Mittwoch, 15. Juli 2015

Intensität in Beziehung …und eine Kraft, die sie gerne verhindert.



Beziehung könnte so einfach sein, wenn es da nicht gelegentlich die Probleme mit dem Partner gäbe, oder? Viele Menschen wünschen sich eine nährende, erfüllende Beziehung, finden sich jedoch stattdessen oftmals in einer gewöhnlichen Beziehung mit Problemen und Streitigkeiten wieder. Schuld daran ist meist fehlende Klarheit über den Mechanismus im Hintergrund, der die Schwierigkeiten generiert und sogenanntes niederes Drama liebt: Der Gremlin (ein Beispiel für eine bildliche Darstellung finden Sie am Ende des Artikels).

Der Gremlin ist der König Ihrer eigenen Unterwelt. Jeder Mensch hat eine helle Seite und eine Schattenseite. Die helle Seite, dient bewusst sogenannten verantwortlichen Hellen Prinzipien wie Liebe, Klarheit, Schönheit, Gemeinschaft, Miteinander-Sein, Eleganz, Heilung, Möglichkeit, Güte, Großzügigkeit etc. während die Schattenseite, also der Gremlin, unbewusst sogenannten unverantwortlichen Schattenprinzipien dient, wie beispielsweise Zerstörung, Hass, Groll, Rechthaberei, Besserwisserei, Arroganz, Ignoranz, Demütigung, Manipulation, Trennung, etc. Keine der beiden Seiten ist besser oder schlechter. Die Wertung gut-schlecht bzw. richtig-falsch ist in sich bereits ein Schattenprinzip. Beide Seiten produzieren einfach nur bestimmte Resultate und die Frage ist, welche Resultate Sie in Ihrer Beziehung haben möchten. Falls Sie etwas anderes möchten, als die gegenwärtige Situation, dann ist es möglicherweise an der Zeit, sich Ihre Schattenseite einmal genauer anzuschauen und die Frage zu stellen, wer denn eigentlich ein Problem hat in der Beziehung.

Einige mögen vielleicht sagen, dass sie kein Problem haben, sondern der Partner das Problem IST. Wenn er/sie sich nur anders verhalten würde, dann – ja dann wäre alles einfacher und es würde ihnen besser gehen. Durch die Deklaration „Mein Partner IST das Problem“ machen Sie Ihren Partner jedoch bereits zum Schwein. In dem Moment ist Ihr Gremlin aktiv, übernimmt das Steuer und zerstört Beziehung. Das kann durch kleine, harmlos scheinende Worte und Gedanken passieren oder massiv durch das Heraufbeschwören von größeren Streits.

Die Lieblingsspeise des Gremlins besteht darin, Nähe, Vertrautheit und Beziehung zu zerstören und Probleme zu erzeugen. Das ist das, was ein Gremlin gerne tut. Es ist hilfreich, sich einmal die unterschiedlichen Arten des Problem-Besitztums bewusst zu machen, indem Sie sich die Frage stellen, wer ein Problem haben kann. Es gibt 3 Varianten:

1.    Ich habe ein Problem
Wenn Sie ein Problem haben, dann können Sie damit tun und lassen, was Sie wollen. Sie können Ihr Problem lösen, es ausschmücken und größer machen oder es liegen lassen in der Hoffnung, dass es sich von selbst erledigt. Es ist Ihr Problem und zwar nur Ihres. Versuchen Sie also nicht, das Problem auf andere abzuwälzen. Es ist Ihr Problem und es kehrt solange zu Ihnen zurück bis Sie es bearbeitet und gelöst haben. Es ist jedoch hilfreich zu hinterfragen, ob es tatsächlich ein Problem gibt oder Ihr Gremlin gerade ein „Pseudo-Problem“ generiert, um die Intensität von Nähe und Vertrautheit zu vermeiden (und beispielsweise erst einmal aufräumen oder etwas erledigen muss, bevor er entspannt mit dem Partner zusammen sein kann).


2.    Der andere hat ein Problem
Wenn der andere, also Ihr Partner, ein Problem hat, dann lassen Sie ihn/sie bitte sein/ihr Problem haben. Es ist nicht Ihr Problem. Ihr Partner hat hart dafür gearbeitet, dieses Problem zu haben. Wenn Sie nun hergehen und sein/ihr Problem lösen, dann muss sich Ihr Partner ein neues Problem suchen, um das zu lernen, was er zu lernen hat. Wenn Sie sein Problem lösen, dann versuchen Sie ihn zu retten und das ist respektlos. In dem Moment ist der Gremlin aktiv, denn Retten ist nichts anderes, als das Aufdrängen von ungefragter Hilfe. Die Botschaft, die Sie in dem Moment unterschwellig kommunizieren lautet „Du bist nicht okay, Du kannst es nicht, also mache ich es für Dich“. Sie machen Ihren Partner unbewusst klein und zum Schwein, indem Sie ihm nicht zutrauen, das Problem selbst lösen zu können. Etwas anderes ist es, wenn Ihr Partner Sie um Hilfe BITTET. Dann ist es durchaus angemessen, zu helfen und zu unterstützen. Der Unterschied liegt in dem Fall darin, dass durch die Bitte Ihres Partners eine Notwendigkeit erzeugt wird und Sie ihn dann nicht retten.

Was ist nun die dritte Möglichkeit in Bezug auf Problembesitztum? Einige haben möglicherweise als erstes im Kopf „Wir haben ein Problem“ sei die dritte Möglichkeit. Die Sache ist jedoch die: Es gibt kein WIR, wenn es um Verantwortung geht. Nehmen Sie einmal den einfachen Satz „Ja, dann müssen wir das mal machen“ (z. B. dann müssen wir mal aufräumen). Wer macht es tatsächlich? Wer ist WIR? Richtig, niemand. Gerade in einer Partnerschaft ist es hilfreich, sich diese Unterscheidung bewusst zu machen. Beide Partner können dasselbe Problem haben, doch nur jeder einzelne kann Verantwortung für seinen Teil der Lösung übernehmen.

Was kann also die dritte Möglichkeit beim Problembesitztum sein? Entweder ich habe ein Problem oder der andere hat ein Problem oder…?

3.    Es gibt kein Problem
Lassen Sie das einmal sacken. Es gibt kein Problem! Können Sie sich das vorstellen? Wenn es kein Problem gibt, ist das die Zeit, die Gesellschaft des anderen einfach nur zu genießen und in Harmonie miteinander zu sein. Genau in dem Moment steigt jedoch der Intensitätsgrad in der Beziehung, die Intensität von Nähe und Vertrautheit, die es ermöglicht, eine außergewöhnliche Beziehung aufzubauen. In solchen Momenten werden die Partner und die Beziehung genährt. Das wiederum kann sich für Ihre Box (Ihr Ego, das einen geschickten Überlebens- und Verteidigungs-mechanismus entwickelt hat) jedoch sehr gefährlich anfühlen, denn wenn die Intensität in Beziehung steigt, können Gefühle hochkommen, die Ihre Verletzlichkeit preisgeben und Sie könnten neues Gebiet betreten, das Ihnen Angst macht und Ihre Beziehung auf eine neue Ebene bringt. Kein Problem zu haben und die Gesellschaft des Partners zu genießen ist genau deswegen für den Gremlin ein echtes Problem, da es seine Spezialität ist, Beziehung zu zerstören. Wenn es kein Problem gibt, hat der Gremlin Angst, aus Mangel an niederem Drama (dem oft ablaufenden Täter-Retter-Opfer Spiel) zu verhungern. Somit ist der Gremlin sehr clever darin, in Lichtgeschwindigkeit aus dem Nichts heraus ein neues Problem zu erzeugen, um diese Intensität in Beziehung zu vermeiden. Resultat: Sie kehren zur gewöhnlichen Beziehung zurück und erzeugen weiter niederes Drama in Form von Rechthaberei, Streiterei, Besserwisserei, Ignoranz, Rumnörgeln am Partner, Rückzug, Isolation, Schmollen, Grollen, etc. Der Gremlin ist extrem schnell darin, zig Gründe zu finden, Beziehung nicht zu intensiv werden zu lassen.

Der Gremlin ist nicht gut und nicht schlecht. Der Gremlin ist einfach der Gremlin und tut, was ein Gremlin tut. Jeder Mensch trägt diese Schattenseite in sich. Die Frage ist, wer am Steuer Ihres Lebens und Ihrer Beziehung sitzt. Ist es Ihr Gremlin, oder sind Sie es? Machen Sie Ihren Partner zum Schwein oder zum König/zur Königin? Es ist eine Moment-zu-Moment Entscheidung.
Wenn sich Ihr Gremlin gerne von Beziehungszerstörung ernährt (das können kleine Grollpunkte sein, die Sie unbewusst sammeln, oder größere Streits), dann ist es höchste Zeit dies zu beenden. Wie kann das gelingen? Nun, der erste Schritt besteht darin, Ihren Gremlin wie einen Hund an die Leine zu nehmen und einen bewussten Fütterungsplan zu erstellen. Der Gremlin hat bisher Beziehung und intime Momente schnell zerstört, weil es seine Lieblingsspeise ist.

Experiment 1: Nehmen Sie Ihren Gremlin an die Leine.
SCHRITT 1:
Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie als Titel „Gremlin Lieblingsspeisen“ auf. Erstellen Sie dann eine Liste mit allem, was Ihr Gremlin gerne mag, z. B.

  • Geschichten erfinden, dass Ihr Partner ein Idiot ist (es entweder denken oder es ihm/ihr auch spüren lassen)
  • Ihren Partner geschickt manipulieren (durch Worte, Gesten, Handlungen)
  • Intensive intime und vertraute Momente durch Witze zerstören
  • Den Partner vor anderen bloßstellen (z. B. indem Sie seine Erzählungen korrigieren)
  • Dinge, die Ihr Partner bereits erledigt hat, noch einmal nachkorrigieren (z. B. das Besteck auf dem Tisch richtig hinrücken)
  • am Partner herumnörgeln und ihm vorhalten, was er alles schon wieder vergessen hat oder nicht richtig gemacht hat
  • Übermäßig Schokolade, Chips, Kuchen oder sonstiges ungesundes Zeug futtern
  • Unordnung und Chaos in der gemeinsamen Wohnung kreieren.
  • Tratsch und Klatsch
  • Videos anschauen
  • Fernsehen schauen
  • Computerspiele spielen
  • Espresso/Kaffee trinken
  • Rauchen bzw. sonstige Drogen
  • Alkohol trinken (z. B. um „runterzukommen“ bzw. nicht fühlen und die Intensität nicht aushalten zu müssen)

Dies sind nur einige Beispiele. Erstellen Sie Ihre eigene Liste und seien Sie spezifisch darin, wie Ihr Gremlin gerne Intensität in Beziehung zerstört, auch wenn es schmerzhaft ist, das zuzugeben.

SCHRITT 2:
Im zweiten Schritt streichen Sie jene Lieblingsspeisen, die Ihrer Beziehung schaden und die Ihnen Energie rauben. Ihr Gremlin wird diese Übung hassen. Das was Sie gerade tun, ist Verantwortung für Ihren Gremlin zu übernehmen und er wird panische Angst haben, aus Mangel an niederem Beziehungsdrama zu verhungern. Das mag er doch schließlich so gerne. Umso wichtiger ist es, dass Sie einen bewussten Fütterungsplan erstellen und 3-4 Dinge aus der Liste auswählen, die Ihr Gremlin mag, die Ihnen und Ihrer Beziehung jedoch nicht schaden bzw. keine Energie entziehen.

Sobald Sie die 3-4 Dinge ausgewählt haben, legen Sie einen bewussten und disziplinierten Fütterungsplan fest. Legen Sie z. B. fest, dass Ihr Gremlin von Freitag 17 Uhr bis Samstag 17 Uhr so viel Kuchen essen und Videos schauen darf, wie er mag. Aber eben ausschließlich in dieser Zeitspanne. Sie können auch einen anderen Tag wählen. Wenn Sie jedoch festlegen, dass Ihr Gremlin jeden Tag nachmittags Schokolade und Kaffee bekommt, raten Sie einmal, wer am Steuer sitzt. Schränken Sie die Fütterung bewusst auf maximal 2 Zeiträume ein und geben Sie ihm dann ausreichend von dem ausgewählten Futter. Dann weiß Ihr Gremlin, dass Sie sich um ihn kümmern und er nicht verhungert.  

Experiment 2: Nutzen Sie Ihren Gremlin , um den Gremlin zu entlarven
Dieses Experiment hört sich zunächst paradox an. Wenn der Gremlin in der Lage ist, Beziehung und Räume zu zerstören, könnte die intuitive Annahme sein, der Gremlin sei schlecht und gehöre eingesperrt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Gremlin ist nicht gut oder schlecht. Er ist eine Naturgewalt und Sie können ihn bewusst dafür nutzen, um zu kontrollieren, dass er sein Gremlin-Spiel nicht spielt und Sie hohes Drama erzeugen, wo vorher nur niederes Drama in Ihrer Beziehung war. Allein der Gremlin ist clever und schnell genug, um den Gremlin zu fangen. Nur der Gremlin selbst kennt seine gewieften Techniken, mit denen er normalerweise Beziehung zerstört und den Partner zum Schwein macht. Schlagen Sie den Gremlin also mit seinen eigenen Waffen. Nutzen Sie seine Gerissenheit, um niederes Drama in Beziehung zu vermeiden.

Geben Sie Ihrem Gremlin die Aufgabe, Ihnen umgehend Bescheid zu sagen, sobald er wieder kurz davor ist, gegen Ihren Partner zuzuschlagen, ihn zum Schwein zu machen, oder Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Das ist eine sehr interessante Aufgabe für ihn und Sie haben durch diese Information die Möglichkeit, rechtzeitig etwas anderes zu kreieren als niederes Drama.

Bitten Sie gleichzeitig Ihren Partner, Ihnen sofort Feedback zu geben, sobald Ihr Gremlin aktiv wird. Idealerweise geben Sie sich gegenseitig spielerisch Feedback, sobald einer der Gremlins das Steuer übernimmt, sodass Sie beide mehr Bewusstheit über Ihre Schattenseite bekommen.

Experiment 3: Nutzen Sie Ihren Gremlin, um hohes Drama zu erzeugen
Sobald Sie Ihren Gremlin durch einen bewussten Fütterungsplan an die Leine genommen haben und er nicht mehr herumstreunt und in Ihrer Beziehung wildert, können Sie ihn für eine bewusste, verantwortliche Absicht einsetzen.

Sie können Ihren Gremlin in Beziehung dafür nutzen, um z. B.
·         Ihre Disziplin zu schärfen
·         mit beurteilendem Denken aufzuhören
·         Ihren Partner so sein zu lassen, wie er ist (anstatt ihn ändern und verbessern zu wollen)
·         präsent und mit voller Aufmerksamkeit bei Ihrem Partner zu sein, wenn Sie zusammen sind
·         achtsam zu sein
·         Ihre Beziehung und Ihren Partner wertzuschätzen
·         bei sich zu bleiben und Ihr Zentrum zu behalten, anstatt Ihre Autorität an Ihren Partner abzugeben und es ihm recht zu machen
·         Grenzen zu setzen und sie aufrechtzuerhalten, um einen sicheren Beziehungsraum zu schaffen
·         Experimente in Nähe und Intimität zu machen
·         Ja, Sie können den Gremlin sogar als eine Art Wachhund dafür benutzen, Momente voller Vertrautheit und Nähe zu schützen.

In diesen Beispielen setzen Sie Ihren Gremlin für sogenanntes Hohes Drama ein, also einem Spiel, das verantwortlich und bewusst ist und hellen Prinzipien wie Liebe, Güte und Miteinander-Sein dient.

Der Gremlin ist eine Naturgewalt. Er ist eine zerstörerische, jedoch auch gleichzeitig nicht-lineare und kreative Kraft. Er ist ein Werkzeug, das für verantwortliche oder unverantwortliche Absichten eingesetzt werden kann. Welche Art von Beziehung möchten Sie kreieren?

Ihre Beziehung ist kostbar. Die Liebe, Vertrautheit und Intimität in einer Beziehung sind kostbar. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Gremlin diese zerstört und Frust, Streit und niederes Drama erzeugt. Vielleicht hilft Ihnen als Erinnerungsfaktor folgendes Bild. Dies habe ich selbst bei mir in der Wohnung hängen, als Erinnerung dafür, dass Zerstörung von Beziehung für den unbewusst agierenden, frei herumstreunenden Gremlin tabu ist und definitiv nicht auf dem Speiseplan steht.


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine nährende, erfüllende Zeit in Beziehung mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin.

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel



Tipp:
weitere ausführliche Details zum Gremlin und zum Erschaffen von außergewöhnlicher Beziehung finden Sie in den Büchern „Die Kraft des bewussten Fühlens“ und „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan



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Montag, 15. Juni 2015

NEW WORK: Die 3 entscheidenden Komponenten für Evolution



In letzter Zeit nimmt eine Bewegung Fahrt auf, die sich mit neuen Arbeitsweisen und neuen Unternehmensstrukturen beschäftigt. Weltweit gibt es immer mehr Menschen und Initiativen, die die Vision verfolgen, eine neue, für die Menschen und die Erde tragfähige Art des Arbeitens und Wirtschaftens zu etablieren. Dazu gibt es bereits großartige und inspirierende Praxisbeispiele von einzelnen Geschäftsführern und Teams, die mutig vorangehen. Sei es die Firma Semco in Brasilien, die u. a. freie Arbeitszeiten und Offenlegung der Gehälter praktiziert, die Firma Gravity Payments in USA, deren CEO Dan Price auf Kosten seines hohen Managergehaltes seinen Mitarbeitern einen Mindestlohn von 70.000 Dollar pro Jahr garantiert oder die Farbenwerke Wunsiedel in Deutschland, die sich zu einer Netzwerkorganisation wandeln, in der jeder Mitarbeiter sich nur noch entsprechend seiner Talente und Inspiration den Aufgaben widmet, die er vollverantwortlich und gerne macht. Es gibt noch viele weitere Firmen, die mutig vorangehen. Eines ist ihnen gemein: sie alle sind Pioniere.

So beeindruckt viele Menschen von diesen innovativen Praxisbeispielen auch sind,  so oft werden jedoch auch Stimmen laut, die sagen: „Ja, das geht bei denen, aber bei uns in der Firma oder in einem anderen Konzern ist das doch gar nicht möglich.“ Eine sehr beliebte und bequeme Ausrede, um Veränderung von vornherein zu verhindern und die gewohnten Bahnen nicht zu verlassen. Vielen ist dabei nicht bewusst, dass Evolution 3 entscheidende Komponenten beinhaltet:

  1. Nichtwissen
  2. Regeln brechen
  3. Schnelles Lernen

1.   Nichtwissen
Aus dem Nichtwissen heraus zu agieren bedeutet, tatsächlich keine Ahnung zu haben, wie es geht. Dieser Aspekt an sich scheint völlig absurd, da in der modernen Gesellschaft der Fokus stark auf Kontrolle und Sicherheit liegt. Die Jahreszahlen, der Gewinn, der Marktanteil, die Versicherungen, alles wird genau geplant. Ein Manager, der keine Antwort auf Fragen hat, auf Kontrolle der Mitarbeiter verzichtet oder keine Ahnung hat, wie sich ein Projekt entwickeln wird, wird schnell als unprofessionell und nicht zurechnungsfähig abgestempelt. Das Patriarchat hat die Menschen gelehrt, es sei besser und absolut notwendig, die Dinge im Griff zu haben, zu wissen wie etwas geht, kein zu hohes Risiko einzugehen und jederzeit eine professionelle Figur zu machen.

Diese Aspekte stehen Evolution jedoch entgegen. Evolution funktioniert nicht mit Kontrolle, Sicherheit, Netz und doppeltem Boden. Oder dachten Sie Galileo Galilei hätte gewusst, wie seine Reise verlaufen würde, als er sich auf den Weg machte zu schauen, ob er am Ende der flachen Erdscheibe tatsächlich mit seinem Schiff über die Kante fällt? Evolutions-Pioniere sind bereit, nicht zu wissen. Menschen mit der Vision, dass ein anderes Arbeiten im Dienst der Menschen und der Erde möglich ist, sind bereit, voranzugehen ohne zu wissen, wie es geht. Die Vision ist in dem Fall wichtiger, als „gut“ auszusehen und von allen akzeptiert und gemocht zu werden.

Um im Nichtwissen stehen zu können, ist eines allerdings entscheidend: Sie müssen mit Ihrer Angst vertraut sein und sie in Besitz genommen haben. Wenn Angst für Sie nicht okay ist, dann werden Sie keinen wagemutigen Schritt in eine völlig neue Richtung machen oder bahnbrechende neue Ideen vorschlagen und ausprobieren.

Angst ist eines von vier großen Gefühlsterritorien (Wut, Freude, Traurigkeit und Angst), die uns im Leben dienen. Angst ist mit den anderen drei Gefühlen zusammen ein zielsicheres Navigationssystem, das Sie durch das Leben und durch Veränderung leitet. Die gängige Meinung über Angst ist jedoch, dass sie schlecht und zu vermeiden ist. Sie ist schwach, negativ, blockierend, gefährlich, lässt Sie als Feigling dastehen, ist unprofessionell und ganz sicher keine Eigenschaft eines kompetenten Mitarbeiters oder Managers. Ein Irrglaube, der über Jahrzehnte in unseren Köpfen genährt wurde (denken Sie nur einmal darüber nach, dass 90% der Medien-Werbungen subtile Angstbotschaften benutzen, um die Menschen zu manipulieren und klein zu halten).

Wenn Angst auf Basis dieses parasitären Irrglaubens für Sie nicht okay ist, werden Sie nicht in der Lage sein, sich pionierhaft in evolutionäres Neuland zu begeben. Dann wird die Angst Sie besitzen und dafür sorgen, dass Sie aufgrund möglichen Gegenwinds, Konflikten oder Kontrollverlust auf Ihrem bekannten Platz bleiben, weil es für Sie zu gefährlich ist, bisherige, längst überholte Regeln zu brechen. Mit dem Glaubenssatz Angst sei negativ und unprofessionell, werden Sie Ihre Komfortzone nicht verlassen und somit vermeiden im Unternehmen möglicherweise gefährliche Fragen zu stellen, auf Missstände hinzuweisen, verrückte Ideen auszuprobieren und Ihre Vision einer neuen Arbeitsweise zu verfolgen.

Die interessante Frage ist: Wenn es sich um einen Irrglauben handelt, was ist Angst stattdessen? Ziehen Sie einmal in Betracht, dass Angst (wie die anderen drei oben genannten Gefühle auch) neutrale Energie und Information ist, die Ihnen dient. Wie könnte Ihnen Angst unter dieser neuen Annahme dienen? Was könnten Sie mit Angst sinnvoll tun? Mit Angst können Sie beispielsweise:

  • Kreativ werden
  • Innovativ sein
  • Verrückte oder bahnbrechende Ideen entwickeln
  • Neues Gebiet betreten und erforschen
  • Planen / vorsichtig sein
  • Wachsam und aufmerksam sein
  • Sich konzentrieren
  • Neugierig sein
  • Präzise sein
  • Gefährliche Fragen stellen
  • Fehler machen
  • Nichtlinear vorgehen
  • Improvisieren
  • Gefahren wittern / Risiken abschätzen

Ist Angst vor diesem Hintergrund nützlich? Ja, auf jeden Fall! Machen Sie sich bewusst, dass Angst nur Angst ist, ein hilfreiches Gefühl, das Ihnen dient.

Wenn Angst für Sie okay ist und Sie Ihre Angst in Besitz nehmen (z. B. indem Sie in einem sicheren Trainingsumfeld einmal 100% maximale Angst in Ihrem Körper spüren und feststellen werden, dass Sie größer sind als die Angst), dann können Sie pionierhaft vorangehen, Ihre Komfortzone verlassen und Ihrer Inspiration folgen, ohne zu wissen, was Sie erwartet oder wie etwas geht.

Evolution beinhaltet Nichtwissen. Evolution entsteht aus dem Nichtwissen. Was bedeutet das konkret? Wenn Sie eine brillante, innovative Idee haben, wie neues Arbeiten funktionieren könnte, dann müssen Sie nicht wissen, wie es genau geht. Es ist nicht notwendig, im Vorfeld bereits die Meilensteine in einem Projektplan niederzuschreiben, alle Details zu kennen oder gar zu wissen, wie sich die Idee bzw. das Projekt entwickeln wird. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie sich der Vision verpflichten. Der Rest ergibt sich automatisch.

Bedarf es dafür Mut? Ja, durchaus. Doch machen Sie sich bewusst, dass Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst.


2.   Regeln brechen
Um eine gesunde und tragfähige Arbeitsweise in Unternehmen initiieren zu können, ist es notwendig, Regeln zu brechen und neue Unterscheidungen zu treffen. Regeln, Annahmen und Unterscheidungen sind Teil des Unternehmenskontextes, die als gegeben betrachtet werden und meist nicht mehr hinterfragt werden.

Evolution in Unternehmen beinhaltet jedoch vor allem auch, neue, verrückte Ideen vorzuschlagen bzw. auszuprobieren. Das kann bereits bei kleinen Dingen beginnen. Ihre Meetings dauerten in der Vergangenheit beispielsweise viel zu lange und die Teilnehmer waren oftmals während dessen mit anderen Dingen beschäftigt? Dann entfernen Sie für das nächste Meeting einmal alle Tische und Stühle aus dem Raum, sodass die Leute in einem offenen Kreis stehen. Lassen Sie sich überraschen, wie schnell und effektiv das Meeting sein wird. Wenn Sie vorher Angst spüren ist das angemessen, denn Sie betreten Neuland (vorausgesetzt, Sie haben solch ein Meeting noch nie gemacht). Sie können nicht wissen, wie die Kollegen reagieren werden, was sie von Ihnen halten werden, ob Sie möglicherweise für verrückt erklärt werden, etc. Haben Sie jedoch die oben genannte neue Sichtweise in Bezug auf Angst verinnerlicht, können Sie sich – sobald Sie Angst spüren – bewusst machen:„Ah! Ich spüre Angst. Angst ist Angst. Nur das. Sie zeigt mir, dass ich jetzt gerade etwas völlig Ungewohntes ausprobiere.“ Dann vertrauen Sie im nächsten Schritt dieser Angst und gehen einfach mutig weiter.

Genauso wie für das kleine Beispiel mit der neuen Raumanordnung können Sie Angst für größere, evolutionäre Ideen nutzen. Viele großartige Ideen, die einen echten Unterschied in Unternehmen machen würden, werden von Mitarbeitern nicht angebracht aus Angst davor, was der Chef oder die Kollegen von ihnen halten werden oder gar aus Angst davor, ihren Job zu verlieren. Der alte Irrglaube über Angst und darüber, dass Regeln in jedem Fall zu befolgen sind, sitzt tief in unseren Zellen. Es ist jedoch höchste Zeit, eine neue Richtung einzuschlagen und den Weg für neues Miteinander, andere Kommunikations- und Verhaltensformen, neue tragfähige Werte und neue Führungs- bzw. Nicht-Führungsmodelle zu ebnen.

Welche Regeln sind es in Ihrem Unternehmen, die veraltet, nicht zielführend, destruktiv und demotivierend sind und dringend einer Änderung bedürfen? Welche inspirierenden Ideen haben Sie stattdessen?

3.   Schnelles Lernen
Wie bereits erwähnt, bedingt Evolution Nichtwissen. Niemand weiß, wie die Unternehmen der Zukunft genau aussehen werden. Das ist schon allein deswegen nicht möglich, weil jedes Unternehmen andere Mitarbeiter hat, die alle anders ticken und es somit kein einheitliches Konzept gibt. Es gibt kein Patentrezept, wie eine tragfähige Arbeitsweise in Zukunft aussehen wird. Umso wichtiger ist es, Dinge  auszuprobieren, um für das eigene Unternehmen den optimalen Weg zu finden.

Pioniere, Edgeworker, Impuls- und Ideengeber, die ihre Vision einer neuen Arbeitswelt verfolgen, sind bereit, ihre Komfortzone zu verlassen. Im übertragenen Sinne sind sie bereit, zu sterben. Sie fürchten sich nicht davor, Fehler zu machen. Im Gegenteil, sie sind bereit Fehler zu machen, da Fehler für sie nicht negativ, sondern einfach nur glasklares Feedback auf dem Weg der Evolution sind.

Sie praktizieren sogenanntes Schnelles Lernen, das aus 3 Schritten besteht:
  1. GO! => Sie haben eine brillante Idee, gehen los und probieren die neuen Möglichkeiten aus.
  2. Feedback => Sobald Sie losgegangen sind, erhalten Sie unmittelbar Feedback. Dies kann entweder GO! („Das funktioniert!“) oder BEEP! („Das hat nicht funktioniert!“) sein. Machen Sie sich bewusst, dass es tatsächlich nur diese beiden Arten von Feedback gibt. Wenn Sie etwas Neues ausprobieren und ein BEEP! erhalten, bedeutet dies lediglich, dass etwas nicht funktioniert hat. Es ist neutrales Feedback über die Vergangenheit. Gehen Sie dann einfach zum dritten Schritt des schnellen Lernens über.
  3. SHIFT! Haben Sie ein BEEP! erhalten, ist dieser dritte Schritt entscheidend. Verändern Sie etwas und gehen Sie dann wieder los und probieren etwas anderes aus.

Schnelles Lernen ist entscheidend, wenn Sie Neuland betreten. Die Effektivität dieses 3-Stufen-Prozesses ist dabei abhängig von Ihrer Sicht auf Feedback. Ist Feedback für Sie Kritik, negativ, oder gar ein persönlicher Angriff, so werden Sie steckenbleiben. Schnelles Lernen funktioniert nur, wenn Sie Feedback als Gold betrachten und als klaren Indikator dafür, was es auf dem Weg der Evolution zu verändern gilt. Beim Erforschen und Etablieren einer neuen, tragfähigen Arbeitsweise ist es notwendig, das schnelle Lernen in den Alltag integrieren und permanent Feedback von Kollegen einzuholen.

Erinnern Sie sich: Mut nicht das Ausbleiben von Angst ist. Mut ist die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist, als die Angst. Die Zeit des Wandels in Unternehmen ist bereits angebrochen. Es ist dringend notwendig, alte, nicht mehr dienliche Strukturen, Regeln und Vorgehensweisen über Bord zu werfen und neue, inspirierende und tragfähige Möglichkeiten zu etablieren. Was ist Ihre Vision in Bezug auf neues Arbeiten? Wann beginnen Sie?

Herzlich visionäre Grüße,
Ihre Nicola Nagel


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Tipp: Mehr zu neuer Feedback-Kultur, schnellem Lernen und vielen evolutionären Aspekten hinsichtlich neuer Unternehmensführung und Arbeitsweise finden Sie im Buch „Edgeworker: Leadership war gestern – Es ist Zeit für die Führungs-(R)Evolution!“ von Nicola Nagel und Patrizia Servidio


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