Montag, 15. Mai 2017

Wessen Leben lebst Du?



Hast Du Dich einmal bewusst gefragt, wessen Leben Du eigentlich lebst? Viele antworten auf diese Frage meist sehr schnell mit „Na, ich“. Trotzdem lohnt es sich genau diese Antwort einmal zu hinterfragen. Wir meinen oftmals, dass wir selbst unser Leben führen, doch warum sind viele Menschen dann trotzdem nur bedingt glücklich?

Es könnte daran liegen, dass sie unbewusste Konditionierungen in sich tragen, die sie daran hindern, ihr eigenes Leben zu leben. Stattdessen leben sie in Teilaspekten (z. B. in ihrem Job, ihrer Beziehung, oder in kleinen Alltagssituationen) möglicherweise das Leben der Eltern, anderer Autoritätspersonen (wie z. B. Lehrern oder Idolen), der Medien, oder der Gesellschaft im Allgemeinen.

Kürzlich erhielt ich nach einem Training eine berührende E-Mail von einem Mann, der sich genau diese Frage in Bezug auf seinen Job gestellt hat. Er hatte bisher gedacht, dass er sein Leben nach seinen Vorstellungen lebte und vor allem die Gestaltung seines Berufes auf eigenen Entscheidungen basierte. Nach dem Training wurde ihm plötzlich klar, dass die Ausgestaltung seiner beruflichen Tätigkeit jedoch tatsächlich darauf basierte, dass er es seinem Vater recht machen und dessen Ansprüchen genügen wollte. Basierend auf dieser Erkenntnis entschied er sich, diesem Weg langfristig nicht weiter zu folgen, sondern ab sofort die Dinge so zu gestalten, wie er sie im Herzen spürte.

Wessen Leben lebst Du?  Hier einige Beispiele, die Dir helfen können, diese Frage zu ergründen:

  • Machst Du Dinge, um Bestätigung von anderen zu bekommen?
  • Möchtest Du Deiner Mutter oder Deinem Vater gefallen?
  • Tust Du Dinge, weil andere es von Dir erwarten bzw. um andere nicht zu enttäuschen?
  • Tust Du etwas, um Dich gegenüber anderen zu beweisen?
  • Oder vielleicht, weil Dir jemand gesagt hat, es sei „gut“ für Dich?
  • Oder tust Du Dinge vielleicht sogar, um Dir selbst etwas zu beweisen?
  • Welche Alltagspraktiken hast Du ungefragt von Deinen Eltern übernommen?
  • Ziehst Du Kleidung im Job an, die Dir eigentlich gar nicht entspricht, nur um dazu zu gehören und von anderen als kompetent angesehen zu werden?
  • Hältst Du an Gewohnheiten fest, die Du aus der Gesellschaft einfach übernommen hast, getreu dem Motto „Das macht man halt so!“? (Um beispielsweise „ein guter Bürger“ zu sein, fällst Du im Idealfall nicht auf, passt Dich an, wirst nicht laut, hältst Ordnung, heiratest kirchlich – als Frau bitte in Weiß, und gehst einer geregelten Arbeit nach).
  • Glaubst Du den Medien, die Dir weismachen, dass Du nur erfolgreich bist, wenn Du ein schickes Auto und ein dickes Gehalt hast oder nur attraktiv bist, wenn Du schlank und jung aussiehst?

Unbewusste Konditionierungen führen dazu, dass viele Menschen einen sehr linearen Lebensplan haben. Ein linearer Lebensplan bedeutet, dass alles nacheinander geschieht und zwar so, wie es allgemein üblich ist: Du wirst geboren, Du wächst auf, Du gehst in den Kindergarten, gehst jahrelang in die Schule (wo Du genormt wirst), machst eine Ausbildung oder ein Studium, steigst dann ins Berufsleben ein, heiratest standesamtlich + kirchlich, gründest eine Familie, wirst älter während Du versuchst mit Deinem Job zu überleben oder im Idealfall viel Geld zu machen, gehst in Rente und stirbst irgendwann. Soweit der gängige Plan.

Ein linearer Lebensplan ist getaktet und vorhersagbar. Er lässt nicht viel Abweichung zu, denn sobald Du davon abweichst, könnte es passieren, dass andere Menschen Dich fragend anschauen. In einem linearen Lebensplan werden den verschiedenen Lebensbereichen zudem konkrete Eigenschaften zugeschrieben. So kannst Du z. B. nur in der Schule oder auf Seminaren etwas lernen, musst mit Deinem Job Geld verdienen und Spaß gibt es nur in der Freizeit. In einem linearen Lebensplan ist meist nur defensives lernen möglich, d. h. Wissen baut logisch aufeinander auf. Kommen unvorhergesehene Impulse auf Dich zu, die den linearen Lebensplan in Frage stellen, so landen diese Impulse im Mülleimer des Vergessens. So ist es möglich die Illusion von Sicherheit, Struktur und „Alles im Griff haben“ aufrecht zu erhalten. Ein linearer Lebensplan ist genormt, gewöhnlich, allgemein gültig und vermeintlich sicher. Entscheidungen haben in einem linearen Lebensplan meist langfristige Auswirkungen, d. h. sie werden für 5 bis 10 Jahre oder länger getroffen. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Für manche Menschen ist es höchst zufriedenstellend, einen linearen Lebensplan zu haben. Die Frage ist: „Was willst DU in Deinem Leben wirklich und wo gibt es Bereiche, in denen Du nicht Deinen Vorstellungen entsprechend lebst?“

Im Gegensatz zu einem linearen Lebensplan, gibt es auch nichtlineare Möglichkeiten. Ganz anders als in einem linearen Lebensplan kannst Du bei einem nichtlinearen Lebensplan in jedem Moment eine neue Entscheidung treffen, da Du nur präsent im Jetzt lebst. In jedem Moment, d. h. alle 3 Sekunden – eine Sekunde für die Entscheidung und 2 Sekunden damit die Entscheidung in Deinem Körper landen kann. Jetzt… und jetzt…und jetzt…und jetzt…

Bei einem nichtlinearen Lebensplan hast Du zudem die Freiheit, bekannte Wege jederzeit zu verlassen, Spaß beim Lernen zu haben, Geld in der Freizeit zu verdienen, überhaupt nicht in Rente zu gehen, weil Deine Berufung Dir so viel Spaß macht und Dich erfüllt, etc. Ein wesentlicher Aspekt, der einen linearen von einem nichtlinearen Lebensplan unterscheidet, besteht darin, dass Du im übertragenen Sinne versuchst, so oft wie möglich zu sterben und alte Konditionierungen und Glaubenssätze zu transformieren. Wie Werner Erhardt schon einen seiner aufgeregten Schüler, der einen Vortrag halten musste, fragte: „Ist heute ein guter Tag, um zu sterben?“

Bei einem nichtlinearen Lebensplan bist Du präsent im JETZT, im Fluss, vertraust Deinen Impulsen und machst immer nur den nächsten Schritt. Schließlich kannst Du nicht wissen, wie die Dinge in 5 oder 10 Jahren sein werden. Du hinterfragst. Das bedeutet nicht, dass Du nicht mehr zuverlässig bist und die Entscheidungen nach gut Dünken und Deiner Tageslaune über den Haufen wirfst. Vielmehr stellst Du Dir die Frage, ob Dich das, was Du tust, wirklich erfüllt und Dir entspricht und Du die Dinge eben nicht tust, weil Du oder andere sie ungeprüft schon immer so getan haben.

 


Bei einem nichtlinearen Lebensplan ist alles möglich. Auch sogenanntes expansives Lernen. Bei einem nichtlinearen Lebensplan bist Du nicht daran gebunden, erst in der Schule, dann während der Ausbildung und möglicherweise noch im Job zu lernen. Dein ganzes Leben bedeutet Lernen und Weiterentwicklung. Während bei einem linearen Lebensplan eher Dein Verstand und Deine Glaubenssätze (Deine Box) die Kontrolle über Dein Leben haben, kann bei einem nichtlinearen Lebensplan Dein Sein erstrahlen. Das Sein liebt es, zu spielen, kreativ zu sein, inspiriert zu sein und im Jetzt zu leben.

Als Filmtipp schau Dir einmal den Film „Das Leben des Walter Mitty“ an. Dieser Film ist ein schönes Beispiel dafür, was es bedeutet, aus einem linearen Lebensplan auszubrechen. Niemand hat gesagt, dass es leicht ist, gewohnte Pfade zu verlassen, wenn Du schon lange darauf wanderst. Es geht auch nicht darum, Dein ganzes Leben über Bord zu werfen. Es lohnt sich jedoch, einmal mutig die Frage zu stellen, was Du im Deinem Leben wirklich willst und was möglicherweise alte Konditionierungen sind, die Du ungeprüft von anderen übernommen hast.

Im Folgenden findest Du noch einmal eine kurze Übersicht mit den wesentlichen Unterschieden eines linearen und nichtlinearen Lebensplans. 


Linearer Lebensplan
Nichtlinearer Lebensplan
Getaktet, genormt, vorhersagbar
Individuell
Das Leben passiert in strukturierten Abschnitten
Alles ist jederzeit möglich: lernen, spielen, Geld verdienen, Spaß haben…
Angepasst an gesellschaftliche Normen
Welche Normen?
Du wirst geboren und stirbst zum Schluss
Du versuchst, so oft es geht zu sterben und wieder geboren zu werden, um Dich aus alten Konditionierungen herauszuschälen

Vermeintlich sicher
Fließend, flexibel, beweglich
Leben und Denken in großen Zeitspannen
Leben und Denken im Jetzt
Getroffene Entscheidungen sind langfristig (5 – 30 Jahre) und werden zwischendrin nicht hinterfragt
Du kannst alle 3 Sekunden eine neue Entscheidung treffen
Defensives Lernen
Expansives Lernen
Dein Verstand und Deine Glaubenssätze beherrschen Dein Leben
Dein Sein kann erblühen
Du achtest möglicherweise darauf, was andere von Dir denken und was Dein Status ist
Wenn andere ein Problem mit Deinem nichtlinearen Lebensplan haben, lässt Du das Problem bei ihnen.


Wenn du wirklich glücklich sein wolltest, wer könnte Dich daran hindern?

Herzliche Grüße,
Nicola Nagel


GIB DEINEM LEBEN EINE NEUE RICHTUNG!
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Donnerstag, 13. April 2017

NEXT CULTURE WORK: Gibt es „hierarchielose“ Unternehmen tatsächlich? – Klarheit über einen missverständlichen Begriff in der New Work Bewegung.

Das Thema New Work ist in vieler Munde und zahlreiche Firmen haben bereits mutig neue Wege eingeschlagen, um die Art des Arbeitens und entsprechend die damit einhergehenden Firmenstrukturen anders als bisher zu gestalten. Es scheint jedoch zunehmend ein großes Missverständnis zu kursieren, wenn es um das Thema Hierarchielosigkeit bzw. Netzwerk- oder Galaxie-Struktur geht. Das liegt vor allem an dem Wort Hierarchielosigkeit selbst, das sehr viel Raum für Fehlinterpretation lässt. Viele Menschen verstehen den Begriff dahingehend, dass sie denken:


  • es gäbe dann keinerlei hierarchische Strukturen mehr in einem Unternehmen, 
  • alle seien gleichgestellt und
  • jeder könne machen was er wolle ohne sich an irgendwelche Vorgaben halten zu müssen.
Daher ist es wichtig, für Klarheit zu sorgen, was es mit dem Wort Hierarchielosigkeit und einer Netzwerk- oder Galaxie-Struktur auf sich hat.

Es gibt Hierarchie und Hierarchie 
Um eines gleich vorweg zu nehmen: Es gibt Hierarchie und Hierarchie! Wenn wir von einer neuen Art des Arbeitens sprechen, kann Hierarchielosigkeit nur eines bedeuten, nämlich dass sich der bisherige, gewöhnliche Hierarchiegedanke im Sinne von Rangordnung und Machtmissbrauch auflöst. Das Wort Hierarchie kommt ursprünglich aus dem Griechischen und ist abgeleitet von:

1. hieros = heilig, heil (heilig und heil bedeuten in diesem Zusammenhang ganz, gesund, erfolgreich, göttlich)
2. arche = Führung

Frei übersetzt bedeutet Hierarchie im ursprünglichen Sinne also gesunde Führung, die alles mit einbezieht und heilbringend ist. Ab dem 17. Jahrhundert wurde dem Wort durch die Kirche jedoch eine neue Bedeutung gegeben. Seither ist Hierarchie verbunden mit Rangordnung, Über- bzw. Unterstellung und damit dem Ausüben von Macht. Der ursprüngliche Sinn und die noble Absicht von außergewöhnlicher Hierarchie sind verlorengegangen, während sich der angepasste Begriff – lassen Sie uns dazu gewöhnliche Hierarchie sagen - über 2 Jahrhunderte in unsere Zellen eingebrannt hat und immer weiter propagiert wurde.

Gewöhnliche Hierarchie ist die Struktur, die in den meisten Unternehmen und im Wirtschafts-system vorherrscht. Gewöhnliche Hierarchie basiert auf Konkurrenz und dem Spiel „Ich gewinne – Du verlierst“. Dieses Spiel geht von einem grundsätzlichen Mangel aus, d. h. beispielsweise einem Mangel an Ressourcen, Geld, guten Jobs, Anerkennung, Aufmerksamkeit, etc.

Die Be-Wert-ung, also welchen Wert eine Person hat, hängt davon TUN und HABEN einer Person ab, nicht aber von ihrem SEIN. Der Wert wird beispielsweise daran gemessen, ob bzw. welchen Universitätsabschluss ein Mitarbeiter hat, welches Wissen er hat, bis zu welcher Position er sich hochgearbeitet hat und welche einflussreichen Verbindungen er ggfs. nutzen kann. Diese Aspekte – und noch einige mehr -bilden den Rahmen für die herkömmliche Gehaltsfindung.

Zudem gibt es in einer gewöhnlichen Hierarchie aufgrund der strengen Rangordnung und Positionsverhaftungen in der Regel ebenso strenge Kommunikations- und Entscheidungswege, die einzuhalten sind. Wer über die Begrenzungen seiner Jobbeschreibung bzw. seines Titels hinausgeht, wird normalerweise schnell zurück gepfiffen mit dem Hinweis, das überschreite seine Befugnis oder seinen Tätigkeitsbereich. Das hat zur Folge, dass Mitarbeiter oftmals nur insoweit Verantwortung übernehmen, als es für ihren Job gerade eben nötig ist. Verantwortung ist eher ein notwendiges Übel denn eine willkommene Herausforderung, die Freude macht. Letztendlich liegt die Verantwortung sowieso beim Vorgesetzten, ein Konstrukt auf dem sich viele Mitarbeiter ausruhen.

Was weiterhin in einer gewöhnlichen Hierarchie oftmals üblich ist, ist die Tatsache, dass top down entschieden wird und beispielsweise neue Konzepte oder Regeln den Mitarbeitern übergestülpt werden. „Ober sticht unter“ heißt das Motto und allzu häufig wird die mit der hierarchischen Position verbundene Macht missbraucht (z. B. in Form von Drohungen, Kleinmachen, Manipulation oder – im schlimmsten Fall – emotionalem und psychischem Missbrauch der Mitarbeiter durch Anschreien und Erniedrigung durch Vorgesetzte).

In einer gewöhnlichen Hierarchie stehen die persönlichen Ziele im Vordergrund und involvieren ein großes Maß an Kontrolle, um diese Ziele zu erreichen.

Gewöhnliche Hierarchie ist dabei nicht gut und nicht schlecht. Es zeigt sich jedoch, dass diese Art von Unternehmensstruktur nicht mehr zielführend ist, da sie zum einen die Unternehmen hemmt, in einem sich schnell verändernden Umfeld agil und flexibel zu sein und zum anderen die Burnout Rate bei Mitarbeitern aufgrund hierarchischen Drucks in einem Maße angestiegen ist, das eine Neuausrichtung erfordert (bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen von Burnout betroffen. Mehr dazu siehe http://www.muenchener-institut.de/beratung-fuer-unternehmen/zahlen-daten-fakten/).

Das eingangs erwähnte Missverständnis besteht darin, dass einige Menschen meinen, es ginge darum, dass die Hierarchie in Unternehmen komplett verschwindet. Darum geht es jedoch genau nicht! Hierarchielosigkeit meint vielmehr, dass gewöhnliche Hierarchie nicht mehr zielführend ist und ein Umdenken erfordert. Hierarchie muss nicht aus den Firmen verschwinden, sondern muss sich ändern! Hierarchielosigkeit meint daher nicht, dass jeder machen kann, was er will und daraus eine Gleichmacherei oder Wurstigkeit resultiert. Das würde definitiv in einem unternehmerischen Chaos enden.

In der Natur und in jedem System, das Menschen involviert, gibt es Machtstrukturen, egal, ob Sie diese formalisieren oder nicht. Eine Neuausrichtung orientiert sich daher an der natürlichen Ordnung. Neue Unternehmensstrukturen in Form einer Netzwerk- oder Galaxie-Struktur beinhalten eine natürliche Ordnung, sodass eine dynamische Hierarchie entsteht. Diese Art Hierarchie ist selbst entstehend.

Autorität und Befugnis basieren in einer dynamischen Hierarchie darauf, wer das meiste Wissen, die größte Erfahrung und das beste Talent für einen spezifischen Kontext oder ein spezifisches Projekt hat. Das kann eine Person sein, die schon lange im Unternehmen ist und einen Universitätsabschluss hat, das muss jedoch nicht sein. Im Sinne von New Work gibt es in einer selbst entstehenden, dynamischen Hierarchie keinen vordefinierten Weg, um eine konkrete Rolle inne zu haben. Wer welche Rolle in einem Projekt oder für einen Aufgabenbereich übernimmt, ergibt sich auf natürliche Art und Weise. Diejenigen, die bereit sind einen hohen Grad an Verantwortung für eine Aufgabe zu übernehmen, die ihren Talenten und ihrer Erfahrung entspricht, kristallisieren sich automatisch als sogenannte Raumhalter heraus. Entscheidungsbefugnis hängt in dieser Art Unternehmensstruktur also von der Bereitschaft hab, Verantwortung zu übernehmen.

Dynamische Hierarchie hat meist eine Galxie-Struktur zur Folge, da die Mitarbeiter entsprechend ihren Erfahrungen und Talenten eingesetzt werden, und dadurch nicht mehr zwangsläufig an eine Abteilung gebunden, oder durch einen Jobtitel begrenzt sind. Es geht vielmehr darum, welches die Seins-Qualitäten eines Mitarbeiters sind, d. h. was ihn in seinem Kern ausmacht, und wie er diese in das Unternehmen einbringen kann. Das Spiel, das einer dynamischen Hierarchie mit Raumhaltern zugrunde liegt nennt sich Gewinnen Geschieht. Im Gegensatz zum alt bekannten Spiel Ich gewinne – Du verlierst geht es bei Gewinnen Geschieht nicht nur um Kooperation, sondern um kreative Kollaboration. Konkret bedeutet das, es wird nicht nur miteinander sondern füreinander gearbeitet, denn die Absicht ist, dass alle Beteiligten gewinnen. Dieses Spiel involviert, dass beispielsweise die Mitarbeiter in einem Projekt Bewusstheit über die sogenannten hellen Prinzipien haben, die das Projekt ausmachen bzw. tragen, sich gemeinsam dafür einsetzen und sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen.

Bei einer dynamischen, natürlichen Hierarchie geht es somit darum, dass verantwortliche Raumhalter:
  • begleiten und koordinieren, anstatt zu befehlen 
  • raumhalten und unterstützen, anstatt zu kontrollieren 
  • Team-Mitglieder ermächtigen, ihr bestes zu geben und sie selbst zu sein, anstatt sie klein zu machen.  (siehe hierzu auch den Artikel von Francesca Pick „Cut the bullshit: organizations with no hierarchy don’t exist“, https://medium.com/ouishare-connecting-the-collaborative-economy/cut-the-bullshitorganizations- with-no-hierarchy-dont-exist-f0a845e73a80 ) 
Ist ein Wechsel hin zu einer dynamischen Hierarchie und einer Galaxie-Struktur ein Leichtes? Sicher nicht! Und: niemand hat gesagt, dass es leicht wird. Denken Sie allein daran, wie sehr die Menschen in gewöhnlichen Hierarchien mit ihren Titeln identifiziert sind und sich an ihre Machtposition krallen (durchaus auch jene, die lauthals verkünden, dass sie nicht an ihrem Titel oder ihrer Position hängen). Ein radikales Umdenken hin zu außergewöhnlicher, dynamischer Hierarchie erfordert nicht nur Mut, sondern vor allem Größe; die Größe sich einzugestehen, dass es zum einen gewöhnliche Hierarchie bisher gab und man selbst das Spiel von Ich gewinne – Du verlierst mitgespielt hat. Ein Spiel, das – im Kleinen wie im Großen - auf unbewussten Schattenprinzipien basiert wie beispielsweise Rache, Neid, Missgunst, Manipulation, Erniedrigung, Machtmissbrauch, Besserwisserei, Rechthaberei, Egoismus, Konkurrenz, etc. Zuzugeben, bisher Teil dieses Spiels gewesen zu sein, ja es sogar selbst gespielt zu haben, ist eine schmerzhafte Erkenntnis.

Die entscheidende Frage ist: Sind Sie bereit, sich das einzugestehen und ein neues Spiel zu beginnen?

Im Folgenden finden Sie nochmals eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Aspekte von gewöhnlicher Hierarchie und außergewöhnlicher, dynamischer Hierarchie durch Raumhalten.


 (Autorin: Nicola Nagel)

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Mittwoch, 15. März 2017

Auf dem Weg zu außergewöhnlicher Beziehung: Die magische Wirkung von Wertschätzung



Langsam erwachen draußen die ersten Schneeglöckchen, die in der Natur den aufblühenden Frühling als nächste Jahreszeit ankündigen. Wie wäre es, wenn Du in Deiner Beziehung ebenfalls fruchtbare Samen säst, die schon nach kurzer Zeit auf magische Weise Deine Beziehung aufblühen lassen?

Dann lass uns mit einer gefährlichen Frage starten: Wann hast Du Deinen Partner/Deine Partnerin zuletzt aufrichtig wertgeschätzt?

Nach einem zumeist magischen und nährenden Start einer Beziehung vergessen viele Paare immer wieder, dass Beziehung ein fortwährender, bewusster Akt nicht-linearen Erschaffens ist. Stattdessen sitzen sie einer gängigen Gefahr auf, die auf dem Beziehungsweg lauert: der Gewohnheit. Gewohnheit kann ein wesentlicher Faktor sein, wenn eine Beziehung nicht erfüllend, sondern eher langweilig und konfliktgeladen ist. Meist ist es die Gewohnheit, die auf der ungeprüften Annahme basiert, dass man den Partner schon kenne und wisse, wer er ist und wie er reagiert. Die Sache ist jedoch die: Sobald Du morgens aufwachst und meinst, Deinen Partner zu kennen, ist die Beziehung tot. Dann bist Du nicht mehr präsent und aufmerksam. Genau das ist der Punkt, wenn Nähe und Intimität stagnieren und die Beziehung zu einer gewöhnlichen Beziehung mit Diskussionen, Konflikten und niederem Drama (das Täter-Retter-Opfer-Spiel) werden kann.

Es gibt viele verschiedene Aspekte, die zu gewöhnlicher Beziehung beitragen. Ein entscheidender Aspekt dabei ist jedoch fehlende Wertschätzung und zwar fehlende Wertschätzung des Partners und der Beziehung. In der modernen Gesellschaft liegt der Fokus zumeist auf dem Haben und Tun, also dem, was eine Person hat (getreu dem Motto „mein Haus, mein Auto, meine Yacht“) und das, was sie tut (welche Position sie beispielsweise im Job bekleidet, oder welches Ehrenamt sie ausführt). Dieser Fokus wirkt sich in Beziehungen oftmals dahingehend aus, dass der ein oder andere meint, er/sie müsste etwas tun oder haben, um dem anderen zu gefallen oder die Beziehung lebendig zu halten. Es werden beispielsweise Blumen gekauft, Geschenke gemacht, in der Wohnung etwas repariert, ein neuer Fernseher gekauft, für den anderen gekocht, etc. Doch über das Tun und Haben werden weder die Beziehung noch die Partner genährt. Nahrung in einer Beziehung entsteht u. a. über die Rückbesinnung auf das, was in der modernen Gesellschaft abhanden gekommen ist: die Wertschätzung der Seins-Qualitäten.

Wenn ein Mensch in seinem Sein wertgeschätzt wird, fühlt er sich gesehen und kann aufhören sich über das Tun oder Haben zu definieren. Doch wie funktioniert Wertschätzung des Seins?

Wie funktioniert aufrichtige Wertschätzung?
Wertschätzung des Seins fokussiert darauf, wie eine Person in ihrem Wesen tatsächlich ist. Es geht also nicht darum zu sagen „Du hast ein schickes Hemd an“, „Du hast schöne Augen“, oder „Mir gefällt Dein neuer Haarschnitt“. Es geht vielmehr darum, die Person, die Dir gegenüber sitzt oder steht in ihrem Wesen wertzuschätzen.

Dazu nimmst Du eine offene Körperhaltung ein (keine verschränkten Arme oder Beine), schaust der Person gegenüber direkt in die Augen und lässt Deine 100%ige Aufmerksamkeit auf ihr ruhen. Dann beginnst Du, die Seins-Qualitäten der Person in ihren Augen zu lesen. Du schaust also durch die Maske des Tuns und Habens hindurch und wertschätzt die Person für das, was sie tatsächlich IST.



Wenn Dein Partner beispielsweise ein schönes Essen gekocht hat, schätze ihn für seine Seins-Qualität anstatt für das Tun, indem Du sagst: „Danke für Deine liebevolle Fürsorge. Du bist so aufmerksam.“ Das ist etwas völlig anderes, als zu sagen „Wow, Du hast aber toll gekocht“. Spürst Du den Unterschied? Hier ein anderes Beispiel: Wenn Du mit Deiner Partnerin einen ruhigen Abend angedacht hast, ihr bei Deiner Heimkehr eröffnest, dass noch spontan Freunde vorbei kommen und sie sagt: „Okay!“, dann könntest Du sie wertschätzen indem Du sagst: „Danke für Deine Flexibilität. Du bist so offen und gelassen.“ Dies sind wohlgemerkt Beispielsätze. Wichtig ist, dass Du die jeweiligen Seins-Eigenschaften des anderen in dem Moment tatsächlich siehst.

Was macht Dein Gegenüber tatsächlich aus? Warum bist Du mit ihm/ihr in Beziehung? Schau genau in die Augen. Ein Teil von Dir findet das möglicherweise beängstigend und sagt „Ich sehe da nichts. Ich kann das nicht.“ Bleib dran. Schau genau hin und vertraue den Impulsen, die Du bekommst, während du versuchst die Seins-Eigenschaften in den Augen der andern Person zu lesen. 

Wertschätzung muss nicht lange dauern, wirkt jedoch wie Magie, wenn Du sie jeden Tag einsetzt. Ein wertschätzender Satz dauert 10 Sekunden. Natürlich kannst Du Dir auch mehr Zeit nehmen und Dein Gegenüber z. B. 3 Minuten lang wertschätzen. Dann könntest Du noch ganz andere Seins-Facetten entdecken und vielleicht sogar ein wenig poetische Bilder als Beschreibung verwenden: „Ich schätze Deine Achtsamkeit, mit der Du unseren Beziehungsraum ausfüllst. Du bist ein achtsamer, kraftvoller Krieger, der bereit ist, voranzugehen und Grenzen zu setzen, wenn sie notwendig sind. Ich schätze Deinen Mut und Deine Verpflichtung…“ oder „Du bist wie ein Feuerwerk voller bunter Farben. Ich schätze Deine Kreativität und Begeisterung, mit der Du Dich dem Projekt widmest.“

Jede aufrichtige Wertschätzung ist wie eine Liebeserklärung und ist sehr heilsam, wirksam und verbindend, sowohl für denjenigen, der Wertschätzung bekommt, als auch für denjenigen, der Wertschätzung gibt. Darüber hinaus stärkt die Wertschätzung von Seins-Qualitäten zweier Menschen in Beziehung auch die Beziehung an sich. Wertschätzung ist auch für die Beziehung nährend und heilsam. Wenn Du eine Person wertschätzt fühlt sie sich gesehen und automatisch bestätigt für das, was sie mit ihren Qualitäten in die Beziehung einbringt. Viele Menschen strengen sich in Beziehung unglaublich an und tun etwas, um Aufmerksamkeit zu bekommen. In der modernen Gesellschaft scheint ein unglaublicher Mangel an Aufmerksamkeit zu herrschen. Wertschätzung der Seins-Qualitäten fokussiert auf das, was eine Person in ihrem Wesen IST und sie erhält in dem Moment 100% Deiner Aufmerksamkeit, was ebenfalls Verbindung schafft. Wenn Du Wertschätzung wieder zu Deiner täglichen Praxis machst, werden diese Samen sehr bald Früchte tragen.

Fallen auf dem Weg zur Wertschätzung!
Wenn Du die Absicht hast, Wertschätzung wieder zu praktizieren, um Deine Beziehung auf magische Art und Weise aufblühen zu lassen, ist es hilfreich, einige Fallen zu kennen:

1.    Die Lob-Falle: Wie bereits kurz erwähnt, wird Wertschätzung häufig verwechselt mit Lob. Mit Lob ist der ein oder andere zwar noch vertraut, doch gibt es einen großen Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung. Lobes-Sätze wie „Das hast Du super gemacht“ begrenzen sich wieder auf das, was eine Person tut. Es geht beim Loben nicht um die eigentlichen Sein-Eigenschaften der anderen Person. Zudem dient Lob oftmals der unbewussten, subtilen Manipulation. Wenn Du beispielsweise jemandem sagst „Das hast Du toll gemacht“, was ist dann Deine eigentliche Botschaft? Die eigentliche Botschaft lautet womöglich: „Ich möchte dass Du das in Zukunft weiter tust.“ Sei wachsam. Widme Dich der Wertschätzung.

2.    Die Kontinuitäts-Falle: Vielleicht nimmst Du Dir vor, Deinen Partner ab sofort wieder bewusst wertzuschätzen, doch schon nach kurzer Zeit vergisst Du es wieder. Schaffe Dir einen Erinnerungsfaktor, den Du jeden Tag mehrmals siehst. Ein W für Wertschätzung auf einem Zettel, ein Punkt, den Du auf Deine Hand malst, oder was auch immer. Um die Gewohnheit des Nicht-Wertschätzens aufzubrechen, ist es notwendig, diszipliniert jeden Tag Wertschätzung zu geben. Du kannst übrigens nicht nur in einer Paar-Beziehung Wertschätzung üben, sondern gleichermaßen in Beziehungen zu Freunden, Kollegen oder sogar in der Begegnung mit der Verkäuferin in der Bäckerei (die z. B. sehr sorgfältig das Brot einpackt. Danke ihr einfach für ihre Sorgfalt).

Die Kontinuitätsfalle kann sich auch einschleichen, wenn Dein Partner die Wertschätzung zunächst scheinbar nicht annehmen kann. Es gibt Menschen, für die ist es extrem ungewohnt, in ihrem Sein gesehen zu werden, sodass sie versuchen, die Wertschätzung zunächst einmal abzublocken. Bleib trotzdem dran. Wertschätze weiter die Seins-Eigenschaften. Irgendwann wird auch der härteste Brocken die Wertschätzung rein lassen.

3.    Die Jäger-und Sammler-Falle: Vielleicht hast Du schon einmal gehört, dass Frauen aus einem Urinstinkt heraus eher die Sammlerinnen und Männer eher die Jäger sind. Das Sammlerinnen-Gen der Frauen hat früher beinhaltet, dass die Frau auf einer großen Wiese voller leckerer Kräuter und Pilze genau den einen Pilz sehen konnte, der den Stamm damals vergiftet hätte. Dieses Gen tragen die Frauen immer noch in sich. Auf die moderne Zeit übertragen bedeutet das, dass die Frau heutzutage genau den einen Aspekt findet, den der Mann in der Beziehung ihrer Meinung nach NICHT richtig gemacht hat. Für die Frauen geht es also darum, genau davon abzurücken und den Mann für die wunderbaren Seins-Eigenschaften wertzuschätzen, die ihn ausmachen und die sich auch in der Beziehung zeigen, anstatt ihm den einen unglücklichen Punkt vorzuhalten.

Bei Männern ist das Verhalten aufgrund des Jäger-Gens etwas anders gelagert. Früher war es entscheidend, sich als Jäger im Wald auf das eine Stück Wild zu konzentrieren und keine Ablenkung durch Kräuter und Pilze zuzulassen. Auf die moderne Zeit übertragen bedeutet das, dass Männer sich gerne auf nur eine Sache konzentrieren und alles andere um sich herum in dem Moment vergessen. Die Herausforderung besteht für die Männer also darin, Wertschätzung als ein „wichtiges Projekt“ in den Alltag aufzunehmen, damit sie nicht zwischen all den anderen wichtigen Einzelprojekten die Wertschätzung vergessen.

Letztendlich aber braucht es Deine Verpflichtung, die Wertschätzung der Seins-Qualitäten wieder in Deinen Alltag zu integrieren. Beziehung ist wie gesagt ein fortwährender, bewusster Akt nicht-linearen Erschaffens. Es mag am Anfang mühsam sein, doch wenn Du dran bleibst und Deinen Partner oder die Menschen in Deinem Umfeld immer wieder aufrichtig wertschätzt, wirst Du feststellen, wie Deine Beziehungen auf magische Art und Weise aufblühen.

Viel Freude beim Experimentieren.

Wertschätzende Grüße,
Nicola Nagel



 
P. S. Die grundlegenden Fertigkeiten, um außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen kannst Du übrigens in den sogenannten Expand The Box Trainings und Possibility Laboratorien erlernen und erfahren. Ein echtes Erlebnis! Mehr dazu finden Sie auf:http://www.viva-essenza.com/66/privattraining/expand-the-box-training 




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