Hoffst
Du darauf, endlich erfüllende Beziehung zu leben, doch es gelingt Dir noch
nicht so recht? Es gibt natürlich zahlreiche Faktoren, die notwendig sind, um
erfüllende Beziehung erschaffen zu können. Neben bestimmten Fertigkeiten ist es
jedoch entscheidend, im ersten Schritt zu klären, inwieweit Du Dich selbst
täuschst und einer der 3 gängigen Beziehungs-Illusionen aufsitzt, die wir im
Folgenden betrachten.
1. Wenn mein*e Partner*in sich verändert, dann wird unsere Beziehung
besser
Hattest Du diesen
Gedanken auch schon einmal? Nun, die meisten hatten diese Hoffnung wohl schon.
Doch es ist eine der größten Illusionen in Beziehung. Vielleicht hast Du es
schon erlebt, dass Du frisch verliebt eine Beziehung eingegangen bist, doch
nach einigen Wochen haben sich dann die tatsächlichen Eigenschaften, Muster und
Verhaltensweisen der anderen Person gezeigt. Das ist meist die Phase der
Irritation, wo wir uns fragen „Oh, so ist er/sie! Möchte ich mit dieser Person
wirklich zusammen sein?“ Auch wenn Du bereits länger in einer Beziehung bist,
kann diese Frage hochkommen, sobald Dir bewusst wird, dass Du nicht wirklich
glücklich bist und von einer anderen Art von Beziehung träumst. Vielleicht bist
Du froh, überhaupt in einer Beziehung zu sein, sodass Du über bestimmte
Verhaltensweisen erst einmal hinweg schaust und denkst, das wird sich schon
noch verändern.
Damit startet die
Phase der Hoffnung. Du hoffst, dass Dein*e Partner*in sich verändert und
beginnst, Dir alle möglichen Geschichten zu erzählen, z. B.: Er/sie wird sich
ganz bestimmt verändern, wenn er/sie erst einmal Urlaub hat, sich entspannen
kann, die Arbeit nicht mehr so stressig ist, die Person einen neuen Job
gefunden hat, den Streit mit ihren Eltern, Geschwistern oder sonst wem geklärt hat,
oder, oder, oder. Du beginnst die Beziehung an Geschichten, Bedingungen und äußere
Umstände zu knüpfen und hoffst und hoffst und hoffst. Glaube mir, ich kenne das
sehr gut von früher.
Es ist zudem sehr
leicht, diese Perspektive einzunehmen, denn dann musst Du Dich selbst ja nicht
verändern. Es liegt dann nur an der anderen Person, dass die Beziehung nicht
erfüllend ist. In der Hoffnung auf Veränderung klammerst Du Dich derweil an die
kleinen Momente, in denen es doch ganz schön ist, bevor wieder der nächste
Stress auftaucht, Ihr auf Distanz seid oder in einer Gewohnheit nebeneinander
her lebt.
Doch auch wenn es schmerzhaft ist,
mach Dir bewusst, dass Du in diesem Modus in einer Illusion lebst. Dein*e
Partner*in wird sich nicht plötzlich auf wundersame Weise verändern. Auch die
Beziehung als solche wird sich nicht plötzlich auf wundersame Weise verändern. Wenn
Du in Deiner Beziehung nicht glücklich bist geht es darum, die Frage einmal
umzudrehen und Dich zu fragen „Warum habe ich diese Person in mein Leben
gezogen? Was muss ich lernen oder an mir verändern, damit eine andere
Art von Beziehung möglich wird?“ Dann kannst Du Dich auf Deinen persönlichen
Entwicklungsweg machen, um zu lernen, wie Du erfüllende Beziehung auf Augenhöhe
erschaffst.
Doch damit sind wir gleich bei der
nächsten Illusion:
2. Wen ich mich verändere, wird sich mein*e Partner*in automatisch
verändern
Wenn Du Dich
veränderst, verändert sich automatisch Dein*e Partner*in und damit Eure
Beziehung. Das wäre schön, nicht wahr? Das jedoch nur bis zu einem gewissen
Grad. Wenn Du Deine Beziehung auf eine neue, erfüllende Ebene bringen möchtest
und wirklich verpflichtet bist, Deine Themen anzuschauen, an Dir zu arbeiten
und alte Muster und Mechanismen aufzulösen, die eine erfüllende Beziehung
bisher verhindert haben, so ist das ein sehr entscheidender Schritt. Es ist
tatsächlich der entscheidende Schritt. Neulich sagte jedoch ein Klient:
„Ich habe gedacht, wenn ich mich verändere, dann verändert sich meine Partnerin
automatisch mit und die Beziehung dadurch auch.“ Er dachte dabei an die
sogenannte Formveränderung. Was hat es damit auf sich? Nun, zieh einmal
folgendes Bild in Betracht:
Die Menschen in
Deinem Umfeld kennen Dich mit bestimmten Verhaltensweisen und einer bestimmten
Energie, haben sich daran gewöhnt und zum Teil auch angepasst. Lass uns einmal
sagen, Du hast die Form A. Wenn Du nun
beginnst, an Dir zu arbeiten, verändern sich Deine Verhaltensweisen,
Deine Energie, Deine Gedanken, Deine Struktur, etc. und Du beginnst, mehr
Bewusstsein zu halten. Du nimmst sozusagen eine neue Form B an. Die Menschen in
Deinem Umfeld können es möglicherweise nicht mit Worten erklären, doch sie
spüren, dass irgendetwas anders ist. Mit der Zeit gewöhnen sie sich in der
Regel daran.
Die Krux an der Formveränderung:
Zieh einmal in
Betracht, dass Du mit Deiner aktuellen Partnerin/Deinem aktuellen Partner zusammen bist, weil Du die andere Person
aufgrund Deiner bisherigen Struktur, Energie, Verhaltensweisen und Muster
angezogen hast. Wenn Du aufgrund Deiner Verpflichtung, erfüllende Beziehung zu
leben, Dich nun in einen Veränderungsprozess begibst und dadurch eine andere Energie und Struktur bekommst, ist
die entscheidende Frage, ob Dein*e Partner*in bereit ist, auf die nächste Ebene
mitzugehen. Es kann sein, dass er/sie begeistert über die Veränderung ist und
auch beginnt sich zu verändern. Es gibt aber auch Menschen, die diesen Schritt
nicht mitgehen können. Ich habe vor vielen Jahren selbst einen Partner gehabt, als
ich meinen persönlichen Veränderungsprozess
begonnen habe. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er meine Veränderung
zwar spannend fand, er jedoch lieber in seinen alten Blase und seinen Mustern von
gewöhnlicher Beziehung bleiben wollte und den Weg nicht mitgehen konnte. Es
gibt Menschen, für die ist es zu gefährlich, ihre eigenen Themen anzuschauen.
Obwohl sie sich erfüllende Beziehung wünschen, verharren sie deswegen lieber im
gewöhnlichen Modus.
Jetzt ist
natürlich die interessante Frage, was machst Du in so einer Situation? Entweder
Du vertraust Deiner Veränderung, Deiner neuen Kraft und Klarheit, bleibst bei
Deiner Verpflichtung erfüllende Beziehung zu leben und ziehst möglicherweise
Konsequenzen, auch wenn es schwer fällt (das kann auch Trennung bedeuten). Oder
aber Du legst Dein neue gewonnenes Schwert der Klarheit lieber wieder zur Seite,
lässt Dich von Deinem Partner/ Deiner Partnerin in sein/ihr gewöhnliches Spiel
hinein saugen und bleibst aus Bequemlichkeit und Gewohnheit auf dem alten Level
stecken, weil Du lieber in irgendeiner Beziehung bist, als neu durchzustarten.
Das kann vor
allem dann sehr leicht passieren, wenn Du Deine Gefühle nicht bewusst und
verantwortlich nutzt und vor allem Deiner Angst nicht vertraust. Die meisten
Menschen lassen sich von ihrer eigenen Angst lähmen und blockieren oder sagen
„Ich habe Angst, also sollte ich es nicht tun. Die Angst warnt mich ja gerade,
dass etwas Unbekanntes passieren wird.“ Mit der Sichtweise, dass Angst lähmend,
blockierend und definitiv zu vermeiden ist, wirst Du keine klare Entscheidung
für erfüllende Beziehung treffen können. Das ist einer der Gründe, warum viele
Menschen in Beziehungen bleiben, in denen sie eigentlich nicht glücklich sind. Es
macht ihnen Angst, für sich einzustehen, weil sie nicht wissen, wie ihr Leben dann
aussieht.
Doch
einmal in Betracht, dass die Angst eine großartige Gefühlskraft ist, die Dich
planen lässt, Dich in neues Gebiet gehen lässt, Dich über Deine inneren Grenzen
hinaus gehen lässt, Dich wach und präsent sein lässt und Du sie obendrein noch
brauchst, um kreativ und innovativ zu sein. Es ist also absolut angemessen,
Angst zu haben, wenn Du Dich veränderst und Entscheidungen triffst, weil Du
nicht wissen kannst, was passieren wird. Hatte ich damals Angst, als ich die
Konsequenzen gezogen habe? Ja, hatte ich. Doch ich habe trotzdem die Tür zu
erfüllender Beziehung aufgestoßen und bin hindurch gegangen. Und wenn ich eines
sagen kann, dann dass es sich wirklich gelohnt hat.
3. Der Spezialfall: „Wir lieben uns ja, aber…“
Ich hatte in den
letzten Monaten mehrfach den Spezialfall, dass Klienten gesagt haben, „Ich
liebe meine*n Partner*in ja, aber mir fehlt trotzdem etwas und ich bin nicht
glücklich“ Jedes Mal, wenn ich nachgefragt habe, was sie denn ihrer Meinung
nach mit der anderen Person verbindet, war die Antwort „Wir sind sehr vertraut
miteinander, weil wir uns schon länger kennen, einiges erlebt haben und es
funktioniert ja auch einiges in unserer Beziehung.“
Die Sache ist
die: Wenn Du erfüllende Beziehung leben möchtest, ist es entscheidend, dass Du
auf 4 unterschiedlichen Ebenen genährt wirst. Das sind die physische, die
intellektuelle, die emotionale und die energetische Ebene. Wenn Du zwar mit der
anderen Person prima Gespräche führen kannst oder ihr gemeinsame Projekte
durchführt (intellektuelle Ebene), doch Du bekommst keine Nahrung auf der
physischen Ebene (ihr tauscht z. B. keine Nähe und Intimität aus, unternehmt in
Eurer Freizeit nichts gemeinsam, was Dich nährt), dann steht die Beziehung
schon auf wackeligen Füßen. Es ist wie bei einem Tisch. Wenn Du auf einer Ebene
nicht genährt bist, ist das so, als würdest Du eines der vier Tischbeine
absägen und der Tisch beginnt zu wackeln. Wenn die emotionale Ebene (z. B.
authentisch Gefühle mitteilen, sich verletzlich zeigen, etc.) oder die
energetische Ebene (z. B. gemeinsam Meditieren, Rituale pflegen, miteinander
sein, etc.), dann auch noch wegfallen oder nur wenig genährt werden, dann
beginnt der Tisch zu kippen.
Die einzige Frage die
Du Dir stellen und radikal ehrlich beantworten darfst, lautet somit:
Bist Du in Deiner aktuellen Beziehung wirklich glücklich und genährt,
ja oder nein?
Antworte
nicht „vielleicht“, oder „ja, aber…“ oder „ein bisschen“, sondern ganz klar und
einfach: ja oder nein. Wenn Die Antwort nein lautet, dann ist die nächste
Frage: „Bist Du oder seid Ihr gemeinsam bereit, Dich/Euch auf den Weg der
Veränderung zu begeben?“ Es geht immer nur um den nächsten Schritt.
Dein Leben ist
kostbar. Deine Lebenszeit ist begrenzt. Sag nicht „Irgendwann kümmere ich mich
darum.“ oder „Wenn die Umstände einmal anders sind, dann…“. Wenn Du wirklich
erfüllende Beziehung leben möchtest, dann starte JETZT. Die Umstände im Außen
sind nur eine Illusion und Ablenkung. Du bist mit einem freien Willen auf die
Welt gekommen und Du bist frei zu entscheiden, was Du mit Deiner kostbaren
Lebenszeit machst. Vergeude sie nicht in gewöhnlichen Beziehungen, in denen Du
nicht glücklich und vollständig genährt bist, denn am Ende aller Tage bleibt
nur eine Frage: „Hast Du wirklich gelebt und hast Du wirklich geliebt?“
Sobald Du Dich ernsthaft
entscheidest, Dich auf den Weg zu erfüllender Beziehung zu machen, kann das
Universum endlich in Aktion treten und Dir die nächsten Schritte liefern. Vertraue
dem Prozess.
Ich wünsche Dir
von Herzen zutiefst erfüllende Beziehung in Deinem Leben.
Herzlichst,
Nicola