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Dienstag, 14. Mai 2019

Die 4 Ebenen von Vermischung, die erfüllende, erwachsene Beziehung auf Augenhöhe verhindern.


(Anmerkung: wenn im Folgenden von „Partner“ die Rede ist, schließt dies der Einfachheit halber gleichermaßen die weibliche Form „Partnerin“ mit ein)

Wenn Du Dich nach erfüllender, erwachsener Beziehung auf Augenhöhe sehnst, Dich jedoch immer wieder in gewöhnlicher Beziehung wiederfindest, so könnte das an einem ganz entscheidenden Aspekt liegen: Der Vermischung von Energien und persönlichen Räumen. Das klingt jetzt zunächst vielleicht merkwürdig, doch ist ein sehr entscheidender Aspekt, warum Paare immer wieder auf der gewöhnlichen Ebene stecken bleiben. Lass uns daher einmal schauen, was es damit auf sich hat.

Was die Evolution von Beziehung angeht, so folgt nach der Flirtphase im Jugendalter, meist das Beziehungsstadium, das als Fusion beschrieben werden kann. In diesem Stadium sind Dramen und Diskussionen üblich. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt, die sich zuerst lebendig anfühlt, letztendlich jedoch sehr energieraubend ist. Es besteht eine gewisse Ko-Abhängigkeit zwischen den Partnern. Diese Ko-Abhängigkeit führt dazu, dass Du möglicherweise meinst, der Partner „gehört“ Dir oder Du „brauchst ihn“. Diese Art von Beziehung ist jedoch keine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe, in der jeder bei sich ist und klar und kraftvoll für sich stehen kann.

Der nächste Schritt in der Evolution von Beziehung wäre der Schritt in die erwachsene Beziehung auf Augenhöhe. Diese basiert auf Verantwortung, gegenseitigem Respekt und Ko-Kreation anstatt Ko-Abhängigkeit. Jeder Partner ist in seiner Kraft. Die Beziehung ist nährend und erfüllend. Doch wir lernen nichts darüber, wie der Schritt von der Fusion zu einer erwachsenen Beziehung gelingen kann. So passiert es, dass die meisten in dem Stadium der Fusion hängen bleiben. Eine der Hauptursachen dafür ist die Vermischung von Energien und Räumen auf unterschiedlichen Ebenen. Solche Vermischungen finden in der Regel unbewusst statt und Du merkst es letztendlich nur an den Resultaten; z. B. daran, dass die Beziehung anstrengend wird und ein fader Nachgeschmack bleibt oder Du und Dein Partner Euch distanziert.

Zieh einmal in Betracht, dass unbewusst auf vier Ebenen einen Vermischung stattfinden kann.

  1. Physische Vermischung
  2. Intellektuelle Vermischung
  3. Emotionale Vermischung
  4. Energetische Vermischung


1. Die Ebene der physischen Vermischung
Wenn physische Vermischung in Beziehung stattfindet, dann vermischt Du gleichzeitig Deinen persönlichen Raum mit dem Deines Partners. Hier sind einige Beispiele für gängige physische Vermischung:
·         Du trinkst einfach aus dem Glas Deines Partners, ohne vorher zu fragen.
·         Im Restaurant oder auch zuhause naschst Du von seinem Teller, ohne zu fragen.
·         Du räumst die Sachen Deines Partners einfach weg, ohne ihm/ihr einen Hinweis zu geben (z. b. zuhause beim Aufräumen oder Putzen).
·         Du gibst Deine Aktivitäten / Sport / Hobbies, die Dich nähren, aus Liebe zum Partner auf (z. B. weil er/sie das nicht teilt).
·         Du schließt Dich dem an, was Dein Partner gerne machen möchte, um es ihm recht zu machen.
·         Du benutzt die Sachen (Handy, Fahrrad, Klamotten, etc.) Deines Partners, ohne zu fragen, getreu dem Motto „er/sie wird schon nichts dagegen haben.“
·         Du zupfst regelmäßig an ihm herum, machst z. B. eine Fluse von seinem Pullover, ziehst seinen Hemdkragen gerade, o. ä.
·         Du berührst ihn ständig – unabhängig vom Rumzupfen –, um Liebe zu bekommen.
·         etc.

Dein Experiment: Hast Du das schon erlebt bzw. selbst gemacht? Prüfe genau, welche physischen Vermischungen in Deiner Beziehung möglicherweise „normal“ sind und unbewusst ablaufen.


2. Die Ebene der intellektuellen Vermischung
Intellektuelle Vermischung hat einen etwas anderen Drall als die physische Vermischung. Intellektuelle Vermischung findet zum Beispiel in folgenden Situationen statt:
·         Du gleichst Deine Meinung an die Deines Partners an und stellst damit Dein Fähnchen nach dem Wind, damit er Dich mag. Das Gemeine daran ist, dass Du dann auch noch glaubst, die übernommene Meinung sei tatsächlich Deine.
·         Auf eine klare Entscheidungsfrage Deines Partners antwortest Du „Och, ich weiß nicht, entscheide Du.“ oder „Was würdest Du denn gerne machen?“
·         Du kontrollierst Deinen Partner, indem Du z. B. in seinem Handy spionierst, Kontrollanrufe machst, wo er denn gerade ist, etc.
·         Du fragst Dich ständig, was Dein Partner wohl gerade denkt.
·         Du meinst, für den Partner mitdenken zu müssen (z. B. weil Du meinst, er vergisst eventuell etwas).
·         Du meinst, Deinem Partner sagen zu müssen, wie er/sie etwas zu tun hat
·         Wenn Dein Partner ein Problem hat, meinst Du, es sei automatisch auch Dein Problem. Du löst seine/ihre Probleme oder machst ungefragt Lösungsvorschläge.
·         Im Restaurant bestellst Du für Deinen Partner, ohne ihn vorher zu fragen.
·         Auf einer Party, antwortest Du auf die Frage, was denn Dein Partner trinken möchte (angenommen er/sie ist gerade auf der Toilette), mit einer ungeprüften Annahme und sagst z. B. „Er trinkt immer Bier.“ (anstatt zu sagen: „Ich weiß es nicht. Frage ihn bitte selbst, wenn er von der Toilette zurück kommt.“)
·         Du bevormundest Deinen Partner.
·         Du weist ihn/sie immer wieder zu Recht (am besten auch vor anderen). Wenn er/sie beispielsweise eine Geschichte im Beisein von Freunden erzählt, korrigierst Du ihn und erzählst, wie es Deiner Meinung nach wirklich war.
·         Du überträgst Deine Glaubenssätze auf Deinen Partner und gehst davon aus, dass er doch genauso denken muss wie Du.
·         Du verwechselst gemeinsames Arbeiten (z. B. im Büro an einem Projekt) mit Nähe und vergisst darüber, dass es auch noch eine andere Art von Nahrung und Nähe gibt in der Ihr als Paar miteinander sein könnt.
·         Etc.

Dein Experiment: Sei radikal ehrlich: welche dieser Punkte kennst Du selbst? Welche weiteren intellektuellen Vermischungen fallen Dir in Deiner Beziehung noch auf?


3. Die Ebene der emotionalen Vermischung
Die dritte Ebene ist die sogenannte emotionale Vermischung. Diese Art von Vermischung tritt meist dann auf, wenn Du emotional reagierst. Eine Emotion stammt entweder aus Deiner Vergangenheit (Kind-Emotion), ist von anderen übernommen (Eltern-Emotion) oder wird von Deinem Gremlin (Deinem eigenen Schattenanteil) aus dem Nichts inszeniert, um Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Hier sind einige Beispiele für emotionale Vermischung:
·         Du versuchst Deine Gefühle unter der Decke zu halten, um die Harmonie zu wahren. Du nutzt z. B. Deine Wutkraft nicht, um klare Grenzen zu setzen.
·         Du machst Deine Laune von der Laune Deines Partners abhängig.
·         Du hast Schuldgefühle, wenn Dein Partner etwas fühlt (z. B. wütend, ängstlich, traurig ist).
·         Du reagierst emotional und unverantwortlich, wenn Dein Partner einen roten Knopf bei Dir drückt.
·         Du hast keine Klarheit über den Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen und denkst jede Emotion, die Dein Partner triggert, habe tatsächlich etwas mit ihm/ihr zu tun.
·         Du hast Verlustangst, wenn Dein Partner alleine etwas unternehmen will.
·         Du bist eifersüchtig, wenn Dein Partner sich mit anderen unterhält oder abends weggeht.
·         Du rächst Dich immer wieder an Deinem Partner, wenn er Dir vermeintlich etwas angetan hat.
·         Du findest Dich oft in der Opferrolle wieder.
·         Du beschuldigst Deinen Partner, setzt ihn/sie ins Unrecht, beschuldigst Deinen Partner und beschwerst Dich gerne.
·         Du hast unausgesprochene Erwartungen und bist immer wieder enttäuscht, dass Dein Partner sie nicht erfüllt.
·         Du reagierst trotzig, wenn Dein Partner die Dinge nicht so macht, wie Du sie gerne hättest.
·         Etc. 

Dein Experiment: Halte Rückschau auf Deine Beziehung(en). In welcher Form bist Du emotional vermischt? Wie zeigt sich das? Was ist typisch für Deine Beziehung auf dieser Ebene der Vermischung?


4. Die Ebene der energetische Vermischung
Die vierte Ebene der energetischen Vermischung ist möglicherweise am Schwierigsten greifbar. Gleichzeitig ist es die Ebene, die bei allen anderen Vermischung fast automatisch mit involviert ist. Hier sind Beispiele für energetische Vermischung:

·         Du bist energetisch im persönlichen Raum Deines Partners. Das bedeutet z. B., dass Du scheinbar normal neben ihm sitzt, Du ihn jedoch mit Deiner Energie komplett absorbierst. Dann wird es eine für andere spürbar klebrige Verbindung.
·         Du bist raum-einnehmend.
·         Aufgrund von unbewussten Mustern (z. B. Erlebnissen und Entscheidungen aus der Kindheit) klammerst Du energetisch (d. h. Du musst noch nicht einmal etwas tun oder sagen und es ist schon für den anderen spürbar).
·         Du bist bedürftig und wie ein kleines Mädchen/ein kleiner Junge.
·         Du bist die Quelle von Mangel anstatt von Fülle, d. h. es gibt für Dich nicht genug Liebe, nicht genug Anerkennung, etc.
·         Du suchst die Liebe im Außen.
·         Du projizierst unbewusst Deinen Vater/Deine Mutter auf den Partner. Das Gemeine daran ist, dass es unbewusst passiert und Du es selbst gar nicht mitbekommst. Du siehst es auch in diesem Fall nur an den Resultaten (z. B. in Form von Missverständnissen, Streit, Genervt-Sein).
·         Du „bedenkst“ den anderen energetisch (also aus der Entfernung) und spürst ständig zu ihm/ihr hin, weil Du Dir Sorgen um ihn/sie machst und Deine eigenen Ängste auf ihn/sie projizierst.
·         Du rufst ständig an oder schickst kurze sms oder whatsapp Nachrichten, um oberflächlich in Verbindung zu sein anstatt auf einer tieferen Ebene miteinander zu sein. Es ist als würdest Du permanent sagen „Pieps…hier bin ich“…“Pieps…bist Du auch da?“
·         Du weißt nicht, wer Du bist, wenn Dein Partner nicht da ist und erlebst einen Identitätsverlust (in kleinerem oder größerem Ausmaß). Das passiert beispielsweise dann, wenn Du auf Deinen Partner fokussiert bist und ihn/sie als Deinen Anker im Leben siehst.
·         Dein Partner ist Dein Ein-und-Alles für Dich, d. h. er erfüllt idealerweise alle Rollen von Geliebter, Freund, Mann/Frau, Gefährtin, etc.
·         Etc.

Dein Experiment: Sei erneut radikal ehrlich. In welcher Form bist Du mit Deinem Partner energetisch vermischt? Was läuft unbewusst bei Euch ab auf dieser Ebene?


Es ist sehr häufig so, dass die Ebenen der Vermischung nicht klar zu trennen sind. Wenn Du beispielsweise aufgrund einer Erfahrung in der Kindheit ein bestimmtes Muster entwickelt hast, so ist es sehr wahrscheinlich, dass sich dieses Muster auf allen Vermischungs-Ebenen gleichzeitig zeigt: physisch, intellektuell, emotional und energetisch. Die Ebenen der Vermischung bedingen sich gegenseitig. Wenn Du z. B. auf der physischen Ebene die Vermischungs-Gewohnheit hast, ständig an Deinem Partner herum zu zupfen, so involviert das automatisch auch die energetische Ebene, da Du durch das Rumzupfen auch in seinen persönlichen, energetischen Raum eindringst. Die Grenzen sind also fließend bzw. die Vermischungs-Ebenen überlagern sich. 

Um eine erfüllende, erwachsene Beziehung auf Augenhöhe erschaffen zu können, ist es absolut notwendig, dass Du Dir über die Ebenen der Vermischung klar wirst und beginnst, Dich zu ent-mischen. Entmischung geschieht jedoch nicht nur intellektuell, sondern in allen 4 Bereichen: physisch, intellektuell, emotional und energetisch. Du wirst somit auch etwas fühlen, zwischendrin vielleicht verwirrt sein oder müde. Ein Teil von Dir findet es möglicherweise gar nicht witzig, eine Entmischung durchzuführen. Es kann sogar schmerzhaft sein, dies zu tun, denn es bedeutet, dass Du viele Gewohnheiten aufgibst. Je nach Intensität der Vermischung kann es sich mitunter anfühlen, wie sterben oder so, als würde Dir jemand Deine Identität vom Körper reißen. So fühlt es sich einfach an. Bedenke, dass Du diese alte Vermischung möglicherweise Jahre oder Jahrzehnte gelebt hast, sodass sie sich wie eine zweite Haut anfühlt. Wer bist Du also, wenn diese Vermischung wegfällt? Wie sieht Deine Beziehung aus, wenn diese Vermischung nicht mehr da ist? Du kannst es nicht wissen. 

Doch ziehe einmal in Betracht, dass Du Dich in einen großartigen Raum voller Möglichkeiten begibst. Die einzige Frage, die in diesem Moment relevant ist, ist daher: Bist Du bereit, Dich von Deinem Partner zu entmischen, damit eine erfüllende, erwachsende Beziehung auf Augenhöhe möglich wird?

In 4 Schritten zur Entmischung
Falls Deine Antwort auf die vorherige Frage JA lautete, kannst Du folgende 4 Schritte auf Deinem Weg der Entmischung durchlaufen.

Schritt 1:
Die Entmischung beginnt mit Selbstbeobachtung und radikaler Ehrlichkeit. Schreibe genau auf, welche Art und Ebene von Vermischung Du in Deiner Beziehung wahrnimmst. Bitte auch Deinen Partner und Freunde um Feedback, wo Du für Vermischung sorgst und was sie diesbezüglich an Dir wahrnehmen.


Schritt 2: Stelle Dir immer wieder die Frage nach dem Warum. Warum machst Du das? Woher kennst Du diese Vermischung? Was hast Du in der Vergangenheit erlebt? Wann hat es angefangen?

Schritt 3: Suche Dir einen geschützten Raum, wo Du gegebenenfalls Gefühlsprozesse oder ähnliches machen kannst, um Deine alten Muster und Entscheidungen im Ursprung aufzulösen, die bisher für die Vermischung gesorgt haben.

Schritt 4: Entdecke Dich, Deinen Partner und Deine Beziehung komplett neu. Wisse nicht, wie es geht. Bleibe im Nichtwissen. Probiere neues aus, frage um Feedback, verändere etwas, lerne.
Im Anschluss an diesen Artikel habe ich noch einmal eine Übersicht der 4 Ebenen der Vermischung in Beziehung für Dich erstellt. Diese kannst Du Dir ausdrucken und als Erinnerungsfaktor z. B. am Spiegel im Badezimmer oder einem anderen zentralen Punkt bei dir zuhause anbringen.

Viel Freude beim Experimentieren!

Herzliche Grüße,
Nicola



GIB DEINEM LEBEN EINE NEUE RICHTUNG! 
www.viva-essenza.com

Donnerstag, 15. November 2018

Der Schlüssel zu mehr Nähe und Intimität in Beziehung


Intimität ist das A und O, um erfüllende Beziehung zu erschaffen. Vielleicht hast Du schon einmal den Satz gehört „Beziehungen sterben nicht aus Mangel an Liebe, sondern aus Mangel an Intimität.“

Gerade in der schnelllebigen Gesellschaft scheint es jedoch genug gute Gründe zu geben, Nähe und Intimität zu vermeiden. Schließlich ist Zeit Geld und nicht Liebe. Einige Menschen versuchen die Nähe und Intimität, die sie über das Jahr nicht in ihrer Beziehung haben, zu besonderen Anlässen wieder herzustellen. Das beste Beispiel ist der Valentins Tag. An diesem Tag drehen viele Leute durch und deklarieren ihn als Beweis für Nähe und Intimität. Sie gehen romantisch essen, schenken der geliebten Person Rosen und meinen dann, das sei Nähe und Intimität. Doch zieh einmal in Betracht, dass dies nichts weiter als eine Illusion von Intimität ist. Es ist ein Versuch, die fehlende Nähe und Intimität über den Rest des Jahres an diesem Tag über Dinge im Außen zu kompensieren (romantisches Essen, Rosen, Geschenke). Das ist ein bisschen wie Weihnachten: 1 Tage im Jahr, an dem alles dem perfekten Bild entsprechen muss.

Um erfüllende Beziehung zu erschaffen, ist es jedoch wichtig, achtsam zu sein und fortwährend Momente von Intimität zu erzeugen. Bevor Du jedoch mehr Nähe und Intimität in Deiner Beziehung erzeugen kannst, ist es notwendig, den Scheinwerfer zunächst einmal darauf zu richten, wie Du bisher Nähe und Intimität vermieden hast bzw. immer noch vermeidest. Wenn Du keine Klarheit über Deine bewussten und unbewussten Strategien hast, durch die Du Intimität vermeidest, wird es schwierig, mehr Intimität zu erzeugen und Deine Beziehung auf eine andere Ebene zu bringen.

SCHRITT 1: Die Frage nach dem WIE
Es gibt sehr unterschiedliche Strategien, Intimität zu vermeiden (und mit Intimität ist nicht nur Sex gemeint, sondern nährendes, tiefgehendes Miteinander-Sein). Im Folgenden sind einige Beispiele. Überprüfe einmal radikal ehrlich für Dich, welche Aspekte auf Dich zutreffen. Wie verhinderst Du Nähe und Intimität?

·         Du arbeitest lange
Der Job ist eine der offensichtlichsten Strategien, Intimität zu vermeiden. Wie oft bist Du schon nach einem langen Arbeitstag nach Hause gekommen und warst so müde oder erschöpft, dass Du am liebsten nur noch schlafen oder fernsehen wolltest? Oder umgekehrt, Dein Partner/Deine Partnerin kam völlig erledigt nach Hause und war für Nähe und Intimität nicht mehr offen. Vielleicht bringst Du gelegentlich sogar Arbeit mit nach Hause?

·         Du bist ständig beschäftigt
Eine sehr häufige Strategie ist, auch zuhause sehr beschäftigt zu sein. Wenn Du mit Deinem Partner zuhause bist, fällt dir beispielsweise ein, dass:
o   das Bad noch geputzt werden muss,
o   Du den Müll noch raustragen wolltest,
o   die Sachen im Keller stehen, die noch zum Wertstoffhof gebracht werden müssen
o   Du eine Freundin/einen Freund noch anrufen könntest
o   der Rasen noch gemäht werden muss (wenn Du in einem Haus mit Garten wohnst, ist es besonders leicht Möglichkeiten zur Intimitätsvermeidung zu finden, denn es gibt am, im und um das Haus herum jederzeit genug Dinge zu tun, in die Du Dich flüchten kannst.
o   etc.
Du bist in Gedanken ständig in Deiner To-Do Liste und verpasst dadurch die kostbaren Momente, in denen Intimität möglich wäre.

·         Du schaust Fernsehen / liest Zeitung lesen/ checkst Dein Handy / sitzt am Computer
Eine weitere Strategie, Intimität zu vermeiden, ist die, Fernsehen zu schauen oder die Zeitung zu lesen, obwohl Dein Partner/Deine Partnerin gerade auch zuhause ist und möglicherweise sogar mit Dir gemeinsam auf dem Sofa sitzt. Vielleicht verspürst Du auch den Drang, schnell noch auf Dein Handy zu schauen, um die neuesten Posts auf Facebook anzuschauen oder Deine E-Mails zu checken. Möglicherweise tust Du das sogar, während Dein Partner/Deine Partnerin gerade dabei ist, etwas Wichtiges mitzuteilen. Eine andere Variante davon ist, dass Du stundenlang an Deinem Computer sitzt und im Internet surfst oder Computerspiele spielst.

·         Du trinkst Alkohol oder nimmst andere Drogen zur vermeintlichen Entspannung
Dies geht häufig einher mit einem langen Arbeitstag. Für viele Menschen ist Alkohol die Möglichkeit sich vermeintlich zu entspannen. Wenn es jedoch zur Regelmäßigkeit wird, kann es schnell Teil einer Strategie sein, keine Intimität zulassen zu müssen, Dinge „zu vergessen“ und Gefühle zu unterdrücken, die ein Tor zu mehr Nähe wären. Gleiches trifft zu, wenn Du genau dann raus gehst zum Rauchen oder andere Drogen nimmst, wenn sich die Tür für tiefere Gespräche und einen höheren Grad an Intensität öffnet.

·         Du lädst ständig Leute ein oder bist ständig unter Leuten
Es gibt auch Paare, die ständig Leute zu sich nach Hause einladen oder sich mit Freunden zum Essen oder in der Kneipe treffen. Dies ist eine perfekte Möglichkeit, sich im außen zu verlieren und keinen Raum für Intimität zu schaffen. Wenn andere Menschen um Dich herum sind, kannst Du mit Deinem Partner/Deiner Partnerin an der Oberfläche bleiben.

·         Deine Aufmerksamkeit ist nur noch auf den Kindern
Falls Du Kinder hast, kann eine sehr clevere Strategie sein, Intimität mit Deinem Partner zu vermeiden, indem Du Deine Aufmerksamkeit nur noch auf die Kinder legst. Kinder brauchen schließlich Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ist es sehr leicht – und für den ein oder anderen eine willkommene Möglichkeit - sich in den Kindern zu verlieren und die Beziehung zum Partner aus den Augen zu verlieren.

·         Es dreht sich nur noch um logistische Details
Eine Falle in Sachen Intimität ist auch, dass Du mit Deinem Partner/Deiner Partnerin nur noch über alltägliche, logistische Details sprichst. Wenn Ihr beide nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt, geht es möglicherweise nur noch darum, wer das Auto in die Werkstatt, die Kinder zum Wanderausflug und die Schwiegermutter zum Arzt bringt. Das Gemeine daran ist, dass Du möglicherweise denkst, dass aber doch genau diese Dinge so ungemein wichtig und klärungsbedürftig sind. Diese Art von miteinander sprechen kann sich sogar ansatzweise so anfühlen, als wäre es ein intimer Moment (immerhin sprecht Ihr überhaupt miteinander). Doch zieh einmal in Betracht, dass es einen Punkt gibt, an dem die Logistik eigentlich geklärt ist und sich eine andere Tür auftun könnte, die Du nicht nutzt. Stattdessen ist es sicherer in der Logistik stecken zu bleiben.

·         Du brennst für ein Projekt / Ihr brennt beide für ein Projekt
Vielleicht stutzt Du jetzt! Warum vermeidest Du Intimität, wenn Du für ein Projekt brennst? Nun, die Gefahr ist folgende: Wenn Du für ein Projekt wirklich brennst, Deine Kraft und Energie dort wirklich gerne hinein gibst und so begeistert bist, dass es Dich auch noch erfüllt, dann kann es sehr schnell passieren, dass Dich dieses Projekt komplett einnimmt. Dann fühlt es sich möglicherweise so an, als könntest Du nicht aufhören, daran zu arbeiten. Dann denkst Du ständig daran, erzählst nur noch davon und bist in einer Art energetischer Projektwolke absorbiert.

Dies kann übrigens auch passieren, wenn Du mit Deinem Partner/Deiner Partnerin gemeinsam für ein Projekt brennst und Ihr gemeinsam dafür arbeitet. In dem Fall kann es passieren, dass Ihr das gemeinsame Arbeiten auf Dauer mit Intimität verwechselt, vor allem wenn Ihr außerhalb Eures Projekts keine anderen Paar-Räume habt und z. B. in den Urlaub fahrt und das Projekt Projekt sein lasst.

·         Du redest zu viel
Intimität kannst Du auch vermeiden, indem Du ständig redest. Du redest über alles und nichts, über andere Personen, den Job, die neuesten Gerüchte aus der Stadt, Klatsch und Tratsch, Politik, Du nörgelst an Deinem Partner/Deine Partnerin herum und beschwerst Dich, etc. Du redest, damit bloß keine Stille aufkommen und die Intensität steigen kann.

·         Du machst übermäßig viel Sport
Eine weitere Strategie, um Intimität zu vermeiden kann auch die sein, dass Du extrem viel Sport machst, möglicherweise sogar Sport, der viel Zeit in Anspruch nimmt (Du trainierst für einen Marathon nach dem anderen, gehst jeden Tag 3 Stunden in die Fitnessbude, etc.).

·         Du wahrst die Harmonie und sammelst Groll
Wenn Du versuchst, die Harmonie in Deiner Beziehung zu wahren und Dinge nicht ansprichst, die Dir am Herzen liegen, oder die Dich möglicherweise stören, dann vermeidest Du ebenfalls Intimität. Dann lebst Du in der Illusion von Friede-Freude-Eierkuchen, erreichst jedoch keinen höheren Grad an Intimität über möglicherweise intensive Gespräche. Es kann auch passieren, dass Du Groll herunterschluckst, um den Frieden nicht zu stören. Die Krux ist nur, dass jeder einzelne Grollpunkt, den Du sammelst, Nähe und Intimität ein stückweit zerstört, egal wie groß der Grollpunkt ist.

·         Du machst schlichtweg zu viele Dinge auf einmal:
Wenn Du zu viele Dinge auf einmal anpackst, dann kann es schnell passieren, dass Du flatterig wirst und in Deiner Geschwindigkeit und all dem Trubel vergisst, dass es Räume für Intimität und Liebe gibt, die eine völlig andere Geschwindigkeit haben. Insbesondere, wenn Dir die Dinge auch noch Spaß machen, kann dies eine Falle sein, denn Du fühlst Dich möglicherweise lebendig bei all Deinen Aktivitäten.

Es gibt noch viele weitere Strategien, um Nähe und Intimität zu vermeiden. Schreibe einmal auf, welches Deine Strategien sind. Frage auch Deinen Partner/Deine Partnerin, welche Strategien Du hast (das könnte übrigens eine sehr interessante Tür für ein tiefgehendes Gespräch sein, durch das mehr Nähe und Intimität entsteht!).


SCHRITT 2: Die Frage nach dem WARUM
Nachdem Du nun ein Bild davon hast, wie leicht es im Alltag ist, Intimität und Nähe zu vermeiden, ist die zweite Frage: WARUM machst Du das? Was genau vermeidest Du damit? Was steckt dahinter?

Überlege wirklich einmal für Dich, warum Du die Strategien zur Vermeidung von Intimität anwendest. Vielleicht möchtest Du verdrängen, dass Deine Beziehung Dich nicht wirklich erfüllt. Ein anderer Grund kann sein, dass Du vor Deinen eigenen Emotionen, Gefühlen und alten Wunden wegläufst, oder vor denen Deines Partners/Deiner Partnerin. Wenn Du Intimität und Nähe immer wieder vermeidest, kann es sein, dass ein Teil in Dir nicht wahrnehmen möchte, was gerade ist. Lieber entfremdest oder distanzierst Du Dich, anstatt diese Gefühle und Stimmungen als Tür zu mehr Intimität zu nutzen.

Die Krux ist, dass sich viele Menschen mehr Nähe und Intimität wünschen, gleichzeitig jedoch die Intensität, die durch Nähe entsteht, nicht aushalten wollen oder können. Sobald Du im Hier und Jetzt mit Deinem Partner/Deiner Partnerin präsent bist, es still wird und Ihr authentisch und verletzlich miteinander seid und sich die Tür für mehr Nähe und Intimität auftut (und das heißt nicht zwangsläufig Sex), können Gefühle in Dir auftauchen. Vielleicht nimmst Du diese zunächst als Unbehagen wahr, doch hinter einem Unbehagen verstecken sich meist unterdrückte Gefühle wie Wut, Freude, Traurigkeit oder Angst.

Wenn Du Räume für Nähe und Intimität öffnen möchtest, geht es darum, dem verletzlichen Teil in Dir zu erlauben, sich zu zeigen. Mit der Sichtweise, dass Gefühle nicht okay sind (wie wir es häufig lernen) kann das jedoch auch schmerzhaft sein oder sich gefährlich anfühlen. Möglicherweise hast Du Angst, weil Du nicht weist, wie Dein Partner/Deine Partnerin reagieren wird, wenn Du mitteilst, dass Du gerne etwas anderes im Bereich Sexualität ausprobieren möchtest. Oder es könnte eine Wut bzw. Groll an die Oberfläche kommen, weil Du einige Dinge, die in Deiner Beziehung nicht in Ordnung sind, bisher nicht ausgesprochen hast. Vielleicht gründet sich Dein Unbehagen aber auch darauf, dass Du Selbstzweifel hast („Ich bin nicht gut genug, nicht schön genug, nicht schlank genug, nicht stark genug….“). Oder Du fühlst Angst oder bist traurig über Deine eigene Schwäche und Unsicherheit. Sei radikal ehrlich mit Dir selbst. Es ist wirklich wertvoll, genau hinzuschauen, warum Du Intimität vermeidest. Das WARUM ist der Schlüssel zu mehr Intimität.

Um Intimität und Nähe in Deiner Beziehung herzustellen, ist es entscheidend, im Jetzt präsent zu sein, wahrzunehmen was ist (inklusive der Gefühle) und das was ist zu nutzen, um die Tür zu nährendem Miteinander zu öffnen.
Hier ein Experiment, wie Du in Deiner Beziehung wieder mehr Nähe und Intimität erschaffen kannst:

Experiment in Nähe
Vereinbare gemeinsam mit Deinem Partner/Deiner Partnerin eine Paar-Zeit, d. h. eine Zeit nur für Euch, ohne Kinder, ohne Freunde, ohne Logistik oder ToDo Listen. Setzt Euch gegenüber voneinander hin (für mehr Intensität ist idealerweise kein Tisch zwischen Euch). Schaut Euch zunächst einmal 3-5 Minuten nur in die Augen. Lasst Euch gegenseitig sehen. Es geht nicht darum, wer es länger aushält oder wer zuerst lacht. Das ist eine andere Absicht. Die Absicht hierbei ist, dass Ihr wieder miteinander andockt und Euch seht.

Nach den Minuten stillen Sitzens, eröffnet Ihr einen Mitteilungs-Raum. Du beginnst, authentisch aufrichtig zu teilen, wie es Dir gerade geht. Was fühlst Du? Was bewegt Dich? Wo stehst Du gerade. Der andere hört nur zu und sagt NICHTS! Idealerweise zeigt die andere Person auch keinerlei Mimik oder Gestik, die Dich manipulieren könnte, in einer bestimmten Richtung weiter zu erzählen (also kein Nicken, kein Lächeln…). Du teilst aufrichtig und verletzlich aus Deinem Herzen, wie es Dir geht. Wenn Du zu Ende gesprochen hast, ist Dein Partner/Deine Partnerin dran und Du hörst nur zu.

Es geht nicht darum, zu diskutieren, zu analysieren oder zu psychologisieren. Es geht darum, dass Ihr Euch authentisch, verletzlich und aufrichtig mitteilt. Hier und Jetzt. Es zählt nur dieser Moment. Kein Morgen, kein Gestern. Diese Art des Teilens wird bereits für einen großen Unterschied in Deiner Beziehung sorgen. Wenn Du Angst spürst dies zu tun, so ist es absolut angemessen. Du begibst Dich in unbekanntes Gebiet. Du weißt vielleicht nicht, wie es geht. Vertraue dieser Angst. Vertraue den Gefühlen in Dir und sprich sie aus (Du kannst sogar die Angst darüber teilen, dass Du nicht weißt, wie es geht). Gefühle sind neutrale Energie und Information, die Dir dienen und sie sind ein großartiger Schlüssel für Räume voller Nähe und Vertrautheit.

Intimität und Nähe sind nicht etwas, das Du einmal in Deiner Beziehung erschaffst und dann für immer hast. Das wäre schön. Doch es ist notwendig, achtsam zu sein und diese Räume immer wieder bewusst zu erschaffen, von Moment zu Moment, damit Deine Beziehung weiterhin blühen kann. Bist Du Bereit die Verantwortung für mehr Intimität und Nähe in Deiner Beziehung zu übernehmen?

In diesem Sinne, viel Spaß beim Experimentieren.

Herzliche Grüße, 
Nicola


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