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Freitag, 17. Januar 2020

4 entscheidende Schritte für einen kraftvollen Neustart

Bist Du schon einmal mit einem Heißluftballon gefahren? Ich hatte neulich die Gelegenheit dazu und es war ein großartiges Abenteuer. Um den Ballon für den Start vorzubereiten, liegt die Stoffhülle erst der Länge nach ausgerollt, platt auf der Wiese und das ganze Konstrukt von Stoffhülle und Passagier-Korb ist an einer langen Leine fixiert. Das ist der Ausgangszustand. Dann wird in die Stoffhülle mit einem Gebläse kalte Luft hineingeblasen, der Ballon verändert mehr und mehr seine Form und bläht sich auf. Zum Schluss wird heiße Luft hineingegeben. Erst dann richtet sich der Ballon mit Korb vollständig auf. Sobald das passiert, sind zwei Schritte entscheidend, um wirklich Durchstarten und Abheben zu können: es müssen in Windeseile alle Passagiere ohne zu zögern in den Korb steigen und gleichzeitig muss die Fixierleine gelöst werden.

Nimm dieses Bild einmal für Dein Leben. Hast Du Dir schon einmal vorgenommen neu durchzustarten und z. B. grundlegend in Deinem Leben etwas zu verändern, doch es ist Dir nicht gelungen? Nun, das könnte daran liegen, dass Du wichtige Schritte übersehen hast. Um neu durchstarten zu können, sind vier Schritte entscheidend:

  1. Deine Vision in Besitz nehmen
  2. Deine Passagiere bewusst an Bord bringen
  3. Deine persönlichen Fixierleinen lösen
  4. Durchstarten


1. Deine Vision in Besitz nehmen
Wenn Du neu durchstarten möchtest, hast Du meist eine Idee, eine Vision, eine Sehnsucht oder einen Traum. Zieh einmal in Betracht, dass alles, was Du Dir vorstellen kannst, bereits existiert. Das, was Du Dir vorstellen kannst und authentisch aus Dir selbst kommt, ist bereits eine von vielen Optionen in Deinem Leben, denn sonst könntest Du sie Dir nicht vorstellen. Es ist sozusagen bereits eine andere Version von Dir, auf die Du Dich bisher jedoch nicht fokussiert hast. Wichtig ist dabei der Aspekt der Authentizität. Es geht nicht darum, das Universum arrogant herauszufordern und Dir vorzustellen, dass Du der Präsident der USA bist. Frederic Dodson schreibt in seinem Buch „Paralleluniversen des Selbst“ dazu: „Finde etwas, das du sein, tun oder haben möchtest, etwas das dir erreichbar erscheint. Du musst bereit sein, dazu zu stehen. Wenn du nicht weißt, was du möchtest, definiere etwas, das du nicht mehr erfahren willst und formuliere dann das Gegenteil davon.“

Einen Fehler, den viele machen, ist der, dass sie Bilder ihrer Vision in die Zukunft projizieren. Sie stellen sich also vor, dass ihr Traum oder ihre Vision irgendwann zum Zeitpunkt X eintreten wird. Damit bist jedoch nicht in Deiner Kraft. Du lebst in der Zukunft. Der energetische Impuls, den Du dadurch aussendest, ist der, dass Deine Vision oder Dein Traum Zukunft bleiben wird. Du nimmst sie nicht wirklich in Besitz. Es geht stattdessen darum, dass Du Deine Vision in das Hier und Jetzt bringst. Wie machst Du das?

Um Deine Vision in Besitz zu nehmen, ist es notwendig, dass Du still wirst, in Dich gehst und die Augen schließt, alle Gedanken ziehen lässt und ein neutraler Beobachter wirst. Du machst Dich leer. Dann lässt Du ein Bild auftauchen, das die Version von Dir repräsentiert, die die gewünschte Realität bereits erfährt. Frederic Dodson beschreibt es so: „Es ist mehr wie ein entspanntes Empfangen von der Version, welche bereits verfügbar und in der Nähe ist. Du brauchst dafür keine Willenskraft…sondern du erkennst die Version von dir, die bereits in einem parallelen Universum existiert. Schau auf die Version von dir, für die die gewünschte Realität bereits real ist.“

Um Deine Vision bzw. die neue Version von Dir dann vollends in Besitz zu nehmen, trittst Du schließlich in den neuen Standpunkt und das Energiefeld der neuen Version von Dir ein. Du bist kein neutraler Beobachter mehr wie zuvor, sondern tauchst als diese neue Person in die Realität ein.

Dodson spezifiziert es wie folgt: „Erlebe dieses Bild nicht nur als mentales Ereignis, sondern berühre es, empfinde es mit deinem Körper, fühle es. Du tust das nicht, um die Realität später einmal zu erleben oder um die Realität in der äußeren Welt zu erfahren. Du trittst in die neue Version ein, um die Freude bereits im Hier und Jetzt zu erfahren…Verweile einige Minuten hier, bevor du den Prozess mit geschlossenen Augen beendest.“


2. Die Passagiere bei Deinem persönlichen Neustart
Sobald Du die Vision, die Du erfahren möchtest, in Besitz genommen hast, ist es wichtig im zweiten Schritt Deine Passagiere bewusst an Bord zu bringen. Vielleicht fragst Du Dich, wer bei Deinem persönlichen Durchstarten die Passagiere sind. Nun, es sind nicht die Menschen in Deinem Umfeld. Vielmehr geht es bei den Passagieren um Deine unterschiedlichen Körper.

Wenn Dir vom Verstand her (intellektueller Körper) völlig klar ist, dass Du durchstarten willst, wird es Dir vermutlich nicht gelingen, wenn Du nicht auch den physischen Körper (mit seinen Sinnen, Muskeln, Knochen), den emotionalen Körper (das emotionale Herz mit seinen Gefühlen) und den energetischen Körper (das Sein mit seiner Präsenz und Vision) an Bord holst. Du kannst logisch alles durchdacht und geplant haben, doch all das nützt Dir nichts, wenn Du nicht von der Inspiration des energetischen Körpers durchdrungen bist und Deine Gefühle ignorierst.

Wie Du oben bereits gelesen hast, ist es u. a. wichtig, die neue Version von Dir zu riechen, zu schmecken, zu spüren und Dich so zu bewegen und zu schauen, wie sich die neue Version von Dir bewegt. Deswegen ist es entscheidend, dass Du Dir des physischen Körpers bewusst bist, der all diese Sinne hat.

Dem emotionalen Körper kommt als Passagier bei einem Neustart eine ganz besondere Bedeutung zu. Neu durchzustarten bringt in der Regel mit sich, dass Du etwas Altes oder Gewohntes loslässt oder nicht mehr tust, um einen anderen Weg einzuschlagen. Es ist in dem Fall angemessen, die Traurigkeit zuzulassen und auszudrücken. Mach Dir bewusst, dass Neustart bedeutet, dass etwas Altes stirbt.

·         Was genau lässt Du los?
·         Was bleibt zurück?
·         Welcher Gewohnheit gehst Du nicht mehr nach?
·         Was streichst Du aus Deinem Leben?
·         Was stirbt?

Das können kleinere und auch größere Dinge sein. Wenn Du beispielsweise jahrelang einen Job gemacht hast und Du nun neu durchstarten und einen anderen Job annehmen willst, dann ist es hilfreich, Dir die Zeit zu nehmen, die Traurigkeit zu spüren und Dich von dem alten Job und den Kollegen auch innerlich bewusst zu verabschieden. Die meisten gehen darüber hinweg, denn in der Gesellschaft wird Traurigkeit meist als schwach, unprofessionell oder schlecht angesehen. Doch selbst, wenn Du den Job zum Schluss nicht mehr gerne gemacht hast, so geht trotzdem etwas zu Ende. Die Traurigkeit ist die Gefühlskraft, die Dir hilft, nach innen zu schauen, Dinge gehen zu lassen, zu heilen und Platz zu schaffen für etwas Neues. Wenn Du sie nicht bewusst zulässt, dann kann es passieren, dass Du stecken bleibst, weil Du unbewusst das Alte noch nicht losgelassen hast. Du musst deswegen nicht stundenlang weinen (obwohl das auch angemessen sein kann). Es geht um die Bewusstheit.

Vor einem Neustart ist es auch angemessen, Angst zu haben. Du brauchst die Angst, um Neuland zu betreten, um im Nichtwissen stehen zu können, um kreativ  und mutig zu sein. Sie lässt Dich wach und präsent sein. Wenn Du rational versuchst, Dir die Angst auszureden, beraubst Du Dich einer Antriebskraft, die für das Durchstarten notwendig ist.

Auch Wut und Freude sind beim Durchstarten notwendig. Wut brauchst Du, um Klarheit zu schaffen (das will ich und das will ich nicht mehr), Grenzen zu setzen und in Aktion zu treten. Und die Freude wird sich automatisch einstellen, wenn Du bereits die neue Version von Dir in Besitz nimmst. Die Freude brauchst Du, um begeistert bei Deiner Vision zu bleiben und Neues auszuprobieren.

Wenn Du Dir aller vier Körper bewusst bist und sie als Passagiere an Bord hast, dann kannst Du Deine neue Vision SEIN.


3. Deine persönlichen Fixierleinen lösen
Ein Heißluftballon kann wie gesagt nicht durchstarten, wenn die Passagiere zwar an Bord sind, aber die Fixierleine nicht gelöst ist. Was sind also Deine persönlichen Fixierleinen? Die persönlichen Fixierleinen sind meist Annahmen, Glaubenssätze und Meinungen, die Du hast. Es kann sein, dass Du versteckte konkurrierende Verpflichtungen hast, die Dich unbewusst davon abhalten, Deine Vision bzw. die neue Version von Dir zu leben. Um diese Fixierleinen zu lösen, nimm Dir einmal in Ruhe Zeit und beantworte nach und nach auf einem Blatt Papier folgende Fragen:

(1)  Was hast Du bisher nicht realisieren können, obwohl Du es Dir wirklich wünscht? Was ist sozusagen Dein bisheriger Misserfolg?
(2)  Was sind Deine Ängste, falls Du erfolgreich wärest? Was befürchtest Du, könnte passieren?
(3)  Auf welchen Annahmen basieren diese Ängste?

Nimm Dir für diese ersten 3 Schritte in Ruhe Zeit. Reflektiere. Sei radikal ehrlich. Dieses Experiment kann Dein Leben verändern. Wenn Du alle Ängste und Annahmen aufgeschrieben hast, gehe die Annahmen noch einmal durch und beantworte folgende Frage:

(4)  Sind diese Annahmen aus heutiger Sicht immer noch wahr oder falsch? (markiere jede Annahme entsprechend mit W oder F):
(5)  In Bezug auf welche mit F markierte Annahme würdest Du gerne eine neue Annahme treffen? Wie lautet sie?

Du wirst bei diesem Experiment feststellen, dass Deine Ängste auf alten Annahmen und Geschichten basieren, die Dich bisher an dem Platz und in den vermeintlichen Umständen festhielten, wo Du derzeit steckst. Um neu durchstarten zu können, ist es deswegen hilfreich, neue Annahmen zu treffen. Entscheidend ist dabei, noch ein weiterer Schritt:

(6)  Schaffe Dir in Deinem Alltag kleine Experimente, die Deine neue Annahme untermauern.
Vielleicht fragst Du Dich jetzt, was Du mit den Annahmen machst, die Du nach wie vor für wahr hältst. Nun, Du kannst sie vorerst behalten. Mache Dir jedoch bewusst, dass sie nach wie vor eine kleine Fixierleine darstellen, die Dich möglicherweise nicht vollends abheben lässt.


4. Neu durchstarten
Wenn Du die Schritte 1 bis 3 durchlaufen hast, also Deine Vision in Besitz genommen hast, Deine vier Körper Passagiere bewusst an Bord geholt hast und Deine Fixierleine in Form von Annahmen gelöst hast, dann bleibt nur noch eins:

Starte durch und begib Dich ins Unbekannte!

Es braucht Mut, das zu tun. Du wirst mit großer Wahrscheinlichkeit Angst spüren (denn Du hast Deinen emotionalen Körper als Passagier an Bord). Es ist absolut angemessen, diese Angst zu spüren, denn Du weißt nicht genau, wie das Neue sein wird. Du hast vielleicht eine grobe Idee, doch letztendlich kannst Du nie genau wissen, wie es wird. Das ist Leben!

Habe ich Angst, wenn ich im Leben durchstarte? Ja! Hatte ich Angst, als der Ballon neulich abgehoben ist? Ja! Auf einer Skala von 0 bis 100% habe ich vielleicht 25% Angst gefühlt. In dem Moment, als ich im Korb stand und dieser anfing, sich zu bewegen, war mir klar, dass ich mich in völlig unbekanntes Gebiet begebe und der Ballon nicht steuerbar ist. Du weißt vorher nie, wo Du rauskommst. Im nächsten Moment ging es dann auch schon rasant nach oben bis wir unsere Reisehöhe erreicht hatten. Ein echtes Durchstarten eben!

Also, starte durch und lass Dich vom Wind dahin wehen, wo Deine Inspiration liegt. Versuche es nicht zu kontrollieren, denn meist wartet noch etwas viel besseres auf Dich, als das Bild, das Du von Deiner neuen Version hattest.

Herzliche Grüße,
Nicola




Inspiration, die bewegt!
www.viva-essenza.com
 


Dienstag, 17. September 2019

Ein magischer Schlüssel für ein erfülltes Leben


Es ist schon wirklich verrückt: Da möchtest Du in Deinem Leben etwas verändern, um z. B. eine erfülltere Partnerschaft oder insgesamt ein erfüllteres Leben zu leben, malst Dir genau aus, wie es aussehen könnte, um dann letztendlich doch nicht die Kurve zu kriegen. Stattdessen machst Du weiter wie bisher und fragst Dich, wie Du es nur anstellen sollst, Dein Leben zu verändern.  

Vielleicht möchtest Du Dich beispielsweise selbständig machen und bist wirklich inspiriert und voller Vorfreude in Bezug auf diese Veränderung. Doch letztendlich machst Du dann nicht den Schritt. Oder vielleicht möchtest Du ein Gespräch mit Deinem Partner/Deiner Partnerin führen, das Eure Beziehung grundlegend betrifft. Du weißt, dieses Gespräch wäre notwendig, um Eure Beziehung auf die nächste Ebene zu bringen. Und doch kratzt Du vorher die Kurve und sprichst das Thema doch nicht an. Vielleicht wäre es auch an der Zeit einem Kollegen, oder einer Freundin zu sagen, dass sein/ihr Verhalten Dir gegenüber nicht in Ordnung war. Doch dann schluckst Du es doch lieber runter. Kennst Du das?

Die meisten von uns haben das schon erlebt. Es passiert sogar fast täglich, dass wir Dinge nicht tun, weil sie außerhalb unserer bekannten Komfortzone liegen. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Warum schreist Du nicht jedes Mal HURRA, wenn Du Veränderung in Deinem Leben herbei führen könntest?

Vielleicht traust Du Dich nicht, weil Du z. B.:
·         das Altbekannte als sicher und bequem wahrnimmst,
·         befürchtest, die Kontrolle zu verlieren,
·         Nicht weißt, welches der nächste Schritt ist, wenn Du eine Entscheidung triffst,
·         Nicht weißt, wie eine andere Person möglicherweise reagieren wird,
·         Nicht weißt, wie Veränderung geht bzw. wie Du es überhaupt anstellen sollst,
·         Lieber erst einmal detaillierte Pläne machen willst, um alle Eventualitäten einzubeziehen und sicher zu gehen, dass die Veränderung auch gelingt,
·         Etc.

Der magische Schlüssel
Vor Veränderung zurück zu schrecken ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen. Für viele Menschen ist es einfacher, so weiter zu machen wie bisher, als in ihrem Leben etwas zu verändern. Was dahinter steckt, ist ein Schlüssel, der notwendig ist, um Veränderung tatsächlich durchzuführen, der uns jedoch oftmals verborgen ist. Dieser Schlüssel erlaubt uns, Veränderung nicht nur anzugehen, sondern auch halten zu können. Diese Kraft ist eine Gefühlskraft: die Angst!
Wenn Du Veränderung herbeiführen möchtest und ein erfülltes Leben leben möchtest, dann brauchst Du die Angst! Ein Teil von Dir wird jetzt vielleicht fragen: „Wieso brauche ich dazu die Angst. Wenn ich ein erfülltes Leben möchte, dann möchte ich doch genau keine Angst haben.“ Genau da liegt jedoch der Hase im Pfeffer.

In der Regel wachsen wir schon in der Kindheit mit einem Glaubenssatz auf, der in der modernen Gesellschaft und insbesondere in den Medien täglich weiter genährt wird. Nämlich, dass Angst schlecht ist und Du sie besser nicht fühlst. Das hängt letztendlich auch mit dem ganzen Bewertungssystem von richtig und falsch bzw. gut und schlecht zusammen. Wenn Du Angst hast, dann heißt es, Du bist feige, nicht ernst zu nehmen, unprofessionell und nicht entscheidungsfähig. Angst blockiert, löst Panik aus und führt zu nichts. Das ist die gängige Meinung. Somit ist es nur verständlich, dass die meisten Menschen keine Angst fühlen wollen. 

Als Konsequenz hast Du möglicherweise die Haltung entwickelt: „Oh, sobald ich Angst spüre, stimmt da etwas nicht.“ Das bedeutet, in dem Moment, wo Du in Deinem Leben etwas verändern möchtest und Angst spürst, poppt unbewusst die Bedeutung im Hinterkopf auf, dass Angst nicht okay ist und Du gehst wieder zurück mit der Erklärung „Oh, ich spüre Angst. Die darf nicht sein. Die will ich nicht spüren. Der Schritt kann nicht richtig sein.“ 

Das Paradox
Doch zieh einmal in Betracht, dass dies ein Paradox in sich ist, denn da wo Veränderung stattfindet, ist Angst ganz natürlich. Angst ist eine großartige Gefühlskraft. Es ist kein Designfehler vom Universum. Stattdessen spürst Du Angst – und auch die anderen Gefühle – aus einem bestimmten Grund. Die Angst ist essentiell, wenn Du wirklich Veränderung herbeiführen möchtest. Um die Angst in der Form wirklich nutzen zu können, ist es wichtig, die alte Sichtweise und die alte Haltung abzustreifen und eine neue Sichtweise in Bezug auf die Angst einzunehmen. Ziehe daher einmal folgendes in Betracht: Angst ist neutrale Energie und Information, die Dir dient. Angst ist Angst! Nur das.

Eine neue Sichtweise
Wenn Du diese neue Sichtweise einnimmst, wie könnte Angst Dir dann als wertvolle Kraft dienen? Nun, Du brauchst die Angst, um kreativ zu sein, um mutig zu sein, um einen Schritt in unbekanntes Gebiet zu gehen, um eine Veränderung herbei zu führen, bei der Du das Resultat noch nicht kennst. Du brauchst die Angst, um innovativ zu sein, um Deiner Intuition mehr zu trauen als Deinem Verstand. Die Angst lässt Dich wach und präsent sein. Sie schützt Dich auch in echten Gefahrensituationen. Zudem brauchst Du die Angst, um im Nichtwissen stehen zu können. 

Im Nichtwissen zu stehen, ist eine Fähigkeit, die absolut notwendig ist, wenn es um Veränderung geht. Die meisten versuchen, Veränderungen im Vorfeld bis ins Detail zu planen. Doch viele Komponenten kannst Du meist nicht beeinflussen. Du weißt beispielsweise nicht, wie Dein Umfeld reagieren wird, wie Dein Partner/Deine Partnerin reagieren wird oder ob Du erfolgreich sein wirst, wenn Du Dich selbständig machst. Du kannst Dich vorbereiten und Pläne machen. Du kannst es Dir ausmalen. Doch letztendlich bleibt ein Restrisiko und der Schritt in neues Gebiet  und genau da kommt die Angst wieder ins Spiel.

Was machst Du beispielsweise, wenn auf Deinem Veränderungsweg unvorhergesehene Dinge passieren? Gehst Du dann wieder zurück in Dein Zimmer und planst von vorne oder hörst ganz auf? Das wäre die Variante, wenn Angst für Dich nicht okay ist. Wenn Du die neue Sichtweise hingegen nutzt und die Angst als Freundin an Deiner Seite siehst, kannst Du einfach sagen: „Aha…Planänderung…ich spüre Angst…okay, prima…Angst ist Angst, eine neutrale Kraft…dann nutze ich diese jetzt einmal, um zu improvisieren und probiere einen Schritt in die andere Richtung.“ Angst ist die Kraft des Magiers, der Erschaffers, der Person, die aus dem Nichts etwas Neues zaubert. Gleichzeitig geht es um den bewussten und verantwortlichen Umgang mit der Angst. Es hat nichts mit Leichtsinn zu tun.

Die Angst vor der Angst
Mit dem Glaubenssatz, dass Angst schlecht ist, haben die meisten Menschen Angst vor der Angst. Um die Angst, die bei Veränderungen automatisch aufkommt, nicht spüren zu müssen, betäuben sie sich und gehen drüber hinweg oder lassen die Veränderung erst gar nicht zu. Sich zu betäuben, um die Angst (oder auch andere Gefühle) nicht spüren zu müssen, kann auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen geschehen, z. B. durch Alkohol, Zigaretten, sonstige Drogen, Surfen im Internet, Sport, viel Arbeiten, Fernsehen, Junk-Food, Süßigkeiten, ständig auf Workshops sein, auf Parties gehen, oder sich anderweitig ablenken. 

Die Männer- und Frauenreaktion bei Angst
Sobald Du Angst spürst, kann zudem noch folgendes passieren, um darüber hinweg zu gehen:
Wenn Du eine Frau bist, kann es sein, dass Du Deine Angst vor der Angst mit Traurigkeit überdeckst. Du wirst möglicherweise eher still oder weinst, weil Du nicht weißt, wie Du mit der Angst umgehen sollst.


Wenn Du hingegen ein Mann bist, kann es sehr schnell passieren, dass Du wütend wirst, wenn Du eigentlich Angst spürst. Das hängt damit zusammen, dass Männern im Patriarchat beigebracht wird, dass sie stark sein und die Dinge im Griff haben müssen und bloß keine Angst zeigen dürfen.
Es geht darum, mit diesen alten, hinderlichen Glaubenssätzen endlich aufzuräumen. Werde Dir bewusst darüber, dass die Angst eine Kraft mit neutraler Energie und Information ist, die essentiell ist, wenn Du ein erfülltes Leben leben möchtest. 

Ein erfülltes Leben erfordert, dass Du
·         Veränderungen herbei führst,
·         Dinge, die nicht mehr stimmig sind, los lässt,
·         Neues ausprobierst,
·         über Deinen Horizont schaust,
·         in unbekanntes Gebiet gehst,
·         authentisch wirst (d. h. Gefühle – vor allem auch die Angst - zulässt),
·         Deiner Inspiration folgst.

Ziehe als Mann zudem in Betracht, dass es ungemein entspannend für Deine Beziehung ist, wenn Du die Angst in Besitz nimmst, d. h. bereit bist, sie zu fühlen und zu nutzen. Dadurch wirst Du nicht nur authentisch, sondern zeigst, dass Du bereit bist, auch herausfordernde Situationen zu meistern und gemeinsam zu forschen, wie erfüllende Beziehung geht.

Also: Angst ist Angst. Eine neutrale Energie und Information, die Dir dient.

Dein Experiment:
Um die Kraft der Angst wirklich wieder vollständig in Besitz zu nehmen, ist es sehr hilfreich, in einem geschützten Trainingsraum die Angst einmal bis 100% Maximum zu spüren und dabei festzustellen, dass es Dir gut geht, Du immer noch lebst und Du größer bist als die Angst. Trotzdem kannst Du auch bereits mit kleineren Experimenten anfangen, die Angst bewusst wahrzunehmen und die Angst vor der Angst zu verlieren. Hier einige Beispiele:

·         Gehe mit geschlossenen Augen durch Deine Wohnung.
·         Nimm morgen einen anderen Weg zur Arbeit, den Du noch nicht kennst.
·         Schalte Dein Handy unter der Woche einen Tag lang aus.
·         Höre 1 Woche lang auf, Dich zu betäuben (lasse z. B. Alkohol weg, Fernsehen, Zigaretten…)
·         Bitte eine bekannte Person um Feedback, wie Du auf sie wirkst.
·         Bitte als nächstes eine unbekannte Person um Feedback, wie Du auf sie wirkst.
·         Trage keine Armbanduhr (und schaue auch nicht auf Deinem Handy die Uhrzeit nach). Wenn Du sowieso keine Armbanduhr trägst, trage etwas anderes nicht, das Du gewohnheitsmäßig an Dir hast.
·         Frage Deinen Partner/Deine Partnerin, was er/sie fühlt und teile Deine Gefühle.
·         Reise in ein Land, dessen Sprache Du nicht sprichst.
·         Stell Dir die Frage „Wovor habe ich die größte Angst?“

Wenn ein Teil von Dir jetzt sagt: „Das ist doch kein Ding. Bei diesen Experimenten spüre ich doch keine Angst“, dann lautet die Einladung, Deine Sensibilität zu trainieren. Es geht nicht darum, dass Du bei diesen Experimenten schlotternd vor Angst da stehst. Es geht darum, wieder bewusst zu spüren, wie oft am Tag Situationen da sind, die eine natürliche, wenn auch minimale  Angst aufkommen lassen, weil etwas neues oder ungewohntes passiert, und mit dieser Angst okay zu sein. 

Mach Dir bewusst: es ist absolut natürlich Angst zu spüren, wenn Veränderung im Gange ist, wenn Du dabei bist, etwas Neues auszuprobieren, wenn Du dabei bist, einen Schritt in eine Richtung zu machen, die Du nicht kennst. Das kann auch das Verhalten gegenüber einer anderen Person betreffen. Vielleicht beginnst Du beispielsweise in Deiner Beziehung, Grenzen zu setzen und Du spürst Angst, bevor Du dies das erste Mal tust. Das ist absolut angemessen, denn Du weißt nicht, wie der andere reagieren wird. Du betrittst neues Gebiet. Wenn Du diese Angst spürst, vertraue der Angst und mache den neuen Schritt. 

Es gibt da diesen Teil in uns, der wirklich Angst hat, die Kontrolle zu verlieren. Die meisten haben die Dinge gerne im Griff. Wer die Dinge im Griff hat, der ist professionell, der hat es einfach raus. Wenn Du die Angst als neutrale Kraft in Besitz nimmst, kannst Du entspannt im Nichtwissen stehen, die Dinge nicht im Griff haben, und schauen, welcher nächste Schritt sich zeigt. Dann bist Du im Fluss und folgst keinem starren Plan, Gedankenkonstrukt oder Konzept mehr. Wenn es für Dich okay ist, Angst zu fühlen, dann kannst Du jede Veränderung in Deinem Leben herbei führen, die Du brauchst und die Du Dir wünschst. Gleichzeitig kannst Du mit jeder ungeplanten Veränderung entspannt umgehen.

In diesem Sinne, herzliche Grüße und viel Spaß beim Experimentieren.
Nicola 



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