Freitag, 13. Oktober 2017

4 Essenzielle Aspekte um Stress und Burnout zu vermeiden



Im Hinblick auf eine neue Art des Arbeitens ist ein Thema, von dem sich viele Mitarbeiter wünschen, es möge sich verändern, das Thema Stress und Burnout. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in der modernen Leistungsgesellschaft Stress im Job zum Alltag gehört und die Burnout Rate mittlerweile ins unermessliche steigt. Das Büro für Berufsstrategie in Berlin (www.berufsstrategie.de) bringt es in einem Artikel auf den Punkt: Im modernen Arbeitsleben sind die individuellen Anforderungen stark gestiegen. Vielfach wird eine faktische Überlastung aber aus Sorge um die Reputation oder den Arbeitsplatz nicht thematisiert. Hinzu kommt, dass häufig die besonders leistungswilligen Menschen überfordert werden, und diese aus zu großem Verantwortungsbewusstsein dazu neigen, Überforderungen nicht einzugestehen. Parallel zur steigenden Arbeitsbelastung in den letzten Jahren, ist die Anzahl an Mitarbeitern, die deutliche Burnout Symptome bei sich wahrnehmen, massiv gestiegen. In Deutschland befindet sich laut einer aktuellen Umfrage des Markforschungsinstituts EMNID derzeit jeder vierte Arbeitnehmer in einer beruflichen Situation, die einen Burnout begünstigt.

Faktoren, die massiven Stress und Burnout begünstigen, sind beispielsweise ein hoher Grad an Verantwortung, steigender Arbeitsaufwand, die permanente Forderung nach mehr Leistung und oftmals auch zwischenmenschliche Konfliktsituationen. Gängige Burnout Symptome beinhalten nicht zuletzt, dass die Betroffenen sich psychisch und emotional ausgelaugt und ohne  Energie fühlen, teilweise verzweifelt bis depressiv sind, den Eindruck haben, weniger zu erreichen, als sie sollten oder aber den Eindruck haben, im Job nicht das zu bekommen, was sie erwarten. 

Im Rahmen der New Work Bewegung, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt rückt, stehen die Chancen gut, dass eine neue Herangehensweise möglich wird, die Stress und Burnout nicht nur reduziert sondern vorbeugt. Doch was wären essenzielle Komponenten, um Stress und Burnout vorzubeugen? Es hat viel mit menschlichen Fertigkeiten zu tun, die in Vergessenheit geraten sind und im bürokratischen Business Alltag abtrainiert wurden, um im hierarchischen Wettkampf-Gefüge zu überleben.

Vier dieser essenziellen Fertigkeiten sind folgende:

  1. Zentriert sein
  2. Minimierung des Jetzt & Klarheit über das sogenannte Problembesitztum
  3. Bewusstheit über und Inbesitznahme der inneren Gefühlskraft
  4. Der Wechsel zu grenzenloser Selbstverantwortung

Betrachten wir zunächst einmal den ersten wichtigen Aspekt, um Stress und Burnout zu vermeiden.

1.    Zentriert sein
Was bedeutet Zentrum und zentriert sein konkret? Nun, ziehen Sie einmal in Betracht, dass Sie 2 Arten von Zentrum haben: Das physische Zentrum und das sogenannte Seins-Zentrum. Das physische Zentrum befindet sich zwischen Ihren beiden Hüftknochen in der Körpermitte und sorgt für Ihre physische Balance. Sein Standort ist unveränderlich. Darüber hinaus haben wir jedoch auch ein Seins-Zentrum. Das Seins-Zentrum nimmt seinen Ausgang in der Größe einer Grapefruit und ist beweglich. Im Business Alltag tendieren die Menschen dazu, das Seins-Zentrum in den Kopf zu legen, d. h. sie denken, analysieren, diskutieren und rechnen den ganzen Tag. Viele geben ihr Seins-Zentrum – und damit ihre persönliche Kraft und Autorität – jedoch vor allem auch an andere Personen ab (z. B. den Vorgesetzten, die Kollegen, den fordernden Kunden, etc.). Dies passiert in der Regel unbewusst. Eine Person, die ihr Seins-Zentrum abgibt, macht es anderen oft Recht, versucht die Erwartungen anderer zu erfüllen und verhält sich angepasst. Das erweckt einen scheinbaren Eindruck von Sicherheit, weil die andere Person Ihnen dann nichts anhaben kann und möglicherweise sogar mehr Verantwortung übernimmt oder die finale Entscheidung trifft. Was jedoch letztendlich verloren geht, ist Ihre persönliche Kraft. 


Jedes Mal, wenn Sie Ihr Zentrum abgeben, verhalten Sie sich angepasst und erzeugen eine unausweichliche, gegenseitige Abhängigkeit. Dabei kann Ihnen niemand Ihr Zentrum wegnehmen. Andere Menschen können Sie einladen, Ihr Zentrum abzugeben (z. B. der Chef, der Druck auf Sie ausübt oder die Kollegin, die Sie so nett anhimmelt, etc.). Doch letztendlich können nur Sie selbst Ihr Zentrum abgeben. Daher ist es entscheidend, Bewusstheit über das eigene Seins-Zentrum zu bekommen und darüber, was Sie damit tun.
Um aus der Stress-Burnout-Spirale auszusteigen, ist es notwendig zu lernen, zentriert zu bleiben. Wie geht das? Sie nutzen zunächst Ihre Aufmerksamkeit, um zu schauen, wo Ihr Seins-Zentrum gerade ist (möglicherweise im Kopf). Anschließend nutzen Sie Ihre Absicht, um Ihr bewegliches Seins-Zentrum auf Ihr physisches Zentrum legen. Sobald Ihr Seins-Zentrum sich genau am gleichen Ort wie Ihr physisches Zentrum befindet, dann sind Sie zentriert. Wenn Sie zentriert sind – und damit Ihre eigene, kraftvolle Autorität – kommen Sie in einen Zustand gelassener Aufnahmefähigkeit und Ausgeglichenheit, in dem Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr länger darauf gerichtet ist, Erwartungen zu erfüllen. Wenn Sie zentriert sind, können Sie für sich einstehen und sind nicht mehr manipulierbar. Wahre Führungskräfte ermächtigen ihre Mitarbeiter genau dazu.
Hier noch ein Referenzpunkt für eine zentrierte Position: Es gibt Sportarten wie z. B. Fechten, Karate, Taekwondo, Ballett, Capoeira, etc., die eine bestimmte zentrierte Grundstellungen zu Beginn haben. Diese Grundstellungen sind komplett zentriert und geerdet (meist mit leicht gebeugten Knien). Das bedeutet, diese Grundpositionen sind so stabil, dass sie den Sportler nicht aus der Balance bringen können während sich die Person gleichzeitig von dieser Grundposition aus überall hin bewegen kann.
Übrigens können Sie Ihr Seins-Zentrum nicht nur an Personen, sondern auch andere Dinge abgeben, z. B. ein Projekt, die Zeit, den Jahresbonus, Ihre Zielerreichung, etc.

2.    Minimierung des Jetzt & Klarheit über das Problembesitztum
Sobald Sie gelernt haben, zentriert zu sein (das bedarf ein wenig Training), sind Sie in der Lage, Ihr JETZT zu minimieren. Das bedeutet, dass Sie in genau in jedem einzelnen Moment präsent und wach sind. Jetzt … und jetzt … und jetzt … Sie sind mit Ihren Gedanken weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, sondern nur im Hier und Jetzt. Viele Menschen mit Stress- und Burnout-Symptomen leben in einem sehr großen Jetzt. Sie denken beispielsweise in dieser Sekunde schon daran, welche 120 Aufgaben, E-Mails und Termine sie morgen, nächste oder übernächste Woche noch erledigen müssen. Wenn Sie in diesem Moment schon an morgen denken und Angst vor der anstehenden Belastung haben, dann geben Sie Ihr Zentrum an die Zukunft ab und können Ihre Kraft nicht mehr darauf verwenden, was JETZT gerade relevant ist. Gleiches gilt, wenn Sie in diesem Moment noch über letzte Woche nachdenken und Ihr Zentrum damit in die Vergangenheit legen. Denken Sie beispielsweise kurz an ein Tennis Match. Die Spieler müssen in jedem Moment komplett zentriert sein, um in ihrer vollen Kraft zu sein und sich auf den nächsten Ball konzentrieren zu können. Sobald sie ihr Zentrum an den letzten Ballwechsel abgeben oder an ihren nächsten Urlaub, können sie nicht mehr präsent im Match sein. Im Business Alltag ist es gängig, viele Termine und Aufgaben, die innerhalb der nächsten 2-3 Wochen anstehen, auf dem Radar zu haben. Die Sache ist die: Ihre Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit also beispielsweise auf Gesprächstermine legen, die noch gar nicht da sind, oder Diskussionen aus der Vergangenheit in Gedanken immer wieder durchgehen, dann fehlt Ihnen diese Energie in diesem Moment, um in einem wachen und präsenten Seins-Zustand zu agieren.

Zentrieren Sie sich stattdessen (indem Sie Ihre Absicht nutzen) und stellen Sie die Frage, was ist JETZT als nächstes dran? Dann erledigen Sie diese Aufgabe ohne auch nur einmal auf ihre lange ToDo Liste zu schielen.

Wenn Sie zentriert im JETZT und damit Ihre eigene Autorität sind, könnte eine interessante Frage auftauchen: „Wer hat ein Problem?“ Neben der Tatsache, dass gestresste und Burnout gefährdete Menschen oftmals zu viele Dinge auf einmal meinen erledigen zu müssen, kommt es häufig vor, dass sie auch Probleme anderer versuchen zu lösen. Sie geben auch in solch einem Moment ihr Zentrum an eine andere Person ab.

Probleme sind nicht einfach da. Probleme haben immer einen Besitzer. Wenn Sie sich selbst in einer Problemsituation wieder finden, kann es unglaublich kraftvoll sein, wenn Sie sich zentriert Klarheit darüber verschaffen, wessen Problem es ist. Dabei gibt es 3 Varianten:

·         Ich habe ein Problem:
Wenn Sie ein Problem haben, ist es Ihr Problem. Es nicht das Problem von jemand anderem. Übernehmen Sie Verantwortung dafür, dass Sie dieses Problem als maßangefertigtes Lernumfeld für sich kreiert haben. Indem wir mit Problemen umgehen, lernen wir, was wir zu lernen haben. Sie können mit Ihrem Problem machen, was Sie wollen. Sie können es lösen, darüber reden, es ausschmücken, es behalten, etc. Es ist Ihre Verantwortung.

·         Andere haben ein Problem:
Wenn jemand anderes ein Problem hat, heißt das nicht, dass Sie ein Problem haben. Lassen Sie die andere Person ihr Problem haben!  (Selbst wenn es Ihr Chef ist). Diese Person hat hart dafür gearbeitet. Sie hat sich ihr Problem kreiert. Oftmals treffen wir die Unterscheidung nicht und machen das Problem anderer Leute zu unserem eigenen (insbesondere, wenn die andere Person eine Autorität ist). Lassen Sie sie selbst herausfinden, wie sie mit einer gesetzten Grenze oder anderen Schwierigkeiten umgehen, ohne in der Lage zu sein, Sie zu manipulieren, ihr Problem zu lösen, indem sie jammern, Sie meiden, beschimpfen oder trotzig sind. Ein verantwortlicher Weg, mit Problemen anderer umzugehen ist, ihnen  zuzuhören.

·         Es gibt kein Problem:
Sobald Sie sich von der Vorstellung befreien, dass Sie verantwortlich für die Probleme von anderen sind, haben Sie plötzlich wieder all diese Energie für andere Dinge. Wenn Sie Klarheit darüber haben, wessen Problem es ist, öffnet das die Möglichkeit ein interessantes neues Gebiet zu entdecken, wo Sie lebendig und in Beziehung sind und es kein Problem gibt.

Falls Sie gedacht haben, dass die dritte Option ist „Wir haben ein Problem“, stellen sich kurz einmal folgende Frage: Wenn Sie in einer Besprechung sitzen und dann heißt es „Ja, dann müssen wir das mal lösen!“ – wer macht es dann? Richtig, niemand, denn es gibt kein WIR, wenn es zu Verantwortung kommt. Mehrere Menschen können zwar das gleiche Problem haben, doch es kann nur jeder einzelne seinen Anteil an Verantwortung übernehmen, um das Problem zu lösen.


3.    Bewusstheit über und Inbesitznahme von innerer Gefühlskraft
Der dritte essentielle Aspekt, um aus der Stress- und Burnout-Spirale auszusteigen, ist unter Umständen am Herausfordernsten, da es um ein Thema geht, das in der Business Welt Tabu ist: Gefühle.

Im gängigen Business Alltag ist es oberste Priorität, professionell zu sein, sodass viele Menschen es sich zur Gewohnheit gemacht haben, Gefühle hinunterzuschlucken. Das Unterdrücken von Gefühlen ist jedoch genau einer der Hauptfaktoren die zu Stress und Burnout führen. Was genau ist damit gemeint? Ziehen Sie einmal folgendes in Betracht:

Die Haltung der modernen Gesellschaft in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind – grundsätzlich und erst recht nicht im Job. Wer Gefühle im Job zeigt, gilt als schwach, unprofessionell und nicht resilient. Insgesamt gibt es vier große Gefühlsterritorien, die unterschieden werden können: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Es gibt noch weitere Begriffe für Gefühle, die jedoch häufig zu einem der großen Territorien gehören (z. B. gehört Nervosität  in das Territorium der Angst, während Groll in das Territorium der Wut gehört) oder aber eine Vermischung von Gefühlen darstellen. Konkret wird Wut tituliert als irrational, zerstörerisch, unzivilisiert, gefährlich und unprofessionell. Traurigkeit ist nach gängiger Meinung schwach, emotional, zieht andere runter, ist ebenfalls unprofessionell und unangenehm; während Angst als feige, instabil, lähmend, inkompetent und nervenaufreibend dargestellt wird. Freude ist hingegen in Maßen noch in Ordnung, doch wenn Sie zu viel Freude zeigen, sind Sie unrealistisch, kindisch, albern, naiv und nehmen das Leben und die Arbeit nicht ernst. 

Stress und Burnout können sehr schnell entstehen, wenn Sie über einen längeren Zeitraum aufgrund dieser gesellschaftlichen Sichtweise Ihre Gefühle unterdrücken und Sie nicht klar ausdrücken. Dann entsteht sehr schnell eine unbewusste Gefühlsvermischung, die letztendlich dafür sorgt, dass Sie mehr und mehr Energie verlieren und sich letztendlich ausgebrannt und verzweifelt oder depressiv fühlen. Die Vermischung von Gefühlen kann in verschiedenen Kombinationen erfolgen:


Um Gefühle zu entmischen, ist es notwendig, zunächst eine neue Haltung in Bezug auf Gefühle einzunehmen. Die neue Annahme – die uns meist nicht beigebracht wurde – lautet: Gefühle sind neutrale Energie und Information, die Ihnen dienen. Sie sind kein Design-Fehler des Universums. Sie brauchen beispielsweise Ihre Wut, um klare Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen, Ja/Nein zu sagen, Ungerechtigkeit zu erkennen, in Aktion zu treten und Maßnahmen zu ergreifen. Traurigkeit ist eine großartige Gefühlskraft, um sich mitzuteilen, verletzlich zu zeigen, Dinge loszulassen, Mitgefühl zu entwickeln und anderen Raum zu geben. Angst dient Ihnen dazu, Gefahren zu erkennen, Risiken abzuschätzen, aufmerksam und präsent zu sein, im Nichts zu stehen und Neues auszuprobieren; während Sie Freude nutzen können, um begeistert zu sein, andere zu inspirieren, zu experimentieren, Visionen zu haben und voranzugehen. Sobald Sie lernen, die Gefühle zu trennen und in einem sicheren Raum bewusst auszudrücken, erhalten Sie Zugang zu der Energie und Information, die dahinter steckt und das bringt Sie zurück ins Leben.


4.    Der Wechsel zu größerer Selbstverantwortung
Ein weiterer Schritt aus der Stress-Burnout-Spirale ist die Übernahme von größerer  Selbstverantwortung. Das bedeutet, aus dem Opfer-Modus in Bezug auf die Umstände auszusteigen. Wenn Sie Verantwortung übernehmen, können Sie kein Opfer mehr sein. Größere Selbstverantwortung hat dabei etwas mit einer inneren Haltung zu tun. Es geht darum, sich einzugestehen, welchen Nutzen Sie aus dem Stress oder sogar Burnout ziehen und wie Sie dafür gesorgt haben, dass Sie in diese Situation geraten sind. Größere Selbstverantwortung erscheint nicht fair, weil sie keine Hintertürchen offen lässt. Sie hat jedoch nichts damit zu tun, dass Sie die ganze Schuld einer Situation auf Ihre Schultern laden. Vielmehr hören Sie auf, sich über die Situation zu beklagen und werden so zum Schöpfer Ihres eigenen Lebens.

Wenn Sie zentriert sind, im Jetzt präsent sind und gelernt haben, Ihre Gefühlskraft wieder in Besitz zu nehmen, führt größere Selbstverantwortung letztendlich dazu, dass Sie für sich einstehen, Grenzen setzen, Veränderung herbeiführen, sich bewusst Auszeiten nehmen, die Signale Ihres Körpers beachten und sich auf das Wesentliche im Leben besinnen. Denn, so bitter es auch ist, ist eines dennoch klar: mehr und mehr Arbeit, Leistungsdruck und damit verbundener Stress durch Gefühlsvermischungen landeten bisher bei Ihnen, weil Sie es zugelassen haben und keine anderen Möglichkeiten kannten. Jetzt haben Sie neue Möglichkeiten.

Es gibt noch weitere Aspekte zu diesem Thema, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Die vier entscheidenden Komponenten, um aus der Stress-Burnout-Spirale auszusteigen, sind zudem keine Fertigkeiten, die Sie mal eben schnell mit dem Verstand greifen und sofort umsetzen können. Es ist vielmehr ein Prozess, der ein gewisses Training erfordert. Doch wenn Sie sich darauf einlassen, werden Sie erstaunt sein, in welch kurzer Zeit Sie nicht nur aus der Spirale herauskommen, sondern wie viel mehr Lebensenergie und Inspiration sich in Ihrem Leben wieder ausbreitet. Sie werden die Möglichkeit haben, ein völlig neues Spiel zu spielen fernab von Leistungsdruck und Stress. In der New Work Bewegung zählt die Menschlichkeit. Sind Sie bereit, ein neues Spiel zu spielen?

(Autorin: Nicola Nagel)


P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um aus die Stress-Burnout-Spirale zu vermeiden, können Sie in den Possibility Management Trainings von viva-essenza erlernen. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu finden Sie auf: www.viva-essenza.com


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Freitag, 15. September 2017

Der Wolf im Schafspelz – Hast Du Klarheit über Deine Schattenseiten?



Ein entscheidender Aspekt, welche Art von Leben Du kreierst hängt davon ab, ob Du Klarheit und Bewusstheit über Deine sogenannten hellen Prinzipien und vor allem auch Deine Schattenprinzipien hast. Wenn Deine Absichten noch so nobel sind und Du ein erfülltes Leben leben möchtest, so könnte dies herausfordernd werden, wenn Deine unbewusste Schattenseite – Dein innerer Schweinehund - Dein Leben weiterhin untergräbt, indem er z. B. unbewusst gegen andere Menschen und Situationen ankämpft, bewertet, sogenanntes niederes Drama mit Streits, Rechtfertigungen, Jammern und Beschuldigungen anzettelt, manipuliert, arrogant ist, Dich selbst klein macht, in Konkurrenz geht oder sich rächen will.

Jack Kornfield und Joseph Goldstein sprechen in ihrem Buch Einsicht durch Meditation – Die Achtsamkeit des Herzens statt von Schattenprinzipien von sogenannten Nah-Feinden, d. h. Kräften, die den noblen Qualitäten wie Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut und damit einem verantwortlichen Leben entgegenstehen. In ihrem Buch haben sie diese 4 hellen Prinzipien, die entscheidend für ein nährendes Leben und Miteinander sind, näher betrachtet:

Nah-Feinde sind Zustände, die jenen Qualitäten sehr nahe kommen und deshalb leicht mit ihnen zu verwechseln sind, obwohl sie den Originalen ihrem Wesen nach eher entgegengesetzt sind.

Der Nah-Feind der Liebe
Der Nah-Feind der Liebe ist das Anhaften. Anhaften tarnt sich als Liebe. Ich sage: „Ich werde dich lieben, wenn du mich auch liebst.“ Das ist eine Art Händler-Liebe. Dabei denken wir im Grunde: „Ich werde diesen Menschen lieben, solange er sich nicht verändert. Ich werde dieses Ding lieben, wenn es so ist, wie ich es haben möchte.“ Doch das ist nicht Liebe sondern Anhaften. Es besteht ein großer Unterschied zwischen Liebe, die zulässt, respektiert und wertschätzt, und Anhaften, das festhält, fordert und in Besitz zu nehmen versucht. Wenn wir Anhaften mit Liebe verwechseln, so trennt uns das in Wahrheit von unserem Gegenüber. Wir haben das Gefühl, wir bräuchten diesen anderen Menschen, um glücklich sein zu können. Anhaften ist auch der Grund, weshalb wir unsere Liebe nur bestimmten Menschen anbieten und andere davon ausschließen.

Wahre Liebe ist ein universelles, nicht unterscheidendes Gefühl
(Anmerkung für mehr Klarheit: es ist ein helles Prinzip) der Fürsorge und Verbundenheit. Wir können sogar Menschen in diese Liebe einbeziehen, die wir überhaupt nicht mögen oder von denen wir keine gute Meinung haben. (…)

Der Nah-Feind des Mitgefühls
Der Nah-Feind des Mitgefühls ist das Mitleid. Statt die Offenheit des Mitgefühls zu empfinden, sagt das Mitleid: „Oh, wie dieser arme Kerl dort leidet!“ Mitleid schafft eine Spaltung zwischen uns selbst und den anderen; es ist mit einem Gefühl der Distanz und des Abstands von Leiden der anderen verbunden, als ginge es uns selbst anders als ihnen. Mitgefühl hingegen erfährt das Leiden der anderen als Spiegelung des eigenen Schmerzes … Mitgefühl ist die sanfte Bereitschaft des Herzens, auf die eigenen Leiden oder auf die anderer zu antworten, ohne Groll oder Aversion.

Der Nah-Feind der Mitfreude
Mitfreude ist die Fähigkeit, sich über das Glück anderer zu freuen. Der Nah-Feind dieser Eigenschaft ist das sich-messende Vergleichen – das Gefühl, dass unsere Erfahrung uns einem anderen überlegen beziehungsweise unterlegen macht oder uns ihm gleichstellt. Diese Kraft treibt uns dazu, uns im Vergleich mit jemand anderem zu beurteilen. Wir spalten uns und messen, bewerten und bestätigen uns in Bezug auf das Leben eines anderen Menschen. Schon das Vergleichen selbst ist, ganz abgesehen von den Schlüssen, die wir daraus ziehen, eine Quelle des Schmerzes und der Selbsttäuschung. … Mitfreude schließt alle ein, die Glück genießen und bringt uns in Kontakt mit ihnen. Ihr Wohlergehen ist unser eigenes.

Der Nah-Feind des Gleichmuts
Der Nah-Feind des Gleichmuts ist Gleichgültigkeit oder Gefühllosigkeit. Diese Eigenschaft kann sich auf uns selbst, auf unsere Familie, unsere Arbeit oder auf die Probleme der Welt beziehen. Die Stimme der Gleichgültigkeit sagt: „Wen kümmert’s? … Was macht es denn schon aus? Es ist doch ohnehin alles vergänglich!“ Dies ist die Stimme der Furcht vor der Verpflichtung, der es schwerfällt, eine spirituelle Praxis oder eine Beziehung aufrechtzuerhalten oder kontinuierlich einer Arbeit nachzugehen… Gleichgültigkeit kann uns zeitweilig zu einem trügerischen Gefühl des Friedens verhelfen. Dies ist jedoch eine nicht-fürsorgliche Einstellung und ein Rückzug von der Erfahrung; sie schneidet uns von der Lebensenergie ab. Wahrer Gleichmut ist kein Rückzug, sondern eine ausgewogene Öffnung für alle Aspekte des Lebens, ein Engagement für die Ganzheit des Lebens, das mit Fassung und geistiger Ausgeglichenheit einhergeht, ein weises Anerkennen der Natur aller Dinge.

Die Nah-Feinde sind Methoden, mittels derer wir uns aus Furcht vom Leben abtrennen.

(Quelle: Jack Kornfield und Joseph Goldstein, Einsicht durch Meditation – Die Achtsamkeit des Herzen, Arbor Verlag)

Anders gesagt: Nah-Feinde – also Schattenprinzipien – führen zu Resultaten, die einem erfüllten, verantwortlichen Leben entgegenstehen. Doch wir lernen nichts über die sogenannten Schattenprinzipien, obwohl wir ständig davon umgeben sind und die meisten von uns spätestens in der Schule mit dem Schattenprinzip der Konkurrenz und des Bewertens aufgewachsen sind. Da insbesondere diese beiden Schattenprinzipien allgegenwärtig sind, meinen wir, es sei normal zu bewerten, zu kämpfen und zu konkurrieren. Beispielsweise basiert die ganze Wirtschaft, das gesamte Finanzsystem auf dem Schattenprinzip der Konkurrenz, des sich Messens, des Bewertens.

Experiment: Den Nah-Feinden auf die Schliche kommen
Um den Nah-Feinden auf die Schliche zu kommen, ist es hilfreich, dass Du Dir einmal ganz authentisch eingestehst, wo diese in Deinem Leben wirken. Nimm Dir einfach einmal ein weißes Blatt Papier und schreibe jeweils folgende 4 Fragen mit etwas Abstand auf:
  1. Wo, bei wem und in welchen Situationen verhältst Du Dich angepasst und anhaftend?
  2. Wo wendest Du Dich von anderen ab oder sperrst die Ohren zu, weil es ihnen schlecht geht?
  3. Wann und in Bezug auf wen bist Du neidisch?
  4. Gegenüber welchen Situationen und Menschen bist Du gleichgültig? Wo hast Du eine Egal-Haltung eingenommen?

Dann schreibe unter jeder Frage aufrichtig Deine Antwort bzw. liste die verschieden Punkte auf. Allein diese Fragen zu beantworten wird Dir einen Schlüssel geben, warum möglicherweise die Dinge in Deinem Leben noch nicht so laufen, wie Du sie Dir wünschst, obwohl Du vordergründig noble Absichten hast.

Wenn Du diese Übung machst, geht es auch nicht darum, Dich selbst dafür zu geißeln, dass diese Schattenprinzipien bzw. Nah-Feine möglicherweise in Deinem Leben aktiv sind. Wenn Du Dich in Selbstgeißelung wiederfindest, zieh in Betracht, dass auch das ein Schattenprinzip ist. So wie Du die Schattenprinzipien mit anderen Menschen anwendest, kannst Du sie genauso auch in Bezug auf Dich selbst anwenden. Es geht bei Dieser Übung vielmehr darum, Deine Bewusstheit zu schärfen. Je mehr Bewusstheit Du über wirkende Schattenprinzipien und die schmerzhaften Konsequenzen in Deinem Leben bekommst desto mehr wird es Dir gelingen, einen anderen Weg einzuschlagen und sogenannte helle Prinzipien in Deinem Leben wirken zu lassen. Wir leben in einer Dualität, d. h. wir tragen beide Seiten in uns, eine helle Seite und eine dunkle Seite. Die Frage ist, welche Seite die Oberhand hat. Es ist dabei nicht mit einer einmaligen Entscheidung getan. Vielmehr ist es eine Moment zu Moment Entscheidung für den Rest Deines Lebens.

Vielleicht hast Du schon einmal die Geschichte von dem alten Cherokee Indianer und seinem Enkel gehört.

Ein alter Cherokee Indianer lehrt seinen Enkel über das Leben:
“Ein Kampf findet in mir statt,” sagte er zu dem Jungen. “Es ist ein schrecklicher Kampf zwischen zwei Wölfen.“
“Einer ist böse – er is Ärger, Neid, Sorge, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Groll, Minderwertigkeit, Lügen, falscher Stolz, Überlegenheit, Selbstzweifel und Ego.“
Der andere ist gut – er ist Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Freundlichkeit, Güte, Empathie, Großzügigkeit, Wahrheit, Mitgefühl und Vertrauen.“
“Dieser gleiche Kampf findet auch in Dir statt – und in jeder anderen Person auch.”
Der Enkelsohn dachte darüber eine Minute nach und fragte seinen Großvater: „Welcher Wolf wird gewinnen?“
Der alte Cherokee Indianer antwortete: „Der, den Du fütterst.“

Es ist also notwendig, dem inneren Schweinehund auf die Schliche zu kommen. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Das ist ein universelles Gesetz. Welchen Wolf fütterst Du?

Beste Grüße,
Nicola Nagel


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Mittwoch, 9. August 2017

NEW WORK: Organisatorische Resilienz - Wie erfüllt und inspiriert sind Ihre Mitarbeiter?



Heutzutage arbeiten mehr Menschen in bürokratischen Organisationen als je zuvor. Zwischen 1983 und 2014 wuchs die Anzahl der Manager, Leiter und anderen Angestellten in gehobenen Positionen in den USA um 90%. Ein vergleichbarer Trend ist in Europa zu sehen (Quelle: G. Hamel & M. Zanini). Es scheint, als ginge es darum, die Arbeitswelt durch Bürokratie mehr und mehr zu strukturieren und zu kontrollieren. Obwohl zahlreiche Geschäftsführer und Vorstände die gängige Bürokratie mittlerweile anprangern, gibt es gleichzeitig nur wenige, die Erfolge darin haben, sie zu verändern. Die verneinenden Kräfte, die Veränderungen sehr schnell wieder rückgängig machen möchten, sind groß. Fragen wie beispielsweise „Wie soll denn das ohne Bürokratie gehen?“ sind gängig.

Gary Hamel (www.garyhamel.com) hat es in seinem Artikel „Mehr von uns arbeiten in bürokratischen Organisationen als je zuvor“ auf den Punkt gebracht: „Man könnte argumentieren, dass in einer Welt, die sich durch steigende Komplexität auszeichnet, die Bürokratie unausweichlich ist. Wer, wenn nicht leitende Angestellte, sollte sonst all diese ärgerlichen, neuen Themen wie Globalisierung, Digitalisierung und soziale Verantwortung adressieren? Wer sonst sollte all die neuen Einhaltungs-Auflagen in Bezug auf die Themen Diversität, Risiko-Minderung und Nachhaltigkeit erfüllen? Diese Denkweise hat einen Schwall neuer C-Level Rollen hervorgebracht: Chief Analytics Officer, Chief Collaboration Officer, Chief Customer Officer, Chief Digital Officer, Chief Ethics Officer, Chief Learning Officer, Chief Sustainability Officer und sogar Chief Happiness Officer (Anmerkung der Autorin: im Deutschen entspräche das den L-Rollen: Leiter Analytik, Leiter Kollaboration, Leiter Kunden, Leiter Digitalisierung, Leiter Ethik, Leiter Weiterbildung, Leiter Nachhaltigkeit und sogar Leiter für Glück am Arbeitsplatz). Und noch nüchterner betrachtet: wer – wenn nicht Manager – sollte die Alltagsarbeit machen wie planen, priorisieren, zuteilen, überprüfen, koordinieren, kontrollieren, disponieren und vergüten? Trotzdem zeigt unsere Forschung, dass Bürokratie nicht unausweichlich ist; es ist nicht der unvermeidbare Preis, um Business in einer komplizierten Welt zu betreiben. Es ist vielmehr ein Krebs, der die ökonomische Produktivität und organisatorische Widerstandskraft auffrisst.“

Doch was bedeutet organisatorische Widerstandskraft? Im New Work Kontext bedeutet es, das ein Unternehmen mittel- und langfristig in dem Maße Bestand hat, wie seine Mitarbeiter als ein lebendiger Organismus.

Organisatorische Widerstandskraft im neuen Sinne
Drei wichtige Bestandteile von organisatorischer Widerstandskraft im neuen Sinne sind Gesundheit und Inspiration der Mitarbeiter und damit einhergehend das Thema der bewussten Gefühle. Doch an diesen Aspekten hapert es ganz massiv in der Unternehmenswelt. Zwar gibt es in Firmen Gesundheitsprogramme, Sportangebote, Grün-Oasen und sonstige Entspannungsangebote, doch trotzdem können die wenigsten Mitarbeiter sagen, dass ihr Job sie wirklich erfüllt. Sie sind nicht in ihren verschiedenen Körpern genährt. Was bedeutet das?

Es können vier Körper unterschieden werden (in einigen Lehren gibt es sogar noch mehr): physischer Körper, intellektueller Körper, emotionaler Körper und energetischer Körper (siehe Abbildung). Der physische Körper ist allgemein bekannt. Er besteht aus Knochen, Muskeln, Nerven und hat Sinnesorgane. Unter dem intellektuellen Körper versteht man den Verstand mit seinen Gedanken, Ideen und Meinungen. Der emotionale Körper umfasst das emotionale Herz mit Gefühlen. Der vierte Körper ist der sogenannte energetische Körper, der das Sein beinhaltet. Das Sein hat Präsenz, Vision, Bestimmung, Inspiration.

Möglicherweise haben Sie bereits beim Lesen festgestellt, dass Ihnen zwei der genannten Körper – der physische und intellektuelle Körper - bekannt sind, während die zwei anderen – der emotionale und energetische Körper - eher unbekannt sind.


 
Intellektueller Körper im Business Kontext
In der modernen, bürokratischen und auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft wird der intellektuelle Körper besonders genährt. Wissen wird fortlaufend in der Schule, im Studium und im Job vermittelt und ist zudem Dank des Internets und der Medien auch jederzeit verfügbar.  Wissen ist Macht, heißt ein Sprichwort. Wer viel weiß und große fachliche Kompetenz hat, kommt weit, so die Devise. Die Problematik dabei ist, dass der Großteil der Mitarbeiter in Firmen, sich maßgeblich mit ihrem Verstand identifiziert, denn nach wie vor stehen in bürokratischen Unternehmen die Umsatzzahlen im Vordergrund. Es wird analysiert, logisch geschlussfolgert, gerechnet und viel Zeit für logische Problemlösungen aufgebracht. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen, zu strukturieren, Prozessabläufe zu optimieren und Ziele zu erreichen, sodass letztendlich die geforderten Umsatzzahlen erreicht werden. Der intellektuelle Körper wird in der Arbeitswelt genährt durch diskutieren, Angebote schreiben, ein Meeting abhalten, planen, Strategien ausarbeiten, entwerfen, Kurse oder Workshops besuchen, an Konferenzen teilnehmen, eine Firma oder Abteilung führen, etc. Dieser Körper ist bei den meisten Mitarbeitern somit mehr als ausreichend genährt.

Physischer Körper im Business Kontext
Der physische Körper wird ebenfalls bis zu einem gewissen Grad genährt, in der Regel jedoch eher in der Freizeit, als im Job. Nahrung für den physischen Körper ist beispielsweise Bewegung, Sport, nahrhaftes Essen und Erholung in Form von ausreichend Schlaf und Urlaub. Im Job wird es mit diesen Komponenten jedoch bereits herausfordernd. Das fängt bereits beim Essen an. Viele Mitarbeiter stehen so unter Leistungsdruck, dass sie sich wenig bis gar keine Zeit für Pausen nehmen und beim Essen eher auf oftmals ungesundes und wenig schmackhaftes Kantinenessen zurück greifen oder auf den Fast Food Stand nebenan. Auch an der Bewegung mangelt es massiv. 8-12 Stunden im Büro und in Besprechungen zu sitzen, ist alles andere als zuträglich für den physischen Körper. Zwar stellen einige Unternehmen Fitness-Räume zur Verfügung oder bieten finanzielle Boni für Sportkurse in der Freizeit an, doch es ist eher ein geringer Anteil an Mitarbeitern, die das tatsächlich nutzen. Die meisten kommen eher müde und erschöpft aus dem Büro und haben wenig Lust sich dann noch aufzuraffen und zu sporteln.

Erholung, Auszeiten und Entspannung sind jedoch entscheidend. Inspiration und Kreativität können nur entstehen, wenn Geist und Körper sich erholen dürfen. Gerade das ist jedoch ein Thema, das in der gewöhnlichen Arbeitswelt zu kurz kommt. Wo Leistung und Zahlen im Vordergrund stehen, ist Erholung nur möglich, wenn es in den Terminkalender passt und dann in der Regel auch nicht länger als 2 Wochen. In dieser kurzen Urlaubszeit haben die meisten Schwierigkeiten, sich tatsächlich zu erholen, zumal oftmals noch die unausgesprochene Erwartung auf ihnen lastet, trotzdem für die Kollegen oder den Chef erreichbar zu sein, falls etwas Dringendes geklärt werden muss.

Emotionaler Körper im Business Kontext
Der emotionale Körper wird im Arbeitsumfeld – und der modernen Gesellschaft grundsätzlich - so gut wie gar nicht genährt. Nahrung für den emotionalen Körper bedeutet, Gefühle authentisch und verantwortlich auszudrücken und zu nutzen, sowie Offenheit, Verletzlichkeit, Mitgefühl und Zuhören ohne Diskussion zu praktizieren. Gerade das Thema Gefühle ist jedoch in der Business Welt ein absolutes Tabu, denn die Haltung der modernen Gesellschaft in Bezug auf Gefühle basiert auf der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind. Wer Gefühle im Job zeigt, gilt als schwach, unprofessionell und nicht resilient. Insgesamt gibt es vier große Gefühlsterritorien, die unterschieden werden können: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude. Es gibt noch weitere Begriffe für Gefühle, die jedoch häufig zu einem der großen Territorien gehören (z. B. gehört Nervosität  in das Territorium der Angst, während Groll in das Territorium der Wut gehört) oder aber eine Vermischung von Gefühlen darstellen.

Unter der Annahme, dass Gefühle nicht okay sind, ist es somit nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen vermeintliche Resilienz beweisen, indem sie die Gefühle irgendwie unterdrücken, runterschlucken und betäuben. Doch anstatt tatsächlicher Resilienz, also Widerstandskraft gegen Stress, werden sie immer schwächer, landen im Burnout oder haben andere psychosomatische Krankheiten (ziehen Sie einmal in Betracht, dass diese Krankheiten eine Vermischung von unbewussten, unausgedrückten Gefühlen über einen sehr langen Zeitraum sein können). Resilienz bedeutet in unserer Gesellschaft und Business Welt, die Taubheitsschwelle (also die Schwelle bei der Sie ein Gefühl überhaupt als solches wahrnehmen) möglichst hoch zu halten, beispielsweise durch Essen, Fernsehen, exzessiven Sport, Internet, Social Media, Shoppen, Alkohol, Zigaretten und sonstige Drogen. Gefühle, die jedoch nur betäubt werden und keinen bewussten Ausdruck finden, schlagen sich langfristig auf die Gesundheit nieder.

Eine neue Sichtweise in Bezug auf Gefühle basiert hingegen auf der Annahme, dass Gefühle neutrale Energie und Information sind, die Ihnen dienen, sowohl im Job, als auch privat. Sie sind wie ein inneres Navigationssystem, dass Sie zielsicher durchs Leben leitet.
  
Energetischer Körper im Business Kontext
Der vierte Körper ist der sogenannte energetische Körper. Wenn Sie nicht gerade Yoga oder Meditation ausüben, wird dieser wahrscheinlich das größte Rätsel sein. Der energetische Körper ist schwer greifbar und nicht logisch erklärbar, denn er umfasst das Sein, das Präsenz hat. Im gewöhnlichen Arbeitsumfeld ist der energetische Körper – genau wie der emotionale Körper – in der Regel ausgeklammert. Allein das Wort energetisch wird schnell als esoterischer Quatsch abgetan. Doch dieser Körper ist sehr entscheidend im Sinne einer neuen Art des Arbeitens. Das Sein hat nicht nur Präsenz hat, sondern ist vor allem die Quelle von Inspiration und Vision. Dass dieser Körper in der modernen Gesellschaft und gewöhnlichen Business Welt unterdrückt wird, ist dabei nicht verwunderlich. Mitarbeiter, deren energetischer Körper regelmäßig genährt wird, werden sich früher oder später gegen verkrustete Strukturen, die Evolution entgegenstehen, wehren und das wird von Managern, die großen Nutzen aus den bürokratischen Strukturen ziehen, alles andere als befürwortet. Mitarbeiter, die präsent sind und ihrer Inspiration folgen, sind nicht mehr manipulierbar.

Der energetische Körper wird genährt durch Evolution, Kreativität, transformatorische Prozesse, Entwicklung, aufrichtige Teamarbeit, Gemeinschaft, Wertschätzung der individuellen Seins-Qualitäten (im Gegensatz zu manipulierendem Lob) und dadurch, etwas Größerem zu dienen und seine Bestimmung in Aktion zu sein.

Die Antwort auf die Frage WIE? lautet JA!
Und was nun? Wie soll es in Unternehmen bewerkstelligt werden, dass alle vier Körper der Mitarbeiter genährt werden? Genau das ist so eine klassische Frage und es wäre ein leichtes zu sagen „Das geht nicht! Das ist Träumerei!“

Wie Gary Hamel sagt: „Es gibt keinen gut etablierten Weg, um eine post-bürokratische Organisation aufzubauen. Bürokratie einzudrücken erfordert Finesse, nicht brutale Gewalt. Wenn Sie die bürokratische Bremse in Ihrer Firma reduzieren wollen, werden Sie einen Veränderungs-Ansatz benötigen, der aufstrebend, kollaborativ, iterativ und klug ist. Der Schlüssel: revolutionäre Ziele und evolutionäre Wege.“

Somit kann die Antwort auf die Frage „Wie soll es gehen?“ nur lauten: „JA!“ Es geht nicht zuerst um das WIE. Wenn Sie das Wie als erstes beantwortet haben wollen, dann stehen Sie in 5 Jahren immer noch genau an dem gleichen Punkt. Sie planen, forschen, analysieren und schätzen alle Eventualitäten ab, um Sicherheit zu haben, wie es geht, anstatt loszugehen und es auszuprobieren. Bei einer neuen Art des Arbeitens und dem Etablieren von post-bürokratischen Vorgehen, steht jedoch die Verpflichtung als erstes im Vordergrund. Ziehen Sie einmal in Betracht, dass sich neue Möglichkeiten und Gestaltungsoptionen auftun, sobald Sie sich klar für einen neuen Weg entschieden haben. Das ist ein universelles Gesetz. Die Entscheidung und Verpflichtung kommt zuerst. Sie müssen nicht wissen, wie es geht (auch das mag sich für manche Manager wie ein apokalyptischer Albtraum anhören). Im Nichtwissen stehen zu können und auf dem neuen Weg durch permanentes Feedback und Coaching von Kollegen, dem Umfeld, etc. einen Schritt nach dem anderen zu machen, ist Teil einer großen Kompetenz im Rahmen von New Work.  

Sind Sie bereit ein Unternehmen mit zu gestalten, in dem die Mitarbeiter in allen 4 Körpern genährt sind und entspannt mit Inspiration und Leichtigkeit agieren?

Herzliche Grüße, 
Nicola Nagel


Tipp: Mehr zum Thema „New Work“ finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio. Details zur Kraft der Gefühle und ihrem großartigen Nutzen finden Sie darüber hinaus im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.


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