Mittwoch, 14. Oktober 2015

NEW WORK: Im Dienst von etwas Größerem stehen anstatt Dienst nach Vorschrift machen!



Es ist erstaunlich: Die meisten Menschen verbringen den Großteil ihrer Lebenszeit mit einem Job, der ihnen nicht wirklich Spaß macht. Tagein, tagaus. Neulich sagte der Mitarbeiter einer Firma auf die Frage, warum er morgens zur Arbeit gehe: „Warum ich morgens zur Arbeit gehe? Weil ich Geld verdienen muss. Das Leben beginnt erst nach der Arbeit. Das macht doch wohl jeder so. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt!“ Scharfe Worte; und doch trifft es wohl für viele Menschen zu.

In diesem Zusammenhang arbeiten viele Menschen nicht nur weil sie „müssen“, sondern machen darüber hinaus noch „Dienst nach Vorschrift“. Dienst nach Vorschrift ist eine innere Haltung, die sich vielfach in der Stimmung eines Unternehmens, in den Krankheitsraten und in der Entwicklung eines Unternehmens zeigt.

Dabei hat sich die Definition von Dienst nach Vorschrift in den letzten Jahren sehr gewandelt. Wurde früher denjenigen Kollegen, die ein bisschen fauler zu sein schienen und zu einer bestimmten Uhrzeit (z. B. um Punkt 17 Uhr) „den Griffel fallen ließen“ nachgesagt, sie machten ja nur Dienst nach Vorschrift, so hat diese innere Haltung heute eine weitaus größere Dimension erreicht. Dienst nach Vorschrift bezieht sich nicht mehr hauptsächlich auf die Arbeitszeit und eine „faule“ Haltung. Die immer strengeren Vorgaben von Zielen und Aufgabenbereichen und damit die starre Fokussierung auf Zahlen, Umsätze, Marktanteile und Profitmaximierung sorgen vielmehr dafür, dass die Mitarbeiter versuchen, zu funktionieren, den Anforderungen und Vorschriften gerecht zu werden und in der Arbeitswelt zu überleben. Häufig festgelegte Kontroll-Instanzen tun ihr übriges dazu. Die „faule“ Haltung ist also dem Perfektionismus gewichen und dem Versuch, möglichst eine „reine Weste“ zu haben. Sie sind damit beschäftigt, die Ziele zu erreichen, Projekte in vorgegebenen Zeiträumen abzuwickeln, noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit zu bewältigen und bloß keine Fehler zu machen. In unserer schnelllebigen Zeit mit immer rasanteren Veränderungen und zunehmendem Druck sehen sich viele Mitarbeiter gar nicht mehr in der Lage etwas anderes als Dienst nach Vorschrift zu machen. Das Resultat sind Stress, Burnout und andere psychosomatische Krankheiten, ganz zu schweigen von der ständig präsenten Angst, den Job zu verlieren.

In einem großen, weltweit agierenden IT Konzern sind die Profit-Bandagen und Zielvorgaben so straff angelegt, dass Mitarbeiter, die ihre Ziele über 2 Quartale nicht erreichen, Gefahr laufen, postwendend ihren Job zu verlieren. Also versuchen die Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift zu machen, indem sie nicht links und rechts schauen, sondern die Scheuklappen auf das Zahlen-Ziel gerichtet lassen, koste es, was es wolle, zur Not auch die Gesundheit und das Familienleben. Eine traurige Realität in der heutigen Unternehmenswelt. Die hierarchische auf Profit fokussierte Arbeitswelt fördert Einzelkämpfertum, Trennung und Konkurrenz.
Wenn Sie eine Umfrage bei Mitarbeitern in verschiedenen Unternehmen machen in Bezug darauf, wie viele von ihnen tatsächlich sagen würden, dass ihre Arbeit sie erfüllt, so ist das Resultat erschreckend. Nur wenige Mitarbeiter können dies aus ganzem Herzen bestätigen.

Dienst nach Vorschrift schließt auch ein, dass Mitarbeiter in der Regel nur die Aufgaben machen dürfen, die in der Jobbeschreibung stehen. Ob diese ihren Talenten entsprechen oder sie begeistern ist nicht relevant. Hat ein Mitarbeiter sich für einen Job beworben, so sind die Rahmendaten klar. Darüber hinaus kann er sich kaum bewegen, da er sich außerhalb seines Kompetenzbereiches wagen würde und das nicht erwünscht ist. Er wird also durch die Jobbeschreibung per se klein gehalten und in eine Job- bzw. Titelschublade gesteckt.

Der Job wird oftmals als lästiges Übel betrachtet, der vielleicht noch erträglich ist, wenn man mit netten Kollegen das Büro teilt, doch das monatliche Gehalt sehen nicht wenige als „Schmerzensgeld“ für ihre „vergeudete“ Lebenszeit und den Dauerstress an. Die Hauptmotivation Leistung zu erbringen basiert auf Kontrolle und monetärem oder materiellem Ausgleich in Form von Gehalt, Firmenwagen, Boni, Aktienanteilen, extra Urlaubstagen oder sonstigen Sozialdienstleistungen. Die vermeintliche Sicherheit wird zu einem Gefängnis.

Wen wundert es da, dass die Mitarbeiter abends ausgepowert, müde, matt und erschöpft mit dem Gedanken aus dem Büro gehen „Endlich Feierabend. Bloß raus hier.“ Viele haben es sich zur Gewohnheit gemacht, anschließend zuhause erst einmal ein Bier oder ein Glas Wein zur Entspannung zu trinken. Die unbewusste Absicht dieser vermeintlich entspannenden Handlung ist jedoch, die Taubheitsschwelle durch Alkohol möglichst hoch zu halten, um den Erschöpfungszustand des Körpers und mögliche aufkommende Gefühle nicht fühlen zu müssen.

Ein möglicherweise irrführendes Verständnis zum Thema Resilienz trägt sein übriges dazu. Schließlich wird von den Mitarbeitern verlangt, dass sie Ausdauer haben, belastbar und stress-resistent sind, um alle Vorgaben und Vorschriften erfüllen zu können. Das Missverständnis könnte darauf beruhen, dass Mitarbeiter immer wieder hören, dass ihre persönlichen Belange nicht zählen, sondern die Zahlen im Vordergrund stehen und den Druck eben aushalten können und belastbar sein müssen, wenn sie ihren Job behalten wollen. Gefühle sind da keinesfalls erwünscht (Ziehen Sie einmal in Betracht, dass die gängige Meinung über Gefühle in der Gesellschaft folgende ist: Wut ist zerstörerisch, irrational, unhöflich, unkontrolliert, gefährlich, chaotisch und unreif. Traurigkeit ist schwach, emotional, unprofessionell, negativ, ruiniert den Tag der anderen, entmutigt, zu weich und nicht erwünscht. Angst ist instabil, irrational, lähmend, kraftlos, inkompetent und die Person ist feige. Zu viel Freude ist unrealistisch, kindisch, nicht ernst zu nehmen, naiv, albern, unlogisch). Somit ertragen viele die Strapazen und versuchen, Dienst nach Vorschrift zu machen, ohne jedoch eine stabile innere Resilienz entwickelt zu haben, die auf authentischer und archetypischer, d. h. ursprünglicher Gefühlskraft basiert.

Dabei wären es genau diese Gefühle, die wertvoller Raketentreibstoff für Veränderung wären und eine Person belastbar machen ohne auf Kosten der Gesundheit zu gehen. Erst wenn Sie bewusst die vier großen Gefühls-Territorien (Wut, Freude, Traurigkeit, Angst) in Besitz nehmen und die dahinter liegende neutrale Energie und Information erkennen, können Sie diese als Indikator für notwendige Veränderung nutzen. Doch stattdessen retten sich die meisten Mitarbeiter bisher zum nächsten Urlaub. Neulich erwähnte eine Mitarbeiterin, sie denke nur von Urlaub zu Urlaub, denn das sei das einzige, worauf sie sich freuen könne. Zwischen den Urlauben versuche sie nur zu funktionieren und den Erwartungen der Unternehmensleitung bzw. des Vorgesetzten zu entsprechen, also Dienst nach Vorschrift zu machen. Erschreckenderweise erachten es viele Mitarbeiter auch als „normal“, wenn sie zu Beginn des Urlaubs – sobald der Körper nicht mehr unter Strom steht und quasi zusammenbrechen „darf“ - erst einmal krank werden. Was für eine „kranke“ Normalität ist das? Wie weit ist es gekommen in der Unternehmenswelt? Wer bleibt dabei auf der Strecke? Die Menschen und die Erde. Dieses Vorgehen dient unbewusst sogenannten unverantwortlichen Schattenprinzipien, wie z. B. Zerstörung, Konkurrenz, Neid, Habgier, Rache, Missgunst, Arroganz, Ignoranz, Machtmissbrauch etc. Diese zeigen sich nicht nur in der Gesamtfokussierung einer Firma, sondern letztendlich in jeder Besprechung, in jeder einzelnen Person.

Eine ganz andere Art von Arbeitswelt wäre möglich, wenn die Werte und der Kontext in Unternehmen durch die Veränderung der inneren Haltung jedes Einzelnen transformiert würden. Im Gegensatz zu „Dienst nach Vorschrift“ würde die neue Ausrichtung lauten „Im Dienst von etwas Größerem stehen“. Was bedeutet das konkret?

Im Dienst von etwas Größerem zu stehen bedeutet, sogenannten hellen Prinzipien zu dienen, die eine andere und zwar verantwortliche und bewusste Absicht haben, die den Menschen und der Erde dienen, wie z. B. Klarheit, Miteinander, Evolution,  Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Kreativität, Sinnhaftigkeit, Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Authentizität, Kommunikation, Integrität, Verpflichtung, Disziplin, Respekt, Offenheit, Transparenz, Fairness, Möglichkeit, Dienst, Ermächtigung etc.

Hellen verantwortlichen Prinzipien zu dienen bedeutet, den Fokus Richtung Nachhaltigkeit zu verändern und für die Menschen und die Erde zu arbeiten. Die Profitfokussierung weicht der Tragfähigkeit. Tragfähigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur ökologisch tragbar, sondern ökologisch, ökonomisch und sozial tragbar. Tragfähigkeit beginnt dabei vor allem beim Zwischenmenschlichen. Denn so wie wir uns gegenseitig behandeln, so behandeln wir die Erde. Bewusstheit und Verantwortung beginnt bei jedem Einzelnen.

Im Job im Dienst von etwas Größerem zu stehen, würde z. B. bedeuten, für die  gemeinsame Vision einer sinnerfüllten Arbeitswelt zu arbeiten, in der die Menschen ihre persönlichen Talente einbringen können und als einzigartige Individuen gesehen werden, die etwas zu geben haben. Können die Mitarbeiter ihre Talente für eine größere, nachhaltige Vision einbringen, anstatt an einer zahlen-fokussierten Job-Beschreibung gemessen zu werden, so werden sie ermächtigt. Dann sind Inspiration und Begeisterung der Antrieb für ihr Handeln und Sein, anstatt das Gehalt.
Das Leben findet nicht mehr abends nach Feierabend statt, sondern den ganzen Tag. Ein ganz frappierender Unterschied ist, dass Sie am Ende des Tages immer noch voller Energie sind. Im Dienst von etwas Größerem zu stehen schließt ein, dass Sie Ihre Gefühle wieder in Besitz nehmen und diese verantwortlich einsetzen um z. B.

·       mit Ihrer bewussten Wutkraft klare Grenzen zu setzen, Klarheit zu schaffen, tragfähige Entscheidungen zu treffen, Nein bzw. Ja zu sagen, zentriert zu sein anstatt sich angepasst zu verhalten, und in Aktion zu treten,
·       mit Ihrer bewussten Angst Neuland zu betreten, Dinge auszuprobieren, innovativ und kreativ zu sein, Pläne zu machen, präzise zu sein, gefährliche Fragen zu stellen, zu improvisieren, wach und präsent zu sein,
·       mit Ihrer bewussten Traurigkeit authentisch verletzlich zu sein, menschlich und mitfühlend zu sein, aufrichtigen Kontakt herzustellen, alte Dinge loszulassen,
·       mit Ihrer bewussten Freude andere zu begeistern, zu führen, voranzugehen, durch Herausforderungen zu tanzen, leicht zu sein und andere Menschen ohne Grund wertzuschätzen.

Die Inbesitznahme der Gefühle lässt Sie erneut Zugang zu einem unschätzbar wertvollen, inneren Navigationssystem haben, das Sie zielsicher durch das Leben und die Arbeitswelt führt und Sie sinnerfüllt handeln, Grenzen setzen und verantwortlich agieren lässt. Darin zeichnet sich letztendlich stabile, innere Resilienz aus.

Wenn Mitarbeiter eines Unternehmens im Dienst von etwas Größerem stehen, dann steht das Miteinander im Vordergrund. Es geht darum, gemeinsam für die Evolution zu arbeiten, für eine gemeinsame Vision, Möglichkeiten zu erschaffen und an den Projekten zu arbeiten, die jedem Einzelnen inspirieren. Dann beginnt das Leben nicht erst nach der Arbeit, sondern Sie leben in der Arbeit. Mehr noch, Sie nehmen die Arbeit nicht mehr als Arbeit wahr, sondern als inspirierende Zeit im Dienst von etwas Größerem.

Der ein oder die andere mag jetzt sagen, das sei Wunschdenken. Letztendlich liegt es an jedem Einzelnen. Es liegt an Ihnen, für was oder wen Sie arbeiten möchten und wie sie die meiste Zeit Ihres Lebens verbringen wollen.

Der zu Beginn zitierte Mitarbeiter fragte mich am Ende der Besprechung: „Warum stehen Sie denn morgens auf?“ Ich schaute ihn ruhig an. Es war keine Frage aus reiner Neugier. Es war eine echte Frage, die aus seinem Herzen kam, das sich danach sehnte aus der Illusion der Geld-Sicherheit auszusteigen. Also antwortete ich ihm authentisch verletzlich: „Ich stehe nicht auf, weil ich Geld verdienen muss oder reich werden will. Geld ist nicht meine oberste Priorität. Ich stehe auf, weil ich mich entschieden habe, mich in den Dienst von etwas Größerem zu stellen. Die Erde ist kurz vor dem Kollaps. Wir Menschen verbrauchen die Ressourcen von zwei Planeten, obwohl nur einer zur Verfügung steht. Ich liebe die Erde und ich liebe die Menschen und es ist mir ein Herzensanliegen, dass beide gemeinsam in Harmonie existieren können. Meine Vision ist, dass wir eine neue Kultur erschaffen, in der die Menschen bewusst und respektvoll miteinander und mit der Erde umgehen und Unternehmen absolut verantwortlich und nachhaltig agieren. Für diese Vision lebe ich. Das ist meine Inspiration und meine Berufung. Dafür stehe ich jeden Morgen auf.“ Es wurde still im Raum. Es war spürbar, dass sich der innerste Teil dieser Menschen auch nach etwas anderem sehnten, als der gewöhnlichen, stressgeladenen Arbeitswelt und dem Dienst nach Vorschrift. Und genau in diesem authentischen Moment entstand eine ganz besondere Verbindung.

Was ist Ihre Vision? Wonach sehnen Sie sich?

Im Folgenden finden Sie nochmals eine Gegenüberstellung der wesentlichen Unterschiede zwischen „Dienst nach Vorschrift“ und „Im Dienst von etwas Größerem“.

Dienst nach Vorschrift
Im Dienst von etwas Größerem stehen
Für Profitmaximierung
Für die Erde
Für den größtmöglichen Marktanteil
Für die Menschen
Fokus auf Umsatzsteigerung
Fokus auf Nachhaltigkeit (Zwischenmenschlich und in Bezug auf die Ressourcen der Erde)
Einsatz gemäß Job-Beschreibung und vermeintlich fachlicher Kompetenz. Talente sind nicht relevant
Einsatz von persönlichen Talenten und Vorlieben
Antrieb durch monetären oder materiellen Ausgleich (Gehalt, Firmenwagen, sonstige Sozial-Leistungen)
Antrieb durch Inspiration, Vision, Begeisterung
Vorgaben und Ziele erfüllen
Möglichkeiten erschaffen
Das Leben beginnt nach Arbeitsschluss
Leben im Tun und Sein
Arbeit als Pflicht und notwendiges Übel
Arbeit als Möglichkeit der Entwicklung
Hauptsache die Arbeit ist erledigt
Es geht um Evolution
Gehalt wird als „Schmerzensgeld“ gesehen
Gehalt ist nebensächlich
Fördert Einzelkämpfertum
Fördert wahres Miteinander und Zusammenhalt
Die Frage nach dem Sinn wird nicht gestellt
Sinnerfülltes Handeln
Arbeit ist ein Gefängnis
Arbeit ist Erfüllung
Unbewusste Ausrichtung auf Überleben
Bewusste Ausrichtung auf Leben.
Resilienz = Stress und Belastbarkeit auf aushalten i. S. von die Taubheitsschwelle hoch halten
Resilienz = Belastbarkeit durch klare authentische Inbesitznahme der Gefühle als neutrale Energie, Information und damit Wegweiser für Veränderung
Der Job wird als Sicherheit gewertet
Bewusstheit darüber, dass Sicherheit eine Illusion ist
Mitarbeiter darf sich nur in seinem zugeteilten Aufgabenbereich bewegen.
Mitarbeiter bewegen sich Themen- und Bereichsübergreifend, je nachdem, wo ihr Talent und/oder Kompetenz gebraucht wird.

Mitarbeiter dienen unbewusst sog. Schattenprinzipien
Mitarbeiter stehen im Dienst von Hellen Prinzipien

Am Tagesende lautet der Gedanke „Bloß raus hier. Endlich Feierabend. Nach mir die Sintflut.“
Am Tagesende lautet der Gedanke „Oh, schon Abend? Das Projekt ist so inspirierend, ich kann gar nicht aufhören.“
Am Ende des Tages sind die Mitarbeiter ausgepowert, müde, matt, erschöpft und müssen sich erholen
Am Ende des Tages sind die Mitarbeiter immer noch voller Energie und Inspiration
Der Urlaub wird als „Rettungsinsel“ angestrebt und ist dringend notwendig, um sich vom Stress und Druck zu erholen
Urlaub? Ist eine nette Abwechslung, jedoch nicht mehr zwingend erforderlich, um die Batterien aufzuladen.

(Autorin: Nicola Nagel)

Tipp:
Mehr zum Thema „Im Dienst von etwas Größerem stehen“ finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio

Mehr zum Thema „Resilienz“ in Form von authentischer Inbesitznahme der Gefühlskräfte finden Sie im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan



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Samstag, 12. September 2015

Technopenuriaphobie - Die Angst vor dem Verlust der Technik und wie Du sie heilen kannst!



Es ist erstaunlich: In unserer schnelllebigen Zeit sehnen sich im Urlaub viele Menschen nach Ruhe, Entspannung und Zeit ohne Laptop oder lästige Telefonanrufen und doch scheint es den meisten schwer zu fallen, auf die moderne Technologie zu verzichten. Obwohl die Sehnsucht nach Einfachheit und Rückkehr zu langsameren Tempo oftmals groß ist, gelingt es – selbst im Urlaub - nur wenigen, sich auf das Wesentliche und Ursprüngliche zurück zu besinnen. Das Smartphone oder Handy ist ein steter Begleiter, es wird ge-whats-apped, SMS-en verschickt, ge-Skyped, das Navi im Auto oder das portable GPS-Gerät genutzt, wir können jederzeit im Internet Informationen abrufen, wo immer wir auch gerade sind und wir nutzen jeden Tag zig weitere elektrische Gegenstände auf selbstverständliche Art und Weise.

Mitte der sechziger Jahre wurde das Wort Technophobie geprägt, das die Angst vor der aufkommenden Technologie beschreibt. Die Menschen waren damals wesentlich geerdeter und naturverbundener, weil der Technologieboom noch nicht in dem Maße eingesetzt hatte, wie wir ihn heute kennen. Die Menschen befanden sich noch recht weit unten auf der sogenannten Technologie-Leiter. Wenn man sich mit jemandem verabreden wollte, ging man entweder persönlich vorbei und vereinbarte einen Treffpunkt und eine Uhrzeit oder konnte – im besten Fall – ein Festnetztelefon anrufen, um die entsprechende Person zu erreichen. War sie nicht zuhause, so gab es eben keine Option, sie anderweitig zu erreichen. Das Leben war langsamer und gleichzeitig menschlicher, da der persönliche Kontakt mehr im Vordergrund stand. Die Technophobie setzte vor allem mit dem Aufkommen von Computern ein (stell Dir einmal vor, wie es heute ohne Computer, ohne E-Mails, ohne Internet wäre) und verschärfte sich mit Aufkommen des World Wide Webs (also dem Internet).

Heute sind die Dinge ganz anders gelagert. Das Bestreben „ein gutes Leben“ hat immer wieder zu technischen Neuerungen geführt und schließt heute die Nutzung von Technologie wie selbstverständlich ein. Die meisten heute lebenden Menschen wurden weit oben auf der Technologie-Leiter geboren. Sie sind mit der Technologie aufgewachsen und kennen es nicht anders (denke nur einmal an die junge Generation, die selbstverständlich über Facebook mit Freunden kommuniziert. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar). Wir haben viele High-Tech Fertigkeiten erlernt, um in der modernen Gesellschaft und in modernen Städten zu leben bzw. eher zu überleben. Wenn wir irgendwo hinfliegen möchten, buchen wir im Internet einen Flug. Wenn es uns zu kalt ist, drehen wir einfach die Heizung auf. Wenn es uns zu heiß wird, schalten wir die Klimaanlage ein. Wenn wir Hunger haben, gehen wir in den Supermarkt oder machen den Kühlschrank auf und wenn es dunkel wird, knipsen wir das Licht an. Sind wir unterwegs, nehmen wir das Handy oder Smartphone mit, um ständig erreichbar zu sein. Und das Geld kommt jederzeit aus dem Automaten. Die Technologie ist heute nicht mehr wegzudenken. Das vermeintlich „gute Leben“ baut auf Technologie auf, auf Komfort, auf Konsum und der Erleichterung, die all das scheinbar mit sich bringt. Doch dieser vermeintliche Komfort und die Sicherheit sind trügerisch und ein Teil von uns spürt das.

Unter all dem technologischen Komfort liegt eine fortwährend präsente, jedoch sehr subtile und oftmals nicht bewusst wahrgenommene Angst. Es ist die Angst vor dem Verlust der Technik, genannt Technopenuriaphobie. Und diese ist tatsächlich allgegenwärtig. Schau Dich um,  beispielsweise, wenn Du am Bahnhof, in der U-Bahn, in der Fußgängerzone oder einem anderen Ort stehst, wo sich Menschen tummeln. 90% starren in ihre Smartphones und verpassen das, was tatsächlich um sie herum passiert (auf dem Bild ist beispielsweise nur ein Mann von Facebook, Emails und Co. unbeeindruckt).
 

Spannend wird es, wenn es dann eine Störung gibt und der Empfang plötzlich abbricht (z. B. in einem Funkloch). Dann siehst Du Leute, die mit nach oben ausgestreckten Armen in der Gegend herumlaufen, in dem Versuch irgendwo „einen Balken“ (für Empfang) auf ihrem schicken Smartphone zu sehen. Wir sind so an die Technik gewöhnt, dass es fast wie ein Schock-Erlebnis sein kann, wenn die Technologie plötzlich ausfällt.


Neulich war ich beispielsweise selbst kurz mit Technopenuriaphobie konfrontiert. Es ereignete sich, dass mein alter Laptop, der bis dahin brav seine Dienste getan hatte, plötzlich „abrauchte“. Alle Anwendungen wurden beendet und übrig blieb ein schwarzer Bildschirm. Jeglicher Versuch den Laptop neu zu starten, schlug fehl. Zunächst war ich noch relativ entspannt und dachte „Nun gut, dann gehe ich gleich am Montag zum nahegelegenen PC Laden und die werden das gute Stück schon wieder starten können.“ Gesagt getan. Die Technopenuriaphobie kam auf, als der freundliche Angestellte mir eröffnete, ich müsse den Laptop 1-2 Wochen bei ihnen lassen, da sie aktuell viel zu tun hätten. Diese Nachricht löste im ersten Moment regelrechte Verzweiflung aus, eine Mischung aus Wut und Angst, denn: Mein Laptop ist mein Büro! Wenn ich nicht gerade ein Training gebe, arbeite ich fast täglich mit diesem Ding. Ich habe weder Aktenschränke noch sonstige  Papierstapel. Alle Daten, alle Kontakte (hast Du noch ein Adressbuch aus Papier?), alle Unterlagen waren in diesem technologischen Wunderding. Ich konnte doch nicht einfach 2 Wochen nichts tun! Was sollten denn die Kunden denken, wenn ich keine Rückmeldung auf E-Mails gab? Und außerdem musste ich 3 Tage später den August-Newsletter verschicken und dafür noch einen Artikel schreiben und das alles, bevor ich einige Tage Sommerpause eingeplant hatte. Es gab erstaunlich viele Gründe, warum ich dieses kleine technische Meisterwerk von Laptop dringend brauchte. Durch geschicktes Verhandeln konnte ich die angekündigten 2 Wochen schließlich auf 2 Tage reduzieren.

Dies sorgte vorläufig für eine gewisse Entspannung bei mir und ich entschied mich, 2 „Laptop-freie“ Tage zu genießen und ein wenig – wenn auch ungeplanten - Freiraum zu haben. Das war jedoch nur von kurzer Dauer, denn 2 Tage später lautete die Diagnose, dass der Laptop hinüber sei, sozusagen an Altersschwäche gestorben. Mein Büro war tot! Immerhin konnte die Festplatte gerettet werden, doch einige Dinge, wie alte Emails oder Verteilerlisten waren weg. Da war sie wieder, die Technopenuriaphobie. Die Angst vor dem Verlust der Technik, vor dem Verlust der Daten. Glücklicherweise konnte ich genau beobachten, was passierte und stellte mir die einzig wichtige Frage: „Worum geht es denn wirklich im Leben? Hängt mein Leben und meine Erfüllung von einem Laptop und diesen digitalen Daten ab?“ Die klare Antwort war „Nein“. Ich sinnierte weiter, und überlegte was wäre, wenn ich nie wieder einen Laptop für meine Arbeit benutzen könnte und mir wurde klar, dass ich mich trotzdem weiter in den Dienst der Menschen und der Erde stellen könnte, Trainings geben würde und lediglich die Kontakte auf andere Art knüpfen würde. Ab dem Zeitpunkt konnte ich mich entspannen.

Es ist erschreckend, wie sehr wir im Alltag auf die Technologie fixiert sind, ohne darüber nachzudenken. Es ist so selbstverständlich, dass der Strom aus der Steckdose kommt und wir jederzeit und überall online oder erreichbar sein können, dass es uns noch nicht einmal in den Sinn kommt, dass all das möglicherweise nicht mehr zur Verfügung stehen könnte. Doch es ist so. In diesen Zeiten brechen immer mehr stabil geglaubte Strukturen zusammen und die Technologie könnte davon durchaus auch einmal betroffen sein (denke einfach einmal darüber nach, dass Regierungen in der Lage sind, das Internet in Sekundenschnelle abzuschalten, um die Verbindung von Menschen und das Schmieden möglicher Rebellionspläne zu unterbinden). Fakt ist: Wenn uns die moderne Technik im Stich lässt, sind wir aufgeschmissen. Die moderne Technik hat uns von dem Ursprünglichen, der Erde entfremdet und auch von uns selbst entfernt. Wir sind brillant darin, mit High Tech Dingen umzugehen, aber uns wurden keine Fertigkeiten beigebracht, um auf der Erde ohne Technologie zu überleben. Wir haben vergessen, wie wir ohne Bequemlichkeit und Komfort des High-Tech auf der Erde leben können. Wir haben verlernt, unserer natürlichen Intuition und Impulsen zu vertrauen und verlassen uns stattdessen lieber auf online Informationen und unseren logischen Verstand, der diese Informationen aufnimmt und wie eine Maschine verarbeitet.

Der Fokus der meisten Menschen liegt darauf die eigenen Bedürfnisse zu stillen, die oftmals mit Technologie verbunden sind (Geld, das aus Automaten kommt; Autos, die nur mit Elektronik fahren; das Haus oder die Wohnung, die selbstverständlich mit Technologie basierten Elementen ausgestattet sind, usw.). Doch was passiert, wenn die Technik tatsächlich einmal ausfällt? Wenn beispielsweise die Stromversorgung für einige Tage ausfiele, dann wären innerhalb von 2 Tagen die Supermärkte leer gekauft und dann? Nachschub? Fehlanzeige, denn die Logistik- und Versorgungskette basiert auf Strom, Öl und Technologie. Das wäre nur der Anfang.

Wir stehen am Rande der 2. Kopernikanischen Revolution. Die erste bestand in der Erkenntnis, dass sich die Sonne nicht um die Erde, sondern die Erde um die Sonne dreht. Die zweite kopernikanische Revolution beinhaltet, dass wir uns darauf besinnen, dass nicht wir die Erde besitzen (getreu dem Motto „Die Erde ist UNSER Planet“), sondern wir Gast auf der Erde sind. Nicht die menschlichen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt, sondern die Erde. Denn eines ist sicher: Die Erde wird in jedem Fall überleben, ob mit oder ohne die Menschen. Es liegt ein stückweit an uns. Das bedeutet nicht, dass wir zum Mittelalter zurückkehren und ohne Technologie leben sollen. Vielmehr geht es um die Bewusstheit und die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche.

Experiment 1: Wo bist Du abhängig von Technologie?
Überlege einmal, wann und wo Du im Alltag von Technologie abhängig bist und mache Dir bewusst, wie sehr die Technologie Dein Leben in der Hand hat. Hier einige Beispiele:

·     Dein morgendlicher Weckdienst besteht aus einem Radiowecker oder dem sanften Klingelton Deines Smartphones.
·  Der notwendige Kaffee zum Aufwachen kommt aus der elektrischen Kaffee- oder Espressomaschine.
·         Dein Frühstück kommt aus dem elektrischen Kühlschrank.
·      Das Wasser wird mit Technologie in Deinen Wasserhahn geleitet, um zu Duschen oder die Zähne zu putzen.
·         Du brauchst Deine elektrische Zahnbürste.
·         Du rasierst Dich täglich mit Deinem Elektro-Rasierer.
·        Wenn es dunkel ist, machst Du selbstverständlich das Licht an.
·       Du überprüfst morgens als erstes (oder auch ständig tagsüber) ob neue SMS-en, Whatsapp Nachrichten, Facebook Einträge oder Emails angekommen sind (alles kannst Du über Dein Smartphone abrufen).
·         Dein Auto fährt mit Diesel oder Benzin, dass Du selbstverständlich an der Tankstelle tankst.
·    Dein Auto fährt nur, weil ein komplizierter elektronischer Bordcomputer alle Teile im Auto miteinander „sprechen“ lässt. Wenn die elektronische Wegfahrsperre Deines Autos ein Problem meldet, kannst Du nirgends hin.
·    Wenn der Zug oder die S-Bahn einen Oberleitungsschaden hat und Du auf öffentliche Verkehrsmittel zählst, kommst Du nicht zur Arbeit.
·         Deine Reisen buchst Du selbstverständlich online.
·         Kleidung und Bücher kaufst Du auch gerne online.
·         Du gehst nirgends hin ohne Dein Handy.
·         Du liebst Dein Kindle E-Book.
·         Jetzt, wo es kälter wird, drehst Du selbstverständlich die Heizung auf.
·         Du machst Dir Deinen Lieblings-Abendtee mit dem Wasserkocher.
·         Die leckere Pasta kochst Du natürlich auf dem elektrischen Herd.
·        Wenn Du Dein Smartphone zuhause vergisst, gerätst Du unterwegs in Panik, denn Du könntest etwas verpassen.
·         Im Büro kannst Du – genau wie die Kollegen – ohne Laptop gar nichts tun.
·        Wenn Du abends keinen Fernseher anmachen und die Nachrichten oder Deine Lieblingssendung nicht sehen kannst, bist Du grantig. (Wie viele Menschen nutzen Fernsehen – und auch Smartphones - als Ablenkung und zur Vermeidung von Nähe und Gefühlen?)
·         …. Füge Deine eigenen Punkte hinzu.

Die gute Nachricht ist, dass Du Technopenuriaphobie heilen kannst. Es ist ein schrittweiser Prozess, in dem Du zunächst einige Abhängigkeiten auflöst und zusätzlich wieder Low-Tech Fertigkeiten anstatt High-Tech Fertigkeiten erlernst.

Experiment 2: Befreie Dich ein stückweit von Abhängigkeiten
Der zweite Schritt besteht darin, dass Du versuchst, den gewohnten Trott aufzubrechen und Dinge einfach einmal anders zu machen (auch wenn ein Teil von Dir Widerstand hat). Z. B.: 
·         Schaue die nächsten 4 Wochen kein Fernsehen. Nimm wahr, wie Dein Schlaf sich verändert und Du tiefer und entspannter schläfst.
·         Schaue maximal 1-2 Mal pro Tag auf Dein Smartphone anstatt 30-100 Mal. Schaue vor 9 Uhr überhaupt nicht drauf.
·         Finde einen Weg beim Zähneputzen und beim Duschen Wasser einzusparen (z. B. indem Du das Wasser nicht laufen lässt).
·         Versuche 4 Wochen lang nur Dinge zu essen, die ohne Kühlschrank gelagert werden können und trotzdem biologisch sind.
·         Benutze keine Spülmaschine sondern spüle (wassersparend) von Hand.
·         Bevor Du die Heizung auf 20 Grad hochdrehst, mache das Experiment, lieber eine Schicht mehr anzuziehen.
·         Schalte nicht das Licht an, sondern zünde zur Abwechslung eine Kerze an.

Dies sind nur einige Anregungen. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nur so richtig ist. Es gibt kein richtig und kein falsch und es geht auch nicht darum, die Technologie zu verdammen. Es geht bei diesem Experiment vielmehr darum, Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten zu durchbrechen und dabei aufmerksam zu sein, wie möglicherweise Dein Ego rebelliert und lieber den gewohnten, Technologie-abhängigen Trott machen möchte.

Experiment 3: Erlerne Low-Tech Fertigkeiten
Low-Tech Fertigkeiten zu erlernen verbindet Dich nicht nur wieder mehr mit der Erde, es kann auch Spaß machen. In jedem Fall ist es jedoch Box-erweiternd, sprich es wird die eine oder andere Grenze der Komfortzone Deines Egos sprengen und Dir einen neuen Referenzpunkt geben. Hier sind einige Beispiele für Low-Tech Fertigkeiten:

·         Sammele im Wald Holz, schnitze Deinen eigenen Holzlöffel und iss damit für die nächsten 4 Wochen, egal wo und was du isst.
·         Lerne Wildkräuter und Wildpflanzen kennen und ernte sie in der freien Natur. Mache anschließend einen Salat daraus, den Du auch isst.
·         Pflanze selbst Gemüse oder baue Obst an. (Das geht auch in einem Blumenkasten auf dem Balkon, in dem Du z. B. Deinen eigenen Salat anpflanzt).
·         Verbringe mehrere Tage alleine in der Natur, ohne technische Hilfsmittel, fernab jeglicher Zivilisation.
·         Übernachte im Wald.
·         Lerne, von Hand Feuer zu machen.
·         Mache ein Survival Training.
·         Verbinde Dich mit einem Baum (indem Du Dich z. B. eine halbe Stunde an ihn lehnst oder ihn umarmst).
·         Gehe in den Wald uns sammele Waldhimbeeren, -erdbeeren- und -brombeeren. Iss sie stehenden Fußes direkt vom Strauch.
·         Baue Deinen eigenen Bogen aus Holz.
·         Hilf auf einer Alm aus, melke Kühe, lerne Käse und Butter zu machen.
·         Hilf beim Heuen.
·         Pflanze Bäume.
·         Lerne, Deine eigene Zahnpasta und Seife herzustellen.
·         Probiere Pflanzen, die Du nicht kennst. Rieche und schmecke sie. Wenn Du sie im Mund probierst, nimm nur wenig und vertraue Deinem natürlichen Impuls, sie entweder weiter zu kauen und runterzuschlucken oder auszuspucken.
·         Beobachte stundenlang Tiere in freier Wildbahn (nicht im Zoo). Das können auch kleine Tiere sein (Ameisen, Käfer, Vögel, Eichhörnchen…).
·         Lege Dich immer wieder flach auf die Erde und spüre das Leben unter Dir. Lass Dich mit der Zeit immer mehr von dem Schmerz der Erde berühren, den die Menschen ihr durch den Konsum zufügen.

Dies sind nur einige kleine Beispiele, die Du ausprobieren kannst. Du kannst auch hier Deine eigenen Experimente ergänzen.

Ein wichtiger Bestandteil Technopenuriaphobie zu heilen besteht zudem darin, Deine Gefühle wieder in Besitz zu nehmen. Die Menschen leben zum Großteil als Planeten. Planeten haben die Eigenschaft, mehr Energie aufzunehmen, als abzugeben. Sie konsumieren, kopieren, imitieren, verbrauchen, absorbieren. Wir sind in unserer Gesellschaft dazu trainiert worden, als Planeten zu leben, obwohl wir dazu entworfen sind, als Sterne zu strahlen. Im Gegensatz zu Planeten, geben Sterne mehr Energie ab, als sie aufnehmen. Wenn wir als Sterne leben, dann ist der Fokus auf kreieren, experimentieren, forschen, wertschätzen, deklarieren, entdecken, generieren. Wir sind inspiriert und haben ein Talent zu geben. Doch um als Stern leben zu können, ist es entscheidend, die Gefühle wieder in Besitz zu nehmen, die unser inneres Navigationssystem darstellen, das uns zielsicher durch das Leben leitet. Zugang zu den vier großen Gefühlsterritorien von Wut, Angst, Traurigkeit und Freude zu haben, entfacht in uns archetypische Kräfte, die wir brauchen, um authentisch menschlich und verantwortlich im Einklang mit der Erde leben zu können und unsere Bestimmung in Aktion zu sein. Die Gefühle in Besitz zu nehmen ist ein Initiationsprozess, der ermöglicht, dass Du ein Leben im Dienst Deiner Bestimmungsprinzipien führst und dann gewinnt der Begriff „gutes Leben“ plötzlich eine völlig neue Bedeutung, nämlich die von Bedeutung von „Sinnerfüllung“. Bist Du bereit?

Herzliche Grüße,
Nicola Nagel


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Buch-Tipp: „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan, in dem es auch um Technopenuriaphobie und die Notwendigkeit der Inbesitznahme Deine Gefühle geht.


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