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Mittwoch, 15. Juli 2015

Intensität in Beziehung …und eine Kraft, die sie gerne verhindert.



Beziehung könnte so einfach sein, wenn es da nicht gelegentlich die Probleme mit dem Partner gäbe, oder? Viele Menschen wünschen sich eine nährende, erfüllende Beziehung, finden sich jedoch stattdessen oftmals in einer gewöhnlichen Beziehung mit Problemen und Streitigkeiten wieder. Schuld daran ist meist fehlende Klarheit über den Mechanismus im Hintergrund, der die Schwierigkeiten generiert und sogenanntes niederes Drama liebt: Der Gremlin (ein Beispiel für eine bildliche Darstellung finden Sie am Ende des Artikels).

Der Gremlin ist der König Ihrer eigenen Unterwelt. Jeder Mensch hat eine helle Seite und eine Schattenseite. Die helle Seite, dient bewusst sogenannten verantwortlichen Hellen Prinzipien wie Liebe, Klarheit, Schönheit, Gemeinschaft, Miteinander-Sein, Eleganz, Heilung, Möglichkeit, Güte, Großzügigkeit etc. während die Schattenseite, also der Gremlin, unbewusst sogenannten unverantwortlichen Schattenprinzipien dient, wie beispielsweise Zerstörung, Hass, Groll, Rechthaberei, Besserwisserei, Arroganz, Ignoranz, Demütigung, Manipulation, Trennung, etc. Keine der beiden Seiten ist besser oder schlechter. Die Wertung gut-schlecht bzw. richtig-falsch ist in sich bereits ein Schattenprinzip. Beide Seiten produzieren einfach nur bestimmte Resultate und die Frage ist, welche Resultate Sie in Ihrer Beziehung haben möchten. Falls Sie etwas anderes möchten, als die gegenwärtige Situation, dann ist es möglicherweise an der Zeit, sich Ihre Schattenseite einmal genauer anzuschauen und die Frage zu stellen, wer denn eigentlich ein Problem hat in der Beziehung.

Einige mögen vielleicht sagen, dass sie kein Problem haben, sondern der Partner das Problem IST. Wenn er/sie sich nur anders verhalten würde, dann – ja dann wäre alles einfacher und es würde ihnen besser gehen. Durch die Deklaration „Mein Partner IST das Problem“ machen Sie Ihren Partner jedoch bereits zum Schwein. In dem Moment ist Ihr Gremlin aktiv, übernimmt das Steuer und zerstört Beziehung. Das kann durch kleine, harmlos scheinende Worte und Gedanken passieren oder massiv durch das Heraufbeschwören von größeren Streits.

Die Lieblingsspeise des Gremlins besteht darin, Nähe, Vertrautheit und Beziehung zu zerstören und Probleme zu erzeugen. Das ist das, was ein Gremlin gerne tut. Es ist hilfreich, sich einmal die unterschiedlichen Arten des Problem-Besitztums bewusst zu machen, indem Sie sich die Frage stellen, wer ein Problem haben kann. Es gibt 3 Varianten:

1.    Ich habe ein Problem
Wenn Sie ein Problem haben, dann können Sie damit tun und lassen, was Sie wollen. Sie können Ihr Problem lösen, es ausschmücken und größer machen oder es liegen lassen in der Hoffnung, dass es sich von selbst erledigt. Es ist Ihr Problem und zwar nur Ihres. Versuchen Sie also nicht, das Problem auf andere abzuwälzen. Es ist Ihr Problem und es kehrt solange zu Ihnen zurück bis Sie es bearbeitet und gelöst haben. Es ist jedoch hilfreich zu hinterfragen, ob es tatsächlich ein Problem gibt oder Ihr Gremlin gerade ein „Pseudo-Problem“ generiert, um die Intensität von Nähe und Vertrautheit zu vermeiden (und beispielsweise erst einmal aufräumen oder etwas erledigen muss, bevor er entspannt mit dem Partner zusammen sein kann).


2.    Der andere hat ein Problem
Wenn der andere, also Ihr Partner, ein Problem hat, dann lassen Sie ihn/sie bitte sein/ihr Problem haben. Es ist nicht Ihr Problem. Ihr Partner hat hart dafür gearbeitet, dieses Problem zu haben. Wenn Sie nun hergehen und sein/ihr Problem lösen, dann muss sich Ihr Partner ein neues Problem suchen, um das zu lernen, was er zu lernen hat. Wenn Sie sein Problem lösen, dann versuchen Sie ihn zu retten und das ist respektlos. In dem Moment ist der Gremlin aktiv, denn Retten ist nichts anderes, als das Aufdrängen von ungefragter Hilfe. Die Botschaft, die Sie in dem Moment unterschwellig kommunizieren lautet „Du bist nicht okay, Du kannst es nicht, also mache ich es für Dich“. Sie machen Ihren Partner unbewusst klein und zum Schwein, indem Sie ihm nicht zutrauen, das Problem selbst lösen zu können. Etwas anderes ist es, wenn Ihr Partner Sie um Hilfe BITTET. Dann ist es durchaus angemessen, zu helfen und zu unterstützen. Der Unterschied liegt in dem Fall darin, dass durch die Bitte Ihres Partners eine Notwendigkeit erzeugt wird und Sie ihn dann nicht retten.

Was ist nun die dritte Möglichkeit in Bezug auf Problembesitztum? Einige haben möglicherweise als erstes im Kopf „Wir haben ein Problem“ sei die dritte Möglichkeit. Die Sache ist jedoch die: Es gibt kein WIR, wenn es um Verantwortung geht. Nehmen Sie einmal den einfachen Satz „Ja, dann müssen wir das mal machen“ (z. B. dann müssen wir mal aufräumen). Wer macht es tatsächlich? Wer ist WIR? Richtig, niemand. Gerade in einer Partnerschaft ist es hilfreich, sich diese Unterscheidung bewusst zu machen. Beide Partner können dasselbe Problem haben, doch nur jeder einzelne kann Verantwortung für seinen Teil der Lösung übernehmen.

Was kann also die dritte Möglichkeit beim Problembesitztum sein? Entweder ich habe ein Problem oder der andere hat ein Problem oder…?

3.    Es gibt kein Problem
Lassen Sie das einmal sacken. Es gibt kein Problem! Können Sie sich das vorstellen? Wenn es kein Problem gibt, ist das die Zeit, die Gesellschaft des anderen einfach nur zu genießen und in Harmonie miteinander zu sein. Genau in dem Moment steigt jedoch der Intensitätsgrad in der Beziehung, die Intensität von Nähe und Vertrautheit, die es ermöglicht, eine außergewöhnliche Beziehung aufzubauen. In solchen Momenten werden die Partner und die Beziehung genährt. Das wiederum kann sich für Ihre Box (Ihr Ego, das einen geschickten Überlebens- und Verteidigungs-mechanismus entwickelt hat) jedoch sehr gefährlich anfühlen, denn wenn die Intensität in Beziehung steigt, können Gefühle hochkommen, die Ihre Verletzlichkeit preisgeben und Sie könnten neues Gebiet betreten, das Ihnen Angst macht und Ihre Beziehung auf eine neue Ebene bringt. Kein Problem zu haben und die Gesellschaft des Partners zu genießen ist genau deswegen für den Gremlin ein echtes Problem, da es seine Spezialität ist, Beziehung zu zerstören. Wenn es kein Problem gibt, hat der Gremlin Angst, aus Mangel an niederem Drama (dem oft ablaufenden Täter-Retter-Opfer Spiel) zu verhungern. Somit ist der Gremlin sehr clever darin, in Lichtgeschwindigkeit aus dem Nichts heraus ein neues Problem zu erzeugen, um diese Intensität in Beziehung zu vermeiden. Resultat: Sie kehren zur gewöhnlichen Beziehung zurück und erzeugen weiter niederes Drama in Form von Rechthaberei, Streiterei, Besserwisserei, Ignoranz, Rumnörgeln am Partner, Rückzug, Isolation, Schmollen, Grollen, etc. Der Gremlin ist extrem schnell darin, zig Gründe zu finden, Beziehung nicht zu intensiv werden zu lassen.

Der Gremlin ist nicht gut und nicht schlecht. Der Gremlin ist einfach der Gremlin und tut, was ein Gremlin tut. Jeder Mensch trägt diese Schattenseite in sich. Die Frage ist, wer am Steuer Ihres Lebens und Ihrer Beziehung sitzt. Ist es Ihr Gremlin, oder sind Sie es? Machen Sie Ihren Partner zum Schwein oder zum König/zur Königin? Es ist eine Moment-zu-Moment Entscheidung.
Wenn sich Ihr Gremlin gerne von Beziehungszerstörung ernährt (das können kleine Grollpunkte sein, die Sie unbewusst sammeln, oder größere Streits), dann ist es höchste Zeit dies zu beenden. Wie kann das gelingen? Nun, der erste Schritt besteht darin, Ihren Gremlin wie einen Hund an die Leine zu nehmen und einen bewussten Fütterungsplan zu erstellen. Der Gremlin hat bisher Beziehung und intime Momente schnell zerstört, weil es seine Lieblingsspeise ist.

Experiment 1: Nehmen Sie Ihren Gremlin an die Leine.
SCHRITT 1:
Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie als Titel „Gremlin Lieblingsspeisen“ auf. Erstellen Sie dann eine Liste mit allem, was Ihr Gremlin gerne mag, z. B.

  • Geschichten erfinden, dass Ihr Partner ein Idiot ist (es entweder denken oder es ihm/ihr auch spüren lassen)
  • Ihren Partner geschickt manipulieren (durch Worte, Gesten, Handlungen)
  • Intensive intime und vertraute Momente durch Witze zerstören
  • Den Partner vor anderen bloßstellen (z. B. indem Sie seine Erzählungen korrigieren)
  • Dinge, die Ihr Partner bereits erledigt hat, noch einmal nachkorrigieren (z. B. das Besteck auf dem Tisch richtig hinrücken)
  • am Partner herumnörgeln und ihm vorhalten, was er alles schon wieder vergessen hat oder nicht richtig gemacht hat
  • Übermäßig Schokolade, Chips, Kuchen oder sonstiges ungesundes Zeug futtern
  • Unordnung und Chaos in der gemeinsamen Wohnung kreieren.
  • Tratsch und Klatsch
  • Videos anschauen
  • Fernsehen schauen
  • Computerspiele spielen
  • Espresso/Kaffee trinken
  • Rauchen bzw. sonstige Drogen
  • Alkohol trinken (z. B. um „runterzukommen“ bzw. nicht fühlen und die Intensität nicht aushalten zu müssen)

Dies sind nur einige Beispiele. Erstellen Sie Ihre eigene Liste und seien Sie spezifisch darin, wie Ihr Gremlin gerne Intensität in Beziehung zerstört, auch wenn es schmerzhaft ist, das zuzugeben.

SCHRITT 2:
Im zweiten Schritt streichen Sie jene Lieblingsspeisen, die Ihrer Beziehung schaden und die Ihnen Energie rauben. Ihr Gremlin wird diese Übung hassen. Das was Sie gerade tun, ist Verantwortung für Ihren Gremlin zu übernehmen und er wird panische Angst haben, aus Mangel an niederem Beziehungsdrama zu verhungern. Das mag er doch schließlich so gerne. Umso wichtiger ist es, dass Sie einen bewussten Fütterungsplan erstellen und 3-4 Dinge aus der Liste auswählen, die Ihr Gremlin mag, die Ihnen und Ihrer Beziehung jedoch nicht schaden bzw. keine Energie entziehen.

Sobald Sie die 3-4 Dinge ausgewählt haben, legen Sie einen bewussten und disziplinierten Fütterungsplan fest. Legen Sie z. B. fest, dass Ihr Gremlin von Freitag 17 Uhr bis Samstag 17 Uhr so viel Kuchen essen und Videos schauen darf, wie er mag. Aber eben ausschließlich in dieser Zeitspanne. Sie können auch einen anderen Tag wählen. Wenn Sie jedoch festlegen, dass Ihr Gremlin jeden Tag nachmittags Schokolade und Kaffee bekommt, raten Sie einmal, wer am Steuer sitzt. Schränken Sie die Fütterung bewusst auf maximal 2 Zeiträume ein und geben Sie ihm dann ausreichend von dem ausgewählten Futter. Dann weiß Ihr Gremlin, dass Sie sich um ihn kümmern und er nicht verhungert.  

Experiment 2: Nutzen Sie Ihren Gremlin , um den Gremlin zu entlarven
Dieses Experiment hört sich zunächst paradox an. Wenn der Gremlin in der Lage ist, Beziehung und Räume zu zerstören, könnte die intuitive Annahme sein, der Gremlin sei schlecht und gehöre eingesperrt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Gremlin ist nicht gut oder schlecht. Er ist eine Naturgewalt und Sie können ihn bewusst dafür nutzen, um zu kontrollieren, dass er sein Gremlin-Spiel nicht spielt und Sie hohes Drama erzeugen, wo vorher nur niederes Drama in Ihrer Beziehung war. Allein der Gremlin ist clever und schnell genug, um den Gremlin zu fangen. Nur der Gremlin selbst kennt seine gewieften Techniken, mit denen er normalerweise Beziehung zerstört und den Partner zum Schwein macht. Schlagen Sie den Gremlin also mit seinen eigenen Waffen. Nutzen Sie seine Gerissenheit, um niederes Drama in Beziehung zu vermeiden.

Geben Sie Ihrem Gremlin die Aufgabe, Ihnen umgehend Bescheid zu sagen, sobald er wieder kurz davor ist, gegen Ihren Partner zuzuschlagen, ihn zum Schwein zu machen, oder Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Das ist eine sehr interessante Aufgabe für ihn und Sie haben durch diese Information die Möglichkeit, rechtzeitig etwas anderes zu kreieren als niederes Drama.

Bitten Sie gleichzeitig Ihren Partner, Ihnen sofort Feedback zu geben, sobald Ihr Gremlin aktiv wird. Idealerweise geben Sie sich gegenseitig spielerisch Feedback, sobald einer der Gremlins das Steuer übernimmt, sodass Sie beide mehr Bewusstheit über Ihre Schattenseite bekommen.

Experiment 3: Nutzen Sie Ihren Gremlin, um hohes Drama zu erzeugen
Sobald Sie Ihren Gremlin durch einen bewussten Fütterungsplan an die Leine genommen haben und er nicht mehr herumstreunt und in Ihrer Beziehung wildert, können Sie ihn für eine bewusste, verantwortliche Absicht einsetzen.

Sie können Ihren Gremlin in Beziehung dafür nutzen, um z. B.
·         Ihre Disziplin zu schärfen
·         mit beurteilendem Denken aufzuhören
·         Ihren Partner so sein zu lassen, wie er ist (anstatt ihn ändern und verbessern zu wollen)
·         präsent und mit voller Aufmerksamkeit bei Ihrem Partner zu sein, wenn Sie zusammen sind
·         achtsam zu sein
·         Ihre Beziehung und Ihren Partner wertzuschätzen
·         bei sich zu bleiben und Ihr Zentrum zu behalten, anstatt Ihre Autorität an Ihren Partner abzugeben und es ihm recht zu machen
·         Grenzen zu setzen und sie aufrechtzuerhalten, um einen sicheren Beziehungsraum zu schaffen
·         Experimente in Nähe und Intimität zu machen
·         Ja, Sie können den Gremlin sogar als eine Art Wachhund dafür benutzen, Momente voller Vertrautheit und Nähe zu schützen.

In diesen Beispielen setzen Sie Ihren Gremlin für sogenanntes Hohes Drama ein, also einem Spiel, das verantwortlich und bewusst ist und hellen Prinzipien wie Liebe, Güte und Miteinander-Sein dient.

Der Gremlin ist eine Naturgewalt. Er ist eine zerstörerische, jedoch auch gleichzeitig nicht-lineare und kreative Kraft. Er ist ein Werkzeug, das für verantwortliche oder unverantwortliche Absichten eingesetzt werden kann. Welche Art von Beziehung möchten Sie kreieren?

Ihre Beziehung ist kostbar. Die Liebe, Vertrautheit und Intimität in einer Beziehung sind kostbar. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Gremlin diese zerstört und Frust, Streit und niederes Drama erzeugt. Vielleicht hilft Ihnen als Erinnerungsfaktor folgendes Bild. Dies habe ich selbst bei mir in der Wohnung hängen, als Erinnerung dafür, dass Zerstörung von Beziehung für den unbewusst agierenden, frei herumstreunenden Gremlin tabu ist und definitiv nicht auf dem Speiseplan steht.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine nährende, erfüllende Zeit in Beziehung mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin.

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel



Tipp:
weitere ausführliche Details zum Gremlin und zum Erschaffen von außergewöhnlicher Beziehung finden Sie in den Büchern „Die Kraft des bewussten Fühlens“ und „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan



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Mittwoch, 8. August 2012

Keine Ahnung!? Wie Sie präsent in Ihrer Kraft bleiben, wenn Sie mal keine Lösung parat haben


Wie oft haben Sie sich schon Sorgen gemacht, weil Sie nicht wussten, wie etwas geht oder wie Sie für ein Problem eine Lösung finden sollten? Wie oft haben Sie schon gesagt „Keine Ahnung!“ Wie oft hatten Sie schon die drei großen Fragezeichen auf der Stirn, weil Sie vor einer scheinbar unlösbaren Herausforderung standen?

In unserer Gesellschaft auf die Frage, wie etwas geht, zu antworten „Keine Ahnung“ erfordert Mut. Wir sind so darin trainiert, alles zu wissen und für möglichst alles eine Lösung zu haben. Das wird uns bereits in der Schule beigebracht. Bereits von klein auf wird uns das Wissen regelrecht eingetrichtert. Im Studium oder in der Ausbildung geht es dann gerade weiter. Mehr und mehr Theorie wird in unser brillantes Hirn gestopft. Wenn man sich nicht alles merken kann, dann ist es zumindest schlau zu wissen, wo die richtige Antwort steht. Die Angst, etwas nicht zu wissen, ist groß, denn wenn wir etwas nicht wissen, haben wir plötzlich keine Kontrolle mehr. Dann befinden wir uns plötzlich in unbekanntem Gebiet und haben keinen Boden mehr unter den Füßen. Keine Ahnung zu haben bedeutet, ein stückweit keine Sicherheit zu haben. Und uuuuuuh, das ist für unser Ego, das so sehr auf Sicherheit und Überleben bedacht ist, eine gefährliche Angelegenheit.  
Dabei sind genau die Momente, in denen Sie nicht wissen, wie es geht, die kreativsten. Wie wäre es, wenn Sie der Angst vertrauen könnten, keine Ahnung zu haben? Wie wäre es für Sie, wenn Sie im JETZT einfach präsent bleiben, sich im Nicht-Wissen entspannen und aus dem Nichts heraus neue Möglichkeiten schaffen könnten?

Die Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, wenn wir etwas nicht wissen, ist, im JETZT zu bleiben, genau in diesem Moment präsent zu sein. Denn sobald Sie gedanklich nur eine Sekunde in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind, haben Sie keine Kraft mehr. Sie können nicht ändern, was gerade vor 2 Sekunden passiert ist. Oder können Sie es rückgängig machen, dass Sie sich gerade an der Nase gekratzt oder mit Ihrem Fuß gewippt haben? Nein, können Sie nicht. Sie haben in der Vergangenheit keine Kraft. Genauso wenig Kraft haben Sie in der Zukunft, denn sie ist noch nicht da.

Die meisten Menschen leben in einem sehr großen JETZT. Bei einigen ist das JETZT mehrere Tage, Monate oder sogar ein ganzes Jahr groß. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor: Ein Mann fragt eine Frau „Würdest Du mich heiraten?“ und sie sagt „Nicht jetzt“. 6 Monate später fragt er sie erneut und sie antwortet „Ich habe doch gesagt, nicht jetzt“. Diese Frau würde z. B. in einem sehr großen JETZT leben.

Wenn Sie ein sehr großes JETZT haben, dann leben Sie permanent in der Vergangenheit oder der Zukunft. Dann machen Sie sich Gedanken über Dinge oder Situationen, die schon längst vorbei sind oder über mögliche Ereignisse in der Zukunft, die noch gar nicht da sind. Kennen Sie das?


Experiment 1: Wie groß ist Ihr JETZT?
Lehnen Sie sich einmal einen Moment zurück und betrachten Sie sich von außen. Stellen Sie sich vor, Sie würden ein zweites Paar Augen nehmen, das von außen Ihren eigenen Körper und Ihre Gedanken und Gefühle beobachtet. Scannen Sie mit diesen externen Augen einmal kurz einen Tagesablauf. Wie oft sind Sie tagsüber mit Ihren Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit, und wenn es sich nur um 10 Sekunden handelt. Schauen Sie einmal, über welchen Zeithorizont Ihre Gedanken den ganzen Tag gehen und definieren Sie einmal, wie groß Ihr JETZT ist. Vielleicht denken Sie z. B. immer noch über eine gestrige Begegnung nach und konzentrieren sich auch gleichzeitig schon auf die Besprechung, die Sie übermorgen mit einem Kunden oder Kollegen haben. Dann wäre Ihr JETZT insgesamt 3 Tage groß (oder lang).

Im JETZT präsent zu sein ist vor allem dann schwierig, wenn wir uns einer Herausforderung gegenüber sehen. Wenn wir z. B. ein echtes Problem haben und bis zu einem Tag x einen bestimmten Geldbetrag benötigen oder ein Kundenprojekt fertig gestellt werden muss, passiert es sehr schnell, dass unsere Gedanken nur noch um das Problem kreisen. Genau in dem Moment sind wir aber in der Zukunft und geben unsere komplette Kraft und Kreativität an ein Zukunftsdatum ab. Doch genau das blockiert uns. Wenn Sie ein Problem fokussieren oder sich 10mal wieder die Konflikt-Situation mit Ihrem Partner von gestern wieder hervorholen und sich die Frage stellen, wie Sie das nur lösen sollen, dann stecken Sie fest. Dann ist Ihr Fokus auf dem Problem.

Die Sache ist die: Wenn Sie ein Problem fokussieren und sich auf die Schwierigkeiten konzentrieren, dann produzieren Sie noch mehr davon. Das ist das universelle Gesetz. Wenn Sie ein Problem fokussieren, dann geben Sie automatisch Energie in das Problem anstatt in die Lösung. Sie kennen das universelle Gesetzt: Sie sind, was Sie denken und fühlen bzw. Sie finden das in Ihrem Leben vor, von dem Sie bewusst oder unbewusst überzeugt sind. Wieso sonst, denken Sie, ist bei den einen alles im Fluss, während andere sich abstrampeln und auf keinen grünen Zweig kommen?

Kürzlich habe ich einen sehr bereichernden Satz von Joseph Murphy gelesen, den ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen teilen möchte: 

„Es gibt kein Hindernis (…), solange Sie sich nicht selbst durch Ihr bewusstes Denken Steine in den Weg legen. Die (…)Weisheit Ihres Unterbewusstseins können Sie nur selbst begrenzen: durch Zweifel und Negativität.“*

Dies bedeutet konkret, dass alles, was Sie sich wünschen oder brauchen, bereits existiert. Sie müssen es nur in Besitz nehmen und dafür müssen Sie zu allererst einmal im JETZT präsent sein. Wenn Sie keine Ahnung haben, wie Sie etwas lösen sollen, dann entspannen Sie sich zunächst einmal, anstatt loszurennen und zu schauen, wie Sie an eine Lösung kommen. Der Schlüssel in dem Moment ist, ruhig zu werden, sich zu zentrieren und auf die eigenen Gedanken zu achten.


Experiment 2: Entspannen Sie sich in den Moment hinein
Dieses Experiment ist zugegebenermaßen eine echte Herausforderung, denn bitteschön, wir sind eine Leistungsgesellschaft und Zeit ist Geld. Wer hat da schon Zeit, sich erst einmal mitten am Tag - vielleicht sogar im Büro mit anderen Kollegen -  zu entspannen? Da könnten ja andere womöglich denken, Sie haben nichts zu tun oder Sie sind nicht leistungsbereit. Der Witz ist allerdings, dass Sie schneller und wesentlich effektiver zu einer Lösung kommen, als wenn Sie krampfhaft „rumhirnen“ um den Zustand des Nicht-Wissens zu beseitigen. Ehrlich, wir meinen immer, dass wir alles mit dem Verstand herausfinden müssen, doch ich lade Sie zu einem neuen Experiment ein.

Um sich in das JETZT hinein zu entspannen, haben Sie idealerweise 5-10 Minuten Ruhe, also kein Telefon und keine Kollegen oder Familie, die etwas von Ihnen wollen. Machen Sie es sich in einem Stuhl bequem und schließen Sie die Augen. Machen Sie sich „leer“. Sammeln Sie sich. Zentrieren Sie sich. Spüren Sie Ihre Füße auf dem Boden. Spüren Sie die Stuhllehne an Ihrem Rücken. Atmen Sie mehrmals tief ein und aus und lassen Sie allen Stress, alle Sorgen und Gedanken ziehen. Nehmen Sie Ihren Herzschlag war. Werden Sie ruhig. Kommen Sie ins JETZT.

Spüren Sie, Ihre eigene Präsenz und Kraft in diesem Moment. JETZT haben Sie Kraft. JETZT können Sie etwas Neues kreieren.


Experiment 3: Ist es in Ordnung, nicht zu wissen?
Entspannen Sie sich in das Nicht-Wissen, in diesen Zustand keine Ahnung zu haben, wie etwas geht oder zu lösen ist. Es ist absolut in Ordnung nicht zu wissen, wie etwas geht. Beantworten Sie kurz folgende Frage: „Ist es okay für Sie, nicht zu wissen?“ Vielleicht spüren Sie Angst. Nehmen Sie diese wahr. Angst ist einfach nur Angst. Angst ist genau das Gefühl, das ein Magier benutzt, um aus dem Nichts heraus etwas Neues zu kreieren. Vertrauen Sie dieser Angst. Wenn Sie die Frage mit „Ja“ beantworten können, haben Sie die Hälfte schon geschafft. Wenn Sie die Frage hingegen mit „Nein“ beantworten, dann stecken Sie fest auf der Ebene, alles logisch wissen zu müssen. Dann blockieren Sie sich selbst.

Sie müssen nicht wissen, wie etwas geht oder sich lösen lässt. Die entscheidende Frage ist, sind Sie davon überzeugt, dass es eine optimale Lösung für das Problem oder eine Konfliktsituation mit einer Person gibt, oder nicht? Vielleicht schaltet sich genau jetzt wieder Ihr Verstand ein und sagt „Ja, aber……die Umstände sind so-und-so, da gibt es nichts dran zu rütteln…, da kann ich nichts dran ändern.“ Der Witz ist, Sie können etwas dran ändern. Unser Verstand meint gerne, dass die Umstände unveränderbar und in Stein gemeißelt sind. Tatsache ist jedoch, dass sich Umstände schneller ändern können, als wir überhaupt wagen uns vorzustellen. Es liegt allein an Ihnen. Wenn Sie der festen Überzeugung sind, dass die Umstände in Stein gemeißelt sind und Ihren Fokus weiter auf die Schwierigkeit gerichtet lassen, dann produzieren Sie damit genau diese Umstände immer wieder neu.


Experiment 4: Deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt
Die gute Nachricht ist: Sie können auch einfach einen neuen Film einlegen. Die aktuellen Umstände sind nichts weiter als ein Film, der durch einen Projektor läuft und das Bild auf eine Leinwand strahlt. Die Leinwand wären die Umstände. Der Film sind Ihre Gedanken und Gefühle. Oft versuchen wir die Leinwand zu demontieren oder zu verändern. Wie oft haben Sie das schon probiert, Hand aufs Herz? Ja, jeder hat es schon probiert. Und hat es funktioniert? Nein, hat es nicht, weil die Umstände in Ihrem Leben das Resultat Ihrer Überzeugungen sind und nicht umgekehrt. Also können Sie den Versuch, die Leinwand bzw. die Umstände zu ändern, getrost in die Tonne treten.

Probieren Sie jetzt einfach mal etwas Neues aus. Legen Sie einen anderen Film ein. Sie stehen also vor einer herausfordernden Situation. Wie wäre es, wenn Sie jetzt, in diesem entspannten Zustand, in dem Sie im JETZT präsent sind und es für Sie okay ist, nicht zu wissen, wie es geht, voller Überzeugung deklarieren, dass es eine Lösung gibt, und Sie Ihnen eingegeben wird?

Schön wär’s? Schön ist es! Denn genau das ist die Macht Ihrer Gedanken und Gefühle. Die Macht Ihrer eigenen Deklaration. Sie müssen selbst gar nicht wissen, wie die Lösung aussieht. Geben Sie das Problem an die schöpferische Weisheit in Ihnen ab und empfangen Sie die Lösung. Fragen Sie sich nicht, wie, wann und wo die Lösung zu Ihnen kommt. Sie kommt dann, wenn Sie es am wenigsten erwarten.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Ich war Anfang des Jahres in der Situation, dass ich ein offenes Privat-Training angesetzt hatte, zudem sich bereits mehrere Personen angemeldet hatten. Zwei Wochen vor Beginn des Trainings habe ich bei dem ursprünglich geplanten Seminarhaus angerufen, um – wie vereinbart - die Anzahl der Teilnehmer durchzugeben. Als ich dort anrief, erfuhr ich, dass es eine Doppelbuchung gegeben hatte und meine Teilnehmer leider gar nicht am Vorabend anreisen könnten. Ja und den Trainingsraum könnte ich übrigens auch leider erst am 1. Tag nachmittags nutzen und nicht wie geplant um 9 Uhr morgens.

Und jetzt? Was tun? Training absagen? Das kam für mich nicht in Frage. Also begann ich, wild im Internet zu suchen. Doch im Münchner Raum kurzfristig erschwingliche Trainingsräume für 3 Tage zu bekommen ist eine Herausforderung. Ich hatte keine Ahnung, wie ich so schnell etwas Adäquates finden sollte. Nachdem ich zig Hotels und Tagungsstätten angerufen hatte und sich herausstellte, dass es keine freien Möglichkeiten gab, habe ich dieses „Problem“ schließlich abgegeben. Anstatt weiter in der Zukunft zu denken (also „Wo finde ich nur für nächste Woche einen Trainingsraum?“), habe mich zurück gelehnt, mich in das JETZT entspannt und dann genau die schöpferische Weisheit in mir angesprochen. Die schöpferische Weisheit in Ihnen ist mit der Weisheit im Universum verbunden. Und mal ehrlich, für die Weisheit, die das Universum erschaffen hat, sind unsere irdischen Probleme wirklich lächerlich. Also habe ich voller Überzeugung deklariert „Es gibt einen idealen Trainingsraum für mein Training nächste Woche. Die unendliche Intelligenz kennt diesen Raum und sorgt dafür, dass ich ihn rechtzeitig finde.“ Danach habe ich mich mit einem Cappuccino in die Sonne gesetzt und mich nicht weiter darum gekümmert. Einen Tag später traf ich eine Bekannte zum Essen. In dem Gespräch erzählte sie von ihrer Arbeit und erwähnte plötzlich, dass sie außerhalb von München am Ammersee vor kurzem ein Seminarhaus angeschaut hat, das vom Namen her gar nicht als Seminarhaus ersichtlich ist. Ich fragte sie nach dem Namen, googelte zuhause, fand die Internetseite, rief die angegebene Telefonnummer an und siehe da: in diesem Seminarhaus war genau für den angesetzten Termin noch ein schöner Trainingsraum frei. Da hätte ich mir die 6 Stunden verstandsgesteuerte Suche im Internet und das Anrufen diverser Hotels wirklich sparen können.

Auf die gleiche Weise kommen Sie übrigens auch zu Geld oder zu sonstigen Lösungen. Wenn Sie an einem bestimmten Tag x zum Beispiel eine konkrete Geldsumme benötigen, weil Sie eine dringende Investition o. ä. tätigen müssen, können Sie gleichermaßen die Lösung an die universelle Intelligenz bzw. die schöpferische Weisheit in Ihnen abgeben. Entscheidend ist, dass Sie den Fokus nicht länger auf das Problem oder die Schwierigkeit gerichtet lassen. Das würde Mangel erzeugen. Verbinden Sie sich stattdessen mit Ihrer inneren Weisheit (nicht mit Ihrem Verstand) und deklarieren Sie, dass Ihnen die Lösung zuteil wird. Und dann: VERTRAUEN SIE DARAUF!!! Seien Sie davon überzeugt und üben Sie sich dann in absoluter Gelassenheit. Sobald Sie Ihrem Verstand erlauben, Zweifel, Ängste und Sorgen aufkommen zu lassen, funktioniert es nicht. Achten Sie also auf Ihre Gedanken.

Um auf die ideale Lösung zu vertrauen, müssen Sie übrigens kein bestimmtes Gefühl haben. Vertrauen ist kein Gefühl, VERTRAUEN IST EINE ENTSCHEIDUNG!!! 

Fülle und Überfluss sind eigentlich unser Geburtsrecht. Allerdings ist das Massengemüt mittlerweile so massiv von Negativität, Zweifeln und Ängsten geprägt, dass wir ständig mit destruktiven Gedanken anderer Leute umgeben sind. Sobald wir den Fernseher anmachen oder die Zeitungen aufschlagen werden wir mit Schreckensnachrichten, Negativität und Sorgen konfrontiert.

Wirklich, fangen Sie an, sich bewusst von diesem Massengemüt abzugrenzen. Seien Sie im JETZT präsent und zentriert (zum Zentriert-Sein siehe auch Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“). Lassen Sie sich nicht von der Negativität anderer beeinflussen. Sie kennen bestimmt genug Leute, die Sie in schwierigen Situationen versuchen zu bequatschen, z. B. mit  „Also ich weiß ja nicht, ob das funktioniert. Wie soll denn das gehen? Das kannst Du vergessen. Ich glaube nicht, dass das klappt…“ Sie kennen diesen ganzen Müll. Doch es gibt immer eine Lösung, die Frage ist nur, ob Sie darauf vertrauen.

Ein Hinweis noch: Falls an einer herausfordernden Situation mehrere Personen beteiligt sind (Beispielsweise bei einem Streit), ist es hilfreich zu deklarieren, dass sich die Situation zum höchsten Wohle aller löst. Versuchen Sie also nicht andere zu manipulieren, indem Sie sagen „Ich vertraue darauf, dass mein Chef/Partner/Nachbar von seiner Position abrückt.“ Sie wissen nicht auf welchem Weg und wie genau sich die Lösung ergibt. Lassen Sie Ihrer schöpferischen Weisheit Spielraum.

Wenn Sie also mal keine Ahnung haben, bleiben Sie einfach im JETZT präsent, deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt und bleiben Sie dann gelassen. Machen Sie einmal das Experiment weg vom TUN hin zum SEIN. Und dann staunen Sie einfach einmal, was passiert.

In diesem Sinne, herzlich staunende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Buch-Tipp: „Die Macht Ihrer Wünsche – Wie Sie mit Tele-Psi Ihre Ziele erreichen“ von  Joseph Murphy


POTENZIALE LEBEN!
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Sonntag, 14. November 2010

Stell Dir vor, es gibt kein Problem...

Ja, was dann? Was machen Sie, wenn es kein Problem gibt?

Neulich war ich Zeugin einer beispielhaften Situation, wie sie sich leider nur allzu oft in unserem täglichen Leben abspielt. Ich bezeichne es gerne als den ganz alltäglichen Wahnsinn. Ich war unterwegs in einer Stadt, wo ich ein Hotelzimmer gebucht hatte. Als ich im Hotel ankam, standen 3 Gäste an der Rezeption und es schien zunächst alles friedlich. Mit einem Mal jedoch entstand aus dem Nichts heraus eine unglaubliche Diskussion zwischen den 3 Gästen und der Dame an der Rezeption. Es ging darum, dass die 3 Gäste zu einer Reisegruppe von 10 Personen gehörten, die 3 Doppelzimmer, 1 Dreibettzimmer und 1 Einzelzimmer bestellt hatten. Die Dame an der Rezeption erklärte ihnen, dass ein Doppelzimmer bereits bezogen sei und somit noch 2 Doppelzimmer, 1 Dreibettzimmer und ein 1 Einzelzimmer zu vergeben seien. Aufgrund der unterschiedlichen Formulierung gingen die Gäste nun davon aus, dass es ein Zimmer zu wenig gab und beschuldigten die Rezeptionsdame, falsch reserviert zu haben. Ich betrachtete die Diskussion aus 2 Meter Entfernung und war fasziniert, denn alle sprachen vom Gleichen und trotzdem suhlten sie sich in einem Problem. Plötzlich schauten mich alle an. Ich sagte „Hallo! Möchten Sie Klarheit?“ Vier entgeisterte Augenpaare schauten mich an und ich hörte schließlich ein „Ja!“. Ich fragte also die Gäste, wie viele Zimmer sie bestellt hatten. „Fünf“, war die Antwort. Schließlich fragte ich die Rezeptionsdame, wie viele Zimmer sie für die Reisegruppe reserviert hatte und wie viele davon bereits bezogen seien. „Fünf und davon ist eines bereits bezogen.“ Also stellte ich die gewagte Frage: „Wo ist dann das Problem?“ Totenstille. Es gab keins. Kaum waren jedoch einige Sekunden der Stille verstrichen, in der alle einfach friedlich miteinander sein konnten, sagte einer der Gäste: „Ja dann ist doch alles gut. Warum regen Sie (Rezeptionsdame) sich denn so auf?“ Und schon ging es von vorne los mit einer neuen Diskussion.

Sie lachen jetzt vielleicht und sagen „Oh je, wie können die nur so ein Problem kreieren, wenn keines da ist.“ Aber mal ehrlich, Hand auf’s Herz: Kennen Sie so etwas aus Ihrem Alltag nicht auch? Passiert es Ihnen gelegentlich, dass Sie mit jemandem über ein Problem diskutieren und hinterher gar nicht mehr wissen, wo eigentlich das Problem war? Oder passiert es Ihnen sogar, dass Ihnen jemand anderes von einem Problem erzählt und Sie meinen, es lösen zu müssen? Seien Sie ehrlich. Wie oft übernehmen Sie ein Problem von Ihrem Partner, ihrer besten Freundin, ihrem Kind, ihren Eltern, ihrem Chef, oder ihrem Kollegen? Wie oft machen Sie ein Problem einer anderen Person zu Ihrem eigenen und verpulvern damit Ihre wertvolle Energie und Zeit?

Probleme sind nicht einfach da. Probleme haben immer einen Besitzer. Eine unglaubliche Leichtigkeit kann in Ihrem Leben Einzug halten, wenn Sie sich bewusst machen, wer eigentlich ein Problem hat. Es gibt drei Varianten:

1) ICH HABE EIN PROBLEM
Wenn Sie erkennen, dass Sie ein Problem haben, dann können Sie damit machen, was Sie wollen. Sie können es lösen, sie können es wunderbar ausschmücken oder verdrängen. Sie können um Hilfe bitten oder es alleine lösen. Vor allem aber können Sie es so lange behalten wie Sie wollen. Sie können sich tage- oder wochenlang darin suhlen und anderen vorjammern, wie schlecht es Ihnen geht, oder Sie können Verantwortung übernehmen und es in kürzester Zeit lösen und dann einfach zur nächsten Herausforderung übergehen. Es liegt ganz bei Ihnen, was Sie mit dem Problem machen.

2) DER ANDERE HAT EIN PROBLEM
Jetzt wird es schon spannender, vor allem wenn eine Person in unserem näheren Umfeld ein Problem hat. Wir sind oft sehr schnell versucht, dem anderen zu helfen. Wir wollen doch nur das Beste für ihn. Vergessen Sie es! Wenn Sie einer Person helfen, ohne dass sie darum gebeten hat, dann retten Sie diese Person. Retten ist das Anbieten von ungefragter Hilfe und das ist gegenüber der Person, die ein Problem hat, absolut respektlos. Damit signalisieren Sie der Person unbewusst, dass sie das Problem selbst nicht lösen kann und Sie es deswegen für sie tun. Eltern retten gerne ihre Kinder: „Komm mal her, den Pullover zieht man doch anders an!“. Und in einer Beziehung rettet der eine Partner gerne den anderen: „Schatz, lass mal. Ich drehe die Glühbirne schon rein.“

Hier ist ein neuer Ansatz:
Wenn Sie erkennen, dass jemand anderes ein Problem hat, dann lassen sie ihn sein Problem haben. Für Sie bleibt in dem Moment nichts mehr zu tun. Oftmals treffen wir diese Unterscheidung nicht. Machen Sie sich klar, dass die andere Person hart für ihr Problem gearbeitet hat. Jedes Problem ist die Aufforderung, im Leben zu lernen und sich dadurch weiterzuentwickeln. Wenn Sie jetzt das Problem der anderen Person lösen, dann muss diese sich ein neues Problem erschaffen, um das zu lernen, was sie zu lernen hat. Das ist der Effekt, wenn jemand immer wieder die gleichen Situationen im Leben anzieht. Das passiert so lange, bis er oder sie das Problem endlich angeschaut und gelöst hat.

Was einige Menschen, die ein Problem haben, sehr gerne machen, ist die stolze Präsentation des Problems. Haben Sie das schon einmal erlebt? Sie treffen sich mit einem Freund und das erste, was er macht ist, er holt sein Problem aus der Glasvitrine. Sobald er dann unsere ungeteilte Aufmerksamkeit hat, fängt er an, sein Kunstwerk zu präsentieren, es auszuschmücken und zu erweitern, sodass es den ganzen Raum einnimmt („Stell Dir vor, was mir passiert ist….“). Die größte Genugtuung erhält er durch die Bewunderung und Anteilnahme von uns. Und wehe wir zeigen keine Wertschätzung für das Problem.

Noch einmal Hand auf’s Herz: wie oft haben Sie selbst schon ihre Probleme anderen präsentiert um Mitleid oder Zuneigung einzuheimsen?

Jetzt höre ich einige schon empört sagen: „Ja, Moment mal, ich muss dem anderen doch helfen. Ich kann doch nicht einfach nichts tun und die kalte Schulter zeigen.“ Ja, Sie haben absolut Recht und es gibt einen Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl. Ein verantwortlicher, mitfühlender Weg mit Problemen anderer umzugehen, ist ihnen zuzuhören. Und zwar nur das! Keine Lösungsvorschläge, keine Diskussion, keine Ratschläge. Seien Sie einfach nur mit dem anderen und hören Sie ihm zu.

„Ja und wenn der andere mich bittet, ihm zu helfen?“, fragen Sie sich jetzt vielleicht. Das ist ein sehr guter Punkt. Wenn der andere Sie um Hilfe bittet, entsteht eine neue Situation. Wenn er Sie bittet, haben Sie ein Problem und können wieder entscheiden, was Sie damit machen. Sie können zustimmen, ihm zu helfen, oder Sie können nein sagen. Dann retten Sie auch nicht, denn der andere hat Sie um Hilfe gebeten.

Ich ertappe mich oft, dass ich eine ganz einfache Lösung für ein Problem einer anderen Person sehe, sie aber nicht respektlos retten möchte. In dem Fall höre ich erst einmal nur zu und frage, nachdem die Person mit dem Erzählen fertig ist: „Möchtest Du eine Möglichkeit haben?“ Erst wenn sie darauf hin „Ja“ sagt, lege ich die Möglichkeit dar.

So, das waren jetzt 2 Varianten des Problembesitztums. Ich habe ein Problem, oder der andere hat ein Problem. Was denken Sie ist die dritte Möglichkeit?

Wenn ich diese Frage gelegentlich stelle, höre ich oft als Antwort „WIR haben ein Problem.“ BIEP! Diese Illusion muss ich Ihnen leider nehmen. Es gibt kein „WIR“, wenn es um Verantwortung geht. Entweder habe ich ein Problem und muss es lösen, oder der andere. Die Floskel „wir haben ein Problem“ finden Sie besonders häufig in Unternehmen. Kennen Sie das? Sie sitzen in einem Meeting, das Problem wird präsentiert und dann heißt es: „Ja, dann müssen wir das lösen.“ Wenn ich in solch einem Meeting anwesend bin, ist meine erste Frage: „Wer ist wir?“ Ehrlich, „wir müssen es lösen“ ist gleichbedeutend mit „keiner übernimmt die Verantwortung“. Es gibt kein „Wir“ wenn es um Verantwortung geht.

Das als kleiner Exkurs. Wir waren jedoch bei der dritten Möglichkeit des Problembesitztums. Die dritte Variante lautet:

3) ES GIBT KEIN PROBLEM
Ja, können Sie sich das vorstellen? Das ist die Zeit, die Gesellschaft der anderen einfach zu genießen. Kein Problem zu haben ist unser ursprünglicher Seins-Zustand. Tibetanische Mönche nennen diesen Zustand „Grundlegendes Gutsein“. Was passiert jedoch, wenn es kein Problem gibt? Es entsteht Nähe, Verbundenheit, Vertrautheit und Intimität. Oft verweilen wir nicht lange an dem Ort, wo es kein Problem gibt, denn dieser Zustand kann sehr intensiv werden. Um zu große Intensität zu vermeiden ist unser Gremlin (das kleine Monster in jedem von uns, das z. B. kleine Witze über andere reißt) sehr findig. Er kann sofort ein Problem aus dem Nichts erzeugen, zu jeder Zeit und ohne Grund. Für den Gremlin ist ein Zustand ohne Problem ein echtes Problem. Der Gremlin liebt es, Nähe und Vertrautheit zu zerstören.

Ich möchte Sie gerne zu zwei Experimenten einladen:

Experiment 1:
Wenn Sie sich das nächste Mal in einer Problemsituation befinden, beobachten Sie die Situation einmal von außen, so als würden Sie ein Augenpaar seitlich außerhalb Ihres Kopfes positionieren und sich selbst und die Situation mit Abstand betrachten. Schauen Sie genau hin und machen Sie sich bewusst, wer gerade das Problem hat. Haben Sie ein Problem? Hat jemand anderes ein Problem? Oder gibt es gar kein Problem? Hat Ihr Gremlin vielleicht nur schnell ein Pseudo-Problem aus dem Hut gezaubert, um zu viel Nähe mit der anderen Person zu vermeiden? Machen Sie sich jederzeit das Problembesitztum klar, egal ob Sie mit Ihrem Partner diskutieren, Ihr Chef Sie anblökt oder die Kinder gerade brüllen, weil Sie das Eis nicht bekommen (in dem Fall ist es z. B. das Problem des Kindes, das lernen muss, Ihre Grenze zu akzeptieren. Es ist NICHT ihr Problem, also lassen Sie das Kind toben und halten Sie den Wutanfall aus).

Experiment 2:
Wie erwähnt kann ein Zustand ohne Problem sehr intensiv werden. Dieses Experiment dient dazu eine höhere Intensität im Miteinander aushalten zu können und dadurch eine neue Qualität in Ihren Beziehungen zu erlangen. Suchen Sie sich für dieses Experiment Ihren Partner aus oder eine gute Freundin bzw. einen guten Freund. Setzen Sie sich auf dem Boden oder auf dem Stuhl gegenüber. Es ist hilfreich, wenn nichts zwischen Ihnen steht. Setzen Sie sich so nah wie möglich zusammen, achten Sie jedoch drauf, dass sich Ihre Knie oder Hände nicht berühren. Suchen Sie sich ein Auge Ihres Gegenübers aus. Schauen Sie nun der Person 5 Minuten lang in das Auge. Schauen Sie direkt in die Pupille. Wechseln Sie nicht zwischen den Augen hin und her. Wir sind das nicht gewohnt. Oftmals schauen wir einer Person, die wir treffen auf die Stirn oder die Nase. Schauen Sie diesmal direkt in die Pupille. Sprechen Sie während der 5 Minuten nicht und lachen Sie auch nicht. Nach einigen Sekunden werden Sie vielleicht versucht sein, kurz wegzuschauen, oder Sie verspüren Angst aufgrund der großen Nähe. Nehmen Sie dies wahr, atmen Sie tief ein und aus und erliegen Sie nicht der Versuchung wegzuschauen. Halten Sie es aus. Wenn Sie diesen Punkt überwinden, werden Sie erstaunt sein, was sich Ihnen plötzlich offenbart und was Sie über die andere Person alles erfahren, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Sie können die Person wahrhaftig sehen, wie sie ist, ohne die sonst übliche Maske. Bedanken Sie sich nach 5 Minuten bei Ihrem Gegenüber und tauschen Sie sich kurz über Ihre Erfahrungen aus. Verabreden Sie sich dann für die nächsten Tage, um das Experiment mehrmals zu wiederholen und spüren Sie, wie es für Sie „normaler“ wird, mit jemandem einfach zu sein, ohne ein Problem zu haben.

In diesem Sinne, genießen Sie es, einfach mal kein Problem zu haben.

Herzliche Seins-Grüße,

Ihre Nicola Nagel

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