Donnerstag, 14. Juni 2012

Mission Impossible? - Über die Motivation von Mitarbeitern


Wie viele Mitarbeiter gehen morgens hochmotiviert zur Arbeit? Gehören Sie dazu? Gehen Sie jeden Morgen motiviert durch die Tür Ihres Unternehmens und freuen sich darauf, das zu tun, was an Ihrem Arbeitsplatz auf Sie wartet? Motivation ist ein Thema, das immer wieder auf den Tischen der Personalabteilungen, Vorgesetzten und Mitarbeiter landet, denn oftmals fehlt es an Motivation. Ist die Mission, durchweg für zufriedene und motivierte Mitarbeiter zu sorgen, gar ein Hirngespinst? Ist es eine unmögliche Mission?

Was ist denn Motivation überhaupt? Laut Wikipedia bezeichnet Motivation „das auf emotionaler und neuronaler Aktivität (Aktivierung) beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Motivation steigert die Handlungsbereitschaft und ist somit eine „Triebkraft“ für Verhalten.“ Aha. Soweit die offizielle Definition.

Da könnte man ja meinen, das in einem Unternehmen nur genug Anreize geschafft werden müssten, um die Motivation der Mitarbeiter und damit die Leistungsbereitschaft hoch zu halten. Nur funktioniert das irgendwie nicht so ganz. Wie sonst ließe es sich erklären, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitern ausgezeichnete Sozialpakete inklusive großartiger Gehälter anbieten, nur bedingt dauerhaft motivierte Mitarbeiter haben?

Es könnte an dem hierarchischen Denken unserer modernen Gesellschaft liegen. Daran, dass die Menschen nach Zielen oder Dingen streben, die der Norm unserer Gesellschaft entsprechen: Geld, Anerkennung, Macht, Prestige (mein Haus, mein Auto, meine Jacht).

In Unternehmen geht Motivation sehr oft einher mit Manipulation. Sie kennen das Bild vom Hasen, dem die Karotte an einer Angelschnur vor die Nase gehalten wird, damit er rennt. Doch er sieht die Karotte nur, ohne sie tatsächlich zu erreichen. Wäre keine Karotte sichtbar, würde er nicht rennen. In Unternehmen ist es nicht anders. Die vielen „Goodies“, die Annehmlichkeiten, die Mitarbeiter erhalten, sind nichts anderes als eine Manipulation, damit die Mitarbeiter überhaupt den Job machen. Angefangen beim Gehalt, über großzügige Fortbildungsmaßnahmen, Firmenwägen, Kinderbetreuung, bis hin zu gesponsorten Abteilungs- oder Firmenausflügen während der Arbeitszeit. Der Vielfalt der Motivationsfaktoren sind keine Grenzen gesetzt.

Diese Goodies werden oftmals schon als selbstverständlich von den Mitarbeitern angesehen, ja sie gehören regelrecht zur „Verhandlungsmasse“, bevor der Mitarbeiter sich überhaupt für ein Unternehmen entscheidet. Die spannende Frage lautet daher also: Wie viele Mitarbeiter würden dem Job, den sie heute machen, auch morgen noch nachgehen, wenn diese Motivationsfaktoren wegfielen? Wer würde tatsächlich seinen Job weiter ausführen, wenn er nur noch die Hälfte des Gehaltes bekäme und die Urlaubstage auf 10 schrumpfen würden? Autsch…diese Frage tut weh, denn plötzlich wird offensichtlich, dass noch eine andere Komponente ins Spiel kommt.

Dauerhafte Motivation kann nicht allein durch externe, in Aussicht gestellte Faktoren hervorgelockt werden. Oder wieso, denken Sie, sind zahlreiche wohlhabende und anerkannte Menschen, die scheinbar alles erreicht haben, trotzdem depressiv, unglücklich oder gelangweilt?

Wie die offizielle Definition sagt, ist Motivation das Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Hierbei gibt es jedoch einen großen Unterschied, ob es Ego-gesteuerte Ziele sind, oder solche die von Herzen kommen. Ego-gesteuerte Ziele führen nur temporär zur Motivation. Das Ego meint, etwas erreichen oder besitzen zu „müssen“. Sie haben vielleicht schon Menschen sagen hören  „Wenn ich das erst erreicht habe, dann bin ich zufrieden und glücklich“ oder „Wenn ich die Position habe, dann habe ich mein Ziel erreicht“. Doch diese Ego-gesteuerte Motivation verhält sich genauso, wie das emotional getriebene Shopping-Syndrom. Kennen Sie das? Sie hatten einen stressigen Tag, oder sind nicht so gut drauf und versuchen sich zu aufzuheitern oder abzulenken, indem Sie sich sagen „ich gönne mir etwas“. Daraufhin gehen Sie shoppen, kaufen eine Hose, Bluse, Handy, oder sonst etwas, von dem Ihr Ego meint, dass es schön wäre zu haben. In dem Moment, wo Sie es kaufen, freuen Sie sich. Ihre Laune ist kurzfristig oben. Alles ist gut. Doch kaum sind sie zuhause, wird das Objekt der Begierde zur Gewohnheit. Sie haben es ja. Die Motivation sinkt wieder.

Anders ist es bei Zielen, die aus einer tiefer liegenden Quelle gespeist werden. Nicht von dem Verstand, nicht von dem Ego, nicht von dem Gedanken „Schneller, weiter, höher, noch mehr“. Die Quelle dieser Ziele heißt „Inspiration“. Da wo Inspiration ist, passiert Motivation von alleine. Da rennt der Hase von selbst, ohne dass er eine Möhre vor der Nase baumeln hat. Motivation steigert die Handlungsbereitschaft? Bei Inspiration handeln Sie einfach, da muss nichts gesteigert werden, weil Sie für etwas brennen. Wenn Sie inspiriert sind, haben Sie Ideen, sind im Fluss und haben eine Grundfreude an dem, was Sie tun, selbst wenn es zwischendrin einmal eine Aufgabe zu erledigen gibt, die nicht so spannend ist.

Doch Inspiration ist in der Arbeitswelt leider nicht Standard. Die meisten arbeiten heute für ein Unternehmen, weil sie sich der Illusion von Sicherheit hingeben. Für ein „gutes“, stabiles Unternehmen zu arbeiten, das am Markt etabliert ist und auch noch zahlreiche soziale Annehmlichkeiten bietet, wird als sicher eingestuft. Der Mitarbeiter fühlt sich sicher, weil er jeden Monat sein Gehalt bekommt und ihm ja scheinbar nichts passieren kann, solange er einen einigermaßen guten Job macht. Doch genau das ist die Krux. Die Motivation, für das Unternehmen zu arbeiten, basiert in dem Fall auf einer Illusion, auf dem Schein der Sicherheit. Darauf, dass „man einen sicheren Job hat“. Nur ehrlich, was ist heutzutage schon sicher? Schauen Sie sich große, scheinbar stabile Konzerne an, die plötzlich ganze Standorte schließen. Es gibt keine Sicherheit. Die einzige Sicherheit, die es im Leben gibt, ist, dass wir alle irgendwann einmal sterben. That’s it. Das ist die einzige Sicherheit, die wir haben. Doch das Streben nach Sicherheit – und damit sind wir wieder beim Streben – ist interessanterweise der Motivator Nummer eins. Die Mitarbeiter wollen es gut, bequem und sicher haben im Leben. Deswegen sind auch Change Management Prozesse immer so nerven-aufreibend, denn – Oh Schreck – plötzlich gerät die vermeintliche Sicherheit ins Wanken.

Hinter dem Streben nach Sicherheit steckt schlicht und ergreifend Angst. Angst ums nackte Überleben. Die Annehmlichkeiten, die in Unternehmen als Motivationsfaktoren angeboten werden, spielen also maßgeblich mit dem Faktor „Sicherheit“ bzw. nutzen die unbewusste Angst der Mitarbeiter, um sie zu manipulieren.

Wie wäre es, wenn ein anderes Spiel gespielt würde? Wenn es nur noch inspirierte Mitarbeiter gäbe, die freiwillig für ein Unternehmen arbeiten und nicht weil am Ende des Monats ein schickes Gehalt rauspurzelt oder sie in der Hierarchie weiterkommen? Wie schafft es ein Unternehmen, die Inspiration seiner Mitarbeiter zu wecken bzw. zu fördern?

Inspiration kommt von „lat. inspiratio = Beseelung, Einhauchen von „spiritus“ = Leben, Seele, Geist“ (Definition Wikipedia). Ein inspirierter Mitarbeiter ist also eine Person, der Leben eingehaucht wird oder – in unternehmens-deutsch gesprochen - die von der Unternehmensvision begeistert bzw. beseelt ist, diese mitträgt und lebendig bei der Sache ist. Gefährliche Frage: Wie viele Leute, insbesondere in großen Konzernen, fristen ein tristes Dasein, machen einen „9 to 5 job“ und schlafen vor sich hin?

Was ist die Vision Ihres Unternehmens? Kennen Sie diese überhaupt? Ist die Vision für alle Mitarbeiter klar? Oftmals ist eine Vision dem Top Management klar, wird jedoch nicht unbedingt klar und verständlich an die Mitarbeiter kommuniziert. Wenn die Mitarbeiter nicht im Boot sind, nicht wissen, was ihr Beitrag zur Erreichung der Vision ist, oder die Vision gar komplett ablehnen, tut sich das Unternehmen langfristig keinen Gefallen.

Neulich fragte mich ein Geschäftsführer folgendes: „Wir wollen die Management-Strategie in unserer kleinen Firma ändern. Es gibt einen Mitarbeiter, der bisher nicht dafür zu haben ist. Wie kann ich den motivieren, die neue Strategie mitzutragen, anstatt das Vorhaben zu bremsen?“ Veränderung bedeutet zunächst einmal Ungewissheit. Die Mitarbeiter werden aus dem bisher Bekannten rausgerissen und haben unbewusst Angst. Da Angst in unserer Gesellschaft wiederum als ein Gefühl angesehen wird, das es zu vermeiden gilt (anstatt sie einfach kreativ zu nutzen), ist es fast natürlich, dass Mitarbeiter auf Veränderungs-maßnahmen zunächst mit Abwehr reagieren. Die gängige Meinung ist, dass es Angst zu vermeiden gilt, weil sie blockiert, man als Angsthase bloßgestellt wird, als unglaubwürdig und feige gilt und sie schlichtweg negativ ist. Das ist das, was uns beigebracht wird.

Tatsächlich ist Angst jedoch eine neutrale Kraft und Energie, die uns professionell dient (wie übrigens die anderen Gefühle Wut, Freude und Traurigkeit auch. Mehr dazu siehe Artikel „BUSINESS SPECIAL: Change Management - Der Lava-Effekt: über verbrannte Erde und
Motivationsstarre“
). Mit der Angst können wir in unbekanntes Gebiet gehen, kreativ und innovativ sein und Pläne machen. Genau das macht jemand, der inspiriert ist. Jemand der inspiriert und damit motiviert ist, lebt sein Potenzial, bringt seine Talente zum Einsatz ist kreativ und bereit über seine Grenzen hinaus zu gehen.

Die Frage wäre in dem konkreten Fall also im ersten Schritt, was inspiriert den Mitarbeiter grundsätzlich für die Firma zu arbeiten? Und im zweiten Schritt wäre die Frage, welches Potenzial und welches besondere Talent des Mitarbeiters würden durch die neue Management-Strategie zum Tragen kommen? Sobald er klar erkennen kann, dass sein Talent gefragt ist und vor allem auch offenkundig WERTGESCHÄTZT wird, ist er inspiriert die Veränderung auch mitzutragen.

Oftmals ist genau das die Schwierigkeit bei Change Management Prozessen. Die Mitarbeiter haben kein klares Bild, wo sie bei der Veränderung bleiben, was das für ihr Potenzial und ihre Talente bedeutet. In welcher Firma wird da schon ausdrücklich Wert drauf gelegt? Meist wird eine neue Zielrichtung vom Top-Management vorgegeben und durchgezogen. Alle anderen haben hinterher zu kommen. Doch es gilt, die Mitarbeiter ins Boot zu holen und nicht mehr nur Zahlen und Profite im Visir zu haben. Die Mitarbeiter sind das Kapital einer Firma, ihre Inspiration ist der Garant für Erfolg. Und die kann nur auflodern, wo es eine Unternehmens-Vision gibt, für die es sich zu arbeiten und zu leben lohnt und die ermöglicht, dass die individuellen Talente zum Einsatz kommen.

Die Wertschätzung der individuellen Talente ist unabdingbar um die Inspiration von Mitarbeitern zu fördern. Und ich spreche hier von aufrichtiger Wertschätzung und nicht von Manipulation. Manipulation wäre so etwas wie „Müller, das haben sie aber toll gemacht. Wir sollten uns über eine Gehaltserhöhung unterhalten.“ Damit sind Sie wieder bei den „externen“ Motivationsfaktoren, der Karotte und dem Hasen. Es geht auch nicht darum, zu sagen „Sie haben aber eine schicke Krawatte“ oder „Die neue Frisur steht Ihnen gut.“ Aufrichtige Wertschätzung bedeutet, die Talente und damit Seins-Eigenschaften eines Mitarbeiters wertzuschätzen. Wenn Sie Seins-Eigenschaften wertschätzen, dann sagen Sie wie jemand IST, z. B. „Sie sind ein Mensch mit sehr viel Feingefühl. Ich schätze es, wie Sie die Kollegen in kritischen Situationen einfangen.“

Aufrichtige Wertschätzung ist selten geworden in unserer Gesellschaft und vor allem in  Unternehmen. Kürzlich erst sagte mir ein Top-Manager, er könne Wertschätzung gar nicht richtig annehmen, er könne das kaum aushalten und würde das immer schnell abtun. Ja, wir sind es nicht mehr gewohnt, dass wir als Person, als Mensch in unserem Sein wertgeschätzt werden. Doch in dem Moment, in dem Sie jemanden in seinem Sein wertschätzen, geben Sie ihm zu verstehen, dass Sie ihn sehen. Und als Mensch mit Potenzial und Talent wirklich gesehen zu werden, inspiriert (übrigens sowohl den Geber als auch den Empfänger).

Ob ein Mitarbeiter inspiriert ist von einem Projekt, oder generell von seiner Arbeit, können Sie übrigens an den Augen erkennen. Wenn jemand wirklich inspiriert ist, dann brennt er förmlich für etwas und diese Flamme, diesen Funken sehen Sie in den Augen. Es wäre also spannend morgen einmal mit dem „Blick für die Flamme“ in die Firma zu gehen. Oder fragen Sie gelegentlich in der Kaffee-Küche ihre Mitarbeiter und Kollegen einmal „Wofür brennen Sie? Was inspiriert Sie?“ Die Menschen lieben es in der Regel über das zu sprechen, wofür Sie brennen, doch welche Firma interessiert das heutzutage? Läuten Sie eine neue Ära ein. Holen Sie die Mitarbeiter und Kollegen ab und ermöglichen Sie, dass der „Spiritus“ damit in Ihrem Unternehmen durch die Büros und Gänge fliegt.
                                                                          (Autorin: Nicola Nagel)


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Das Pradox des Lebens - Geben Sie Kontrolle auf, um Ziele zu erreichen


Ein Ziel zu haben ist etwas Feines. Etwas ganz bestimmtes erreichen oder haben zu wollen kann ungemein motivieren. Haben Sie auch immer wieder mal Wünsche, Vorstellungen, Ziele? Dann kennen Sie es vielleicht auch, dass Sie die Dinge gerne so steuern möchten, wie sie Ihrer Meinung nach zu laufen haben, damit Sie schnellstmöglich an einem entsprechenden Ziel ankommen, oder?

Was tun wir nicht alles, um etwas Bestimmtes zu erreichen, z. B. um einen bestimmten Job zu bekommen, einen Partner anzuziehen oder ein materielles Luxusgut zu ergattern. Bei materiellen Dingen ist es in der Regel sehr einfach, sofern wir das Geld haben. Ab in den Laden oder ins Internet, kaufen, fertig. Das können wir leicht kontrollieren und steuern. Interessanter wird es da schon, wenn es um „größere“, nicht materielle Dinge geht. Einen Traum-Job oder Partner können Sie nicht mal eben kaufen. Und die größere, schicke Wohnung können Sie sich vielleicht auch nicht leisten, wenn die Miete Ihr Budget übersteigt. Bei solchen Vorhaben kommen wir dann schon eher an unsere Grenzen.

Doch wie kommt es, dass einige Menschen scheinbar mühelos alles erreichen, was sie anstreben und andere nicht? Es hat etwas mit Kontrolle zu tun und mit Ihrem Sein.

Wir sind in unserer modernen Gesellschaft darauf trainiert, dass alles logisch, kontrollierbar, berechenbar und erklärbar sein muss. Vor allem die Illusion der Sicherheit lässt uns Dinge gerne kontrollieren. Um die Angst der Unsicherheit nicht spüren zu müssen, haben wir lieber einen Plan. Oder was dachten Sie, warum viele Menschen Versicherungen für jedes Kinkerlitzchen abschließen? Aus reiner Angst. Die ganzen Medien, Werbeagenturen und Marketing-Mogule arbeiten alle mit diesem Faktor: ANGST!

Lassen Sie mich ein paar Beispiele geben. Wir sollen z. B. eine bestimmte Creme kaufen, damit  wir jünger aussehen. Das ist das Spiel mit der Angst, nicht zu genügen, wenn wir Falten haben. Oder wir sollen ein bestimmtes Bier trinken, denn nur dann sind wir cool und haben ganz viele Freunde, wie in dem Werbespot. Ein anderes Beispiel sind die zahlreichen Werbungen für Produkte, die das Haus und Heim praktisch keimfrei machen. In diesen Werbespots wird gezielt die unbewusste Angst angesprochen, man könnte sich üble Krankheiten einfangen und die Gesundheit seiner Familie gefährden, wenn wir mit dem entsprechenden Produkt nicht unser Bad oder die ganze Wohnung desinfizieren. Oder, das muss ich Ihnen einfach noch erzählen, folgender Werbespot:  Sie sollen ein bestimmtes Mundwasser kaufen und jeden Tag benutzen, damit Sie auch morgens beim Aufwachen, keinen schläfrigen Geschmack im Mund haben, denn sonst ekelt sich Ihr Partner. Als ich diesen Spot gesehen habe, bin ich vor Lachen vom Sofa gekippt. Was für ein Bullshit wird uns doch suggeriert. Wir werden zu sterilen, genormten, schlafenden Schafen erzogen. Ein Wahnsinn der seinesgleichen sucht. Ehrlich, schauen Sie sich die Werbespots im Fernsehen oder Anzeigen in der Zeitung einmal daraufhin an. Sie arbeiten fast alle ganz subtil mit der „Wenn Du nicht…dann…“ Drohung und damit manipulieren Sie uns mit unsere eigenen unbewussten Angst. 

So werden wir im Zaum gehalten und kontrolliert. Denn Angst ist ja nun wirklich ein Gefühl, das es zu vermeiden gilt, oder nicht? Die gängige Meinung ist schließlich, dass wir Angst (wie übrigens auch die anderen Gefühle Wut, Freude und Traurigkeit) besser nicht fühlen. Denn, uuuuuh, Angst blockiert. Angst ist schlecht. Man ist ein Schattenparker, Weichei oder Angsthase, wenn man Angst offen zum Ausdruck bringt. Außerdem ist Angst definitiv keine gute Eigenschaft einer glaubwürdigen Person und unprofessionell ist sie obendrein. Alles in allem wird Angst als negativ abgestempelt und damit als Gefühl, das es zu vermeiden gilt.

Wen wundert’s da, dass die meisten Menschen meinen, alles kontrollieren und planen zu müssen, um ja alles richtig zu machen und zu erreichen, wie es halt die Norm ist. Wir müssen wissen wie es geht oder wo es lang geht. Kennen Sie solche Leute, die immer wissen, wie es geht? Zumindest meinen sie das. Die Menschen haben gelernt, eine Maske aufzusetzen. Eine perfekte Maske, mit der wir nach außen vermitteln, dass wir alles sicher im Griff haben und der Norm entsprechen. Eine großartige Strategie, um in unserer Gesellschaft zu überleben.

Ich lade Sie ein, an dieser Stelle einmal einen tiefen Atemzug zu nehmen… Prima. Danke.
So, und jetzt lassen Sie uns gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen. Ein Kapitel, in dem es um Freude, Leichtigkeit, Spaß, Kreativität und Erfüllung im Leben geht. Sind Sie dabei? Ehrlich, es ist höchste Zeit aus diesem starren, von Angst manipulierten Gesellschafts-konstrukt auszubrechen und wieder lebendig zu werden. (Ein kurzes inspirierendes Video dazu finden Sie auf Youtube unter http://www.youtube.com/watch?v=sb2YOg_dkQM)

Lassen Sie uns als erstes mit der Vorstellung aufräumen, dass Angst und alle anderen Gefühle schlecht sind. Die Wahrheit ist nämlich: Angst ist eine geniale, neutrale Kraft, die Ihnen klare Energie und Information gibt und Ihnen professionell dient. Was? Wie? Lassen Sie uns an dieser Stelle gleich einmal ein Experiment machen.


Experiment 1: Verbinden Sie sich mit der Angst
Wählen Sie eine Situation, von der Sie sagen würden, dass sie Ihnen Angst macht. Vielleicht wäre das so etwas wie einen Vortrag vor 100 Leuten zu halten, oder den netten neuen Kollegen anzusprechen, ob er Lust hat Abendessen zu gehen,  oder alleine in eine fremde Großstadt zu reisen. Uaaah, da wollen die ersten Leser den Artikel schon ganz schnell zur Seite legen…denn, uaaaah, wir haben doch bisher alles getan, um Angst nicht zu fühlen, und jetzt sollen Sie die Angst fühlen? Yep! Genau! Der entscheidende Unterschied in diesem Experiment ist, dass Sie die Angst BEWUSST fühlen.

Schließen Sie die Augen und verbinden Sie sich mit Ihrer Angst. Spüren Sie sie einfach einmal bewusst und lassen Sie sie auf einer Skala von 0-100% nur 5% oder 10% groß werden. Es kann eine ganz subtile Angst sein, z. B auch davor, dass Sie gerade auf einem wackeligen Stuhl sitzen und Angst haben, dass er gleich zusammenbricht. Oder Sie haben jetzt gerade Angst, weil Sie durch diese Übung eventuell zu spät zu Ihrer nächsten Verabredung kommen. Spüren Sie einfach mal hin. Das ist Angst. Sie ist nicht gut und nicht schlecht. Angst ist einfach nur Angst. Nur das. Angst ist Angst. So fühlt sie sich an. Alle Zusammensetzungen wie „Angst ist gefährlich, bedrohlich, destruktiv oder blockierend“ können Sie getrost den Abfluss hinunter spülen. Das ist einfach das, was uns bisher eingetrichtert wurde. Fakt ist aber: Angst ist Angst. Nur das. Ohne Bedeutung. Neutral.


Experiment 2: Angst dient Ihnen professionell
Lassen Sie uns nun zum zweiten Schritt gehen. Nachdem Sie Angst gerade einmal bewusst gefühlt haben, wie könnte Ihnen diese Angst professionell im Leben dienen? Schreiben Sie einmal auf ein Blatt Papier, wie diese Kraft Ihnen wirklich dienen könnte. Hier einige Beispiele:

  • Lässt mich kreativ und innovativ werden.
  • Lässt mich in unbekanntes Gebiet gehen
  • Ich kann damit Neues ausprobieren.
  • Sie schützt mich vor tatsächlicher Gefahr.
  • Ich kann damit gefährliche Fragen stellen.
  • Lässt mich wach(sam) und präsent sein.
  • Ich kann mit Angst aufmerksam sein.
  • Sie lässt mich präzise sein.
  • Ich kann damit über meine Grenzen gehen.

Das ist schon ein ganz anderes Bild, oder? Anstatt sich durch Angst von Dingen abhalten zu lassen, können Sie die Energie und Klarheit dieses neuen Gefühls hernehmen und für sich nutzen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel von mir: Ich war auf einer großen Veranstaltung und hatte den Impuls einen Mann anzusprechen, den ich nicht kannte. Ich hatte lediglich kurz vorher erfahren, dass er der Chef eines großen Konzerns war. Nachdem ich den Impuls wahrgenommen hatte, spürte ich Angst. Und dann kam gleich eine bekannte Stimme, die mir einflüsterte „Uuuuaaah, ich kenne den doch gar nicht. Was soll ich dem denn sagen? Ich kann doch nicht einfach hingehen und guten Tag hier bin ich sagen.“ Das war die alte Interpretation von Angst. Und ehrlich, es wäre herrlich bequem gewesen, einfach nach Hause zu gehen, ohne ihn anzusprechen. Stattdessen habe ich mir gesagt „Moment, Angst ist einfach nur Angst und sie leitet mich jetzt in unbekanntes Gebiet. Den kann ich sehr wohl ansprechen.“ Ich habe der Angst vertraut, habe den CEO angesprochen ohne vorher einen Plan zu haben, was ich sagen würde. Das Resultat war ein großartiges, bereicherndes Gespräch mit ihm und ein neuer Auftrag.

Was hat das nun mit Ihren Zielen und Wünschen zu tun? Nun, wenn Sie lernen, der Angst zu vertrauen, dann müssen Sie die Dinge in Ihrem Leben nicht mehr kontrollieren. Wenn Sie nämlich versuchen, etwas zu kontrollieren, grenzen Sie damit alle Möglichkeiten, Ihre Ziele oder Wünsche zu verwirklichen darauf ein, was Sie mit Ihrem logischen Verstand selbst schon wissen. Sie grenzen die Möglichkeiten automatisch auf das ein, was Sie mit Ihrem brillanten Hirn kontrollieren können. Das ist nicht gut und nicht schlecht, es bringt Sie unter Umständen nur nicht so weit, wie Sie schon längst sein könnten oder es bringt Sie gar nicht ans Ziel. Und Kontrolle ist vor allem eins: linear, langweilig, berechnend und meist spaßfrei.

Wenn Sie einen echten Herzenswunsch oder ein Ziel haben, dann geht es vielmehr darum, sich mit dem bereits neuen, noch nicht erreichten Zustand zu identifizieren, ohne zu kontrollieren, wie Sie da wohl hinkommen. Nehmen Sie bereits jetzt die neue Identität an. Bevor Sie etwas erreichen können, müssen Sie zu dem werden. Wenn Sie sich ein Ziel gesteckt haben und nun die ganze Zeit denken „Hoffentlich klappt das. Ich habe Angst, dass es schief gehen könnte.“, dann geben Sie automatisch der Vision Kraft, dass es nicht gelingt. Oder wenn Sie sagen „Ich weiß nicht wie, ich weiß nicht was ich tun soll“, dann treten Sie auf der Stelle und erreichen gar nichts.

Es gibt ein ganz einfaches universelles Gesetz: Das, was Du eindrückst, drückt das universelle Feld aus. Kennen Sie diese Nagel-Bilder von früher? Lauter Nägel waren beweglich an einem Brett befestigt und dann konnten Sie auf einer Seite Ihre Hand, Ihr Gesicht oder was auch immer darauf legen und in die Nägel eindrücken. Das, was Sie eingedrückt haben, wurde 1:1 als Bild aus lauter Nägeln auf der anderen Seite dargestellt. Genauso verhält sich das Universum. Wenn Sie dem universellen Feld permanent etwas in Form von Gedanken und Gefühlen „eindrücken“, dann spiegelt das Universum Ihnen das 1:1 zurück. Und wenn wir etwas kontrollieren wollen, dann werden wir starr und unflexibel und das universelle Feld damit unbeweglich.

Das Universum hat etwas andere Gesetze als unser Verstand meint. Um das im Leben zu bekommen, was Ihnen wirklich am Herzen liegt, müssen Sie also paradoxerweise die Kontrolle aufgeben. Kontrolle können Sie jedoch nur aufgeben, wenn Sie der Angst vertrauen können, ins Unbekannte zu gehen und wenn es vor allem okay für Sie ist, nicht zu wissen, wie es geht. Lassen Sie uns ein weiteres Experiment machen.


Experiment 3: Seien Sie bereits am Ziel
Nehmen Sie eines Ihrer Ziele her. Was hätten Sie gerne realisiert oder manifestiert? Zum Beispiel einen Job, der Ihren Talenten entspricht. Schließen Sie nun die Augen und malen Sie sich aus, wie es IST, diesen Job bereits zu haben. Wer sind Sie dann? Wie fühlt sich das an. Was machen Sie dann? Sie werden feststellen, dass Ihr Verstand vielleicht eine Schleife dreht und sagt „Hey, Moment, ich könnte nur den und den Job haben, weil ich das und das studiert habe, also muss es ein Job sein, der dem Möglichen entspricht.“ Vergessen Sie es. Schicken Sie Ihren Verstand für einen Moment zum Kaffeetrinken. Lassen Sie völlig außer Acht, welchen Titel der Job haben müsste, oder ob er zu Ihrer Vita passt. Nehmen Sie das Ziel als neue Realität in Besitz, so als sei es schon erreicht. Wie fühlen Sie sich dann? Gehen Sie in dem Gefühl der Freude auf. Spüren Sie die Erfüllung. Sehen Sie sich bereits glücklich am Ziel. Seien Sie die Person, die den idealen Job bereits hat. Halten Sie den Fokus darauf. Drücken Sie dieses neue Sein, diese neue Identität in das universelle Feld ein, damit es den entsprechenden Job ausdrücken (=manifestieren) kann.


Experiment 4: Geben Sie komplett die Kontrolle auf
Geben Sie nun komplett die Kontrolle auf. Es geht darum, dass Sie die neue Identität in Besitz nehmen, sich gedanklich und gefühlsmäßig in Ihr neues Dasein hineinversetzen und es SIND. Den Rest erledigt das universelle Gesetz auf seine Art. Hören Sie auf, logisch zu kontrollieren wie etwas zu laufen hat. Vertrauen Sie darauf, dass Sie nicht wissen müssen, wie es geht, oder wie sich Ihr Ziel realisiert. Das ist wie bei einem Baum. Sie säen nur den Samen, der Baum wächst von alleine. Alles ist in dem Samen bereits angelegt. Der Baum macht sich ja schließlich auch keine Gedanken darum, ob er nun einen Ast links herauswachsen lassen muss und es nicht noch ein Blatt oben recht braucht. Geben Sie die Kontrolle auf. Lassen Sie sich wieder vom Lebensstrom tragen. Setzen Sie nur den gesunden Samen in die Erde, indem Sie sich mit dem bereits erreichten Ziel identifizieren. Das universelle Feld erledigt den Rest. Staunen Sie einfach, was sich plötzlich in Ihrem Leben für Dinge ereignen. Bei dem Nagel-Bild haben Sie ja nach dem Eindrücken auch nicht jeden Nagel noch einmal einzeln mit den Fingern so geschoben, dass Ihr Gesicht entstanden ist.

Sobald Sie merken, dass  Sie wieder in die Kontrolle abrutschen, oder in den Gedanken, dass etwas vielleicht nicht klappen könnte, zentrieren Sie sich wieder. Setzen Sie sich ruhig hin und nehmen Sie wieder mit Ihren Gefühlen und Gedanken Ihre neue Identität in Besitz. Damit gleichen Sie Ihre Schwingung wieder auf das Ziel an. Ihr Unterbewusstsein kennt Mittel und Wege, Ihr Ziel zu realisieren, die Ihrem menschlichen Verstand komplett verborgen sind. Geben Sie also die Kontrolle einfach auf und empfangen Sie das, was kommt. Sollte das dann nicht ganz dem entsprechen, was Sie eigentlich wollten, überprüfen Sie wieder Ihr Ziel bzw. Ihre Gedanken dazu. Nur wenn Sie sich vollständig mit dem Ziel oder Wunsch identifizieren können, liegt er auch im Bereich des Möglichen. Seien Sie überzeugt davon, dass Sie das, was Ihnen am Herzen liegt, bereits haben bzw. sind. Sobald Zweifel aufkommen, denkt das Universum sonst, sie wollen das Ziel doch nicht erreichen.

Sie sind Ihr eigener Magier. Ein Magier kontrolliert nicht. Er schwingt einfach seinen Zauberstab und ist schon vorher überzeugt von der Manifestation.

In diesem Sinne, herzlich magische Grüße, 
Ihre Nicola Nagel





POTENZIALE LEBEN! 
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Dienstag, 15. Mai 2012

Lebendigkeit durch Klarheit

Alles Neue bringt der Mai. Die Sonne lacht, die Wiesen und Wälder werden grün, die Blumen blühen. Der Frühling ist da. Die Natur erwacht zu neuem Leben und schält sich aus dem Winterkleid endgültig heraus. Da wäre es doch angemessen auch Frühling in Körper, Geist und Seele Einzug halten zu lassen, oder? Wie wäre es für Sie, einigen alten Ballast zu verabschieden, der Ihnen nur unnötig Energie raubt, Sie auf der Stelle treten lässt und Ihre Lebendigkeit auffrisst? Sozusagen ein innerer Frühjahrsputz. Sind Sie bereit?

Zum Einstieg fällt mir spontan ein sehr passender Film ein mit dem Titel „Der Pfad des friedvollen Kriegers“. Dort gibt es einen kurzen, interessanten Dialog zwischen dem alten, weisen Mann mit dem Spitznamen „Sokrates“ und dem Studenten „Dan“, während Sie in der Werkstatt von Sokrates stehen:  

  • Sokrates:  „Schaff den Müll raus.“
  • Dan: „Bring den Müll doch selbst raus.“
  • Sokrates: „Ich spreche aber nicht von dem physischen Müll. Ich spreche von dem Müll in Deinem Kopf. Schaff den Müll raus. Du musst den Müll raus schaffen um wirklich frei zu sein.“
Und genau darum geht es: um den Müll in Ihrem Kopf. Uuuuh, jetzt schlucken schon die ersten. Ist das nicht spannend, dass bei vielen Menschen ein automatischer Flucht- oder Ablenkungsmechanismus einsetzt, sobald es um das eigene Innere geht, um die tieferen Schichten? Hach, das ist aber auch anstrengend, wenn die eigene Psyche, das Seelenheil (oder –unheil) und die Gefühle beleuchtet werden sollen, oder? Doch ich verspreche Ihnen, dass es gar nicht so schlimm ist. Im Gegenteil, innerer Frühjahrsputz kann sogar Spaß auf höchstem  Niveau sein. Es ist wie mit der Wohnungseinrichtung. Wenn Sie in eine Wohnung oder einen Raum kommen, wo viel unnötiger Kruscht steht und Staub sich ausbreitet, können sie spüren, wie die ganze Energie zum Erliegen kommt. Genauso verhält es sich in uns. Es geht einfach darum, dass Sie hinderliche Gedanken oder Angewohnheiten ausmisten und dadurch neue Klarheit schaffen. Denn wo mehr Klarheit, da mehr Lebendigkeit. Je weniger Müll Sie innerlich mit sich herumtragen, desto mehr Leichtigkeit. Sie kommen wieder in Fluss. Mit wenig Gepäck reist es sich leichter. Also los geht’s.

Experiment 1: Schreiben Sie auf, was Sie loswerden wollen
Schauen Sie einmal auf die letzten Monate zurück. Was hat sich da so an Schwierigkeiten gezeigt? Welches sind scheinbar permanent wiederkehrende Probleme, die Sie gerne loswerden möchten? Was würden Sie sagen, läuft in Ihrem Leben nicht rund, was stört Sie und würden Sie gerne ändern? Schreiben Sie die Punkte einmal auf. Dabei ist es unerheblich, ob es kleine oder größere Dinge sind. Schreiben Sie einfach alles auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Und seien Sie dabei schonungslos ehrlich zu sich selbst. Nehmen Sie sich dafür einige Minuten Zeit.

Haben Sie Ihre Liste erstellt? Prima. Das sind also die Dinge, die Sie gerne loswerden würden. Nun gibt es einen großen Unterschied zwischen loswerden und loslassen. Wenn Sie etwas loswerden wollen, dann sind Sie in einer Opferhaltung und manifestieren das, was Sie eigentlich loswerden wollen, unbewusst immer wieder neu. Wenn Sie z. B. auf Ihre gerade erstellte Liste schauen, einen Punkt auswählen und sagen: „Das nervt mich. Das will ich loswerden“, dann sorgt das Universum genau dafür; nämlich dass es Sie weiterhin nervt und Sie permanent wollen und wollen und wollen. Sie kreieren also das, was Sie eigentlich loswerden wollen durch Ihr Denken in jeder Sekunde neu, da Ihr Fokus auf dem liegt, was Sie nicht wollen. Sie erzeugen durch dieses Denken eine ganz spezielle Energie in Ihrem Körper und senden diese wie einen permanenten Impuls in das Universum, das entsprechend reagiert. Nehmen Sie einmal den Satz „ich will es loswerden“, schließen Sie kurz die Augen und spüren Sie einmal hin, wie sich diese Einstellung, dieser Gedanke in Ihrem Körper anfühlt. Nehmen Sie sich dafür wirklich kurz Zeit. Vielleicht werden Sie spüren, wie sich Ihr Körper ganz subtil in eine Art Kampfstellung begibt, um etwas regelrecht zu bekämpfen. Die Muskeln spannen sich ein wenig an und meiner Erfahrung nach fühlt sich der Körper eher starr, unbeweglich und kontrolliert an.
Nun machen Sie das umgekehrte Experiment. Nehmen Sie genau den gleichen Punkt aus Ihrer Liste und denken Sie jetzt „Ich lasse es los.“ Spüren Sie nun erneut ganz bewusst hin, wie sich Ihr Körper anfühlt. Können Sie einen Unterschied wahrnehmen? Bei der zweiten Formulierung entspannt sich der Körper mehr und begibt sich damit in eine andere Energie oder Frequenz. Loslassen hat etwas mit Entspannung zu tun, während Loswerden etwas mit Kampf zu tun hat. 

Innerer Frühjahrsputz hat also etwas mit Loslassen und nicht mit Loswerden zu tun. Um etwas loslassen zu können, stellt sich jedoch eine andere wichtige Frage: Haben Sie das, was Sie loslassen möchten, bereits akzeptiert und dafür Verantwortung übernommen? Denn nur dann können Sie es auch loslassen. Oder warten Sie noch darauf, dass Sie gar nichts tun müssen und die Zauberfee vorbei kommt und alles richtet? Ein konkretes Beispiel: Angenommen Sie haben immer wieder Streit oder Diskussionen mit einer Person. Haben Sie dafür bereits Verantwortung übernommen oder stecken Sie noch in der Gedankenschleife „Der andere muss sich ändern, dann wäre alles viel leichter.“ Oder vielleicht ist auch Ihr Job ermüdend und langweilig. Haben Sie dafür bereits Verantwortung übernommen oder sagen Sie sich noch „Der Job ist nervig, aber er gibt mir Sicherheit und ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“?


Experiment 2: Akzeptanz und absolute Verantwortung
Bevor Sie etwas loslassen können, müssen Sie zunächst einmal akzeptieren, dass es da ist und Sie es selbst kreiert haben. Das ist wie mit dem Geburtstags-Geschenk. Wenn Ihnen jemand ein Geschenk übergeben möchte, Sie aber schon etwas in der Hand haben, dann können Sie das Geschenk nicht annehmen. Sie müssen das, was Sie gerade in der Hand haben, bewusst zur Seite legen, damit Sie das Geschenk überhaupt annehmen können. Solange Ihnen nicht bewusst ist, dass Sie etwas festhalten, können Sie es nicht loslassen. Akzeptanz hat in diesem Fall also damit zu tun, dass Sie absolute Verantwortung für das übernehmen was in Ihrem Leben nicht stimmig ist (was Sie festhalten). Alles, was Sie in Ihrem Leben vorfinden, haben Sie selbst durch Ihr Denken und Handeln erschaffen. Die Frage ist, warum?  

Nehmen Sie wieder Ihren Punkt von der Liste. Zum Beispiel könnte das der wiederkehrende Streit mit dem Partner oder dem Kollegen sein. Welchen Nutzen haben Sie bisher daraus gezogen? Wieso haben Sie es so eingerichtet, dass Ihnen das passiert ist oder Sie in dieser Situation sind? Erzählen Sie die absolut verantwortliche Geschichte. Zum Beispiel könnten Sie sagen: Ich übernehme Verantwortung für den wiederkehrenden Streit mit meinem Partner. Ich habe das immer wieder provoziert, weil ich beweisen wollte, dass er ein Idiot ist. Für mein Ego war es sicherer, Recht zu haben, anstatt wirklich in Beziehung zu sein. Ich habe diese Art Kommunikation eingerichtet, um Nähe und Vertrautheit zerstören, um mich nicht verletzlich zeigen zu müssen und dadurch verwundbar zu werden….“ 

Seien Sie radikal ehrlich, ohne Hintertürchen und Schummelei. Sagen Sie also nicht „Ich habe gelernt, dass meine Partner ein Idiot ist und er sich ändern muss.“ Dann sind sie wieder in dem klebrigen Drama-Modus, aus dem Sie ja raus wollen. Aus einer Opfer-Haltung heraus können Sie Dinge nicht verändern. Nur wenn Sie Verantwortung übernehmen für das, was Sie in Ihrem Leben vorfinden, können Sie auch Verantwortung dafür übernehmen, es zu ändern. VERANTWORTUNG IST DER WEG ZUR VERÄNDERUNG! 

Stellen Sie sich also wirklich die Frage, welchen Nutzen Sie daraus ziehen, diese Situation in Ihrem Leben vorzufinden. Wir begegnen Menschen und Situationen, um innerlich heil zu werden und die Lektion zu lernen, die es zu lernen gilt. (Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ zeigt dies übrigens auf eine brillante Art und Weise). In dem Moment, wo Sie Verantwortung für Ihr Leben übernehmen und nicht länger die Umstände oder andere Menschen für das verantwortlich machen, was Ihnen passiert, werden Sie zu Ihrem eigenen kreativen Schöpfer. 

Experiment 3: Treffen Sie eine klare Entscheidung
Nachdem Sie absolute Verantwortung übernommen haben, besteht Schritt 3 des inneren Frühjahrsputzes darin, klare Entscheidungen zu treffen. Manche Menschen haben Angst, Entscheidungen zu treffen, weil sie meinen, dass eine getroffene Entscheidung dann ein Leben lang gilt. Doch die gute Nachricht ist, dass eine Entscheidung nur so lange Gültigkeit hat, bis Sie eine neue Entscheidung treffen. Wie oft können Sie eine Entscheidung treffen? In jedem Moment, d. h. alle 3 Sekunden (1 Sekunde für die Entscheidung und 2 Sekunden für den Verstand und den Körper, die neue Entscheidung zu verinnerlichen). Ist das nicht toll? Sie können sich ohne Grund alle 3 Sekunden neu entscheiden. Wenn Sie also jetzt eine Entscheidung treffen und morgen feststellen, dass die Entscheidung für Sie doch nicht stimmig ist, dann können Sie einfach eine neue Entscheidung treffen. Sie müssen nicht bis zum Lebensende warten und dann sagen „Hätte ich damals….“ Es gibt keine richtigen und keine falschen Entscheidungen. Entscheidungen sind einfach nur Entscheidungen, die Sie den nächsten Schritt gehen lassen.  

Wenn Sie mehrere Optionen haben, für die Sie sich entscheiden können und nicht wissen, welche Sie wählen sollen, hilft Ihnen vielleicht folgende kleine Übung: Wählen Sie für jede Option ein Hemd in Ihrem Kleiderschrank, das Sie anziehen (alternativ können Sie auch einen Gegenstand in die Hand nehmen. Ziehen Sie das erste Hemd an und tun Sie so, als hätten Sie sich für diese Option entschieden. Spüren Sie hin, wie es sich anfühlt. Dann ziehen Sie es aus und ziehen das zweite Hemd für die nächste Option an. Spüren Sie wieder hin, wie es sich anfühlt. Es wird sehr schnell klar sein, welche Option für Sie am stimmigsten ist.  

Nehmen Sie nun wieder den Punkt aus Ihrer Liste, für den Sie in Experiment 2 Verantwortung übernommen haben. Sie haben Ihre Lektion gelernt. Machen Sie sich nun bewusst, was es bedeuten würde, diesen Punkt loszulassen. Was würde an die Stelle treten? Wie würde Ihr Leben zum Beispiel ohne den Streit mit dem Partner aussehen? Malen Sie vor Ihrem inneren Auge die Vision auf. Dadurch verändern Sie Ihren Fokus und lenken Ihre Aufmerksamkeit in eine neue Richtung. Da wo Ihre Aufmerksamkeit hingeht, geht auch Ihre Energie hin. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sich nicht einfach schön vorstellen, wie sich andere Menschen anders verhalten, damit es Ihnen besser geht. Damit sind Sie ruckzuck wieder in der klassischen Opferhaltung und machen andere für Ihr eigenes Glück verantwortlich. Es geht darum, wie SIE neu agieren. Was machen SIE in Zukunft anders? Worauf werden SIE achten? Wie werden SIE mit Menschen sprechen und umgehen? 

Malen Sie die Vision ganz klar aus. Das ist Ihr neuer Referenzpunkt. Jetzt, wo Sie ein neues Bild haben, können Sie sich entscheiden, dass Sie die alte Version lange genug mit sich herum geschleppt haben. Entscheiden Sie sich. Sagen Sie es laut vor sich hin: „Es war lange genug. Damit höre ich jetzt auf. Ich entscheide mich neu. “ Wenn Gefühle aufkommen, wie z. B. Traurigkeit, Wut, Angst oder Freude, dann lassen Sie diese Gefühle da sein. Es ist absolut angemessen, etwas zu fühlen, wenn etwas Altes geht oder durch eine klare Entscheidung Optionen wegfallen.

Experiment 4: Führen Sie einen symbolischen Akt durch
Um den inneren Kehraus und eine neue Entscheidung zu bekräftigen, ist es hilfreich, eine Art symbolischen Akt durchzuführen. Sie können, nachdem Sie die Experimente 1-3 für alle Punkte auf Ihrer Liste durchgeführt haben, z. B. folgendes machen um dem Loslassen physischen Ausdruck zu verleihen:

  • einen gründlichen Wohnungsputz
  • den Zettel mit den Punkten verbrennen.
  • sich zentriert hinstellen und mit dem Arm eine Bewegung machen, als würden Sie etwas in der Luft durchschneiden.
  • Ein Küchenmesser oder eine Schere nehmen und Papier oder was auch immer durchschneiden (verletzen Sie sich dabei aber bitte nicht selbst und auch niemand anderen)
  • In die Sauna gehen und das Alte rausschwitzen
  • Sich auf den Marktplatz stellen und „Vorbei“ schreien
  • Etc.
Egal, was Sie sich einfallen lassen, es ist hilfreich eine symbolische Geste durchzuführen.


Experiment 5: Teilen Sie sich mit
Bisher haben Sie das innere Loslassen für sich alleine praktiziert. Gehen Sie nun zu einer Person, der Sie vertrauen und erzählen Sie ihr darüber, was Sie losgelassen haben, wie Sie dafür Verantwortung übernommen und welche neue Entscheidung Sie getroffen haben. 

Jajaja, da wird’s jetzt schon brenzlig, oder? Denn jetzt müssen Sie etwas über sich  preisgeben und in Kontakt gehen. Das Entscheidende ist jedoch, sobald Sie darüber sprechen und die andere Person hört, was Sie sagen, ist die Kommunikation vollendet. Dann müssen Sie darüber nicht mehr stundenlang nachdenken und können sich vor allem nicht selbst betrügen. Selbstbetrug ist tückisch. Das Ego ist so clever. Wenn Sie Ihre neuen Entscheidungen für sich behalten, kann das kleine Monster in Ihnen (Ihr Gremlin) nämlich jederzeit sagen, dass die Entscheidung eigentlich Quatsch war und es jetzt viel lustiger wäre, mit Ihrem Partner wieder zu diskutieren und zu streiten, oder den Job aus Bequemlichkeit und falschem Sicherheitsdenken doch einfach weiterzumachen. Wenn Sie Ihre Entscheidung hingegen jemandem mitteilen ist sie noch mehr „gesetzt“.

Eine Steigerung dieses Experiments wäre übrigens – falls die Entscheidung die Beziehung zu einer konkreten Person betrifft - direkt zu dieser Person zu gehen und Ihre neue Entscheidung mitzuteilen. Das könnte zum Beispiel so klingen: „Hallo. Du, mir ist bewusst geworden, dass ich mit Dir diskutiert und gestritten habe, um Recht zu haben und zu vermeiden, wirklich in Beziehung mit Dir zu sein. Das möchte ich gerne ändern. Ich habe entschieden, dass es mir wichtiger ist, mit Dir in Kontakt zu sein.“ 

Wiederholen Sie die Experimente 2-5 für jeden Ihrer Punkte auf der Liste und lassen Sie sich überraschen wie viel mehr Klarheit und Lebendigkeit in Ihr Leben kommt, wenn Sie Alte Angewohnheiten oder Denkmuster loslassen. Denn erst wenn Sie sich verantwortlich ent-scheiden kann das Universum in Aktion treten. So lange Sie rumgurken und in einer Opferhaltung bleiben, kreieren Sie Ihr persönliches Drama immer wieder neu. Und für Dramen ist Ihre Energie und Lebenszeit wirklich viel zu kostbar.  

In diesem Sinne, viel Freude beim inneren Frühjahrsputz.  

Lebendig klare Grüße,
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!
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