Mittwoch, 13. Mai 2015

Die Krux in Bezug auf Vertrauen



Eine Frage, die ich in letzter Zeit häufig gestellt bekomme lautet „Wie kann ich mehr vertrauen?“ Dabei kann sich diese Frage auf sehr unterschiedliche Bereiche im Leben beziehen, sei es beispielsweise auf den Job, die Partnerschaft oder auch die gesellschaftlichen und globalen Veränderungen. Fakt ist, dass es sich um eine Frage handelt, die angesichts der sich schnell verändernden Umstände um uns herum, zunehmend an Relevanz gewinnt. Was dabei auffällt ist, dass viele Personen die Lösung im Außen suchen. Sie suchen nach einem Rezept oder einer Art Medikament, das sie am besten schnell einnehmen können, sodass sie automatisch mehr vertrauen können.

Um der Vertrauenssache auf den Grund gehen zu können, ist jedoch eine andere, weitaus gefährlichere Frage notwendig: „Inwieweit vertraust Du Dir selbst?“

Viele Menschen meinen, Vertrauen ist ein Gefühl, das sich in bestimmten Situationen oder in Bezug auf bestimmte Personen einstellt, oder eben nicht einstellt. Vertrauen ist jedoch kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung. Lassen Sie das einmal kurz sacken: 

Vertrauen ist kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung!

Warum funktioniert es trotzdem meist nicht, aus dem Verstand heraus die Entscheidung zu treffen und dann mehr vertrauen? Wenn Sie mehr vertrauen wollen oder gar wieder an das Urvertrauen andocken möchten, ist ein neuer körperlicher Referenzpunkt notwendig. Mit körperlichem Referenzpunkt ist in diesem Zusammenhang ein Referenzpunkt in den sogenannten vier Körpern – dem physischen, intellektuellen, emotionalen und energetischen Körper – gemeint. Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie neben dem physischen Körper noch drei weitere haben: 

·         Physischer Körper: dieser besteht aus Knochen, Muskeln, Organen und er hat Sinne. 

·         Intellektueller Körper: hierbei handelt es sich um den Verstand mit seinen Gedanken, Meinungen, Ideen, etc.

·         Emotionaler Körper: dieser beherbergt die Gefühle – Wut, Freude, Traurigkeit und Angst – vier große, ursprüngliche Gefühlsterritorien, die uns zielsicher durch das Leben leiten, wenn wir sie in Besitz nehmen.

·         Energetischer Körper: hierbei handelt es sich um das Sein, das Präsenz, Vision und eine Bestimmung hat.

Wenn Sie nun ausschließlich mit dem Verstand versuchen zu entscheiden, dass Sie mehr vertrauen, so wird dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht funktionieren, weil Sie dadurch keinen neuen Referenzpunkt in den anderen 3 Körpern haben und sich die neue Entscheidung somit nicht in Ihrem Körper verankert. 

Warum fällt es einigen Menschen überhaupt schwer, zu vertrauen? Es gibt sicherlich Menschen oder Situationen, die einfach nicht vertrauenswürdig sind und bei denen Ihnen Ihr  gesunder Menschenverstand bereits sagt, besser nicht zu vertrauen (beispielsweise, wenn Sie nachts von einer Person mit einem Messer in der Hand angesprochen werden). Doch wie ist es in den Fällen, wo Sie eigentlich vertrauen könnten und es dennoch nicht tun? Fehlendes Vertrauen kann verschiedene Ursachen haben. Im Folgenden finden Sie die vier gravierendsten: 

·       Persönliche, „negative“ Erfahrung in einer ähnlichen Situation (z. B. „Ich habe meinem Chef diesbezüglich schon einmal vertraut und es ging schief.“)

·       Übernommene Meinungen und Ängste von anderen Personen. (z. B. „An Deiner Stelle würde ich da nicht so gutmütig vertrauen. Stell Dir mal vor, was da alles passieren kann. Da zu vertrauen ist ja naiv.“)

·       Alte, UNBEWUSSTE Entscheidungen in Bezug auf Vertrauen, die Sie in einer kritischen Situation in Ihrer Kindheit getroffen haben und die Ihnen jetzt als Erwachsener nicht erlaubt zu vertrauen. (z. B. „Vertrauen ist gefährlich“ oder „Ich kann niemandem vertrauen.“ oder „Wenn ich vertraue, werde ich verletzt.“, etc.)

·       Geschichten über sich selbst basierend auf Ihrer eigenen Interpretation oder sich wiederholender, kleinmachender Manipulation durch andere Personen (z. B. „Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Mein Vater traut mir das auch nicht zu.“)

·       Fehlende Bewusstheit über den Nutzen von Gefühlen ist ein weiterer Aspekt, der Vertrauen verhindert. Wenn es beispielsweise nicht okay für Sie ist, Angst zu fühlen, weil Sie möglicherweise gelernt haben, dass Angst schwach, unreif und unprofessionell ist, dann können Sie in unbekannten oder herausfordernden Situationen nicht vertrauen. Stattdessen suchen Sie möglicherweise erst einmal nach einem Konzept oder einer anderen Art von Sicherheit, die Ihnen Beweise liefert, dass Sie vertrauen können. In diesem Fall verwechseln Sie Vertrauen mit konzeptioneller Sicherheit. Auch Wut ist entscheidend, um vertrauen zu können.

Diese Hintergründe und Einflüsse haben mehr Gewicht, als den meisten bewusst ist. Es sind meist diese unbewussten Programme, die verhindern, dass Sie entweder grundsätzlich im Leben oder in bestimmten Situationen nicht vertrauen.  

Mehr zu vertrauen hat sehr viel damit zu tun, inwieweit Sie sich selbst vertrauen. Inwieweit sind Sie z. B. in der Lage, in Gegenwart von anderen Personen auf sich Acht zu geben, beispielsweise in der Form, dass Sie mit Ihrer Wutkraft klare und wirksame Grenzen setzen können? Inwieweit ist es Ihnen möglich, sich selbst und der Situation zu vertrauen, wenn Sie sich einer völlig neuen Herausforderung gegenüber sehen und Angst Sie blockiert? Inwieweit können Sie Ihre eigene Kraft und Autorität behalten, selbst wenn andere Menschen versuchen, Ihnen etwas anderes einzureden?

Um grundsätzlich mehr vertrauen zu können, sind folgende Aspekte hilfreich:

·       Nehmen Sie Ihre Wutkraft in Besitz
In unserer Gesellschaft lernen wir, dass Wut schlecht, unprofessionell, aggressiv und destruktiv ist. Ein Irrglaube, der viele Menschen ihrer Kraft beraubt. Die Wutkraft in Besitz zu nehmen bedeutet, dass Sie in einem geschützten Trainingsraum bewusst beginnen - und auch wieder aufhören - Wut zu fühlen. Wenn Sie einmal 100% maximale archetypische, also ursprüngliche Wut in all Ihren vier Körpern erlebt haben, wissen Sie fortan, dass Sie größer sind als die Wut. Ab dem Moment können Sie die Wut verantwortlich nutzen, um z. B. Grenzen zu setzen, Klarheit zu schaffen, Dinge zu beginnen und zu beenden, JA oder NEIN zu sagen und klare Entscheidungen zu treffen. Durch diese Art der bewussten Gefühlsarbeit, haben Sie eine Erfahrung in allen vier Körpern und damit einen neuen Referenzpunkt, der sich im Körper verankert. Es ist der Referenzpunkt Ihrer innewohnenden Kriegerkraft, der Sie Gewissheit haben lässt, dass Sie sich jederzeit schützen bzw. verteidigen können. Sie können mit Inbesitznahme der Wutkraft wieder vertrauen, auf sich selbst in Gegenwart von anderen Menschen oder in bestimmten Situationen Acht geben zu können. Beispielsweise können Sie mit Wutkraft einer anderen Person, die versucht Ihnen einzureden, dass Sie zu etwas nicht fähig sind, oder dass etwas sowieso schief geht, die klare Grenze setzen, dass Sie sich nicht manipulieren lassen (Wut bedeutet übrigens nicht, dass Sie rumbrüllen. Es geht um Ihre Energie).  

·       Nehmen Sie Ihre Angst in Besitz
Ähnlich wie mit der Wutkraft verhält es sich mit der Angst. Um mehr vertrauen zu können, ist es gleichermaßen wichtig, dass Sie Ihre Angst in Besitz nehmen. In der modernen Gesellschaft werden die Menschen dahingehend manipuliert, dass Angst nicht okay ist. Angst ist etwas für Feiglinge, sie ist schwach, unprofessionell und sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Gleichzeitig manipulieren die Medien uns tagtäglich mit subtiler Angst („Wenn Sie xy nicht kaufen, dann gehören Sie nicht dazu.“).Tatsächlich ist Angst jedoch – genau wie Wut, Freude und Traurigkeit – eine archetypische, d. h. ursprüngliche Gefühlskraft in uns, die uns durch das Leben navigiert. Wie wollen Sie in unbekannten Situationen vertrauen, wenn Angst für Sie nicht okay ist? Wenn Sie lernen die Angst bewusst zu fühlen und auch diese bis 100 % Maximum auszudrücken, erkennen Sie, dass Angst nur Angst ist und Sie größer sind, als die Angst. Ab dem Moment können Sie die Angst bewusst nutzen, um z. B. in unbekanntes Gebiet zu gehen, Neues auszuprobieren und vor allem voran zu gehen, ohne zu wissen, wie es geht. Anstatt in beängstigenden Momenten paralysiert oder blockiert zu sein und nicht zu vertrauen, können Sie stattdessen weitergehen und vertrauen. Sie brauchen keine konzeptionelle Sicherheit mehr, sondern wissen, dass Angst einfach nur Angst ist und ein Indikator dafür, dass gerade etwas Ungewohntes oder Neues passiert. 

·       Bleiben Sie zentriert und behalten Sie Ihre Autorität
Wenn Sie komplett zentriert und geerdet sind und Ihre Gefühle in Besitzt genommen haben, sind Sie in der Lage, sich nicht von der Meinung anderer (der Kollegen, dem Partner, den Eltern, den Medien) beeinflussen zu lassen. Stattdessen können Sie in Ruhe die Lage sondieren und bewusst entscheiden, ob Sie jemandem bzw. einer Situation vertrauen, oder nicht. Sind Sie nicht zentriert, so verhalten Sie sich angepasst und versuchen, es anderen Recht zu machen. Wenn Sie sich angepasst verhalten, dann sagen Sie möglicherweise Ja, obwohl Sie Nein meinen, oder lächeln und sind freundlich, obwohl Sie eigentlich eine klare Grenze setzen müssten. Kurzum: Ihre Kraft ist bei der anderen Person oder Situation, aber nicht bei Ihnen. Wie wollen Sie sich selbst und anderen vertrauen, wenn Sie nicht authentisch sind und Ihre Kraft abgeben? Achten Sie also darauf, zentriert zu bleiben (Hinweis: zentriert zu sein bedeutet, dass Sie Ihr Seins-Zentrum auf Ihr physisches Zentrum legen. Mehr dazu im Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan oder im viva essenza online Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“ unter http://www.viva-essenza.com/163/publikationen/artikel-archiv.)  

·       Decken Sie alte Glaubenssätze und Geschichten auf
Überprüfen Sie einmal, ob Sie möglicherweise bestimmte Glaubenssätze in Bezug Vertrauen oder auch in Bezug auf sich selbst haben? Was hält Sie davon ab, zu vertrauen? Schreiben Sie einmal alle Glaubenssätze auf. Schreiben Sie auch die wiederkehrenden Situationen auf, in denen Sie nicht vertrauen können. Diese sind in der Regel Hinweise auf alte, unbewusste Entscheidungen, die es zu verändern gilt. Selbst Glaubenssätze, Entscheidungen und Geschichten, die Sie über Jahre hinweg genährt und aufrecht erhalten haben, können Sie verändern. Eine Möglichkeit der Veränderung besteht in bewusster Gefühlsarbeit, denn der Körper hat alle Informationen in seinen Zellen abgespeichert und kann Sie zu dem Ursprung der Entscheidungen zurückführen, sodass eine Veränderung möglich wird. Eine andere Möglichkeit ist energetische Heilarbeit, die ebenfalls auf verschiedenen Ebenen des Körpers arbeitet und destruktive Programme und Muster auflöst. Fakt ist jedoch, dass Sie die Notwendigkeit der Veränderung erkennen und diese aus eigener Initiative in Angriff nehmen müssen. Wenn Sie darauf warten, dass andere ihre Meinungen und ihr Verhalten ändern, damit Sie mehr vertrauen können, dann warten Sie möglicherweise Ihr Leben lang. Vertrauen beginnt in Ihnen selbst. 

Einige Leser mögen sich jetzt fragen „Muss das denn wirklich alles sein, damit ich mehr vertrauen kann?“ Genauso könnte ein Schüler seinem Lehrer die Frage stellen: „Muss ich denn wirklich lernen, um weiterzukommen?“ Sie kennen die Antwort. Wenn Sie andere Resultate in Ihrem Leben erzielen möchten, ist es notwendig, dass Sie bei sich selbst anfangen. Mehr zu vertrauen basiert auf radikaler Verantwortung. Es basiert darauf nicht mehr Opfer der Umstände zu sein, sondern verantwortlich die eigenen Themen anzugehen, die verhindern, dass Sie vertrauen können. 

Vertrauen ist wie gesagt kein Gefühl. Vertrauen ist eine Entscheidung. Es ist eine Moment-zu-Moment Entscheidung, für die Sie innere Klarheit und einen neuen Referenzpunkt in allen vier Körpern brauchen. Sind Sie bereit?

In diesem Sinne vertrauensvolle Grüße,
Ihre Nicola Nagel


Mehr zum Thema:

  • Buch „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan
  •     www.viva-essenza.com  

     
    CREATING POSSIBILITIES – FACILITATING CHANGE!

     
    viva essenza online Artikel „2011-08-24_Seien Sie Ihre eigene Autorität“ unter http://www.viva-essenza.com/163/publikationen/artikel-archiv



CREATING POSSIBILITIES - FACILITATING CHANGE!
www.viva-essenza.com

Dienstag, 14. April 2015

NEW WORK: Teamwork - Der Umgang mit verneinenden Kräften.



Wenn Menschen zusammen arbeiten, birgt das in der Regel Konfliktpotential, da verschiedene Weltanschauungen, Meinungen und Erfahrungen aufeinander prallen. Was vielen nicht bewusst ist: Es gibt in einem Team meist 3 vorherrschende Kräfte.

1.   Die bejahende oder verbindliche Kraft
2.   Die neutrale Kraft
3.   Die verneinende Kraft

Mit Kraft ist in diesem Zusammenhang die Haltung, Energie und der Drall gemeint, die eine Person in ein Team einbringt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Team handelt, das jeden Tag im Büro gemeinsam arbeitet oder ein Team von Menschen, das kurzfristig in einer Besprechung zusammen kommt. Es kann genauso auf ein Treffen mit Freunden und Familie zutreffen. Sobald mehrere Menschen sich in einem Raum versammeln und sich gemeinsam einem Thema widmen, zeigen sich sehr schnell die 3 oben genannten Kräfte durch die unterschiedlichen Personen. Was sind konkret die Eigenschaften dieser 3 Kräfte?

Die 3 Kräfte und ihre Eigenschaften

1. Die bejahende/verbindliche Kraft
Personen, die die bejahende Kraft repräsentieren, sind die Antreiber im Team. Sie sind von dem Thema, dem Projekt oder dem Vorschlag, um den/das es geht, überzeugt und setzen sich dafür ein. Das bedeutet, dass sie sich auch aktiv einbringen. Sie übernehmen verbindlich Verantwortung und gehen voran. Wird ein neues Thema oder eine neue Idee beleuchtet, so sind die bejahenden Kräfte jene Personen, die sich offen auf das Neue einlassen und mitgehen. Sie entwickeln kreative Ideen und sind bereit loszulegen, zu forschen und zu experimentieren. Dies sind jene Menschen, die in der Lage sind, andere durch ihre eigene Begeisterung mitzureißen oder zu überzeugen. In einem Projekt sind die bejahenden Kräfte sehr wichtig, um konstruktiv und effektiv vorwärts zu kommen. Die bejahenden Kräfte können jedoch auch manchmal etwas zu schnell und forsch vorwärtspreschen und vor lauter Begeisterung kleine, aber sehr wichtige Details übersehen.

2. Die neutrale Kraft
Bei der neutralen Kraft handelt es sich um Personen, die sich noch keine Meinung zu einem Thema gebildet haben und zunächst einmal alle Information wertfrei sammeln und sacken lassen. Sie sind oft stille Beobachter und halten sich in Besprechungen meist zurück. Sie sondieren erst einmal die Lage, bevor sie sich für oder gegen etwas entscheiden. Diese Kraft wird auch die „kraftfreie Kraft“ oder die „erhaltende Kraft“ genannt, da sie die gewisse Ruhe und Stabilität in ein Team bringt, die für Evolution notwendig ist und die temperamentvolleren bejahenden und verneinenden Kräfte in Balance hält. Ohne die neutrale Kraft im Raum, kann es schnell passieren, dass sich die beiden anderen Kräfte eine hitzige Diskussion liefern. Es reicht oftmals schon die Präsenz der neutralen Kraft im Raum. Die neutrale Person muss gar nicht viel sagen.

3. Die verneinende Kraft
Die dritte Kraft im Bunde ist jene, die wohl viele Menschen als die „schwierigste“ bezeichnen würden. Eine Person in einem Team zu haben, die eine verneinende Kraft darstellt, kann sehr herausfordernd sein, wenn man nicht weiß, wie man mit solch einer Kraft am besten umgeht.

Die verneinende Kraft ist eine Person, die bei Projekten oder in Besprechungen gegen eine konkrete Vorgehensweise, Idee, Abmachung oder Entscheidung ist. Sie hat eine ablehnende Haltung und bringt ihren Unmut entweder ganz klar zum Ausdruck oder zieht sich - innerlich grollend und die Arme oftmals vor der Brust verschränkt - zurück. Solche Personen äußern beispielsweise, dass:

·         etwas schlecht/falsch ist
·         etwas nicht funktionieren kann
·         etwas so nicht möglich ist
·         sie unter den Umständen nicht arbeiten können/wollen/werden
·         ein Projekt besser gestoppt werden sollte

Verneinende Kräfte haben die Tendenz, Dinge sehr schnell als schlecht, falsch oder nicht machbar zu bewerten. Es sind Personen, die das Haar in der Suppe oder die Nadel im Heuhaufen suchen und auch finden und meist äußern sie ihre Bedenken - wenn nicht sogar ihre Empörung - über ein bestimmtes Thema. Diese Personen werden von Kollegen gerne als „Querulanten“ bezeichnet, die  es anderen schwer machen oder aber als „Schlusslichter“, die noch nicht verstanden haben, worum es nach Ansicht der anderen Team-Mitglieder geht.

Möglicherweise haben Sie folgenden Satz schon öfter gehört oder gar selbst gesagt oder gedacht: „Herrje, wenn der/die nicht wäre, könnte alles so einfach sein.“ Die bejahenden und neutralen Kräfte in einem Team nehmen die verneinende Kraft oftmals als unangenehmen Störfaktor wahr, den es am besten zu beseitigen gilt.

Fakt ist jedoch: Die verneinende Kraft ist notwendig!

Lassen Sie das einmal sacken. Die verneinende Kraft ist absolut notwendig in einem Team! Wenn sie keine verneinende Kraft haben, dann kann es passieren, dass sie ein euphorisches Team haben, das schnell den Boden unter den Füßen verliert und vor lauter Begeisterung wichtige Aspekte nicht sieht. Die verneinende Kraft sorgt in einem Team dafür, nicht von der Realität abzudriften. Oftmals ist es so, dass verneinende Kräfte entscheidende Kritikpunkte einbringen, die zwar möglicherweise dafür sorgen, dass eine erneute Diskussions- oder Planungsrunde durchlaufen werden muss, dadurch jedoch eine neues, stabileres Fundament für das Projekt geschaffen wird oder gar noch effektivere Ideen entwickelt werden. 

Die meisten Mitarbeiter versuchen, die verneinenden Kräfte loszuwerden, sie zu überstimmen, zum Schweigen zu bringen oder zu ignorieren. Doch genau dadurch geht in einem Team wertvolles Potenzial und wertvoller Genius verloren. Was dann letztendlich unterschwellig bleibt ist Groll. Darüber hinaus ist die Krux an der Sache folgende: Sobald Sie die aktuelle verneinende Kraft losgeworden sind, wird in Kürze die nächste verneinende Kraft auftauchen. Wenn Sie beispielsweise eine Besprechung leiten, in der eine Person die stark verneinende Kraft ist und – aus welchem Grund auch immer - den Raum irgendwann verlässt, werden Sie feststellen, dass sich die Stimmung zwar kurzfristig ändert, es jedoch auch nicht lange dauert, bis die nächste Person die Rolle übernimmt. Und Achtung: Falls Sie keine verneinende Kraft im Raum bemerken, schauen Sie einmal bei sich selbst. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Sie selbst die verneinende Kraft sind. Alternativ kann es auch passieren, dass eine verneinende Kraft von außen hinzukommt, sei es in Form einer anderen, außenstehenden Person (z. B. des Vorstands, der plötzlich Einwände gegen das Projekt hat) oder auch in Form von neu auftauchenden Informationen oder Gegebenheiten, die im Team nicht berücksichtigt wurden.

Wichtig ist an dieser Stelle anzumerken, dass eine Person nicht permanent die Rolle einer der drei Kräfte übernimmt, also nicht dauerhaft die bejahende, ständig die verneinende oder immerzu die neutrale Kraft ist. Vielmehr wechseln die Rollen, manchmal sogar in Lichtgeschwindigkeit. So kann es sein, dass  eine Person in einer Besprechung beispielsweise zunächst die verneinende Kraft ist, durch neue Klarheit, Information und Unterscheidungen zum Thema/Projekt jedoch zur neutralen oder gar bejahenden Kraft wechselt. 

Die spannende Frage, die sich stellt ist: wie gehen Sie mit der verneinenden Kraft um? Die höchste Kunst besteht darin, die verneinende Kraft einzubinden. Wenn Sie es nicht schaffen, die verneinende Kraft in das Team einzubinden, dann haben Sie eine Person an Bord, die gegen Sie arbeitet und das gesamte Team bzw. Projekt unbewusst untergräbt. 

Wie schaffen Sie es also, die verneinende Kraft einzubinden? Hier einige Möglichkeiten:
·         Seien Sie ein komplettes JA für die Person:
Ein JA für eine Person zu sein, beginnt mit Ihrer inneren Haltung. Wenn beispielsweise eine verneinende Kraft äußert „Das kann ja jetzt wohl nicht Ihr Ernst sein!“ oder „Also mit der Entscheidung/dem Vorschlag bin ich ganz und gar nicht einverstanden.“ kann es sehr leicht passieren, dass sich Ihr eigenes Ego möglicherweise angegriffen fühlt. Das eigene Ego reagiert dann auf diese verneinende Kraft mit Abwehrhaltung und Gedanken wie „Was für ein Idiot!“ oder „Was hat die denn für ein Problem?“ oder „Muss das jetzt sein“. In dem Moment findet sofort eine Abwertung der verneinenden Kraft statt. Im Nu sind Sie selbst im Widerstand und damit eine verneinende Kraft in Bezug auf die verneinende Kraft. Eine andere Reaktion könnte darin bestehen, dass Sie sich erschrecken, weil jemand ablehnend reagiert und dann selbst in eine Art „Schockstarre“ verfallen.

Entscheidend ist jedoch, dass Sie in dem Moment, wo die verneinende Kraft sich zeigt, die Energie am Rollen halten, OHNE (!!!) die verneinende Kraft in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen und die gesamte Besprechung nur noch auf sie auszurichten. Das kann damit beginnen, dass Sie bewusst für sich identifizieren „Ah, da ist die verneinende Kraft“ und diese gedanklich willkommen heißen und dankbar sind, dass sie sich zeigt. Dadurch bleiben Sie offen für Impulse, die diese Person einbringt, anstatt mit Widerstand auf die verneinende Kraft zu reagieren.

Machen Sie sich bewusst, dass hinter der ablehnenden Haltung der verneinenden Kraft ein Gefühl steht, das meist Wut, Angst oder Traurigkeit ist (z. B. darüber, dass eine Veränderung ansteht, die die Person zwingt, Altes loszulassen, oder mehr Verantwortung zu übernehmen, oder in unbekanntes neues Gebiet zu gehen, etc.).

·         „Ja UND…“ anstatt „Ja, ABER…“
Die verneinende Kraft im weiteren Verlauf einzubinden, erfordert Finger-spitzengefühl und ist abhängig davon, welche Art von Ablehnung diese Person zeigt. Egal, was die verneinende Kraft äußert, ein wahres Wundermittel ist die simple Formulierung „Ja, UND…“ anstatt „Ja, ABER…“. Sobald Sie auf den Kommentar einer verneinenden Kraft mit „Ja, ABER…“ reagieren, machen Sie das zunichte, was die Person zuvor gesagt hat, sodass sich die ablehnende Kraft meist noch verstärkt. Probieren Sie es also fortan einmal mit „Ja, UND…“ (übrigens unabhängig davon, mit welcher Art von Kraft/Person sie sprechen. Es ist ein wirklich interessantes Experiment).

·         Wertschätzung der Seins-Qualitäten
Was verneinende Kräfte am wenigsten erwarten, ist Wertschätzung, denn im Business Kontext und auch generell in der modernen Gesellschaft, ist es eher üblich, Positionen zu verteidigen bzw. störende Positionen zu vernichten. Wertschätzung der verneinenden Kraft kann beispielsweise damit beginnen, dass Sie aufrichtig wertschätzen, dass die verneinende Kraft ihre Bedenken äußert („Danke für Ihre Klarheit und Offenheit, diesen Punkt anzusprechen.“). Anstatt das Bedenken tragende Ego der anderen Person zu sehen (sozusagen ihren Überlebensmechanismus), richten Sie den Fokus auf die Seins-Qualitäten der verneinenden Kraft. Diese Person hat möglicherweise ein besonderes Gespür und Qualitäten wie Weitblick, Klarheit, Achtsamkeit, Präzision, Disziplin, oder andere, die für das Team wichtig und nützlich sind.

·         Kommunikation vollenden
Um eine verneinende Kraft einbinden zu können, ist es entscheidend, dass diese Person sich gehört fühlt, ihre Kommunikation also vollendet wird. Das gelingt, indem Sie eine sogenannte Vollendungsschleife machen. Das bedeutet, dass Sie sinngemäß – nicht papageienhaft - wiederholen, was Sie die Person haben sagen hören und zwar als Aussage (sie gehen mit der Stimme am Ende runter), nicht als Frage (sie würden das in Frage stellen, was die andere Person gerade gesagt hat). Als Aussage hat die Wiederholung einen anderen Drall, als die Frageformulierung und die verneinende Kraft kann mit einem simplen „Ja“ darauf antworten. Dieses Ja vollendet die Kommunikation, sodass die Person zur nächst tieferen Ebene vordringen kann und möglicherweise kundtut, was hinter ihren Bedenken steckt. Dadurch kann ein sehr offener und vertrauter Raum entstehen, in dem das Team mehr und mehr zusammenwächst.  (Details zu Kommunikation und Vollendungsschleife finden Sie auch in dem Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“)

·         Abholen und Einbinden
Ein weiterer wichtiger Aspekt, eine verneinende Kraft einzubinden ist, ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihre Ideen einzubinden. Wenn beispielsweise eine Person gegen einen Vorschlag ist, wäre die nächste Frage für diese verneinende Kraft: „Welche Möglichkeiten siehst Du noch? Du hast schon … Jahre Erfahrung. Was ist Deiner Meinung nach sinnvoll?“

Die verneinende Kraft abzuholen kann auch bedeuten, sie zu fragen, was genau sie braucht, um eine neue Entscheidung/einen neuen Vorschlag mittragen zu können. Fragen Sie einfach ganz direkt: „Was bräuchtest Du, um den Schritt mitzugehen?“ oder etwas indirekter (manchen Personen fällt es leichter zu antworten, wenn sie eine vermeintlich theoretische Frage gestellt bekommen): „Wenn Du die Möglichkeit hättest, alles aufzuzählen, was Du brauchst, um das Projekt unterstützen zu können, was wäre das?“

Diese Möglichkeiten zur Einbindung von verneinenden Kräften in das Team sind meist sehr fruchtbar. Nun gibt es jedoch noch 2 besondere Arten von verneinenden Kräften, die an dieser Stelle erwähnenswert sind und die möglicherweise ein anderes Vorgehen verlangen.

3.1 Die stille verneinende Kraft
Es gibt verneinende Kräfte, die ihren Unmut nicht äußern, sondern einfach stillschweigend, jedoch mit spürbar ablehnender oder bockiger Haltung im Raum sitzen. Es wäre natürlich ein Leichtes, sie dort einfach sitzen zu lassen, doch einen Gefallen tun Sie sich damit nicht. Das Ignorieren oder Übergehen von verneinenden Kräften kommt früher oder später als Boomerang zu Ihnen zurück.

Nehmen Sie diese Art verneinender Kraft wahr, machen Sie sie jedoch nicht zum Mittelpunkt. Entscheidend ist, dass Sie einfach einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit nutzen, um diese Person als Teil des Teams zu sehen und energetisch mit einzubinden, anstatt auszugrenzen. Manchmal ist das schon ausreichend, denn stille verneinende Kräfte verdauen Informationen oftmals für sich, bevor sie den Widerstand aufgeben. Und die verneinende Kraft kann unbewusst spüren, ob Sie sie energetisch einbinden, oder ausgrenzen. Achten Sie lediglich darauf, dass die Person mit „dabei bleibt“ und nicht einschläft oder abdriftet.

Falls diese Person sich nicht irgendwann von selbst äußert, sprechen Sie sie an und binden sie dadurch ein: „Wie geht es Dir mit dem Thema?“ oder „Mir ist es wichtig, Deine Meinung dazu zu hören.“

3.2 Die manipulierende verneinende Kraft
Eine weitere, spezielle Form von verneinender Kraft ist die manipulierende verneinende Kraft. Solch eine Person setzt sogenannte Schattenprinzipien ein, um z. B. ihre eigenen Interessen zu verfolgen, sich an jemandem zu rächen, Macht auszuüben oder andere auszugrenzen. Manche manipulierenden verneinenden Kräfte sind grundsätzlich erst einmal gegen alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen, im Mittelpunkt stehen zu können und dann alle anderen im Team nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Schattenprinzipien sind z. B. Groll, Rechthaberei, Besserwisserei, Zerstörung, Rache, Eifersucht, Neid, Gier, Manipulation, Machtmissbrauch, Ignoranz, Arroganz, Mobbing, etc. Wie gehen Sie nun damit um?

·         Metagespräch aufsetzen
Wenn Sie merken, dass eine verneinende Kraft versucht, das Team zu manipulieren und die oben genannten Möglichkeiten zum Einbinden nicht funktioniert haben, könnte es nützlich sein, ein sogenanntes Metagespräch aufzusetzen. Ein Metagespräch ist ein Gespräch über das Gespräch. Das heißt, Sie gehen weg vom ursprünglichen Inhalt der Besprechung und sagen, was Sie gerade wahrnehmen. Das kann entweder konkret an die verneinende Kraft adressiert sein oder aber einfach in den Raum gesprochen werden. Sie könnten z. B. sagen: „Ich würde gerade gerne kurz einhaken. Ich nehme wahr, dass in diesem Raum unterschwellig ein Spiel beginnt zu laufen, das auf „Ich gewinne – Du verlierst“ hinausläuft. Ich bin vielmehr daran interessiert gemeinsam mit allen in die gleiche Richtung zu segeln. Wie sehen Sie das?“ Allein die Tatsache, dass Sie das Spiel aus Ihrer Sicht benennen („Ich nehme wahr…“ oder „Mir fällt gerade auf…“), ohne jemanden zu beschuldigen, bringt die Energie im Team ins Fließen. Dadurch, dass Sie das Spiel der Manipulation offenlegen und es dadurch allen Beteiligten bewusst wird, kann die manipulierende verneinende Kraft es nicht mehr ungesehen weiterspielen.

·         Gefährliche Frage stellen
Eine weitere Möglichkeit ist, der Person, die die manipulierende verneinende Kraft darstellt, eine gefährliche Frage zu stellen, nämlich die Frage nach der Absicht ihres Handelns. Elegant können Sie das machen, indem Sie auch hier wieder von sich sprechen und damit die Frage einleiten: „Bei mir kommt der Widerstand gerade als Manipulation an. Was ist Deine Absicht?“ Huuu, das ist für die verneinende Kraft eine sehr gefährliche Frage (und Sie selbst spüren möglicherweise Angst, wenn Sie diese Frage stellen, weil Sie nicht wissen können, was als nächstes passiert), doch diese Art Frage öffnet die Tür für ein sehr interessantes Gespräch.

Mit der Unterscheidung über die 3 Kräfte in einem Team haben Sie ab sofort die Möglichkeit, alle Team-Mitglieder einzubinden und gemeinsam in eine neue Richtung zu segeln, anstatt verneinende Kräfte als anstrengend zu empfinden. Achten Sie in nächster Zeit einfach einmal bewusst auf die verschiedenen Kräfte im Team und lassen Sie sich überraschen, was möglich wird, wenn es Ihnen gelingt, die verneinende Kraft einzubinden.

In diesem Sinne viel Freude beim Experimentieren!

Ihre Nicola Nagel

POTENZIALE LEBEN!
www.viva-essenza.com