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Mittwoch, 13. Juli 2016

Auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung - Vermeide die Top 5 der Nähe-Killer in Beziehung



Es erscheint vielen Menschen wie verhext: sie wünschen sich Nähe und Intimität in Beziehung, doch der Grad, der letztendlich in ihrer Beziehung möglich ist, bewegt sich eher in gemäßigten Zonen wenn nicht gar im Bereich von Distanz und Kühle und einem Gefühl von Getrenntsein. Eine außergewöhnliche Beziehung mit einem hohen Grad an Nähe und Klarheit scheint dann weit entfernt zu sein. Was vielen nicht bewusst ist: Außergewöhnliche Beziehung ist ein fortwährender, bewusster Akt nichtlinearen Kreierens. Das bedeutet, dass es eine Moment zu Moment Entscheidung ist, eine außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen. Wenn Du glaubst, Du müsstest nur endlich einmal in einer außergewöhnlichen Beziehung ankommen und dann ist alles prima, dann bist Du schwer auf dem Holzweg. Das Erschaffen einer außergewöhnlichen Beziehung ist eine Lebensaufgabe und Du entscheidest in jedem Moment, ob Du in die gewöhnliche oder in die außergewöhnliche Domäne von Beziehung steuerst.

Um in der Lage zu sein, einen höheren Grad an Intimität und Vertrautheit, der mit einer außergewöhnlichen Beziehung einhergeht, zu leben und auszuhalten, ist es zunächst einmal entscheidend, Klarheit darüber zu bekommen, wann und wie Du selbst Nähe und Intimität vermeidest. Bevor Du keine Klarheit darüber hast, welches unbewusste Spiel Du spielst, sind die Chancen eher gering, eine außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen.

Lass uns daher einmal die Top 5 der Nähe-Killer anschauen:

1.    Erwartungen
2.    Rechthaberei/Beschweren/Beschuldigen/Jammern/Bedürftigkeit
3.    Groll hegen
4.    Fehlende Präsenz und Zentriertheit
5.    Angst

(Anmerkung: im Folgenden wird der Einfachheit halber von „Partner“ in der männlichen Form gesprochen. Gemeint ist jedoch auch das entsprechend weibliche Pendant der „Partnerin“. Zudem sind die folgend Ausführungen nicht nur für Mann-Frau Beziehungen gedacht, sondern gleichermaßen für gleichgeschlechtliche Beziehungen.)

1.    Erwartungen
Wer kennt das nicht: Du hast eine bestimmte Erwartung und Vorstellung davon, wie Dein Partner sich zu verhalten hat, was er zu tun oder zu lassen hat oder wie er zu sein hat. Erfüllt  er diese Erwartung nicht, bist Du sauer und schmollst. Na, ertappt? Fast jeder hat solch eine Situation schon erlebt. Was jedoch in dem Moment passiert ist, dass Du eine unsichtbare Mauer zwischen Dir und Deinem Partner errichtest. Erwartungen killen Beziehung und Intimität. Erwartungen basieren auf Annahmen und Glaubenssätzen, wie Dinge zu sein haben. Sie basieren auf Deiner persönlichen Ego-Überlebensstrategie. Das Ego ist wie eine enge Box bestehend aus Glaubenssätzen, Erfahrungen, Meinungen, Erziehung, kulturellen Werten, Geschichten, etc.

Angenommen, Du hast beispielsweise die Erwartung, dass Dein Partner den vollen Mülleimer sehen muss und ihn bitteschön selbständig leert oder dass er sieht, dass der Rasen gemäht werden muss. Wenn Dein Partner diese – meist unausgesprochene – Erwartung dann nicht erfüllt, dann fühlst Du Dich betrogen, grollst Deinem Partner und ziehst Dich als Konsequenz zurück.

Erwartungen sind prädestiniert dafür, enttäuscht zu werden. Wenn Du Erwartungen an Deinen Partner hast, dann versuchst Du ihn in ein Konzept zu pressen, das für dich bequem ist, und in dem Du Dich wohl fühlst. Du versuchst Deinen Partner unbewusst dahingehend zu manipulieren, dass er die Dinge so macht, wie Du sie machen würdest, damit Du vermeintlich glücklich bist. Es ist noch nicht einmal notwendig, dass Du die Erwartung aussprichst. Sobald Du eine Erwartung hast, ist diese auf der energetischen Ebene spürbar. Du strahlst diese Erwartung von Deiner inneren Haltung her energetisch aus und Dein Partner wird sie - bewusst oder unbewusst - spüren. Erwartungen engen ein, nehmen die Luft zum atmen und genau diese einengende Energie wird er wahrnehmen. Erwartungen basieren auf der Annahme, dass die Welt Deines Partners auf der gleichen Weltsicht, den gleichen Annahmen, Geschichten und Erfahrungen basiert, wie Deine. Dem ist aber nicht so. Dein Partner ist ein völlig anderer Mensch als Du. Über Erwartungen versuchst Du jedoch, ihn zu normen und in Deine Weltsicht hineinzuquetschen und wunderst Dich möglicherweise, warum er auf Distanz geht. Durch Erwartungen stutzt und beraubst Du Eure Beziehung ihrer Lebendigkeit und Wildheit.

Der Gremlin – der König Deiner eigenen Unterwelt – ist zudem sehr clever, denn er ist darauf spezialisiert Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Der Gremlin-Mechanismus funktioniert an dieser Stelle wie folgt: Du hast eine Erwartung. Der Gremlin beginnt, den Fokus darauf zu richten, ob diese Erwartung erfüllt wird. Sehr schnell findet er Beweise, dass der andere die Erwartung nicht zu Deiner Zufriedenheit erfüllt. Ergo hast Du das Recht, sauer zu sein und Groll gegen Deinen Partner zu hegen. Obendrein beginnt der Gremlin dann noch eine interessante Geschichte zu kreieren: Wenn er/sie mich lieben würde, dann würde er/sie meinen Erwartungen entsprechen und es mir recht machen. Der Gremlin nutzt also Erwartungen, um Dich an den Haken zu nehmen, sodass Du aus dem Kontakt gehst und Nähe und Intimität vermeidest. Sobald eine Erwartung nicht erfüllt wird, hast Du einen triftigen Grund (so meint Dein Gremlin), Groll gegen Deinen Partner zu hegen. Schließlich ist er doch der Idiot, der die Erwartung nicht zu Deiner Zufriedenheit und zu Deinem Glücklichsein erfüllt hat. Die spannende Frage ist jedoch: Wer hat jedoch die Erwartung aufgebaut? Yep, das warst Du. Es ist allein Deine Verantwortung!

EXPERIMENT
·         Schreibe auf, welche Erwartungen Du an Deinen Partner hast.
·         Beantworte dann folgende Frage: Bist Du bereit, eine oder mehrere Erwartungen zurück zu nehmen (und zwar nicht im Verstand sondern wirklich spürbar in Deinem Körper)?
·         Falls Du aufrichtig von innen heraus eine Erwartung an Deinen Partner zurücknehmen möchtest, kannst Du folgendes tun: Gehe zu Deinem Partner hin (oder bitte eine Freundin stellvertretend für Deinen Partner Dir gegenüber zu stehen, oder – als komplett ungefährliche Variante: nimm ein Foto von Deinem Partner) und nimm die Erwartung aufrichtig mit den Worten zurück „Ich nehme die Erwartung, dass Du …(nenne hier die Erwartung)… jetzt FÜR IMMER von Dir zurück.“ Entscheidend ist das „FÜR IMMER“. Sonst kommt der clevere Gremlin und denkt sich „Okay, ich nehme die Erwartung für heute zurück. Aber morgen ist ja ein neuer Tag…“. Sobald Du eine Erwartung aufrichtig für immer von Deinem Partner zurück nimmst, verschwinden die energetische Erwartungsbarriere und der Groll, die Nähe und Intimität verhindert haben und Entspannung macht sich breit, sowohl bei Dir, als auch bei Deinem Partner.


2.    Rechthaberei/Beschweren/Beschuldigen/Jammern/Rechtfertigen/Bedürftigkeit
Genau wie Erwartungen sind auch Rechthaberei, Beschweren, Beschuldigen, Jammern, etc. einer der top Nähe-Killer in Beziehung. Sie sind – wie Erwartungen auch – ein Anzeichen dafür, dass sogenanntes Niederes Drama in Deiner Beziehung passiert. Niederes Drama ist ein Täter-Retter-Opfer Spiel und beinhaltet jegliche Handlung, die dazu dient, Verantwortung zu vermeiden. Bei Paaren ist niederes Drama oftmals in der Kombination Täter-Opfer vorzufinden. Es gibt bei jedem der oben genannten Anzeichen jeweils einen Gewinner und einen Verlierer. Wenn Dein Partner sich beispielsweise beschwert, dass Du „immer“ zu spät kommst, könnte es sein, dass Du zum Opfer wirst und versuchst, Dich zu erklären und zu rechtfertigen. Oder Du fühlst Dich ungeliebt und jammerst dann als bedürftiges, kindliches, armes Opfer. Auf der anderen Seite hast Du möglicherweise auch gerne Recht oder weißt Dinge gerne besser. Doch damit stellst Du Dich auf eine arrogante Art über Deinen Partner und verhinderst Nähe. Sobald es einen Gewinner und Verlierer gibt bzw. einen Täter und ein Opfer, ist das niedere Drama voll im Gange. Der mächtigste Charakter in dem Spiel ist übrigens das Opfer, denn das Opfer hält den Ball am Rollen. Ohne Opfer gibt es kein niederes Drama. Als Retter kommt in Beziehung übrigens oftmals die beste Freundin oder der beste Freund in Frage, dem Du dann später am Telefon oder bei einem Treffen als Opfer Deine Jammergeschichte erzählst und die/der Dich dann tröstet. Fakt ist jedoch:

Entweder Du hast Recht/jammerst/beschuldigst/beschwerst/rechtfertigst Dich/ bist bedürftig ODER Du bist in Beziehung.

Beides gleichzeitig geht nicht. Vielleicht meinst Du, dass ja nur Dein Partner an dem niederen Drama Schuld ist und alles viel besser wäre, wenn er sich nur ändern würde. Viel Erfolg! Das ist glatter Selbstbetrug. Gib dem eine 1%-ige Chance, dass Du bisher einen Anteil an dem Spiel hattest. Selbst wenn Dein Partner niederes Drama spielen möchte, musst Du nicht einsteigen. Wenn niederes Drama in Deiner Beziehung bisher also üblich war, so lautet die Empfehlung an dieser Stelle: Hör auf damit! Hör auf niederes Drama in Deiner Beziehung zu spielen. Der einzige, der daran Spaß hat, ist Dein Gremlin, der König Deiner eigenen Unterwelt. Er dient Schattenabsichten wie Zerstörung, Besserwisserei, Rechthaberei, Hass, Manipulation, etc. Gib ihm interessanteres Futter als Deine Beziehung und Deine Liebe. Erkläre Deine Zuhause bzw. Deine Beziehung zur gremlin-freien Zone. Das Einzige, was Du mit niederem Drama erreichst ist, dass Du Deinen Partner zum Schwein machst, Eure Beziehung zerstörst und älter wirst. Willst Du das?

EXPERIMENT:
Beobachte von jetzt an jeden Tag, wann und wie oft Du mit Deinem Partner im niederen Drama landest, jammerst, Recht haben willst, den anderen beschuldigst, bedürftig als kindliches Opfer reagierst etc. Schreibe es genau auf.  Dann übe Dich darin, den Ausstieg zu finden.

Die Schwierigkeit liegt darin, dass Du ein niederes Drama – wenn Du bereits drin bist – nicht so einfach in ein sogenanntes Hohes Drama mit hellen Absichten wie z. B. Liebe, Klarheit, Gemeinschaft drehen kannst. Hier zwei Möglichkeiten:

  • Sobald Du Dich das nächste Mal in einem niederen Drama wiederfindest sag einfach „Du Schatz, ich muss dringend auf die Toilette. Warte hier, ich bin gleich wieder da.“ Dann verlässt Du das Zimmer, sammelst Dich, nimmst einen tiefen Atemzug und kommst nach einer Minute mit der Absicht herein, Deinen Partner zum König zu machen und Deinem Gremlin keine Chance zu lassen.

  • Wenn Du merkst, dass ihr gerade im niederen Drama feststeckt, beginne ein Meta-Gespräch, d. h. ein Gespräch über das Gespräch. Sprich von Dir aus und gib zu, dass Du gerade am Haken bist und niederes Drama läuft. Komm von Deinem Sockel runter und sage, welche Art Unterhaltung Du Dir eigentlich wünschst. Bitte Deinen Partner noch einmal von vorne anfangen zu dürfen. Dann fang noch einmal an mit einer bewussten Absicht und dem Fokus auf helle Prinzipien..


3.    Groll
Jede Erwartung, die nicht erfüllt wurde, jede Rechthaberei, die Du „verloren“ hast, jeder Streit, jede Diskussion, und jede andere Form von niederem Drama sorgt für Grollpunkte. Der Gremlin sammelt die Grollpunkte gerne in einem großen Rabattmarkenheft. Ist dieses Heft dann einmal voll, hast Du vermeintlich das Recht zum großen Gegenschlag gegen Deinen Partner auszuholen. Mach Dir bewusst, dass jeder einzelne, noch so kleine Grollpunkt, den Du gegen Deinen Partner hegst, ein weiteres Stück Nähe und Intimität verhindert. Je mehr Grollpunkte Du bereits angesammelt hast, desto mehr sinkt der Grad an Intensität, Nähe und Vertrautheit in Deiner Beziehung. Jeder Grollpunkt ist wie ein spitzer Haken oder ein Giftpfeil in Deinem Herzen.

Grollpunkte kannst Du auf verschiedene Arten auflösen. Wenn der Groll aufgrund einer nicht erfüllten Erwartung entstanden ist, kannst Du – wie oben beschrieben, Deine Erwartung zurücknehmen. Liegt Dir etwas anderes quer im Magen, kannst Du Deinen Partner um ein Gespräch bitten, und ihm erzählen, wie Du eine konkrete Situation wahrgenommen hast. Er hört zunächst nur zu und vollendet dann die Kommunikation, indem er das wiederholt, was er Dich hat sagen hören (bitte ihn, es als Aussage zu wiederholen, nicht als Frage). Vielleicht wirst Du Dir albern vorkommen, doch es geht darum, dass Du Dich zeigst, dass Du Deine Maskerade fallen lässt und zu erkennen gibst, was in Deinem Inneren los ist. Es geht nicht um Diskussion oder Rechtfertigung. Entscheidend ist, dass Dein Grollpunkt gehört wird. Durch jeden aufgelösten Grollpunkt kommt automatisch ein Stück Nähe zurück.

Checke jedoch auch bewusst, ob es sich um einen relevanten Grollpunkt handelt, oder ob Deine Box (Dein Ego) eventuell einfach nur neurotisch ist. Wann muss ein Grollpunkt benannt werden und wann nicht? Es hat etwas mit der Liebe zu tun. Ist Dir die Beziehung oder das Thema wichtiger? Musst Du kostbare Zeit mit „Grollpunkte auflösen“ verbringen oder kannst Du innerlich shiften und eine andere, gelassenere Haltung einnehmen? Es geht nicht darum, alle Grollpunkte runterzuschlucken, doch manchmal können kleine Grollpunkte, die Du aussprichst zu einer Blockade werden. Bist Du beispielsweise am Haken, weil der Müllerimer nicht geleert ist oder ist Deine Liebe groß genug und Du kannst gelassen bleiben?

EXPERIMENT:
Schreibe auf, in Bezug auf was Du Deinem Partner grollst (hat er z. B. vergessen, Dich anzurufen, den Rasen zu mähen, seine Klamotten ordentlich wegzuräumen, den Klodeckel runter zu machen, die Zahnpastatube von oben anstatt von der Mitte her auszgedrückt, kann er sich nicht entscheiden, wann und wohin er mit Dir in Urlaub fahren möchte, etc.?).
Dann löse die Grollpunkte wie oben beschrieben auf.


4.    Fehlende Präsenz und Zentriertheit
Ein weiterer Nähe-Killer ist fehlende Präsenz und Zentriertheit. In unserer modernen Gesellschaft sind die meisten Menschen in der Regel einer massiven Reizüberflutung ausgesetzt und werden von Terminen, Projekten und Verpflichtungen gejagt, ganz zu schweigen von den dauerhaften Medien- und Konsum-Manipulation. Entsprechend bewegen sie sich in einem sehr großen JETZT und sind meist nur im Verstand unterwegs. Sich in einem großen Jetzt zu bewegen bedeutet, dass Du nicht in diesem Moment präsent bist. Stattdessen Du gedanklich möglicherweise schon beim nächsten Termin, der Präsentation morgen beim Kunden, dem Besuch der Schwiegereltern nächstes Wochenende, oder der Werbung, die Du vorhin gesehen hast. Um Nähe und Vertrautheit wirklich zulassen zu können, ist es jedoch erforderlich, dass Du im Hier und Jetzt ankommst, in diesem einzigen Moment, der in der nächsten Sekunde schon wieder vorbei ist. Dies gelingt, wenn Du lernst, Dich zu zentrieren und zu erden. Du bist zentriert, wenn Du Dein sogenanntes energetisches Seins-Zentrum mit Deiner Absicht auf Dein physisches Zentrum legst (ähnlich wie bei der Grundposition einiger Kampfsportarten).

Die meisten Menschen legen ihr Seins-Zentrum im Kopf. Sie bewegen sich den ganzen Tag im Verstand und überlegen, was noch alles auf der To Do Liste steht. Präsenz und 100%ige Aufmerksamkeit für den Partner sind jedoch entscheidend, wenn Du Nähe weiter erforschen möchtest.

Ein weiterer Aspekt in Bezug auf das Seins-Zentrum in Beziehung ist der, dass ein Partner oder beide Partner im Wechsel ihr Seins-Zentrum möglicherweise an den anderen abgeben. Das bedeutet, dass Du Deine eigene Autorität und Kraft abgibst. Der große Vorteil liegt darin, dass Du dann keine Verantwortung übernehmen musst, keine Entscheidungen treffen musst und Dein Partner die Dinge für Dich regelt (falls er diese Rolle übernimmt). Wenn Du jedoch Deine eigene Autorität, Dein Zentrum an den anderen abgibst, verhältst Du Dich komplett angepasst. Du versuchst es Deinem Partner Recht zu machen und kannst nicht erwachsen im Hier und Jetzt verantwortlich Nähe und Vertrautheit erschaffen. Stattdessen entsteht möglicherweise eine schleimige, bedürftige Abhängigkeit und Vermischung von Energien, die jedoch nichts mit authentischer, tiefer Nähe zu tun hat. In einer außergewöhnlichen Beziehung haben beide Partner in ihrem Zentrum, sind in ihrer Kraft und energetisch vollständig bei sich und nicht beim anderen.

Es kann übrigens auch sein, dass Du oder Dein Partner Euer Zentrum an die Zeit abgebt. Wie oft gehen Nähe und Vertrautheit im Alltag unter, weil es angeblich zu wenig Zeit gibt und erst noch die ganzen logistischen Dinge des Alltags geklärt werden müssen (z. B. Auto zur Inspektion bringen, Kinder vom Sport abholen, Termin beim Arzt planen, einkaufen, etc.) und der Job angeblich Vorrang hat?

EXPERIMENT:
Du bist ein Zeitmacher. Du entscheidest, wie Du Deine Zeit verbringst. Du könntest Dich beispielsweise bewusst dafür entscheiden, 3 Mal in der Woche mit Deinem Partner ein Date auszumachen, bei dem es darum geht, miteinander zu sein. Sonst nichts. Einfach miteinander sein. Das ist keine Zeit, um Alltagslogistik zu klären oder über den Job zu sprechen. Es geht darum, die Zeit miteinander zu genießen und Experimente in Nähe und Vertrautheit zu machen. Wenn Du bereits einen stressigen Tag hattest und das Date ansteht, nimm Dir vorher kurz Zeit und zentriere Dich mit einigen Atemzügen. Lass den Alltag bewusst hinter Dir, komme im Jetzt an und dann begegne Deinem Partner zentriert und mit 100%iger Aufmerksamkeit.


5.    Angst
Es gibt einen Spruch, der lautet „Wo Liebe ist, da ist keine Angst“. Dieser Spruch basiert auf einer gesellschaftlichen Haltung in Bezug auf Gefühle, die mehr als fragwürdig ist. Die Haltung lautet: Gefühle sind nicht okay. Weder Wut, noch Traurigkeit, noch Freude noch Angst sind okay (dies sind die 4 großen Gefühlsterritorien). Angst ist in dem Zusammenhang nicht okay, weil sie beispielsweise als feige, instabil, lähmend, blockierend, inkompetent, nervenaufreibend und Panik auslösend angesehen wird. Steigt dann in Deiner Beziehung der Level an Intensität und Nähe und Du spürst dabei Angst, so wirst Du aufgrund der alten Sichtweise möglicherweise alles dafür tun, um schnell aus der beängstigenden Situation auszusteigen oder sie abzuschwächen. Möglicherweise unterbrichst Du den Blickkontakt, reißt ein Witzchen, gehst auf die Toilette, schaust auf Dein Smartphone oder wendest einen unbewussten energetischen Trick an (wie z. B. das Hochfahren einer unsichtbaren Glaswand, oder in Gedanken woanders hingehen und sich dadurch „ausklinken“), um die Intensität nicht aushalten zu müssen.

Wir lernen in der Schule nichts über Gefühle. Somit haben die meisten Menschen in der Regel keine Kenntnis darüber, dass Gefühle neutrale Energie und Information sind, die uns dienen. Gefühle sind kein Design-Fehler des Universums. Stattdessen sind sie eine Art inneres Navigationssystem, das uns zielsicher durch das Leben leitet. Es ist nur natürlich, dass Du Angst (wie auch die anderen Gefühle) fühlst, wenn Du außergewöhnliche Beziehung erschaffst. Du brauchst sie sogar dazu. Mit der neuen Annahme, dass Angst neutrale Energie und Information ist, wie könnte Angst Dir in Beziehung konkret dienen? Nun, mit Angst kannst Du aufmerksam und präsent zu sein, im Nichts stehen und Neues ausprobieren, spontane Experimente mit Deinem Partner erfinden, Nähe und Vertrautheit erforschen ohne zu wissen, wie es geht, intime Dinge ansprechen oder Wünsche äußern, von denen Du nicht weißt, wie Dein Partner reagieren wird, etc. Angst ist Angst. Sie ist eine sehr nützliche und absolut notwendige Gefühlskraft, wenn Du mit Deinem Partner in außergewöhnlicher Beziehung sein willst.

EXPERIMENT:
Ein spannendes kleines Experiment, um zu lernen, mit der Angst zu sein, wenn Du in  Beziehung bzw. in intensiven Kontakt gehst, ist folgendes: Beobachte einmal in einem Café oder Restaurant, wie lange sich Paare normalerweise in die Augen schauen. In der Regel sind dies nur 2 bis 5 Sekunden. Danach steigt die Intensität in einem Maß an, das die meisten nicht aushalten können. Das Experiment besteht für Dich darin zu probieren, wiederholt 10 Sekunden oder länger in offenem Blickkontakt mit Deinem Partner zu bleiben. Du wirst an einem gewissen Punkt Angst spüren, weil die Intensität möglicherweise über das Maß hinaus geht, das Du bisher kanntest. Vertraue dieser Angst und atme einfach weiter. Die Angst zeigt Dir einfach an, dass Du Dich in neues, unbekanntes Gebiet vorwagst.

Ihr könnt auch ein größeres Experiment wagen, das sich „Sitzen in Beziehung“ nennt. Dabei setzt Ihr Euch auf dem Boden oder auf Stühlen so nah wie möglich gegenüber, ohne dass sich jedoch Eure Körper berühren. Dann stelle den Wecker auf 10 Minuten. Schaut Euch 10 Minuten lang in die Augen. Öffnet Eure Seelen füreinander. Fokussiere dabei ein Auge Deines Partners, nicht die Nase, oder die Stirn. Schau in ein Auge und lasse den Kontakt zu. Das wird intensiv sein und Du wirst Angst spüren. Halte es aus. Lass Dich sehen, während Du Deinen Partner siehst. Lasse außergewöhnlichen, intensiven Kontakt geschehen.


Denke daran, außergewöhnliche Beziehung ist ein fortwährender, bewusster Akt, nichtlinearen Kreierens. Und: Beziehungen sterben nicht aus Mangel an Liebe, sondern aus Mangel an Intimität. Du bist auf dem besten Weg, in Sachen außergewöhnlicher Beziehung zu experimentieren, wenn Du beginnst, auf diese top 5 Nähe-Killer zu achten und diese zu vermeiden. Es wird einiges an Selbstbeobachtung und Übung erfordern. Deine Box und Dein Gremlin werden rebellieren, denn niederes Drama und all die anderen Nähe-Killer waren bisher ein köstliches – wenn auch schmerzhaftes – Fressen. Doch es lohnt sich. Bleib dran, übe, experimentiere und freue Dich an den Ergebnissen. Du kannst das!

Herzliche Grüße,
Nicola Nagel

P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um tatsächlich außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen und voll präsent in Deiner Kraft zu sein, kannst Du in den sogenannten Expand The Box Trainings und Possibility Laboratorien erlernen und erfahren. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu findest Du auf: http://www.viva-essenza.com/66/privattraining/expand-the-box-training

Ein wertvolles Buch zu diesem Thema ist zudem „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.


EMPOWERING PEOPLE - FACILITATING CHANGE!
www.viva-essenza.com  

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Groll und Erwartungen verhindern authentische Beziehung



Die zwischenmenschlichen Themen brodeln ja bekanntlich besonders zur Weihnachtszeit, dem Fest der Liebe, wenn Paare, Familien und Freunde mehr Zeit miteinander verbringen.
Wenn es ruhiger wird – sowohl in der Natur als auch in uns – ist oftmals der Moment gekommen, Rückschau zu halten. Viele Menschen fragen sich dann, wie das Jahr gelaufen ist und nicht selten kommt in solchen Moment der Groll hoch, den sie das ganze Jahr über weggedrückt haben. Groll auf den Partner, den Chef, den Nachbarn, die Eltern, Geschwister oder Freunde. Wie können wir mit diesem Groll umgehen? Wie können wir ihn auflösen?

Eine Frage, die dieser Frage vorher geht ist „Wie entsteht Groll überhaupt?“ Groll entsteht meist dann, wenn Erwartungen, die Sie an eine Person stellen, nicht erfüllt werden. Die Krux bei Erwartungen ist, dass sie oftmals stillschweigend getroffen werden. Das bedeutet, Sie haben eine Erwartung z. B. an ihren Partner, wie er sich in einer bestimmten Situation zu verhalten hat. Vielleicht haben Sie die Erwartung, dass er jedes Mal, wenn Sie gemeinsam ausgehen, Ihnen die Tür aufhält, denn Ihrer Meinung gehört sich das schließlich so. Außerdem steht das ja auch im Knigge für gutes Benehmen, oder nicht? Gehört sich das tatsächlich? Wer bestimmt, was sich gehört? Worauf bauen Sie Ihre Erwartungen?

Hier ein ganz simples Beispiel: Neulich stand ich mit einer lieben Freundin bei mir in der Küche und kochte. In einem Topf garte Reis und ich hatte kurz vor Ende der Garzeit den Impuls den Reis einmal umzurühren. Ich griff also zum Kochlöffel und in dem Moment, als ich zum Umrühren ansetzte, sagte sie „Nein, nicht! Den darf man nicht umrühren.“ Ich schaute sie an und sagte: „Nach DEINEM Rezept darf ich ihn nicht umrühren.“ Es war also vorher die unausgesprochene Erwartung im Raum, dass ich den Reis genau auf die gleiche Art und Weise zubereite, wie sie es kannte.

Worauf bauen wir also unsere Erwartungen an andere Personen? Wir bauen Sie auf unsere Weltsicht, auf unsere Glaubenssätze, unsere Erfahrungen und Erlebnisse, unsere Erziehung. Nun gibt es jedoch so viele Weltanschauungen und Erfahrungen, wie es Menschen gibt. Da wird es also zwangsläufig zu einem Problem, wenn Sie Erwartungen haben, denn es ist relativ unwahrscheinlich, dass Ihr Partner oder wer auch immer, die Dinge GENAU SO machen wird, wie sie es machen würden. Wir bauen unsere Erwartungen auf unseren eigenen Gewohnheiten auf. Im Alltag kann sich das in sogenannten Nissen ausdrücken. Nissen sind im ursprünglichen Sprachgebrauch die kleinen, nahezu unzerstörbaren Eier die Läuse in Haare legen. Im übertragenen Sinnen können Sie als Nissen jedoch die eigenwilligen Meinungen, Vorlieben und Vorurteile betrachten, die Teil Ihrer Weltsicht sind.

Es gibt eine unzählige Anzahl solcher Nissen, die schnell zu Erwartungen werden und sich unbewusst im Alltag ausbreiten. Vielleicht haben Sie eine ganz bestimmte Erwartung z. B. in Bezug auf folgendes:

  • Wie die Spülmaschine einzuräumen ist.
  • Wie laut die Musik sein darf.
  • Wie stark ein guter Espresso sein muss.
  • Wie ein richtiger Espresso oder auch Kaffee überhaupt zubereitet wird.
  • Was „ordentlich“ bedeutet bzw. als „Saustall“ deklariert wird (für manche ist es schon ein Saustall, wenn der Partner die Socken auf dem Boden liegen lässt).
  • Wie lange man unter der Dusche stehen darf und wie oft.
  • Wie oft man sich die Zähne putzen soll.
  • Wie die Zahnpasta-Tube auszudrücken ist.
  • Ob der Toilettendeckel bei Nicht-Benutzung oben oder unten sein soll.
  • Ob beim gemeinsamen Restaurant-Besuch das Handy an- oder ausgemacht wird.
  • Wie wichtig es ist, die Nachrichten zu schauen.
  • Was Spaß ist.
  • Was ein guter Witz ist.
  • Was guter Sex ist.
  • Was in den Kühlschrank kommt.
  • Wie das Brot, die Karotten, die Zwiebeln, etc. zu schneiden sind.
  • Wie Speisen zuzubereiten sind.
  • Ob Pfannen vor oder nach den Gläsern per Hand gespült werden.
  • Wie oft die Familie zu besuchen ist.
  • Wer den Wasserkasten aus dem Auto zu holen hat.
  • Ob überhaupt und wenn ja wie die Kleidung im Schrank zu hängen/liegen hat.

Sie merken schon, wir könnten diese Liste eine Weile weiterführen. Es gibt viele unausgesprochene Erwartungen und Annahmen, die wir treffen. Doch leider sind Erwartungen und Annahmen dafür prädestiniert, enttäuscht zu werden und dann entsteht Groll. Groll auf den Partner, der es eben schon wieder nicht so gemacht hat, wie wir es erwartet haben, Groll auf den Chef, der nicht gesehen hat, wie viel Arbeit im letzten Monatsbericht steckt, Groll auf den Nachbarn, der ständig zu laut Musik hört und Groll auf diverse Familienmitglieder, die rumnörgeln, dass Sie sie zu wenig besuchen. Groll kommt von unerfüllten Erwartungen.

Es ist ziemlich leicht zu erkennen, wo Sie Erwartungen hatten, die nicht erfüllt wurden. Dann steckt der Groll nämlich noch in Ihnen. Groll, den Sie stillschweigend in sich hinein fressen und dann womöglich bei passender Gelegenheit wieder rausholen. Lassen Sie uns daher an dieser Stelle mit einem Experiment starten.

Experiment 1: Wem grollen Sie?
Schauen Sie einmal auf die vergangenen Monate zurück und beantworten Sie ehrlich und authentisch folgende Frage: Wem grollen Sie?

Ist es Ihr Partner, Ihre Mutter, Ihr Kollege? Seien Sie radikal ehrlich. Vielleicht ist es nur ein klitzekleiner Punkt, in dem Sie Ihrem Partner grollen. Vielleicht meinen Sie sogar, es sei gar nicht der Rede wert. Doch allein die Tatsache, dass Sie sich jetzt an diesen Punkt erinnern, zeigt, dass der Groll wie ein Angelhaken noch in Ihnen steckt, und zwar in Ihrem Herzen.

Schreiben Sie einmal die Namen der Personen auf, denen Sie grollen, auf die sie noch wütend sind oder wo sie sagen „das nervt wirklich, wenn er/sie das macht“.

Experiment 2: Welches sind Ihre unerfüllten Erwartungen?
Spüren Sie nun einmal in den Groll hinein und schreiben Sie unter jeden Namen die unerfüllten Erwartungen. Wo hat jemand nicht so agiert, wie es für Sie selbstverständlich gewesen wäre und Sie es erwartet hätten. Was tut Ihr Partner vielleicht wiederholt, das Sie stört, weil Sie es einfach anders machen. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt. Es ist entscheidend sich darüber klar zu werden, welche Erwartungen Sie haben.

Erwarten Sie vielleicht, dass Ihr Partner Ihnen grundsätzlich in den Mantel hilft, wenn Sie ausgehen? Oder erwarten Sie von Ihrem Bruder, dass er doch bitteschön mal einen „gescheiten Job“ macht? Vielleicht erwarten Sie auch, dass Ihnen Ihre Freundin ein spezielles Geschenk zu Weihnachten macht, oder Ihr Chef von selbst auf die Idee einer Gehaltserhöhung kommt? Was immer es auch sein mag, kleine oder große Erwartungen, schreiben Sie sie einmal auf.

Das kritische an Erwartungen ist, dass sie oftmals seit langer Zeit in uns sitzen, so dass wir uns mit ihnen identifizieren und keine andere Option sehen. Doch mit jeder unerfüllten Erwartung und jedem Grollpunkt, den Sie damit gegen eine Person sammeln, verhindern Sie mehr und mehr authentische und verletzliche Beziehung und Intimität.

Haben Sie Ihre unerfüllten Erwartungen aufgeschrieben? Dann kommt hier eine spannende Frage:

Wer hat diese Erwartungen kreiert?

Richtig, SIE! Sie allein haben diese Erwartungen kreiert. Sie allein haben entschieden, dass etwas auf eine bestimmte Art laufen oder sich eine Person verhalten muss. Erwartungen sind wie ein Dogma, sie lassen keine andere Wahl. Sie sind starr, unflexibel, festgefahren.

Wer hat letztendlich den Groll somit geschaffen?

Richtig, ebenfalls SIE!  Sie sehen schon, Sie kommen aus der Nummer nicht raus. Sie haben die Erwartungen und damit auch den Groll kreiert. Und der einzige, der da so richtig Spaß dran hat, ist Ihr Gremlin, Ihr kleines inneres Monster, Ihr innerer Schweinehund, der darauf aus ist, Nähe und Vertrautheit zu zerstören.

Wenn Sie Erwartungen haben, die dann letztlich nicht erfüllt werden, kreieren Sie jedoch nicht nur Groll, sondern Sie werden auch selbst unflexibel und können nicht mehr entsprechend der Umstände agieren, die JETZT da sind. Sie warten dann permanent darauf, dass Ihre Erwartungen erfüllt werden, anstatt aus dem gegebenen Moment heraus etwas völlig Neues zu kreieren.

In dieser Jahreszeit, wo sich alles dem Ende neigt, über Weihnachtsgeschenke und gute Vorsätze für das neue Jahr nachgedacht wird, lade ich Sie nun zu einem ganz besonderen Experiment ein. Sie können es als Weihnachtsgeschenk betrachten, das Sie sich selbst und anderen Menschen, gegen die Sie bisher Groll hegen, machen.


Experiment 3: Nehmen Sie Ihre Erwartungen zurück und lösen Sie den Groll auf
Der Groll besteht so lange weiter, wie Sie Ihre Erwartung aufrecht erhalten. Das größte Geschenk, das Sie sich selbst, Ihrem Partner, Ihrer Beziehung oder auch anderen Menschen, gegenüber denen Sie Erwartungen haben, machen können ist, diese Erwartungen zurück zu nehmen.

Sind Sie bereit für dieses Experiment? Nehmen Sie aus der vorher erstellten Liste von Erwartungen eine Erwartung heraus, von der Sie sagen würden, dass Sie bereit sind, sie zurück zu nehmen. Idealerwiese machen Sie dieses Experiment mit einer Person Ihres Vertrauens. Bitten Sie eine Freundin oder einen Freund, dass sie entsprechend die Person darstellen, gegenüber der Sie eine Erwartung haben. Es ist meist kraftvoller, noch jemanden im Raum zu haben, der auch hört, dass Sie eine Erwartung zurück nehmen.

Wenn es Ihnen jedoch leichter fällt, können Sie auch ein Blatt Papier nehmen und der Person schreiben, von der Sie Ihre Erwartungen zurück nehmen möchten. Sie müssen den Brief nicht abschicken. Es geht darum, dass Sie authentisch zu Papier bringen, welche Erwartungen Sie für immer von der Person zurück nehmen.

Hier ein Beispiel: Angenommen Ihre Freundin Maria, die sich für dieses Experiment zur Verfügung stellt, spielt Ihren Partner. Dann deklarieren Sie: „Du bist mein Partner Matthias.“ Und dann nehmen Sie die Erwartung wie folgt zurück. Sagen Sie: „Matthias, ich nehme die Erwartung an Dich, dass Du mir immer in den Mantel helfen und die Tür aufhalten musst, von Dir zurück und zwar FÜR IMMER!

Das Entscheidende ist, dass Sie die Person beim Namen nennen, die bisherige Erwartung und dann vor allen Dingen beim Zurücknehmen das „FÜR IMMER“ aussprechen (in einem Brief würden Sie schreiben „Liebe(r) …, ich nehme FÜR IMMER die Erwartung von Dir zurück, dass….“ Schreiben Sie für jede einzelne Erwartung diesen Satz). Wenn diese zwei kleinen Wörtchen fehlen, ist Ihr innerer Schweinehund sonst sehr clever und sagt insgeheim „okay, für heute nehme ich die Erwartung zurück, aber morgen….“

Sprechen Sie den Satz langsam und deutlich aus, sodass er in dem Raum, in dem Sie sich befinden, „landet“ und damit in Ihnen und auch in der anderen Person (falls Sie einen Rollenspieler dabei haben). Schauen Sie die andere Person dabei an.

Falls Sie ein besonders hohes Risiko eingehen möchten, können Sie auch z. B. Ihren Partner direkt um ein Gespräch bitten und sagen: „Du, ich habe festgestellt, dass ich bisher eine Erwartung an Dich hatte, die nicht gerechtfertigt war. Es war die Erwartung, dass… (nennen Sie die Erwartung). Ich nehme hiermit diese Erwartung FÜR IMMER von Dir zurück.“

Wenn Sie eine Erwartung zurück genommen haben, spüren Sie, was in Ihnen passiert, was Sie fühlen. In einem Training war einmal ein Ehepaar, das sich gegenüber saß und genau diese Übung machte. Die Frau sagte „Ich habe die Erwartung, dass er sich endlich einmal einen viel lukrativeren Job sucht mit seinen Fähigkeiten.“ Sie hatte ziemlichen Groll in sich, weil er diese Erwartung seit mehreren Jahren nicht erfüllte und sie konnte nur noch „Beweise“ sehen, die ihre Geschichte untermauerten, dass er ein unfähiger Idiot war. Sie war jedoch bereit, das Experiment zu machen, diese Erwartung von ihrem Mann zurück zu nehmen, schaute ihn an und tat dies: „Ich nehme FÜR IMMER die Erwartung von Dir zurück, dass Du Dir einen viel lukrativeren Job suchen musst.“ In dem Moment, als sie das aussprach, konnte sich ihr Mann komplett entspannen und sie ebenfalls.

Erwartungen bauen unterschwellig eine Spannung auf, die die jeweils andere Person spürt, selbst, wenn Sie die Erwartung nie ausgesprochen haben. Sie tragen die Erwartung sozusagen sprichwörtlich vor sich her und strahlen damit eine spezielle Energie aus. Die andere Person spürt das. Gleichzeitig können jedoch weder Ihr Partner, noch Ihr Chef, noch Ihre Eltern noch Ihre Freunde erraten, was Sie erwarten.

Was für die Frau im Beispiel noch passierte – und das kann Ihnen gleichermaßen wiederfahren – war folgendes. Auf die Frage „Was fühlst Du jetzt, nachdem Du die Erwartung zurück genommen hast?“ sagte sie: „Zum einen fühle ich Angst, weil ich nicht weiß, wie es ohne diese Erwartung sein wird. Ich habe unsere ganze Beziehung in den letzten Jahren auf dieser Erwartung aufgebaut.“

Wohl wahr! Was bleibt, wenn Ihre Erwartungen an Gültigkeit verlieren? Es kann passieren, dass es sich anfühlt, als würde eine stabile Säule wegbrechen, auf die Sie sich lange gestützt haben. Lassen Sie es zu, sich in den freien Fall zu begeben ohne zu wissen, wie es ohne Erwartung funktioniert.

Das zweite Gefühl, dass die Frau wahrnahm war Freude. Sie sagte: „Ich fühle jetzt, da ich die Erwartung zurück gezogen habe, auch Freude, weil ich meinen Partner wieder als den Mann sehen kann, in den ich mich verliebt habe. Ich habe diesen Erwartungsfilter nicht mehr und ich erkenne gerade, dass ich diejenige war, die den Groll auf ihn gelegt hat und Nähe und  Vertrautheit zerstört hat.“

Es ist eigentlich so einfach und doch so herausfordernd, Erwartungen zurück zu nehmen. Ob Sie dieses Experiment durchführen und ohne einen schweren Rucksack voller Erwartungen in das neue Jahr starten möchten liegt bei Ihnen. Doch eins ist gewiss: Sie machen sich selbst und anderen dadurch ein unbezahlbares Geschenk, denn ohne Groll und Erwartungen wird authentische Beziehung, Nähe und Vertrautheit wieder möglich. Und das ist es doch im Prinzip, was die meisten Menschen sich im Herzen wünschen, oder nicht?

Ein interessanter Vorsatz für das neue Jahr könnte übrigens lauten, nur noch mit leichtem Gepäck zu reisen und keine Erwartungen mehr zu kreieren, sondern stattdessen ab sofort klar auszusprechen, was Sie brauchen und sich wünschen.

Viel Freude beim Experimentieren und herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel