Montag, 15. Juni 2015

NEW WORK: Die 3 entscheidenden Komponenten für Evolution



In letzter Zeit nimmt eine Bewegung Fahrt auf, die sich mit neuen Arbeitsweisen und neuen Unternehmensstrukturen beschäftigt. Weltweit gibt es immer mehr Menschen und Initiativen, die die Vision verfolgen, eine neue, für die Menschen und die Erde tragfähige Art des Arbeitens und Wirtschaftens zu etablieren. Dazu gibt es bereits großartige und inspirierende Praxisbeispiele von einzelnen Geschäftsführern und Teams, die mutig vorangehen. Sei es die Firma Semco in Brasilien, die u. a. freie Arbeitszeiten und Offenlegung der Gehälter praktiziert, die Firma Gravity Payments in USA, deren CEO Dan Price auf Kosten seines hohen Managergehaltes seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn von 70.000 Dollar pro Jahr garantiert oder die Farbenwerke Wunsiedel in Deutschland, die sich zu einer Netzwerkorganisation wandeln, in der jeder Mitarbeiter sich nur noch entsprechend seiner Talente und Inspiration den Aufgaben widmet, die er vollverantwortlich und gerne macht. Es gibt noch viele weitere Firmen, die mutig vorangehen. Eines ist ihnen gemein: sie alle sind Pioniere.

So beeindruckt viele Menschen von diesen innovativen Praxisbeispielen auch sind,  so oft werden jedoch auch Stimmen laut, die sagen: „Ja, das geht bei denen, aber bei uns in der Firma oder in einem anderen Konzern ist das doch gar nicht möglich.“ Eine sehr beliebte und bequeme Ausrede, um Veränderung von vornherein zu verhindern und die gewohnten Bahnen nicht zu verlassen. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass Evolution 3 entscheidende Komponenten beinhaltet:

  1. Nichtwissen
  2. Regeln brechen
  3. Schnelles Lernen

1.   Nichtwissen
Aus dem Nichtwissen heraus zu agieren bedeutet, tatsächlich keine Ahnung zu haben, wie es geht. Dieser Aspekt an sich scheint völlig absurd, da in der modernen Gesellschaft der Fokus stark auf Kontrolle und Sicherheit liegt. Die Jahreszahlen, der Gewinn, der Marktanteil, die Versicherungen, alles wird genau geplant. Ein Manager, der keine Antwort auf Fragen hat, auf Kontrolle der Mitarbeiter verzichtet oder keine Ahnung hat, wie sich ein Projekt entwickeln wird, wird schnell als unprofessionell und nicht zurechnungsfähig abgestempelt. Das Patriarchat hat die Menschen gelehrt, es sei besser und absolut notwendig, die Dinge im Griff zu haben, zu wissen wie etwas geht, kein zu hohes Risiko einzugehen und jederzeit eine professionelle Figur zu machen.

Diese Aspekte stehen Evolution jedoch entgegen. Evolution funktioniert nicht mit Kontrolle, Sicherheit, Netz und doppeltem Boden. Oder dachten Sie Galileo Galilei hätte gewusst, wie seine Reise verlaufen würde, als er sich auf den Weg machte zu schauen, ob er am Ende der flachen Erdscheibe tatsächlich mit seinem Schiff über die Kante fällt? Evolutions-Pioniere sind bereit, nicht zu wissen. Menschen mit der Vision, dass ein anderes Arbeiten im Dienst der Menschen und der Erde möglich ist, sind bereit, voranzugehen ohne zu wissen, wie es geht. Die Vision ist in dem Fall wichtiger, als „gut“ auszusehen und von allen akzeptiert und gemocht zu werden.

Um im Nichtwissen stehen zu können, ist eines allerdings entscheidend: Sie müssen mit Ihrer Angst vertraut sein und sie in Besitz genommen haben. Wenn Angst für Sie nicht okay ist, dann werden Sie keinen wagemutigen Schritt in eine völlig neue Richtung machen oder bahnbrechende neue Ideen vorschlagen und ausprobieren.

Angst ist eines von vier großen Gefühlsterritorien (Wut, Freude, Traurigkeit und Angst), die uns im Leben dienen. Angst ist mit den anderen drei Gefühlen zusammen ein zielsicheres Navigationssystem, das Sie durch das Leben und durch Veränderung leitet. Die gängige Meinung über Angst ist jedoch, dass sie schlecht und zu vermeiden ist. Sie ist schwach, negativ, blockierend, gefährlich, lässt Sie als Feigling dastehen, ist unprofessionell und ganz sicher keine Eigenschaft eines kompetenten Mitarbeiters oder Managers. Ein Irrglaube, der über Jahrzehnte in unseren Köpfen genährt wurde (denken Sie nur einmal darüber nach, dass 90% der Medien-Werbungen subtile Angstbotschaften benutzen, um die Menschen zu manipulieren und klein zu halten).

Wenn Angst auf Basis dieses parasitären Irrglaubens für Sie nicht okay ist, werden Sie nicht in der Lage sein, sich pionierhaft in evolutionäres Neuland zu begeben. Dann wird die Angst Sie besitzen und dafür sorgen, dass Sie aufgrund möglichen Gegenwinds, Konflikten oder Kontrollverlust auf Ihrem bekannten Platz bleiben, weil es für Sie zu gefährlich ist, bisherige, längst überholte Regeln zu brechen. Mit dem Glaubenssatz Angst sei negativ und unprofessionell, werden Sie Ihre Komfortzone nicht verlassen und somit vermeiden im Unternehmen möglicherweise gefährliche Fragen zu stellen, auf Missstände hinzuweisen, verrückte Ideen auszuprobieren und Ihre Vision einer neuen Arbeitsweise zu verfolgen.

Die interessante Frage ist: Wenn es sich um einen Irrglauben handelt, was ist Angst stattdessen? Ziehen Sie einmal in Betracht, dass Angst (wie die anderen drei oben genannten Gefühle auch) neutrale Energie und Information ist, die Ihnen dient. Wie könnte Ihnen Angst unter dieser neuen Annahme dienen? Was könnten Sie mit Angst sinnvoll tun? Mit Angst können Sie beispielsweise:

  • Kreativ werden
  • Innovativ sein
  • Verrückte oder bahnbrechende Ideen entwickeln
  • Neues Gebiet betreten und erforschen
  • Planen / vorsichtig sein
  • Wachsam und aufmerksam sein
  • Sich konzentrieren
  • Neugierig sein
  • Präzise sein
  • Gefährliche Fragen stellen
  • Fehler machen
  • Nichtlinear vorgehen
  • Improvisieren
  • Gefahren wittern / Risiken abschätzen

Ist Angst vor diesem Hintergrund nützlich? Ja, auf jeden Fall! Machen Sie sich bewusst, dass Angst nur Angst ist, ein hilfreiches Gefühl, das Ihnen dient.

Wenn Angst für Sie okay ist und Sie Ihre Angst in Besitz nehmen (z. B. indem Sie in einem sicheren Trainingsumfeld einmal 100% maximale Angst in Ihrem Körper spüren und feststellen werden, dass Sie größer sind als die Angst), dann können Sie pionierhaft vorangehen, Ihre Komfortzone verlassen und Ihrer Inspiration folgen, ohne zu wissen, was Sie erwartet oder wie etwas geht.

Evolution beinhaltet Nichtwissen. Evolution entsteht aus dem Nichtwissen. Was bedeutet das konkret? Wenn Sie eine brillante, innovative Idee haben, wie neues Arbeiten funktionieren könnte, dann müssen Sie nicht wissen, wie es genau geht. Es ist nicht notwendig, im Vorfeld bereits die Meilensteine in einem Projektplan niederzuschreiben, alle Details zu kennen oder gar zu wissen, wie sich die Idee bzw. das Projekt entwickeln wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie sich der Vision verpflichten. Der Rest ergibt sich automatisch.

Bedarf es dafür Mut? Ja, durchaus. Doch machen Sie sich bewusst, dass Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.


2.   Regeln brechen
Um eine gesunde und tragfähige Arbeitsweise in Unternehmen initiieren zu können, ist es notwendig, Regeln zu brechen und neue Unterscheidungen zu treffen. Regeln, Annahmen und Unterscheidungen sind Teil des Unternehmenskontextes, die als gegeben betrachtet werden und meist nicht mehr hinterfragt werden.

Evolution in Unternehmen beinhaltet jedoch vor allem auch, neue, verrückte Ideen vorzuschlagen bzw. auszuprobieren. Das kann bereits bei kleinen Dingen beginnen. Ihre Meetings dauerten in der Vergangenheit beispielsweise viel zu lange und die Teilnehmer waren oftmals während dessen mit anderen Dingen beschäftigt? Dann entfernen Sie für das nächste Meeting einmal alle Tische und Stühle aus dem Raum, sodass die Leute in einem offenen Kreis stehen. Lassen Sie sich überraschen, wie schnell und effektiv das Meeting sein wird. Wenn Sie vorher Angst spüren ist das angemessen, denn Sie betreten Neuland (vorausgesetzt, Sie haben solch ein Meeting noch nie gemacht). Sie können nicht wissen, wie die Kollegen reagieren werden, was sie von Ihnen halten werden, ob Sie möglicherweise für verrückt erklärt werden, etc. Haben Sie jedoch die oben genannte neue Sichtweise in Bezug auf Angst verinnerlicht, können Sie sich – sobald Sie Angst spüren – bewusst machen:„Ah! Ich spüre Angst. Angst ist Angst. Nur das. Sie zeigt mir, dass ich jetzt gerade etwas völlig Ungewohntes ausprobiere.“ Dann vertrauen Sie im nächsten Schritt dieser Angst und gehen einfach mutig weiter.

Genauso wie für das kleine Beispiel mit der neuen Raumanordnung können Sie Angst für größere, evolutionäre Ideen nutzen. Viele großartige Ideen, die einen echten Unterschied in Unternehmen machen würden, werden von Mitarbeitern nicht angebracht aus Angst davor, was der Chef oder die Kollegen von ihnen halten werden oder gar aus Angst davor, ihren Job zu verlieren. Der alte Irrglaube über Angst und darüber, dass Regeln in jedem Fall zu befolgen sind, sitzt tief in unseren Zellen. Es ist jedoch höchste Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen und den Weg für neues Miteinander, andere Kommunikations- und Verhaltensformen, neue tragfähige Werte und neue Führungs- bzw. Nicht-Führungsmodelle zu ebnen.

Welche Regeln sind es in Ihrem Unternehmen, die veraltet, nicht zielführend, destruktiv und demotivierend sind und dringend einer Änderung bedürfen? Welche inspirierenden Ideen haben Sie stattdessen?

3.   Schnelles Lernen
Wie bereits erwähnt, bedingt Evolution Nichtwissen. Niemand weiß, wie die Unternehmen der Zukunft genau aussehen werden. Das ist schon allein deswegen nicht möglich, weil jedes Unternehmen andere Mitarbeiter hat, die alle anders ticken und es somit kein einheitliches Konzept gibt. Es gibt kein Patentrezept, wie eine tragfähige Arbeitsweise in Zukunft aussehen wird. Umso wichtiger ist es, Dinge  auszuprobieren, um für das eigene Unternehmen den optimalen Weg zu finden.

Pioniere, Edgeworker, Impuls- und Ideengeber, die ihre Vision einer neuen Arbeitswelt verfolgen, sind bereit, ihre Komfortzone zu verlassen. Im übertragenen Sinne sind sie bereit, zu sterben. Sie fürchten sich nicht davor, Fehler zu machen. Im Gegenteil, sie sind bereit Fehler zu machen, da Fehler für sie nicht negativ, sondern einfach nur glasklares Feedback auf dem Weg der Evolution sind.

Sie praktizieren sogenanntes Schnelles Lernen, das aus 3 Schritten besteht:
  1. GO! => Sie haben eine brillante Idee, gehen los und probieren die neuen Möglichkeiten aus.
  2. Feedback => Sobald Sie losgegangen sind, erhalten Sie unmittelbar Feedback. Dies kann entweder GO! („Das funktioniert!“) oder BEEP! („Das hat nicht funktioniert!“) sein. Machen Sie sich bewusst, dass es tatsächlich nur diese beiden Arten von Feedback gibt. Wenn Sie etwas Neues ausprobieren und ein BEEP! erhalten, bedeutet dies lediglich, dass etwas nicht funktioniert hat. Es ist neutrales Feedback über die Vergangenheit. Gehen Sie dann einfach zum dritten Schritt des schnellen Lernens über.
  3. SHIFT! Haben Sie ein BEEP! erhalten, ist dieser dritte Schritt entscheidend. Verändern Sie etwas und gehen Sie dann wieder los und probieren etwas anderes aus.

Schnelles Lernen ist entscheidend, wenn Sie Neuland betreten. Die Effektivität dieses 3-Stufen-Prozesses ist dabei abhängig von Ihrer Sicht auf Feedback. Ist Feedback für Sie Kritik, negativ, oder gar ein persönlicher Angriff, so werden Sie steckenbleiben. Schnelles Lernen funktioniert nur, wenn Sie Feedback als Gold betrachten und als klaren Indikator dafür, was es auf dem Weg der Evolution zu verändern gilt. Beim Erforschen und Etablieren einer neuen, tragfähigen Arbeitsweise ist es notwendig, das schnelle Lernen in den Alltag integrieren und permanent Feedback von Kollegen einzuholen.

Erinnern Sie sich: Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst. Die Zeit des Wandels in Unternehmen ist bereits angebrochen. Es ist dringend notwendig, alte, nicht mehr dienliche Strukturen, Regeln und Vorgehensweisen über Bord zu werfen und neue, inspirierende und tragfähige Möglichkeiten zu etablieren. Was ist Ihre Vision in Bezug auf neues Arbeiten? Wann beginnen Sie?

Herzlich visionäre Grüße,
Ihre Nicola Nagel


    www.viva-essenza.com  

 
EMPOWERING PEOPLE - FACILITATING CHANGE!

 
Tipp: Mehr zu neuer Feedback-Kultur, schnellem Lernen und vielen evolutionären Aspekten hinsichtlich neuer Unternehmensführung und Arbeitsweise finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio


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Mittwoch, 13. Mai 2015

Die Krux in Bezug auf Vertrauen



Eine Frage, die ich in letzter Zeit häufig gestellt bekomme lautet „Wie kann ich mehr vertrauen?“ Dabei kann sich diese Frage auf sehr unterschiedliche Bereiche im Leben beziehen, sei es beispielsweise auf den Job, die Partnerschaft oder auch die gesellschaftlichen und globalen Veränderungen. Fakt ist, dass es sich um eine Frage handelt, die angesichts der sich schnell verändernden Umstände um uns herum, zunehmend an Relevanz gewinnt. Was dabei auffällt ist, dass viele Personen die Lösung im Außen suchen. Sie suchen nach einem Rezept oder einer Art Medikament, das sie am besten schnell einnehmen können, sodass sie automatisch mehr vertrauen können.

Um der Vertrauenssache auf den Grund gehen zu können, ist jedoch eine andere, weitaus gefährlichere Frage notwendig: „Inwieweit vertraust Du Dir selbst?“

Viele Menschen meinen, Vertrauen ist ein Gefühl, das sich in bestimmten Situationen oder in Bezug auf bestimmte Personen einstellt, oder eben nicht einstellt. Vertrauen ist jedoch kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung. Lassen Sie das einmal kurz sacken: 

Vertrauen ist kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung!

Warum funktioniert es trotzdem meist nicht, aus dem Verstand heraus die Entscheidung zu treffen und dann mehr vertrauen? Wenn Sie mehr vertrauen wollen oder gar wieder an das Urvertrauen andocken möchten, ist ein neuer körperlicher Referenzpunkt notwendig. Mit körperlichem Referenzpunkt ist in diesem Zusammenhang ein Referenzpunkt in den sogenannten vier Körpern – dem physischen, intellektuellen, emotionalen und energetischen Körper – gemeint. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie neben dem physischen Körper noch drei weitere haben: 

·         Physischer Körper: dieser besteht aus Knochen, Muskeln, Organen und er hat Sinne. 

·         Intellektueller Körper: hierbei handelt es sich um den Verstand mit seinen Gedanken, Meinungen, Ideen, etc.

·         Emotionaler Körper: dieser beherbergt die Gefühle – Wut, Freude, Traurigkeit und Angst – vier große, ursprüngliche Gefühlsterritorien, die uns zielsicher durch das Leben leiten, wenn wir sie in Besitz nehmen.

·         Energetischer Körper: hierbei handelt es sich um das Sein, das Präsenz, Vision und eine Bestimmung hat.

Wenn Sie nun ausschließlich mit dem Verstand versuchen zu entscheiden, dass Sie mehr vertrauen, so wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren, weil Sie dadurch keinen neuen Referenzpunkt in den anderen 3 Körpern haben und sich die neue Entscheidung somit nicht in Ihrem Körper verankert. 

Warum fällt es einigen Menschen überhaupt schwer, zu vertrauen? Es gibt sicherlich Menschen oder Situationen, die einfach nicht vertrauenswürdig sind und bei denen Ihnen Ihr  gesunder Menschenverstand bereits sagt, besser nicht zu vertrauen (beispielsweise, wenn Sie nachts von einer Person mit einem Messer in der Hand angesprochen werden). Doch wie ist es in den Fällen, wo Sie eigentlich vertrauen könnten und es dennoch nicht tun? Fehlendes Vertrauen kann verschiedene Ursachen haben. Im Folgenden finden Sie die vier gravierendsten: 

·       Persönliche, „negative“ Erfahrung in einer ähnlichen Situation (z. B. „Ich habe meinem Chef diesbezüglich schon einmal vertraut und es ging schief.“)

·       Übernommene Meinungen und Ängste von anderen Personen. (z. B. „An Deiner Stelle würde ich da nicht so gutmütig vertrauen. Stell Dir mal vor, was da alles passieren kann. Da zu vertrauen ist ja naiv.“)

·       Alte, UNBEWUSSTE Entscheidungen in Bezug auf Vertrauen, die Sie in einer kritischen Situation in Ihrer Kindheit getroffen haben und die Ihnen jetzt als Erwachsener nicht erlaubt zu vertrauen. (z. B. „Vertrauen ist gefährlich“ oder „Ich kann niemandem vertrauen.“ oder „Wenn ich vertraue, werde ich verletzt.“, etc.)

·       Geschichten über sich selbst basierend auf Ihrer eigenen Interpretation oder sich wiederholender, kleinmachender Manipulation durch andere Personen (z. B. „Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Mein Vater traut mir das auch nicht zu.“)

·       Fehlende Bewusstheit über den Nutzen von Gefühlen ist ein weiterer Aspekt, der Vertrauen verhindert. Wenn es beispielsweise nicht okay für Sie ist, Angst zu fühlen, weil Sie möglicherweise gelernt haben, dass Angst schwach, unreif und unprofessionell ist, dann können Sie in unbekannten oder herausfordernden Situationen nicht vertrauen. Stattdessen suchen Sie möglicherweise erst einmal nach einem Konzept oder einer anderen Art von Sicherheit, die Ihnen Beweise liefert, dass Sie vertrauen können. In diesem Fall verwechseln Sie Vertrauen mit konzeptioneller Sicherheit. Auch Wut ist entscheidend, um vertrauen zu können.

Diese Hintergründe und Einflüsse haben mehr Gewicht, als den meisten bewusst ist. Es sind meist diese unbewussten Programme, die verhindern, dass Sie entweder grundsätzlich im Leben oder in bestimmten Situationen nicht vertrauen.  

Mehr zu vertrauen hat sehr viel damit zu tun, inwieweit Sie sich selbst vertrauen. Inwieweit sind Sie z. B. in der Lage, in Gegenwart von anderen Personen auf sich Acht zu geben, beispielsweise in der Form, dass Sie mit Ihrer Wutkraft klare und wirksame Grenzen setzen können? Inwieweit ist es Ihnen möglich, sich selbst und der Situation zu vertrauen, wenn Sie sich einer völlig neuen Herausforderung gegenüber sehen und Angst Sie blockiert? Inwieweit können Sie Ihre eigene Kraft und Autorität behalten, selbst wenn andere Menschen versuchen, Ihnen etwas anderes einzureden?

Um grundsätzlich mehr vertrauen zu können, sind folgende Aspekte hilfreich:

·       Nehmen Sie Ihre Wutkraft in Besitz
In unserer Gesellschaft lernen wir, dass Wut schlecht, unprofessionell, aggressiv und destruktiv ist. Ein Irrglaube, der viele Menschen ihrer Kraft beraubt. Die Wutkraft in Besitz zu nehmen bedeutet, dass Sie in einem geschützten Trainingsraum bewusst beginnen - und auch wieder aufhören - Wut zu fühlen. Wenn Sie einmal 100% maximale archetypische, also ursprüngliche Wut in all Ihren vier Körpern erlebt haben, wissen Sie fortan, dass Sie größer sind als die Wut. Ab dem Moment können Sie die Wut verantwortlich nutzen, um z. B. Grenzen zu setzen, Klarheit zu schaffen, Dinge zu beginnen und zu beenden, JA oder NEIN zu sagen und klare Entscheidungen zu treffen. Durch diese Art der bewussten Gefühlsarbeit, haben Sie eine Erfahrung in allen vier Körpern und damit einen neuen Referenzpunkt, der sich im Körper verankert. Es ist der Referenzpunkt Ihrer innewohnenden Kriegerkraft, der Sie Gewissheit haben lässt, dass Sie sich jederzeit schützen bzw. verteidigen können. Sie können mit Inbesitznahme der Wutkraft wieder vertrauen, auf sich selbst in Gegenwart von anderen Menschen oder in bestimmten Situationen Acht geben zu können. Beispielsweise können Sie mit Wutkraft einer anderen Person, die versucht Ihnen einzureden, dass Sie zu etwas nicht fähig sind, oder dass etwas sowieso schief geht, die klare Grenze setzen, dass Sie sich nicht manipulieren lassen (Wut bedeutet übrigens nicht, dass Sie rumbrüllen. Es geht um Ihre Energie).  

·       Nehmen Sie Ihre Angst in Besitz
Ähnlich wie mit der Wutkraft verhält es sich mit der Angst. Um mehr vertrauen zu können, ist es gleichermaßen wichtig, dass Sie Ihre Angst in Besitz nehmen. In der modernen Gesellschaft werden die Menschen dahingehend manipuliert, dass Angst nicht okay ist. Angst ist etwas für Feiglinge, sie ist schwach, unprofessionell und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Gleichzeitig manipulieren die Medien uns tagtäglich mit subtiler Angst („Wenn Sie xy nicht kaufen, dann gehören Sie nicht dazu.“).Tatsächlich ist Angst jedoch – genau wie Wut, Freude und Traurigkeit – eine archetypische, d. h. ursprüngliche Gefühlskraft in uns, die uns durch das Leben navigiert. Wie wollen Sie in unbekannten Situationen vertrauen, wenn Angst für Sie nicht okay ist? Wenn Sie lernen die Angst bewusst zu fühlen und auch diese bis 100 % Maximum auszudrücken, erkennen Sie, dass Angst nur Angst ist und Sie größer sind, als die Angst. Ab dem Moment können Sie die Angst bewusst nutzen, um z. B. in unbekanntes Gebiet zu gehen, Neues auszuprobieren und vor allem voran zu gehen, ohne zu wissen, wie es geht. Anstatt in beängstigenden Momenten paralysiert oder blockiert zu sein und nicht zu vertrauen, können Sie stattdessen weitergehen und vertrauen. Sie brauchen keine konzeptionelle Sicherheit mehr, sondern wissen, dass Angst einfach nur Angst ist und ein Indikator dafür, dass gerade etwas Ungewohntes oder Neues passiert. 

·       Bleiben Sie zentriert und behalten Sie Ihre Autorität
Wenn Sie komplett zentriert und geerdet sind und Ihre Gefühle in Besitzt genommen haben, sind Sie in der Lage, sich nicht von der Meinung anderer (der Kollegen, dem Partner, den Eltern, den Medien) beeinflussen zu lassen. Stattdessen können Sie in Ruhe die Lage sondieren und bewusst entscheiden, ob Sie jemandem bzw. einer Situation vertrauen, oder nicht. Sind Sie nicht zentriert, so verhalten Sie sich angepasst und versuchen, es anderen Recht zu machen. Wenn Sie sich angepasst verhalten, dann sagen Sie möglicherweise Ja, obwohl Sie Nein meinen, oder lächeln und sind freundlich, obwohl Sie eigentlich eine klare Grenze setzen müssten. Kurzum: Ihre Kraft ist bei der anderen Person oder Situation, aber nicht bei Ihnen. Wie wollen Sie sich selbst und anderen vertrauen, wenn Sie nicht authentisch sind und Ihre Kraft abgeben? Achten Sie also darauf, zentriert zu bleiben (Hinweis: zentriert zu sein bedeutet, dass Sie Ihr Seins-Zentrum auf Ihr physisches Zentrum legen. Mehr dazu im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan oder im viva essenza online Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“ unter http://www.viva-essenza.com/163/publikationen/artikel-archiv.)  

·       Decken Sie alte Glaubenssätze und Geschichten auf
Überprüfen Sie einmal, ob Sie möglicherweise bestimmte Glaubenssätze in Bezug Vertrauen oder auch in Bezug auf sich selbst haben? Was hält Sie davon ab, zu vertrauen? Schreiben Sie einmal alle Glaubenssätze auf. Schreiben Sie auch die wiederkehrenden Situationen auf, in denen Sie nicht vertrauen können. Diese sind in der Regel Hinweise auf alte, unbewusste Entscheidungen, die es zu verändern gilt. Selbst Glaubenssätze, Entscheidungen und Geschichten, die Sie über Jahre hinweg genährt und aufrecht erhalten haben, können Sie verändern. Eine Möglichkeit der Veränderung besteht in bewusster Gefühlsarbeit, denn der Körper hat alle Informationen in seinen Zellen abgespeichert und kann Sie zu dem Ursprung der Entscheidungen zurückführen, sodass eine Veränderung möglich wird. Eine andere Möglichkeit ist energetische Heilarbeit, die ebenfalls auf verschiedenen Ebenen des Körpers arbeitet und destruktive Programme und Muster auflöst. Fakt ist jedoch, dass Sie die Notwendigkeit der Veränderung erkennen und diese aus eigener Initiative in Angriff nehmen müssen. Wenn Sie darauf warten, dass andere ihre Meinungen und ihr Verhalten ändern, damit Sie mehr vertrauen können, dann warten Sie möglicherweise Ihr Leben lang. Vertrauen beginnt in Ihnen selbst. 

Einige Leser mögen sich jetzt fragen „Muss das denn wirklich alles sein, damit ich mehr vertrauen kann?“ Genauso könnte ein Schüler seinem Lehrer die Frage stellen: „Muss ich denn wirklich lernen, um weiterzukommen?“ Sie kennen die Antwort. Wenn Sie andere Resultate in Ihrem Leben erzielen möchten, ist es notwendig, dass Sie bei sich selbst anfangen. Mehr zu vertrauen basiert auf radikaler Verantwortung. Es basiert darauf nicht mehr Opfer der Umstände zu sein, sondern verantwortlich die eigenen Themen anzugehen, die verhindern, dass Sie vertrauen können. 

Vertrauen ist wie gesagt kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung. Es ist eine Moment-zu-Moment Entscheidung, für die Sie innere Klarheit und einen neuen Referenzpunkt in allen vier Körpern brauchen. Sind Sie bereit?

In diesem Sinne vertrauensvolle Grüße,
Ihre Nicola Nagel


Mehr zum Thema:

  • Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan
  •     www.viva-essenza.com  

     
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