Mittwoch, 8. August 2012

Keine Ahnung!? Wie Sie präsent in Ihrer Kraft bleiben, wenn Sie mal keine Lösung parat haben


Wie oft haben Sie sich schon Sorgen gemacht, weil Sie nicht wussten, wie etwas geht oder wie Sie für ein Problem eine Lösung finden sollten? Wie oft haben Sie schon gesagt „Keine Ahnung!“ Wie oft hatten Sie schon die drei großen Fragezeichen auf der Stirn, weil Sie vor einer scheinbar unlösbaren Herausforderung standen?

In unserer Gesellschaft auf die Frage, wie etwas geht, zu antworten „Keine Ahnung“ erfordert Mut. Wir sind so darin trainiert, alles zu wissen und für möglichst alles eine Lösung zu haben. Das wird uns bereits in der Schule beigebracht. Bereits von klein auf wird uns das Wissen regelrecht eingetrichtert. Im Studium oder in der Ausbildung geht es dann gerade weiter. Mehr und mehr Theorie wird in unser brillantes Hirn gestopft. Wenn man sich nicht alles merken kann, dann ist es zumindest schlau zu wissen, wo die richtige Antwort steht. Die Angst, etwas nicht zu wissen, ist groß, denn wenn wir etwas nicht wissen, haben wir plötzlich keine Kontrolle mehr. Dann befinden wir uns plötzlich in unbekanntem Gebiet und haben keinen Boden mehr unter den Füßen. Keine Ahnung zu haben bedeutet, ein stückweit keine Sicherheit zu haben. Und uuuuuuh, das ist für unser Ego, das so sehr auf Sicherheit und Überleben bedacht ist, eine gefährliche Angelegenheit.  
Dabei sind genau die Momente, in denen Sie nicht wissen, wie es geht, die kreativsten. Wie wäre es, wenn Sie der Angst vertrauen könnten, keine Ahnung zu haben? Wie wäre es für Sie, wenn Sie im JETZT einfach präsent bleiben, sich im Nicht-Wissen entspannen und aus dem Nichts heraus neue Möglichkeiten schaffen könnten?

Die Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, wenn wir etwas nicht wissen, ist, im JETZT zu bleiben, genau in diesem Moment präsent zu sein. Denn sobald Sie gedanklich nur eine Sekunde in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind, haben Sie keine Kraft mehr. Sie können nicht ändern, was gerade vor 2 Sekunden passiert ist. Oder können Sie es rückgängig machen, dass Sie sich gerade an der Nase gekratzt oder mit Ihrem Fuß gewippt haben? Nein, können Sie nicht. Sie haben in der Vergangenheit keine Kraft. Genauso wenig Kraft haben Sie in der Zukunft, denn sie ist noch nicht da.

Die meisten Menschen leben in einem sehr großen JETZT. Bei einigen ist das JETZT mehrere Tage, Monate oder sogar ein ganzes Jahr groß. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Situation vor: Ein Mann fragt eine Frau „Würdest Du mich heiraten?“ und sie sagt „Nicht jetzt“. 6 Monate später fragt er sie erneut und sie antwortet „Ich habe doch gesagt, nicht jetzt“. Diese Frau würde z. B. in einem sehr großen JETZT leben.

Wenn Sie ein sehr großes JETZT haben, dann leben Sie permanent in der Vergangenheit oder der Zukunft. Dann machen Sie sich Gedanken über Dinge oder Situationen, die schon längst vorbei sind oder über mögliche Ereignisse in der Zukunft, die noch gar nicht da sind. Kennen Sie das?


Experiment 1: Wie groß ist Ihr JETZT?
Lehnen Sie sich einmal einen Moment zurück und betrachten Sie sich von außen. Stellen Sie sich vor, Sie würden ein zweites Paar Augen nehmen, das von außen Ihren eigenen Körper und Ihre Gedanken und Gefühle beobachtet. Scannen Sie mit diesen externen Augen einmal kurz einen Tagesablauf. Wie oft sind Sie tagsüber mit Ihren Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit, und wenn es sich nur um 10 Sekunden handelt. Schauen Sie einmal, über welchen Zeithorizont Ihre Gedanken den ganzen Tag gehen und definieren Sie einmal, wie groß Ihr JETZT ist. Vielleicht denken Sie z. B. immer noch über eine gestrige Begegnung nach und konzentrieren sich auch gleichzeitig schon auf die Besprechung, die Sie übermorgen mit einem Kunden oder Kollegen haben. Dann wäre Ihr JETZT insgesamt 3 Tage groß (oder lang).

Im JETZT präsent zu sein ist vor allem dann schwierig, wenn wir uns einer Herausforderung gegenüber sehen. Wenn wir z. B. ein echtes Problem haben und bis zu einem Tag x einen bestimmten Geldbetrag benötigen oder ein Kundenprojekt fertig gestellt werden muss, passiert es sehr schnell, dass unsere Gedanken nur noch um das Problem kreisen. Genau in dem Moment sind wir aber in der Zukunft und geben unsere komplette Kraft und Kreativität an ein Zukunftsdatum ab. Doch genau das blockiert uns. Wenn Sie ein Problem fokussieren oder sich 10mal wieder die Konflikt-Situation mit Ihrem Partner von gestern wieder hervorholen und sich die Frage stellen, wie Sie das nur lösen sollen, dann stecken Sie fest. Dann ist Ihr Fokus auf dem Problem.

Die Sache ist die: Wenn Sie ein Problem fokussieren und sich auf die Schwierigkeiten konzentrieren, dann produzieren Sie noch mehr davon. Das ist das universelle Gesetz. Wenn Sie ein Problem fokussieren, dann geben Sie automatisch Energie in das Problem anstatt in die Lösung. Sie kennen das universelle Gesetzt: Sie sind, was Sie denken und fühlen bzw. Sie finden das in Ihrem Leben vor, von dem Sie bewusst oder unbewusst überzeugt sind. Wieso sonst, denken Sie, ist bei den einen alles im Fluss, während andere sich abstrampeln und auf keinen grünen Zweig kommen?

Kürzlich habe ich einen sehr bereichernden Satz von Joseph Murphy gelesen, den ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen teilen möchte: 

„Es gibt kein Hindernis (…), solange Sie sich nicht selbst durch Ihr bewusstes Denken Steine in den Weg legen. Die (…)Weisheit Ihres Unterbewusstseins können Sie nur selbst begrenzen: durch Zweifel und Negativität.“*

Dies bedeutet konkret, dass alles, was Sie sich wünschen oder brauchen, bereits existiert. Sie müssen es nur in Besitz nehmen und dafür müssen Sie zu allererst einmal im JETZT präsent sein. Wenn Sie keine Ahnung haben, wie Sie etwas lösen sollen, dann entspannen Sie sich zunächst einmal, anstatt loszurennen und zu schauen, wie Sie an eine Lösung kommen. Der Schlüssel in dem Moment ist, ruhig zu werden, sich zu zentrieren und auf die eigenen Gedanken zu achten.


Experiment 2: Entspannen Sie sich in den Moment hinein
Dieses Experiment ist zugegebenermaßen eine echte Herausforderung, denn bitteschön, wir sind eine Leistungsgesellschaft und Zeit ist Geld. Wer hat da schon Zeit, sich erst einmal mitten am Tag - vielleicht sogar im Büro mit anderen Kollegen -  zu entspannen? Da könnten ja andere womöglich denken, Sie haben nichts zu tun oder Sie sind nicht leistungsbereit. Der Witz ist allerdings, dass Sie schneller und wesentlich effektiver zu einer Lösung kommen, als wenn Sie krampfhaft „rumhirnen“ um den Zustand des Nicht-Wissens zu beseitigen. Ehrlich, wir meinen immer, dass wir alles mit dem Verstand herausfinden müssen, doch ich lade Sie zu einem neuen Experiment ein.

Um sich in das JETZT hinein zu entspannen, haben Sie idealerweise 5-10 Minuten Ruhe, also kein Telefon und keine Kollegen oder Familie, die etwas von Ihnen wollen. Machen Sie es sich in einem Stuhl bequem und schließen Sie die Augen. Machen Sie sich „leer“. Sammeln Sie sich. Zentrieren Sie sich. Spüren Sie Ihre Füße auf dem Boden. Spüren Sie die Stuhllehne an Ihrem Rücken. Atmen Sie mehrmals tief ein und aus und lassen Sie allen Stress, alle Sorgen und Gedanken ziehen. Nehmen Sie Ihren Herzschlag war. Werden Sie ruhig. Kommen Sie ins JETZT.

Spüren Sie, Ihre eigene Präsenz und Kraft in diesem Moment. JETZT haben Sie Kraft. JETZT können Sie etwas Neues kreieren.


Experiment 3: Ist es in Ordnung, nicht zu wissen?
Entspannen Sie sich in das Nicht-Wissen, in diesen Zustand keine Ahnung zu haben, wie etwas geht oder zu lösen ist. Es ist absolut in Ordnung nicht zu wissen, wie etwas geht. Beantworten Sie kurz folgende Frage: „Ist es okay für Sie, nicht zu wissen?“ Vielleicht spüren Sie Angst. Nehmen Sie diese wahr. Angst ist einfach nur Angst. Angst ist genau das Gefühl, das ein Magier benutzt, um aus dem Nichts heraus etwas Neues zu kreieren. Vertrauen Sie dieser Angst. Wenn Sie die Frage mit „Ja“ beantworten können, haben Sie die Hälfte schon geschafft. Wenn Sie die Frage hingegen mit „Nein“ beantworten, dann stecken Sie fest auf der Ebene, alles logisch wissen zu müssen. Dann blockieren Sie sich selbst.

Sie müssen nicht wissen, wie etwas geht oder sich lösen lässt. Die entscheidende Frage ist, sind Sie davon überzeugt, dass es eine optimale Lösung für das Problem oder eine Konfliktsituation mit einer Person gibt, oder nicht? Vielleicht schaltet sich genau jetzt wieder Ihr Verstand ein und sagt „Ja, aber……die Umstände sind so-und-so, da gibt es nichts dran zu rütteln…, da kann ich nichts dran ändern.“ Der Witz ist, Sie können etwas dran ändern. Unser Verstand meint gerne, dass die Umstände unveränderbar und in Stein gemeißelt sind. Tatsache ist jedoch, dass sich Umstände schneller ändern können, als wir überhaupt wagen uns vorzustellen. Es liegt allein an Ihnen. Wenn Sie der festen Überzeugung sind, dass die Umstände in Stein gemeißelt sind und Ihren Fokus weiter auf die Schwierigkeit gerichtet lassen, dann produzieren Sie damit genau diese Umstände immer wieder neu.


Experiment 4: Deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt
Die gute Nachricht ist: Sie können auch einfach einen neuen Film einlegen. Die aktuellen Umstände sind nichts weiter als ein Film, der durch einen Projektor läuft und das Bild auf eine Leinwand strahlt. Die Leinwand wären die Umstände. Der Film sind Ihre Gedanken und Gefühle. Oft versuchen wir die Leinwand zu demontieren oder zu verändern. Wie oft haben Sie das schon probiert, Hand aufs Herz? Ja, jeder hat es schon probiert. Und hat es funktioniert? Nein, hat es nicht, weil die Umstände in Ihrem Leben das Resultat Ihrer Überzeugungen sind und nicht umgekehrt. Also können Sie den Versuch, die Leinwand bzw. die Umstände zu ändern, getrost in die Tonne treten.

Probieren Sie jetzt einfach mal etwas Neues aus. Legen Sie einen anderen Film ein. Sie stehen also vor einer herausfordernden Situation. Wie wäre es, wenn Sie jetzt, in diesem entspannten Zustand, in dem Sie im JETZT präsent sind und es für Sie okay ist, nicht zu wissen, wie es geht, voller Überzeugung deklarieren, dass es eine Lösung gibt, und Sie Ihnen eingegeben wird?

Schön wär’s? Schön ist es! Denn genau das ist die Macht Ihrer Gedanken und Gefühle. Die Macht Ihrer eigenen Deklaration. Sie müssen selbst gar nicht wissen, wie die Lösung aussieht. Geben Sie das Problem an die schöpferische Weisheit in Ihnen ab und empfangen Sie die Lösung. Fragen Sie sich nicht, wie, wann und wo die Lösung zu Ihnen kommt. Sie kommt dann, wenn Sie es am wenigsten erwarten.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Ich war Anfang des Jahres in der Situation, dass ich ein offenes Privat-Training angesetzt hatte, zudem sich bereits mehrere Personen angemeldet hatten. Zwei Wochen vor Beginn des Trainings habe ich bei dem ursprünglich geplanten Seminarhaus angerufen, um – wie vereinbart - die Anzahl der Teilnehmer durchzugeben. Als ich dort anrief, erfuhr ich, dass es eine Doppelbuchung gegeben hatte und meine Teilnehmer leider gar nicht am Vorabend anreisen könnten. Ja und den Trainingsraum könnte ich übrigens auch leider erst am 1. Tag nachmittags nutzen und nicht wie geplant um 9 Uhr morgens.

Und jetzt? Was tun? Training absagen? Das kam für mich nicht in Frage. Also begann ich, wild im Internet zu suchen. Doch im Münchner Raum kurzfristig erschwingliche Trainingsräume für 3 Tage zu bekommen ist eine Herausforderung. Ich hatte keine Ahnung, wie ich so schnell etwas Adäquates finden sollte. Nachdem ich zig Hotels und Tagungsstätten angerufen hatte und sich herausstellte, dass es keine freien Möglichkeiten gab, habe ich dieses „Problem“ schließlich abgegeben. Anstatt weiter in der Zukunft zu denken (also „Wo finde ich nur für nächste Woche einen Trainingsraum?“), habe mich zurück gelehnt, mich in das JETZT entspannt und dann genau die schöpferische Weisheit in mir angesprochen. Die schöpferische Weisheit in Ihnen ist mit der Weisheit im Universum verbunden. Und mal ehrlich, für die Weisheit, die das Universum erschaffen hat, sind unsere irdischen Probleme wirklich lächerlich. Also habe ich voller Überzeugung deklariert „Es gibt einen idealen Trainingsraum für mein Training nächste Woche. Die unendliche Intelligenz kennt diesen Raum und sorgt dafür, dass ich ihn rechtzeitig finde.“ Danach habe ich mich mit einem Cappuccino in die Sonne gesetzt und mich nicht weiter darum gekümmert. Einen Tag später traf ich eine Bekannte zum Essen. In dem Gespräch erzählte sie von ihrer Arbeit und erwähnte plötzlich, dass sie außerhalb von München am Ammersee vor kurzem ein Seminarhaus angeschaut hat, das vom Namen her gar nicht als Seminarhaus ersichtlich ist. Ich fragte sie nach dem Namen, googelte zuhause, fand die Internetseite, rief die angegebene Telefonnummer an und siehe da: in diesem Seminarhaus war genau für den angesetzten Termin noch ein schöner Trainingsraum frei. Da hätte ich mir die 6 Stunden verstandsgesteuerte Suche im Internet und das Anrufen diverser Hotels wirklich sparen können.

Auf die gleiche Weise kommen Sie übrigens auch zu Geld oder zu sonstigen Lösungen. Wenn Sie an einem bestimmten Tag x zum Beispiel eine konkrete Geldsumme benötigen, weil Sie eine dringende Investition o. ä. tätigen müssen, können Sie gleichermaßen die Lösung an die universelle Intelligenz bzw. die schöpferische Weisheit in Ihnen abgeben. Entscheidend ist, dass Sie den Fokus nicht länger auf das Problem oder die Schwierigkeit gerichtet lassen. Das würde Mangel erzeugen. Verbinden Sie sich stattdessen mit Ihrer inneren Weisheit (nicht mit Ihrem Verstand) und deklarieren Sie, dass Ihnen die Lösung zuteil wird. Und dann: VERTRAUEN SIE DARAUF!!! Seien Sie davon überzeugt und üben Sie sich dann in absoluter Gelassenheit. Sobald Sie Ihrem Verstand erlauben, Zweifel, Ängste und Sorgen aufkommen zu lassen, funktioniert es nicht. Achten Sie also auf Ihre Gedanken.

Um auf die ideale Lösung zu vertrauen, müssen Sie übrigens kein bestimmtes Gefühl haben. Vertrauen ist kein Gefühl, VERTRAUEN IST EINE ENTSCHEIDUNG!!! 

Fülle und Überfluss sind eigentlich unser Geburtsrecht. Allerdings ist das Massengemüt mittlerweile so massiv von Negativität, Zweifeln und Ängsten geprägt, dass wir ständig mit destruktiven Gedanken anderer Leute umgeben sind. Sobald wir den Fernseher anmachen oder die Zeitungen aufschlagen werden wir mit Schreckensnachrichten, Negativität und Sorgen konfrontiert.

Wirklich, fangen Sie an, sich bewusst von diesem Massengemüt abzugrenzen. Seien Sie im JETZT präsent und zentriert (zum Zentriert-Sein siehe auch Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“). Lassen Sie sich nicht von der Negativität anderer beeinflussen. Sie kennen bestimmt genug Leute, die Sie in schwierigen Situationen versuchen zu bequatschen, z. B. mit  „Also ich weiß ja nicht, ob das funktioniert. Wie soll denn das gehen? Das kannst Du vergessen. Ich glaube nicht, dass das klappt…“ Sie kennen diesen ganzen Müll. Doch es gibt immer eine Lösung, die Frage ist nur, ob Sie darauf vertrauen.

Ein Hinweis noch: Falls an einer herausfordernden Situation mehrere Personen beteiligt sind (Beispielsweise bei einem Streit), ist es hilfreich zu deklarieren, dass sich die Situation zum höchsten Wohle aller löst. Versuchen Sie also nicht andere zu manipulieren, indem Sie sagen „Ich vertraue darauf, dass mein Chef/Partner/Nachbar von seiner Position abrückt.“ Sie wissen nicht auf welchem Weg und wie genau sich die Lösung ergibt. Lassen Sie Ihrer schöpferischen Weisheit Spielraum.

Wenn Sie also mal keine Ahnung haben, bleiben Sie einfach im JETZT präsent, deklarieren Sie, dass es eine Lösung gibt und bleiben Sie dann gelassen. Machen Sie einmal das Experiment weg vom TUN hin zum SEIN. Und dann staunen Sie einfach einmal, was passiert.

In diesem Sinne, herzlich staunende Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Buch-Tipp: „Die Macht Ihrer Wünsche – Wie Sie mit Tele-Psi Ihre Ziele erreichen“ von  Joseph Murphy


POTENZIALE LEBEN!
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Sonntag, 15. Juli 2012

Abenteuer Beziehung: Welche Art von Partnerschaft leben Sie?


Das Thema Beziehung scheint wirklich ein brisantes zu sein. Mehr und mehr Menschen sind auf der Suche nach einer neuen Art von Beziehung, als scheinen Sie zu spüren, dass die bisherigen Beziehungen, die sie geführt haben, zwar nett, aber doch eher gewöhnlich waren. Viele tragen – bewusst oder unbewusst – eine tiefe Sehnsucht nach wahrer Verbindung in sich, nach außergewöhnlicher Beziehung. Doch wie kommen wir dahin? Wie können wir überhaupt anfangen, eine andere Art von Beziehung zu kreieren?

Lassen Sie uns zunächst einmal schauen, worauf gewöhnliche Beziehung basiert. Was ist ihr Zweck? Gewöhnliche Beziehung hat z. B. den Zweck:

  • geliebt zu werden,
  • Einsamkeit zu vermeiden,
  • sozial akzeptiert zu sein,
  • zu überleben,
  • einen „Kampfpartner“ oder „Diskussionspartner“ zu haben,
  • Rache am anderen Geschlecht zu üben,
  • Sicherheit und Schutz zu finden,
  • niedere Dramen zu haben,
  • unsere Eltern glücklich zu machen,
  • der Gesellschaftsnorm zu entsprechen („Man hat halt eine Beziehung und heiratet“)
 
Experiment 1: Vergangenheit ziehen lassen
Nehmen Sie einmal einen tiefen Atemzug und schließen Sie die Augen. Erinnern Sie sich einmal: haben Sie schon einmal den Kühlschrank aufgemacht und hinein gestarrt, um dann im nächsten Augenblick „aufzuwachen“ und zu denken „Was wollte ich denn hier eigentlich?“ Oder öffnen Sie vielleicht auch gelegentlich den Kühlschrank oder sonstige Küchenschränke, um einfach etwas zu futtern, ohne dass Sie Hunger haben? Haben Sie schon einmal gehofft, von Ihrem Partner Liebe und Zuneigung zu bekommen? Haben Sie vielleicht früher als Kind gehofft, von Ihren Eltern Liebe zu bekommen, aber leider waren diese zu beschäftigt?

Rufen Sie sich kurz Situationen ins Gedächtnis, wo Sie die Liebe und Anerkennung nicht bekommen haben, die Sie erhofft hatten. Lassen Sie die Augen weiterhin geschlossen. Spüren Sie diese Leere, diese fehlende Liebe als großes schwarzes Loch. Sehen Sie es vor sich.

Ebenfalls vor Ihnen ist nun der Fluss der Zeit. Sehen Sie, wie das Wasser vor Ihnen glitzert und an Ihnen vorbei fließt. Widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit nun wieder dem schwarzen Loch von fehlender Liebe. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht: Die schlechte Nachricht ist, dass Ihre Eltern nicht kommen werden, um dieses Loch zu füllen. Die gute Nachricht ist: Ihre Eltern werden nie kommen, um dieses Loch zu füllen. Das heißt, Sie können jetzt endlich aufhören, Ihren Partner dafür yerantwortlich zu machen, dieses Loch zu füllen. Das, was passiert ist, ist passiert. Punkt. Da kann auch Ihr Partner nichts dran ändern.

Häufig versuchen wir, vom Partner das zu bekommen, was wir in der Vergangenheit, insbesondere in der Kindheit nicht bekommen haben: Liebe und Aufmerksamkeit. Doch das ist wie mit dem Durst und der Flasche Wasser. Angenommen Sie hätten letzte Woche unerträglichen Durst gehabt und Sie würden sich heute noch an dieses Gefühl des Dursts erinnern. Würde es Ihnen heute helfen, eine Flasche Wasser zu trinken, um den Durst von letzter Woche zu löschen? ……… richtig, die Antwort lautet NEIN. Sie werden die Erinnerung an den Durst deswegen nicht auslöschen.

Sie können eine außergewöhnliche Beziehung nur führen, wenn Sie nicht aus einem unbewussten Bedürftigkeits-Drang heraus eine Partnerschaft leben. Ansonsten bewegen Sie sich in einem kindlichen Ego-Zustand (nach Dr. Eric Berne) und sind nicht klar und präsent im JETZT. Dann „brauchen“ Sie den Partner und Ihr Glück ist von ihm abhängig.

Auch wenn wir uns von anderen Menschen, z. B. den Eltern, Freunden, Kollegen, oder generell der Gesellschaft beeinflussen lassen, ob, wann, wie und mit wem wir eine Beziehung führen, sind wir nicht in der Lage eine wirklich außergewöhnliche Beziehung zu führen. Dann wären wir nach Eric Berne im sogenannten Eltern Ego-Zustand. Und wie massiv und schnell haken solche Beeinflussungen ein. Wie viele von Ihnen kennen Menschen, die den Partner nach seinem Status oder seinem Gehalt auswählen, danach was er HAT anstatt wie er in seinem Sein IST? Wir sind tagtäglich so vielen Manipulationen ausgesetzt, dass das Herz oft auf der Strecke bleibt. Unsere moderne Gesellschaft trainiert uns regelrecht darauf, die Herzverbindung zu kappen. In diesem Eltern Ego-Zustand lassen wir uns von anderen manipulieren. Dies können übrigens auch manipulative Stimmen in Ihrem Kopf sein, z. B. Ihr Vater der sagt: „Das muss so und so laufen“ oder Ihr Lehrer der gesagt hat: „Das gehört sich nicht“, etc.

Für eine außergewöhnliche Beziehung ist es notwendig, dass Sie im sogenannten erwachsenen Ego-Zustand sind. Denn in diesem Zustand sind Sie im JETZT und können klar, präsent, zentriert und eigenverantwortlich agieren. Weder im bedürftigen Kind-Ego, noch im manipulativen Eltern-Ego Zustand können Sie das. 

Eine außergewöhnliche, menschliche Beziehung basiert nicht auf Bedürftigkeit. Der Zweck dieser Beziehung ist z. B. vielmehr:

  •  zu lieben,
  • eine Partnerschaft zu erschaffen,
  • zu kommunizieren,
  • eine Familie zu gründen (aber nicht, weil die Eltern oder Gesellschaft es als Norm vorgeben)
  • gemeinsam zu lernen und zu wachsen,
  • Vertrautheit und Intimität zu erforschen,
  • wirklich zu leben,
  • die Gesellschaft des anderen zu genießen,
  • wertzuschätzen und zu genießen

Eine außergewöhnliche Beziehung zeichnet sich durch Respekt, gegenseitige Wertschätzung und konstruktives Miteinander aus. Und genau da ist der Ansatzpunkt, um von einer gewöhnlichen in eine außergewöhnliche Beziehung zu wechseln.

In gewöhnlichen Beziehungen sind sogenannte niedere Dramen allgegenwärtig. In einem niederen Drama nehmen Sie eine Täter, Retter oder Opfer-Rolle ein und spielen Ihr manipulatives Spielchen. Als Opfer verschanzen Sie sich hinter Ihrer Traurigkeit, um in Selbstmitleid zu versinken („Ich armes Würstchen. Mir geht’s ja so schlecht.“). Ein Täter hingegen nutzt seine unbewusste Wut, um das Opfer in gewisser Weise fertig zu machen. Sie kennen vielleicht Paare, wo der „Täter“ dem „Opfer“ z. B. sagt: „Hach, was hast Du denn da schon wieder gemacht. Ich habe doch gesagt, Du sollst die Tomaten in Würfel und nicht in Scheiben schneiden.“ Wenn die andere Person eingeschnappt ist, und die Opfer Rolle „annimmt“ ist das perfekte niedere Drama schon im Gange und es baut sich Groll auf. Als drittes gibt es dann noch die Retter Rolle. Der Retter sagt über die andere Person „Ich habe Angst, dass Du es nicht kannst und deswegen mache ich es für Dich.“ Kennen Sie Paare, wo der eine den anderen bevormundet? Das wäre eine perfekte Retter Rolle. Oder auch Paare, wo einer sich aufgibt, um dem anderen alles Recht zu machen und die Harmonie zu retten. Puuuuh, perfektes niederes Drama.

Das Ding ist, dass wir nicht nur bei einer Rolle bleiben, sondern oft in Lichtgeschwindigkeit die Rollen wechseln. Nachdem ein trauriges, armes Opfer nämlich genug geschmollt hat, ist es gut möglich, dass es zum Rachefeldzug antritt und dem Täter eins auswischen möchte.

Doch Achtung, niederes Drama geht nicht einher mit wildem Geschrei und zerbrochenem Porzellan. Im Gegenteil. Die meisten Dramen laufen viel subtiler ab. Sie erkennen niederes Drama z. B. an

  • Rechtfertigungen,
  • Beschwerden,
  • Beschuldigungen,
  • Besserwisserei,
  • Entschuldigungen,
  • Vorwürfen,
  • Erwartungen (auch unausgesprochenen),
  • den anderen ins Unrecht setzen,
  • Witze auf Kosten des anderen,
  • Ironie,
  • Rechthaberei

Kommt Ihnen da etwas bekannt vor? Ehrlich, niederes Drama passiert sooo schnell. Der Einzige, der jedoch richtig Freude an niederem Drama hat, ist das kleine Monster in Ihnen, Ihr Gremlin. (Mehr dazu siehe auch Artikel vom 13.01.2012 bzw. 09.01.2011) Die Leibspeise des Gremlins ist es, Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Er ernährt sich von niederen Dramen. Hegen Sie z. B. Groll gegen Ihren Partner und sei es in einem ganz kleinen Punkt? Jammi, der Gremlin freut sich über diesen Leckerbissen. Denn wenn es keinen Groll, keine Rechtfertigung, Diskussion oder Beschuldigung gibt, dann kann eine Beziehung sehr intensiv werden, was wiederum beängstigend sein kann.
Und bitte, niedere Dramen und der Gremlin sind nicht gut und nicht schlecht. Sie führen einfach nur zu bestimmten Ergebnissen. Die Frage ist also, welches Ergebnis wollen Sie in Ihrer Beziehung produzieren? Was ist wirklich Ihre Absicht?


Experiment 2: Radikale Ehrlichkeit
Lassen Sie uns ein Experiment in radikaler Ehrlichkeit machen. Lassen Sie die letzten 2 oder 3 Tage einmal Revue passieren. Seien Sie schonungslos ehrlich zu sich selbst. Wann haben Sie mit Ihrem Partner (oder auch anderen Menschen, mit denen Sie in Beziehung stehen) in den letzten Tagen niederes Drama inszeniert? Wann wollten Sie vielleicht unbedingt Recht haben? In welcher Situation haben Sie Ihrem Partner vielleicht Vorwürfe gemacht? Oder wann hatte Ihr Gremlin einfach Spaß daran, ironische Witze auf Kosten Ihres Partners zu machen? Wie oft haben Sie gesagt „Ja, ABER…“ und allein mit diesem Ausdruck alles gekillt, was Ihr Partner vorher gesagt hat? (Probieren Sie es das nächste Mal mit „Ja, UND…“).

Huuu, das ist schmerzhaft. Denn ja, niederes Drama ist allgegenwärtig. Vor einiger Zeit hielt ich einen Vortrag, in dem ein Teilnehmer war, dessen großer Gremlin versucht hat, den Vortrag mit ironischen Kommentaren zu torpedieren. Ich fragte ihn, ob er eine Beziehung habe. Er bejahte. Ich fragte weiter, ob er diese Art der Kommunikation auch in seiner Beziehung praktiziere. Er sagte „Ja klar, sonst macht’s ja keinen Spaß.“ Interessante Aussage. Raten Sie mal, wer diese Antwort gegeben hat. Genau, es war sein Gremlin. Für ihn ist es nämlich sehr gefährlich, wirklich in Beziehung zu sein und sich sehen zu lassen.

Wenn Sie wahrhaft in Beziehung sein wollen, dann müssen Sie bereit sein, Angst zu haben und gewissermaßen zu sterben. Die Maske fallen und Ihre Verteidigungsstrategie sterben zu lassen. Wahrhaft in Beziehung zu sein bedeutet, sich sehen zu lassen und den anderen zu sehen, in allen Facetten. Ihr Ego und Ihr Gemlin werden dabei ausflippen. Der Gremlin ist schließlich Wächter Ihrer perfekt antrainierten Verteidigungs- und Überlebensstrategie. Jeder Mensch hat so eine Strategie. Und jetzt raten Sie einmal, was passiert, wenn Sie Ihren Gremlin in Ihrer Beziehung ab sofort an die Leine nehmen…richtig, Sie werden plötzlich verwundbar.

In dem Moment, in dem Sie Ihren Gremlin nicht mehr offenes oder subtiles niederes Drama spielen lassen, erreicht Ihre Beziehung eine neue Ebene. Sie erreichen eine neue Ebene an Vertrautheit, Intimität und Nähe. Und das kann sehr intensiv sein und Angst machen. Wenn Sie an diesen Punkt kommen, versuchen Sie es auszuhalten. Atmen Sie weiter. Angst ist nur Angst. Sie zeigt Ihnen einfach, dass Sie sich in unbekanntes Gebiet begeben, nichts weiter. Vertrauen Sie dieser Angst, atmen Sie weiter und bleiben Sie mit Ihrem Partner in dem Moment in Kontakt. Lassen Sie sich sehen.

Sie können JETZT und in jedem Moment entscheiden, ein anderes Spiel zu spielen. Wie wäre es, wenn Sie sich entscheiden, Ihren Gremlin woanders Gassi zu führen? (Sie können den Gremlin z. B. Schokolade oder eine Klatsch-Zeitung geben, Sie können ihm erlauben, den Verkäufer an der Tür radikal abzuwimmeln oder ihn beauftragen, Bescheid zu geben, sobald jemand anderes mit Ihnen Drama spielen möchte).

Da mag der ein oder andere sagen „Moment, alles schön und gut, aber zu einer Beziehung gehören ja immer zwei.“ Richtig. Küssen können Sie nicht alleine. Wenn Sie sich jedoch verändern, verändert sich damit der Kontext Ihrer Beziehung und damit Ihre Beziehung an sich. Wenn Sie die Bühne für niederes Drama nicht mehr bereitstellen, wo soll es dann stattfinden?

Dramen zwischen Männern und Frauen kommen übrigens sehr häufig zustande, weil die Frauen meinen, die Männer müssten die Dinge doch genauso wahrnehmen wie sie, bzw. umgekehrt. Das funktioniert aber nicht.

Ladies, wir sind von Natur aus Sammlerinnen. Das heißt wir haben Feldfokussierung und sehen auf einer Wiese alle Blumen, Pilze und Kräuter. Vor allem aber sehen wir genau den einen Pilz, der giftig ist und den man besser nicht essen sollte. Um es auf die Moderne zu übertragen: Die Frauen finden immer genau DEN Punkt, den der Mann nicht richtig gemacht hat. Kürzlich hatte ich eine Klientin, die sich darüber beschwerte, dass Ihr Mann z. B. im Haus schon wieder nicht gesehen hat, dass der Berg Wäsche rumliegt und gewaschen werden muss. Das muss er doch sehen! Dass er in der Zwischenzeit aber etwas für sie gekocht hatte, die Wohnung geputzt hatte und frische Blumen auf dem Tisch standen, hat sie nicht gesehen. Das liegt wirklich an der weiblichen Feldfokussierung. Wir Frauen finden die Stecknadel im Heuhaufen, denn früher hätte genau der eine giftige Pilz womöglich unsere ganze Sippe vergiftet.

Männer haben hingegen eine Zielfokussierung, denn sie sind von Natur aus Jäger. Wenn sie früher auf das Wild gezielt haben, konnten sie sich nicht noch zusätzlich auf die schönen Bäume und Blümchen konzentrieren. Ansonsten hätten sie nämlich das Wild verfehlt und dann wäre das Dilemma groß gewesen. Deswegen machen Männer immer eins nach dem anderen.

Respektieren Sie einfach diesen kleinen aber feinen Unterschied. Frauen sind Frauen. Männer sind Männer. Punkt.  

Wie wäre es, wenn Sie Ihre Beziehung ab sofort zu einem Experimentierfeld für Respekt und gegenseitige Wertschätzung machen? Wie wäre es, wenn Sie Ihrem Partner das nächste Mal sagen wie sehr Sie seine Aufmerksamkeit, Sorgfalt, Zuverlässigkeit oder Lebendigkeit schätzen? Schätzen Sie die Seins-Qualitäten wert (also nicht den Pulli oder die Frisur). Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was Ihr Partner für Sie und Ihre Beziehung tut, anstatt das, was Ihnen nicht passt. Wie wäre es, wenn Sie Ihren Partner zum König bzw.  zur Königin machen, anstatt zum Schwein?

Es liegt an Ihnen. Wie wäre es also, wenn Sie niederes Drama beenden und sich JETZT entscheiden, das Experiment zu machen, eine außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen?

Herzliche, wertschätzende Grüße,
Ihre Nicola Nagel


*Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Sie außergewöhnliche oder gar archetypische Beziehung erschaffen, empfehle ich Ihnen das Buch „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.


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Donnerstag, 14. Juni 2012

Mission Impossible? - Über die Motivation von Mitarbeitern


Wie viele Mitarbeiter gehen morgens hochmotiviert zur Arbeit? Gehören Sie dazu? Gehen Sie jeden Morgen motiviert durch die Tür Ihres Unternehmens und freuen sich darauf, das zu tun, was an Ihrem Arbeitsplatz auf Sie wartet? Motivation ist ein Thema, das immer wieder auf den Tischen der Personalabteilungen, Vorgesetzten und Mitarbeiter landet, denn oftmals fehlt es an Motivation. Ist die Mission, durchweg für zufriedene und motivierte Mitarbeiter zu sorgen, gar ein Hirngespinst? Ist es eine unmögliche Mission?

Was ist denn Motivation überhaupt? Laut Wikipedia bezeichnet Motivation „das auf emotionaler und neuronaler Aktivität (Aktivierung) beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Motivation steigert die Handlungsbereitschaft und ist somit eine „Triebkraft“ für Verhalten.“ Aha. Soweit die offizielle Definition.

Da könnte man ja meinen, das in einem Unternehmen nur genug Anreize geschafft werden müssten, um die Motivation der Mitarbeiter und damit die Leistungsbereitschaft hoch zu halten. Nur funktioniert das irgendwie nicht so ganz. Wie sonst ließe es sich erklären, dass Unternehmen, die ihren Mitarbeitern ausgezeichnete Sozialpakete inklusive großartiger Gehälter anbieten, nur bedingt dauerhaft motivierte Mitarbeiter haben?

Es könnte an dem hierarchischen Denken unserer modernen Gesellschaft liegen. Daran, dass die Menschen nach Zielen oder Dingen streben, die der Norm unserer Gesellschaft entsprechen: Geld, Anerkennung, Macht, Prestige (mein Haus, mein Auto, meine Jacht).

In Unternehmen geht Motivation sehr oft einher mit Manipulation. Sie kennen das Bild vom Hasen, dem die Karotte an einer Angelschnur vor die Nase gehalten wird, damit er rennt. Doch er sieht die Karotte nur, ohne sie tatsächlich zu erreichen. Wäre keine Karotte sichtbar, würde er nicht rennen. In Unternehmen ist es nicht anders. Die vielen „Goodies“, die Annehmlichkeiten, die Mitarbeiter erhalten, sind nichts anderes als eine Manipulation, damit die Mitarbeiter überhaupt den Job machen. Angefangen beim Gehalt, über großzügige Fortbildungsmaßnahmen, Firmenwägen, Kinderbetreuung, bis hin zu gesponsorten Abteilungs- oder Firmenausflügen während der Arbeitszeit. Der Vielfalt der Motivationsfaktoren sind keine Grenzen gesetzt.

Diese Goodies werden oftmals schon als selbstverständlich von den Mitarbeitern angesehen, ja sie gehören regelrecht zur „Verhandlungsmasse“, bevor der Mitarbeiter sich überhaupt für ein Unternehmen entscheidet. Die spannende Frage lautet daher also: Wie viele Mitarbeiter würden dem Job, den sie heute machen, auch morgen noch nachgehen, wenn diese Motivationsfaktoren wegfielen? Wer würde tatsächlich seinen Job weiter ausführen, wenn er nur noch die Hälfte des Gehaltes bekäme und die Urlaubstage auf 10 schrumpfen würden? Autsch…diese Frage tut weh, denn plötzlich wird offensichtlich, dass noch eine andere Komponente ins Spiel kommt.

Dauerhafte Motivation kann nicht allein durch externe, in Aussicht gestellte Faktoren hervorgelockt werden. Oder wieso, denken Sie, sind zahlreiche wohlhabende und anerkannte Menschen, die scheinbar alles erreicht haben, trotzdem depressiv, unglücklich oder gelangweilt?

Wie die offizielle Definition sagt, ist Motivation das Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Hierbei gibt es jedoch einen großen Unterschied, ob es Ego-gesteuerte Ziele sind, oder solche die von Herzen kommen. Ego-gesteuerte Ziele führen nur temporär zur Motivation. Das Ego meint, etwas erreichen oder besitzen zu „müssen“. Sie haben vielleicht schon Menschen sagen hören  „Wenn ich das erst erreicht habe, dann bin ich zufrieden und glücklich“ oder „Wenn ich die Position habe, dann habe ich mein Ziel erreicht“. Doch diese Ego-gesteuerte Motivation verhält sich genauso, wie das emotional getriebene Shopping-Syndrom. Kennen Sie das? Sie hatten einen stressigen Tag, oder sind nicht so gut drauf und versuchen sich zu aufzuheitern oder abzulenken, indem Sie sich sagen „ich gönne mir etwas“. Daraufhin gehen Sie shoppen, kaufen eine Hose, Bluse, Handy, oder sonst etwas, von dem Ihr Ego meint, dass es schön wäre zu haben. In dem Moment, wo Sie es kaufen, freuen Sie sich. Ihre Laune ist kurzfristig oben. Alles ist gut. Doch kaum sind sie zuhause, wird das Objekt der Begierde zur Gewohnheit. Sie haben es ja. Die Motivation sinkt wieder.

Anders ist es bei Zielen, die aus einer tiefer liegenden Quelle gespeist werden. Nicht von dem Verstand, nicht von dem Ego, nicht von dem Gedanken „Schneller, weiter, höher, noch mehr“. Die Quelle dieser Ziele heißt „Inspiration“. Da wo Inspiration ist, passiert Motivation von alleine. Da rennt der Hase von selbst, ohne dass er eine Möhre vor der Nase baumeln hat. Motivation steigert die Handlungsbereitschaft? Bei Inspiration handeln Sie einfach, da muss nichts gesteigert werden, weil Sie für etwas brennen. Wenn Sie inspiriert sind, haben Sie Ideen, sind im Fluss und haben eine Grundfreude an dem, was Sie tun, selbst wenn es zwischendrin einmal eine Aufgabe zu erledigen gibt, die nicht so spannend ist.

Doch Inspiration ist in der Arbeitswelt leider nicht Standard. Die meisten arbeiten heute für ein Unternehmen, weil sie sich der Illusion von Sicherheit hingeben. Für ein „gutes“, stabiles Unternehmen zu arbeiten, das am Markt etabliert ist und auch noch zahlreiche soziale Annehmlichkeiten bietet, wird als sicher eingestuft. Der Mitarbeiter fühlt sich sicher, weil er jeden Monat sein Gehalt bekommt und ihm ja scheinbar nichts passieren kann, solange er einen einigermaßen guten Job macht. Doch genau das ist die Krux. Die Motivation, für das Unternehmen zu arbeiten, basiert in dem Fall auf einer Illusion, auf dem Schein der Sicherheit. Darauf, dass „man einen sicheren Job hat“. Nur ehrlich, was ist heutzutage schon sicher? Schauen Sie sich große, scheinbar stabile Konzerne an, die plötzlich ganze Standorte schließen. Es gibt keine Sicherheit. Die einzige Sicherheit, die es im Leben gibt, ist, dass wir alle irgendwann einmal sterben. That’s it. Das ist die einzige Sicherheit, die wir haben. Doch das Streben nach Sicherheit – und damit sind wir wieder beim Streben – ist interessanterweise der Motivator Nummer eins. Die Mitarbeiter wollen es gut, bequem und sicher haben im Leben. Deswegen sind auch Change Management Prozesse immer so nerven-aufreibend, denn – Oh Schreck – plötzlich gerät die vermeintliche Sicherheit ins Wanken.

Hinter dem Streben nach Sicherheit steckt schlicht und ergreifend Angst. Angst ums nackte Überleben. Die Annehmlichkeiten, die in Unternehmen als Motivationsfaktoren angeboten werden, spielen also maßgeblich mit dem Faktor „Sicherheit“ bzw. nutzen die unbewusste Angst der Mitarbeiter, um sie zu manipulieren.

Wie wäre es, wenn ein anderes Spiel gespielt würde? Wenn es nur noch inspirierte Mitarbeiter gäbe, die freiwillig für ein Unternehmen arbeiten und nicht weil am Ende des Monats ein schickes Gehalt rauspurzelt oder sie in der Hierarchie weiterkommen? Wie schafft es ein Unternehmen, die Inspiration seiner Mitarbeiter zu wecken bzw. zu fördern?

Inspiration kommt von „lat. inspiratio = Beseelung, Einhauchen von „spiritus“ = Leben, Seele, Geist“ (Definition Wikipedia). Ein inspirierter Mitarbeiter ist also eine Person, der Leben eingehaucht wird oder – in unternehmens-deutsch gesprochen - die von der Unternehmensvision begeistert bzw. beseelt ist, diese mitträgt und lebendig bei der Sache ist. Gefährliche Frage: Wie viele Leute, insbesondere in großen Konzernen, fristen ein tristes Dasein, machen einen „9 to 5 job“ und schlafen vor sich hin?

Was ist die Vision Ihres Unternehmens? Kennen Sie diese überhaupt? Ist die Vision für alle Mitarbeiter klar? Oftmals ist eine Vision dem Top Management klar, wird jedoch nicht unbedingt klar und verständlich an die Mitarbeiter kommuniziert. Wenn die Mitarbeiter nicht im Boot sind, nicht wissen, was ihr Beitrag zur Erreichung der Vision ist, oder die Vision gar komplett ablehnen, tut sich das Unternehmen langfristig keinen Gefallen.

Neulich fragte mich ein Geschäftsführer folgendes: „Wir wollen die Management-Strategie in unserer kleinen Firma ändern. Es gibt einen Mitarbeiter, der bisher nicht dafür zu haben ist. Wie kann ich den motivieren, die neue Strategie mitzutragen, anstatt das Vorhaben zu bremsen?“ Veränderung bedeutet zunächst einmal Ungewissheit. Die Mitarbeiter werden aus dem bisher Bekannten rausgerissen und haben unbewusst Angst. Da Angst in unserer Gesellschaft wiederum als ein Gefühl angesehen wird, das es zu vermeiden gilt (anstatt sie einfach kreativ zu nutzen), ist es fast natürlich, dass Mitarbeiter auf Veränderungs-maßnahmen zunächst mit Abwehr reagieren. Die gängige Meinung ist, dass es Angst zu vermeiden gilt, weil sie blockiert, man als Angsthase bloßgestellt wird, als unglaubwürdig und feige gilt und sie schlichtweg negativ ist. Das ist das, was uns beigebracht wird.

Tatsächlich ist Angst jedoch eine neutrale Kraft und Energie, die uns professionell dient (wie übrigens die anderen Gefühle Wut, Freude und Traurigkeit auch. Mehr dazu siehe Artikel „BUSINESS SPECIAL: Change Management - Der Lava-Effekt: über verbrannte Erde und
Motivationsstarre“
). Mit der Angst können wir in unbekanntes Gebiet gehen, kreativ und innovativ sein und Pläne machen. Genau das macht jemand, der inspiriert ist. Jemand der inspiriert und damit motiviert ist, lebt sein Potenzial, bringt seine Talente zum Einsatz ist kreativ und bereit über seine Grenzen hinaus zu gehen.

Die Frage wäre in dem konkreten Fall also im ersten Schritt, was inspiriert den Mitarbeiter grundsätzlich für die Firma zu arbeiten? Und im zweiten Schritt wäre die Frage, welches Potenzial und welches besondere Talent des Mitarbeiters würden durch die neue Management-Strategie zum Tragen kommen? Sobald er klar erkennen kann, dass sein Talent gefragt ist und vor allem auch offenkundig WERTGESCHÄTZT wird, ist er inspiriert die Veränderung auch mitzutragen.

Oftmals ist genau das die Schwierigkeit bei Change Management Prozessen. Die Mitarbeiter haben kein klares Bild, wo sie bei der Veränderung bleiben, was das für ihr Potenzial und ihre Talente bedeutet. In welcher Firma wird da schon ausdrücklich Wert drauf gelegt? Meist wird eine neue Zielrichtung vom Top-Management vorgegeben und durchgezogen. Alle anderen haben hinterher zu kommen. Doch es gilt, die Mitarbeiter ins Boot zu holen und nicht mehr nur Zahlen und Profite im Visir zu haben. Die Mitarbeiter sind das Kapital einer Firma, ihre Inspiration ist der Garant für Erfolg. Und die kann nur auflodern, wo es eine Unternehmens-Vision gibt, für die es sich zu arbeiten und zu leben lohnt und die ermöglicht, dass die individuellen Talente zum Einsatz kommen.

Die Wertschätzung der individuellen Talente ist unabdingbar um die Inspiration von Mitarbeitern zu fördern. Und ich spreche hier von aufrichtiger Wertschätzung und nicht von Manipulation. Manipulation wäre so etwas wie „Müller, das haben sie aber toll gemacht. Wir sollten uns über eine Gehaltserhöhung unterhalten.“ Damit sind Sie wieder bei den „externen“ Motivationsfaktoren, der Karotte und dem Hasen. Es geht auch nicht darum, zu sagen „Sie haben aber eine schicke Krawatte“ oder „Die neue Frisur steht Ihnen gut.“ Aufrichtige Wertschätzung bedeutet, die Talente und damit Seins-Eigenschaften eines Mitarbeiters wertzuschätzen. Wenn Sie Seins-Eigenschaften wertschätzen, dann sagen Sie wie jemand IST, z. B. „Sie sind ein Mensch mit sehr viel Feingefühl. Ich schätze es, wie Sie die Kollegen in kritischen Situationen einfangen.“

Aufrichtige Wertschätzung ist selten geworden in unserer Gesellschaft und vor allem in  Unternehmen. Kürzlich erst sagte mir ein Top-Manager, er könne Wertschätzung gar nicht richtig annehmen, er könne das kaum aushalten und würde das immer schnell abtun. Ja, wir sind es nicht mehr gewohnt, dass wir als Person, als Mensch in unserem Sein wertgeschätzt werden. Doch in dem Moment, in dem Sie jemanden in seinem Sein wertschätzen, geben Sie ihm zu verstehen, dass Sie ihn sehen. Und als Mensch mit Potenzial und Talent wirklich gesehen zu werden, inspiriert (übrigens sowohl den Geber als auch den Empfänger).

Ob ein Mitarbeiter inspiriert ist von einem Projekt, oder generell von seiner Arbeit, können Sie übrigens an den Augen erkennen. Wenn jemand wirklich inspiriert ist, dann brennt er förmlich für etwas und diese Flamme, diesen Funken sehen Sie in den Augen. Es wäre also spannend morgen einmal mit dem „Blick für die Flamme“ in die Firma zu gehen. Oder fragen Sie gelegentlich in der Kaffee-Küche ihre Mitarbeiter und Kollegen einmal „Wofür brennen Sie? Was inspiriert Sie?“ Die Menschen lieben es in der Regel über das zu sprechen, wofür Sie brennen, doch welche Firma interessiert das heutzutage? Läuten Sie eine neue Ära ein. Holen Sie die Mitarbeiter und Kollegen ab und ermöglichen Sie, dass der „Spiritus“ damit in Ihrem Unternehmen durch die Büros und Gänge fliegt.
                                                                          (Autorin: Nicola Nagel)


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