Dienstag, 15. Juli 2014

Next Culture Organisation – Nachhaltigkeit und Erfüllung am Arbeitsplatz!



Inspiriert Sie Ihr derzeitiger Job, den Sie tagein tagaus machen? Würden Sie sagen, Ihr Job erfüllt Sie? Arbeiten Sie wirklich gerne in der Firma, in der Sie angestellt sind und sind Sie voll bei der Sache?

Die wenigsten Menschen können diese Fragen ganz klar mit JA beantworten. Im Gegenteil, die Anzahl der Menschen, die jeden Tag voller Inspiration durch die Tür eines Unternehmens gehen und mit ganzem Herzen bei der Sache sind, ist verschwindend gering. Traurig, aber wahr. Die meisten arbeiten in ihrem aktuellen Job, weil sie „müssen“. Irgendwo muss schließlich das Geld herkommen, um die Miete zu zahlen, sich ein Auto zu leisten und mit der Familie demnächst in Urlaub fahren zu können. Da muss man halt Belastung und Stress in Kauf nehmen. Wer meint, ein Job sei dazu da, Erfüllung zu finden, der soll mal schön weiterträumen, richtig?

Doch was wäre, wenn es anders ginge? Wie würde ein Unternehmen aussehen, in dem die Mitarbeiter inspiriert, erfüllt und zufrieden sind? Wir würde eine Organisation der nächsten Kultur (NCO = Next Culture Organisation) aussehen?

Lassen Sie für die nächsten Minuten einmal alle Konzepte, Strukturen und Vorgaben, die Sie bisher von Unternehmensführung und –strategie gehört haben, hinter sich. Stellen Sie sich vor, es gäbe nichts außer einem weißen Blatt Papier und lassen Sie uns ein wenig „rumspinnen“ – nur ganz grob.

Eine neue Absicht
Es beginnt damit, dass die Absicht einer Next Culture Organisation eine völlig andere ist, als der altbekannte Fokus auf Gewinn-Maximierung. Die neue Vision lautet „Maximierung von Nachhaltigkeit und Erfüllung am Arbeitsplatz“. Ausschließliche Wertschöpfung ist out, Nachhaltigkeit sowohl in Bezug auf die Ressourcen der Erde als auch in Bezug auf die Mitarbeiter ist angesagt. Der alte Überlebensmodus wird verdrängt von mehr Bewusstheit, Lebendigkeit, Kreieren, Gemeinschaft und Ermächtigung des Einzelnen und damit der gesamten Organisation.

Von der Hierarchie zur Galaxie
Damit einher geht eine neue Organisationsstruktur, weg von der bisherigen Hierarchie-Struktur hin zur Galaxie-Struktur. In einer NCO gibt es keinen Top-Down Ansatz mehr, geschweige denn festgelegte Stellenbeschreibungen in vorgegebenen Abteilungen. Kern der Next Culture Organisation ist hingegen ein sogenannter Aufgabenpool. Alle Aufgaben und Projekte, die im Unternehmen anfallen, werden freiwillig durch Mitarbeiter mit entsprechenden, oder noch zu entwickelnden Talenten ausgefüllt. Stellen Sie sich vor, Sie könnten wählen, welche Aufgaben Sie machen, egal, in welchen Bereich oder welche Abteilung sie fallen. Stellen Sie sich weiter vor, Sie könnten alle Aufgaben abgeben, die Sie nicht gerne machen. Anstatt sich damit rumzuquälen und womöglich krank zu werden, weil diese Aufgaben Sie belasten und Ihnen den letzten Nerv rauben, werden diese von einem Kollegen übernommen, der sie wirklich gerne macht. Malen Sie sich aus, Sie könnten aus diesem Aufgabenpool, die für Sie idealen Tätigkeiten herausfischen.


Das bedeutet weiterhin, dass Sie nicht mehr an eine bestimmte Abteilung gebunden sind. Möglicherweise übernehmen Sie mehrere Kernaufgaben, die einem bestimmten Bereich zugeordnet sind, doch es ist gleichermaßen möglich, dass Sie Teil-Aufgaben aus anderen Bereichen (Teil-Galaxien) übernehmen, die Sie inspirieren. Entscheidend ist, dass Sie Ihre Talente einbringen und eine Aufgabe gerne und vollverantwortlich ausfüllen.

Es geht nicht mehr um Positionen und starre Stellenbeschreibungen, sondern um Flexibilität. Die Talente und Qualitäten der Mitarbeiter stehen im Fokus.

Edge Worker als Raumhalter für Projekte
Jedes Projekt wird von einem Team aus eigenverantwortlichen Kollegen gemeinsam vorangetrieben. Für jedes Projekt gibt es sogenannte Edge Worker. Dies sind keine klassischen Führungskräfte oder Manager, die in der Hierarchie möglichst weit oben stehen und dem restlichen Team sagen, wie die Dinge zu laufen haben. Edge Worker sind vielmehr „Raumhalter“ für ein Projekt. Das bedeutet, dass Sie den Kontext / den Rahmen und die damit einhergehenden Prinzipien (wie  z. B. Klarheit, Gemeinschaft, Kreativität, Qualität, Dienst) aufrecht erhalten, damit ein Projekt von inspirierten Mitarbeitern, die sich von dem Projekt angezogen fühlen, umgesetzt werden kann. Dabei nehmen Edge Worker jedoch keine höhere Position als die anderen Team-Mitglieder ein. Alle sind auf der gleichen Ebene. Heißt im gewöhnlichen Unternehmenskontext das Wort Team gerne schon einmal „Toll ein anderer macht’s“, bekommt das Wort Team in einer NCO die ursprüngliche Bedeutung zurück: Tatsächliche Eigenverantwortung Aller (Projekt-)Mitglieder. Das bedeutet, dass Mitarbeiter nicht mehr gemanaged, sondern ermächtigt werden. Kontrolle wird durch Vertrauen ersetzt und das Team agiert als lebendige Einheit verantwortlicher Team-Mitglieder.

Gelebte Feedback-Kultur „Schnelles Lernen“
Ein weiterer Aspekt einer Next Culture Organisation ist eine nachhaltig gelebte Feedback-Kultur. Während sich heute die Feedback-Kultur darauf beschränkt einmal, maximal zweimal im Jahr – nämlich erst beim Zielvereinbarungs- und dann beim erreichungs-Gespräch – Feedback zu geben und Mitarbeiter und Vorgesetzte zu bewerten – ist in einer NCO sogenanntes „Schnelles Lernen“ fest in den Alltag integriert. Stellen Sie sich vor, die Mitarbeiter hätten alle das Verständnis, dass Feedback Gold ist und es wäre selbstverständlich, sich gegenseitig durch Feedback und Coaching zu unterstützen und zu wachsen. Es gäbe keine Anfeindungen oder Groll, weil Sie einem Kollegen etwas spiegeln, was möglicherweise nicht funktioniert hat, sondern es herrscht eine offene Kultur des ständigen Wandels und Wachsens, die von allen geschätzt wird.

Beziehungsfördernde Kommunikation
Ein weiteres Kernelement einer Next Culture Organisation – neben einer funktionierenden Feedback-Kultur- ist beziehungsfördernde Kommunikation. Diese Art der Kommunikation basiert auf dem Bewusstsein darüber, dass es z. B. 4 verschiedene Arten des Zuhörens und 6 Arten des Sprechens gibt und wie diese einzusetzen sind. Stellen Sie sich vor, es ginge nicht mehr darum, wer Recht hat, wer stärker ist, die größere Macht ausüben kann oder den dickeren Bonus kriegt. Anstatt des auf Wettkampf basierenden Spiels „Ich gewinne – Du verlierst“ hält ein neues Spiel mit dem Namen „Gewinnen geschieht“ Einzug, bei dem die Kollegen nicht nur miteinander, sondern vielmehr in kreativer Kollaboration füreinander und für die Unternehmens-Vision arbeiten.

Entscheidungsfindung verläuft nicht mehr nach dem Motto „Ober sticht unter“ oder „die Mehrheit gewinnt“, sondern nach dem sogenannten „Systemischen Konsensieren“.  Im Gegensatz zum Mehrheitsbeschluss, Hierarchie-Entschluss oder zäher Konsensfindung, wird hierbei der Widerstand gemessen. Die Entscheidung fällt letztendlich für die Option mit dem geringsten Widerstand. Somit wird verhindert, dass die Mitarbeiter unbewusst Groll  gegeneinander aufbauen und ein „Ich gewinne – Du verlierst“ Spiel entsteht. 

Mensch sein
All das – und noch viele weiter Aspekte – würden in einer Next Culture Organisation dazu führen, dass Sie Mensch sein können. Sie müssten nicht mehr an der Eingangstür Ihre menschliche Verletzlichkeit ablegen und die Maske der distanzierten Professionalität aufsetzen, sondern könnten mit all Ihren Fähigkeiten, Talenten und ihrem Herzen inspiriert bei der Sache sein. Wie wäre das?

Im Folgenden finden Sie einige Kernaspekte einer Next Culture Organisation im Gegensatz zur herkömmlichen Unternehmenskultur.

Merkmale gewöhnlicher Unternehmenskultur
Merkmale einer
Next Culture Organisation
Gewinn-Maximierung
Nachhaltigkeits-Maximierung
Überleben
Leben, Kreieren.
Ich gewinne – Du verlierst
Gewinnen Geschieht
Hierarchie-Struktur
Galaxie-Struktur
Kontrolle
Vertrauen
Der Mensch als Maschine / Kapital Ressource
Der Mensch als Mensch.
Arbeit als „notwendiges Übel“ um Geld zu verdienen mit begrenztem Spaßfaktor.
Erfüllung am Arbeitsplatz.
Starre, begrenzte Stellenbeschreibung
Fokus auf Talente und Seins-Eigenschaften
Mitarbeiter werden zu Aufgaben gemäß der Stellenbeschreibung „verdonnert“ bzw. müssen auch unliebsame Aufgaben machen, die sie hassen.
Mitarbeiter melden sich freiwillig für Projekte/Aufgaben, die für alle sichtbar ausgeschrieben werden (Aufgabenpool).
Arbeit in definierten Abteilungsgrenzen (jeder gehört zu einer konkreten Abteilung)
Arbeit über Abteilungsgrenzen hinweg.
TEAM = Toll, Ein Anderer Macht’s.
TEAM = Tatsächliche Eigenverantwortung Aller (Projekt-)Mitglieder
Vorgaben und Regeln bestimmen die Handlungen
Kreieren einer Bewegung
Feedback 1 bis 2 Mal im Jahr im Zielvereinbarungs- und erreichungsgespräch.
Feedback Kultur „Schnelles Lernen“ im Alltag
Niederes Drama
Hohes Drama
Top-down / Vertikale Kommunikation
Horizontale Kommunikation
Manager in Positionen die vorgegebene Ziele weiterreichen.
Edge Worker als „Raumhalter“ von Visionen und Projekten.
Motivation und Incentives, um die Mitarbeiter bei Laune zu halten.
Inspirierte Mitarbeiter, die keine Motivation brauchen.
Kleinhalten von Mitarbeitern.
Ermächtigung jedes Einzelnen.
Entscheidungsfindung über „Ober sticht unter“ oder „Mehrheitsbeschluss“
Entscheidungsfindung über „Systemisches Konsensieren“.
Kommunikation basierend auf „Macht“ und „Rechthaberei“
Beziehungsfördernde Kommunikation
Begrenzte Offenlegung von Informationen.
Völlige Transparenz von Informationen (inkl. Gehälter)
Mitarbeiter haben zu Kernarbeitszeiten im Büro zu sein.
Mitarbeiter können Arbeitszeit- und ort flexibel gestalten.

Sie denken, das sei alles Träumerei und bestimmt nicht möglich? Es gibt gute Nachrichten: Es ist möglich! Die ersten Unternehmen wagen bereits diese Neuausrichtung. Es ist möglich, selbst etablierte Unternehmen in eine völlig neue Richtung zu lenken. Dafür braucht es mutige Pioniere, Edge Worker, die bereit sind, diese Vision zu verwirklichen und eine Next Culture Organisation zu gestalten. Es geht nicht darum, dass die Mitarbeiter ab morgen kommen und gehen, wann sie wollen und ihre Gehälter am besten noch selbst bestimmen. Eine Next Culture Organisation ist eine Entwicklung, die mit dem ersten Schritt beginnt, dem ersten Schritt hin zu Nachhaltigkeit, Inspiration, Gemeinschaft und erfüllten Mitarbeitern, die ihre Talente voll einsetzen und entfalten. Würde es sich lohnen, für solch eine Next Culture Organisation zu arbeiten? Sind Sie bereit, den ersten Schritt zu gehen?

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel



CREATING POSSIBILITIES - FACILITATING CHANGE!
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Freitag, 13. Juni 2014

Bedürftigkeit versus Notwendigkeit in Beziehung.



Beziehungen sind bekanntlich prädestiniert für Konfliktpotential. Das liegt schon allein daran, dass in einer Beziehung zwei Menschen mit unterschiedlicher Erziehung, Erfahrungen und Meinungen aufeinander treffen. Es ist relativ unwahrscheinlich, dass zwei Menschen in allen Punkten das gleiche denken oder über alles die gleiche Meinung haben.

Häufig entstehen Konflikte in Beziehungen jedoch auch, weil den Partnern der Unterschied zwischen Bedürftigkeit und Notwendigkeit nicht klar ist. Kennen Sie Menschen in Ihrem Umfeld, die sich bedürftig verhalten und ihren Partner verantwortlich dafür machen, dass es ihnen gut geht? Das können z. B. Menschen sein, die Erwartungen haben, dass der Partner dieses oder jenes tut, oder sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten soll.

Was genau bedeutet Bedürftigkeit in Beziehung? Wenn Sie bedürftig sind, dann machen Sie Ihren Partner für Ihr Wohlergehen verantwortlich. Ihre Laune ist abhängig von der Laune Ihres Partners und davon, ob er Ihren (meist unausgesprochenen) Erwartungen gerecht wird. Es gibt z. B. Menschen, die ein unglaubliches Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung haben und denen es nur gut geht, wenn sie beides auch von ihrem Partner in großen Mengen bekommen. Doch genau dieser Schuss geht schnell nach hinten los.

Die spannende Frage ist in diesem Zusammenhang vielmehr, woher die Bedürftigkeit kommt. Wer ist normalerweise bedürftig? …Es sind kleine Kinder. Wenn Sie sich bedürftig verhalten, dann agieren Sie also in dem Modus eines Kleinkindes, das auf die Eltern angewiesen ist und nicht selbst das generieren kann, was es braucht. Und da liegt der Hase im Pfeffer begraben.  

Viele Menschen versuchen in einer Partnerschaft das zu kompensieren, was sie in der Kindheit nicht bekommen haben. Wenn jemand also nicht genug Liebe, genug Zeit oder genug Anerkennung von den Eltern bekommen hat, kann es durchaus sein, dass sich diese Person in einer Partnerschaft nichts sehnlicher wünscht, als genau dieses Bedürfnis nach Liebe zu stillen. In dem Moment machen Sie Ihren Partner dafür verantwortlich, diese Lücke zu schließen und Sie richten alle Sensoren darauf aus, ob er bzw. sie das auch wirklich tut. Und wehe es gibt Beweise, dass der Partner dem nicht gerecht wird, dann schlägt in Windeseile das unverantwortliche kleine Monster in uns zu mit Sätzen wie „Nie hast Du Zeit“ oder „Warum hast Du nicht angerufen?“ oder „Du kümmerst Dich überhaupt nicht um mich“. Vielleicht kennen Sie solche Sätze. Alternativ dazu kann es auch sein, dass die bedürftige Person im Kindheitsmodus sich einfach schmollend in die Ecke zurück zieht, sich isoliert und nicht mehr mit dem Partner spricht.

Wenn Sie bedürftig sind, dann sind Sie Opfer der Umstände. Sie jammern oder beschweren sich über das, was Ihr Partner tut oder nicht tut und versuchen möglicherweise den Partner geschickt zu manipulieren, um das zu bekommen, was Sie wollen. Sie werden in solchen Momenten von alten Emotionen gesteuert, die Ihr Partner in Ihnen ausgelöst hat und geben somit auch ihm die Schuld, wenn er Ihren Erwartungen nicht gerecht wird. Schließlich hat er doch diese Emotion und dieses Bedürfnis in Ihnen ausgelöst, oder nicht?

Fakt ist jedoch, wenn Sie sich bedürftig verhalten, dann sind Sie weder zentriert, noch im Hier und Jetzt präsent und damit auch nicht in Ihrer Kraft.

Natürlich ist es unglaublich bequem, in der bedürftigen Opferrolle zu sein. Schließlich dürfen Sie sich dann beschweren, jammern, den Partner als Idioten abstempeln, weil er Ihnen schon wieder nicht das gegeben hat, was Sie brauchen und vor allem müssen Sie keine Verantwortung übernehmen. Doch das einzige Resultat, das Bedürftigkeit produziert ist Abhängigkeit. Bedürftigkeit verhindert authentische, erwachsene Beziehung und Intimität.

Lassen Sie uns an dieser Stelle ein kleines Experiment machen:

Experiment: Lassen Sie die Vergangenheit los
Nehmen Sie einen tiefen Atemzug, schließen Sie für einen Moment die Augen und stellen Sie sich vor, dass vor Ihnen ein Fluss vorbei fließt. Nun spüren Sie einmal in sich hinein. Irgendwo da drin gibt es möglicherweise ein Loch aus der Vergangenheit. Vielleicht ist es ein Loch, das Ihnen sagt, dass Sie nicht genug Liebe, Nähe, Wärme, Anerkennung, Zärtlichkeit oder Unterstützung bekommen haben. Was auch immer es sein mag, sprechen Sie das Wort jetzt kurz aus.

Nun haben Sie Klarheit über dieses Loch. Sie haben es sich gerade bewusst gemacht. Nehmen Sie einmal bildlich dieses große schwarze Loch aus Ihrem Körper heraus und halten Sie es vor sich. Dieses Loch hat Sie ein Leben lang begleitet und viele Ihrer Interaktionen in Beziehung beeinflusst. Jetzt haben Sie Klarheit darüber.

Schauen Sie sich dieses Loch weiter an. Es gibt nun eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte Nachricht ist: Mama und Papa werden nie wieder kommen, um dieses Loch zu füllen!

Die gute Nachricht ist: Mama und Papa werden nie wieder kommen, um dieses Loch zu füllen!

Ja, Sie haben richtig gelesen, die schlechte Nachricht ist gleichzeitig die gute Nachricht. Dieses Loch ist Vergangenheit. Sie können es nicht mehr füllen. Stellen Sie sich vor, Sie hatten letzte Woche Mittwoch unglaublichen Durst. Es war eine körperliche Erfahrung. Sie können sich heute noch daran erinnern. Hilft es Ihnen, wenn Sie heute einen Liter Wasser trinken, um den Durst von letzter Woche zu löschen? Nein! Sie können also ab sofort damit aufhören, Ihren Partner dafür verantwortlich zu machen das Loch aus Ihrer Vergangenheit zu füllen. Das wird nicht funktionieren. Diese Haltung produziert lediglich Abhängigkeit,  emotionalen Stress und Distanz in Ihrer Beziehung.

Sind Sie bereit, dieses Loch der Vergangenheit ein für alle Mal gehen zu lassen? Falls ja, dann setzen Sie dieses dunkle Loch, das Sie noch vor sich halten, in den Fluss und sehen Sie zu, wie es mit dem Flusslauf zurück in die Vergangenheit driftet. Es ist vorbei.

Um die Bedürftigkeit vollständig zu transformieren ist es vor allem wichtig, dass Sie Ihre Wutkraft wieder in Besitzt nehmen. Diese Kraft, ermöglicht Ihnen, auf sich Acht zu geben, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen und Notwendigkeit von Bedürftigkeit zu unterscheiden. Wenn Sie die Wutkraft in Besitz nehmen und den Modus der Bedürftigkeit hinter sich lassen, dann macht sich nach und nach Klarheit und Präsenz breit. Dann können Sie erkennen, ob und wann es in Ihrer Beziehung eine tatsächliche Notwendigkeit gibt. Eine Notwendigkeit kommt aus dem Sein, nicht aus dem Ego (bzw. Ihrer Box). Wenn Sie das deutsche Wort einmal auseinandernehmen, wird der Unterschied sogar klar: Not-Wendig-Keit. Es gibt also im Hier und Jetzt eine gewisse „Not“, die es zu „wenden“ gilt. Der Unterschied liegt in der Absicht. Bei der Bedürftigkeit ist die Absicht unbewusst und unverantwortlich, weil Sie versuchen, Ihr eigenes Ego-Bedürfnis aus der Vergangenheit zu stillen. Bei der Notwendigkeit ist die Absicht bewusst und verantwortlich und sie lässt Sie in Aktion treten, möglicherweise Grenzen setzen und Lösungen kreieren.

Hier ein simples Beispiel: Angenommen Sie haben sich eine üble Grippe eingefangen und Ihr Job ist es normalerweise die Kinder zu betreuen. Nun kommt Ihr Partner abends völlig müde von der Arbeit nach Hause. Wenn Sie bedürftig sind, jammern Sie erst einmal, wie schlecht es Ihnen geht, versuchen Aufmerksamkeit zu bekommen und Ihren Partner dadurch zu manipulieren, damit er hoffentlich selbst auf die Idee kommt, sich um die Kinder zu kümmern. Sie erwarten sozusagen von ihm, dass er sich um Sie und um die Kinder kümmert. Wenn Sie hingegen im verantwortlichen Modus sind, nehmen Sie ganz klar wahr, dass Sie körperlich nicht in der Lage sind, die Kinder zu betreuen. Sie erkennen, dass es NOTWENDIG ist, eine andere Lösung zu finden. Aus dieser Notwendigkeit heraus bitten Sie nun Ihren Partner klar und deutlich um das, was sie brauchen, anstatt zu erwarten, dass er es errät.

Oder ein noch alltägliches Beispiel. Sie haben zwei Wasserkästen gekauft, die Sie selbst nicht die Treppen hochtragen können. Also lassen Sie sie unten am Fuß der Treppe stehen. Bedürftigkeit würde sich z. B. darin äußern, dass Sie entweder gar nichts sagen, sondern darauf hoffen, dass der Partner die Kästen sieht und hoch trägt, oder aber in Ihrer Aussage „Es stehen noch 2 Wasserkästen unten an der Treppe.“ Durch diese Haltung erzeugen Sie in Ihrem Partner jedoch keinerlei Notwendigkeit die Wasserkästen zu holen. Hat der Partner sie nach 30 Minuten dann noch nicht herauf getragen kommt der nächste bedürftige Satz „Mann, ständig muss ich Dich doppelt und dreifach bitten. Nie nimmst Du mich ernst“.
Eine Notwendigkeit entsteht erst, wenn Sie diese ganz klar ausdrücken: „Würdest Du für mich bitte die Wasserkästen in die Küche tragen? Sie stehen unten an der Treppe. Danke.“

Es könnte so einfach sein, oder? Beobachten Sie ab sofort einmal, wann Sie dazu neigen, sich bedürftig zu verhalten. Bedürftigkeit und Kleinkind-Modus haben früher bei Mama und Papa vielleicht prima funktioniert, aber heute kreieren Sie damit nur gewöhnliche Beziehung, in der Abhängigkeit und Mangel herrschen, es Diskussionen und möglicherweise Streit gibt und Sie auf Dauer Distanz statt Nähe und Vertrautheit schaffen.

Das ist nicht gut und nicht schlecht. Die Frage ist einfach, welche Art von Beziehung Sie kreieren möchten. Eine erwachsene, erfüllende Partnerschaft ist nicht möglich, wenn Sie im Bedürftigkeitsmodus stecken.  

Wenn Ihr Partner das nächste Mal also einen roten Knopf bei Ihnen drückt, oder Sie sich dabei ertappen, dass Sie jammern und sich über ihn/sie beschweren (selbst wenn es nur in Gedanken ist!!!), dann gehen Sie noch einmal einen Schritt zurück. Welches Bedürfnis wurde in Ihnen angestoßen? Erwarten Sie von ihrem Partner, dass er dieses Bedürfnis erfüllt? Wo kommt das Bedürfnis eigentlich her? Schauen Sie bei SICH. Die Antwort ist in IHNEN.

Im Folgenden finden Sie einige Unterscheidungen zu Bedürftigkeit und Notwendigkeit.

Bedürftigkeit
Notwendigkeit
Kommt aus der Box / dem Ego.
Kommt aus dem Sein.
Sie agieren unverantwortlich.
Sie agieren verantwortlich.
Sie sind das Opfer der Umstände.
Sie sind die Quelle der Ressourcen.
Sie manipulieren Ihren Partner / andere, um Ihr Bedürfnis erfüllt zu bekommen.
Sie setzen klare Grenzen und bitten um Unterstützung.
Sie machen Ihren Partner für Ihr Wohlergehen verantwortlich.
Sie sind selbst für Ihr Wohlergehen verantwortlich.
Sie jammern oder beschweren sich.
Sie beobachten neutral, was passiert.
Sie versuchen ein „Loch“ aus der Vergangenheit zu füllen.
Sie sind im Jetzt präsent mit dem, was ist.
Sie verhalten sich angepasst.
Sie sind zentriert.
Ihr Gremlin sitzt am Steuer Ihres Lebens.
Sie sitzen am Steuer Ihres Lebens.
Sie kreieren Niederes Drama
Sie kreieren sog. Hohes Drama.
Sie werden von alten Emotionen gesteuert.
Sie nutzen bewusst Ihre Gefühle in der Gegenwart.
Sie vertrauen sich selbst nicht.
Sie vertrauen sich selbst.
Sie geben dem Partner die Schuld.
Sie schauen grundsätzlich zuerst bei sich selbst.
Sie warten darauf, dass etwas passiert bzw. Sie jemand rettet.
Sie kreieren selbst und treten in Aktion.
Sie haben Erwartungen an andere.
Bitten Sie klar um das, was Sie brauchen.
Sie machen sich klein.
Sie nutzen Ihre Kraft der Klarheit.
Sie verfolgen eine unbewusste Absicht.
Sie haben eine bewusste Absicht.
Sie leben in Gedanken des Mangels „Es gibt nicht genug Liebe, Anerkennung, etc.“
Sie leben in Gedanken der Fülle.
Sie sind im Kleinkind-Modus
Sie sind im erwachsenen Modus.
Sie nutzen Ihre Gefühle unverantwortlich.
Sie nutzen Ihre Gefühle verantwortlich.


In einer erwachsenen Beziehung sind die Partner nicht voneinander abhängig. Stattdessen steht jeder für sich mit beiden Beinen im Leben und kann auch für sich selbst glücklich sein. Sie nutzen Ihr „Schwert der Klarheit“ um ganz klar Bedürftigkeit von Notwendigkeit zu unterscheiden. Vielleicht haben Sie schon einmal den Satz gehört „Zwei unglückliche Menschen können nicht gemeinsam glücklich werden.“ Wenn Sie also ohne Partner unglücklich sind, weil dann niemand Ihre Bedürfnisse erfüllt, dann wäre es an der Zeit, sich damit zu befassen. Schauen Sie, dass Sie zunächst selbst in Ihre Kraft kommen (versuchen Sie also nicht, Ihren Partner zu manipulieren, in dem Versuch, ihn zu ändern. Das funktioniert nicht.). Sollten Sie wieder einmal feststellen, dass Ihr Partner gerade einen Bedürftigkeits-Knopf gedrückt hat und Sie meinen, dass Sie z. B. nicht genug Liebe bekommen, dann wechseln Sie in den verantwortlichen Modus und erschaffen Sie einen Moment der Liebe. Gehen Sie nicht in die Abhängigkeit. Sie sind die Quelle. Nehmen Sie z. B. seine oder ihre Hand.

Sie wünschen sich mehr Wertschätzung und Anerkennung in Ihrer Beziehung? Dann beginnen Sie damit, Ihren Partner wertzuschätzen. Sie können nur das empfangen, was Sie selbst aussenden. Sie kennen vielleicht den Satz „Wie oben, so unten. Wie innen, so außen.“ Die Unterscheidung zwischen Bedürftigkeit und Notwendigkeit trifft auf das gesamte Universum zu. Sie erzeugen sozusagen durch Ihre innere Haltung eine Notwendigkeit im Universum. Wenn Sie in Mangel und Bedürftigkeit denken, dann geht dieses Denken raus ins morphogenetische Feld und das Universum kann nicht anders, als Mangel und weitere Bedürftigkeit zu generieren. Wenn Sie jedoch in den verantwortlichen Modus wechseln und selbst zur Quelle von Liebe und Anerkennung werden, dann erzeugen Sie im morphogenetischen Feld genau die Notwendigkeit, dass sich das auch in Ihrem Leben manifestiert.

Welche Haltung wählen Sie?

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel

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