essenzieller Teil eines Ganzen, sie sind Mit-Schöpfer, nicht bloß ein Rädchen im System. Sie haben Ideen, sie verstehen
ihre Arbeit, sie wissen, was sie wert ist.
Vertrauen statt Kontrolle
Aber unsere Personalchefs glauben noch immer, dass man Angestellte kontrollieren muss, über Stechuhren, feste Arbeitszeiten, Produktivitäts-Reports und Email-Spionage. Semco hat das alles aufgegeben und die Kontrolle durch Vertrauen ersetzt – und mal im Ernst: Wer will eigentlich mit Leuten zusammenarbeiten, denen man nicht trauen kann? Für Semler ist der Kontrollwahn der meisten Unternehmen einfach nur noch verrückt. Seine Mitarbeiter erziehen ihre Kinder und wählen Gouverneure, es sind erwachsene Menschen, die selbst am besten wissen, was sie möchten und brauchen. “Es ist völlig verrückt, diese Idee, dass die Menschen immer noch so fixiert darauf sind, wie etwas gemacht wird. Bei uns sagt keiner: ‘Du bist fünf Minuten zu spät’ oder ‘warum geht dieser Fabrikarbeiter schon wieder aufs Klo?’ [...] Wenn Du dich bei Semco im Büro umsiehst, sind da immer jede Menge leere Plätze. Die Frage ist: Wo sind diese Leute? Ich hab nicht die leiseste Idee und es interessiert mich auch nicht. Es interessiert mich in dem Sinne nicht, dass ich nicht sicherstellen möchte, dass meine Mitarbeiter zur Arbeit kommen und der Firma eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag geben. Wer braucht eine bestimmte Anzahl Stunden pro Tag? Wir brauchen Leute, die ein bestimmtes Ergebnis abliefern. Mit vier Stunden, acht Stunden oder zwölf Stunden im Büro – sonntags kommen und Montags zu Hause bleiben. Es ist irrelevant für mich”, erklärt Semler seltsam einleuchtend.
Keine Hierachie, dafür Teams
Semco ist etwas, dass es laut dem Menschenbild heutiger Manager eigentlich gar nicht geben dürfte. Und wenn doch, dann dürfte es nicht funktionieren. Tut es aber. Drei Fragen hört Semler immer wieder: Macht ihr das wirklich so? Funktioniert es ganz im Ernst? Und: Was jetzt? Die ersten zwei sind einfach zu beantworten: “Wir machen das jetzt seit 25 Jahren, so ziemlicher jeder, den es wirklich interessiert, ist hergekommen, um zu sehen, ob es wahr ist. Und unsere Zahlen sind über jeden Zweifel erhaben”, sagt Semler selbstbewusst.    Für ihn war das Aufbrechen der Unternehmensstruktur von Anfang an keine Traumtänzerei, sondern vielmehr die einzig mögliche Antwort auf unsere unmenschliche Arbeitswelt. Er hat es auf die harte Tour gelernt, wachte selbst erst auf, als er kollabierte und mit Komplett-Burnout in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das war der Punkt, an dem er beschloss, seine geistige und körperliche Gesundheit nie mehr dem Job unterzuordnen – und das auch von seinen Angestellten nicht zu verlangen. Dass der Wahnsinn ein Ende haben muss. “Wenn man es sich genauer ansieht, muss man feststellen, dass das traditionelle System nicht funktioniert. Und das ist der Anreiz, sich nach etwas anderem umzusehen” – so einfach sieht Semler das. Doch es fehlt vielen Unternehmern noch immer schwer, die Kontrolle loszulassen. Denn heutige Firmen sind nicht aufgebaut wie Orte des Schöpfens, sondern wie das Militär: mit einer hierarchischen Machtstruktur, mit Befehlsgebern und -empfängern. Semco hingegen ist in konzentrischen und durchlässigen Kreisen aufgebaut, es gibt keine Arbeitstitel, keine festen Büros. Niemand muss zur Arbeit kommen, ob von zu Hause, aus dem Dschungel oder einem Cafe an der Strandpromenade gearbeitet wird, ist den einzelnen Mitarbeitern und Teams selbst überlassen. Diese Teams sind das Herzstück von Semco. Die Menschen arbeiten in Gruppen, die jeweils ein Produkt oder ein Zwischenprodukt selbstständig fertigstellen. Wie sie das machen, in welcher Zeit und mit welchem Geld, das ist ihre Sache. Wer zwischendurch schlafen will, geht einfach in den Firmengarten und legt sich für ein paar Stunden in die Hängematte – wer müde ist, macht ja eh nur Fehler.
Die Firma ohne Personalabteilung
Semco hat 3000 Mitarbeiter, aber keine Personalabteilung, da steht dem traditionellen Unternehmer der Angstschweiß auf der Stirn. Wer stellt diese Leute ein? Wer überprüft die Leistung? Das machen die Angestellten alles selbst. Stellt ein Team fest, dass eine neue Person gebraucht wird, schreibt sie im Intranet der Firma ein entsprechendes Meeting aus. Das ist natürlich freiwillig: Alle können kommen, keiner muss. “Wir wollen nicht, dass irgendwer in etwas verwickelt wird, was ihn nicht interessiert, deshalb sind alle Meetings freiwillig. Das heißt die Meetings werden bekanntgegeben und wer interessiert ist, kann und wird vorbeikommen und soll in dem Moment den Raum wieder verlassen, wenn es anfängt, ihn zu langweilen”, erklärt Semler die Meeting-Philosophie. Leute, die mitten in einem Meeting gehen, weil es sie langweilt – das würde so manchen Vorgesetzten in den Wahnsinn treiben. Aber bei Semco sollen eben nur die Menschen eine Entscheidung treffen und tragen, die es unmittelbar angeht und interessiert. Auf so einem Meeting könnte zum Beispiel beschlossen werden, dass neuer Mitarbeiter gebraucht wird und was er oder sie können muss. Dann wird gemeinschaftlich eine Annonce geschrieben, und sobald die Bewerbungen kommen, werden sie im Team aufgeteilt: Jeder, der möchte, nimmt einfach ein paar mit nach Hause und bringt die interessantesten dann wieder mit. Statt Vorstellungsgesprächen gibt es ein Gruppengespräch mit allen Kandidaten gleichzeitig – auch hier darf kommen, wer will. Die einzigen Mitarbeiter, die regelmäßig formal bewertet werden, sind jene in Entscheidungs-Positionen – und zwar von allen anderen. Sollte einer dieser Manager wiederholt schlechte Bewertungen kriegen, geht er für gewöhnlich von selbst.
Gruppenzwang
Tatsächlich regeln die Teams fast alles unter sich. Macht jemand keinen guten Job, so wird das im Team diskutiert, oder ein Meeting einberufen. Wer sich ein hohes Gehalt zuteilt, erhöht damit auch die Erwartungen des Teams und den Leistungsdruck. Aber auch die Mitarbeiter haben mittlerweile ein anderes Verhältnis zur Arbeit: Wenn jemand einen Haufen Geld verdient, die ganze Woche eigentlich nur Golf spielt, aber trotzdem einen guten Job macht und seine Aufgaben erledigt – wen kümmert’s dann? Was zählt, ist das Ergebnis. Eine Studie von CNN hat festgestellt, dass die Mitarbeiter bei Semco eine sehr viel gesündere Balance zwischen Privatleben und Beruf haben, sich mehr Zeit für Beziehungen, Kinder und Hobbys nehmen, aber gleichzeitig auch ungewöhnlich hohen Einsatz und bemerkenswerte Leistungen im Beruf zeigen. Nicht trotz, sondern wegen der Freiheiten. Für Semler ist das wenig verwunderlich: Menschen müssen sich entfalten können, um ihr Potenzial optimal einzubringen.
Und es funktioniert
Semler ist sich sicher: Sein Konzept funktioniert überall. Er selbst hat es in Fabriken ebenso eingesetzt, wie in IT-Büros. Tatsächlich ist es eigentlich andersherum – es funktioniert überhaupt nur so. Unsere derzeitige Arbeitswelt mit ihren Burn-Out-Syndromen, mit Mobbing, Stress, Magengeschwüren und Depressionen funktioniert nämlich eben nicht, sie ist fortgesetzter Wahnsinn. Es wird Zeit, dass wir eine Gesellschaft erschaffen, in der Beruf wieder mit Berufung und Leidenschaft assoziiert wird, nicht mit Sklaverei und Ausbeutung. In der Menschen wieder freie Entscheidungen treffen können und mit Respekt behandelt werden. In der Privatleben und Arbeit gleichwertig sind – auch für die Vorgesetzten. Es wird Zeit für das 7-Tage-Wochenende!

Von Ricardo Semmler sind mehrere Bücher erschienen darunter: “The Seven-Day Weekend: A Better Way to Work in the 21st Century” und “Das Semco System: Management ohne Manager”.                                                                              Autor: David Rotter


Es ist also möglich, eine  Firma unter neuen Prämissen zu führen. Jetzt werden einige Leser berechtigterweise sagen  „Ja das ist Wunschdenken. So einfach ist das nicht, wenn eine Firma seit Jahrzehnten etabliert ist und feste Strukturen hat.“ Wohl wahr. Dafür braucht es massives Umdenken bei allen Beteiligten und die Bereitschaft absolute Verantwortung für sich und seinen Job zu übernehmen. Eine Veränderung dieser Größenordnung auch nur ansatzweise in einem bestehenden Konzern zu etablieren verlangt ein neues Bewusstsein. Ein Bewusstsein in jedem einzelnen Mitarbeiter, welches Spiel bisher gespielt wurde und welche neuen Möglichkeiten es gibt. Es geht darum zu erkennen, welche zwischenmenschlichen und manipulativen Dynamiken am Werk sind und diese durch neue, nachhaltige Soft Skills zu ersetzen, die einen hohen Grad an Klarheit und Verantwortung erzeugen und herkömmliche Verhaltensweisen verbessern und erweitern. Wie Einstein bereits sagte, ein Problem kann nicht auf der gleichen Bewusstseinsebene gelöst werden, auf der es entstanden ist. Es ist also entscheidend, die Mitarbeiter ins Boot zu holen und ihnen zu ermöglichen, eine neue Bewusstseinsebene durch Klarheit, Unterscheidungen und neue Fertigkeiten zu erreichen. 

Die Krankheitsraten in den Unternehmen - insbesondere die rapide ansteigende Zahl von Burnout Fällen - zeigen deutlich, dass eine Veränderung unabdingbar ist. Und dafür braucht es Vorstände, Manager und Mitarbeiter, die den Mut haben, voranzugehen. Das heißt keineswegs, dass nun jede Firma dem Beispiel Semco stehenden Fußes folgen soll. Wie bereits erwähnt, ein Ozeandampfer hat ein Momentum. Doch jede Richtungsänderung beginnt mit dem ersten Schritt.    
                                                                             

(Autorin: Nicola Nagel)


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Donnerstag, 14. Juni 2012

Das Pradox des Lebens - Geben Sie Kontrolle auf, um Ziele zu erreichen


Ein Ziel zu haben ist etwas Feines. Etwas ganz bestimmtes erreichen oder haben zu wollen kann ungemein motivieren. Haben Sie auch immer wieder mal Wünsche, Vorstellungen, Ziele? Dann kennen Sie es vielleicht auch, dass Sie die Dinge gerne so steuern möchten, wie sie Ihrer Meinung nach zu laufen haben, damit Sie schnellstmöglich an einem entsprechenden Ziel ankommen, oder?

Was tun wir nicht alles, um etwas Bestimmtes zu erreichen, z. B. um einen bestimmten Job zu bekommen, einen Partner anzuziehen oder ein materielles Luxusgut zu ergattern. Bei materiellen Dingen ist es in der Regel sehr einfach, sofern wir das Geld haben. Ab in den Laden oder ins Internet, kaufen, fertig. Das können wir leicht kontrollieren und steuern. Interessanter wird es da schon, wenn es um „größere“, nicht materielle Dinge geht. Einen Traum-Job oder Partner können Sie nicht mal eben kaufen. Und die größere, schicke Wohnung können Sie sich vielleicht auch nicht leisten, wenn die Miete Ihr Budget übersteigt. Bei solchen Vorhaben kommen wir dann schon eher an unsere Grenzen.

Doch wie kommt es, dass einige Menschen scheinbar mühelos alles erreichen, was sie anstreben und andere nicht? Es hat etwas mit Kontrolle zu tun und mit Ihrem Sein.

Wir sind in unserer modernen Gesellschaft darauf trainiert, dass alles logisch, kontrollierbar, berechenbar und erklärbar sein muss. Vor allem die Illusion der Sicherheit lässt uns Dinge gerne kontrollieren. Um die Angst der Unsicherheit nicht spüren zu müssen, haben wir lieber einen Plan. Oder was dachten Sie, warum viele Menschen Versicherungen für jedes Kinkerlitzchen abschließen? Aus reiner Angst. Die ganzen Medien, Werbeagenturen und Marketing-Mogule arbeiten alle mit diesem Faktor: ANGST!

Lassen Sie mich ein paar Beispiele geben. Wir sollen z. B. eine bestimmte Creme kaufen, damit  wir jünger aussehen. Das ist das Spiel mit der Angst, nicht zu genügen, wenn wir Falten haben. Oder wir sollen ein bestimmtes Bier trinken, denn nur dann sind wir cool und haben ganz viele Freunde, wie in dem Werbespot. Ein anderes Beispiel sind die zahlreichen Werbungen für Produkte, die das Haus und Heim praktisch keimfrei machen. In diesen Werbespots wird gezielt die unbewusste Angst angesprochen, man könnte sich üble Krankheiten einfangen und die Gesundheit seiner Familie gefährden, wenn wir mit dem entsprechenden Produkt nicht unser Bad oder die ganze Wohnung desinfizieren. Oder, das muss ich Ihnen einfach noch erzählen, folgender Werbespot:  Sie sollen ein bestimmtes Mundwasser kaufen und jeden Tag benutzen, damit Sie auch morgens beim Aufwachen, keinen schläfrigen Geschmack im Mund haben, denn sonst ekelt sich Ihr Partner. Als ich diesen Spot gesehen habe, bin ich vor Lachen vom Sofa gekippt. Was für ein Bullshit wird uns doch suggeriert. Wir werden zu sterilen, genormten, schlafenden Schafen erzogen. Ein Wahnsinn der seinesgleichen sucht. Ehrlich, schauen Sie sich die Werbespots im Fernsehen oder Anzeigen in der Zeitung einmal daraufhin an. Sie arbeiten fast alle ganz subtil mit der „Wenn Du nicht…dann…“ Drohung und damit manipulieren Sie uns mit unsere eigenen unbewussten Angst. 

So werden wir im Zaum gehalten und kontrolliert. Denn Angst ist ja nun wirklich ein Gefühl, das es zu vermeiden gilt, oder nicht? Die gängige Meinung ist schließlich, dass wir Angst (wie übrigens auch die anderen Gefühle Wut, Freude und Traurigkeit) besser nicht fühlen. Denn, uuuuuh, Angst blockiert. Angst ist schlecht. Man ist ein Schattenparker, Weichei oder Angsthase, wenn man Angst offen zum Ausdruck bringt. Außerdem ist Angst definitiv keine gute Eigenschaft einer glaubwürdigen Person und unprofessionell ist sie obendrein. Alles in allem wird Angst als negativ abgestempelt und damit als Gefühl, das es zu vermeiden gilt.

Wen wundert’s da, dass die meisten Menschen meinen, alles kontrollieren und planen zu müssen, um ja alles richtig zu machen und zu erreichen, wie es halt die Norm ist. Wir müssen wissen wie es geht oder wo es lang geht. Kennen Sie solche Leute, die immer wissen, wie es geht? Zumindest meinen sie das. Die Menschen haben gelernt, eine Maske aufzusetzen. Eine perfekte Maske, mit der wir nach außen vermitteln, dass wir alles sicher im Griff haben und der Norm entsprechen. Eine großartige Strategie, um in unserer Gesellschaft zu überleben.

Ich lade Sie ein, an dieser Stelle einmal einen tiefen Atemzug zu nehmen… Prima. Danke.
So, und jetzt lassen Sie uns gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen. Ein Kapitel, in dem es um Freude, Leichtigkeit, Spaß, Kreativität und Erfüllung im Leben geht. Sind Sie dabei? Ehrlich, es ist höchste Zeit aus diesem starren, von Angst manipulierten Gesellschafts-konstrukt auszubrechen und wieder lebendig zu werden. (Ein kurzes inspirierendes Video dazu finden Sie auf Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=sb2YOg_dkQM)

Lassen Sie uns als erstes mit der Vorstellung aufräumen, dass Angst und alle anderen Gefühle schlecht sind. Die Wahrheit ist nämlich: Angst ist eine geniale, neutrale Kraft, die Ihnen klare Energie und Information gibt und Ihnen professionell dient. Was? Wie? Lassen Sie uns an dieser Stelle gleich einmal ein Experiment machen.


Experiment 1: Verbinden Sie sich mit der Angst
Wählen Sie eine Situation, von der Sie sagen würden, dass sie Ihnen Angst macht. Vielleicht wäre das so etwas wie einen Vortrag vor 100 Leuten zu halten, oder den netten neuen Kollegen anzusprechen, ob er Lust hat Abendessen zu gehen,  oder alleine in eine fremde Großstadt zu reisen. Uaaah, da wollen die ersten Leser den Artikel schon ganz schnell zur Seite legen…denn, uaaaah, wir haben doch bisher alles getan, um Angst nicht zu fühlen, und jetzt sollen Sie die Angst fühlen? Yep! Genau! Der entscheidende Unterschied in diesem Experiment ist, dass Sie die Angst BEWUSST fühlen.

Schließen Sie die Augen und verbinden Sie sich mit Ihrer Angst. Spüren Sie sie einfach einmal bewusst und lassen Sie sie auf einer Skala von 0-100% nur 5% oder 10% groß werden. Es kann eine ganz subtile Angst sein, z. B auch davor, dass Sie gerade auf einem wackeligen Stuhl sitzen und Angst haben, dass er gleich zusammenbricht. Oder Sie haben jetzt gerade Angst, weil Sie durch diese Übung eventuell zu spät zu Ihrer nächsten Verabredung kommen. Spüren Sie einfach mal hin. Das ist Angst. Sie ist nicht gut und nicht schlecht. Angst ist einfach nur Angst. Nur das. Angst ist Angst. So fühlt sie sich an. Alle Zusammensetzungen wie „Angst ist gefährlich, bedrohlich, destruktiv oder blockierend“ können Sie getrost den Abfluss hinunter spülen. Das ist einfach das, was uns bisher eingetrichtert wurde. Fakt ist aber: Angst ist Angst. Nur das. Ohne Bedeutung. Neutral.


Experiment 2: Angst dient Ihnen professionell
Lassen Sie uns nun zum zweiten Schritt gehen. Nachdem Sie Angst gerade einmal bewusst gefühlt haben, wie könnte Ihnen diese Angst professionell im Leben dienen? Schreiben Sie einmal auf ein Blatt Papier, wie diese Kraft Ihnen wirklich dienen könnte. Hier einige Beispiele:

  • Lässt mich kreativ und innovativ werden.
  • Lässt mich in unbekanntes Gebiet gehen
  • Ich kann damit Neues ausprobieren.
  • Sie schützt mich vor tatsächlicher Gefahr.
  • Ich kann damit gefährliche Fragen stellen.
  • Lässt mich wach(sam) und präsent sein.
  • Ich kann mit Angst aufmerksam sein.
  • Sie lässt mich präzise sein.
  • Ich kann damit über meine Grenzen gehen.

Das ist schon ein ganz anderes Bild, oder? Anstatt sich durch Angst von Dingen abhalten zu lassen, können Sie die Energie und Klarheit dieses neuen Gefühls hernehmen und für sich nutzen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel von mir: Ich war auf einer großen Veranstaltung und hatte den Impuls einen Mann anzusprechen, den ich nicht kannte. Ich hatte lediglich kurz vorher erfahren, dass er der Chef eines großen Konzerns war. Nachdem ich den Impuls wahrgenommen hatte, spürte ich Angst. Und dann kam gleich eine bekannte Stimme, die mir einflüsterte „Uuuuaaah, ich kenne den doch gar nicht. Was soll ich dem denn sagen? Ich kann doch nicht einfach hingehen und guten Tag hier bin ich sagen.“ Das war die alte Interpretation von Angst. Und ehrlich, es wäre herrlich bequem gewesen, einfach nach Hause zu gehen, ohne ihn anzusprechen. Stattdessen habe ich mir gesagt „Moment, Angst ist einfach nur Angst und sie leitet mich jetzt in unbekanntes Gebiet. Den kann ich sehr wohl ansprechen.“ Ich habe der Angst vertraut, habe den CEO angesprochen ohne vorher einen Plan zu haben, was ich sagen würde. Das Resultat war ein großartiges, bereicherndes Gespräch mit ihm und ein neuer Auftrag.

Was hat das nun mit Ihren Zielen und Wünschen zu tun? Nun, wenn Sie lernen, der Angst zu vertrauen, dann müssen Sie die Dinge in Ihrem Leben nicht mehr kontrollieren. Wenn Sie nämlich versuchen, etwas zu kontrollieren, grenzen Sie damit alle Möglichkeiten, Ihre Ziele oder Wünsche zu verwirklichen darauf ein, was Sie mit Ihrem logischen Verstand selbst schon wissen. Sie grenzen die Möglichkeiten automatisch auf das ein, was Sie mit Ihrem brillanten Hirn kontrollieren können. Das ist nicht gut und nicht schlecht, es bringt Sie unter Umständen nur nicht so weit, wie Sie schon längst sein könnten oder es bringt Sie gar nicht ans Ziel. Und Kontrolle ist vor allem eins: linear, langweilig, berechnend und meist spaßfrei.

Wenn Sie einen echten Herzenswunsch oder ein Ziel haben, dann geht es vielmehr darum, sich mit dem bereits neuen, noch nicht erreichten Zustand zu identifizieren, ohne zu kontrollieren, wie Sie da wohl hinkommen. Nehmen Sie bereits jetzt die neue Identität an. Bevor Sie etwas erreichen können, müssen Sie zu dem werden. Wenn Sie sich ein Ziel gesteckt haben und nun die ganze Zeit denken „Hoffentlich klappt das. Ich habe Angst, dass es schief gehen könnte.“, dann geben Sie automatisch der Vision Kraft, dass es nicht gelingt. Oder wenn Sie sagen „Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht was ich tun soll“, dann treten Sie auf der Stelle und erreichen gar nichts.

Es gibt ein ganz einfaches universelles Gesetz: Das, was Du eindrückst, drückt das universelle Feld aus. Kennen Sie diese Nagel-Bilder von früher? Lauter Nägel waren beweglich an einem Brett befestigt und dann konnten Sie auf einer Seite Ihre Hand, Ihr Gesicht oder was auch immer darauf legen und in die Nägel eindrücken. Das, was Sie eingedrückt haben, wurde 1:1 als Bild aus lauter Nägeln auf der anderen Seite dargestellt. Genauso verhält sich das Universum. Wenn Sie dem universellen Feld permanent etwas in Form von Gedanken und Gefühlen „eindrücken“, dann spiegelt das Universum Ihnen das 1:1 zurück. Und wenn wir etwas kontrollieren wollen, dann werden wir starr und unflexibel und das universelle Feld damit unbeweglich.

Das Universum hat etwas andere Gesetze als unser Verstand meint. Um das im Leben zu bekommen, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, müssen Sie also paradoxerweise die Kontrolle aufgeben. Kontrolle können Sie jedoch nur aufgeben, wenn Sie der Angst vertrauen können, ins Unbekannte zu gehen und wenn es vor allem okay für Sie ist, nicht zu wissen, wie es geht. Lassen Sie uns ein weiteres Experiment machen.


Experiment 3: Seien Sie bereits am Ziel
Nehmen Sie eines Ihrer Ziele her. Was hätten Sie gerne realisiert oder manifestiert? Zum Beispiel einen Job, der Ihren Talenten entspricht. Schließen Sie nun die Augen und malen Sie sich aus, wie es IST, diesen Job bereits zu haben. Wer sind Sie dann? Wie fühlt sich das an. Was machen Sie dann? Sie werden feststellen, dass Ihr Verstand vielleicht eine Schleife dreht und sagt „Hey, Moment, ich könnte nur den und den Job haben, weil ich das und das studiert habe, also muss es ein Job sein, der dem Möglichen entspricht.“ Vergessen Sie es. Schicken Sie Ihren Verstand für einen Moment zum Kaffeetrinken. Lassen Sie völlig außer Acht, welchen Titel der Job haben müsste, oder ob er zu Ihrer Vita passt. Nehmen Sie das Ziel als neue Realität in Besitz, so als sei es schon erreicht. Wie fühlen Sie sich dann? Gehen Sie in dem Gefühl der Freude auf. Spüren Sie die Erfüllung. Sehen Sie sich bereits glücklich am Ziel. Seien Sie die Person, die den idealen Job bereits hat. Halten Sie den Fokus darauf. Drücken Sie dieses neue Sein, diese neue Identität in das universelle Feld ein, damit es den entsprechenden Job ausdrücken (=manifestieren) kann.


Experiment 4: Geben Sie komplett die Kontrolle auf
Geben Sie nun komplett die Kontrolle auf. Es geht darum, dass Sie die neue Identität in Besitz nehmen, sich gedanklich und gefühlsmäßig in Ihr neues Dasein hineinversetzen und es SIND. Den Rest erledigt das universelle Gesetz auf seine Art. Hören Sie auf, logisch zu kontrollieren wie etwas zu laufen hat. Vertrauen Sie darauf, dass Sie nicht wissen müssen, wie es geht, oder wie sich Ihr Ziel realisiert. Das ist wie bei einem Baum. Sie säen nur den Samen, der Baum wächst von alleine. Alles ist in dem Samen bereits angelegt. Der Baum macht sich ja schließlich auch keine Gedanken darum, ob er nun einen Ast links herauswachsen lassen muss und es nicht noch ein Blatt oben recht braucht. Geben Sie die Kontrolle auf. Lassen Sie sich wieder vom Lebensstrom tragen. Setzen Sie nur den gesunden Samen in die Erde, indem Sie sich mit dem bereits erreichten Ziel identifizieren. Das universelle Feld erledigt den Rest. Staunen Sie einfach, was sich plötzlich in Ihrem Leben für Dinge ereignen. Bei dem Nagel-Bild haben Sie ja nach dem Eindrücken auch nicht jeden Nagel noch einmal einzeln mit den Fingern so geschoben, dass Ihr Gesicht entstanden ist.

Sobald Sie merken, dass  Sie wieder in die Kontrolle abrutschen, oder in den Gedanken, dass etwas vielleicht nicht klappen könnte, zentrieren Sie sich wieder. Setzen Sie sich ruhig hin und nehmen Sie wieder mit Ihren Gefühlen und Gedanken Ihre neue Identität in Besitz. Damit gleichen Sie Ihre Schwingung wieder auf das Ziel an. Ihr Unterbewusstsein kennt Mittel und Wege, Ihr Ziel zu realisieren, die Ihrem menschlichen Verstand komplett verborgen sind. Geben Sie also die Kontrolle einfach auf und empfangen Sie das, was kommt. Sollte das dann nicht ganz dem entsprechen, was Sie eigentlich wollten, überprüfen Sie wieder Ihr Ziel bzw. Ihre Gedanken dazu. Nur wenn Sie sich vollständig mit dem Ziel oder Wunsch identifizieren können, liegt er auch im Bereich des Möglichen. Seien Sie überzeugt davon, dass Sie das, was Ihnen am Herzen liegt, bereits haben bzw. sind. Sobald Zweifel aufkommen, denkt das Universum sonst, sie wollen das Ziel doch nicht erreichen.

Sie sind Ihr eigener Magier. Ein Magier kontrolliert nicht. Er schwingt einfach seinen Zauberstab und ist schon vorher überzeugt von der Manifestation.

In diesem Sinne, herzlich magische Grüße, 
Ihre Nicola Nagel





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