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Mittwoch, 14. September 2016

Wie beziehungslos ist die moderne Gesellschaft? - Stärke Deine eigene Beziehungsfähigkeit!



Hast Du Dir einmal die Frage gestellt, wie beziehungslos unsere Gesellschaft ist? In Beziehung zu sein mit sich selbst, anderen Menschen und der Erde ist ursprünglich etwas ganz natürliches. Es scheint jedoch, dass diese Fähigkeit des In-Beziehung-Seins zu einem großen Teil verloren gegangen ist. Der kürzlich erschienene und prämierte Film „Toni Erdmann“ von Maren Ade macht dies auf geniale, wenn auch sehr schmerzhafte Art und Weise deutlich und zeigt klar auf, wo die moderne Gesellschaft gerade steht. Zwar haben viele Menschen täglich Kontakt mit zahlreichen Personen, doch welche Art von Kontakt ist das? In welcher Art von Beziehung sind wir tatsächlich mit der Familie, dem Partner, den Kollegen und Freunden? 

In Beziehung zu sein ist ein Grundbedürfnis; das Sein sehnt sich nach authentischem, nährendem Kontakt, doch genau damit haben viele Menschen die größten Schwierigkeiten. Nicht umsonst boomen seit geraumer Zeit die verschiedensten online Beziehungsbörsen. Die moderne Gesellschaft ist verzweifelt beziehungslos. Das liegt unter anderem daran, dass uns die Medien und die moderne Wirtschaft in einer Art und Weise manipulieren, die unseren Fokus völlig verzerrt und vom Wesentlichen abbringt: von uns selbst, anderen Menschen und der Erde. 

Die Medien versuchen den Menschen vorzugaukeln, wie Beziehung – sei es zum Partner, zur Familie oder zum Nachbarn – zu funktionieren hat. Sie geben uns ein genormtes, oberflächliches Konzept vor, das zwar vordergründig mit rührenden Bildern von Beziehung lockt, doch hinter der Fassade die Absicht verfolgt, dass wir uns anpassen und idealerweise bestimmte Produkte konsumieren. Der Besitz von und damit die Beziehung zu materiellen Dingen wird propagiert. Erfolg wird daran gemessen, ob eine Person einen hoch bezahlten Job hat, ein Auto und eine Wohnung besitzt, ein schickes Smartphone hat und mehrmals pro Jahr in Urlaub fahren kann. Das Konkurrenzdenken und damit das Einzelkämpfertum sind in der modernen Gesellschaft in einem Maße ausgeprägt, das eine Verarmung an authentischen und tiefen Kontakten mit sich bringt. Das Konkurrenzdenken und der stete Versuch im Job professionell und leistungsstark zu sein, treibt die Menschen auseinander. Um Hilfe zu bitten, ist regelrecht verpönt und wird als Schwäche gewertet. Und genau durch dieses Getrenntsein bleiben sie für die Medien, die Wirtschaftsbosse und Politiker angreifbarer und leicht manipulierbar. 

Es gibt in der modernen Gesellschaft keine traditionelle Männer- und Frauenkultur mehr, die sich ursprünglich untereinander gestärkt haben. Stattdessen gibt es Werbungen, die anpreisen, wie toll es angeblich sei, heute in einer Großstadtwohnung leben zu können, ohne einen Schritt vor die Tür setzen bzw. einen anderen Menschen treffen zu müssen. Du kannst von zuhause aus arbeiten, kannst alles online bestellen, was Du brauchst (inklusive frischer Lebensmittel) und Dir diese Dinge direkt an die Haustür liefern lassen. Da Du auch online bezahlen kannst, brauchst Du noch nicht einmal die Tür öffnen, sondern lässt den Lieferservice das Paket einfach vor der Tür abstellen. Traurig, aber wahr. 

In einer Gesellschaft, in der Zeitmangel bereits als Statussymbol gilt (denn wer wenig Zeit hat und gestresst ist, ist vermeintlich wichtig), laufen die persönlichen Beziehungen oftmals  auf Sparflamme bzw. nebenher. Nicht selten wird Beziehung auch mit dem Klären von Alltagslogistik verwechselt. Es stimmt zwar, dass Sie in Kontakt sind, wenn Sie mit Ihrem Kollegen klären, wann der nächste Kundentermin ist, oder mit Ihrer Frau besprechen, wann die Kinder vom Judo-Kurs abzuholen sind, doch dabei handelt es sich meist um oberflächlichen Kontakt, der rein auf den Intellekt beschränkt ist. Eine authentische Herz-zu-Herz Verbindung findet in diesen Momenten selten statt. 

Ein Phänomen ist in diesem Zusammenhang auch das sogenannte neurotische Zuhören. Neurotisches Zuhören passiert, wenn Sie beispielsweise etwas wichtiges erzählen, die andere Person aber gar nicht zuhört, sondern stattdessen weiter am Handy spielt, die Spülmaschine ausräumt, in Gedanken die nächsten Termine durchgeht, aus dem Fenster oder auf die Uhr schaut, o. ä. Sie kennen diese Art des Zuhörens, denn sie ist leider normal geworden. Wenn Sie neurotisch zuhören, sind Sie jedoch nicht in Beziehung. Kürzlich stand ich beim Einkaufen an der Kasse und sah vor mir eine Mutter mit ihrer ca. 15jährigen Tochter. Die Tochter hatte unglaublich viel zu erzählen und versuchte regelrecht die Aufmerksamkeit ihrer Mutter zu bekommen. Die Mutter jedoch – obwohl sie in der Schlange warten musste – schaute in der Gegend umher, wirkte gelangweilt und ging in Gedanken sichtlich die Liste an Dingen durch, die sie später noch erledigen musste. Sie war weder präsent, noch in Beziehung mit ihrer Tochter. Die Tochter lief regelrecht gegen eine energetische Glaswand, die zwischen ihr und der Mutter stand. 

Ein weiterer Aspekt, der dazu beiträgt, dass viele Menschen in der Vergangenheit massiv an Beziehungsfähigkeit eingebüßt haben, ist die Tatsache, dass sie einer permanenten Reizüberflutung und einem Unterhaltungsangebot ausgesetzt sind, die darauf abzielen, sich selbst nicht mehr zu spüren. Es ist sehr leicht, die sogenannte Taubheitsschwelle der eigenen Gefühle weit oben zu halten, beispielsweise mit viel Fernsehen, Internetsurfen, übermäßigem Essen, übermäßigem Arbeiten, exzessivem Sport, Süßigkeiten, Shoppen und - nicht zu vergessen - Social Media. 

Die Trendwelle und Verbreitung von Social Media, die sich in den letzten Jahren etabliert hat, trägt maßgeblich dazu bei, sich zum einen selbst in der oberflächlichen, schnelllebigen digitalen Welt zu verlieren und zum anderen authentische Beziehung mit digitaler Beziehung zu verwechseln. Der Kommunikation über Social Media und Smartphone (Facebook, Twitter, WhatsApp, XING, etc.) wird eine Bedeutung beigemessen, die jegliche echten, persönlichen Kontakte in den Hintergrund rückt. Die Social Media Sucht hat in einem Maße um sich gegriffen, dass Menschen zunehmend dissoziiert sind. Sie sind zwar in der Lage, über Social Media einen tollen Link, ein Foto oder einen Kommentar zu posten, also zu veröffentlichen und mit vielen vermeintlichen Freunden zu teilen, sind jedoch nicht mehr in der Lage, einen Abend lang ein intensives Zweiergespräch vis-à-vis zu führen. Sie sind regelrecht abgetrennt vom realen Erleben im Hier und Jetzt und auf die digitale Welt fokussiert. Es geht darum, wer online wie viele – wenn auch oberflächliche – Kontakte hat und wer die meisten „Likes“ auf Facebook bekommt. Geh einmal in ein Restaurant und beobachte die Gäste. Wie viele sind in der Lage, kein einziges Mal ihr Smartphone zu zücken und in intensivem Austausch mit ihrem Gegenüber zu sein?

Beziehungslosigkeit ist nicht gut und nicht schlecht, doch sie produziert bestimmte Resultate. Neben Frustration und Isolation im persönlichen Bereich, zieht die individuelle Beziehungslosigkeit weitere Kreise, die letztendlich unseren Planeten betreffen. Denn wenn wir die authentische Beziehung zu uns selbst und zu anderen Menschen verlieren, verlieren wir den Bezug zur Erde. Zieh einmal in Betracht, dass die enorm hohe Taubheitsschwelle der Menschen dazu geführt hat, dass die Erde aktuell in einem selbstmörderischen Maß ausgebeutet wird, das die Menscheit langfristig nicht überleben lässt. Es ist also höchste Zeit, sich wieder auf die individuelle Beziehungsfähigkeit zu besinnen und damit in Kontakt zu kommen.  
Doch wie ist es möglich, die Beziehungsfähigkeit zu entzünden und wie könnte In-Beziehung-Sein dann aussehen?

Die Beziehungsfähigkeit kann nur bei jedem einzelnen beginnen. Die Verantwortung abzugeben mit den Worten „Wenn sich XY nur ändern würde, dann wäre eine andere Art von Beziehung möglich“, funktioniert nicht. 


Stärke Deine eigene Beziehungsfähigkeit
Beziehungsfähigkeit beginnt bei Dir selbst. Das bedeutet, es geht zunächst einmal darum, dass Du wieder in Beziehung zu Dir selbst kommst. Möglicherweise gibt es einen Teil in Dir, der jetzt sagt, dass Du doch mit Dir selbst in Beziehung bist, doch prüfe einfach einmal folgende Punkte. Um Deine innere Beziehungsfähigkeit wieder zu entfachen, sind drei Schritte entscheidend:
  1. Lerne zentriert zu sein und im Hier und Jetzt präsent zu sein
  2. Nimm die Kraft Deiner bewussten Gefühle wieder in Besitz
  3. Werde authentisch über Deine eigene Inauthentizität
Beziehungsfähigkeit bedeutet, zunächst einmal Innenschau zu halten und radikal ehrlich zu sein, wo Du mit Dir selbst nicht in Beziehung bist. Allein das bereitet vielen Menschen bereits Mühe, denn Innenschau zu halten bedeutet, leise zu werden, ins Hier und Jetzt zu kommen und zu fühlen. Beziehungsfähigkeit steigt in dem Maße, in dem Du bereit bist, Deine eigenen Gefühle bewusst wahrzunehmen und auszudrücken. Wir sind Weltmeister darin, Gefühle zu unterdrücken und die Taubheitsschwelle – wie oben beschrieben – hoch zu halten, indem wir uns ablenken. Uns wurde seit der Kindheit eingetrichtert, dass Gefühle nicht erwünscht sind. Doch wenn Du mit Dir selbst nicht authentisch in Beziehung sein und bewusst fühlen kannst, wie willst Du dann mit anderen Menschen tiefen Kontakt erleben? Es ist also notwendig, dass Du zuerst in Deine Tiefen tauchst und die Kraft Deiner Gefühle erschließt, konkret die 4 großen Gefühlsterritorien Wut, Freude, Traurigkeit und Angst. Im Gegensatz zu dem, was die meisten von uns gelernt haben, sind Gefühle neutrale Energie und Information, die Dich wie ein inneres Navigationssystem zielsicher durch das Leben leiten. Du stärkst Deine Beziehungsfähigkeit, indem Du in einem ersten Schritt lernst, die Gefühle bewusst und klar getrennt voneinander auszudrücken. Dich authentisch in Deinen Gefühlen mitzuteilen öffnet bereits völlig neue Türen zu authentischeren Begegnungen mit anderen Menschen. Da die meisten Menschen es nicht gewohnt sind, ihre Gefühle bewusst mitzuteilen, kann es zu Beginn beängstigend sein zu sagen „Ich fühle mich wütend/ängstlich/traurig/froh, weil….“. Doch es lohnt sich, dieses Experiment eine Zeit lang zu machen. Sobald Du Schritt 1 verinnerlicht hast, kannst Du in einem zweiten Schritt die Gefühle bewusst und verantwortlich nutzen, um authentische Beziehung mit dem Partner, der Familie, Freunden, den Kollegen oder dem Nachbarn zu erschaffen.  

Werde in diesem Zusammenhang auch authentisch über Deine eigene Inauthentizität. In welchem Maße bist Du selbst nicht authentisch? Wann sagst Du beispielsweise Ja, obwohl Du Nein meinst und umgekehrt? Was gestehst Du Dir selbst nicht ein? Was versuchst Du möglicherweise nicht zu fühlen und zu verdrängen? Auch wenn es auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv erscheint, diese Fragen zu beantworten, so wirst Du nicht darum herum kommen, wenn Du Deine Beziehungsfähigkeit stärken möchtest. In dem Maße in dem Du Dir selbst gegenüber nicht authentisch bist, wirst Du Authentizität und Tiefe in Beziehungen mit anderen Menschen einbüßen. 


Übernimm radikale Verantwortung für Deine Beziehungen zu anderen
Nährende, authentische Kontakte und Beziehungen zu Menschen passieren nicht zufällig. Sie sind vielmehr ein fortwährender, bewusster Akt nichtlinearen Kreierens. Das bedeutet, dass die Art der Beziehungen, die Du erlebst, in Deiner Verantwortung liegt. In dem Maße, in dem Du Deine eigene, innere Beziehungsfähigkeit gestärkt hast, bist Du in der Lage auch mit anderen Menschen in Beziehung zu sein. Wenn Du Dir beispielsweise mit einem Kollegen einen authentischeren Kontakt wünschst, dann geh Du voran. Sei Du authentisch gegenüber Deinem Kollegen. Darauf zu warten, dass die andere Person beginnt oder sich gar verändert, kann dazu führen, dass weitere Jahre ohne authentische Beziehung ins Land streichen. Damit zu beginnen, eine verletzlichere, authentischere Art von Beziehung ins Leben zu rufen, kann im ersten Moment beängstigend sein, denn es bedeutet, dass Du zuerst Deine Maske oder Deine Schutzmauer fallen lässt. Doch Angst ist nur Angst, ein wunderbares Gefühl, dass Dir zeigt, dass Du Dich gerade in neues, ungewohntes Gebiet begibst. Übernimm Verantwortung für die Tiefe Deiner Beziehungen und gehe voran. Beispielsweise habe ich mir mit einer Freundin einen tieferen Kontakt gewünscht, der es zulässt auch urweibliche Themen anzusprechen. Ich hatte Angst, bei einem persönlichen Treffen das Gespräch in diese Richtung zu lenken und diesbezüglich von mir zu erzählen. Doch bereits beim ersten, vorsichtigen Andeuten des Themas rannte ich offene Türen ein. Seither hat unsere Freundschaft eine neu Art von Tiefe erreicht, die nährend und stärkend zugleich ist.  

Besinne Dich darauf, Dich persönlich mit den Menschen zu treffen, mit denen Du authentisch in Verbindung sein möchtest. Es kommt nicht auf Quantität, sondern auf die Qualität des Kontaktes an und wirklich authentische, tiefe Beziehung ist nur möglich, wenn Dir eine Person gegenüber steht. Weder Skype noch WhatsApp Video-Nachrichten können dies bewerkstelligen. Lege Deinen Fokus wieder auf Gemeinschaft, Verbindung, Nähe und Authentizität. 

Authentische Beziehungen zu erschaffen erfordern Zeit. Dadurch, dass so ein reichhaltiges Angebot an Ablenkung und Unterhaltung zur Verfügung steht, meinen wir oftmals, wir hätten keine Zeit. Doch werde auch hier authentisch. Wie viel Zeit verbringst Du pro Tag mit unnützen Dingen, z. B. damit im Internet oder auf Facebook irgendwelche Videos anzuschauen oder in einem online Shop zu stöbern? Wenn Du die gesamte Zeit pro Woche zusammen rechnest, könnten dabei schnell 3-4 Stunden heraus kommen. Eine wunderbar lange Zeit, die Du für direkte, persönliche Beziehung nutzen könntest. Du bist kein Opfer der Zeit. Du bist ein Zeitmacher/eine Zeitmacherin. Du bestimmst in jedem Moment selbst, wofür Du Deine kostbare Zeit verwendest. Wann beginnst Du Zeit für authentische, persönliche Beziehungen zu machen?


Verbinde Dich wieder mit der Erde
Wenn Du beginnst, die Beziehungsfähigkeit zu Dir selbst und damit zu anderen Menschen zu stärken, wirst Du automatisch auch Deine Beziehungsfähigkeit zur Erde stärken. Eine Möglichkeit, Dein Nervensystem von der Reizüberflutung zu heilen und wieder in Balance zu bringen, besteht darin, Zeit in der Natur zu verbringen – und zwar ohne Smartphone, Laptop oder Ipod und auch nicht, um irgendwelchen Fun-Sportarten nachzugehen. In einer Zeit, in der Stadt-Kinder denken, dass Kühe lila sind und es Menschen gibt, die nicht wissen, was ein Sternenhimmel ist, weil sie in New York oder Tokyo aufgewachsen sind, ist es dringend notwendig die Rückverbindung mit der Erde gezielt wieder herzustellen. Verbringe bewusst Zeit in der Natur, um die Erde - dieses wunderbare, atmende Lebewesen, das Dich nährt - wieder unter Deinen Füßen zu spüren. Entzieh Dich am besten für mehrere Tage dem Konsum, der Reizüberflutung, den Dauergeräuschen, dem ganzen Komfort des täglichen Lebens und komme in der Natur wirklich an. Wiederhole dieses Experiment mehrmals. Du kannst dadurch übrigens auch wunderbar Technopenuriaphobie heilen, d. h. die unbewusste Angst vor dem Verlust der Technik. 

Im Folgenden findest Du eine Gegenüberstellung einiger Aspekte, wie Beziehung oftmals in der modernen Gesellschaft existiert und was eine mögliche neue, heilende Sichtweise wäre.


Beziehung
Status der modernen Gesellschaft
Beziehung
Eine neue Sichtweise
Beziehung zu materiellen Dingen wird propagiert, um Konsum und damit Profit zu sichern.
Rückbesinnung auf die Beziehung zu sich selbst, anderen Menschen und der Erde. Materielles ist unwichtig.
Propagieren des Einzelkämpfers, der niemanden braucht.
Fokus auf Gemeinschaft, Verbindung, Vertrauen, Nähe.
Konkurrenzdenken treibt Menschen auseinander
Rückverbindung mit und Erschaffen einer unterstützenden Männer- und Frauenkultur
Um Hilfe bitten ist verpönt und schwach.
Um Hilfe bitten stärkt eine Beziehung
Verarmung authentischer, tiefer Kontakte
Nährende, authentische, bereichernde Kontakte
Möglichst viele, wenn auch oberflächliche Kontakte
Qualität statt Quantität
Kommunikation über Social Media (Facebook, Twitter, XING…), Smartphone
Echter, persönlicher Kontakt
Genormte Beziehungen als Konzept – die Medien geben vor, wie eine Beziehung auszusehen hat, sowohl in einer Partnerschaft, als auch in einer Familie.
Authentische, individuelle Beziehung, die sich in jedem Moment entfaltet und erschaffen wird.
Eine Beziehung haben.
In Beziehung SEIN.

Beziehung
Status der modernen Gesellschaft
Beziehung
Eine neue Sichtweise
Zeitmangel - Beziehung läuft nebenher und wird von Alltagslogistik verschluckt.
Zeit machen - Beziehung ist ein fortwährender, bewusster Akt nicht-linearen Kreierens. Es werden Zeiträume für Beziehung geschaffen.
Beziehung erfolgt hauptsächlich über intellektuellen Körper
Beziehung in allen 4 Körpern (physisch, intellektuell, emotional und energetisch)
Neurotisches Zuhören (mit anderen Dingen beschäftigt sein – sei es aktiv oder passiv in Gedanken)
Erwachsenes Zuhören und Möglichkeitszuhören
Fehlende Beziehung zu sich selbst durch permanente Ablenkung
Kraftvolle Beziehung zu sich selbst.
Fehlende Beziehung zur Erde
Rückverbindung mit der Erde durch Rituale und bewusster, stiller Zeit in der Natur
Nervensystem steht durch Reizüberflutung dauernd unter Strom
Harmonisieren des Nervensystems durch bewusstes Ausschalten von Geräuschquellen und Zeit in stiller Natur
Beziehung per Katalogkriterien über online Plattformen. => oftmals fehlende Bereitschaft, eine Person mit Ecken und Kanten kennenzulernen.
Authentische Begegnung in persönlichem Treffen
Sein Inneres verbergen
Sich sehen lassen


Herzliche authentische Grüße,
Nicola Nagel



EMPOWERING PEOPLE - FACILITATING CHANGE!
www.viva-essenza.com

Sonntag, 16. November 2014

Verletzlichkeit in Beziehung



Immer wieder begegne ich Menschen, die sich Verletzlichkeit, Nähe und Authentizität in Beziehung wünschen, doch gleichzeitig damit ringen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Paar-Beziehung, Beziehung zu Freunden oder sogar um Beziehung zu Kollegen handelt. Scheinbar ist Verletzlichkeit eine delikate Angelegenheit, wird sie doch in der modernen Gesellschaft oftmals als Schwäche, ja sogar als Tabu bezeichnet. Das Thema scheint ein einziges Paradox zu sein. Die Menschen wünschen sich tiefen, authentischen, verletzlichen Kontakt, doch der Schritt dahin, die Maske tatsächlich abzulegen und sich verletzlich zu zeigen, scheint gefährlich. Das ist nicht verwunderlich, werden die meisten doch tagtäglich darin gedrillt, ihre persönlichen Gefühle und ihr Herz an der Eingangstür des Unternehmens, für das sie arbeiten, abzulegen und den ganzen Tag lang eine professionelle, sterile Maske zu tragen. Unsere Gesellschaft unterstützt das Vorgehen des einsamen Wolfes: alles im Griff haben, bloß nicht verletzlich oder angreifbar sein. Wen wundert es da, dass es vielen Menschen auch im Privatleben letztendlich schwer fällt, sich verletzlich zu zeigen. Das Spiel, das im Job so meisterlich gespielt wird und bei dem es oftmals darum geht, die eigene Position zu festigen und zu verteidigen, wird leider allzu häufig auf den privaten Bereich übertragen. Oder aber das Gegenteil passiert: Gerade weil im Job ein stressiges und nicht selten rauhes Umfeld herrscht, versuchen die ein oder anderen im privaten Bereich alles schön harmonisch zu gestalten – zumindest oberflächlich – und lieber alles beim Alten laufen zu lassen. 

Beides ist jedoch nicht authentisch und verhindert letztendlich Nähe, Vertrautheit und Kontakt. Obwohl der Wunsch und die Sehnsucht nach authentischem Kontakt da ist, warten die meisten in der Regel erst einmal ab, ob nicht die andere Person vielleicht den ersten Schritt macht und die Tür zu mehr Vertrautheit öffnet. Was viele Menschen von mehr Verletzlichkeit und Nähe abhält, ist nichts anderes als Angst. Angst davor, zurückgewiesen zu werden, als schwach deklariert zu werden, oder als „Depp“ da zu stehen, denn schließlich können Sie ja nicht wissen, wie der andere reagiert, wenn Sie sich verletzlich zeigen. Mit der gewöhnlichen Einstellung, dass Angst nicht okay sondern bitteschön zu vermeiden ist, begeben wir uns somit in einen fortwährenden Eiertanz zwischen „soll ich?“ oder „soll ich nicht?“ bzw. „Hach ich würd ja gerne, aber…“

Die alte, gängige Sichtweise auf Verletzlichkeit in der modernen Gesellschaft ist, dass Verletzlichkeit gar nicht angemessen bzw. nur in extrem „großen“ Momenten angemessen ist. Solche Momente können jene sein, in denen jemand einen großen Preis gewinnt oder eine Heldentat vollbringt und sich berührt zeigt, oder in zerstörerischen Momenten, wenn beispielsweise Menschen aufgrund eines Erdbebens alles Hab und Gut verlieren. Andernfalls wird Verletzlichkeit als Schwäche gesehen. Sie ist unmännlich, unprofessionell, etwas für Heulsusen und Weicheier. Eine Person die sich verletzlich zeigt, ist laut gängiger Meinung nicht fähig, klare Entscheidungen zu treffen und kann definitiv keine Führungsperson im hierarchischen Firmenkontext sein. Wer verletzlich ist, hat sich nicht im Griff und ist angreifbar. Soweit die Definition, die vielen bekannt sein dürfte. 

Verletzlicher authentischer Kontakt ist jedoch Herz-Nahrung. Unsere Herzen hungern nach diesem Kontakt, denn er ermöglicht uns, dass wir gesehen werden, uns sehen lassen und auch die andere Person wahrhaftig sehen. Sobald wir Verletzlichkeit zulassen und ausdrücken können, zeigen wir uns in unserem wahren Sein. Bevor Sie jedoch da hingehen können, ist es erforderlich zunächst einmal aufzuräumen mit der alten Sichtweise in Bezug auf Verletzlichkeit. 

Wie wäre es für Sie, wenn Verletzlichkeit tatsächlich eine Stärke wäre? Wenn es einfach bedeuten würde, dass Sie authentisch, menschlich, berührbar sind, leben und nicht kristallisiert sind? Wie wäre es, wenn Verletzlichkeit nicht peinlich, sondern ein Türöffner wäre? Was, wenn Sie nicht mehr der irrsinnigen Gesellschafts-Norm entsprechen müssten, permanent eine perfekte Maske zu tragen und die Dinge stets im Griff zu haben, sondern sich aufrichtig in Ihrem Sein zeigen könnten?

Im Folgenden finden Sie eine Gegenüberstellung der alten und einer möglichen neuen Sichtweise. 

Verletzlichkeit – Alte Sicht
Verletzlichkeit – Neue Sicht
Schwäche
Stärke
Weichei, Heulsuse
Berührbar
Unprofessionell
Menschlich
Unfähigkeit klare Entscheidungen zu fällen
Fähigkeit Entscheidungen nicht nur aus dem Intellekt zu fällen
Angreifbar
Zugang zur Kraft der Gefühle
Unmännlich
Authentisch
Hat sich nicht im Griff
Zeugt von Nahbarkeit
Peinlich
Mutig
Schließt aus /
entspricht nicht der Gesellschafts-Norm
Schließt ein / verbindet
Ist ein Risiko
Ist eine Chance,
Wirkt abschreckend
Ist ein Türöffner
Sich zum Deppen machen
Das eigene Sein zeigen
Zu vermeiden
Herz-Nahrung
Gefährlich
Entspannend, nährend, erfüllend.

Sich verletzlich zu zeigen, erfordert Mut. Wenn Sie zulassen, dass die Angst in dem Moment, in dem Sie die Möglichkeit haben die Tür zu mehr authentischem Kontakt zu öffnen, Sie im Griff hat und blockiert, dann werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit die Gelegenheit verstreichen lassen. Sie können jedoch auch eine neue Haltung einnehmen. Diese könnte folgendermaßen lauten:

Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst!

Das bedeutet nicht, dass Sie keine Angst mehr spüren. Im Gegenteil. Es ist sogar angemessen und wertvoll, dass Sie Angst spüren, wenn Sie dabei sind, sich verletzlich zu zeigen, denn die Angst ist in dem Fall ein Indikator, dass Sie neues, unbekanntes Gebiet betreten. Sie können die Angst somit als Hinweis nutzen und gleichzeitig entscheiden, dass authentischer, verletzlicher Kontakt zu der anderen Person wichtiger ist, als die Angst. Sie haben in dem Moment die Chance, Ihre Beziehung zu der anderen Person auf eine völlig neue Ebene zu bringen. Was könnte wichtiger sein?

Sie haben öfter die Möglichkeit, sich verletzlich zeigen, als Sie meinen. Beispielsweise wenn Sie:

·         aufrichtig teilen, wie es Ihnen gerade geht (anstatt pauschal mit „gut“ zu antworten)
·         ein neues Experiment in Intimität mit Ihrem Partner ausprobieren möchten und dies ansprechen.
·         nicht wissen, wie etwas geht und dies aufrichtig mitteilen.
·         über Ihre Gefühle sprechen und klar sagen „Ich fühle mich wütend, ängstlich, traurig, froh, weil...
·         jemanden um Verzeihung bitten
·         eine andere Person um Hilfe bitten.
·         Ihre Wünsche mitteilen.
·         sagen, was für Sie nicht in Ordnung ist.

Kürzlich zeigte sich beispielsweise ein Mann in einem Training absolut verletzlich, indem er aufrichtig unter Tränen seine Traurigkeit ausdrückte. Seine Partnerin, die ebenfalls anwesend war, äußerte danach „Das ist das erste Mal, dass ich Dich weinen sehe“. Beide konnten spüren, dass dieser verletzliche Moment ein Türöffner für eine neue Ebene in ihrer Beziehung war. 

Eine Möglichkeit für authentischen, verletzlichen Kontakt wäre auch, dass Sie gegenüber einem guten Freund oder einer guten Freundin Themen ansprechen, die Sie beschäftigen, die aber möglicherweise in der Gesellschaft tabu sind. Beispielsweise gibt es intime Themenbereiche wie z. B. Sexualität, die wir alle teilen, die jedoch niemand wirklich wagt anzusprechen. So grübelt jeder für sich in seinem Hirn darüber nach, oder versucht Informationen aus irgendwelchen Zeitschriften zu erhaschen, anstatt dass wir uns einer vertrauten Person mitteilen, uns gegenseitig unterstützen und dadurch gemeinsam das Experiment in Vertrautheit und authentischem Kontakt machen. 

Ich hatte kürzlich das große Glück, mit einer sehr lieben Freundin genau darüber zu sprechen. Jede von uns zeigte sich mehr und mehr verletzlich und schließlich vereinbarten wir, das Experiment zu machen, authentisch verletzlich über ur-weibliche Themen zu sprechen. Eine freudige Aufgeregtheit war spürbar und gleichzeitig machte sich eine unglaubliche Entspannung breit. Hatte ich Angst? Ja! Doch das Spannende ist, dass diese Angst verschwindet, sobald Sie diese als Hinweis zu einem neuen, unbekannten Gebiet nutzen und den Schritt ins „Leere“ wagen. In dem Moment, in dem Sie den Schritt über die bekannte Grenze hinaus wagen, werden Sie feststellen, dass sich plötzlich neuer Boden unter Ihren Füßen auftut. Sie müssen einfach nur weiter atmen und werden dann feststellen, dass Ihr Herz genährt wird, wenn Sie in verletzlichen Kontakt treten und Sie werden das Geschenk einer völlig neuen Qualität Ihrer Beziehungen erleben. 

Sie müssen noch nicht einmal wissen, wie es geht. Allein Ihre Absicht, authentischen, verletzlichen Kontakt zu kreieren, wird Ihnen ermöglichen, den Schritt ins Unbekannte zu gehen. 

Experiment:
Überlegen Sie einmal, mit wem Sie gerne authentischeren und verletzlicheren Kontakt hätten. Ist es Ihr Partner, eine Freundin, jemand in Ihrer Familie?

Wie würde dieser Kontakt aussehen? Über welche Themen würden Sie mit der Person gerne sprechen? 

Das Experiment besteht darin, den ersten Schritt in verletzlichem, authentischem Kontakt mit dieser Person in der Form zu wagen, dass Sie das Gespräch vom gewöhnlichen Modus in neues Gebiet lenken. Ein Anführer in authentischem Kontakt ist derjenige, der den Schritt ins Unbekannte wagt und sich als erster verletzlich zeigt. Eine Möglichkeit ist, dass Sie authentisch etwas von sich teilen und Gesprächs-Starter nutzen, wie z. B.: 

  • „Was mich gerade beschäftigt ist….“
  • „Heute fühle ich mich…, weil…. Wie geht es Dir?
  • „Hast Du Dich auch schon einmal gefragt….“
  • „Kennst Du das, wenn….“
Sie können auch über Ihre Angst sprechen, sich verletzlich zu zeigen und fragen, wie es der anderen Person geht „Hast Du Dir darüber schon einmal Gedanken gemacht?“ Sie werden erstaunt sein, wie schnell das Gespräch eine völlig neue Dimension annimmt und weg geht vom üblichen „Wie geht’s, wie läuft’s, was machst Du so, wie war Dein Tag.“ 

Wenn Sie Experimente in verletzlichem Kontakt machen, achten Sie jedoch auch auf das Timing. Wenn Ihr Partner oder Ihre Freundin gerade mit etwas anderem beschäftigt  oder auf dem Weg zu einem Termin ist, wäre das kein guter Zeitpunkt. Achten Sie darauf, dass Sie in entspannter Atmosphäre sind, beide Zeit haben und der andere auch gerade gesprächsbereit ist.

Verletzlicher Kontakt ist ein großes Geschenk, das unsere Herzen nährt, uns wärmt und verbindet. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie so viele Gelegenheiten wie möglich kreieren und erleben.

Herzlich verletzliche Grüße, 
Ihre Nicola Nagel

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