Sonntag, 16. Oktober 2011

Der Verstand ist ein Zoo - Wie uns Stimmen im Kopf manipulieren

Der Verstand ist ja schon brillant. Er produziert unaufhörlich Gedanken, kann komplexe Dinge analysieren und beleuchten oder gar logische Argumente in einer Diskussion liefern. Wir haben ihn all die Jahre wohl genährt: in der Schule, in der Uni, in der Ausbildung, im Job, durch zig Bücher, Zeitungen oder das Internet. Manchmal kann der Verstand aber auch zur echten Qual werden. Sie kennen das vielleicht: Sie liegen abends im Bett, sind eigentlich hundemüde, aber die Gedanken rasen unaufhörlich weiter. Oder Sie wollen eine Entscheidung treffen und hören in Ihrem Kopf permanent die Argumente für und wider.

Der Verstand rattert und rattert und rattert. Selbst wenn wir nicht aktiv mit jemandem sprechen, ist trotzdem oftmals eine Konversation im Kopf zugange. Es scheint als würde permanent eine Stimme plappern: „Mach dies so….Nein, tu das lieber nicht…Das kann ich nicht…Wie soll ich mich nur entscheiden…ob das wohl richtig war…ich bin überfordert…ja, da geht’s lang…was wäre, wenn… ich bin nicht gut genug…das kann man doch nicht machen, …etc.“ Die Stimmen reden, gehen noch einmal die Situation vorhin mit dem Partner durch oder kommentieren das, was der Chef heute Morgen gesagt hat. Sie werden vielleicht sagen „Nun ja, es sind einfach die Gedanken, die fortlaufend durch den Kopf schießen.“ Wie wäre es jedoch für Sie, wenn es Stimmen sind, die nicht Ihnen gehören und die nur die Absicht haben, Sie fortlaufend zu manipulieren?

Wie bitte? Stimmen, die nicht mir gehören? Richard David Precht, Philosoph, Publizist und Autor hat einen Buchtitel heraus gebracht, den ich an dieser Stelle gerne ausleihen möchte, denn der Titel fasst das heutige Thema genial zusammen: „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“

Sie werden womöglich die Frage stellen, ob es jetzt um Schizophrenie geht. Doch darum geht es keineswegs. Jeder Mensch hat verschiedene Identitäten, die er in bestimmten Situationen annimmt. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie unterhalten sich mit einem Bekannten. Das Telefon klingelt, er geht ran und sagt: „Hallo Mama,…“ Sie können genau beobachten, welche Stimme, Rolle und Haltung er einnimmt, während er mit seiner Mutter spricht. 5 Minuten später geht wieder das Telefon und es ist sein Geschäftspartner. Sie werden merken, wie er auf eine ganz andere Art und Weise mit ihm spricht. Die Tonlage, die Wortwahl, die Mimik und die Gestik werden eine andere sein. Wir können also verschiedene Identitäten annehmen, je nachdem, was die Situation erfordert.

Genauso, wie es diverse Rollen gibt, die wir einnehmen können, gibt es zahlreiche Stimmen, die uns im Leben unbewusst dirigieren. Wie viele von Ihnen kennen zum Beispiel eine Stimme, die gelegentlich sagt „Das kann ich nicht“ oder „Ich weiß nicht, wie ich das machen soll“? Na, seien Sie ehrlich. Fast jeder hat diese Stimme schon einmal gehört. Das kann sich auf ganz unterschiedliche Situationen beziehen, z. B. sollen sie eine Rede halten, ein Menü für 30 Personen kochen, das neue Großkundenprojekt übernehmen, ihrem Partner eine Grenze setzen oder auf eine Party gehen, wo sie keinen Menschen kennen.

Es gibt beliebig viele Beispiele, die wir hier auflisten könnten. Angenommen also Sie stehen vor einer Herausforderung, z. B. sollen Sie das erste Mal über eine Slack-Line laufen. Das ist dieses neuartige, trendige Band, das zwischen zwei Bäumen gespannt wird und über das Sie balancieren können. Was geht dann in Ihrem Kopf ab? Vielleicht sagt eine Stimme „Ich kann das nicht“, „So ein Quatsch.“ Vielleicht sagt auch eine Stimme „Okay, los geht’s“, oder aber „Oh, ich weiß nicht ob das gut geht. Ich könnte runterfallen und mich verletzen.“ Angenommen, sie wagen das Experiment balancieren zwei Schritte auf dem Seil, verlieren das Gleichgewicht und plumpsen auf den harten Boden. Was sagt der Verstand? Hören Sie z. B.: „Siehste, habe ich doch gleich gesagt, dass das eine Schnapsidee ist“ oder „Oh, das war wohl nichts. Los, gleich noch einmal probieren.“

Es gibt nicht nur eine Stimme, die in unserem Kopf rumspukt. Es gibt eine ganze Stimmenkultur. Der Verstand ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Zoo und die Konversationen dieser Stimmen sind sehr unterhaltsam. Da können Sie jedes Kabarett und jede Comedy Sendung im Fernsehen vergessen. Die Comedy im Kopf ist spannender als Kino. Es ist sehr nützlich, sich der Hauptcharaktere in Ihrem Kopf bewusst zu werden, denn noch einmal: es sind Stimmen, die nicht Ihnen gehören und die Sie entweder blockieren oder manipulieren können.

Lassen Sie mich ein persönliches Beispiel geben: Bei mir gibt es neben diversen Nebendarstellern, 4 Haupt-Stimmen, die sich gerne einmischen. Die erste Stimme habe ich Püppi getauft. Püppi ist die Stimme vom kleinen, schüchternen Mädchen, das sagt: „Ich weiß nicht, ob ich das kann. Das lass ich lieber. Das ist vielleicht keine gute Idee.“ Als zweites gibt es Lola. Lola ist der derbe Charakter, der immer noch in die Kerbe von Püppi reinhaut: „Wie soll das auch funktionieren. So ein Quatsch. Habe ich Dir doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert. Das wird nie was.“ Die 3. Stimme gehört Goofy (sie kennen vielleicht noch diesen tolpatschigen, schläfrigen Hund aus der Mickey Maus Zeit). Goofey ist ein bißchen träge und sagt manchmal: „Och nööö, lass uns das später machen. Ich mag jetzt nicht.“ Schließlich gibt es noch eine 4. Stimme ganz anderer Ausrichtung. Diese Stimme habe ich Rickie getauft. Rickie ist die Stimme einer robusten Antreiberin, die alles andere als aus Zucker ist. Wenn Rickie die Bühne betritt, können Püppi, Lola und Goofy sich warm einpacken, denn Rickie sagt in etwa folgendes: „Püppi, Lola, Goofy Klappe halten. Nicola, beweg Dich uns zwar pronto“.

Die Stimmen sind sehr vielfältig und es ist sehr lohnenswert, sich bewusst zu machen, welche Stimme gerade aktiv ist. Ich möchte Sie daher zu folgendem Experiment einladen:

EXPERIMENT 1: Welche Stimmen sind aktiv und wem gehören sie?
Setzen Sie sich einen Moment ruhig hin. Beobachten Sie nun bewusst Ihren Verstand. Welche Stimmen kommen jetzt gerade auf, während Sie z. B. so da sitzen und nichts tun? Was sagen die? Der ein oder andere mag jetzt sagen „Ich höre keine Stimmen.“ In dem Fall lade ich Sie ein, einfach einmal simpel an die Wand zu starren. Wenn Sie das tun, wird schon die erste Stimme fragen: „So ein Quatsch, warum soll ich jetzt an die Wand starren?“ Sie können auch Situationen vom Tag Revue passieren lassen. Die Diskussion mit dem Kollegen, den Streit mit dem Partner, das nette Gespräch mit dem Chef. Achten Sie einfach einmal bewusst darauf, welche Gedanken dazu hochkommen und welche Stimmen diese Situationen kommentieren.

Identifizieren Sie im zweiten Schritt diese Stimmen. Wem gehören Sie? Gehört die Stimme einer Autoritätsperson, einem Elternteil, Lehrer, Chef, der genau das immer gesagt hat? Gehört die Stimme eher einem kleinen bedürftigen Kind? Sie können auch Charaktere aus der Geschichte oder aus Film und Fernsehen nehmen. Wem gehört die Stimme? Geben Sie jeder markanten Stimme einen konkreten Namen, z. B. „Das hat mein Vater Otto immer zu mir gesagt, diese Stimme heißt Otto.“ Oder „Diese Stimme erinnert mich an einen patzigen, kleinen Jungen, der nur Unfug im Kopf hatte, ich nenne ihn Suppenkasper.“ Seien Sie ehrlich und konkret. Vielleicht gibt es auch eine Stimme, die arrogant von oben herab redet und Sie an einen Schulkollegen erinnert, der Sie regelmäßig gepiesackt hat. Vergeben Sie wirklich konkrete Namen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, jede Stimme, sobald sie auftaucht, genau zu identifizieren. Jede Stimme stellt ein ICH dar.

EXPERIMENT 2: Welches ICH spricht gerade?
Wenn Sie sich das nächste Mal in einer Situation befinden, in der Sie etwas bewerten („Wie kann man nur so handeln. Der Kollege hat wohl nicht alle Tassen im Schrank) oder zögern, weil Sie meinen, Sie könnten etwas nicht („Ich kann das nicht. Ich bin nicht gut genug. Das wird nie was.“), oder auch wenn Sie sich nicht entscheiden können und diverse Stimmen in Ihrem Kopf eine Argumentation für und wider etwas starten, dann sagen Sie in dem Moment einmal STOP! Halten Sie inne und fragen Sie sich, welches ICH gerade am Steuer sitzt. Ist es eine ängstliche, weinerliche Kinderstimme, die Sie manipuliert und Ihrer Kraft beraubt? Oder ist es vielleicht die Stimme einer Autorität, die Ihnen sagt, dass es eine absolute Schnapsidee ist, Ihrer Freude zu folgen und eine verrückte Unternehmung zu machen? Was immer es auch für eine Stimme sein mag, werden Sie sich Ihres Zoos bewusst. Werden Sie sich der Stimmen bewusst, die Sie manipulieren. Es sind nicht Ihre Stimmen und mit diesen Stimmen im Kopf haben Sie keine Kraft.

„AHA!“ werden jetzt einige Leser denken. „Und was mache ich nun, wenn diese Stimmen da sind und nicht aufhören zu plappern?“ Eine berechtigte Frage, die mich gleich zum nächsten Experiment bringt.

EXPERIMENT 3: Benutzen Sie Ihren Stimmen-Colt
Für dieses Experiment brauchen Sie Ihre Vorstellungskraft. Idealerweise machen Sie dieses Experiment im ersten Schritt für sich in einem Raum, wo keine anderen Menschen sind. Es könnte für andere nämlich ziemlich verrückt aussehen, da Sie in diesem Experiment die Stimmen, die permanent in Ihrem Kopf quasseln, mit einem sogenannten STIMMEN-COLT abschießen werden. Stellen Sie sich vor, sie haben einen imaginären Werkzeuggürtel mit allerlei Utensilien um Ihre Hüfte hängen. An diesem Gürtel befindet sich rechts hinten, in Höhe der rechten Pobacke ein imaginärer Revolver. Greifen Sie nun einmal nach hinten und ziehen Sie ihn langsam aus dem Halfter. Halten Sie ihn vor sich und schauen Sie sich Ihren ganz persönlichen Stimmen-Colt an. Wie sieht er aus?

Los, machen Sie sich diesen Spaß. Wir sind in unserer Gesellschaft so von Normen, Regeln und Vorgaben eingeengt, dass wir in Momenten, in denen wir etwas machen sollen, was wir normalerweise nicht tun, denken „So ein Quatsch!“. Wenn Sie diesen Satz, diese Stimme jetzt gerade in Ihrem Verstand hören, ziehen Sie sofort Ihren Stimmen-Colt, richten ihn in die Luft auf die Stimme und knallen sie mit dem Wort „PENG!“ ab. Es ist ein Spaß, ehrlich und es funktioniert auch noch. Probieren Sie das einmal.

Wir waren also dabei, wie Ihr Colt aussieht. Welche Farbe hat er? Wie groß ist er? Aus welchem Material ist er? Wie sieht der Griff aus? Ist er aus dem gleichen Material, wie der Lauf oder vielleicht aus Holz? Haben Sie Ihren Colt ganz klar vor Augen? Prima. Achten Sie darauf, dass er nicht die Größe eines Gewehrs hat, denn das ist etwas hinderlich mitzuschleppen. Er sollte von der Größe her so sein, dass Sie ihn immer schnell ziehen können, jederzeit.

Jedes Mal, wenn Sie also Stimmen (Gedanken) in Ihrem Kopf haben, die Sie an etwas hindern, Sie zögern lassen, Sie runterziehen, Sie rum-eiern und keine Entscheidung fällen lassen, Dinge hinaus zögern, oder ähnliches, ziehen Sie sofort Ihren Stimmen-Colt. PENG! Die Stimmen kommen oftmals auch in sehr kurzen Abständen hintereinander, dann schießen Sie sie einfach hintereinander ab PENG! PENG! PENG! Und machen Sie für’s erste wirklich die Bewegung und das Geräusch: Colt ziehen, die Hand in die Luft strecken und auf die Stimme zielen, PENG!. Vergessen Sie danach nicht, den Rauch aus dem Revolver-Lauf kurz wegzublasen und den Colt wieder in den Halfter zu stecken.

Sie können auch bewusst einmal 5 Minuten durch Ihre Wohnung oder Ihr Haus laufen und die einzelnen Stimme im Verstand wahrnehmen, jedes Mal innehalten, sie abschießen und dann wieder weiterlaufen. Das kann sich z. B. folgendermaßen anhören: „Oh man, wie sieht’s denn hier aus? PENG! Das Bild hängt schief. PENG! Du müsstest echt mal wieder saubermachen. PENG! Die Rechnung auf dem Schreibtisch ist immer noch nicht bezahlt. PENG!...“

Das Tolle ist, Sie haben eine unbegrenzte Anzahl an Kugeln in dem Stimmen-Colt. Sie brauchen also nicht sparsam sein, wenn Sie Stimmen abschießen und Sie müssen sich auch keine Gedanken über das Nachladen machen. Achten Sie wirklich einmal auf all die Stimmen in Ihrem Verstand. Welche Stimme sagt Ihnen genau was? Wem gehört die Stimme? Wer hat das in der Vergangenheit oft zu Ihnen gesagt, sodass sich diese Stimme in Ihrem Verstand einnisten konnte?

Die Sache ist die: Wenn Sie fortlaufend Stimmen hören und im Kopf Diskussionen führen, dann sind Sie nicht wirklich im JETZT präsent. Stimmen und Geschichten passieren auf einer Zeitlinie, also entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Sie passieren nicht im JETZT, in diesem Augenblick. Wenn Sie also eine herrliche Konversation im Verstand führen, dann denken Sie entweder über etwas nach, dass schon passiert ist, also in der Vergangenheit liegt, oder über etwas, das in der Zukunft liegt. Wenn Sie zum Beispiel heute schon eine Konversation im Verstand durchgehen, die Sie morgen real mit Ihrem Kollegen in der Arbeit führen wollen, dann sind Sie nicht im JETZT präsent. Sie leben in der Zukunft oder in der Vergangenheit und da haben Sie keine Kraft. Sie können nicht verändern, was vor 3 Sekunden passiert ist und auch nicht, was in 3 Sekunden sein wird, weil es noch nicht da ist.

Wenn Sie wirklich im JETZT präsent und damit in Ihrer Kraft sind, dann hören Sie keine Stimmen, sondern können sich bewusst und zentriert bewegen und als Erwachsener so agieren, wie es die Situation erfordert. Es kann übrigens sein, dass einige Stimmen in Ihrem Verstand immer wiederkehren, obwohl Sie diese bereits abgeschossen haben. Lassen Sie sich davon nicht irritieren. Wenn uns über viele Jahre von verschiedenen Autoritätspersonen immer wieder Kommentare oder Sätze eingetrichtert wurden, dann können diese Stimmen sehr hartnäckig sein. Schießen Sie sie einfach erneut ab. PENG! Mit der Zeit werden die Stimmen weniger oder verschwinden.

Sie können das Stimmenspiel auch ausweiten. Wenn Sie z. B. das Menü für 30 Personen kochen sollen und Sie hören z. B. eine Stimme „Oh je, ich weiß nicht, wie. Ich kann das nicht.“, dann schießen Sie die Stimme zu nächst ab. PENG! Stellen Sie sich anschließend die Frage:“ „Wer könnte es?“ Dann kommen Sie vielleicht auf Alfons Schuhbeck. Stellen Sie sich dann die Frage: „Was würde Alfons Schuhbeck jetzt sagen oder tun?“ Wechseln Sie dann einfach für die Zeit des Menü-Kochens die Identität. Sie werden erstaunt sein, welche neuen Möglichkeiten sich plötzlich auftun.

Ich lege Ihnen sehr ans Herz, Ihren Stimmen-Colt regelmäßig zu benutzen. Legen Sie ihn niemals zur Seite, sondern haben Sie ihn jederzeit griffbereit, damit Sie alle Stimmen, die Sie manipulieren und runterziehen wollen, gleich ins Jenseits befördern können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine experimentierfreudige Zeit.

Beste Grüße,
Ihre Nicola Nagel

Nicola Nagel ist Possibility Management Trainerin aus Berufung und bietet außergewöhnliche Trainings an, in denen die Teilnehmer in einem geschützten Raum nachhaltig ihr Potenzial entfalten können.

www.viva-essenza.com






Mittwoch, 14. September 2011

In welchem Kontext leben Sie? - Über die Kraft der Deklaration.

In welchem Kontext leben Sie? Ja, die Frage meine ich ernst: in welchem Kontext leben Sie? Haben Sie sich das schon einmal gefragt? Viele Menschen, denen ich diese Frage stelle, schauen mich zunächst einmal mit einem Fragezeichen an, bevor sie schließlich eine Antwort geben, die in etwa lautet: „Kontext? Naja, ich lebe so, wie ich lebe. Da gibt es keine große Wahl. Die Umstände sind so wie sie sind und damit ist der Rahmen, der Kontext vorgegeben.“

Aha! Wir meinen also, der Kontext passiert einfach so oder er ist einfach so da. Was heißt denn Kontext überhaupt genau? Kontext bedeutet ganz linear gesagt „Zusammenhang“ und ist der abstrakte Begriff der Beziehung (Relation) zwischen miteinander verbundenen Teilen. Oh, ich sehe schon das nächste Fragezeichen bei einigen Lesern „Sind wir jetzt in der Physik? Was hat das mit meinem Leben zu tun?“

Das hat eine ganze Menge mit Ihrem Leben zu tun, denn Sie leben in einem Kontext. Sie leben nicht nur in einem, Sie kreieren ihn sogar fortwährend, jeden Tag, ja sogar jede Sekunde. Diese Entscheidung, in welchem Kontext wir leben erfolgt jedoch meist unbewusst. Zum Beispiel könnte man sagen, wir leben im Kontext „Deutschland“. Mit „Deutschland“ sind gewisse Traditionen verbunden, Bräuche, Gepflogenheiten, Geschäftsgebaren. Dies wird schnell klar, wenn wir z. B. China als Vergleich nehmen. In Deutschland ist es im Geschäftsleben üblich auch einmal nein zu sagen und dem Gegenüber Kontra zu geben. Versuchen Sie das einmal in China. Das war dann voraussichtlich Ihr letztes Geschäft mit dem Kunden, denn in China gehört sich das nicht. Es würde bedeuten, das Gesicht zu verlieren. Ein anderes Beispiel: In Deutschland haben wir sensationelle Regeln, Normen und Vorschriften. Sobald Sie nach Italien oder Spanien fahren, können Sie den deutschen Kontext nicht mehr anwenden. Sie wollen in Spanien mit einem Klemptner einen konkreten Termin vereinbaren? Viel Erfolg, sie werden recht häufig „mañana, mañana“ hören, was rein formal übersetzt „morgen“ heißt, jedoch im spanischen Kontext so viel bedeuten kann wie „ich komme vorbei, wenn es auf dem Weg liegt und passt. Das kann morgen sein, oder übermorgen, mal sehen.“ Da kann das deutsche Regel gewöhnte Ego schon einmal sauer werden und deklarieren „Die Spanier sind unzuverlässig.“ Und prompt finden wir auch zig Beweise dafür, die untermauern, dass die Spanier tatsächlich unzuverlässig sind.“ Wir haben also eine Erfahrung oder ein Gefühl und stützen darauf unsere Realität.

Kommt Ihnen das bekannt vor? So gehen wir in der Regel durch das Leben, denn so haben wir es schließlich gelernt. In der modernen Gesellschaft lernen wir nichts über die direkten Zusammenhänge zwischen unserem Deklarieren und der Realität. Oder hatten Sie in der Schule ein Fach „Kreieren“ oder „Die Kraft der Deklaration“? Wohl eher nicht. Wir werden als schlafende Schafe erzogen, die manipulierbar sind. Deswegen funktioniert Werbung. Die Marketing-Spezialisten versuchen durch ihre Werbung ein bestimmtes Gefühl in Ihnen zu erzeugen, damit Sie dann hingehen und das Shampoo oder die Creme kaufen, sprich Ihre Realität auf Basis des Gefühls erzeugen. Warum sonst denken Sie, dass Frauen und Männer Anti-Aging Cremes benutzen? Wussten Sie, dass dies (wie übrigens viele andere Dinge auch) ein reiner Marketing Geck ist? Es tut mir leid, wenn ich Ihnen jetzt die Illusion der ewigen Jugend nehme. Anti Aging Cremes wirken – wenn überhaupt – in solch einem winzigen µ-Bereich, dass man die Hautstraffung mit viel Glück unter dem Mikroskop sehen würde. Ich lade Sie ein, das Geld zu sparen und davon lieber schick essen zu gehen.

Sind Sie bereit wieder ein Stück Ihrer Kraft in Besitz zu nehmen? Prima, dann lassen Sie uns loslegen:

Das neue Spiel heißt folgendermaßen:

Annahmen, Gefühle und Erfahrungen sind DIREKTE Resultate
des Kontextes, in dem wir leben.

Lesen Sie diesen Satz noch einmal l-a-n-g-s-a-m und lassen Sie ihn kurz sacken: Annahmen, Gefühle und Erfahrungen sind DIREKTE Resultate des Kontextes, in dem wir leben. Das bedeutet, in dem neuen, kraftvollen Spiel übernehmen Sie die Verantwortung dafür, was Sie in Ihrem Leben gerade kreieren und damit erfahren. Das heißt alles, was Sie in Ihrem Leben derzeit vorfinden, haben Sie selbst kreiert. Jajaja, jetzt wird es schon ein bisschen unbequem, oder? Denn, uuuuh, das bedeutet, dass es keine Hintertürchen mehr gibt. Sie können nicht mehr Ihren Nachbarn, Ihren Kollegen, den blöden Typen im Sportclub oder die beliebten Umstände verantwortlich dafür machen, wie es Ihnen geht. In diesem Spiel können Sie nicht mehr sagen, dass „die anderen“ oder die Umstände den Kontext oder Rahmen in Ihrem Leben schaffen, denn es steht einfach fest, dass alles auf Ihrem – und nur Ihrem – Mist gewachsen ist. Sie sind verantwortlich.

Na, wollen Sie immer noch Ihre Kraft zurück holen? Okay, wenn Sie immer noch weiterlesen, dann sind Sie definitiv bereit, etwas Neues auszuprobieren und Ihr Leben neu zu gestalten.

Wenn Annahmen, Gefühle und Erfahrungen direkte Resultate des Kontextes sind, in dem wir leben, wie kreieren wir denn dann den Kontext? Wir kreieren ihn durch Deklaration! Deklaration ist eines der kraftvollsten Werkzeuge, mit dem Sie Ihren Lebenskontext gestalten. Mit einer Deklaration sagen Sie „Etwas IST so“. Sie deklarieren, wie etwas für Sie ist und erschaffen dadurch Erlebnisse und Gefühle.

Anhand eines einfachen Beispiels wird es ziemlich deutlich. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Party und die Stimmung ist super. Plötzlich geht die Tür auf, ein Mann kommt rein – lassen Sie uns ihn Fritz nennen - und alle denken sich „och nee, wer hat den denn eingeladen. Ende. Die Party ist vorbei.“ Die Stimmung wird sofort sinken. Jetzt stellen Sie sich vor, der gleiche Fritz kommt zur Tür rein und alle rufen begeistert „Hey, toll, dass Du da bist“. Die Party wird prima weiterlaufen. Es macht also einen ganz massiven Unterschied, ob Sie für sich deklariert haben „Fritz IST ein Idiot“ oder „Fritz IST nett.“

Sie können über jeden und alles eine Geschichte erfinden und für jede Geschichte können Sie beliebig viele Beweise finden. Die Sache ist die, dass wir oft so mit einer Geschichte identifiziert sind, dass wir meinen nur diese sei wahr und es gäbe keine anderen Möglichkeiten. Vielleicht haben Sie das schon einmal erlebt: Sie fanden eine Person unsympathisch und haben sich gefragt, wie Ihr Partner oder Ihre Freundin die gleiche Person nett finden kann.

Deklarieren ist kraftvoll. Wenn wir einmal etwas deklariert haben, formt sich daraufhin unsere Realität und wir haben auf’s Mal zig Beweise, Erfahrungen oder Gefühle, die genau diese Deklaration untermauern. Die Nachbarin ist schlampig? Ja klar, weil Ihre Schuhe unordentlich vor der Tür stehen. Außerdem hat sie vorhing kaum gegrüßt. Der Kollege IST zuvorkommend? Ja, denn er bringt mir jeden Tag einen Kaffee an den Schreibtisch. Der Chef IST ein Idiot? Ja natürlich, denn vorhin hat er mich so mürrisch angefahren.

Sie finden im Leben immer das vor, was Sie deklarieren. Ich lade Sie daher zu einem Experiment ein:

Experiment 1: Gegenteilige Dinge deklarieren
Bei diesem Experiment geht es darum, gegenteilige Dinge über ein und dieselbe Sache zu deklarieren, damit Sie die Kraft einer jeden Deklaration direkt wahrnehmen.

Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel. Lassen Sie uns annehmen, es regnet draußen. Sie gucken aus dem Fenster und deklarieren erst „Das Wetter IST schlecht. Die grauen Wolken verbreiten eine miese, gedrückte, graue Stimmung. Eigentlich wollte ich spazieren gehen, aber bei dem Regen habe ich keine Lust.“ Spüren Sie, was diese Deklaration mit Ihnen macht.

Nun können Sie über das gleiche Wetter z. B. folgendes neu deklarieren: „Das Wetter IST nach den heißen Tagen ein Geschenk für die Natur. Und herrlich, ich werde diesen Tag nutzen, um mich mit einem schönen Cappuccino auf die Couch zu setzen und endlich mein Lieblingsbuch weiterzulesen. “ Schauen Sie auch hier wieder, was diese Deklaration mit Ihnen macht.

Lassen Sie mich zwei weitere Beispiel geben:

  • Deklaration 1: „Oh man, schau Dir mal den Boden an. Der IST total dreckig. Hier wird wohl nicht geputzt. Wie das aussieht. Ist ja ekelig.“
  • Deklaration 2: „Die Farbe des Bodens IST wunderschön. Sie erinnert an einen warmen, weichen Waldboden.“
  • Deklaration 1: „Oh je, der Stuhl ist ja das letzte. Er IST total unbequem, da kann ja kein Mensch drauf sitzen.“
  • Deklaration 2: „Dieser Stuhl IST etwas ganz besonderes. Er ist aus Naturholz ökologisch gefertigt und ist besonders stabil. Ein toller Stuhl.“
Jetzt sind Sie dran: Schauen Sie sich da, wo Sie gerade sind, einmal um. Nehmen Sie einen Gegenstand, der Ihnen ins Auge fällt und deklarieren Sie zwei unterschiedliche Dinge darüber. Halten Sie die Deklarationen kurz. Sagen Sie nur 2-3 Sätze und schauen Sie jeweils, wie die Deklaration auf Sie wirkt. Wie fühlen Sie sich bei jeder Deklaration?

Noch intensiver ist das Experiment, wenn Sie es gemeinsam mit einem Partner machen und Dinge gegenseitig deklarieren. Das heißt, Ihr Partner hört in der ersten Runde nur zu und Sie deklarieren erst Version 1 und dann Version 2. Ihr Partner soll lediglich spüren, wie er sich in die jeweilige Geschichte einklinkt und davon mitgezogen wird. Machen Sie das für ca. 10 Minuten mit verschiedenen Gegenständen. Dann wechseln Sie die Rollen. Ihr Partner deklariert unterschiedliche Dinge und Sie spüren, wann sich Ihr Verstand in die jeweilige Geschichte einklinkt. Sie werden sehr schnell merken, dass Ihre Gefühle und Erlebnisse Resultate der jeweiligen Deklaration sind und dass tatsächlich für jede Deklaration Beweise vorhanden sind. Tauschen Sie sich mit Ihrem Partner auch darüber aus.

Üben Sie regelmäßig ein wenig damit. Dieses Experiment können Sie jederzeit und überall machen. Egal ob Sie bei der Post in der Schlange stehen, in einem Geschäftsmeeting sitzen oder mit Freunden in einem Restaurant sind. Sie können diese Übung sogar zu einem lustigen Gesellschaftsspiel machen.

Experiment 2: Deklarieren Sie Ihren Kontext neu
Nun geht es ans Eingemachte. Es geht um den Kontext, in dem Sie leben. Sie haben gerade gelernt, wie kraftvoll Deklarationen sind. Ich lade Sie nun zu dem Experiment ein, dies in Ihrem alltäglichen Leben anzuwenden und so Ihren Kontext zu verändern.

SCHRITT 1:
  • Schauen Sie einmal Ihr Leben an:
  • Was ist da für Sie nicht stimmig?
  • Auf wen sind Sie sauer?
  • Wen können Sie nicht leiden?
  • In welcher Situation stecken Sie, aus der Sie meinen nicht herauszukommen?
  • Was nehmen Sie einfach als „gesetzt“ hin, als unveränderbar?
  • In welchem Bereich verlieren Sie Ihre Energie?

SCHRITT 2:
Nun geht es darum neu zu deklarieren. Nehmen Sie eines der gefundenen Beispiele her, wo Sie sagen „das IST so.“ Angenommen Sie haben so einen Fritz in Ihrem Leben, über den Sie bisher deklariert haben „Fritz IST ein Idiot.“ Vielleicht trifft das ja auf Ihren Chef oder Ihre Kollegin zu. Nun Deklarieren sie etwas Neues über die gleiche Person. Versuchen Sie im Beispiel von Fritz etwas zu finden, das Sie an ihm schätzen. Während Sie etwas Neues deklarieren, achten Sie darauf, was mit Ihrem Gefühl und Ihrer Erfahrungswelt passiert. Zum Beispiel: „Fritz IST ein Mann von Geschmack. Er hat immer sehr gepflegte Kleider an und glänzend geputzte Schuhe.“

Sie werden vielleicht merken, wie sofort ein Mechanismus anspringt und eine Stimme in Ihnen sagt „Da gibt es nichts positives, er IST ein Idiot“. Oder wie eine Frau einmal so schön sagte, als Sie den Hinweis bekam, sie würde Ihren Mann gerade ins Unrecht setzen: „Ich setze ihn nicht ins Unrecht. Er IST im Unrecht.“

Lassen Sie sich nicht beirren. Probieren Sie es trotzdem. Ehrlich, kommen Sie von Ihrem massiven Geschichten-Sockel herunter und probieren Sie in diesem Experiment aus, etwas anderes zu deklarieren. Ihre bisherige Erfahrung über Fritz ist nur eine Geschichte. Sie können einfach eine neue erfinden. Und das trifft auf alles zu von dem Sie meinen, es sei so.

Abschließend möchte ich Ihnen gerne von einer persönlichen Erfahrung berichten, die die Kraft des Deklarierens unterstreicht. Ich habe vor kurzem an einem sogenannten Feuerlauf (*) teilgenommen, das bedeutet, barfuß über glühende Kohlen zu gehen. Rein wissenschaftlich ist
das nicht möglich. Wissenschaftler und Ärzte würden allein aus ihrem wissenschaftlichen Kontext heraus sagen „Das IST nicht möglich. Ein Mensch kann nicht barfuß über 700 °C heiße
Kohlen laufen, ohne sich Verbrennungen zuzuziehen.“ Nach verschiedenen mentalen und physischen Vorbereitungsübungen stand ich schließlich am Anfang der Glutbahn. Hätte ich, deklariert „Ich kann das nicht. Ich werde mich verletzen und habe deswegen Angst“, so wäre ich nicht über die Kohlen gelaufen, sondern hätte dem Angst-Kontext die Macht über mich eingeräumt. Ich hätte im Kontext der Wissenschaftler und Ärzte festgesteckt. Stattdessen habe ich mich jedoch in einen anderen Kontext begeben und stand in der inneren, deklarierten Gewissheit da „Meine Füße SIND geschützt“. Und so ging ich los, tänzelte barfuß über die glühenden Kohlen und kam unversehrt auf der anderen Seite an.

Ich lade Sie von Herzen ein, wieder bewusst darauf zu achten, was Sie deklarieren und bewusst den Kontext Ihres Lebens zu gestalten. Werden Sie sich wieder der Kraft des Deklarierens bewusst, die in Ihnen steckt. Erkennen Sie, dass Sie Ihr eigener Kontext-Erschaffer sind. Sie haben den goldenen Schlüssel in der Hand. Wenn Sie es nicht bewusst tun, dann kreieren Sie unbewusst den Kontext und Unbewusstheit ist Gremlin in Aktion. Sie wissen schon, dieses Monster in jedem von uns, das dann so richtig Spaß daran hat zu beweisen, dass der Chef wirklich ein Idiot oder die Nachbarin eine blöde Kuh ist. Lassen Sie nicht zu, dass der Gremlin sich in solchen Dramageschichten suhlt und Ihre Lebensenergie flöten geht. Nutzen Sie die Kraft der Deklaration stattdessen, um bewusst einen neuen Kontext für sich zu kreieren und damit Erfahrungen und Gefühle in Ihr Leben zu rufen, die Ihrer wahren Bestimmung entsprechen. Denn, wie schon erwähnt, Annahmen, Gefühle und Erfahrungen sind DIREKTE Resultate des Kontextes, in dem wir leben. Kreieren Sie Ihren Kontext daher lieber bewusst. Sie werden erstaunt sein, wie sich Ihr Erleben und die Erfahrungen in Ihrem Leben ändern. Sie erschaffen selbst Ihren Kontext durch das, was Sie deklarieren. Nur Sie allein sind für das verantwortlich, was Sie in Ihrem Leben vorfinden.

Welchen Kontext deklarieren Sie also? Einen unbewussten Kontext voller Groll, Schmerz, Neid und niederem Drama, der Ihnen Energie entzieht, oder einen bewussten, verantwortlichen Kontext voller Liebe, Kreativität und Wachstum, der Ihnen Kraft gibt?

Frohes, bewusstes Kreieren wünscht Ihnen
Ihre Nicola Nagel

Nicola Nagel ist Possibility Management Trainerin aus Berufung und bietet außergewöhnliche Trainings an, in denen die Teilnehmer in einem geschützten Raum nachhaltig ihr Potenzial entfalten können.

(*) Feuerlauf-Interessierten kann ich den Feuerlauftrainer Alexander Schmöller empfehlen, www.life-art-institut.de

• www.viva-essenza.com •