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Mittwoch, 9. August 2017

NEW WORK: Organisatorische Resilienz - Wie erfüllt und inspiriert sind Ihre Mitarbeiter?



Heutzutage arbeiten mehr Menschen in bürokratischen Organisationen als je zuvor. Zwischen 1983 und 2014 wuchs die Anzahl der Manager, Leiter und anderen Angestellten in gehobenen Positionen in den USA um 90%. Ein vergleichbarer Trend ist in Europa zu sehen (Quelle: G. Hamel & M. Zanini). Es scheint, als ginge es darum, die Arbeitswelt durch Bürokratie mehr und mehr zu strukturieren und zu kontrollieren. Obwohl zahlreiche Geschäftsführer und Vorstände die gängige Bürokratie mittlerweile anprangern, gibt es gleichzeitig nur wenige, die Erfolge darin haben, sie zu verändern. Die verneinenden Kräfte, die Veränderungen sehr schnell wieder rückgängig machen möchten, sind groß. Fragen wie beispielsweise „Wie soll denn das ohne Bürokratie gehen?“ sind gängig.

Gary Hamel (www.garyhamel.com) hat es in seinem Artikel „Mehr von uns arbeiten in bürokratischen Organisationen als je zuvor“ auf den Punkt gebracht: „Man könnte argumentieren, dass in einer Welt, die sich durch steigende Komplexität auszeichnet, die Bürokratie unausweichlich ist. Wer, wenn nicht leitende Angestellte, sollte sonst all diese ärgerlichen, neuen Themen wie Globalisierung, Digitalisierung und soziale Verantwortung adressieren? Wer sonst sollte all die neuen Einhaltungs-Auflagen in Bezug auf die Themen Diversität, Risiko-Minderung und Nachhaltigkeit erfüllen? Diese Denkweise hat einen Schwall neuer C-Level Rollen hervorgebracht: Chief Analytics Officer, Chief Collaboration Officer, Chief Customer Officer, Chief Digital Officer, Chief Ethics Officer, Chief Learning Officer, Chief Sustainability Officer und sogar Chief Happiness Officer (Anmerkung der Autorin: im Deutschen entspräche das den L-Rollen: Leiter Analytik, Leiter Kollaboration, Leiter Kunden, Leiter Digitalisierung, Leiter Ethik, Leiter Weiterbildung, Leiter Nachhaltigkeit und sogar Leiter für Glück am Arbeitsplatz). Und noch nüchterner betrachtet: wer – wenn nicht Manager – sollte die Alltagsarbeit machen wie planen, priorisieren, zuteilen, überprüfen, koordinieren, kontrollieren, disponieren und vergüten? Trotzdem zeigt unsere Forschung, dass Bürokratie nicht unausweichlich ist; es ist nicht der unvermeidbare Preis, um Business in einer komplizierten Welt zu betreiben. Es ist vielmehr ein Krebs, der die ökonomische Produktivität und organisatorische Widerstandskraft auffrisst.“

Doch was bedeutet organisatorische Widerstandskraft? Im New Work Kontext bedeutet es, das ein Unternehmen mittel- und langfristig in dem Maße Bestand hat, wie seine Mitarbeiter als ein lebendiger Organismus.

Organisatorische Widerstandskraft im neuen Sinne
Drei wichtige Bestandteile von organisatorischer Widerstandskraft im neuen Sinne sind Gesundheit und Inspiration der Mitarbeiter und damit einhergehend das Thema der bewussten Gefühle. Doch an diesen Aspekten hapert es ganz massiv in der Unternehmenswelt. Zwar gibt es in Firmen Gesundheitsprogramme, Sportangebote, Grün-Oasen und sonstige Entspannungsangebote, doch trotzdem können die wenigsten Mitarbeiter sagen, dass ihr Job sie wirklich erfüllt. Sie sind nicht in ihren verschiedenen Körpern genährt. Was bedeutet das?

Es können vier Körper unterschieden werden (in einigen Lehren gibt es sogar noch mehr): physischer Körper, intellektueller Körper, emotionaler Körper und energetischer Körper (siehe Abbildung). Der physische Körper ist allgemein bekannt. Er besteht aus Knochen, Muskeln, Nerven und hat Sinnesorgane. Unter dem intellektuellen Körper versteht man den Verstand mit seinen Gedanken, Ideen und Meinungen. Der emotionale Körper umfasst das emotionale Herz mit Gefühlen. Der vierte Körper ist der sogenannte energetische Körper, der das Sein beinhaltet. Das Sein hat Präsenz, Vision, Bestimmung, Inspiration.

Möglicherweise haben Sie bereits beim Lesen festgestellt, dass Ihnen zwei der genannten Körper – der physische und intellektuelle Körper - bekannt sind, während die zwei anderen – der emotionale und energetische Körper - eher unbekannt sind.


 
Intellektueller Körper im Business Kontext
In der modernen, bürokratischen und auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft wird der intellektuelle Körper besonders genährt. Wissen wird fortlaufend in der Schule, im Studium und im Job vermittelt und ist zudem Dank des Internets und der Medien auch jederzeit verfügbar.  Wissen ist Macht, heißt ein Sprichwort. Wer viel weiß und große fachliche Kompetenz hat, kommt weit, so die Devise. Die Problematik dabei ist, dass der Großteil der Mitarbeiter in Firmen, sich maßgeblich mit ihrem Verstand identifiziert, denn nach wie vor stehen in bürokratischen Unternehmen die Umsatzzahlen im Vordergrund. Es wird analysiert, logisch geschlussfolgert, gerechnet und viel Zeit für logische Problemlösungen aufgebracht. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen, zu strukturieren, Prozessabläufe zu optimieren und Ziele zu erreichen, sodass letztendlich die geforderten Umsatzzahlen erreicht werden. Der intellektuelle Körper wird in der Arbeitswelt genährt durch diskutieren, Angebote schreiben, ein Meeting abhalten, planen, Strategien ausarbeiten, entwerfen, Kurse oder Workshops besuchen, an Konferenzen teilnehmen, eine Firma oder Abteilung führen, etc. Dieser Körper ist bei den meisten Mitarbeitern somit mehr als ausreichend genährt.

Physischer Körper im Business Kontext
Der physische Körper wird ebenfalls bis zu einem gewissen Grad genährt, in der Regel jedoch eher in der Freizeit, als im Job. Nahrung für den physischen Körper ist beispielsweise Bewegung, Sport, nahrhaftes Essen und Erholung in Form von ausreichend Schlaf und Urlaub. Im Job wird es mit diesen Komponenten jedoch bereits herausfordernd. Das fängt bereits beim Essen an. Viele Mitarbeiter stehen so unter Leistungsdruck, dass sie sich wenig bis gar keine Zeit für Pausen nehmen und beim Essen eher auf oftmals ungesundes und wenig schmackhaftes Kantinenessen zurück greifen oder auf den Fast Food Stand nebenan. Auch an der Bewegung mangelt es massiv. 8-12 Stunden im Büro und in Besprechungen zu sitzen, ist alles andere als zuträglich für den physischen Körper. Zwar stellen einige Unternehmen Fitness-Räume zur Verfügung oder bieten finanzielle Boni für Sportkurse in der Freizeit an, doch es ist eher ein geringer Anteil an Mitarbeitern, die das tatsächlich nutzen. Die meisten kommen eher müde und erschöpft aus dem Büro und haben wenig Lust sich dann noch aufzuraffen und zu sporteln.

Erholung, Auszeiten und Entspannung sind jedoch entscheidend. Inspiration und Kreativität können nur entstehen, wenn Geist und Körper sich erholen dürfen. Gerade das ist jedoch ein Thema, das in der gewöhnlichen Arbeitswelt zu kurz kommt. Wo Leistung und Zahlen im Vordergrund stehen, ist Erholung nur möglich, wenn es in den Terminkalender passt und dann in der Regel auch nicht länger als 2 Wochen. In dieser kurzen Urlaubszeit haben die meisten Schwierigkeiten, sich tatsächlich zu erholen, zumal oftmals noch die unausgesprochene Erwartung auf ihnen lastet, trotzdem für die Kollegen oder den Chef erreichbar zu sein, falls etwas Dringendes geklärt werden muss.

Emotionaler Körper im Business Kontext
Der emotionale Körper wird im Arbeitsumfeld – und der modernen Gesellschaft grundsätzlich - so gut wie gar nicht genährt. Nahrung für den emotionalen Körper bedeutet, Gefühle authentisch und verantwortlich auszudrücken und zu nutzen, sowie Offenheit, Verletzlichkeit, Mitgefühl und Zuhören ohne Diskussion zu praktizieren. Gerade das Thema Gefühle ist jedoch in der Business Welt ein absolutes Tabu, denn die Haltung der modernen Gesellschaft in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind. Wer Gefühle im Job zeigt, gilt als schwach, unprofessionell und nicht resilient. Insgesamt gibt es vier große Gefühlsterritorien, die unterschieden werden können: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Es gibt noch weitere Begriffe für Gefühle, die jedoch häufig zu einem der großen Territorien gehören (z. B. gehört Nervosität  in das Territorium der Angst, während Groll in das Territorium der Wut gehört) oder aber eine Vermischung von Gefühlen darstellen.

Unter der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind, ist es somit nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen vermeintliche Resilienz beweisen, indem sie die Gefühle irgendwie unterdrücken, runterschlucken und betäuben. Doch anstatt tatsächlicher Resilienz, also Widerstandskraft gegen Stress, werden sie immer schwächer, landen im Burnout oder haben andere psychosomatische Krankheiten (ziehen Sie einmal in Betracht, dass diese Krankheiten eine Vermischung von unbewussten, unausgedrückten Gefühlen über einen sehr langen Zeitraum sein können). Resilienz bedeutet in unserer Gesellschaft und Business Welt, die Taubheitsschwelle (also die Schwelle bei der Sie ein Gefühl überhaupt als solches wahrnehmen) möglichst hoch zu halten, beispielsweise durch Essen, Fernsehen, exzessiven Sport, Internet, Social Media, Shoppen, Alkohol, Zigaretten und sonstige Drogen. Gefühle, die jedoch nur betäubt werden und keinen bewussten Ausdruck finden, schlagen sich langfristig auf die Gesundheit nieder.

Eine neue Sichtweise in Bezug auf Gefühle basiert hingegen auf der Annahme, dass Gefühle neutrale Energie und Information sind, die Ihnen dienen, sowohl im Job, als auch privat. Sie sind wie ein inneres Navigationssystem, dass Sie zielsicher durchs Leben leitet.
  
Energetischer Körper im Business Kontext
Der vierte Körper ist der sogenannte energetische Körper. Wenn Sie nicht gerade Yoga oder Meditation ausüben, wird dieser wahrscheinlich das größte Rätsel sein. Der energetische Körper ist schwer greifbar und nicht logisch erklärbar, denn er umfasst das Sein, das Präsenz hat. Im gewöhnlichen Arbeitsumfeld ist der energetische Körper – genau wie der emotionale Körper – in der Regel ausgeklammert. Allein das Wort energetisch wird schnell als esoterischer Quatsch abgetan. Doch dieser Körper ist sehr entscheidend im Sinne einer neuen Art des Arbeitens. Das Sein hat nicht nur Präsenz hat, sondern ist vor allem die Quelle von Inspiration und Vision. Dass dieser Körper in der modernen Gesellschaft und gewöhnlichen Business Welt unterdrückt wird, ist dabei nicht verwunderlich. Mitarbeiter, deren energetischer Körper regelmäßig genährt wird, werden sich früher oder später gegen verkrustete Strukturen, die Evolution entgegenstehen, wehren und das wird von Managern, die großen Nutzen aus den bürokratischen Strukturen ziehen, alles andere als befürwortet. Mitarbeiter, die präsent sind und ihrer Inspiration folgen, sind nicht mehr manipulierbar.

Der energetische Körper wird genährt durch Evolution, Kreativität, transformatorische Prozesse, Entwicklung, aufrichtige Teamarbeit, Gemeinschaft, Wertschätzung der individuellen Seins-Qualitäten (im Gegensatz zu manipulierendem Lob) und dadurch, etwas Größerem zu dienen und seine Bestimmung in Aktion zu sein.

Die Antwort auf die Frage WIE? lautet JA!
Und was nun? Wie soll es in Unternehmen bewerkstelligt werden, dass alle vier Körper der Mitarbeiter genährt werden? Genau das ist so eine klassische Frage und es wäre ein leichtes zu sagen „Das geht nicht! Das ist Träumerei!“

Wie Gary Hamel sagt: „Es gibt keinen gut etablierten Weg, um eine post-bürokratische Organisation aufzubauen. Bürokratie einzudrücken erfordert Finesse, nicht brutale Gewalt. Wenn Sie die bürokratische Bremse in Ihrer Firma reduzieren wollen, werden Sie einen Veränderungs-Ansatz benötigen, der aufstrebend, kollaborativ, iterativ und klug ist. Der Schlüssel: revolutionäre Ziele und evolutionäre Wege.“

Somit kann die Antwort auf die Frage „Wie soll es gehen?“ nur lauten: „JA!“ Es geht nicht zuerst um das WIE. Wenn Sie das Wie als erstes beantwortet haben wollen, dann stehen Sie in 5 Jahren immer noch genau an dem gleichen Punkt. Sie planen, forschen, analysieren und schätzen alle Eventualitäten ab, um Sicherheit zu haben, wie es geht, anstatt loszugehen und es auszuprobieren. Bei einer neuen Art des Arbeitens und dem Etablieren von post-bürokratischen Vorgehen, steht jedoch die Verpflichtung als erstes im Vordergrund. Ziehen Sie einmal in Betracht, dass sich neue Möglichkeiten und Gestaltungsoptionen auftun, sobald Sie sich klar für einen neuen Weg entschieden haben. Das ist ein universelles Gesetz. Die Entscheidung und Verpflichtung kommt zuerst. Sie müssen nicht wissen, wie es geht (auch das mag sich für manche Manager wie ein apokalyptischer Albtraum anhören). Im Nichtwissen stehen zu können und auf dem neuen Weg durch permanentes Feedback und Coaching von Kollegen, dem Umfeld, etc. einen Schritt nach dem anderen zu machen, ist Teil einer großen Kompetenz im Rahmen von New Work.  

Sind Sie bereit ein Unternehmen mit zu gestalten, in dem die Mitarbeiter in allen 4 Körpern genährt sind und entspannt mit Inspiration und Leichtigkeit agieren?

Herzliche Grüße, 
Nicola Nagel


Tipp: Mehr zum Thema „New Work“ finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio. Details zur Kraft der Gefühle und ihrem großartigen Nutzen finden Sie darüber hinaus im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.


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www.viva-essenza.com

Mittwoch, 15. März 2017

Auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung: Die magische Wirkung von Wertschätzung



Langsam erwachen draußen die ersten Schneeglöckchen, die in der Natur den aufblühenden Frühling als nächste Jahreszeit ankündigen. Wie wäre es, wenn Du in Deiner Beziehung ebenfalls fruchtbare Samen säst, die schon nach kurzer Zeit auf magische Weise Deine Beziehung aufblühen lassen?

Dann lass uns mit einer gefährlichen Frage starten: Wann hast Du Deinen Partner/Deine Partnerin zuletzt aufrichtig wertgeschätzt?

Nach einem zumeist magischen und nährenden Start einer Beziehung vergessen viele Paare immer wieder, dass Beziehung ein fortwährender, bewusster Akt nicht-linearen Erschaffens ist. Stattdessen sitzen sie einer gängigen Gefahr auf, die auf dem Beziehungsweg lauert: der Gewohnheit. Gewohnheit kann ein wesentlicher Faktor sein, wenn eine Beziehung nicht erfüllend, sondern eher langweilig und konfliktgeladen ist. Meist ist es die Gewohnheit, die auf der ungeprüften Annahme basiert, dass man den Partner schon kenne und wisse, wer er ist und wie er reagiert. Die Sache ist jedoch die: Sobald Du morgens aufwachst und meinst, Deinen Partner zu kennen, ist die Beziehung tot. Dann bist Du nicht mehr präsent und aufmerksam. Genau das ist der Punkt, wenn Nähe und Intimität stagnieren und die Beziehung zu einer gewöhnlichen Beziehung mit Diskussionen, Konflikten und niederem Drama (das Täter-Retter-Opfer-Spiel) werden kann.

Es gibt viele verschiedene Aspekte, die zu gewöhnlicher Beziehung beitragen. Ein entscheidender Aspekt dabei ist jedoch fehlende Wertschätzung und zwar fehlende Wertschätzung des Partners und der Beziehung. In der modernen Gesellschaft liegt der Fokus zumeist auf dem Haben und Tun, also dem, was eine Person hat (getreu dem Motto „mein Haus, mein Auto, meine Yacht“) und das, was sie tut (welche Position sie beispielsweise im Job bekleidet, oder welches Ehrenamt sie ausführt). Dieser Fokus wirkt sich in Beziehungen oftmals dahingehend aus, dass der ein oder andere meint, er/sie müsste etwas tun oder haben, um dem anderen zu gefallen oder die Beziehung lebendig zu halten. Es werden beispielsweise Blumen gekauft, Geschenke gemacht, in der Wohnung etwas repariert, ein neuer Fernseher gekauft, für den anderen gekocht, etc. Doch über das Tun und Haben werden weder die Beziehung noch die Partner genährt. Nahrung in einer Beziehung entsteht u. a. über die Rückbesinnung auf das, was in der modernen Gesellschaft abhanden gekommen ist: die Wertschätzung der Seins-Qualitäten.

Wenn ein Mensch in seinem Sein wertgeschätzt wird, fühlt er sich gesehen und kann aufhören sich über das Tun oder Haben zu definieren. Doch wie funktioniert Wertschätzung des Seins?

Wie funktioniert aufrichtige Wertschätzung?
Wertschätzung des Seins fokussiert darauf, wie eine Person in ihrem Wesen tatsächlich ist. Es geht also nicht darum zu sagen „Du hast ein schickes Hemd an“, „Du hast schöne Augen“, oder „Mir gefällt Dein neuer Haarschnitt“. Es geht vielmehr darum, die Person, die Dir gegenüber sitzt oder steht in ihrem Wesen wertzuschätzen.

Dazu nimmst Du eine offene Körperhaltung ein (keine verschränkten Arme oder Beine), schaust der Person gegenüber direkt in die Augen und lässt Deine 100%ige Aufmerksamkeit auf ihr ruhen. Dann beginnst Du, die Seins-Qualitäten der Person in ihren Augen zu lesen. Du schaust also durch die Maske des Tuns und Habens hindurch und wertschätzt die Person für das, was sie tatsächlich IST.



Wenn Dein Partner beispielsweise ein schönes Essen gekocht hat, schätze ihn für seine Seins-Qualität anstatt für das Tun, indem Du sagst: „Danke für Deine liebevolle Fürsorge. Du bist so aufmerksam.“ Das ist etwas völlig anderes, als zu sagen „Wow, Du hast aber toll gekocht“. Spürst Du den Unterschied? Hier ein anderes Beispiel: Wenn Du mit Deiner Partnerin einen ruhigen Abend angedacht hast, ihr bei Deiner Heimkehr eröffnest, dass noch spontan Freunde vorbei kommen und sie sagt: „Okay!“, dann könntest Du sie wertschätzen indem Du sagst: „Danke für Deine Flexibilität. Du bist so offen und gelassen.“ Dies sind wohlgemerkt Beispielsätze. Wichtig ist, dass Du die jeweiligen Seins-Eigenschaften des anderen in dem Moment tatsächlich siehst.

Was macht Dein Gegenüber tatsächlich aus? Warum bist Du mit ihm/ihr in Beziehung? Schau genau in die Augen. Ein Teil von Dir findet das möglicherweise beängstigend und sagt „Ich sehe da nichts. Ich kann das nicht.“ Bleib dran. Schau genau hin und vertraue den Impulsen, die Du bekommst, während du versuchst die Seins-Eigenschaften in den Augen der andern Person zu lesen. 

Wertschätzung muss nicht lange dauern, wirkt jedoch wie Magie, wenn Du sie jeden Tag einsetzt. Ein wertschätzender Satz dauert 10 Sekunden. Natürlich kannst Du Dir auch mehr Zeit nehmen und Dein Gegenüber z. B. 3 Minuten lang wertschätzen. Dann könntest Du noch ganz andere Seins-Facetten entdecken und vielleicht sogar ein wenig poetische Bilder als Beschreibung verwenden: „Ich schätze Deine Achtsamkeit, mit der Du unseren Beziehungsraum ausfüllst. Du bist ein achtsamer, kraftvoller Krieger, der bereit ist, voranzugehen und Grenzen zu setzen, wenn sie notwendig sind. Ich schätze Deinen Mut und Deine Verpflichtung…“ oder „Du bist wie ein Feuerwerk voller bunter Farben. Ich schätze Deine Kreativität und Begeisterung, mit der Du Dich dem Projekt widmest.“

Jede aufrichtige Wertschätzung ist wie eine Liebeserklärung und ist sehr heilsam, wirksam und verbindend, sowohl für denjenigen, der Wertschätzung bekommt, als auch für denjenigen, der Wertschätzung gibt. Darüber hinaus stärkt die Wertschätzung von Seins-Qualitäten zweier Menschen in Beziehung auch die Beziehung an sich. Wertschätzung ist auch für die Beziehung nährend und heilsam. Wenn Du eine Person wertschätzt fühlt sie sich gesehen und automatisch bestätigt für das, was sie mit ihren Qualitäten in die Beziehung einbringt. Viele Menschen strengen sich in Beziehung unglaublich an und tun etwas, um Aufmerksamkeit zu bekommen. In der modernen Gesellschaft scheint ein unglaublicher Mangel an Aufmerksamkeit zu herrschen. Wertschätzung der Seins-Qualitäten fokussiert auf das, was eine Person in ihrem Wesen IST und sie erhält in dem Moment 100% Deiner Aufmerksamkeit, was ebenfalls Verbindung schafft. Wenn Du Wertschätzung wieder zu Deiner täglichen Praxis machst, werden diese Samen sehr bald Früchte tragen.

Fallen auf dem Weg zur Wertschätzung!
Wenn Du die Absicht hast, Wertschätzung wieder zu praktizieren, um Deine Beziehung auf magische Art und Weise aufblühen zu lassen, ist es hilfreich, einige Fallen zu kennen:

1.    Die Lob-Falle: Wie bereits kurz erwähnt, wird Wertschätzung häufig verwechselt mit Lob. Mit Lob ist der ein oder andere zwar noch vertraut, doch gibt es einen großen Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung. Lobes-Sätze wie „Das hast Du super gemacht“ begrenzen sich wieder auf das, was eine Person tut. Es geht beim Loben nicht um die eigentlichen Sein-Eigenschaften der anderen Person. Zudem dient Lob oftmals der unbewussten, subtilen Manipulation. Wenn Du beispielsweise jemandem sagst „Das hast Du toll gemacht“, was ist dann Deine eigentliche Botschaft? Die eigentliche Botschaft lautet womöglich: „Ich möchte dass Du das in Zukunft weiter tust.“ Sei wachsam. Widme Dich der Wertschätzung.

2.    Die Kontinuitäts-Falle: Vielleicht nimmst Du Dir vor, Deinen Partner ab sofort wieder bewusst wertzuschätzen, doch schon nach kurzer Zeit vergisst Du es wieder. Schaffe Dir einen Erinnerungsfaktor, den Du jeden Tag mehrmals siehst. Ein W für Wertschätzung auf einem Zettel, ein Punkt, den Du auf Deine Hand malst, oder was auch immer. Um die Gewohnheit des Nicht-Wertschätzens aufzubrechen, ist es notwendig, diszipliniert jeden Tag Wertschätzung zu geben. Du kannst übrigens nicht nur in einer Paar-Beziehung Wertschätzung üben, sondern gleichermaßen in Beziehungen zu Freunden, Kollegen oder sogar in der Begegnung mit der Verkäuferin in der Bäckerei (die z. B. sehr sorgfältig das Brot einpackt. Danke ihr einfach für ihre Sorgfalt).

Die Kontinuitätsfalle kann sich auch einschleichen, wenn Dein Partner die Wertschätzung zunächst scheinbar nicht annehmen kann. Es gibt Menschen, für die ist es extrem ungewohnt, in ihrem Sein gesehen zu werden, sodass sie versuchen, die Wertschätzung zunächst einmal abzublocken. Bleib trotzdem dran. Wertschätze weiter die Seins-Eigenschaften. Irgendwann wird auch der härteste Brocken die Wertschätzung rein lassen.

3.    Die Jäger-und Sammler-Falle: Vielleicht hast Du schon einmal gehört, dass Frauen aus einem Urinstinkt heraus eher die Sammlerinnen und Männer eher die Jäger sind. Das Sammlerinnen-Gen der Frauen hat früher beinhaltet, dass die Frau auf einer großen Wiese voller leckerer Kräuter und Pilze genau den einen Pilz sehen konnte, der den Stamm damals vergiftet hätte. Dieses Gen tragen die Frauen immer noch in sich. Auf die moderne Zeit übertragen bedeutet das, dass die Frau heutzutage genau den einen Aspekt findet, den der Mann in der Beziehung ihrer Meinung nach NICHT richtig gemacht hat. Für die Frauen geht es also darum, genau davon abzurücken und den Mann für die wunderbaren Seins-Eigenschaften wertzuschätzen, die ihn ausmachen und die sich auch in der Beziehung zeigen, anstatt ihm den einen unglücklichen Punkt vorzuhalten.

Bei Männern ist das Verhalten aufgrund des Jäger-Gens etwas anders gelagert. Früher war es entscheidend, sich als Jäger im Wald auf das eine Stück Wild zu konzentrieren und keine Ablenkung durch Kräuter und Pilze zuzulassen. Auf die moderne Zeit übertragen bedeutet das, dass Männer sich gerne auf nur eine Sache konzentrieren und alles andere um sich herum in dem Moment vergessen. Die Herausforderung besteht für die Männer also darin, Wertschätzung als ein „wichtiges Projekt“ in den Alltag aufzunehmen, damit sie nicht zwischen all den anderen wichtigen Einzelprojekten die Wertschätzung vergessen.

Letztendlich aber braucht es Deine Verpflichtung, die Wertschätzung der Seins-Qualitäten wieder in Deinen Alltag zu integrieren. Beziehung ist wie gesagt ein fortwährender, bewusster Akt nicht-linearen Erschaffens. Es mag am Anfang mühsam sein, doch wenn Du dran bleibst und Deinen Partner oder die Menschen in Deinem Umfeld immer wieder aufrichtig wertschätzt, wirst Du feststellen, wie Deine Beziehungen auf magische Art und Weise aufblühen.

Viel Freude beim Experimentieren.

Wertschätzende Grüße,
Nicola Nagel



 
P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen kannst Du übrigens in den sogenannten Expand The Box Trainings und Possibility Laboratorien erlernen und erfahren. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu finden Sie auf:http://www.viva-essenza.com/66/privattraining/expand-the-box-training 




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