Mittwoch, 24. August 2011

Seien Sie Ihre eigene Autorität - Wie Sie gelassene Aufnahmefähigkeit und Ausgeglichenheit erreichen

Sind Sie Ihre eigene Autorität? „Ja, klar“, werden jetzt viele sagen, aber ist es tatsächlich so klar? Wir meinen, weil wir einen Job haben und täglich zig Entscheidungen treffen, seien wir unsere eigene Autorität. Doch vielfach sind wir weit davon entfernt. Viele Menschen verhalten sich gegenüber anderen Menschen oft angepasst und sind nett, um akzeptiert zu werden, um nicht anzuecken oder keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Sind Sie zum Beispiel schon einmal von der Polizei angehalten worden? Dann kennen Sie das vielleicht, diese plötzliche Angst „Uuuh, was habe ich falsch gemacht?“ und anschließend die innere Haltung „Oh, jetzt bloß alles machen und sagen, was der Polizeibeamte will.“ Schwupp, schon haben Sie Ihre Autorität an den Polizisten abgegeben.

Lassen Sie uns einmal gemeinsam schauen, was es überhaupt bedeutet, seine Autorität abzugeben bzw. seine eigene Autorität zu sein. Wenn Sie Ihre eigene Autorität sind, dann könnte man auch sagen Sie sind vollständig zentriert und nichts kann Sie aus der Bahn werfen; weder der Chef, der Sie anblökt, noch Ihr Partner, der gerade schlecht gelaunt ist, noch der Zeitdruck beim terminierten Projektbericht.

Doch was heißt das, zentriert zu sein? Wir haben ein physisches Zentrum, das sich zwischen den Hüftknochen (auf Höhe der Gürtelschnalle) etwas hinten im Körper befindet. Unser physisches Zentrum dient dazu, die Balance zu halten. Es ist immer dort an diesem Punkt, sein Standort ist unveränderlich.

Neben dem physischen Zentrum haben wir jedoch noch ein weiteres Zentrum, das sogenannte Seinszentrum. Es nimmt seinen Ursprung in der Größe einer Grapefruit und ist beweglich, d. h. Sie können es im Körper und auch außerhalb des Körpers überall hinbewegen. In unserer modernen Gesellschaft tendieren wir dazu, das Seinszentrum in einen bestimmten Körperteil zu legen. Welcher, denken Sie, ist das? … Genau, es ist der Kopf. Wir sind ständig damit beschäftigt, uns Gedanken über alles Mögliche zu machen und immer mehr Wissen anzuhäufen.

Zentriert zu sein bedeutet, dass Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit und Intention das bewegliche Seinszentrum auf Ihr physisches Zentrum legen. Konkret heißt das, Sie schauen mit Ihrer Aufmerksamkeit zunächst einmal, wo sich Ihr Seinszentrum befindet und bewegen es dann mit Ihrer Intention energetisch auf das physische Zentrum. Dann sind Sie komplett zentriert und in Ihrer Kraft. Teilen Sie Ihre Aufmerksamkeit, sodass Sie immer 2% darauf gerichtet haben, das Ihr Seinszentrum auf dem physischen Zentrum liegt. (Ja, Sie können Ihre Aufmerksamkeit teilen. Sie können ja auch Autofahren, gleichzeitig Radio hören, die Fußgänger beobachten und Kaugummi kauen. Das ist nichts anderes. Es ist reine Übungssache).

Bei einigen Sportarten kann man sehr gut sehen, was es bedeutet, wenn die Sportler zentriert sind. Es gibt zum Beispiel beim Kampfsport (Karate, JiuJitsu, Fechten) oder auch beim Ballett eine Ausgangsposition, die die Sportler immer einnehmen, bevor sie beginnen. Aus dieser Position heraus können sie sich überall hinbewegen. Zentriert zu sein ist eine Erfahrung, d. h. Sie werden es nicht mit dem Verstand herausfinden. Ich lade Sie daher ein, ein Experiment zu machen, wie Sie sich zentrieren.

Experiment 1: Das Zentrum finden

Einzelübungen
Im Folgenden finden Sie 3 verschiedene Übungen, die Sie alleine ausprobieren können (für Unfälle übernimmt viva essenza keine Haftung).

1) Für die erste Übung müssten Sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen, idealerweise eine U-Bahn oder S-Bahn. Es funktioniert aber auch im Bus oder der Straßenbahn. Steigen Sie z. B. in die U-Bahn ein und bleiben Sie stehen, anstatt sich hinzusetzen. Der Trick ist, sich nicht festzuhalten. Nun legen Sie mit Ihrer Absicht und Intention Ihr Seinszentrum auf Ihr physisches Zentrum und halten einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit darauf. Wenn Sie komplett zentriert sind, werden Sie mit den Bewegungen der U-Bahn mitfließen und ganz entspannt stehen bleiben. Wenn Sie darüber nachdenken „ooooh, hoffentlich falle ich nicht um“, dann haben Sie Ihr Seinszentrum in den Kopf gelegt, sind nicht mehr zentriert und müssen garantiert einen Schritt zur Seite oder nach vorne machen, um sich zu stützen.

2) Eine andere Übung können Sie zuhause machen. Dazu brauchen Sie z. B. einen Stuhl oder einen Besen, auf jeden Fall etwas Unhandliches. Balancieren Sie den Gegenstand nun auf ihrem Zeigefinger. Das funktioniert nur, wenn Sie absolut zentriert sind und sich mit dem Zentrum des Gegenstandes verbinden. Sobald Sie anfangen, darüber nachzudenken und im Kopf sind, klappt es nicht mehr.

3) Eine tolle Übung ist auch die sogenannte Slackline. Dies ist ein Band, das zwischen zwei Bäume gespannt wird und auf dem man balanciert. Wenn Sie nur mit Ihrem physischen Zentrum versuchen zu balancieren, funktioniert es nicht. Wenn Sie hingegen vollständig zentriert sind, den Verstand ausschalten und damit in sich ruhen, dann können Sie mit ein wenig Übung über dieses Band laufen ohne runterzufallen.

Partnerübungen:
Für diese Experimente brauchen Sie einen Übungs-Partner.

1) Zentrum wegdrücken Stellen Sie sich gegenüber hin. Schauen Sie, dass Sie mit den Füßen schulterbreit auseinander stehen und leicht gebeugte Knie haben. Nun nehmen Sie die Hände vor sich hoch, als würden Sie etwas abwehren und legen die Handflächen an die Ihres Partners. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu weit auseinander stehen und einer sich vorbeugen muss. Sie stehen sich also gegenüber und haben die Handflächen aneinander gelegt. Zentrieren Sie sich. Nun geht’s los. Versuchen Sie den Partner aus seinem Zentrum zu schmeißen, sodass er also nach hinten oder vorne umkippt bzw. einen Schritt machen muss. Dabei geht es nicht um Kraft. Bewegen Sie die Hände langsam und fließend und finden Sie mit Ihrem eigenen Zentrum das Zentrum Ihres Partners. Wenn Sie es haben, werden Sie einen kleinen Widerstand spüren. Da ist das Zentrum Ihres Partners. Wenn Sie jetzt weiterdrücken und er nicht mit der Bewegung mitfließt, würde er aus dem Zentrum kippen.

2) Zentriertes Singen Stellen Sie sich gegenüber hin und einigen Sie sich auf ein Lied, das Sie beide auswendig kennen (z. B. Alle meine Entchen). Sie zentrieren sich und fangen an zu singen. Ihr Partner darf alles tun, um Sie aus dem Konzept zu bringen, darf Sie jedoch nicht berühren. Er darf das gleiche Lied völlig schief und falsch singen. Er darf Grimassen schneiden oder sich lustig bewegen. Sobald Sie anfangen zu lachen, haben Sie Ihr Zentrum an ihn abgegeben. Zentrieren Sie sich dann erneut und probieren Sie es wieder. Machen Sie diese Übung 2-3 Minuten, bevor Sie die Rollen tauschen.

Um unsere eigene Autorität zu sein ist es entscheidend, dass wir uns darüber bewusst werden, was wir mit unserem Seinszentrum machen. Meist sind wir uns dessen nämlich nicht bewusst. Bereits als Kinder lernen wir zu überleben, indem wir Autoritätspersonen unser Seinszentrum geben, sodass wir für diese Personen dann keine Bedrohung mehr darstellen und vor Bestrafung und Ohrfeigen geschützt sind. Um Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, verhalten wir uns angepasst und das zieht sich schließlich bis ins Erwachsenenalter durch.

Das Polizei-Beispiel kennen Sie bereist. Lassen Sie mich noch ein anderes Beispiel geben. Ich war kürzlich bei einer Besprechung in einer mittelständischen Firma anwesend, wo folgendes passierte: Es waren 8 Leute im Raum, die Besprechung hatte begonnen und die Atmosphäre war relativ entspannt. Nach ca. 15 Minuten klopft es einmal und im gleichen Moment reißt der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens die Tür auf und bäumt sich, ob seiner stattlichen Statur, im Türrahmen auf, ohne zunächst etwas zu sagen. Sie hätten die Gesichter der Mitarbeiter sehen sollen. Etwas übertrieben gesagt, fielen alle in eine Art Starre, hielten die Luft an und schauten gebannt auf den Vorstand. Dieser sondierte den Raum und sprach einen Mitarbeiter in direktem Ton mit den Worten an „Herr xy, ich brauche die Vertriebszahlen vom letzten Quartal für die morgige Vorstandsitzung.“ Nachdem der Mitarbeiter den ersten Schreck verdaut hatte, ließ er alles stehen und liegen, verließ die Besprechung und machte sich sofort daran, dem Wunsch des Vorstandsvorsitzenden zu entsprechen. Wieso konnte er nicht sagen: „Sehr gerne, nach meiner Besprechung stelle ich die Zahlen für Sie zusammen.“? Das war ein perfektes Beispiel dafür, wie Menschen Ihr Zentrum an Autoritätspersonen abgebe. Oftmals ist unbewusst Angst der Auslöser, gerade im Job-Umfeld.

Gleiches tun wir auch im Privatleben. Versuchen Sie es jemandem recht zu machen? Dann geben Sie Ihr Zentrum ab. Versuchen Sie nett zu sein oder lächeln, obwohl Ihnen gerade gar nicht nach lächeln zumute ist? Sie geben Ihr Zentrum ab. Geben Sie in der Beziehung klein bei um der lieben Harmonie willen, dann geben Sie Ihrem Partner gerade das Zentrum. Machen Sie alles, was andere Ihnen sagen oder verlangen, um anerkannt zu werden? Sie geben Ihr Zentrum ab.

Immer wenn wir unser Zentrum abgegeben, verhalten wir uns angepasst und erzeugen eine gegenseitige Abhängigkeit. Warum aber, denken Sie, geben Menschen Ihr Zentrum an andere Autoritätspersonen ab? Was denken sie in dem Moment? Nun wenn jemand sein Zentrum abgibt, dann denkt er, er sei sicher. Sein Zentrum abzugeben ist sehr bequem, denn dann kümmert sich der andere um uns, wir müssen keine Verantwortung übernehmen, wir können das arme kleine Opfer bleiben und sind nicht gefährlich…GÄHN, wie langweilig. Wollen Sie tatsächlich weiterhin anderen Menschen Ihr Zentrum geben, anstatt Ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und Sie selbst zu sein?

„Moment“, höre ich jetzt einige sagen, „der andere klaut mir ja regelmäßig meine Autorität und mein Zentrum, weil er mich immer wieder überbügelt“. Aha! Der andere ist also Schuld? Vergessen Sie es. Eine andere Person kann Sie dazu einladen, Ihr Zentrum abzugeben, indem er Sie mit Worten, Gesten oder Handlungen versucht zu manipulieren. Es sind jedoch Sie allein, der entscheidet, ob Sie Ihr Zentrum abgeben oder nicht. Beugen Sie sich der Manipulation oder nicht? Nun kann man zwischen zwei Arten von Autoritätspersonen unterscheiden. Am Beispiel der Unternehmenswelt wird es wieder schön deutlich:

1) Wahre Führungspersonen und
2) sogenannte Gremlin-Anführer.

Lassen Sie uns einmal mit dem Gremlin-Anführer beginnen. Wenn Sie ihm Ihr Zentrum geben, was denkt er dann? … Ja, genau, er denkt auch „Ich bin sicher“. Der Gremlin-Anführer nimmt Ihr Zentrum dankend an, denn Sie sind für ihn dann nicht mehr gefährlich und er meint er hat einen Anhänger, der nach seiner Pfeife tanzt. Gremlin-Führer in Unternehmen sind diejenigen, die gerne „Management by Macht“ durchführen. Solche Personen kennen keine Herzensverbindungen zwischen Menschen, sondern wollen aus eigener Unsicherheit lediglich Macht über andere haben. Sie spielen am liebsten das Spiel „Ich gewinne – Du verlierst“.

Was würde eine wahre Führungsperson sagen, wenn Sie versuchen, Ihr Zentrum an sie abzugeben? … Ja, diese Person würde sagen „Hey, ich will Dein Zentrum nicht. Ich möchte dass Du in der Lage bist, eigene Entscheidungen zu treffen.“ Eine wahre Führungsperson macht andere zu Führungspersonen oder bildet dynamische Teams. Wahre Führungspersonen ermächtigen andere. Was sagen übrigens zwei komplett zentrierte Personen zueinander, wenn Sie sich sehen? Sie sagen respektvoll „Hallo“.

Experiment 2: Überprüfen Sie die Autoritäts-Typen in Ihrem Umfeld
Gehen Sie gedanklich einmal die Menschen in Ihrem Umfeld durch. Welcher Autoritätstyp ist Ihr Chef? Der Geschäftsführer? Ihr wichtigster Kunde? Ihr Partner? Ihr Vater? Ihre Mutter? Ich bin sicher, dass Sie sofort die Autoritäten in Ihrer Umgebung in eine der beiden Kategorien einordnen können.

Nun fragen Sie sich, welcher Autoritätstyp Sie selbst sind? Seien Sie ehrlich. Wie sieht es beruflich aus? Wie sieht es privat aus? Ist Ihr Partner gleichberechtigt, oder wollen Sie bestimmen, wo es langgeht und was am Wochenende gemacht wird? Wollen Sie, dass Ihr Partner in der Lage ist eigene Entscheidungen zu treffen, oder fühlen Sie sich sehr geschmeichelt, wenn Ihr Partner alle Verantwortung an Sie abgibt?

Fragen Sie sich als nächstes auch, wann Sie Ihr Zentrum abgeben? In welchen Situationen, mit welchen Personen und warum tun Sie das? Beobachten Sie sich selbst.

Übrigens können Sie Ihr Zentrum nicht nur an Personen abgeben sondern auch an Dinge, z. B. an die Zeit („Oh Mist, schon wieder so spät, ich muss mich beeilen, wieso fährt denn der da vorne nicht schneller“), oder an die Umstände („Ich armer kleiner Wicht, die Umstände/Herr/Frau XY sind daran Schuld, dass ich mich jetzt in dieser misslichen Lage befinde“), oder gar an Stimmen in Ihrem Kopf („Ich kann das sowieso nicht“, „Das wird nie was“, oder auch „Ich bin der Größte, ich bin toll.“)

Wenn Sie eine erwachsene Beziehung führen wollen (sei es beruflich oder privat), empfehle ich Ihnen wärmstens zu lernen, was Sie mit Ihrem Seinszentrum tun. Nur wenn Sie Ihr Seinszentrum auf das physische Zentrum legen und einen Teil Ihrer Aufmerksamkeit darauf gerichtet lassen, sind Sie zentriert und in Ihrer Kraft. Sie sind präsent. Sie sind im Jetzt. Wenn Sie zentriert sind, dann kommen Sie in einen Zustand gelassener Aufnahmefähigkeit und Ausgeglichenheit, in dem Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr länger darauf gerichtet ist, Erwartungen zu erfüllen. Wenn Sie zentriert sind, sind Sie Sie selbst.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen eine kleine Anekdote erzählen, die mir zum Thema „Zentriert sein“ tatsächlich selbst passiert ist.

Als ich vor einigen Jahren das erste Mal etwas von „zentriert sein“ hörte, ging ich in einen Park, um mit einem sogenannten Bokutó, einem japanischen Kampfschwert aus Holz (ohne Klinge), eine Zentrierungsübung zu machen. Nach 2 Stunden Übungszeit entschloss ich mich, wieder ganz langsam und zentriert nach Hause zu gehen. 300 m vor meiner Haustür kam mir ein Auto entgegen und plötzlich realisierte ich, dass es die Polizei war. Das Auto fuhr an mir vorbei und kurz darauf hörte ich das recht auffällige Motoren-Geräusch direkt hinter mir. Mein Verstand – meine Box – tickten im ersten Moment aus: „Ach Du Schreck, die Polizei, und ich mit Schwert in der Hand, was sage ich denn jetzt, oh Gott.“ Nach 2 Stunden des Übens war ich allerdings so zentriert, dass gleichzeitig eine Stimme in mir sagte: „Du bleibst zentriert, du gibst Deine Autorität nicht ab und drehst Dich auch nicht um, bis Du angesprochen wirst. Geh einfach zentriert weiter, halte Dein Zentrum, egal was passiert…“ Ich konnte einen ganz klaren Unterschied wahrnehmen zwischen meinem Verstand und meinem Sein und konnte die Aufmerksamkeit auf meinem Zentrum lassen.

Ich hörte wie das Auto hielt und zwei Türen aufgingen. Ich kann jetzt schon einmal vorweg nehmen, dass es sich um einen Bär von Polizisten handelte und um eine blonde Polizistin, die auf der Fahrerseite am Wagen blieb und schon den Sprechfunk parat in der Hand hatte. Ein Bär von Polizist kam also auf mich, eine 1,68m Frau mit Schwert, zu. Dann ergab sich folgende Konversation:

  • Polizist (mit einer dominanten, ordnungshüterischen Stimme): „Entschuldigen Sie….“
    (Jetzt erst war der Moment, in dem ich mich umdrehte)
  • Nicola: „Hallo!“
  • Polizist : „Äh ja, tag auch….Darf ich Sie fragen, was Sie hier mit dem Bokken machen?“
  • Nicola: „Das ist ein Bokutó, ein japanisches Kampfschwert…“
  • Polizist: „Das sehe ich… und was machen Sie damit?“
    Meine Box tickte regelrecht aus und fragte sich „was sag ich denn, was sag ich denn….“ während ich eine ruhige zentrierte Stimme sagen hörte:
  • Nicola: „Ich war im Park und habe dort eine Zentrierungsübung für den Körper gemacht, ähnlich wie beim Kampfsport.“
  • Polizistin am Auto: „WOOOW!
  • Polizist: „Äh,…aha…………Sie, äh……Sie könnten damit allesmögliche anstellen!“
  • Nicola: „Ja UND meine Absicht ist es nicht, damit jemanden zu verletzen.“
  • Polizist: „Aha……äh… (er wartete regelrecht darauf, dass ich nervös werde und mein Zentrum an ihn abgebe, was ich jedoch nicht tat)……Sie meinen also wir können sagen, das war eine Sportübung und können Sie einfach so gehen lassen!“
  • Nicola: „Ja.“
  • Polizist: „Aha……(sehr lange Pause)…“ Er drehte sich um, ging grübelnd zum Auto, drehte sich nach ein paar Schritten wieder zu mir um und sagte: „Also,…das nächste Mal, wenn Sie mit dem Ding aus dem Haus gehen, rate ich Ihnen, wickeln Sie das mal in ein Handtuch….“
  • Nicola: „Sie meinen, ich solle nicht in dieser Form mit dem Schwert durch die Münchner Innenstadt laufen.“
  • Polizist: „Jaaa….., weil… weil…einige Leute könnten sich irritiert oder bedroht fühlen.“
  • Nicola: „Vielen Dank für das Feedback.“
  • Polizist (total irritiert über die Worte und meine Zentriertheit): „Ähh, ja, …ja…“
Beide stiegen ins Auto und fuhren davon. Der Polizist war noch nicht einmal auf die Idee gekommen, mich nach meinem Ausweis zu fragen. Ich ging danach ebenso zentriert wie vorher nach Hause und freute mich darüber, welche Auswirkungen es hat, wenn ich mein Zentrum und damit meine eigene Autorität behalte.

In diesem Sinne zentrierte Sommergrüße,
Ihre Nicola Nagel

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Freitag, 15. Juli 2011

Erwartungen killen Beziehung und Potenzial

Hatten Sie schon einmal eine Erwartung an jemanden? Oder waren Sie schon einmal mit Erwartungen anderer an Sie konfrontiert? Wir alle werden tagtäglich mit Erwartungen konfrontiert. Was wir jedoch oft nicht erkennen ist, dass es ein unbewusster, manipulativer Mechanismus ist, mit dem wir uns das Leben unnötig schwer machen.

Kürzlich telefonierte ich mit einem Freund, der mir erzählte, dass er eigentlich etwas völlig anderes mit seinem Leben machen möchte, als das, was er im Augenblick tut. Gleichzeitig spüre er jedoch, wie der Gedanke „Sei erfolgreich im Job, baue ein Haus und habe 2 Kinder“ ihn immer wieder daran hindere, wirklich in eine neue Richtung zu gehen. Ich fragte ihn, von wem er diesen Gedanken übernommen habe und gegen wessen Bewertungs-Skala er sich damit selbst messen würde. Nach einem langen Moment der Stille kam zögerlich „Naja, das Bewertungssystem und dieser Gedanke kommen von meinen Eltern und insgesamt von der Gesellschaft. Das macht man halt so. Das ist der Weg, den man einschlagen soll“.

Aha, wir verhalten uns also mitunter auf eine ganz bestimmte Art und Weise, weil wir meinen, jemand habe eine Erwartung, der wir genügen müssen. Kommt Ihnen das bekannt vor? Handeln Sie manchmal „weil man es halt so macht“ oder weil Sie die Erwartung von jemandem erfüllen möchten?

Wenn wir nicht achtsam sind, messen wir uns tagtäglich unbewusst an einem oder mehreren Bewertungssystemen und berauben uns unserer eigenen Kraft. Das Bewertungssystem, das sagt, was gut und schlecht ist, was richtig und falsch ist, was man unbedingt tun sollte, um in der Gesellschaft dazu zu gehören, oder es anderen recht zu machen. Es kann ein Bewertungs-system von den Eltern sein, von sonstigen Autoritätspersonen (ja, auch von Ihrem Partner oder Chef), von der Kirche, Schulen, von der Gesellschaft, der Kultur, von den Medien, usw.

Jeden Tag sehen wir uns mit zig Bewertungssystemen konfrontiert. Uns selbst und andere zu bewerten und Erwartungen zu hegen sitzt so tief ins uns drin, dass wir uns gar nicht vorstellen können, wie es wäre, völlig bewertungsfrei und ohne jegliche Erwartungen zu leben. Einfach das, was gerade passiert, völlig neutral zu sehen und zu sagen „Es ist wie es ist, nur das. Punkt.“ Keine Bewertung, keine Erwartung.

Der Witz ist, dass jedes Bewertungssystem, an dem Sie sich selbst oder jemand anderen messen, in sich irrsinnig ist. Wenn Sie einem Bewertungssystem nachgeben und sich daran messen, geben Sie Ihre eigene Autorität ab und machen sich klein. Sie sind nicht mehr Sie selbst, weil Sie Ihre Kraft an eine Messlatte abgeben, dir irgendeine Person oder Institution aufgestellt hat. Ernsthaft. Denken Sie nur einmal an die Medien. Das Bewertungssystem, das dort vorgegeben wird lautet z. B. „Nur wenn Du schön bist, Kleidergröße 36 hast, weiße Zähne, dicke Haare und einen strahlenden Teint hast, bist Du okay.“ Oder nehmen Sie den beruflichen Kontext: „Nur wenn Du wirklich erfolgreich im Job bist, x-tausend Euro im Monat verdienst und ein schickes Auto fährst, bist Du anerkannt.“ Also fangen wir an, uns an diesen Bewertungs-systemen auszurichten, denn schließlich möchten wir anerkannt sein.

Die Sache ist die: Wenn Sie sich unbewusst an solchen Bewertungs-Skalen messen und ihre Autorität abgeben, dann sagen Sie damit eigentlich „Ich bin nicht okay. Ich muss dieser Messlatte genügen.“ Gerade heute rief eine Klientin an, die sagte, sie fühle sich einfach schlecht, weil sie ein bisschen mollig sei und eben gerne Kekse und Eis isst. Genau darum geht es. Wir messen uns an diversen Bewertungs-Skalen, erwarten von uns selbst, dass wir die obere Skala erreichen, um dadurch die Erwartungen anderer zu erfüllen und fühlen uns deprimiert, wenn wir es nicht schaffen.

Lassen Sie das einmal sacken: Wir messen uns an einer Be-WERT-ungs-skala und stellen unbewusst an uns selbst die Er-WART-ung, dass wir dem System genügen, um die Er-WART-ung anderer (oder unsere eigene) zu erfüllen. Wenn wir diesen Satz einmal ganz lapidar runterbrechen auf das Wesentliche heißt das im Klartext folgendes:

Jemand anderes bestimmt, welchen WERT wir haben und dann kämpfen wir und WARTEN darauf, dass wir diesen erreichen, um von anderen anerkannt zu werden (weil deren Erwartung dann erfüllt ist).

Puh, harter Tobak! Damit kann das Leben ganz schön anstrengend werden. Lassen Sie mich einmal ganz provokativ das Beispiel der Kirche nehmen. Die Kirche hat uns z. B. 700 Jahre Inquisition, Menschenverbrennung und damit die Einteilung in „Gut“ und „Schlecht“ beschert. Die Kirche gibt den Menschen vor, wie sie zu glauben haben, dass sie nur „gut“ sind, wenn sie keine Sünden begehen (wobei die Kirche vorschreibt, was eine Sünde ist) und dass Sie z. B. offiziell nur als Patin oder Pate eintreten können (was ja im Zweifel heißt, Verantwortung für ein Kind zu übernehmen), wenn Sie in der Kirche sind. Wen wundert es bei diesem Bewertungs-Korsett, dass jährlich zwischen 300.000 und 400.000 Personen aus der Kirche austreten?

Was jedoch am Beispiel der Kirche so offensichtlich ist, bleibt uns im alltäglichen Leben oft verborgen. Wir leben in einem Gefängnis aus Erwartungen und Bewertungen und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Doch jedes Mal, wenn Sie sich an einem Bewertungssystem messen, sagen Sie unbewusst „Ich bin nicht okay, ich bin nicht gut genug“, was automatisch zur Folge hat, dass Sie meinen „Ich muss gehen, ich muss mich zurück ziehen.“ Das kann dazu führen, dass Sie gegenüber ihrem Partner klein beigeben (denn er mag Sie sicher nicht mehr, wenn Sie einmal wütend eine Grenze setzen) oder im Büro etwas frustriert ihren Job machen (erstens widerspricht man dem Chef nicht, denn der wird schon wissen, wo es lang geht und außerdem ist es doch besser einen sicheren Job zu haben).

Ein Bewertungssystem ist wie ein Korsett, das wir uns selbst angelegt haben und einen enormen Erwartungsdruck generiert. „Ja Moment,“ höre ich jetzt einige protestieren, „das Bewertungs-system wird uns doch vorgegeben“. Tatsächlich? Und wer nimmt es an?

Ehrlich, es ist einzig und allein Ihre Entscheidung, ob Sie sich an einer Bewertungs-Skala messen oder Erwartungen aufbauen. Sie tragen die Verantwortung, niemand sonst. Sie bräuchten sich keinem Bewertungssystem und keiner Erwartung zu beugen, denn es gibt nur eine Wahrheit die da heißt „DU BIST OKAY!“ Es ist unser Geburtsrecht. Jeder Mensch ist genauso gemeint wie er ist, mit all seinen Facetten, Macken und Kanten. Die Menschen sind genauso vielfältig wie das Universum. Und mal ehrlich, wenn jemand anderes eine Erwartung an Sie hat, und ein Problem damit hat, wenn Sie sie nicht erfüllen, dann lassen Sie denjenigen bitte sein Problem haben. Dafür hat er lange gearbeitet. Machen Sie das nicht zu ihrem Problem.

Bewertungssysteme und Erwartungen führen lediglich dazu, dass wir uns selbst amputieren und um unsere eigene Fülle, Kreativität und unser wahres Potenzial bringen. Es ist ungefähr so, als würden Sie in einem Käfig sitzen und vor sich nur Gitterstäbe sehen. Draußen scheint die Sonne und Sie würden gerne aus diesem Käfig raus, doch Sie haben vergessen, dass Sie die massiven Bewertungs- und Erwartungs-Stäbe selbst eingebaut haben. Dabei würden Sie, wenn Sie einmal daran rütteln merken, dass Sie diese Gitterstäbe rausnehmen können.

Experiment: Legen Sie Ihre Bewertungssysteme offen

SCHRITT 1:
Betrachten Sie Ihren Käfig einmal von innen. Schauen Sie sich die Gitterstäbe genau an. Schreiben Sie einmal auf, welche Regeln Sie in Ihrem Leben aufgestellt haben, welche Erwartungen anderer Sie meinen erfüllen zu müssen und welches Bewertungssystem Sie damit laufen haben, z. B.
  • Du musst erfolgreich sein im Job.
  • Du musst abnehmen, du bist zu dick.
  • Du darfst nicht „Nein“ sagen.
  • Du darfst nur leise Musik hören.
  • Es ist nicht realistisch Visionen und Träume zu haben.
  • Ich muss Familie, ein Haus und ein Auto haben. Das ist ein sicheres Konzept.
  • Meine Bedürfnisse stehen vor denen anderer zurück.
  • Ich habe zu tun, was der Chef sagt.
  • Ich muss meine Meinung zurückhalten und mich anpassen, das ist sicherer.
  • Wilde, kreative Ideen sind nicht erwünscht.
  • Es ist nicht okay Gefühle zu zeigen.
  • Ich muss immer perfekt und professionell sein.
  • Es gehört sich nicht, dass die Nachbarn so rumlärmen.
  • Ich bin sowieso nicht gut genug.
  • Ich kann es keinem Recht machen.
  • Ich bin nicht schön genug, reich genug, intelligent genug.…
  • usw.

SCHRITT 2:
Nun schauen Sie sich die Liste einmal an und stellen Sie sich die Frage „Von wem ist das Bewertungssystem? Wem versuche ich zu genügen? Wer hat mir diese Vorschriften immer gemacht oder macht es noch?“ Nehmen Sie sich dazu Zeit. Seien Sie schonungslos ehrlich. Erkennen Sie, gegen wessen Bewertungssystem Sie sich bereits Ihr ganzes Leben messen und welche Bewertungsmaßstäbe Sie übernommen haben. Es könnte sich durchaus auch um mehrere Personen oder Institutionen handeln.

Das Ding ist, Sie haben sich Ihr eigenes Gefängnis gebaut und all diese Regeln und Erwartungen sind die Gitterstäbe, die Sie von innen aufrecht erhalten, weil Sie meinen, dem soeben definierten Bewertungssystem genügen zu müssen. Und genau das sagt es schon: Sie versuchen dem „zu genügen“. Das heißt, Sie haben all diese Regeln und Erwartungen aufgestellt, weil Sie unbewusst davon ausgehen, dass Sie „nicht genügen“, sprich nicht okay sind. Fakt ist aber „Sie sind okay!“, das ist Ihr Geburtsrecht und alles andere ist einfach nur BULLSHIT!

Sehen Sie, wenn ich jetzt den letzten Satz gegen eins meiner alten Bewertungssysteme gestellt hätte, hätte ich niemals BULLSHIT schreiben können. Denn bitteschön, so eine rüde Ausdrucksweise gehört sich doch nicht. Stattdessen sage ich jedoch einfach nur „Hey, ich bin Trainerin, ich bin nicht hier um nett zu sein, sondern um meinen Job zu tun und klare Unterscheidungen zu geben.“

SCHRITT 3:
Sind Sie bereit für eine neue Erfahrung? Dann beginnen Sie doch einmal langsam, die Gitterstäbe zu demontieren, die Sie vor sich haben. Sie sitzen in Ihrem Käfig und greifen jetzt einfach den ersten Gitterstab mit beiden Händen. Sagen Sie zunächst, wofür der Gitterstab steht. Dann rütteln Sie daran, brechen ihn aus der Verankerung und werfen ihn weg. Sie brauchen ihn nicht mehr. Spüren Sie, wie ein Stück Freiheit zurück kommt? Fahren Sie fort mit dem nächsten Gitterstab. Sagen Sie wieder, für welche Regel oder Erwartung er steht bevor Sie ihn demontieren. Demontieren Sie so nach und nach alle Gitterstäbe, die in Form von Regeln, Erwartungen oder Zwängen ein externes Bewertungssystem wiederspiegeln. Gehen Sie in Ihrem Tempo vor. Sollte es einen Gitterstab geben, den Sie noch nicht demontieren wollen, dann ist das völlig in Ordnung. Gehen Sie nur soweit, wie Sie gehen möchten.

Der Freund, von dem ich anfangs erzählte, sagte etwas sehr interessantes, als er erkannte, dass er sich an einer Bewertungsskala seiner Eltern und der Gesellschaft maß, die in sich irrsinnig ist. Er sagte: „Ich habe Angst…Ich habe Angst, weil ich gar nicht weiß, wer ich ohne diese Bewertungen und Erwartungen bin. Wer bin ich denn dann?“

Das ist eine wahrlich spannende Frage. Wer sind Sie, wenn Sie sich nicht mehr an einem irrsinniges Bewertungssystem messen? Wer sind Sie, wenn Sie den Erwartungen anderer nicht mehr entsprechen müssen? Es lohnt sich, mit dieser Frage zu sein und nicht zu versuchen, sie mit dem Verstand zu beantworten. Lassen Sie die Frage Sie durcharbeiten.

Wenn Sie erkannt haben, welches Bewertungssystem Sie laufen haben, gibt es noch eine weitere Herausforderung. Es geht nämlich nicht nur darum, wem bzw. welchem Bewertungssystem und wessen Erwartungen Sie versuchen zu genügen. Jetzt geht es in die andere Richtung: Welche Erwartungen haben Sie denn an andere? An Ihren Partner? An Ihre Familie? An Ihren besten Freund oder Ihre beste Freundin? An Ihren Chef oder die Kollegin?

Haaaaa, jetzt wird es spannend. Vorher ging es darum, dass Sie okay sind und sich nicht durch ein Bewertungssystem anderer manipulieren lassen müssen. Wie sieht es denn umgekehrt aus? Die Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Können Sie im Umkehrschluss andere auch „okay sein lassen“? Das ist nämlich nun wahrlich die Kunst. Denn bitteschön, der Partner soll die Zahnpastatube nur oben ausdrücken und wenn ich mit ihm essen gehe, erwarte ich schließlich, dass er mir die Tür im Restaurant aufhält. Oder der Klassiker: Sie erwarten, dass jemand anruft, weil er gesagt hat, er meldet sich.

Jajaja! Sehen Sie, jetzt wird es komplizierter. Die anderen sollen mit ihrem manipulativen Bewertungssystem wegbleiben, aber wir selbst können ja ruhig noch Erwartungen an andere haben und sie bewerten, oder wie?

Lassen Sie es mich ganz direkt sagen: „Erwartungen killen Beziehung.“Und damit meine ich Beziehungen jeglicher Art, privat wie geschäftlich. Erwartungen finden meist im stillen Kämmerlein statt. Das heißt wir malen uns aus, wie etwas nach unserer Vorstellung zu sein hat. Er-WARTEN heißt nichts anderes, als dass wir darauf warten, dass das, was wir uns so schön ausgemalt haben, auch genauso eintritt. Und weil wir es ja so klar vor Augen haben, wird der andere schon wissen, dass er anrufen soll, oder uns den Wunsch von den Augen abliest. Doch der andere weiß in den wenigsten Fällen über Ihre Erwartungen Bescheid und damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Erwartung nicht erfüllt wird, sehr hoch.

Wenn Sie etwas Er-WARTEN, leben Sie auch nicht wirklich, weil Sie gedanklich permanent in der Zukunft und nur auf Ihr schönes Bild fokussiert sind. Das Leben passiert jedoch JETZT, in diesem Moment. Wenn Sie in Er-WART-ung leben, zieht es an Ihnen vorüber, weil Sie darauf WARTEN, dass die andere Person Ihr festgesetztes Bild in Zukunft (gleich, in 5 Minuten, heute Abend, nächste Woche) erfüllt. Viel Erfolg!

Auch in diesem Fall können Sie sich die Frage stellen „Woher kommt meine Erwartung? Welches Bewertungssystem oder welches unerfüllte Bedürfnis steckt dahinter? Warum habe ich Angst, mein wahres Bedürfnis der anderen Person mitzuteilen? Gegen welches Bewertungssystem messe ich die andere Person oder mich selbst?“

Wenn Sie nur in Erwartung leben, dann zieht das Leben wirklich an Ihnen vorüber. Dann sind Sie nicht mehr offen für all die Möglichkeiten und die Fülle an Erfahrungen, die in jedem Moment, im JETZT vor Ihnen liegen, denn Sie sind nur auf die Erfüllung Ihrer Erwartung fokussiert. Und wehe dem, wenn der andere die Erwartung nicht erfüllt, uhuuu, dann gibt’s Ärger. Dann sind Sie Ent-TÄUSCHT, wachen sozusagen von Ihrer selbstgestrickten Täuschung auf, dass der andere sich nach Ihren Vorstellungen zu verhalten hat. Und dann hat Ihr Gremlin wieder so richtig Spaß. Sie wissen schon, dieses kleine Monster in jedem von uns, das einen Spaß daran hat, Nähe und Vertrautheit zu zerstören und Streits anzuzetteln. Wird Ihre Erwartung nämlich enttäuscht, dann hat Ihr Gremlin wieder einen Beweis dafür, dass der andere ein Idiot ist und kann somit gleich wieder zum Direktangriff ausholen oder im Stillen Grollpunkte sammeln.

Erwartungen killen Nähe und Vertrautheit, sie killen Beziehung, sie killen Möglichkeit, sie killen Kreativität, sie killen Ihr Potenzial. Erwartungen sind bestes Gremlinfutter.

Wenn Sie Erwartungen haben fokussieren Sie übrigens auch das, was Sie nicht haben. Wenn Sie zum Beispiel erwarten, dass Ihr Freund Sie anruft, dann weigern Sie sich sozusagen zu akzeptieren, dass er Sie bisher nicht angerufen hat. Damit ist Ihr Fokus aber auf dem Mangel, also auf dem „nicht anrufen“. Und wie im Artikel „Die Kraft der Aufmerksamkeit“ beschrieben, kreieren Sie dadurch nur noch mehr von dem, was nicht ist. Deswegen sind Erwartungen für Enttäuschung vorprogrammiert.

Wenn Sie entdecken, dass Sie eine Erwartung an jemanden haben, lade ich Sie zu folgendem Experiment ein: Fragen Sie sich, welches Bedürfnis wirklich hinter der Erwartung steckt. Anstatt im stillen Kämmerlein, weiterhin im Opfer-Dasein die bisher nicht erfüllte Erwartung zu pflegen, gehen Sie auf die Person zu und erzählen Sie ihr, welches Bedürfnis Sie haben, was Sie sich von der Person wünschen. Gehen Sie in Kontakt. Ein spannendes Experiment ist auch, Ihre Erwartung gegenüber der Person ehrlich zurückzunehmen und zu sagen: „Ich nehme die Erwartungen von Dir zurück, dass Du xy machen musst. Für immer.“ Vergessen Sie nicht das „für immer“ sonst kreieren Sie die gleiche Erwartung morgen wieder.

Werden Sie wachsam, was Erwartungen und Bewertungen angeht. Probieren Sie zunächst, kleine Erwartungen abzubauen, bevor Sie sich an größere wagen. Und seien Sie sanft mit sich. Ein Erwartungs- und Bewertungssystem, dass Sie jahrelang genutzt haben, verschwindet nicht von heute auf morgen. Doch es lohnt sich. Sie werden erstaunt sein, wie viel leichter und intensiver es sich ohne Erwartungen lebt.

In diesem Sinne erwartungsfreie Grüße,
Nicola Nagel


www.viva-essenza.com

Mittwoch, 15. Juni 2011

Die Angst vor der Angst - Wie unsere Komfortzone uns an Veränderung hindert.

Kürzlich war ich mit einem lieben Freund zum Essen verabredet. Wir betraten ein italienisches Restaurant und setzten uns an einen schön gedeckten Tisch, auf dem alles hergerichtet war, von Besteck, Gläsern über die Servietten bis hin zu Salz- und Pfeffermühle. Kaum hatten wir Platz genommen, rückte der Freund wie ferngesteuert das Glas, das zu seinem Gedeck gehörte, um einen Zentimeter nach rechts. Als ich ihn fragte, welchen Unterschied es für ihn macht, dass das Glas nun einen Tick weiter rechts steht, sagte er „Das habe ich gar nicht bewusst gemacht. Das gehört einfach so.“ Aha. Das gehört einfach so. Kennen Sie so etwas?

Der Mensch ist ja bekanntlich ein Gewohnheitstier, das heißt er liebt es, wenn Dinge stabil, komfortabel und bequem sind. Haben Sie Dinge auch gerne an einem bestimmten Platz? Fühlen Sie sich auch wohl, wenn Dinge nach Plan laufen und Sie wissen, was sie erwartet? Haben Sie es auch gerne schön, komfortabel, bequem und sicher im Leben?

Jeder Mensch hat seine persönliche Komfortzone. Lassen Sie uns einmal gemeinsam schauen, wie wir unsere Komfortzone definieren. Wir fühlen uns ja dann wohl, wenn wir mit Dingen konform gehen, d. h. wenn sie unserem Weltbild entsprechen. Was macht aber unser Weltbild genau aus? Unser Weltbild formen wir basierend auf Erfahrungen, Meinungen, Erziehung, Kultur, Religion, Geschichten, Gründen, Mustern, Glaubenssätzen, Annahmen, Erwartungen, Werten, Ideen etc. All das zusammen gefasst formt unser Weltbild, unsere Überlebensstrategie, unser Ego, unsere Identität oder kurz gesagt unsere „Box“. Jeder Mensch hat eine Box. Sie haben eine, Ihr Nachbar und Ihr Partner haben eine, ich habe eine. Wir alle leben in einer individuellen Box.

Die spannende Frage ist, „Wer hat die Box gemacht?“
Es gibt zwei Optionen: 1) Ich selbst habe sie gemacht oder 2) Die anderen haben Sie gemacht.

Worin besteht der Unterschied? Der Unterschied liegt in der Verantwortung. Wenn ich meine Box gemacht habe, dann kann ich sie auch verändern. Wenn Sie meinen, die anderen haben Ihre Box gemacht, dann sind Sie Opfer der Umstände und warten darauf, dass sich Ihre Eltern, Ihr Partner oder wer auch immer ändert, damit es Ihnen besser geht. Viel Erfolg. Zum Glück sind sich Wissenschaftler noch nicht einig über diese beiden Optionen. Im Possibility Management* wählen wir deswegen die Option Nummer eins „Ich habe sie gemacht“, also kann ich Verantwortung dafür übernehmen meine Box zu ändern.

Der ein oder andere mag jetzt denken „Ja okay, ich habe meine Box gemacht und in meiner super Komfortzone möchte ich auch gerne bleiben.“ Und glauben Sie mir, die Box ist sehr clever und um keine Ausrede verlegen, um die Dinge so sicher und bequem zu belassen, wie sie sind (z. B. warum Sie jemanden nicht anrufen, oder keinen Vortrag halten wollen, oder lieber wieder an den bekannten Urlaubsort fahren).

Das Ding ist bloß, dass Sie sich nicht weiter entwickeln, wenn Sie in Ihrer Komfortzone bleiben. Dann leben Sie nicht wirklich. „Wie bitte?“ Richtig gelesen, Sie leben nicht, wenn Sie sich nur in Ihrer Komfortzone bewegen, denn dann ist Ihr Leben nichts anderes als ein einziger logischer Plan, der auf Sicherheit basiert. Das ist nicht gut oder schlecht. Es führt lediglich zu ganz bestimmten Resultaten, und zwar den immer gleichen Resultaten.

Der ursprüngliche Zweck unserer Box ist „Überleben“. Das hat auch bisher prima funktioniert, denn Sie haben schließlich überlebt. Im Alter von etwa 15 Jahren ist unsere Box jedoch dazu entworfen, vom defensiven Überlebensmodus in den expansiven Modus zu wechseln, also von Sicherheit hin zu Entwicklung und Evolution. In der modernen Kultur wird uns dies jedoch nicht vermittelt. Es gibt keinen Übergangsritus, keine Schule, die uns darauf vorbereitet (oder hatten Sie zum Beispiel einen Kurs in „Gefühlen“?). Das heißt, wir bleiben im defensiven Modus stecken.

Im defensiven Modus hindert uns die Box jedoch an Veränderung und Entwicklung. Das wird besonders in schnell-lebigen Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, zu einem echten Problem. Die Box möchte alles stabil und sicher halten, während um uns herum die Dinge zusammenbrechen, Finanz- und Wirtschaftskrisen sich abwechseln, Klimakatastrophen und gesundheits-bedrohliche Erreger sich ausweiten. Keine guten Zeiten für unsere Box. Und dennoch ziehen sich die meisten Menschen in ihre Box zurück wie in ein Schneckenhaus. Sie stehen nicht etwa am Rand der Box, nein, sie leben in der Mitte der Box, in der Wattezone, da wo es heimelig, kuschelig und vertraut ist. Sie versuchen für sich die Dinge zusammen zu halten, Sicherheit herzustellen und zu leugnen, was um sie herum passiert. Sprüche wie „Die Wirtschaftslage wird sich auch wieder bessern“ oder „Schlimm für die Menschen in Japan, aber zum Glücke lebe ich ja nicht dort“, oder der allseits bekannte Spruch „Jaja, das wird schon wieder, alles wird gut“ sind populär.

Kürzlich war ich auf einer größeren Veranstaltung in München. Nach der Veranstaltung ging ich mit Freunden in einem Pulk von Menschen zurück zur U-Bahn, als vor mir ein Mann eine leere Bierdose achtlos in die Wiese schmiss, obwohl 30 Meter weiter der nächste Mülleimer kam. Da wurde mir wieder schmerzlich bewusst, wie sehr sich die Menschen in ihrer Sicherheitszone bewegen und es ihnen egal ist, was außerhalb dessen passiert. Irgendwer wird halt den Dreck schon wegräumen. In welch abgestumpfter, watte-gepolsterten Sicherheits-Box muss jemand leben, der in der heutigen Zeit, so achtlos und unbewusst mit der Erde umgeht? Und das ist nur ein Beispiel.

Es gibt viele kleine Beispiele im Alltag, in der uns unsere Box ausbremst. Es kann etwas ganz harmloses sein, z. B. hält es Ihre Box vielleicht nicht aus, dass der Partner die Gabeln nun in das rechte Besteckfach anstatt in das linke getan hat. Oder, wie es neulich einer Freundin passierte: Sie hatte sich fest vorgenommen, einfach etwas Neues auszuprobieren und zu einem Netzwerktreffen zu gehen, wo sie niemanden kannte. Sie hatte sich zurecht gemacht und steuerte das Lokal an, in dem das Treffen stattfand. Anstatt jedoch beherzt die Klinke in die Hand zu nehmen, ging sie an der Tür vorbei direkt wieder nach Hause, ohne das Lokal betreten zu haben. Schöne Grüße von der Box.

Dass wir uns in die defensive Komfortzone zurückziehen ist in unserer Gesellschaft Gang und Gäbe, sicherlich in den verschiedensten Ausprägungen. Das fängt bei Privatpersonen an und zieht sich durch die gesamte Unternehmens- und Politikwelt. Denn nicht nur einzelne Personen haben eine Box, auch Unternehmen haben eine Box (Unternehmenskultur genannt), einzelne Abteilungen in Firmen, ja sogar Familien, Sportvereine, politische Parteien und Länder (Sie können bestimmt genau sagen, welche Box z. B. die Franzosen oder Briten haben). Boxen kommen in Schichten. Doch nur eine Box ist einzigartig. Es ist die Box des Individuums. Warum? Nun, weil nur die Box des Individuums Verantwortung übernehmen kann. Unternehmen können z. B. nicht verantwortlich sein. Es gibt kein „wir“, wenn es um Verantwortung geht (Sie kennen das vielleicht: wenn in einer Firmen-Besprechung festgehalten wird „okay, dann müssen wir das mal angehen“, dann können Sie davon ausgehen, dass es keiner macht). Nur Sie alleine können Verantwortung übernehmen und Veränderung herbeiführen.

Die Sache ist die: Das Universum ist auf Evolution ausgerichtet und wir leben aktuell in Zeiten massiver Veränderung. Wenn Sie sich nicht verändern und lieber in Ihrem defensiven Box-Modus bleiben wollen, verliert das Universum früher oder später die Geduld. Wenn Sie als Bremsblock der Evolution agieren, dann könnte es ungemütlich werden, weil das Universum dann dafür sorgen wird, dass Sie sich verändern und Verantwortung übernehmen. Sie können sich das so vorstellen, als würde das Universum mit einem riesigen Hammer plötzlich auf Ihre Box einschlagen und zack haben Sie einen Unfall, Ihr Haus brennt ab, Sie verlieren Ihren Job oder erleben sonstige Unannehmlichkeiten, damit Sie aufwachen und sich verändern. Das Universum ist auf verantwortliche Evolution ausgerichtet.

Was ist es aber, das uns abhält, über den Rand unsere Box hinauszugehen und die Sicherheitszone gänzlich zu verlassen? Schließen Sie einmal kurz die Augen. Spüren Sie einmal in sich hinein und fühlen Sie den Komfort und die weiche Watte in Ihrer Box. Sicherheitszone. Angenehm, oder? Merken Sie, dass Sie in der Mitte der Box stehen? Begeben Sie sich jetzt einmal an den Rand der Box und spüren Sie, wie sich Ihr Befinden ändert. Gehen Sie bis zum Rand. Welches Gefühl macht sich breit? Vielleicht kommen Ihnen Wörter wie „Unbehagen“, „Irritation“, „Nervosität“ oder ähnliches. Alle Begriffe lassen sich jedoch in einem einzigen Gefühl zusammenfassen: ANGST.

Wenn wir an den Rand unserer Box treten haben wir Angst, weil wir das bekannte, komfortable Terrain verlassen. Angst zu haben ist in unserer Gesellschaft jedoch nicht akzeptabel. Angst ist gefährlich, blockiert, man ist ein Angsthase, Schattenparker und Feigling. Es ist in unserer Gesellschaft einfach nicht in Ordnung, Angst zu fühlen (geschweige denn die anderen Gefühle Wut, Traurigkeit und Freude). Angst ist zu vermeiden. Somit haben wir Angst vor der Angst und gehen lieber wieder schnell einen Schritt von unserem Box-Rand zurück, begeben uns erneut in die Wattezone und harren dort der Dinge die kommen.

Diese Strategie könnte sich jedoch in Zeiten radikaler Veränderung und Wandlung, in der die Dinge eher chaotischer als ruhiger werden, als fatal erweisen. Stattdessen könnte es nützlicher sein, sich mit dem Gefühl der Angst vertraut zu machen. Dazu kann folgendes Experiment sehr hilfreich sein:

EXPERIMENT 1: ANGST NEU VERKABELN
Lassen Sie uns eine etwas ungewöhnliche, kleine Reise machen. Schließen Sie die Augen und nehmen Sie einen tiefen Atemzug. Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren Kopf oben aufklappen und tun Sie das vor Ihrem inneren Auge. Nun schauen Sie einmal in Ihr Gehirn rein und suchen Sie das rote Kabel, auf dem ANGST steht. Wenn Sie es gefunden haben, ziehen Sie es ein Stück heraus. Und jetzt schauen Sie einmal, mit welchem anderen Kabel es verbunden ist. Welche Farbe hat das andere Kabel und welches Wort steht dort drauf? Zum Beispiel könnte das rote Kabel der Angst mit dem gelben Kabel verbunden sein, auf dem „gefährlich“ steht. Dann würde die Definition ergeben „Angst ist gefährlich“. Schauen Sie in Ruhe, mit welchem Kabel das rote Kabel der Angst verbunden ist und sprechen Sie die Definition, die Sie über Angst haben laut aus: „Angst ist…“ Was ist Angst für Sie? Das ist die Definition, die Sie von Angst haben. Viele haben z. B. die Verkabelung „Angst ist bedrohlich“, „Angst ist lebensgefährlich“, „Angst ist schlecht“, etc.

Nun trennen Sie diese beiden Kabel vor Ihrem inneren Auge mit Hilfe eines Werkzeugs Ihrer Wahl (das kann eine Schere, ein Messer oder etwas anderes sein). Sobald Sie die beiden Kabel getrennt haben, halten Sie das rote Kabel der Angst in der Hand und lassen Sie das andere einfach los.

Welches Kabel würde exakt zu dem roten Kabelteil passen? Welche Farbe müsste der zweite Teil haben, um einwandfrei zu passen, um eine Einheit zu sein? Achtung, es ist nicht ein z. B. blaues Kabel mit der Aufschrift „okay“ oder „harmlos“. Dann hätten Sie plötzlich die Definition „Angst ist harmlos“, was in Gefahrensituationen übel ausgehen könnte.

Welches zweite Kabel wäre also genau passend? Richtig, das andere rote Kabel. Suchen Sie jetzt also das andere rote Kabelstück und halten Sie beide roten Kabel aneinander. Wie lautet die Definition? Angst ist…? Genau, ANGST IST ANGST.

Verschweißen Sie nun diese beiden Kabel fest miteinander. „Angst ist Angst“ und nur das. Angst ist nicht gut und nicht schlecht. Angst ist einfach Angst. Packen Sie nun diese neue Verkabelung zurück in Ihren Kopf und schließen Sie ihn wieder. Nehmen Sie einen tiefen Atemzug und öffnen Sie dann langsam die Augen. ANGST IST ANGST.

Wenn Sie jetzt das nächste Mal an den Rand Ihrer Box gehen und Angst spüren, dann wissen Sie „Angst ist Angst“, sie ist absolut neutral. Sie können dann, anstatt dem alten defensiven Box-Mechanismus von „Angst ist gefährlich“ zu folgen, der Angst vertrauen und sich von ihr führen lassen. Gehen Sie einfach dahin, wo die Angst ist. Für den leichten Einstieg sind hier einige Beispiel, die Sie ausprobieren können, um Ihre Boxgrenze zu überschreiten:

  • Putzen Sie sich mit Ihrer nicht-dominanten Hand die Zähne (bei Rechtshändern wäre das die linke Hand)
  • Tragen Sie Ihre Uhr an dem anderen Handgelenk.
  • Wenn Sie Socken mit Markierungen für links und rechts haben, tragen Sie die rechte Socke links und die linke Socke rechts.
  • Nehmen Sie einen anderen Heimweg als gewöhnlich.
  • Wenn jemand niest, sagen Sie irgendein Wort (z. B. Apfelkuchen) anstatt Gesundheit.
  • Gehen Sie in ein exotisches Restaurant, dass Sie sonst nie besuchen würden (z. B. afrikanisches, arabisches, afghanisches Essen) und bestellen Sie etwas, von dem Sie keine Ahnung haben, wie es schmeckt.
  • Sprechen Sie die Dame im Supermarkt mit ihrem Namen an (die haben alle diese netten Namensschildchen am Kittel).
  • Bitten Sie eine fremde Person um Hilfe.
  • Wenn Sie irgendwo warten müssen, z. B. am Flughafen, in der Post, im Hotel, sprechen Sie eine fremde Person an und unterhalten Sie sich nett.
  • Gehen Sie ohne Ihr Handy, Blackberry oder Smartphone aus dem Haus.
  • Wenn Sie merken, dass Sie eine fremde Person anschaut, dann winken Sie ihr fröhlich zu.
Das sind einige Übungen zum Aufwärmen, bei denen Sie vielleicht merken, dass Ihre Box rebelliert und fragt „So ein Quatsch, was soll denn das?“. Entscheidend ist jedoch, dass Sie zwar eine Box haben, aber nicht Ihre Box sind. Es geht um Veränderung. Vertrauen Sie der Angst vor Veränderung. Hier nun die fortgeschrittene Variante:

EXPERIMENT 2: PIRATEN-ABKOMMEN TREFFEN
Sie möchten gerne etwas Wesentliches in Ihrem Leben verändern, aber Ihre Box hat Sie bisher erfolgreich davon abgehalten? Zum Beispiel wissen Sie, dass Sie seit einem Jahr Ihre Internetseite überarbeiten müssen, um attraktiver für Kunden zu sein, aber Ihre Box hatte bisher prima Gründe, es nicht zu tun? Oder Sie wollen sich schon lange nach einem neuen Job umsehen, waren aber bisher zu bequem? Vielleicht ist es auch etwas kleineres, wie Garage ausmisten, Wohnung streichen oder ähnliches, was dringend ansteht, die Box aber bisher wirklich erfolgreich verhindert hat. Wie groß oder klein es auch sein mag spielt keine Rolle.

Haben Sie etwas gefunden, wo Sie aus dem gewöhnlichen Box-Verteidigungs-Mechanismus aussteigen und endlich etwas verändern wollen? Prima. Setzen Sie sich jetzt einen sportlichen, aber doch realistischen Termin, bis wann Sie die Veränderung durchgeführt haben möchten. ACHTUNG: Die Box ist clever und wird versuchen einen Termin in weiter Zukunft vorzuschieben. Unterliegen Sie nicht dieser Versuchung. Setzen Sie einen realistischen, knackigen Termin, bei dem Sie „aus den Puschen kommen“ müssen und Ihre Box keine Gelegenheit hat, erst noch 3 Wochen zu warten.

Gehen Sie jetzt zum Telefon und rufen Sie eine Person an, von der Sie wissen, dass Sie sich auf sie verlassen können. Wählen Sie die Nummer und vereinbaren Sie dann ein sogenanntes Piraten-Abkommen, das wie folgt aussieht: „Hallo xy. Ich würde gerne ein Piraten-Abkommen mit Dir schließen. Das bedeutet folgendes: Ich habe das-und-das vor… (beschreiben Sie Ihr Vorhaben). Die Frist ist der … (nennen Sie das konkrete Datum). Würdest Du mich bitte alle 3 Tage anrufen und mir in den Hintern treten? Wenn ich die Veränderung/das Ziel nicht bis zu dem Termin geschafft habe, bekommst Du meine Kreditkarte und kannst so lange damit einkaufen, bis ich die Veränderung/das Ziel erreicht habe.“

Das nennt man Piraten-Abkommen. Das nicht Durchführen der Veränderung muss schmerzhaft für Sie sein, sonst gewinnt die Box wieder die Oberhand und schiebt die Dinge hinaus. In diesem Sinne, ermutige ich Sie, in den expansiven Box-Modus zu wechseln, denn heute gilt mehr denn je, dass nichts ist so beständig ist, wie der Wandel.

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel

* Possibility Mangement wurde von Clinton Callahan begründet und basiert auf einem Spektrum neuartiger, innovativer Soft-Skills, die es ermöglichen, Ihre inneren Ressourcen freizusetzen und zur Anwendung zu bringen. Ein wertvolles Buch zum Thema Angst und Gefühle ist „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.

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