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Freitag, 14. Juni 2013

Die Illusion von Zeit und Verstand. - Es existiert nur das JETZT!



Unser Verstand ist eine clevere Maschine, die fortwährend mit Informationen gefüttert wird und das Wissen in endlosen Schleifen wiederholt und abruft. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Die entscheidende Frage ist, gebrauchen Sie Ihren Verstand, oder gebraucht Ihr Verstand Sie? Denken Sie, Sie sind Ihr Verstand?

In unserer Gesellschaft wird uns eingetrichtert, dass der Verstand das Wichtigste am Menschen ist, dass wir sozusagen unser Verstand sind. Die meisten Menschen sind vollständig mit Ihrem Verstand identifiziert. Getreu dem Motto „Ich denke, also bin ich.“  Doch was, wenn die Identifikation mit dem Verstand eine Illusion ist? Was wenn es ein Trick Ihres Egos ist, die Dinge so zu belassen wie sie sind?

Ihr Ego – oder auch Ihre „Box“ – ist ein Konstrukt aus Konzepten, Begriffen, Vorstellungen, Erwartungen, Meinungen und Definitionen. Seit Ihrer Kindheit hat Ihre smarte Verstands-Maschine Informationen, Eindrücke und Erlebnisse gesammelt und diese in einer riesigen Datenbank abgespeichert. Diese Informationen können permanent abgerufen werden. Es sind die Informationen, aus denen Sie Ihre Identität, Ihre Persönlichkeit, Ihr Ego oder eben Ihre Box aufgebaut haben.

Das Ziel des Egos ist es, diese Identitäts-Struktur aufrecht zu erhalten und das zu reproduzieren, was es bereits kennt. Es nutzt den Verstand, um die Informationen in Endlosschleifen abzurufen, damit gewährleistet ist, dass Ihre Identität nicht erschüttert wird oder sich verändert. Um das Bekannte zu reproduzieren, lässt Ihr Verstand Sie zudem glauben, es existiere eine Zeitschiene und es gäbe Vergangenheit und Zukunft.

Wenn Sie sich nun vollständig mit Ihrem Verstand identifizieren, glauben Sie das auch, ja es ergibt sogar Sinn. Schließlich waren Sie doch gerade gestern mit Freunden gemeinsam essen und das ist doch Vergangenheit, oder nicht? Und übermorgen ist doch der wichtige Kundentermin und das ist doch Zukunft, oder nicht? Ja, und beides ist nur eine Illusion. Denn Sie können weder beeinflussen, was gestern war, noch, was übermorgen sein wird. Das einzige, was existiert ist JETZT.

Für die meisten von uns ist es so normal mit dem Verstand identifiziert zu sein. Wir denken, wir sind unser Verstand. Tatsache ist jedoch, dass wir nicht unser Verstand SIND, sondern einen Verstand HABEN, den wir bewusst einsetzen können. Doch statt das zu tun, werden wir fortlaufend von unserem Verstand benutzt.

Unser Verstand plappert permanent. Gedanken rasen unaufhörlich durch unseren Kopf und kreieren Geschichten. Wenn wir nun keine Des-Identifikation vornehmen, glauben wir unserem Verstand tatsächlich das, was er uns vorgaukelt. Um es etwas anschaulicher zu machen, wie der Verstand dafür sorgt, dass wir uns in der Illusion von Vergangenheit und Zukunft bewegen, lassen Sie uns ein kleines Experiment machen.

Experiment 1: Benutzt Ihr Verstand Sie?

Beantworten Sie einmal folgende Fragen für sich:
  • Versuchen Sie ständig irgendwo hinzukommen, sei es räumlich (von A nach B) oder gedanklich („Wenn ich das erst geschafft habe, dann…“)?
  • Versuchen Sie ein Ziel zu erreichen?
  • Ist Ihr Fokus darauf gerichtet, wie sich eine Situation in Ihrem Leben wohl entwickeln wird?
  • Warten Sie darauf, dass Sie Urlaub haben?
  • Warten Sie darauf, den idealen Partner zu finden, um endlich glücklich zu sein?
  • Hoffen Sie, dass einige Dinge in Ihrem Leben sich bessern werden? Malen Sich sich aus, wie das aussehen könnte?
  • Hoffen Sie, dass sich Ihr Partner, Boss, Freund, Nachbar ändert, damit es Ihnen besser geht?
  • Sind Sie gedanklich schon bei der Verabredung mit Ihrem Partner morgen Abend und malen sich aus, wie es wohl sein wird?
  • Denken Sie immer wieder darüber nach, wie das Gespräch mit dem Kollegen letzte Woche verlaufen ist?
  • Malen Sie sich aus, was Sie das nächste Mal sagen werden?
  • Machen Sie sich Sorgen und wissen nicht, wie es weitergehen soll oder wie Sie ein Problem lösen sollen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, benutzt Ihr Verstand Sie! Dann sind Sie in der Vergangenheit oder Zukunft gefangen und bauen sich gerade Ihr eigenes Gefängnis. Beobachten Sie einmal wie schnell es geht, dass Ihr Verstand Sie in Geschichten der Vergangenheit und Zukunft zieht.

Es gibt jedoch gute Neuigkeiten: Sie sind nicht Ihr Verstand. Sie sind nicht Ihr Ego oder Ihre Box. Sie können eine Des-Identifikation vornehmen und damit anfangen wirklich präsent im JETZT zu leben.

Die Sache ist die: Durch den Mangel an Präsenz im Jetzt setzt sich die Vergangenheit weiter fort. Das Ego ist darauf getrimmt, die Dinge so zu belassen, wie Sie sind. Wenn sie jedoch permanent Ihrem Verstand glauben, dann haben Sie keine Kraft, weil Sie nicht im JETZT präsent sind. Dann glauben Sie die Geschichten und wundern sich, warum Sie wieder Enttäuschungen erleben. Genau das ist die Strategie Ihres Egos.

Hier ein Beispiel:
Angenommen, Sie sind nächste Woche mit einer charmanten Person zum Essen verabredet und freuen sich bereits heute darauf. Sie malen sich aus, wie es wohl sein wird und was Sie der Person unbedingt erzählen möchten. Sie sind gedanklich komplett in der Zukunft.
Was passiert dann, wenn Sie diese Person tatsächlich treffen? Sie haben bereits eine Geschichte im Kopf, ein Konzept, wie die Begegnung idealerweise abläuft und sind nicht mehr offen und präsent für das, was JETZT gerade in diesem Moment da ist. Sie leben in Geschichten, in einer Illusion, die sie des tatsächlichen Lebens im JETZT beraubt. Sie haben Erwartungen, wie etwas zu laufen hat und können nicht mehr mit dem sein, was gerade in diesem Moment da ist, in dem Sie mit der Person zusammen sind. Und genau das ist das fatale, denn diese Erwartungen sind prädestiniert dafür, enttäuscht zu werden. Diese Ent-Täuschung ist nichts anderes als die Befreiung von der Täuschung der Illusion. Ein Weckruf, dass das JETZT anders ist, als Sie sich vorgestellt haben. Es ist wie ein Wecker, der Sie aus dem Schlaf der Illusion rausholt.

Viele Menschen leben in Erinnerungen oder Erwartungen. Sie kennen ja vielleicht den Spruch von John Lennon „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ zu Deutsch „Leben ist das, was Dir passiert, während Du andere Pläne machst.“

Dieser Satz trifft es genau. Das Leben passiert nur JETZT. Das was unser Verstand uns psychisch als Zeit vorgaukelt, also die Vergangenheit oder Zukunft, existiert nicht. Dinge sind nie in der Vergangenheit oder Zukunft passiert sondern immer nur im JETZT. Zum Beispiel gab es vor 2 Sekunden ein JETZT, wo ein Auto vor meinem Haus vorbeigefahren ist. Oder gestern gab es ein JETZT, wo eine Freundin angerufen hat. Alles was passiert, passiert immer nur JETZT.  Und um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: Sie bestimmen JETZT Ihre Zukunft. JETZT in diesem Moment. Es lohnt sich also präsent in das HIER und JETZT zu kommen und diesen Moment bewusst zu gestalten und zu erleben, weil er Ihre Zukunft gestaltet.

Wie machen Sie das? Dazu können Sie ein Experiment in 3 Schritten machen:


Experiment 2: JETZT und HIER präsent werden

·         SCHRITT 1: Schalten Sie den Verstand aus
„Haha, sehr witzig“ werden jetzt einige denken. Und auch das ist nur eine Stimme Ihres Verstandes. Nicht zu denken ist tatsächlich möglich. Gehen Sie zum Beispiel raus in den Garten oder Park und beobachten Sie dort einen Vogel oder eine Blume. Beobachten Sie ganz bewusst. Fokussieren Sie das, was Sie beobachten. Aha, die Blume ist gelb. Sie hat runde, kleine Blätter mit roten feinen Streifen, die zur Mitte hin dicker werden…“ Oder nehmen Sie einen Gegenstand auf Ihrem Schreibtisch. Üben Sie 5 Minuten…Na, wie war’s? Konnten Sie feststellen, dass Ihr Verstand aufgehört hat, zu plappern und Ihnen Konzepte und Bewertungen zuzuflüstern? Sie waren in dem Moment voll präsent.

Alternatives Experiment: Sitzen Sie entspannt im Stuhl. Spüren Sie jetzt ganz bewusst die Sitzfläche und die Stellen, wo Ihr Po den Stuhl berührt. Spüren Sie die Lehne im Rücken. Spüren Sie, wo Ihre Kleidung Ihre Haut berührt. Spüren Sie, wie Ihr Atem durch Ihren Körper fließt. Hören Sie die kleinsten Geräusche um sich herum.

·         SCHRITT 2: Beobachten Sie, wie der Verstand sich wieder einschaltet
Beobachten Sie als nächstes, wie der Verstand sich wieder einschaltet. Beobachten Sie die Stimmen, die Bewertungen (z. B. „Na das ist ja ein Experiment, was soll ich jetzt damit?“ oder „Oh man, ich muss ja noch einkaufen.“, etc.). Beobachten Sie einfach den Verstand, das womit Sie denken, das Ding, was Ihnen ständig Geschichten erzählt. Und bewerten Sie nicht, was Sie beobachten.

Sobald Sie anfangen im Jetzt Ihren Verstand zu beobachten, sind Sie auf dem besten Weg der Des-Identifikation. Identifizieren Sie die wiederkehrenden Stimmen in Ihrem Kopf.

·         SCHRITT 3: Kreieren Sie JETZT etwas anderes
Der Verstand projiziert das, was er aus vergangenen Erfahrungen und Erlebnissen gespeichert hat. Das ist sein Job. Wenn Ihnen bewusst wird, was Ihr Verstand für wiederkehrende Muster produziert, haben Sie JETZT die Möglichkeit, dem einen Riegel vorzuschieben. Wie Eckhard Tolle sagt: „Die Zukunft wird durch die Qualität Deines Bewusstseins in diesem Augenblick geprägt.“ Sie können jeden Moment bewusst voll Liebe, Güte, Großzügigkeit, Leidenschaft und Gemeinschaft gestalten (Sie können zum Beispiel auch mit Leidenschaft den Abwasch machen oder mit Großzügigkeit dem Kollegen helfen). Genau das wird sich dann auch in Ihrem Leben zeigen.

Wenn Sie hoffen, dass sich in Zukunft in Ihrem Leben etwas bessert, dann sind Sie in der Zukunft. Dann sind Sie gefangen im Verstand. Dann benutzt Ihr Verstand Sie und Sie haben keine Kraft. Sie können weder ändern, was letzte Woche passiert ist, noch was übermorgen passiert. Sie haben nur JETZT Kraft und können nur JETZT diesen Moment gestalten. Ob Sie dies bewusst tun, oder Ihr Ego und Ihren Verstand es unbewusst tun lassen, liegt bei Ihnen. Keins ist besser oder schlechter. Es produziert einfach nur verschiedene Ergebnisse. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sobald Sie aufhören, sich mit Ihrem Verstand zu identifizieren, wird das Leben sehr viel intensiver und reicher, weil Sie im HIER und JETZT präsent sind und den Augenblick leben. Und es wird auch ruhiger, weil Sie sich nicht mehr mit allem möglichen Quatsch aus Vergangenheit und Zukunft beschäftigen müssen. Dadurch werden enorme Energiereserven in Ihnen freigesetzt, die Sie im HIER und JETZT nutzen können.

Das heißt jedoch nicht, dass sie jetzt gar nicht mehr denken sollen. Sie können sich jedoch entscheiden, Ihren Verstand nur dann bewusst einzusetzen, wenn er wirklich gebraucht wird, z. B. wenn Sie eine konkrete Aufgabe lösen müssen oder herausfinden müssen, wie Sie mit dem Zug von A nach B kommen. Dann benutzen Sie Ihren Verstand und nicht umgekehrt. Es geht darum, Ihr LEBEN nicht mit permanentem Denken zu vergeuden. Lassen Sie sich nicht von der Verstandsmaschine in den Strudel von Erinnerungen, Erwartungen und Projektionen und damit in die Vergangenheit oder Zukunft ziehen. Das ist alles nur eine Illusion des Egos. Das, was wirklich von Bedeutung im Leben ist – Liebe, Schönheit, Gemeinschaft, Freude, inneres Wachstum, etc. – hat seinen Ursprung jenseits des Verstandes. Sie sind mehr als Ihr Verstand. Sie sind größer als Ihr Verstand. Leben Sie JETZT aus Ihrem Sein heraus.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


 POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com

Mittwoch, 8. August 2012

Keine Ahnung!? Wie Sie präsent in Ihrer Kraft bleiben, wenn Sie mal keine Lösung parat haben


Wie oft haben Sie sich schon Sorgen gemacht, weil Sie nicht wussten, wie etwas geht oder wie Sie für ein Problem eine Lösung finden sollten? Wie oft haben Sie schon gesagt „Keine Ahnung!“ Wie oft hatten Sie schon die drei großen Fragezeichen auf der Stirn, weil Sie vor einer scheinbar unlösbaren Herausforderung standen?

In unserer Gesellschaft auf die Frage, wie etwas geht, zu antworten „Keine Ahnung“ erfordert Mut. Wir sind so darin trainiert, alles zu wissen und für möglichst alles eine Lösung zu haben. Das wird uns bereits in der Schule beigebracht. Bereits von klein auf wird uns das Wissen regelrecht eingetrichtert. Im Studium oder in der Ausbildung geht es dann gerade weiter. Mehr und mehr Theorie wird in unser brillantes Hirn gestopft. Wenn man sich nicht alles merken kann, dann ist es zumindest schlau zu wissen, wo die richtige Antwort steht. Die Angst, etwas nicht zu wissen, ist groß, denn wenn wir etwas nicht wissen, haben wir plötzlich keine Kontrolle mehr. Dann befinden wir uns plötzlich in unbekanntem Gebiet und haben keinen Boden mehr unter den Füßen. Keine Ahnung zu haben bedeutet, ein stückweit keine Sicherheit zu haben. Und uuuuuuh, das ist für unser Ego, das so sehr auf Sicherheit und Überleben bedacht ist, eine gefährliche Angelegenheit.  
Dabei sind genau die Momente, in denen Sie nicht wissen, wie es geht, die kreativsten. Wie wäre es, wenn Sie der Angst vertrauen könnten, keine Ahnung zu haben? Wie wäre es für Sie, wenn Sie im JETZT einfach präsent bleiben, sich im Nicht-Wissen entspannen und aus dem Nichts heraus neue Möglichkeiten schaffen könnten?

Die Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, wenn wir etwas nicht wissen, ist, im JETZT zu bleiben, genau in diesem Moment präsent zu sein. Denn sobald Sie gedanklich nur eine Sekunde in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind, haben Sie keine Kraft mehr. Sie können nicht ändern, was gerade vor 2 Sekunden passiert ist. Oder können Sie es rückgängig machen, dass Sie sich gerade an der Nase gekratzt oder mit Ihrem Fuß gewippt haben? Nein, können Sie nicht. Sie haben in der Vergangenheit keine Kraft. Genauso wenig Kraft haben Sie in der Zukunft, denn sie ist noch nicht da.

Die meisten Menschen leben in einem sehr großen JETZT. Bei einigen ist das JETZT mehrere Tage, Monate oder sogar ein ganzes Jahr groß. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor: Ein Mann fragt eine Frau „Würdest Du mich heiraten?“ und sie sagt „Nicht jetzt“. 6 Monate später fragt er sie erneut und sie antwortet „Ich habe doch gesagt, nicht jetzt“. Diese Frau würde z. B. in einem sehr großen JETZT leben.

Wenn Sie ein sehr großes JETZT haben, dann leben Sie permanent in der Vergangenheit oder der Zukunft. Dann machen Sie sich Gedanken über Dinge oder Situationen, die schon längst vorbei sind oder über mögliche Ereignisse in der Zukunft, die noch gar nicht da sind. Kennen Sie das?


Experiment 1: Wie groß ist Ihr JETZT?
Lehnen Sie sich einmal einen Moment zurück und betrachten Sie sich von außen. Stellen Sie sich vor, Sie würden ein zweites Paar Augen nehmen, das von außen Ihren eigenen Körper und Ihre Gedanken und Gefühle beobachtet. Scannen Sie mit diesen externen Augen einmal kurz einen Tagesablauf. Wie oft sind Sie tagsüber mit Ihren Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit, und wenn es sich nur um 10 Sekunden handelt. Schauen Sie einmal, über welchen Zeithorizont Ihre Gedanken den ganzen Tag gehen und definieren Sie einmal, wie groß Ihr JETZT ist. Vielleicht denken Sie z. B. immer noch über eine gestrige Begegnung nach und konzentrieren sich auch gleichzeitig schon auf die Besprechung, die Sie übermorgen mit einem Kunden oder Kollegen haben. Dann wäre Ihr JETZT insgesamt 3 Tage groß (oder lang).

Im JETZT präsent zu sein ist vor allem dann schwierig, wenn wir uns einer Herausforderung gegenüber sehen. Wenn wir z. B. ein echtes Problem haben und bis zu einem Tag x einen bestimmten Geldbetrag benötigen oder ein Kundenprojekt fertig gestellt werden muss, passiert es sehr schnell, dass unsere Gedanken nur noch um das Problem kreisen. Genau in dem Moment sind wir aber in der Zukunft und geben unsere komplette Kraft und Kreativität an ein Zukunftsdatum ab. Doch genau das blockiert uns. Wenn Sie ein Problem fokussieren oder sich 10mal wieder die Konflikt-Situation mit Ihrem Partner von gestern wieder hervorholen und sich die Frage stellen, wie Sie das nur lösen sollen, dann stecken Sie fest. Dann ist Ihr Fokus auf dem Problem.

Die Sache ist die: Wenn Sie ein Problem fokussieren und sich auf die Schwierigkeiten konzentrieren, dann produzieren Sie noch mehr davon. Das ist das universelle Gesetz. Wenn Sie ein Problem fokussieren, dann geben Sie automatisch Energie in das Problem anstatt in die Lösung. Sie kennen das universelle Gesetzt: Sie sind, was Sie denken und fühlen bzw. Sie finden das in Ihrem Leben vor, von dem Sie bewusst oder unbewusst überzeugt sind. Wieso sonst, denken Sie, ist bei den einen alles im Fluss, während andere sich abstrampeln und auf keinen grünen Zweig kommen?

Kürzlich habe ich einen sehr bereichernden Satz von Joseph Murphy gelesen, den ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen teilen möchte: 

„Es gibt kein Hindernis (…), solange Sie sich nicht selbst durch Ihr bewusstes Denken Steine in den Weg legen. Die (…)Weisheit Ihres Unterbewusstseins können Sie nur selbst begrenzen: durch Zweifel und Negativität.“*

Dies bedeutet konkret, dass alles, was Sie sich wünschen oder brauchen, bereits existiert. Sie müssen es nur in Besitz nehmen und dafür müssen Sie zu allererst einmal im JETZT präsent sein. Wenn Sie keine Ahnung haben, wie Sie etwas lösen sollen, dann entspannen Sie sich zunächst einmal, anstatt loszurennen und zu schauen, wie Sie an eine Lösung kommen. Der Schlüssel in dem Moment ist, ruhig zu werden, sich zu zentrieren und auf die eigenen Gedanken zu achten.


Experiment 2: Entspannen Sie sich in den Moment hinein
Dieses Experiment ist zugegebenermaßen eine echte Herausforderung, denn bitteschön, wir sind eine Leistungsgesellschaft und Zeit ist Geld. Wer hat da schon Zeit, sich erst einmal mitten am Tag - vielleicht sogar im Büro mit anderen Kollegen -  zu entspannen? Da könnten ja andere womöglich denken, Sie haben nichts zu tun oder Sie sind nicht leistungsbereit. Der Witz ist allerdings, dass Sie schneller und wesentlich effektiver zu einer Lösung kommen, als wenn Sie krampfhaft „rumhirnen“ um den Zustand des Nicht-Wissens zu beseitigen. Ehrlich, wir meinen immer, dass wir alles mit dem Verstand herausfinden müssen, doch ich lade Sie zu einem neuen Experiment ein.

Um sich in das JETZT hinein zu entspannen, haben Sie idealerweise 5-10 Minuten Ruhe, also kein Telefon und keine Kollegen oder Familie, die etwas von Ihnen wollen. Machen Sie es sich in einem Stuhl bequem und schließen Sie die Augen. Machen Sie sich „leer“. Sammeln Sie sich. Zentrieren Sie sich. Spüren Sie Ihre Füße auf dem Boden. Spüren Sie die Stuhllehne an Ihrem Rücken. Atmen Sie mehrmals tief ein und aus und lassen Sie allen Stress, alle Sorgen und Gedanken ziehen. Nehmen Sie Ihren Herzschlag war. Werden Sie ruhig. Kommen Sie ins JETZT.

Spüren Sie, Ihre eigene Präsenz und Kraft in diesem Moment. JETZT haben Sie Kraft. JETZT können Sie etwas Neues kreieren.


Experiment 3: Ist es in Ordnung, nicht zu wissen?
Entspannen Sie sich in das Nicht-Wissen, in diesen Zustand keine Ahnung zu haben, wie etwas geht oder zu lösen ist. Es ist absolut in Ordnung nicht zu wissen, wie etwas geht. Beantworten Sie kurz folgende Frage: „Ist es okay für Sie, nicht zu wissen?“ Vielleicht spüren Sie Angst. Nehmen Sie diese wahr. Angst ist einfach nur Angst. Angst ist genau das Gefühl, das ein Magier benutzt, um aus dem Nichts heraus etwas Neues zu kreieren. Vertrauen Sie dieser Angst. Wenn Sie die Frage mit „Ja“ beantworten können, haben Sie die Hälfte schon geschafft. Wenn Sie die Frage hingegen mit „Nein“ beantworten, dann stecken Sie fest auf der Ebene, alles logisch wissen zu müssen. Dann blockieren Sie sich selbst.

Sie müssen nicht wissen, wie etwas geht oder sich lösen lässt. Die entscheidende Frage ist, sind Sie davon überzeugt, dass es eine optimale Lösung für das Problem oder eine Konfliktsituation mit einer Person gibt, oder nicht? Vielleicht schaltet sich genau jetzt wieder Ihr Verstand ein und sagt „Ja, aber……die Umstände sind so-und-so, da gibt es nichts dran zu rütteln…, da kann ich nichts dran ändern.“ Der Witz ist, Sie können etwas dran ändern. Unser Verstand meint gerne, dass die Umstände unveränderbar und in Stein gemeißelt sind. Tatsache ist jedoch, dass sich Umstände schneller ändern können, als wir überhaupt wagen uns vorzustellen. Es liegt allein an Ihnen. Wenn Sie der festen Überzeugung sind, dass die Umstände in Stein gemeißelt sind und Ihren Fokus weiter auf die Schwierigkeit gerichtet lassen, dann produzieren Sie damit genau diese Umstände immer wieder neu.


Experiment 4: Deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt
Die gute Nachricht ist: Sie können auch einfach einen neuen Film einlegen. Die aktuellen Umstände sind nichts weiter als ein Film, der durch einen Projektor läuft und das Bild auf eine Leinwand strahlt. Die Leinwand wären die Umstände. Der Film sind Ihre Gedanken und Gefühle. Oft versuchen wir die Leinwand zu demontieren oder zu verändern. Wie oft haben Sie das schon probiert, Hand aufs Herz? Ja, jeder hat es schon probiert. Und hat es funktioniert? Nein, hat es nicht, weil die Umstände in Ihrem Leben das Resultat Ihrer Überzeugungen sind und nicht umgekehrt. Also können Sie den Versuch, die Leinwand bzw. die Umstände zu ändern, getrost in die Tonne treten.

Probieren Sie jetzt einfach mal etwas Neues aus. Legen Sie einen anderen Film ein. Sie stehen also vor einer herausfordernden Situation. Wie wäre es, wenn Sie jetzt, in diesem entspannten Zustand, in dem Sie im JETZT präsent sind und es für Sie okay ist, nicht zu wissen, wie es geht, voller Überzeugung deklarieren, dass es eine Lösung gibt, und Sie Ihnen eingegeben wird?

Schön wär’s? Schön ist es! Denn genau das ist die Macht Ihrer Gedanken und Gefühle. Die Macht Ihrer eigenen Deklaration. Sie müssen selbst gar nicht wissen, wie die Lösung aussieht. Geben Sie das Problem an die schöpferische Weisheit in Ihnen ab und empfangen Sie die Lösung. Fragen Sie sich nicht, wie, wann und wo die Lösung zu Ihnen kommt. Sie kommt dann, wenn Sie es am wenigsten erwarten.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Ich war Anfang des Jahres in der Situation, dass ich ein offenes Privat-Training angesetzt hatte, zudem sich bereits mehrere Personen angemeldet hatten. Zwei Wochen vor Beginn des Trainings habe ich bei dem ursprünglich geplanten Seminarhaus angerufen, um – wie vereinbart - die Anzahl der Teilnehmer durchzugeben. Als ich dort anrief, erfuhr ich, dass es eine Doppelbuchung gegeben hatte und meine Teilnehmer leider gar nicht am Vorabend anreisen könnten. Ja und den Trainingsraum könnte ich übrigens auch leider erst am 1. Tag nachmittags nutzen und nicht wie geplant um 9 Uhr morgens.

Und jetzt? Was tun? Training absagen? Das kam für mich nicht in Frage. Also begann ich, wild im Internet zu suchen. Doch im Münchner Raum kurzfristig erschwingliche Trainingsräume für 3 Tage zu bekommen ist eine Herausforderung. Ich hatte keine Ahnung, wie ich so schnell etwas Adäquates finden sollte. Nachdem ich zig Hotels und Tagungsstätten angerufen hatte und sich herausstellte, dass es keine freien Möglichkeiten gab, habe ich dieses „Problem“ schließlich abgegeben. Anstatt weiter in der Zukunft zu denken (also „Wo finde ich nur für nächste Woche einen Trainingsraum?“), habe mich zurück gelehnt, mich in das JETZT entspannt und dann genau die schöpferische Weisheit in mir angesprochen. Die schöpferische Weisheit in Ihnen ist mit der Weisheit im Universum verbunden. Und mal ehrlich, für die Weisheit, die das Universum erschaffen hat, sind unsere irdischen Probleme wirklich lächerlich. Also habe ich voller Überzeugung deklariert „Es gibt einen idealen Trainingsraum für mein Training nächste Woche. Die unendliche Intelligenz kennt diesen Raum und sorgt dafür, dass ich ihn rechtzeitig finde.“ Danach habe ich mich mit einem Cappuccino in die Sonne gesetzt und mich nicht weiter darum gekümmert. Einen Tag später traf ich eine Bekannte zum Essen. In dem Gespräch erzählte sie von ihrer Arbeit und erwähnte plötzlich, dass sie außerhalb von München am Ammersee vor kurzem ein Seminarhaus angeschaut hat, das vom Namen her gar nicht als Seminarhaus ersichtlich ist. Ich fragte sie nach dem Namen, googelte zuhause, fand die Internetseite, rief die angegebene Telefonnummer an und siehe da: in diesem Seminarhaus war genau für den angesetzten Termin noch ein schöner Trainingsraum frei. Da hätte ich mir die 6 Stunden verstandsgesteuerte Suche im Internet und das Anrufen diverser Hotels wirklich sparen können.

Auf die gleiche Weise kommen Sie übrigens auch zu Geld oder zu sonstigen Lösungen. Wenn Sie an einem bestimmten Tag x zum Beispiel eine konkrete Geldsumme benötigen, weil Sie eine dringende Investition o. ä. tätigen müssen, können Sie gleichermaßen die Lösung an die universelle Intelligenz bzw. die schöpferische Weisheit in Ihnen abgeben. Entscheidend ist, dass Sie den Fokus nicht länger auf das Problem oder die Schwierigkeit gerichtet lassen. Das würde Mangel erzeugen. Verbinden Sie sich stattdessen mit Ihrer inneren Weisheit (nicht mit Ihrem Verstand) und deklarieren Sie, dass Ihnen die Lösung zuteil wird. Und dann: VERTRAUEN SIE DARAUF!!! Seien Sie davon überzeugt und üben Sie sich dann in absoluter Gelassenheit. Sobald Sie Ihrem Verstand erlauben, Zweifel, Ängste und Sorgen aufkommen zu lassen, funktioniert es nicht. Achten Sie also auf Ihre Gedanken.

Um auf die ideale Lösung zu vertrauen, müssen Sie übrigens kein bestimmtes Gefühl haben. Vertrauen ist kein Gefühl, VERTRAUEN IST EINE ENTSCHEIDUNG!!! 

Fülle und Überfluss sind eigentlich unser Geburtsrecht. Allerdings ist das Massengemüt mittlerweile so massiv von Negativität, Zweifeln und Ängsten geprägt, dass wir ständig mit destruktiven Gedanken anderer Leute umgeben sind. Sobald wir den Fernseher anmachen oder die Zeitungen aufschlagen werden wir mit Schreckensnachrichten, Negativität und Sorgen konfrontiert.

Wirklich, fangen Sie an, sich bewusst von diesem Massengemüt abzugrenzen. Seien Sie im JETZT präsent und zentriert (zum Zentriert-Sein siehe auch Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“). Lassen Sie sich nicht von der Negativität anderer beeinflussen. Sie kennen bestimmt genug Leute, die Sie in schwierigen Situationen versuchen zu bequatschen, z. B. mit  „Also ich weiß ja nicht, ob das funktioniert. Wie soll denn das gehen? Das kannst Du vergessen. Ich glaube nicht, dass das klappt…“ Sie kennen diesen ganzen Müll. Doch es gibt immer eine Lösung, die Frage ist nur, ob Sie darauf vertrauen.

Ein Hinweis noch: Falls an einer herausfordernden Situation mehrere Personen beteiligt sind (Beispielsweise bei einem Streit), ist es hilfreich zu deklarieren, dass sich die Situation zum höchsten Wohle aller löst. Versuchen Sie also nicht andere zu manipulieren, indem Sie sagen „Ich vertraue darauf, dass mein Chef/Partner/Nachbar von seiner Position abrückt.“ Sie wissen nicht auf welchem Weg und wie genau sich die Lösung ergibt. Lassen Sie Ihrer schöpferischen Weisheit Spielraum.

Wenn Sie also mal keine Ahnung haben, bleiben Sie einfach im JETZT präsent, deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt und bleiben Sie dann gelassen. Machen Sie einmal das Experiment weg vom TUN hin zum SEIN. Und dann staunen Sie einfach einmal, was passiert.

In diesem Sinne, herzlich staunende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Buch-Tipp: „Die Macht Ihrer Wünsche – Wie Sie mit Tele-Psi Ihre Ziele erreichen“ von  Joseph Murphy


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Sonntag, 16. Oktober 2011

Der Verstand ist ein Zoo - Wie uns Stimmen im Kopf manipulieren

Der Verstand ist ja schon brillant. Er produziert unaufhörlich Gedanken, kann komplexe Dinge analysieren und beleuchten oder gar logische Argumente in einer Diskussion liefern. Wir haben ihn all die Jahre wohl genährt: in der Schule, in der Uni, in der Ausbildung, im Job, durch zig Bücher, Zeitungen oder das Internet. Manchmal kann der Verstand aber auch zur echten Qual werden. Sie kennen das vielleicht: Sie liegen abends im Bett, sind eigentlich hundemüde, aber die Gedanken rasen unaufhörlich weiter. Oder Sie wollen eine Entscheidung treffen und hören in Ihrem Kopf permanent die Argumente für und wider.

Der Verstand rattert und rattert und rattert. Selbst wenn wir nicht aktiv mit jemandem sprechen, ist trotzdem oftmals eine Konversation im Kopf zugange. Es scheint als würde permanent eine Stimme plappern: „Mach dies so….Nein, tu das lieber nicht…Das kann ich nicht…Wie soll ich mich nur entscheiden…ob das wohl richtig war…ich bin überfordert…ja, da geht’s lang…was wäre, wenn… ich bin nicht gut genug…das kann man doch nicht machen, …etc.“ Die Stimmen reden, gehen noch einmal die Situation vorhin mit dem Partner durch oder kommentieren das, was der Chef heute Morgen gesagt hat. Sie werden vielleicht sagen „Nun ja, es sind einfach die Gedanken, die fortlaufend durch den Kopf schießen.“ Wie wäre es jedoch für Sie, wenn es Stimmen sind, die nicht Ihnen gehören und die nur die Absicht haben, Sie fortlaufend zu manipulieren?

Wie bitte? Stimmen, die nicht mir gehören? Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor hat einen Buchtitel heraus gebracht, den ich an dieser Stelle gerne ausleihen möchte, denn der Titel fasst das heutige Thema genial zusammen: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Sie werden womöglich die Frage stellen, ob es jetzt um Schizophrenie geht. Doch darum geht es keineswegs. Jeder Mensch hat verschiedene Identitäten, die er in bestimmten Situationen annimmt. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie unterhalten sich mit einem Bekannten. Das Telefon klingelt, er geht ran und sagt: „Hallo Mama,…“ Sie können genau beobachten, welche Stimme, Rolle und Haltung er einnimmt, während er mit seiner Mutter spricht. 5 Minuten später geht wieder das Telefon und es ist sein Geschäftspartner. Sie werden merken, wie er auf eine ganz andere Art und Weise mit ihm spricht. Die Tonlage, die Wortwahl, die Mimik und die Gestik werden eine andere sein. Wir können also verschiedene Identitäten annehmen, je nachdem, was die Situation erfordert.

Genauso, wie es diverse Rollen gibt, die wir einnehmen können, gibt es zahlreiche Stimmen, die uns im Leben unbewusst dirigieren. Wie viele von Ihnen kennen zum Beispiel eine Stimme, die gelegentlich sagt „Das kann ich nicht“ oder „Ich weiß nicht, wie ich das machen soll“? Na, seien Sie ehrlich. Fast jeder hat diese Stimme schon einmal gehört. Das kann sich auf ganz unterschiedliche Situationen beziehen, z. B. sollen sie eine Rede halten, ein Menü für 30 Personen kochen, das neue Großkundenprojekt übernehmen, ihrem Partner eine Grenze setzen oder auf eine Party gehen, wo sie keinen Menschen kennen.

Es gibt beliebig viele Beispiele, die wir hier auflisten könnten. Angenommen also Sie stehen vor einer Herausforderung, z. B. sollen Sie das erste Mal über eine Slack-Line laufen. Das ist dieses neuartige, trendige Band, das zwischen zwei Bäumen gespannt wird und über das Sie balancieren können. Was geht dann in Ihrem Kopf ab? Vielleicht sagt eine Stimme „Ich kann das nicht“, „So ein Quatsch.“ Vielleicht sagt auch eine Stimme „Okay, los geht’s“, oder aber „Oh, ich weiß nicht ob das gut geht. Ich könnte runterfallen und mich verletzen.“ Angenommen, sie wagen das Experiment balancieren zwei Schritte auf dem Seil, verlieren das Gleichgewicht und plumpsen auf den harten Boden. Was sagt der Verstand? Hören Sie z. B.: „Siehste, habe ich doch gleich gesagt, dass das eine Schnapsidee ist“ oder „Oh, das war wohl nichts. Los, gleich noch einmal probieren.“

Es gibt nicht nur eine Stimme, die in unserem Kopf rumspukt. Es gibt eine ganze Stimmenkultur. Der Verstand ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Zoo und die Konversationen dieser Stimmen sind sehr unterhaltsam. Da können Sie jedes Kabarett und jede Comedy Sendung im Fernsehen vergessen. Die Comedy im Kopf ist spannender als Kino. Es ist sehr nützlich, sich der Hauptcharaktere in Ihrem Kopf bewusst zu werden, denn noch einmal: es sind Stimmen, die nicht Ihnen gehören und die Sie entweder blockieren oder manipulieren können.

Lassen Sie mich ein persönliches Beispiel geben: Bei mir gibt es neben diversen Nebendarstellern, 4 Haupt-Stimmen, die sich gerne einmischen. Die erste Stimme habe ich Püppi getauft. Püppi ist die Stimme vom kleinen, schüchternen Mädchen, das sagt: „Ich weiß nicht, ob ich das kann. Das lass ich lieber. Das ist vielleicht keine gute Idee.“ Als zweites gibt es Lola. Lola ist der derbe Charakter, der immer noch in die Kerbe von Püppi reinhaut: „Wie soll das auch funktionieren. So ein Quatsch. Habe ich Dir doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert. Das wird nie was.“ Die 3. Stimme gehört Goofy (sie kennen vielleicht noch diesen tolpatschigen, schläfrigen Hund aus der Mickey Maus Zeit). Goofey ist ein bißchen träge und sagt manchmal: „Och nööö, lass uns das später machen. Ich mag jetzt nicht.“ Schließlich gibt es noch eine 4. Stimme ganz anderer Ausrichtung. Diese Stimme habe ich Rickie getauft. Rickie ist die Stimme einer robusten Antreiberin, die alles andere als aus Zucker ist. Wenn Rickie die Bühne betritt, können Püppi, Lola und Goofy sich warm einpacken, denn Rickie sagt in etwa folgendes: „Püppi, Lola, Goofy Klappe halten. Nicola, beweg Dich uns zwar pronto“.

Die Stimmen sind sehr vielfältig und es ist sehr lohnenswert, sich bewusst zu machen, welche Stimme gerade aktiv ist. Ich möchte Sie daher zu folgendem Experiment einladen:

EXPERIMENT 1: Welche Stimmen sind aktiv und wem gehören sie?
Setzen Sie sich einen Moment ruhig hin. Beobachten Sie nun bewusst Ihren Verstand. Welche Stimmen kommen jetzt gerade auf, während Sie z. B. so da sitzen und nichts tun? Was sagen die? Der ein oder andere mag jetzt sagen „Ich höre keine Stimmen.“ In dem Fall lade ich Sie ein, einfach einmal simpel an die Wand zu starren. Wenn Sie das tun, wird schon die erste Stimme fragen: „So ein Quatsch, warum soll ich jetzt an die Wand starren?“ Sie können auch Situationen vom Tag Revue passieren lassen. Die Diskussion mit dem Kollegen, den Streit mit dem Partner, das nette Gespräch mit dem Chef. Achten Sie einfach einmal bewusst darauf, welche Gedanken dazu hochkommen und welche Stimmen diese Situationen kommentieren.

Identifizieren Sie im zweiten Schritt diese Stimmen. Wem gehören Sie? Gehört die Stimme einer Autoritätsperson, einem Elternteil, Lehrer, Chef, der genau das immer gesagt hat? Gehört die Stimme eher einem kleinen bedürftigen Kind? Sie können auch Charaktere aus der Geschichte oder aus Film und Fernsehen nehmen. Wem gehört die Stimme? Geben Sie jeder markanten Stimme einen konkreten Namen, z. B. „Das hat mein Vater Otto immer zu mir gesagt, diese Stimme heißt Otto.“ Oder „Diese Stimme erinnert mich an einen patzigen, kleinen Jungen, der nur Unfug im Kopf hatte, ich nenne ihn Suppenkasper.“ Seien Sie ehrlich und konkret. Vielleicht gibt es auch eine Stimme, die arrogant von oben herab redet und Sie an einen Schulkollegen erinnert, der Sie regelmäßig gepiesackt hat. Vergeben Sie wirklich konkrete Namen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, jede Stimme, sobald sie auftaucht, genau zu identifizieren. Jede Stimme stellt ein ICH dar.

EXPERIMENT 2: Welches ICH spricht gerade?
Wenn Sie sich das nächste Mal in einer Situation befinden, in der Sie etwas bewerten („Wie kann man nur so handeln. Der Kollege hat wohl nicht alle Tassen im Schrank) oder zögern, weil Sie meinen, Sie könnten etwas nicht („Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Das wird nie was.“), oder auch wenn Sie sich nicht entscheiden können und diverse Stimmen in Ihrem Kopf eine Argumentation für und wider etwas starten, dann sagen Sie in dem Moment einmal STOP! Halten Sie inne und fragen Sie sich, welches ICH gerade am Steuer sitzt. Ist es eine ängstliche, weinerliche Kinderstimme, die Sie manipuliert und Ihrer Kraft beraubt? Oder ist es vielleicht die Stimme einer Autorität, die Ihnen sagt, dass es eine absolute Schnapsidee ist, Ihrer Freude zu folgen und eine verrückte Unternehmung zu machen? Was immer es auch für eine Stimme sein mag, werden Sie sich Ihres Zoos bewusst. Werden Sie sich der Stimmen bewusst, die Sie manipulieren. Es sind nicht Ihre Stimmen und mit diesen Stimmen im Kopf haben Sie keine Kraft.

„AHA!“ werden jetzt einige Leser denken. „Und was mache ich nun, wenn diese Stimmen da sind und nicht aufhören zu plappern?“ Eine berechtigte Frage, die mich gleich zum nächsten Experiment bringt.

EXPERIMENT 3: Benutzen Sie Ihren Stimmen-Colt
Für dieses Experiment brauchen Sie Ihre Vorstellungskraft. Idealerweise machen Sie dieses Experiment im ersten Schritt für sich in einem Raum, wo keine anderen Menschen sind. Es könnte für andere nämlich ziemlich verrückt aussehen, da Sie in diesem Experiment die Stimmen, die permanent in Ihrem Kopf quasseln, mit einem sogenannten STIMMEN-COLT abschießen werden. Stellen Sie sich vor, sie haben einen imaginären Werkzeuggürtel mit allerlei Utensilien um Ihre Hüfte hängen. An diesem Gürtel befindet sich rechts hinten, in Höhe der rechten Pobacke ein imaginärer Revolver. Greifen Sie nun einmal nach hinten und ziehen Sie ihn langsam aus dem Halfter. Halten Sie ihn vor sich und schauen Sie sich Ihren ganz persönlichen Stimmen-Colt an. Wie sieht er aus?

Los, machen Sie sich diesen Spaß. Wir sind in unserer Gesellschaft so von Normen, Regeln und Vorgaben eingeengt, dass wir in Momenten, in denen wir etwas machen sollen, was wir normalerweise nicht tun, denken „So ein Quatsch!“. Wenn Sie diesen Satz, diese Stimme jetzt gerade in Ihrem Verstand hören, ziehen Sie sofort Ihren Stimmen-Colt, richten ihn in die Luft auf die Stimme und knallen sie mit dem Wort „PENG!“ ab. Es ist ein Spaß, ehrlich und es funktioniert auch noch. Probieren Sie das einmal.

Wir waren also dabei, wie Ihr Colt aussieht. Welche Farbe hat er? Wie groß ist er? Aus welchem Material ist er? Wie sieht der Griff aus? Ist er aus dem gleichen Material, wie der Lauf oder vielleicht aus Holz? Haben Sie Ihren Colt ganz klar vor Augen? Prima. Achten Sie darauf, dass er nicht die Größe eines Gewehrs hat, denn das ist etwas hinderlich mitzuschleppen. Er sollte von der Größe her so sein, dass Sie ihn immer schnell ziehen können, jederzeit.

Jedes Mal, wenn Sie also Stimmen (Gedanken) in Ihrem Kopf haben, die Sie an etwas hindern, Sie zögern lassen, Sie runterziehen, Sie rum-eiern und keine Entscheidung fällen lassen, Dinge hinaus zögern, oder ähnliches, ziehen Sie sofort Ihren Stimmen-Colt. PENG! Die Stimmen kommen oftmals auch in sehr kurzen Abständen hintereinander, dann schießen Sie sie einfach hintereinander ab PENG! PENG! PENG! Und machen Sie für’s erste wirklich die Bewegung und das Geräusch: Colt ziehen, die Hand in die Luft strecken und auf die Stimme zielen, PENG!. Vergessen Sie danach nicht, den Rauch aus dem Revolver-Lauf kurz wegzublasen und den Colt wieder in den Halfter zu stecken.

Sie können auch bewusst einmal 5 Minuten durch Ihre Wohnung oder Ihr Haus laufen und die einzelnen Stimme im Verstand wahrnehmen, jedes Mal innehalten, sie abschießen und dann wieder weiterlaufen. Das kann sich z. B. folgendermaßen anhören: „Oh man, wie sieht’s denn hier aus? PENG! Das Bild hängt schief. PENG! Du müsstest echt mal wieder saubermachen. PENG! Die Rechnung auf dem Schreibtisch ist immer noch nicht bezahlt. PENG!...“

Das Tolle ist, Sie haben eine unbegrenzte Anzahl an Kugeln in dem Stimmen-Colt. Sie brauchen also nicht sparsam sein, wenn Sie Stimmen abschießen und Sie müssen sich auch keine Gedanken über das Nachladen machen. Achten Sie wirklich einmal auf all die Stimmen in Ihrem Verstand. Welche Stimme sagt Ihnen genau was? Wem gehört die Stimme? Wer hat das in der Vergangenheit oft zu Ihnen gesagt, sodass sich diese Stimme in Ihrem Verstand einnisten konnte?

Die Sache ist die: Wenn Sie fortlaufend Stimmen hören und im Kopf Diskussionen führen, dann sind Sie nicht wirklich im JETZT präsent. Stimmen und Geschichten passieren auf einer Zeitlinie, also entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Sie passieren nicht im JETZT, in diesem Augenblick. Wenn Sie also eine herrliche Konversation im Verstand führen, dann denken Sie entweder über etwas nach, dass schon passiert ist, also in der Vergangenheit liegt, oder über etwas, das in der Zukunft liegt. Wenn Sie zum Beispiel heute schon eine Konversation im Verstand durchgehen, die Sie morgen real mit Ihrem Kollegen in der Arbeit führen wollen, dann sind Sie nicht im JETZT präsent. Sie leben in der Zukunft oder in der Vergangenheit und da haben Sie keine Kraft. Sie können nicht verändern, was vor 3 Sekunden passiert ist und auch nicht, was in 3 Sekunden sein wird, weil es noch nicht da ist.

Wenn Sie wirklich im JETZT präsent und damit in Ihrer Kraft sind, dann hören Sie keine Stimmen, sondern können sich bewusst und zentriert bewegen und als Erwachsener so agieren, wie es die Situation erfordert. Es kann übrigens sein, dass einige Stimmen in Ihrem Verstand immer wiederkehren, obwohl Sie diese bereits abgeschossen haben. Lassen Sie sich davon nicht irritieren. Wenn uns über viele Jahre von verschiedenen Autoritätspersonen immer wieder Kommentare oder Sätze eingetrichtert wurden, dann können diese Stimmen sehr hartnäckig sein. Schießen Sie sie einfach erneut ab. PENG! Mit der Zeit werden die Stimmen weniger oder verschwinden.

Sie können das Stimmenspiel auch ausweiten. Wenn Sie z. B. das Menü für 30 Personen kochen sollen und Sie hören z. B. eine Stimme „Oh je, ich weiß nicht, wie. Ich kann das nicht.“, dann schießen Sie die Stimme zu nächst ab. PENG! Stellen Sie sich anschließend die Frage:“ „Wer könnte es?“ Dann kommen Sie vielleicht auf Alfons Schuhbeck. Stellen Sie sich dann die Frage: „Was würde Alfons Schuhbeck jetzt sagen oder tun?“ Wechseln Sie dann einfach für die Zeit des Menü-Kochens die Identität. Sie werden erstaunt sein, welche neuen Möglichkeiten sich plötzlich auftun.

Ich lege Ihnen sehr ans Herz, Ihren Stimmen-Colt regelmäßig zu benutzen. Legen Sie ihn niemals zur Seite, sondern haben Sie ihn jederzeit griffbereit, damit Sie alle Stimmen, die Sie manipulieren und runterziehen wollen, gleich ins Jenseits befördern können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine experimentierfreudige Zeit.

Beste Grüße,
Ihre Nicola Nagel

Nicola Nagel ist Possibility Management Trainerin aus Berufung und bietet außergewöhnliche Trainings an, in denen die Teilnehmer in einem geschützten Raum nachhaltig ihr Potenzial entfalten können.

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