Donnerstag, 15. März 2018

12 Alltags-Werkzeuge auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung


Hast Du Dich einmal bewusst in verschiedenen Momenten Deiner Beziehung gefragt, mit welchem Teil Deines Partners/Deiner Partnerin Du gerade in Beziehung bist? Und nicht nur das, sondern auch welchen Teil von Dir selbst Du gerade in die Beziehung einbringst? Vielleicht stutzt Du jetzt und fragst Dich „Wieso, mit welchem Teil? Ich bin ich und er ist er bzw. sie ist sie.“ Es lohnt sich jedoch, diese Frage einmal ernsthaft zu betrachten und zwar nicht nur einmal, sondern idealerweise mehrmals am Tag, um zu vermeiden, gewöhnliche Beziehung zu erschaffen.

Um außergewöhnliche Beziehung erschaffen zu können, ist es notwendig, dass Du Klarheit über die unterschiedlichen Teile hast, die am Steuer Deiner Beziehung sitzen können und die gänzlich unterschiedliche Absichten verfolgen:

  1. Dein Ego (auch genannt Deine Box, Deine Weltsicht, Deine Identität)
  2. Dein Sein


Welcher Teil sitzt am Steuer?
Um herauszufinden, welcher Teil die Oberhand hat, beantworte einmal folgende 12 Fragen:

  1. Wenn Du mit Deinem Partner sprichst, hast Du da gerne recht und stellst Dinge richtig?

  1. Findest Du Dich gelegentlich oder auch öfter in Streits, Beschuldigungen oder Diskussionen mit Deinem Partner wieder?

  1. Wenn er /sie Dir etwas erzählt, dass Dich nicht interessiert, rollst Du da (wenn auch nur innerlich) mit den Augen oder überlegst in Gedanken schon einmal, was Du noch alles auf Deiner ToDo Liste hast?

  1. Sammelst Du Grollpunkte, weil Dein Partner die Dinge nicht so sieht oder tut, wie Du es gerne hättest? (z. B. seine Sachen wegräumen, im Haushalt helfen, den Autoschlüssel dahin legen, wo er doch immer liegt, o. ä.).

  1. Hast Du Erwartungen an Deinen Partner und lässt Du ihn spüren, wenn er sie nicht erfüllt? (Er/Sie kann es Dir einfach nicht recht machen).

  1. Fallen Dir immer wieder wichtige Dinge ein, die Du erst noch erledigen musst, wenn eigentlich die Gelegenheit da wäre für Nähe und Intimität (fällt Dir dann z. B. ein, dass Du noch 3 Emails schreiben, 5 WhatsApp Nachrichten beantworten oder den Müll raustragen wolltest?).

  1. Verausgabst Du Dich in Deinem Job oder auch in der Freizeit so sehr, dass Du in allen Körpern (vor allem dem physischen, aber auch dem emotionalen, intellektuellen und energetischen Körper) müde und erschöpft bist, sodass Du gar keine Muße mehr hast, um die gemeinsame Zeit mit Deinem Partner wirklich genießen zu können?

  1. Wenn Du eine Frau bist: Beschwerst Du Dich bei Deinem Mann, dass er nicht genauso zuhört, wie Deine Freundin und stattdessen sofort mit Lösungsvorschlägen kommt?
Wenn Du ein Mann bist: Bist Du genervt, weil Deine Partnerin nicht auf den Punkt kommt, sondern stattdessen mehrere Themen gleichzeitig erzählt, oder aber ein Thema viel zu ausschweifend ausführt?

  1. Beschuldigst Du Deinen Partner gelegentlich für alles, was schief läuft und was nicht erledigt ist.

  1. Hoffst Du, dass Dein Partner Deine unerfüllten Bedürfnisse aus der Vergangenheit stillt? (z. B. den früheren Mangel an Liebe, Aufmerksamkeit, Wertschätzung, etc.)

  1. Wenn Dein Partner einen roten Knopf bei Dir drückt, reagierst Du dann sofort aus dieser Emotion heraus und verfällst in eine Diskussion, in einen Streit, in Schmollen oder Rückzug?

  1. Führst Du in Deinem Kopf wiederholt Dialoge, wie dumm Dein Partner ist, was er/sie wieder alles falsch gemacht hat und dass er möglicherweise nie begreifen wird, was Du tatsächlich brauchst (denn dass müsste er doch eigentlich spüren bzw. in Deinen Augen lesen, oder?)?

Hast Du eine oder mehrere Fragen mit JA beantwortet? Dann erschaffst Du möglicherweise gewöhnliche Beziehung, weil Deine Box/Dein Ego am Werk ist. Sobald Dein Partner etwas sagt, das Dich triggert und Du an den Haken gehst, reagiert bereits Deine Box. Die Box besteht aus Meinungen, Erziehung, kulturellen und religiösen Prägungen, Geschichten, Vorurteilen, gesellschaftlichen Normen und Regeln, Erfahrungen, etc. Der höchste Zweck der Box ist Schutz, Kontrolle und Überleben, d. h. Dein Ego bzw. Deine Box tut alles dafür, um die Dinge so zu belassen, wie sie sind und keine Verantwortung zu übernehmen. So kannst Du in der bequemen Komfortzone bleiben. Das ist nicht gut und nicht schlecht, es ist einfach der Mechanismus der Box. Gleichzeitig produziert dieser Mechanismus jedoch bestimmte Resultate, die auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung hinderlich sind.

Die gute Nachricht ist:

Du hast eine Box/ein Ego, doch Du bist nicht Deine Box /Dein Ego.

Wir sind jedoch häufig so mit unserer Box und ihren ganzen Eigenschaften identifiziert, dass wir meinen, wir sind die Box, wir sind unsere Weltansicht, wir sind unsere Glaubenssätze. Somit sind auch oftmals die Boxen in Beziehung, was jedoch letztendlich nur gewöhnlicher Beziehung erlaubt.

Zum Glück gibt es da noch einen anderen Teil: Das Sein.

Das Sein ist die Essenz eines jeden Menschen; der Teil, der sogenannte helle Seins-Qualitäten hat, die jenseits antrainierter Muster, Glaubenssätze und Erfahrungen liegen. Seins-Qualitäten spiegeln sich oft in Prinzipien wie Güte, Liebe, Gelassenheit, Begeisterung, Miteinander, Entwicklung, Großzügigkeit, Klarheit, Disziplin, Teamwork, Vielfalt, Kreativität, etc. wider. Jeder Mensch hat ganz individuelle Seins-Qualitäten.



12 Beispiele, um in den Miteinander-Sein-Modus zu wechseln
Um mit Deinem Partner / Deiner Partnerin außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen, ist es hilfreich, dass Du in den Miteinander-Sein-Modus kommst. Hier 12 Alltagsbeispiele, wie das gelingen kann:

  1. Wenn Du Dich in einem Gespräch mit Deinem Partner ertappst, dass Du gerne recht haben möchtest, halte inne und erinnere Dich an folgenden Satz „Entweder Du hast recht, oder Du bist in Beziehung“. Beides gleichzeitig geht nicht. Ein Anführer in Beziehung ist der, der zuerst runterkommt von seiner Position. Hör auf, zu kämpfen! Gib Dein Rechthaben und Besserwissen auf, das einfach nur ein Überlebens-Kontroll-Mechanismus Deiner Box ist.

  1. Sei ein JA für Deinen Partner. Damit ist gemeint, dass Du einmal schaust und radikal ehrlich bist, wie oft und in welchen Situationen Du ein NEIN bist und dann zu einem JA wechselst (sagst Du z. B. oft nein, wenn er einen Vorschlag macht?). Wenn Du oft ein Nein bist, schau Dir den Film „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey an.

  1. Wenn er/sie Dir etwas erzählt, dass Dich nicht interessiert, fokussiere Dich auf die Begeisterung mit der er/sie erzählt oder auf eine andere Qualität, die in ihm/ihr steckt. Entdecke die Seins-Qualität in ihm/ihr. Du kannst die Seins-Qualitäten in den Augen lesen.

  1. Jeder noch so kleine Grollpunkt verhindert Nähe und Intimität. Hab den Mut, Dich verletzlich zu zeigen und Deine Grollpunkte direkt anzusprechen und zu klären, damit Ihr weiter miteinander sein könnt.

  1. Bleibe komplett bei Dir, indem Du lernst, zentriert zu sein. So kannst Du Deinem Partner/Deiner Partnerin kraftvoll auf Augenhöhe begegnen, anstatt Dich in Bedürftigkeit und Angepasstheit zu verlieren. Bitte dann authentisch um das, was Du brauchst (anstatt Erwartungen zu haben).

  1. Sei wach und präsent, sodass Du die Gelegenheiten und Türen zu Intimität erkennen kannst. Anstatt noch vermeintlich wichtige Alltagsdinge zu erledigen, deklariere, dass die weitaus wichtigste Sache für Dich der Raum von Intimität und Liebe ist. Dann genieße den freien Abend mit Deinem Mann/Deiner Frau.

  1. Achte auf Dich, Deinen Körper, Deine Ernährung und schau, dass Du genug Ruhephasen für Dich hast, damit Du in der gemeinsamen Zeit, die Ihr miteinander verbringt, fit und ausgeruht bist. Ein ständig müder und ausgelaugter Partner ist nicht sehr sexy. Zieh in Betracht, dass Dein Gremlin – der König Deiner eigenen Unterwelt, Dein innerer Schweinehund – arbeiten und erschöpft sein als großartige Möglichkeit inszeniert, um tiefe Intimität und Nähe zu vermeiden.

  1. Nutze sogenanntes Entdeckungszuhören, d. h. wenn Dein Partner Dir etwas erzählt, lenke Dein Ohr bewusst z. B. auf das Prinzip Liebe. Höre zwischen den Zeilen, wo er/sie sagt „Ich liebe Dich“ (wenn er Dir beispielsweise erzählt, dass er wie versprochen noch die Getränke eingekauft hat oder die Heizung repariert hat, zieh einmal in Betracht, dass er das aus Liebe gemacht hat, damit Du versorgt bist bzw. Ihr es warm habt.)

  1. Wertschätze Deinen Partner/Deine Partnerin so oft es geht. Was schätzt Du an ihm/ihr? Bedanke Dich für die vielen kleinen Dinge, die er/sie jeden Tag tut (auch wenn es so etwas ist, wie die Spülmaschine ausräumen).

  1. Nimm Deine Gefühle (Wut-Freude-Traurigkeit-Angst) wieder in Besitz und teile Dich authentisch verletzlich mit, was Du fühlst, anstatt oberflächlich über Alltagslogistik zu sprechen. Beginne mit dem Satz „Ich fühle ich wütend/ängstlich/traurig/froh, weil…“.

  1. Lerne, Deine Wut-Kraft zu nutzen, um Gefühle von Emotionen zu unterscheiden. Sobald Dein Partner etwas sagt oder tut und damit einen roten Knopf bei Dir drückt, atme erst ein paar Mal ruhig weiter. Finde die Lücke. Vermeide, sofort aus der Emotion heraus (die oft auf alten Erlebnissen oder Entscheidungen basiert) zu reagieren. Es könnte helfen, zunächst den Satz zu sagen „Moment, ich bin am Haken. Das hat nichts mit ihm/ihr zu tun.“ Dann teile mit, dass Du gerade am Haken bist. Wenn Du feststellst, dass er/sie Dich immer wieder mit einem Thema an den Haken nehmen kann, kümmere Dich darum, dass Du das Thema bei Gelegenheit angehst und für Dich löst.

  1. Achte auf Deine Gedanken! Sobald Du merkst, dass Du Deinen Partner/Deine Partnerin in Gedanken zum Idiot machst, schlage sofort eine neue Richtung ein. Stelle innerlich ein STOP-Schild auf (oder einen ganzen Schilder-Wald) und finde mindestens eine Sache, die Du an ihm/ihr wertschätzt. Selbst wenn Du ihn/sie nur gedanklich zum Idioten machst, wird es energetisch sofort Auswirkung auf Deine Beziehung haben.

Paar-Experiment im Miteinander-Sein
Und hier noch ein Experiment im Miteinander-Sein, das Du mit Deinem Partner/Deiner Partnerin machen kannst:

Setzt Euch gegenüber voneinander hin (idealerweise ohne Tisch dazwischen), jedoch so, dass Ihr Euch nicht berührt. Nun deklariert Ihr 10 Minuten Seins-Zeit. Während dieser 10 Minuten schaut Ihr Euch in die Augen. Fokussiere Dich dabei am besten auf ein Auge Deines Gegenübers. Es geht bei dem Experiment nicht um Starren, oder darum, wer länger schauen kann oder den anderen zum Lachen bringt. Es geht darum, den anderen in seinem Sein zu sehen und sich selbst sehen zu lassen.
 

Versuche den Modus zu wechseln von „eine Beziehung HABEN“ zu „in Beziehung SEIN“ und sieh Deine Beziehung als einen Raum voller Möglichkeiten, wo Verbindung, Entwicklung, Integrität, Fluss, tiefes Teilen, Leichtigkeit, Liebe, Humor und Intimität entstehen dürfen. Niemand hat gesagt, dass dies einfach ist. Beziehung ist ein bewusster, fortwährender Akt nichtlinearen Kreierens. Die Frage ist: bist Du bereit, Verantwortung zu übernehmen, mehr und mehr in den Seins-Modus zu wechseln,  um achtsam und präsent authentische und außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen?

Viel Freude beim Experimentieren!

Herzliche Grüße, 
Nicola Nagel


GIB DEINEM LEBEN EINE NEUE RICHTUNG!
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Freitag, 9. Februar 2018

NEW WORK: Kultur frisst Struktur zum Frühstück



Im Rahmen der New Work Bewegung gibt es ein Thema, das immer wieder auftaucht und Fragen aufwirft: Wie kann eine bestehende und langjährig etablierte hierarchische Struktur in einer Firma verändert werden und dadurch eine neue Art des Arbeitens und des Miteinanders geschehen? Oftmals wird versucht neue Resultate im alt bekannten Kontext zu erzielen, was sich jedoch als sehr schwierig erweist. Hast Du jemals versucht, zu neuen Ergebnissen zu kommen, ohne Dein Handeln oder Deine Gedankenmuster tatsächlich zu ändern? Fast jeder hat dieses Vorgehen schon probiert. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es nicht funktioniert. Obwohl sie es besser wissen müssten, versuchen die Menschen es jedoch immer wieder. Um es mit den Worten Albert Einsteins zu sagen „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

Der Kontext bestimmt, was möglich ist
Wie ist es also möglich, neue Resultate zu erzielen? Um tatsächlich neue Resultate erzielen zu können, ist es notwendig, in einen neuen Kontext zu wechseln, in dem nicht mehr das gewöhnliche Verhalten, die gewöhnlichen Perspektiven und Bedingungen vorherrschen. Der vorherrschende Kontext bestimmt grundsätzlich, was möglich ist. Es ist entscheidend, durch einen neuen Kontext eine neue Kultur zumindest in Ansätzen zu entwickeln, um den gewohnten kulturellen Kontext im Unternehmen abzulösen bzw. überflüssig zu machen.




Die Anschlussfrage, die sich somit aufdrängt lautet: Welche Kultur – basierend auf dem Kontext - herrscht im Unternehmen vor?

Die meisten Menschen sind Unternehmenskulturen gewohnt, in denen Hierarchie vorherrscht, die top down funktioniert. Die klassische, hierarchische Struktur hatte dabei ursprünglich die Absicht, die Komplexität zu reduzieren und durch Kontrolle vermeintliche Sicherheit zu schaffen. Je besser die Abläufe und Menschen kontrolliert werden können – so eine der bisherigen Annahmen – desto besser können die Unternehmens-ziele und -ergebnisse gesteuert werden. Bis zu einem gewissen Grad hat das in der Vergangenheit auch funktioniert. Die Problematik daran ist jedoch mittlerweile, dass wir in einer hochkomplexen Welt leben, die sich immer schneller verändert. Der Versuch, die steigende Komplexität durch bisher bekannte, hierarchische Strukturen weiterhin zu meistern, erweist sich zunehmend als Sackgasse.

Komplexität ist das Gegenstück zu Kompliziertheit
Komplexität bezeichnet das Verhalten eines Systems oder Modells, dessen viele Komponenten auf verschiedene Weise miteinander interagieren können, nur lokalen Regeln folgen und denen Instruktionen höherer Ebenen unbekannt sind. Bei dem Begriff handelt es sich um ein Kompositum aus der lateinischen Präposition cum ‚mit‘, oder ‚zusammen mit‘ und plectere ‚flechten‘ oder ‚ineinander fügen‘ Sinne von ‚verflochten‘, ‚verwoben‘. (Quelle: Wikipedia)

Wenn man diese Bedeutung mit der Arbeitswelt verknüpft – die meisten Firmenstrukturen sind hoch komplex – so würde dies bedeuten, dass es entscheidend ist, die Komplexität an sich zu nutzen und ein Miteinander und eine Verflechtung von Talenten zu fördern, sodass sich die Qualitäten der einzelnen Mitarbeiter und Abläufe ineinander fügen können.

Viele Menschen verknüpfen Komplexität jedoch mit Kompliziertheit. Dabei ist Komplexität das Gegenstück zu Kompliziertheit. Erst wenn wir versuchen, Komplexität zu verstehen und durch bekannte hierarchische Strukturen zu kontrollieren, dann wird es kompliziert.

Eine neue Möglichkeit könnte sich dadurch ergeben, nicht zu versuchen, die Komplexität zu reduzieren, sondern die Kompliziertheit. Dies ist ein Ansatz, der einem anderen als den bisher gängigen Kontexten entspringt. Doch genau das erfordert eine mutige Fertigkeit, die dem gängigen Vorgehen entgegensteht. Die Kompliziertheit zu reduzieren und die Komplexität zu nutzen, macht es notwendig, dass Du im Nichtwissen stehen und es aushalten kannst.

Komplexität beinhaltet Nichtwissen
Aus dem Nichtwissen heraus zu agieren bedeutet, tatsächlich keine Ahnung zu haben, wie etwas geht. Dieser Aspekt an sich scheint völlig absurd, da in der modernen Arbeitswelt der Fokus stark auf Kontrolle und Sicherheit liegt. Die Jahreszahlen, der Gewinn, der Marktanteil, alles wird genau geplant. Ein Manager, der keine Antwort auf Fragen hat, auf Kontrolle der Mitarbeiter verzichtet oder keine Ahnung hat, wie sich ein Projekt entwickeln wird, wird schnell als unprofessionell und nicht zurechnungsfähig abgestempelt. In der bisherigen Arbeitswelt war es beinahe absolut notwendig, die Dinge im Griff zu haben, zu wissen wie etwas geht, kein zu hohes Risiko einzugehen und jederzeit eine professionelle Figur zu machen.

Diese Aspekte stehen Evolution und damit dem Etablieren einer neuen Arbeitskultur jedoch entgegen. Evolution funktioniert nicht mit Kontrolle, Sicherheit, Netz und doppeltem Boden. Oder dachtest Du die ersten Segler hätten gewusst, wie ihre Reise verlaufen würde, als sie sich auf den Weg machten zu schauen, ob sie am Ende der flachen Erdscheibe tatsächlich mit ihrem Schiff über die Kante fallen oder sich die Erde als rund erweisen würde? Pioniere sind bereit, nicht zu wissen. Menschen mit der Vision, dass ein anderes Arbeiten im Dienst der Menschen und der Erde möglich ist, sind bereit, voranzugehen ohne zu wissen, wie es geht. Die Vision ist in dem Fall wichtiger, als „gut“ auszusehen und von allen akzeptiert und gemocht zu werden.

Evolution entsteht aus dem Nichtwissen. Was bedeutet das konkret? Wenn Du eine brillante, innovative Idee hast, wie neues Arbeiten funktionieren könnte, dann musst Du nicht jetzt bereits wissen, wie Du es realisierst. Es ist nicht notwendig, im Vorfeld bereits die Meilensteine in einem Projektplan niederzuschreiben, alle Details zu kennen oder gar zu wissen, wie sich die Idee bzw. das Projekt entwickeln wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Du Dich der Vision verpflichtest. Die Entscheidung und Verpflichtung kommen zuerst. Der Rest ergibt sich dann automatisch Schritt für Schritt. „Vertraue dem Prozess“ ist dabei eine Maxime.

Um im Nichtwissen stehen zu können, ist eines allerdings entscheidend: Du musst mit Deiner Angst vertraut sein und sie als neutrale Energie und Information wahrnehmen und aushalten können. Mit dem Glaubenssatz Angst sei negativ und unprofessionell, wirst Du Deine Komfortzone nicht verlassen und somit vermeiden im Unternehmen möglicherweise gefährliche Fragen zu stellen, auf Missstände hinzuweisen, verrückte Ideen auszuprobieren und Deine Vision einer neuen Arbeitsweise Wirklichkeit werden zu lassen. Bedarf Mut, voranzuschreiten? Ja, durchaus. Doch ziehe einmal Folgendes in Betracht:
Mut ist nicht das Ausbleiben von Angst. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.

Hier ein konkretes Beispiel der Firma Gutmann Aluminiumdraht GmbH in Weißenburg (GAD), die genau diesen Weg gegangen ist:

Der Start der Transformation bei der GAD (nach einer langen und intensiven Vorbereitungszeit) begann unter der Geschäftsführung von Paul Habbel in 2015. Er revolutionierte schrittweise die Organisation, nachdem die Mitarbeiter der Firma auf Basis des Films „Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ einstimmig entschieden hatten, dass sie so arbeiten wollten, wie es im Film dargestellt wurde. Sie waren inspiriert von dem Gedanken einer neuen Firmen- und Arbeitskultur. Anlässlich eines Kulturwandeltages, zu dem regelmäßig interessierte Firmen eingeladen werden, die vom Beispiel Gutmann lernen möchten, erzählte Paul Habbel „Wir wussten nicht wie es geht. Wir wissen es auch heute noch nicht. Das einzige, was wir tun können, ist ein Schritt nach dem anderen zu machen und zu schauen, was funktioniert und was nicht funktioniert.“ Und bei Gutmann funktioniert mittlerweile einiges im Sinne einer neuen Arbeitswelt, beispielsweise folgende:

  • Besprechungen finden hauptsächlich in Stuhlkreisen statt und nicht mehr an Tischen.
  • Das Motto „Zuhören um den menschlichen Geist zu entzünden, nicht um zu antworten“ wird gelebt.
  • Klassische, personengebundene Hierarchien wurden abgeschafft und durch eine natürliche Hierarchie ersetzt.
  • Die Mitarbeiter der Produktion planen selbstständig und verantwortlich ihre Schichten gemeinsam.
  • Auch die verantwortliche und Team-orientierte Urlaubsplanung wird mittlerweile in die Hände der  Mitarbeiter gelegt.
  • Fehler werden als Lern- und Wachstumsquelle gesehen, nicht als individuelles Versagen
  • Von oben aufgedrückte Entscheidungen gehören der Vergangenheit an.
  • Ein Miteinander auf Augenhöhe über alle Abteilungen hinweg.

Bei der GAD wird das Nichtwissen und die Angst also genutzt, um kreativ zu werden, innovativ zu sein, ungewöhnliche, bahnbrechende Ideen zu entwickeln, neues Gebiet zu betreten und zu erforschen, achtsam zu sein (insbesondere was die Mitarbeiter im Wandlungsprozess angeht), sich zu konzentrieren, neugierig zu sein, präzise zu sein, gefährliche Fragen zu stellen, Fehler zu machen und daraus zu lernen, nichtlinear vorzugehen, zu improvisieren und Gefahren bzw. Risiken zu wittern.

Komplexität beinhaltet natürliche Hierarchie und Miteinander auf Augenhöhe
Bei Gutmann wird die Vielfalt der Komplexität genutzt, um eine neue Ordnung im Unternehmen zu schaffen, eine Ordnung, bei der die Mitarbeiter allesamt auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und das Miteinander entscheidend ist. Allein von der Definition her schließt Komplexität eine natürliche Hierarchie oder Ordnung ein, da alles miteinander verflochten ist und zusammen wirkt. Die Tatsache, dass völlig neue – für den ein oder anderen möglicherweise verrückte - Ideen bei der GAD eingebracht und umgesetzt werden und damit der Weg für eine neue Kultur geebnet wird, inspiriert die Mitarbeiter mehr und mehr. Ist dieser Wandlungsprozess ein leichtes Unterfangen? Sicherlich nicht. Solch ein Wandlungsprozess bringt viele Stolpersteine mit sich. Einen neuen Kontext und damit eine neue Kultur zu etablieren, ist gerade für Mitarbeiter, die gerne ihren gewohnten Arbeitsbereich haben und es bevorzugen, in ihrer Komfortzone zu bleiben, eine echte Herausforderung. Umso wichtiger ist es, in der Veränderung selbst, permanent auf das Miteinander zu achten und zu schauen, wo die einzelnen Mitarbeiter stehen und wie es ihnen geht. Doch eines steht fest. Kultur frisst Struktur zum Frühstück. Sobald die Mitarbeiter von der Vision einer neuen Kultur inspiriert sind und bereit sind, diesen Weg einzuschlagen, beginnen die alten hierarchischen Strukturen und Vorgehen zusammenzubrechen. Kultur ist stärker als Struktur. Doch es ist notwendig, dass es in Firma Visionäre und Pioniere gibt, die sich verpflichten den Rahmen zu schaffen bzw. den Raum für solch ein Veränderungsprojekt zu halten. Bist Du bereit, diese Verpflichtung einzugehen? In welcher Art von Unternehmenskultur würdest Du gerne arbeiten bzw. leben?

Beste Grüße,
Nicola Nagel


EMPOWERING PEOPLE - FACILITATING CHANGE!
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Mittwoch, 17. Januar 2018

Stehst Du zu Deiner einzigartigen, brillanten Kraft?



Den Jahresbeginn nutzen viele Menschen als Neubeginn, d. h. dafür, altes hinter sich zu lassen, Gewohnheiten abzulegen und neues auszuprobieren oder mit Disziplin zu verfolgen. Wie wäre es da, in die Liste der Vorhaben für das neue Jahr folgendes mit aufzunehmen und sogar an die erste Stelle zu setzen: Die eigene Größe zur Entfaltung bringen und in jeder Hinsicht leben und strahlen lassen!

Hast Du Dir einmal bewusst die Frage gestellt, ob und inwieweit Du Deine einzigartige, innewohnende Kraft tatsächlich lebst? Wo stehst Du hinter Deinem Potential und Deinen Talenten zurück, weil Du Dich nicht traust? Die eigene Größe und Kraft wirklich zu leben, ist oftmals unsere größte Angst. Der Text von Marianne Williamson aus dem Buch "A Return To Love: Reflections on the Principles of A Course in Miracles", der auch von Nelson Mandela bei in seiner Antrittsrede 1994 zitiert wurde, bringt es auf den Punkt:

„Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzureichend sind. Unsere größte Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten erschreckt. Wir fragen uns selbst, „Wer bin ich, dass ich brillant, prachtvoll, talentiert und sagenhaft bin?“ Tatsächlich, wer bist du, es nicht zu sein? (…)

Es dient der Welt nicht, wenn du dich klein machst. Sich klein zu machen, nur damit sich andere um dich herum nicht unsicher fühlen, hat nichts Erleuchtetes. (…) Indem wir unser eigenes Licht leuchten lassen, geben wir unbewusst anderen die Erlaubnis, es auch zu tun. Indem wir uns von unserer eigenen Angst befreien, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.“  

Die Angst, die Dich abhält, kraftvoll zu sein, ist möglicherweise die Angst, dass andere ein Problem haben könnten, wenn Du Deine Größe und Dein Talent in die Welt bringst. Es könnte die Angst sein, als verrückt oder komisch erklärt zu werden, als Konkurrenz gesehen und möglicherweise bekämpft, missachtet oder ausgegrenzt zu werden. Wie Du die Angst auch beschreiben würdest, es ist - wenn Du diese Angst bis zum Ursprung zurück verfolgst - letztendlich jedes Mal die Angst vor dem Tod. Ausgegrenzt oder ignoriert zu werden kann sich anfühlen, als würde ein Teil von Dir sterben. Daher ist es hilfreich, eine neue Perspektive in Bezug auf die Angst einzunehmen, wenn Du Deine Größe und Deine Brillanz in die Welt bringen möchtest. Lass uns dazu ein Experiment machen.

Experiment 1: Was bedeutet Angst für Dich?
Bevor Du eine neue Perspektive in Bezug auf Angst einnehmen kannst, ist es hilfreich zunächst einmal zu schauen, welche bisherige Definition von Angst Du in Dir trägst? Wenn Du den Satz „Angst ist …“ vervollständigen müsstest, wie würde er lauten? Möglicherweise hast Du in Dir eine verknüpfte Definition von „Angst ist…“

  • gefährlich
  • unangenehm
  • zu vermeiden
  • Terror
  • panisch
  • blockierend
  • nicht zielführend
  • unprofessionell
  • schwach
etc.

Schreibe diese Definition einmal auf. Solch eine Definition von Angst zu haben, ist nicht verwunderlich, denn wir lernen nichts über Angst bzw. Gefühle im Allgemeinen. Stattdessen wachsen wir in der modernen Gesellschaft mit der Haltung auf, dass Angst – wie andere Gefühle auch – nicht in Ordnung und auf jeden Fall zu vermeiden ist.

Um jedoch Dein Talent, Deine Brillanz, Dein Licht in die Welt zu bringen, ist es entscheidend, dass Du mit der Angst vertraut wirst und sie als wertvolle Informations- und Energiequelle nutzt. Um die Angst verantwortlich in Deinem Leben nutzen zu können, ist es daher notwendig, in einem ersten Schritt die bisherige Definition zu ändern.

Experiment 2: Eine neue Definition von  Angst
Um Deine innewohnende Kraft  und Brillanz wirklich in die Welt bringen zu können, brauchst Du eine neue Sichtweise auf Angst, die zum einen neutral und gleichzeitig kraftvoll ist. Wie könnte eine neue Deklaration lauten?

Möglicherweise gehen Dir jetzt Sätze durch den Kopf wie „Angst ist positiv“ oder „Angst ist nützlich“ oder „Angst ist nicht schlimm“. Die Krux bei dieser Art neuen Definition ist, dass Du – wie bei der alten Definition auch – eine Wertung verknüpfst, die auf Dauer nicht hilfreich ist. War vorher die übergreifende Definition „Angst ist schlecht“ so würde einer der geraden genannten Sätze übergreifend deklarieren „Angst ist gut“. Es geht jedoch nicht um gut oder schlecht, richtig oder falsch. Es geht darum, dass Angst eine neutrale Energie und Information ist, die Dir dient. Ziehe daher einmal folgende neutrale Definition in Betracht: 

Angst ist Angst!

Lass das einmal sacken: Angst ist Angst. Nur das. Angst ist weder gefährlich, noch panisch, noch blockierend. Angst ist Angst. Eine komplett neutrale Definition. Wir haben dieses Gefühl nicht umsonst, es ist kein Designfehler des Universums. Die Angst leitet uns im Leben und wir brauchen sie. Angst ist Angst! Lass diese neue Definition einmal ganz in Deine Zellen sinken. Diese Definition ermöglicht Dir, Angst überhaupt wieder bewusst in Deinem Leben zu fühlen und zu nutzen.

Mit dieser neuen Definition kann Angst Dir als neutrale Energie und Information dienen. Wenn das Gefühl der Angst Dir als neutrale Energie und Information zur Verfügung steht, was könntest Du dann damit tun? Nun Du könntest:


·         wach und präsent sein
·         kreativ sein
·         in unbekannte Gebiete gehen
·         neue Projekte starten
·         im Nichtwissen stehen
·         Losgehen, bevor Du weißt, wie es geht
·         improvisieren
·         ungeahnte Kräfte freisetzen
·         eine neue Richtung einschlagen, obwohl alle um Dich herum das Gewohnte machen
·         etc.



Ja, es kann sich beängstigend anfühlen, Deine volle Größe zu leben und inspirierende Projekte ins Leben zu rufen und scheinbar unmögliche Dinge zu vollbringen. Die Angst ist das entscheidende Gefühl, das alle großen Pioniere, Forscher, Regel-Brecher, Piraten, Magiere und Evolutionäre genutzt haben. Sie haben die Angst genutzt, um in unbekanntes Gebiet zu gehen und Dinge zu vollbringen, die vor ihnen noch niemand vollbracht hatte. Sie hatten den Mut, sich auf den Weg zu machen und sich von der Angst als neutrale Energie und Information leiten zu lassen.

Auch die anderen Gefühle Wut, Traurigkeit und Freude sind absolut notwendig, um Deine Größe in die Welt zu bringen, doch heute ist die entscheidende Frage, ob Du Deine Angst nutzen kannst, um zu beginnen, ohne zu wissen, wie es geht.
In dieser Zeit schneller Veränderung, in der die Erde bedroht ist, braucht es keine erfolgreichen Menschen im alten Sinne mehr, sondern Menschen, die bereit sind, Ihr Talent, Ihre Größe, Ihre Brillanz und Ihr Licht in die Welt zu bringen. Oder  wie der Dalai Lama sagt:  
„Der Planet braucht keine erfolgreichen Menschen mehr. Der Planet braucht dringend Friedensstifter, Heiler, Erneuerer, Geschichtenerzähler und Liebende aller Arten. Er braucht Menschen mit Zivilcourage, bereit, sich dafür einzusetzen, die Welt lebenswert und menschlich zu gestalten. Diese Qualitäten haben wenig mit der Art Erfolg zu tun, die in unseren Kulturen verbreitet ist.“

Jeder einzelne von uns wird in seiner vollen Größe und Kraft gebraucht. Du wirst gebraucht! Und wenn irgendjemand ein Problem damit hat, dass Du kraftvoll bist, wessen Problem ist es dann? Richtig, das Problem der anderen Person. Lass sie ihr Problem haben. Es geht darum, dass Du strahlst. Bist Du bereit, das zu leben?

Herzlich strahlende Grüße,
Nicola Nagel


P. S. Inspirierende Fertigkeiten, um Deine Größe und Kraft zu entfalten und in die Welt zu bringen kannst Du in den sogenannten Expand The Box Trainings und Possibility Laboratorien erlernen und erfahren. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu findest Du auf www.viva-essenza.com



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