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Freitag, 13. Oktober 2017

4 Essenzielle Aspekte um Stress und Burnout zu vermeiden



Im Hinblick auf eine neue Art des Arbeitens ist ein Thema, von dem sich viele Mitarbeiter wünschen, es möge sich verändern, das Thema Stress und Burnout. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in der modernen Leistungsgesellschaft Stress im Job zum Alltag gehört und die Burnout Rate mittlerweile ins unermessliche steigt. Das Büro für Berufsstrategie in Berlin (www.berufsstrategie.de) bringt es in einem Artikel auf den Punkt: Im modernen Arbeitsleben sind die individuellen Anforderungen stark gestiegen. Vielfach wird eine faktische Überlastung aber aus Sorge um die Reputation oder den Arbeitsplatz nicht thematisiert. Hinzu kommt, dass häufig die besonders leistungswilligen Menschen überfordert werden, und diese aus zu großem Verantwortungsbewusstsein dazu neigen, Überforderungen nicht einzugestehen. Parallel zur steigenden Arbeitsbelastung in den letzten Jahren, ist die Anzahl an Mitarbeitern, die deutliche Burnout Symptome bei sich wahrnehmen, massiv gestiegen. In Deutschland befindet sich laut einer aktuellen Umfrage des Markforschungsinstituts EMNID derzeit jeder vierte Arbeitnehmer in einer beruflichen Situation, die einen Burnout begünstigt.

Faktoren, die massiven Stress und Burnout begünstigen, sind beispielsweise ein hoher Grad an Verantwortung, steigender Arbeitsaufwand, die permanente Forderung nach mehr Leistung und oftmals auch zwischenmenschliche Konfliktsituationen. Gängige Burnout Symptome beinhalten nicht zuletzt, dass die Betroffenen sich psychisch und emotional ausgelaugt und ohne  Energie fühlen, teilweise verzweifelt bis depressiv sind, den Eindruck haben, weniger zu erreichen, als sie sollten oder aber den Eindruck haben, im Job nicht das zu bekommen, was sie erwarten. 

Im Rahmen der New Work Bewegung, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt rückt, stehen die Chancen gut, dass eine neue Herangehensweise möglich wird, die Stress und Burnout nicht nur reduziert sondern vorbeugt. Doch was wären essenzielle Komponenten, um Stress und Burnout vorzubeugen? Es hat viel mit menschlichen Fertigkeiten zu tun, die in Vergessenheit geraten sind und im bürokratischen Business Alltag abtrainiert wurden, um im hierarchischen Wettkampf-Gefüge zu überleben.

Vier dieser essenziellen Fertigkeiten sind folgende:

  1. Zentriert sein
  2. Minimierung des Jetzt & Klarheit über das sogenannte Problembesitztum
  3. Bewusstheit über und Inbesitznahme der inneren Gefühlskraft
  4. Der Wechsel zu grenzenloser Selbstverantwortung

Betrachten wir zunächst einmal den ersten wichtigen Aspekt, um Stress und Burnout zu vermeiden.

1.    Zentriert sein
Was bedeutet Zentrum und zentriert sein konkret? Nun, ziehen Sie einmal in Betracht, dass Sie 2 Arten von Zentrum haben: Das physische Zentrum und das sogenannte Seins-Zentrum. Das physische Zentrum befindet sich zwischen Ihren beiden Hüftknochen in der Körpermitte und sorgt für Ihre physische Balance. Sein Standort ist unveränderlich. Darüber hinaus haben wir jedoch auch ein Seins-Zentrum. Das Seins-Zentrum nimmt seinen Ausgang in der Größe einer Grapefruit und ist beweglich. Im Business Alltag tendieren die Menschen dazu, das Seins-Zentrum in den Kopf zu legen, d. h. sie denken, analysieren, diskutieren und rechnen den ganzen Tag. Viele geben ihr Seins-Zentrum – und damit ihre persönliche Kraft und Autorität – jedoch vor allem auch an andere Personen ab (z. B. den Vorgesetzten, die Kollegen, den fordernden Kunden, etc.). Dies passiert in der Regel unbewusst. Eine Person, die ihr Seins-Zentrum abgibt, macht es anderen oft Recht, versucht die Erwartungen anderer zu erfüllen und verhält sich angepasst. Das erweckt einen scheinbaren Eindruck von Sicherheit, weil die andere Person Ihnen dann nichts anhaben kann und möglicherweise sogar mehr Verantwortung übernimmt oder die finale Entscheidung trifft. Was jedoch letztendlich verloren geht, ist Ihre persönliche Kraft. 


Jedes Mal, wenn Sie Ihr Zentrum abgeben, verhalten Sie sich angepasst und erzeugen eine unausweichliche, gegenseitige Abhängigkeit. Dabei kann Ihnen niemand Ihr Zentrum wegnehmen. Andere Menschen können Sie einladen, Ihr Zentrum abzugeben (z. B. der Chef, der Druck auf Sie ausübt oder die Kollegin, die Sie so nett anhimmelt, etc.). Doch letztendlich können nur Sie selbst Ihr Zentrum abgeben. Daher ist es entscheidend, Bewusstheit über das eigene Seins-Zentrum zu bekommen und darüber, was Sie damit tun.
Um aus der Stress-Burnout-Spirale auszusteigen, ist es notwendig zu lernen, zentriert zu bleiben. Wie geht das? Sie nutzen zunächst Ihre Aufmerksamkeit, um zu schauen, wo Ihr Seins-Zentrum gerade ist (möglicherweise im Kopf). Anschließend nutzen Sie Ihre Absicht, um Ihr bewegliches Seins-Zentrum auf Ihr physisches Zentrum legen. Sobald Ihr Seins-Zentrum sich genau am gleichen Ort wie Ihr physisches Zentrum befindet, dann sind Sie zentriert. Wenn Sie zentriert sind – und damit Ihre eigene, kraftvolle Autorität – kommen Sie in einen Zustand gelassener Aufnahmefähigkeit und Ausgeglichenheit, in dem Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr länger darauf gerichtet ist, Erwartungen zu erfüllen. Wenn Sie zentriert sind, können Sie für sich einstehen und sind nicht mehr manipulierbar. Wahre Führungskräfte ermächtigen ihre Mitarbeiter genau dazu.
Hier noch ein Referenzpunkt für eine zentrierte Position: Es gibt Sportarten wie z. B. Fechten, Karate, Taekwondo, Ballett, Capoeira, etc., die eine bestimmte zentrierte Grundstellungen zu Beginn haben. Diese Grundstellungen sind komplett zentriert und geerdet (meist mit leicht gebeugten Knien). Das bedeutet, diese Grundpositionen sind so stabil, dass sie den Sportler nicht aus der Balance bringen können während sich die Person gleichzeitig von dieser Grundposition aus überall hin bewegen kann.
Übrigens können Sie Ihr Seins-Zentrum nicht nur an Personen, sondern auch andere Dinge abgeben, z. B. ein Projekt, die Zeit, den Jahresbonus, Ihre Zielerreichung, etc.

2.    Minimierung des Jetzt & Klarheit über das Problembesitztum
Sobald Sie gelernt haben, zentriert zu sein (das bedarf ein wenig Training), sind Sie in der Lage, Ihr JETZT zu minimieren. Das bedeutet, dass Sie in genau in jedem einzelnen Moment präsent und wach sind. Jetzt … und jetzt … und jetzt … Sie sind mit Ihren Gedanken weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, sondern nur im Hier und Jetzt. Viele Menschen mit Stress- und Burnout-Symptomen leben in einem sehr großen Jetzt. Sie denken beispielsweise in dieser Sekunde schon daran, welche 120 Aufgaben, E-Mails und Termine sie morgen, nächste oder übernächste Woche noch erledigen müssen. Wenn Sie in diesem Moment schon an morgen denken und Angst vor der anstehenden Belastung haben, dann geben Sie Ihr Zentrum an die Zukunft ab und können Ihre Kraft nicht mehr darauf verwenden, was JETZT gerade relevant ist. Gleiches gilt, wenn Sie in diesem Moment noch über letzte Woche nachdenken und Ihr Zentrum damit in die Vergangenheit legen. Denken Sie beispielsweise kurz an ein Tennis Match. Die Spieler müssen in jedem Moment komplett zentriert sein, um in ihrer vollen Kraft zu sein und sich auf den nächsten Ball konzentrieren zu können. Sobald sie ihr Zentrum an den letzten Ballwechsel abgeben oder an ihren nächsten Urlaub, können sie nicht mehr präsent im Match sein. Im Business Alltag ist es gängig, viele Termine und Aufgaben, die innerhalb der nächsten 2-3 Wochen anstehen, auf dem Radar zu haben. Die Sache ist die: Ihre Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit also beispielsweise auf Gesprächstermine legen, die noch gar nicht da sind, oder Diskussionen aus der Vergangenheit in Gedanken immer wieder durchgehen, dann fehlt Ihnen diese Energie in diesem Moment, um in einem wachen und präsenten Seins-Zustand zu agieren.

Zentrieren Sie sich stattdessen (indem Sie Ihre Absicht nutzen) und stellen Sie die Frage, was ist JETZT als nächstes dran? Dann erledigen Sie diese Aufgabe ohne auch nur einmal auf ihre lange ToDo Liste zu schielen.

Wenn Sie zentriert im JETZT und damit Ihre eigene Autorität sind, könnte eine interessante Frage auftauchen: „Wer hat ein Problem?“ Neben der Tatsache, dass gestresste und Burnout gefährdete Menschen oftmals zu viele Dinge auf einmal meinen erledigen zu müssen, kommt es häufig vor, dass sie auch Probleme anderer versuchen zu lösen. Sie geben auch in solch einem Moment ihr Zentrum an eine andere Person ab.

Probleme sind nicht einfach da. Probleme haben immer einen Besitzer. Wenn Sie sich selbst in einer Problemsituation wieder finden, kann es unglaublich kraftvoll sein, wenn Sie sich zentriert Klarheit darüber verschaffen, wessen Problem es ist. Dabei gibt es 3 Varianten:

·         Ich habe ein Problem:
Wenn Sie ein Problem haben, ist es Ihr Problem. Es nicht das Problem von jemand anderem. Übernehmen Sie Verantwortung dafür, dass Sie dieses Problem als maßangefertigtes Lernumfeld für sich kreiert haben. Indem wir mit Problemen umgehen, lernen wir, was wir zu lernen haben. Sie können mit Ihrem Problem machen, was Sie wollen. Sie können es lösen, darüber reden, es ausschmücken, es behalten, etc. Es ist Ihre Verantwortung.

·         Andere haben ein Problem:
Wenn jemand anderes ein Problem hat, heißt das nicht, dass Sie ein Problem haben. Lassen Sie die andere Person ihr Problem haben!  (Selbst wenn es Ihr Chef ist). Diese Person hat hart dafür gearbeitet. Sie hat sich ihr Problem kreiert. Oftmals treffen wir die Unterscheidung nicht und machen das Problem anderer Leute zu unserem eigenen (insbesondere, wenn die andere Person eine Autorität ist). Lassen Sie sie selbst herausfinden, wie sie mit einer gesetzten Grenze oder anderen Schwierigkeiten umgehen, ohne in der Lage zu sein, Sie zu manipulieren, ihr Problem zu lösen, indem sie jammern, Sie meiden, beschimpfen oder trotzig sind. Ein verantwortlicher Weg, mit Problemen anderer umzugehen ist, ihnen  zuzuhören.

·         Es gibt kein Problem:
Sobald Sie sich von der Vorstellung befreien, dass Sie verantwortlich für die Probleme von anderen sind, haben Sie plötzlich wieder all diese Energie für andere Dinge. Wenn Sie Klarheit darüber haben, wessen Problem es ist, öffnet das die Möglichkeit ein interessantes neues Gebiet zu entdecken, wo Sie lebendig und in Beziehung sind und es kein Problem gibt.

Falls Sie gedacht haben, dass die dritte Option ist „Wir haben ein Problem“, stellen sich kurz einmal folgende Frage: Wenn Sie in einer Besprechung sitzen und dann heißt es „Ja, dann müssen wir das mal lösen!“ – wer macht es dann? Richtig, niemand, denn es gibt kein WIR, wenn es zu Verantwortung kommt. Mehrere Menschen können zwar das gleiche Problem haben, doch es kann nur jeder einzelne seinen Anteil an Verantwortung übernehmen, um das Problem zu lösen.


3.    Bewusstheit über und Inbesitznahme von innerer Gefühlskraft
Der dritte essentielle Aspekt, um aus der Stress- und Burnout-Spirale auszusteigen, ist unter Umständen am Herausfordernsten, da es um ein Thema geht, das in der Business Welt Tabu ist: Gefühle.

Im gängigen Business Alltag ist es oberste Priorität, professionell zu sein, sodass viele Menschen es sich zur Gewohnheit gemacht haben, Gefühle hinunterzuschlucken. Das Unterdrücken von Gefühlen ist jedoch genau einer der Hauptfaktoren die zu Stress und Burnout führen. Was genau ist damit gemeint? Ziehen Sie einmal folgendes in Betracht:

Die Haltung der modernen Gesellschaft in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind – grundsätzlich und erst recht nicht im Job. Wer Gefühle im Job zeigt, gilt als schwach, unprofessionell und nicht resilient. Insgesamt gibt es vier große Gefühlsterritorien, die unterschieden werden können: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Es gibt noch weitere Begriffe für Gefühle, die jedoch häufig zu einem der großen Territorien gehören (z. B. gehört Nervosität  in das Territorium der Angst, während Groll in das Territorium der Wut gehört) oder aber eine Vermischung von Gefühlen darstellen. Konkret wird Wut tituliert als irrational, zerstörerisch, unzivilisiert, gefährlich und unprofessionell. Traurigkeit ist nach gängiger Meinung schwach, emotional, zieht andere runter, ist ebenfalls unprofessionell und unangenehm; während Angst als feige, instabil, lähmend, inkompetent und nervenaufreibend dargestellt wird. Freude ist hingegen in Maßen noch in Ordnung, doch wenn Sie zu viel Freude zeigen, sind Sie unrealistisch, kindisch, albern, naiv und nehmen das Leben und die Arbeit nicht ernst. 

Stress und Burnout können sehr schnell entstehen, wenn Sie über einen längeren Zeitraum aufgrund dieser gesellschaftlichen Sichtweise Ihre Gefühle unterdrücken und Sie nicht klar ausdrücken. Dann entsteht sehr schnell eine unbewusste Gefühlsvermischung, die letztendlich dafür sorgt, dass Sie mehr und mehr Energie verlieren und sich letztendlich ausgebrannt und verzweifelt oder depressiv fühlen. Die Vermischung von Gefühlen kann in verschiedenen Kombinationen erfolgen:


Um Gefühle zu entmischen, ist es notwendig, zunächst eine neue Haltung in Bezug auf Gefühle einzunehmen. Die neue Annahme – die uns meist nicht beigebracht wurde – lautet: Gefühle sind neutrale Energie und Information, die Ihnen dienen. Sie sind kein Design-Fehler des Universums. Sie brauchen beispielsweise Ihre Wut, um klare Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen, Ja/Nein zu sagen, Ungerechtigkeit zu erkennen, in Aktion zu treten und Maßnahmen zu ergreifen. Traurigkeit ist eine großartige Gefühlskraft, um sich mitzuteilen, verletzlich zu zeigen, Dinge loszulassen, Mitgefühl zu entwickeln und anderen Raum zu geben. Angst dient Ihnen dazu, Gefahren zu erkennen, Risiken abzuschätzen, aufmerksam und präsent zu sein, im Nichts zu stehen und Neues auszuprobieren; während Sie Freude nutzen können, um begeistert zu sein, andere zu inspirieren, zu experimentieren, Visionen zu haben und voranzugehen. Sobald Sie lernen, die Gefühle zu trennen und in einem sicheren Raum bewusst auszudrücken, erhalten Sie Zugang zu der Energie und Information, die dahinter steckt und das bringt Sie zurück ins Leben.


4.    Der Wechsel zu größerer Selbstverantwortung
Ein weiterer Schritt aus der Stress-Burnout-Spirale ist die Übernahme von größerer  Selbstverantwortung. Das bedeutet, aus dem Opfer-Modus in Bezug auf die Umstände auszusteigen. Wenn Sie Verantwortung übernehmen, können Sie kein Opfer mehr sein. Größere Selbstverantwortung hat dabei etwas mit einer inneren Haltung zu tun. Es geht darum, sich einzugestehen, welchen Nutzen Sie aus dem Stress oder sogar Burnout ziehen und wie Sie dafür gesorgt haben, dass Sie in diese Situation geraten sind. Größere Selbstverantwortung erscheint nicht fair, weil sie keine Hintertürchen offen lässt. Sie hat jedoch nichts damit zu tun, dass Sie die ganze Schuld einer Situation auf Ihre Schultern laden. Vielmehr hören Sie auf, sich über die Situation zu beklagen und werden so zum Schöpfer Ihres eigenen Lebens.

Wenn Sie zentriert sind, im Jetzt präsent sind und gelernt haben, Ihre Gefühlskraft wieder in Besitz zu nehmen, führt größere Selbstverantwortung letztendlich dazu, dass Sie für sich einstehen, Grenzen setzen, Veränderung herbeiführen, sich bewusst Auszeiten nehmen, die Signale Ihres Körpers beachten und sich auf das Wesentliche im Leben besinnen. Denn, so bitter es auch ist, ist eines dennoch klar: mehr und mehr Arbeit, Leistungsdruck und damit verbundener Stress durch Gefühlsvermischungen landeten bisher bei Ihnen, weil Sie es zugelassen haben und keine anderen Möglichkeiten kannten. Jetzt haben Sie neue Möglichkeiten.

Es gibt noch weitere Aspekte zu diesem Thema, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Die vier entscheidenden Komponenten, um aus der Stress-Burnout-Spirale auszusteigen, sind zudem keine Fertigkeiten, die Sie mal eben schnell mit dem Verstand greifen und sofort umsetzen können. Es ist vielmehr ein Prozess, der ein gewisses Training erfordert. Doch wenn Sie sich darauf einlassen, werden Sie erstaunt sein, in welch kurzer Zeit Sie nicht nur aus der Spirale herauskommen, sondern wie viel mehr Lebensenergie und Inspiration sich in Ihrem Leben wieder ausbreitet. Sie werden die Möglichkeit haben, ein völlig neues Spiel zu spielen fernab von Leistungsdruck und Stress. In der New Work Bewegung zählt die Menschlichkeit. Sind Sie bereit, ein neues Spiel zu spielen?

(Autorin: Nicola Nagel)


P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um aus die Stress-Burnout-Spirale zu vermeiden, können Sie in den Possibility Management Trainings von viva-essenza erlernen. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu finden Sie auf: www.viva-essenza.com


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Montag, 11. April 2016

NEXT CULTURE WORK: Stärke durch Verletzlichkeit



Ein Irrglaube, der sich über Jahrzehnte etabliert hat und heute in der Wirtschaf fast durchgängig noch ein gelebt wird lautet: Verletzlichkeit ist unprofessionell. Wer im Business Leben bestehen und die Karriereleiter weiter nach oben klettern möchte, braucht stattdessen einen gewissen Drall, eine Art Härte, Unverfrorenheit, Abgebrühtheit und muss - wie es gerne heutzutage genannt wird - resilient sein. Resilient bedeutet nichts anderes, als in der Lage zu sein, dem Stress und Druck im Job standzuhalten.

Es gibt unzählige Trainings, die genaue Methoden anbieten, wie Sie Stress noch besser in den Griff bekommen und aufkommende Gefühle wie Angst oder Wut in Schach halten können. Schließlich geht es im Job um Leistung, tagein tagaus. Wen wundert es da, dass sich morgens an den Eingangstüren der Firmen fast durchgängig das gleiche Spiel abspielt: Viele Mitarbeiter hängen bildlich gesprochen ihr Herz an der Eingangstür an einen Garderobenständer, setzen ihre Business Maske auf und ziehen ihren Kampfhelm an. Sie schalten regelrecht in einen anderen Modus, wechseln die Identität, was sich für viele symbolisch in der Kleidung darstellt und widmen sich voll und ganz logischen Tatsachen, Argumenten, langweiligen Meetings, Ablaufplänen und Vorgaben, um vermeintlich professionell den Tag zu bestehen. Doch professionell gegenüber wem? In der Regel gegenüber anderen Menschen, die gleichermaßen eine Business Maske tragen. Ist das nicht eine Farce?

Diese Business Maske ist nicht gut und nicht schlecht. Sie ist einfach eine wohlbekannte, meist übernommene oder individuell angepasste Schutz- bzw. Überlebens-Strategie, um im Dschungel der Fakten, Zahlen, Gewinne, Ziele, Leistungsbewertungen und begrenzten Karriereposten zu bestehen. Was jedoch dabei komplett auf der Strecke bleibt, ist die Authentizität und die Menschlichkeit. Sicherlich gibt es in vielen Firmen unter Kollegen auch herzliche Kontakte; für viele die letzte Rettung, um im Alltag überhaupt durchzuhalten in einem Job, den die wenigsten aus Leidenschaft machen. Gleichzeitig wird jedoch immer offensichtlicher, dass sich die Zeiten der kühlen, professionellen Business Maske dem Ende neigen. Die steigenden Raten für Burnout und andere psychosomatische Krankheiten sind nur ein Zeichen dafür, dass die Menschen am Anschlag sind und es höchste Zeit für einen Wandel ist. (Als Hintergrund-Information: Gemäß dem deutschen Fehlzeitenreport 2015 hat sich die Burnout-Rate zwischen 2005 und 2014 versiebenfacht. 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen von Burnout betroffen. Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischen Erkrankungen haben im Zeitraum von 1997 bis 2012 um 260 Prozent zugenommen, während körperliche Erkrankungen und Verletzungen als Ursache von Arbeitsunfähigkeitstagen stabil geblieben sind. Bereits jeder fünfte Arbeitnehmer leidet unter gesundheitlichen Stressfolgen – von Schlafstörungen bis zum Herzinfarkt. Quelle: „Deutscher Fehlzeitenreport“ und „TK Gesundheitsreport & KKH-Allianz & WHO & Stressreport Deutschland“)

Das Modell des Menschen als funktionierende Maschine funktioniert nicht mehr. Doch was nun? Die Art des Miteinanders in Firmen könnte in Zukunft ganz anders aussehen. Eine Rückbesinnung auf Werte wie Menschlichkeit und Authentizität ist ein wesentlicher Teilaspekt dessen. Doch um dort hinzugelangen, ist es notwendig, dass mit dem eingangs erwähnten Irrglauben – Verletzlichkeit ist unprofessionell – aufgeräumt wird.

An dieser Stelle ist es sinnvoll einmal zu betrachten, was Verletzlichkeit im Job überhaupt bedeutet bzw. wie Verletzlichkeit dort belegt ist.

Verletzlichkeit – Alte Sicht
Verletzlichkeit – Neue Sicht
Ein Zeichen von Schwäche
Ein Zeichen von Stärke
Ich bin angreifbar
Authentisch
Unprofessionell
Wärme, Herzlichkeit, Miteinander
Destruktive Gefühlsausbrüche
Gefühle verantwortlich und bewusst nutzen
Ich habe mich nicht im Griff
Ich besitze meine Gefühle
Rückzug
Schafft neue Räume von Miteinander
Ich muss mich um jeden Preis schützen
Ich kann mit bewusster Wutkraft Grenzen setzen, wenn ich mich verletzlich zeige
Zu weich für den Job
Menschlich, nahbar
Empfindlichkeit
Feinspürig
Nicht belastbar
„Gesund“ belastbar (resilient in einem neuen Kontext)
Nicht entscheidungsfähig
Entscheidungsfähig
Sensibel
Klar, mitfühlend
Besser nicht aussprechen
Eröffnet eine neue Art der Kommunikation
Trennung im Team. Leute, die sich verletzlich zeigen, sind schnell Außenseiter, werden als Last gesehen.
Nachhaltige Team-Bindung
Aus dem Kontakt gehen
In aufrichtigem Kontakt sein

Wie in dieser Gegenüberstellung bereits ersichtlich ist, wird Verletzlichkeit vielfach in Verbindung mit Gefühlen gesehen, und da beginnt der Teufelskreis. Lassen Sie uns daher das Thema Gefühle kurz betrachten.

Die Haltung der modernen Gesellschaft in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind – grundsätzlich und erst recht nicht im Job. Wer Gefühle im Job zeigt, gilt als schwach, unprofessionell und nicht resilient. Insgesamt gibt es vier große Gefühlsterritorien, die unterschieden werden können: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Es gibt noch weitere Begriffe für Gefühle, die jedoch häufig zu einem der großen Territorien gehören (z. B. gehört Nervosität  in das Territorium der Angst, während Groll in das Territorium der Wut gehört) oder aber eine Vermischung von Gefühlen darstellen.

Unter der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind, ist es somit nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen vermeintliche Resilienz beweisen, indem sie die Gefühle irgendwie unterdrücken, runterschlucken und betäuben. Doch anstatt tatsächlicher Resilienz, also Widerstandskraft gegen Stress, werden sie immer schwächer, landen im Burnout oder haben andere psychosomatische Krankheiten (ziehen Sie einmal in Betracht, dass diese Krankheiten eine Vermischung von unbewussten, unausgedrückten Gefühlen über einen sehr langen Zeitraum sein können). Resilienz bedeutet in unserer Gesellschaft und Business Welt, die Taubheitsschwelle (also die Schwelle bei der Sie ein Gefühl überhaupt fühlen) möglichst hoch zu halten, beispielsweise durch Essen, Fernsehen, exzessiven Sport, Internet, Social Media, Shoppen, Alkohol, Zigaretten und sonstige Drogen. Gefühle, die jedoch nur betäubt werden und keinen bewussten Ausdruck finden, schlagen sich langfristig auf die Gesundheit nieder.

Die folgende Grafik zeigt, warum es unter der oben genannten, gängigen Annahme, nicht okay ist, das jeweilige Gefühl zu fühlen:

 
Das Problem ist an dieser Stelle möglicherweise die Lösung. Wie wäre es, wenn die Lösung darin läge, eine neue Perspektive auf Gefühle einzunehmen und die Taubheitsschwelle bewusst herabzusetzen während Sie Ihre Gefühle und die darin liegende Kraft wieder bewusst und verantwortlich in Besitz nehmen? Eine neue Sichtweise in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle neutrale Energie und Information sind, die Ihnen dienen, sowohl privat, als auch im Job. Sie sind wie ein inneres Navigationssystem, dass Sie zielsicher durchs Leben leitet. Wenn Sie diese neue Annahme treffen, wie könnten Ihnen die Gefühle dann als neutrale Energie und Information dienen?


Beachten Sie bei dieser neuen Landkarte, dass insbesondere die Traurigkeit Ihnen dazu dient, verletzlich zu sein, authentisch in Verbindung mit anderen Menschen zu treten und empathisch zu sein. Soll es also wieder authentisch menschlich in den Unternehmen werden, ist es unabdingbar, die Kraft der Traurigkeit wieder in Besitz zu nehmen und bewusst zu nutzen.

Die Energie und Kraft der Gefühle wieder bewusst in Besitz zu nehmen, erfordert einen geschützten Trainingsraum. Es geht dabei nicht um Katharsis, die dazu dient, die Gefühle im Wald einfach raus zu lassen, um sie loszuwerden. Bei der bewussten Inbesitznahme Ihrer Gefühle geht es vielmehr um Kathexis, d. h., die Gefühle bewusst bis zu einem Maximum von 100% im Körper zu fühlen und die körperliche Erfahrung zu machen, dass Sie größer sind als das jeweilige Gefühl. Daraus entwickelt sich eine Stärke, die Ihnen niemand nehmen kann. Sie aktivieren wieder Ihr inneres Navigationssystem und können es anschließend nutzen, indem Sie klar und bewusst die Energie und Information eines jeden Gefühls anzapfen, sobald es auftaucht und dann beispielsweise in der Firma bei Ihren Kollegen konkret für Klarheit sorgen.

Der Gedanke, die Gefühle dann auch tatsächlich im Job wieder einzubringen und zu nutzen, mag für einige beängstigend klingen. Schließlich haben viele Mitarbeiter und Kollegen möglicherweise jahrelang alles dafür getan, um die Gefühle zu deckeln und sie nicht zu äußern.

Doch ziehen Sie einmal folgendes in Betracht:
Die Erde braucht dringend Menschen, die Zugang zu eben dieser inneren Gefühlskraft haben, um mehr und mehr Menschlichkeit und Authentizität zurück ins Leben und in die Business Welt zu bringen,  eine andere Art von Arbeit ermöglichen, eine andere Art von Miteinander und eine andere Art von Umgang mit der Erde. Die Erde braucht Menschen, die wieder bewusst fühlen können.

Gefühlskalte, knallharte, auf Konkurrenz gepolte, selbstgemachte Psychopathen, die auf der Hierarchie-Karriereleiter immer weiter nach oben steigen und die Dollarzeichen oder eine bestimmte Position im Auge haben, hatten wir nun lange genug. Das ist keine Wertung. Selbstgemachte Psychopathen, sind Menschen, die ihre Gefühle abgeschaltet haben, um im patriarchischen Kontext überleben und möglichst weit nach oben zu kommen, um im herkömmlichen Sinne vermeintlich erfolgreich zu sein. Wie eingangs erwähnt, funktioniert dieses Spiel jedoch nicht mehr. Es hat Resultate produziert, die die Menschen und die Erde krank machen. Die meisten Menschen sehnen sich nach authentischem Kontakt und danach, dass sie sich so zeigen können, wie sie sind, ohne Angst haben zu müssen, dafür ausgegrenzt oder abgewertet zu werden. 

Verletzlichkeit im neuen Sinne ist eine unglaubliche Stärke, eine Ressource, die Sie nutzen können, um eine neue Bewegung und letztendlich einen neuen Kontext in dem Unternehmen, in dem Sie arbeiten, zu etablieren. Sie können beginnen einen Kontext von Authentizität, aufrichtigem Kontakt, Liebe und kreativer Kollaboration aufzubauen. Logik und Härte konnten die bisherigen Führungskräfte und zielorientierten Kollegen im Business Kontext handhaben. Das kennen sie und haben sie jahrelang praktiziert. Sie sind grandios darin, Positionen zu verfechten und durch messerscharfe Argumente oder Vorgaben, andere in Schach zu halten.

Verletzlichkeit im neuen Sinne (also inklusive der verantwortlichen Erschließung der bewussten Gefühlskraft und Nutzung der Traurigkeit) können diese Business Leute nicht handhaben. Ab sofort haben Sie also eine neue Wahl: Sie können entweder das alte Spiel weiter spielen, oder Sie können eine neue Bewegung in Ihrer Firma starten, indem Sie sich verletzlich zeigen und authentisch sind und dadurch führen. Sogenannte Edgeworker – also Personen, die bereit sind, eine neue Richtung in einer Firma einzuschlagen, egal auf welcher Ebene – sind authentisch, menschlich, nahbar und Teil des Teams. Sie teilen authentisch mit, was sie gerade wahrnehmen und vertrauen ihrer Gefühlskraft, um Klarheit im Team und in der Firma zu schaffen. Im alten Sinne wären Sie verletzlich, wenn Sie Gefühle teilen oder zum Einsatz bringen, insbesondere Traurigkeit oder Angst. Sie wären angreifbar. Sobald Sie jedoch Ihre Gefühlskraft erschließen, haben Sie – selbst wenn Sie sich authentisch und verletzlich mitteilen – die Möglichkeit, sich jederzeit durch die Nutzung Ihrer bewussten Wutkraft zu schützen, indem Sie beispielsweise klare Grenzen setzen. Das eine bedingt also das andere. Mit bewusster, verantwortlicher Wut als Ressource im Hintergrund können Sie sich jederzeit verletzlich zeigen (indem Sie bewusst die Kraft der Traurigkeit nutzen).

Wie können Sie erste Schritte in Richtung mehr Verletzlichkeit und Authentizität unternehmen?

Eine Möglichkeit besteht darin, sich in den nächsten Tagen bewusst zu machen, was sie fühlen, wenn Sie beispielsweise in Besprechungen mit Kollegen sind. Beginnen Sie, sich selbst zu beobachten. Was fühlen Sie? Wann halten Sie sich zurück, obwohl Sie einen ganz klaren Impuls verspüren, dass etwas im Team nicht stimmig ist oder eine Entscheidung getroffen wird, die Sie nicht mittragen können? Beginnen Sie dann bei kleineren Gelegenheiten zu äußern, wie Sie sich fühlen. Sich verletzlicher zu zeigen beginnt mit der klaren Kommunikation „Ich fühle mich wütend/ängstlich/traurig/froh…, weil…“ Probieren Sie dies zunächst einmal in Ihrem Team. Wenn Sie voran gehen in der Kommunikation und in der Art, wie Sie sich verletzlich zeigen, ermutigen Sie dadurch automatisch die anderen, sich auch verletzlicher zu zeigen. Sie wünschen sich ein anderes Miteinander im Arbeitsumfeld oder haben die Vision einer völlig anderen Zusammenarbeit? Warten Sie nicht darauf, dass andere beginnen. Der Job liegt auf Ihrem Tisch. Gehen Sie den ersten Schritt. Die Erde und die Menschen brauchen mutige Pioniere, die bereit sind, diesen neuen Weg in Richtung Menschlichkeit einzuschlagen und sich für eine andere Spielwelt zu entscheiden. Sie können solch ein Pionier sein. Sind Sie dabei?

Herzliche verletzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel

Tipp: Mehr zum Thema „New Work“ finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio. Details zur Kraft der Gefühle und ihrem großartigen Nutzen finden Sie darüber hinaus im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.


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