Montag, 10. Februar 2014

Welcher Gehirntyp sind Sie? Über die Notwendigkeit verschiedener Gehirntypen in Zeiten schnellen Wandels.


Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es eigentlich kommt, dass einige Menschen scheinbar schnell und klar entscheiden können und andere nicht? Warum die einen erst einmal lange reden, bevor sie sagen, was sie wollen, während andere direkt auf den Punkt kommen? Oder warum einige Menschen aktiv durch die Gegend springen während andere sich eher gemütlich bewegen? Wir tendieren dazu anzunehmen, dass eine andere Person genauso agiert wie wir. Schließlich sind für uns bestimmte Handlungen völlig logisch, also muss es für jemand anderen doch eigentlich genauso logisch sein, richtig? Vielleicht ist es für Sie zum Beispiel „völlig normal“, Aufgaben zügig abzuarbeiten und einen ordentlichen Schreibtisch zu haben und Sie können womöglich überhaupt nicht nachvollziehen, wie der Kollege sich in seinem Zettel-Chaos auch nur ansatzweise zurechtfinden kann.

Es gibt viele Faktoren, die zusammenspielen, wenn es darum geht, wie eine Person „tickt“. Ein entscheidender Faktor ist allerdings die Art und Weise, wie das Gehirn gestrickt ist. Wesentliche Persönlichkeits-Merkmale des Menschen hängen von seiner individuellen Hirn-Struktur ab und es ist hilfreich zu wissen, welche unterschiedlichen Gehirntypen es gibt. Dann nämlich können Sie in der jeweiligen, zum Gehirntyp passenden „Sprache“ mit einer Person kommunizieren und eine andere Art von Kontakt und Beziehung aufbauen.

Der ursprüngliche Ansatz der verschiedenen Gehirntypen stammt von dem amerikanischen Hirnforscher Paul MacLean. Er unterscheidet 3 Bereiche im Gehirn, die evolutions-geschichtlich verschieden alt sind und unterschiedliche Funktionen übernehmen, aber dennoch zusammenwirken und sich miteinander verständigen müssen:

  • das Stammhirn oder Reptiliengehirn (Farbe: grün)
  • das Zwischenhirn oder limbische System (Farbe: rot)
  • das Großhirn oder die Neokortex (Farbe: blau)


Diese drei so verschiedenartigen Gehirne müssen laut MacLean im
„dreieinigen Gehirn“ („Tribune Brain“) zusammenarbeiten, aber jedes
Gehirn behält dabei seine ganz spezifischen „Spielregeln“ bei.  Erst aus dem Zusammenwirken der instinktiven Reaktion des Stammhirns, der emotionalen Reaktion des Zwischenhirns und der rationalen Reaktion des Großhirns ergibt sich menschliches Verhalten. 

In den letzten Jahren ist jedoch noch ein vierter Typ hinzugekommen, denn unser Gehirn entwickelt sich weiter. Wir befinden uns im Übergang vom Informationszeitalter in ein Zeitalter, das mehr und mehr spirituell geprägt ist und in dem die
Menschen sich auf energetische Fähigkeiten und Wahrnehmungen
besinnen. Der vierte und jüngste Gehirntyp könnte somit als

  • „energetisches Gehirn“ (Farbe: gelb)  bezeichnet werden.

Jeder Mensch verfügt über ein individuelles „Anteilsverhältnis“ dieser vier Hirnbereiche. Ein Typ überwiegt jedoch normalerweise und prägt maßgeblich die Persönlichkeit. Lassen Sie uns einmal schauen, was die Eigenschaften der unterschiedlichen Gehirntypen sind.


Der GRÜNE Typ:
Menschen bei denen der grüne Gehirntyp dominiert sind sehr gesellig und eher gemütlich veranlagt. Ihnen ist es wichtig, erst einmal Small-Talk über die Familie, das Wochenende oder Ereignisse aus der Vergangenheit zu machen, bevor sie zum eigentlichen Thema kommen. Sie sind echte Kontakt-Menschen. Wenn der grüne Typ z. B. einer Ihrer Kunden ist, ist es sinnvoll, erst einmal eine Weile mit ihm zu plaudern, bevor Sie zum geschäftlichen übergehen. Menschen mit einem großen Grün-Anteil sind Teamspieler, die kompromissfähig und auch sehr flexibel sind. Sie verlassen sich auf ihre Intuition, doch wenn es um Entscheidungen geht, setzen sie gerne auf alt bewährtes. Von der Statur her sind sie eher etwas rundlich veranlagt. Sie sind sehr herzliche Menschen, denen auch Nähe und Berührung (z. B. eine Umarmung zur Begrüßung) wichtig ist.

Von der Schattenseite betrachtet, ist der grüne Typ irrational und steckt seine Nase gerne in anderer Leute Angelegenheiten. Zudem kann er sehr bürokratisch und hartnäckig sein. Wenn Sie mit diesem Gehirn-Typ zu tun haben, sei es privat oder im Job, können Sie ihn am besten „abholen“, wenn Sie geduldig Zuhören, über die Kinder und die Familie sprechen und Ihr Tempo verlangsamen.  


Der ROTE Typ:
Menschen, bei denen der rote Gehirntyp überwiegt, sind sehr aktiv und dynamisch. Sie haben enorme Energie und sind voller Tatendrang. Sie sind präsent in der Gegenwart,  handeln schnell, sind entscheidungsfreudig und denken praktisch und konkret. Die roten Typen sind sehr spontan und können andere Menschen mitreißen. Sie sind selbstsicher und bereit Risiken einzugehen und mit den Konsequenzen entsprechend umzugehen. Rote Typen jonglieren auch gerne mit mehreren Bällen gleichzeitig und beginnen z. B. 5 Projekte auf einmal. Dementsprechend kann es gut sein, dass um sie herum eher Chaos herrscht und auf dem Schreibtisch schon einmal „Land-unter“ ist.

Von der Schattenseite betrachtet sind Menschen mit einem überwiegenden Rot-Anteil sehr dominant und ich-bezogen. Sie können hektisch, arrogant und ungeduldig sein und bewegen sich für andere oftmals zu schnell. Wenn Probleme auftreten, neigen sie dazu, diese zu bekämpfen, anstatt konstruktive Lösungen zu suchen.

Wenn Sie diesen Gehirntyp um sich haben, arbeiten oder agieren sie am besten mit ihm, indem Sie der Person Raum geben, sie sich bewegen lassen und nicht blockieren. Und lachen Sie gemeinsam mit dieser Sorte Mensch, das schafft Verbindung.
 

Der BLAUE Typ:
Menschen, bei denen der blaue Gehirntyp überwiegt sind zukunftsorientiert und denken systematisch und abstrakt. Sie machen meist detaillierte Pläne und ziehen alle Eventualitäten in Betracht. Sie haben einen Sinn für Details und multiple Sichtweisen. Menschen diesen Typs können logisch und strategisch denken und verstehen es, andere zu überzeugen oder auch zu überreden.

Von der Schattenseite betrachtet sind Menschen mit einem überwiegenden Blau-Anteil sehr pedantisch, zögerlich und perfektionistisch veranlagt. Manchmal erscheinen sie auch langweilig oder besserwisserisch.

Wenn Sie diesen Gehirntyp gegenüber haben, dann kommen Sie besser direkt auf den Punkt. Der blaue Typ steht überhaupt nicht auf Small-Talk, persönliche Dinge und innigen Kontakt. Stattdessen ist er distanziert und sachlich. Punkten können Sie bei diesem Typ Mensch auch, wenn Sie klar und spezifisch sind, in dem was Sie sagen bzw. wollen, pünktlich sind und klar mit ja und nein antworten. Rum-ge-eier kann der blaue Typ nicht ausstehen.  Blaue Typen sind übrigens sehr ordentliche Menschen. Schauen Sie sich also einmal den Schreibtisch Ihrer Kollegen oder die Wohnung Ihrer Freunde und Bekannten an.

Blaue Typen sind in der Regel von der Statur her dünn.


Der GELBE Typ:
Menschen mit einem überwiegend gelben Gehirntyp schweben in etwas anderen Sphären. Sie sind oftmals nicht sehr geerdet und Zeit existiert für sie nicht wirklich. Bei Ihnen geht es um das Eins-sein. Sie sind dem Materiellen nicht verhaftet. Stattdessen denken sie holistisch und haben nicht-lineare, d. h. sehr kreative Ideen, die nicht auf gängigen Konzepten oder alt bewährtem beruhen. Sie sind innovativ, Meister der Kollaboration und darauf bedacht, dass alle gewinnen (im Gegensatz zu dem Spiel „Ich gewinne – Du verlierst“). Sie schätzen es, mit anderen zu sein und sich spirituell weiterzuentwickeln.

Menschen diesen Typs haben Vision und sind an Transformation und Evolution interessiert. Probleme sehen sie als Gelegenheiten.

Von der Schattenseite betrachtet sind Menschen mit einem überwiegenden Gelb-Anteil möglicherweise nicht nur wenig geerdet, sondern mitunter arrogant, undeutlich und leben in einer Fantasiewelt. Zudem kann es passieren, dass sie durch zu viel New Age und Psycho Blabla anderen Menschen auf die Nerven gehen oder sie gar ausgrenzen.

Wenn Sie mit Menschen diesen Gehirntyps zu tun haben, können Sie am ehesten auf eine Wellenlänge mit ihnen kommen, wenn Sie gemeinsam mit diesen Personen meditieren oder andere Praktiken wie z. B. Schwertkampf ausüben. Teilen Sie Ihre Vision mit solchen Menschen, dann haben Sie auf jeden Fall einen Anknüpfungspunkt.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der Eigenschaften jedes Gehirntyps.

CHARAKTER
GRÜN
ROT
BLAU
GELB
Beziehung
Kontakt
Dominanz
Distanz
Alles ist eins
Zeit
Vergangenheit
Gegenwart
Zukunft
Zeitlos
Orientierung
Wahrnehmen
Begreifen
Dinger in Ordnung bringen
Harmonisieren, akzeptieren
Denken
Intuitiv
Praktisch, konkret
Systematisch, abstract
Holistisch
Ideen
Standard
Schwarz oder weiß, kein grau
Multiple Sichtweisen, Details
Nicht-linear
Erfolg
Sympathisieren
Mitreißen
Überzeugen, überreden
Gewinnen geschieht
Entschei-dungen
Verläßt sich auf das Bekannte
Spontan
Untersucht alle Konsequenzen
Kommen von den Prinzipien
Handlung
Gewöhnlich
Dynamisch, schnell
Nicht ohne Plan
Kollaboration
Zentrum
Bauch
Arme, Beine
Kopf
Energetischer Körper
Körper Technologie
Rund
Mittel
Dünner
Mittel
Umgang mit Problemen
Traditionell
Kämpfe oder kämpfe
Denkt drüber nach
Gelegenheiten
Stärken:
Teamwork,
Kooperation,
Kompromissfähig
Kann vertrauen,
Flexibel gegenüber anderen

Natürliche Autorität, Enthusiasmus einflößen, praktisch, selbstsicher, geht mit Risiken um.
Plant,
systematisch, logisch, akzeptiert die Fakten, abstraktes Denken
Sein mit,,
nicht-linear, kreiert, großes Bild, Vision, Transformation.
Schwächen:
Steckt Nase in Dinge, ärmliche Entscheidungen, irrational, bürokratisch, hartnäckig.
Hektisch, autoritär, bewegt sich zu schnell, arrogant, ungeduldig.
Zögerlich, pedantisch, perfektionistisch utopisch, langweilig, unrealistisch, besserwissend.
Kosmisch, 
New age,
Nicht geerdet, Fantasiewelt, arrogant, undeutlich,
Psycho Blabla

CHARAKTER
GRÜN
ROT
BLAU
GELB
Zum Ausgleich
Entscheidungen genießen, persönliche Neutralität, Innovationen ausprobieren, systematisieren, analysieren, neutraler sein.

Pläne machen, daran denken, was schief gehen könnte, auf Details achten, mehr Geduld üben, Konsequenzen sehen.
Mehr Spontaneität versuchen, Lernen Kontakt zu genießen, von ideal zu praktisch wechseln, deine Menschlichkeit akzeptieren, mehr Flexibilität ausprobieren.

Handwerk,
Gemüse anbauen, Kinder haben.
Wie man mit ihnen arbeitet:
Umarmen, berühren, über Kinder reden, Geschichten aus der Vergangenheit, Zuhören, Geduld, Mit ihnen warm werden.
Raum geben, mit ihnen lachen, überschwänglich sein, sie nicht blockieren, sie sich bewegen lassen.
Zum Punkt kommen, klar sein, spezifisch sein, persönliche Dinge vermeiden, ja oder nein sagen, pünktlich sein.
Runterkommen, mit ihnen meditieren, deine Vision mit ihnen teilen, es nicht persönlich nehmen, mit ihnen leiden, mit ihnen praktizieren (Schwertkampf)


Wie gesagt, vereinen wir alle Gehirntypen in uns, jedoch ist einer dominant. So kann es z. B. sein, dass Sie zu 60% blau, 20% rot, 15% grün und 5% gelb sind. Oder Ihr dominanter Teil ist rot mit 70%, gefolgt von grün mit 20%, blau mit 7% und gelb mit 3%. Die Gewichtung ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

Gerade in Zeiten schnellen Wandels, in denen wir uns derzeit befinden, ist eines jedoch wichtig zu wissen:

Wenn Sie ein Projekt mit mehreren Beteiligten durchführen, visionäre Ideen generieren und umsetzen wollen und dafür ein Team zusammenstellen müssen, so ist es entscheidend, dass Sie eine Mischung ALLER Gehirntypen an Bord haben. Wenn Sie nur rote Typen haben, wird das Projekt in einem Chaos enden, da alle nur auf sich bedacht sind und jeder der größte sein möchte. Haben Sie zu viele blaue Typen im Team, dann wird es ein dauerhaftes Diskutieren, Konsequenzen-Abwägen, Zögern und eine dröge, logisch-analytische Apokalypse. Bei zu viel grünen Typen im Team, bringen Sie ein Projekt vermutlich nie zu Ende, weil die Leute viel zu gerne über anderes reden, als sich mit dem Wesentlichen zu beschäftigen. Bei zu viel gelben Typen im Team sind zwar großartige Visionen garantiert, jedoch mangelt es letztendlich an praktikablen Möglichkeiten, die Visionen auch Realität werden zu lassen.

Wenn Sie auf der anderen Seite bisher gedacht haben, alle im Team sind dynamisch oder können logisch denken, bis auf den einen Kollegen, der so gemütlich und langsam ist, dann betrachten Sie diesen Kollegen nun einmal mit neuen Augen. Sie können froh sein, ihn an Bord zu haben. In einem Team, das ansonsten z. B. von roten und blauen Typen geprägt ist, ist der grüne Kollege der entscheidende Fels in der Brandung und verbindet die Leute womöglich durch seine Kommunikation und seine Art Kontakte und Beziehungen zu pflegen.

Gerade jetzt geht es mehr denn je darum, die Vielfältigkeit eines Teams und das kreative Potenzial jeden Gehirntyps zu erschließen, anstatt vorzugeben, dass alle gleich zu ticken haben. Gleiches gilt auch für Ihren Freundes und Bekanntenkreis. Vielfalt, Abwechslung und Weiterentwicklung sind garantiert, wenn Sie eine bunte Mischung aller Gehirntypen um sich haben und deren kreatives Potential nutzen.

Mit dieser Klarheit über die verschiedenen Gehirntypen, können Sie ab sofort ganz anders in Kontakt mit Menschen treten. Schauen Sie einmal, zu welchem Gehirntyp Sie, Ihr Partner, Ihr Chef, Ihre Kunden, Ihre Freunde und Bekannten gehören. Wen haben Sie im Team? Sobald Sie das herausfinden, können Sie beginnen, in der der Sprache des jeweiligen Gehirntyps mit der Person zu sprechen und staunen, welch neue Art von Verbindung entsteht und welche Vielfalt und welches Genie-tum zum Vorschein kommt.

Viel Freude beim Forschen und Experimentieren.

Herzlichst, 
Ihre Nicola Nagel


CREATING POSSIBILITIES!
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Mittwoch, 15. Januar 2014

Wahre Werte versus Bewertung - Erschaffen Sie Miteinander oder Getrenntsein?



Unsere Gesellschaft lebt in einem engen Korsett. Es ist das Korsett von Bewertung. Bewusst oder unbewusst bewerten wir ständig. Wir werden regelrecht darauf gedrillt zu bewerten. Das fängt in der Schule an und geht im Job direkt weiter. Wir lernen zu bewerten, weil wir selbst in dem System des Bewertens groß geworden sind und es als normal erachten. Doch haben Sie sich einmal gefragt, wie es wäre, gar nicht mehr zu bewerten, nichts und niemanden?

Da mag der ein oder andere bereits stutzen und sagen „das geht doch gar nicht, es gibt doch Dinge, die richtig sind und andere, die falsch sind“. Doch genau da wird es spannend. Wer legt denn eigentlich das Bewertungssystem fest, gegen das wir permanent gemessen werden und gegen das wir uns selbst und andere messen? Haben Sie dieses Bewertungssystem jemals in Frage gestellt oder haben Sie es – wie die meisten Menschen – einfach übernommen, getreu dem Motto „Das ist halt so.“?

Ich möchte Sie heute dazu einladen, Ihr Bewertungssystem einmal zu betrachten, denn Tatsache ist, dass Sie sich durch ein übernommenes Bewertungssystem selbst einengen. Sie sitzen sozusagen in Ihrem eigenen Gefängnis. Jede Bewertung, die Sie vornehmen oder in Ihrem Nervensystem gespeichert haben, ist wie eine der Gitterstangen durch die Sie aus Ihrem Gefängnis herausschauen. Die gute Nachricht ist: bei diesem Gefängnis steckt der Schlüssel innen. Sie können also das ganze Konstrukt selbst demontieren und Sie werden erstaunt sein, wie viel Energie und Zeit Sie plötzlich wieder zur Verfügung haben. Lassen Sie uns direkt damit beginnen.  

Experiment 1: Was, wen und wann bewerten Sie?
Nehmen Sie einmal ein Blatt Papier und lassen Sie die letzten Tage Revue passieren. Wen oder was haben Sie bewertet? Wann haben Sie bewertet? Beachten Sie, dass Bewertung oft auch stillschweigend stattfindet und zwar in Ihrem Kopf. Vielleicht kam Ihnen die Nachbarin entgegen und Sie dachten „Was hat die denn heute für einen komischen Fummel an!“ oder Sie haben über Ihren Chef gedacht „Der spinnt ja wohl total, mir dieses Projekt auch noch aufzudrücken.“ Vielleicht haben Sie auch gerade das gemütliche Fahrverhalten des älteren Herren vor Ihnen bewertet, indem Sie z. B. sagten „Mein Gott Opa, schlaf nicht ein beim Fahren.“

Vergessen Sie bei diesem Experiment auch nicht die Bewertung, die Sie über sich selbst abgeben. Wie oft meinen Sie, Sie seien vielleicht nicht gut genug, hübsch genug, intelligent oder talentiert genug? Wenn Sie z. B. versehentlich eine Flasche fallen lassen und zu sich selbst sagen „Hach Idiot, kannst Du nicht aufpassen!“, dann bewerten Sie sich in dem Moment.  Schreiben Sie alles an Bewertungen auf, das Ihnen in den Sinn kommt.

Vielleicht gab es einen Moment, in dem Sie dachten, Sie seien nicht okay, weil andere über Sie etwas Beurteilendes gesagt haben. Wer hat jedoch die finale Bewertung gegen Sie letztendlich vorgenommen? Die anderen? Nein, keineswegs. Es waren SIE selbst. Und zwar nur Sie. Lassen Sie mich das etwas klarer formulieren. Wenn jemand etwas Bewertendes zu Ihnen sagt, dann sind das zunächst einmal nur Worte. Neutral. Ohne jegliche Geschichte. Erst wenn Sie diese Bewertung annehmen und sich selbst an der irrsinnigen Bewertungs-Skala unserer Gesellschaft messen, entwickeln Sie die dazugehörige Geschichte, dass Sie vielleicht nicht okay sind.

Sie geben also in dem Moment Ihre eigene Autorität an ein Bewertungssystem ab, das zum Ziel hat, die Menschen kraftlos und genormt zu machen. Machen Sie sich das wirklich einmal bewusst:

In dem Moment, in dem Sie sich an einer Bewertungs-Skala messen,
geben Sie Ihr Zentrum und damit Ihre eigene Autorität ab,
ergo Ihre Kraft.

Lassen Sie das einmal sacken. Wenn Sie sich – oder auch andere – bewerten, nehmen Sie sich selbst Ihre Kraft und Autorität.

Die spannende Frage, die sich stellt, ist WARUM bewerten wir überhaupt? Wir bewerten, weil wir in einer Gesellschaft groß geworden sind, die auf Überleben statt auf Leben ausgerichtet ist, auf Wettkampf statt auf Gemeinschaft. Wenn Sie einmal die Natur betrachten, dann wird schnell klar, dass es dort keine Bewertung gibt. Das Bewertungssystem ist also vom Menschen hausgemacht, sprich von unserer modernen Kultur.

Bei kleinen Kindern können Sie das prima beobachten. Diese sind zunächst völlig unbekümmert und gehen gänzlich in ihrem kreativen Spielen auf. Sie überlegen sich nicht, ob sie beim Spielen etwas „richtig machen“ oder ob jemand das toll findet. Sie spielen einfach. Doch allerspätestens wenn sie in die Schule kommen, ist ein radikaler Wandel spürbar. Das Genietum, die Kreativität und Unkompliziertheit lassen mit zunehmendem Alter nach, bis die Kinder schließlich völlig in das Bewertungssystem unserer Gesellschaft eingenormt sind (Film Tipp: Film „Alphabet“ von Erwin Wagenhofer).  

Durch Bewertung töten wir die vielfältige Kreativität, Spontaneität und Weisheit, die in uns steckt.  Und letztendlich isolieren wir uns in dem Moment, in dem wir bewerten. Wenn Sie z. B. in einer Situation eine künstlich erschaffene Bewertungs-Skala ansetzen und infolge dessen deklarieren „Ich bin nicht okay, oder gut genug“, dann ist der nächste Überlebensmechanismus der anspringt „Ich ziehe mich zurück, ich gehe, ich mache nicht mit.“ Tatsache ist jedoch, dass Sie okay sind, egal, was andere sagen, oder welche Bewertungs-Skala auch immer im Raum steht.

Ja, und nun? Was können Sie jetzt tun, wenn wir doch jeden Tag Bewertungen konfrontiert werden, wo wir gehen und stehen?

Experiment 2: Installieren Sie einen Bewertungs-Detektor
SCHRITT 1:
Um aus dem Bewertungs-System auszusteigen, ist es zunächst einmal hilfreich, einen sogenannten Bewertungs-Detektor zu installieren. Montieren Sie ihn einfach in Ihrer Vorstellungskraft oben an Ihrem Körper. Meiner sitzt z. B. direkt unterhalb des linken Schlüsselbeins. Er kann rund oder eckig sein. Egal wie er aussieht, eines steht fest: er blinkt auf, wenn Sie bewerten oder Ihnen eine Bewertung an den Kopf geschmissen wird. Seien Sie ab sofort aufmerksam und schauen Sie, wann Bewertung stattfindet. Was ist der Trigger?

Wenn Sie jemanden oder etwas bewerten, stellen Sie als nächstes die Frage nach dem warum. Warum haben Sie in dem Moment bewertet? Was ist die Absicht dahinter?

SCHRITT 2:
Wenn Sie sich das nächste Mal selbst bewerten spüren Sie einmal genau hin, wie Ihre Energie in dem Moment flöten geht. Achten Sie gleichermaßen darauf, was passiert, wenn jemand Sie vielleicht sogar verbal und laut hörbar bewertet und Sie die Geschichte glauben. Spüren Sie bewusst den Schmerz, die Isolation, vielleicht sogar die Wut. Das ist Ihr neuer Referenzpunkt. Sie wissen in dem Moment, wie kraftlos, angepasst und trennend sich Bewertung anfühlt. Lassen Sie sich von diesem Schmerz treffen und transformieren. Wenn Sie bewusst fühlen können, was Bewertung macht, dann ist genau das der Schritt aus dem Bewertungssystem hinaus. Es bedarf einiger Selbst-Beobachtung, doch es lohnt sich, dieses Experiment durchzuführen. 

Es könnte zu Beginn schockierend für Sie sein zu beobachten, wie oft sie sich selbst oder andere bewerten. Lassen Sie sich auch davon treffen.

Experiment 3: Steigen Sie aus dem Bewertungssystem aus
Der nächste Schritt besteht darin, aus dem Bewertungs-System auszusteigen. Ihnen passiert ein Missgeschick? (allein dieses Wort enthält schon Bewertung) Sehen Sie es neutral. Etwas ist passiert. Punkt. Es ist nicht gut und nicht schlecht. Sie müssen es nicht bewerten. Ihr Partner hat erneut vergessen, die Theaterkarten abzuholen? Es ist wie es ist, also erfinden Sie nicht die Bewertung, dass er deswegen ein Idiot ist.

Und was tun Sie, wenn Sie von jemandem verbal in einer Unterhaltung destruktiv bewertet werden (z. B. im Sinne von „Du bist nicht gut genug.“)? Nun ein interessantes Experiment könnte sein zu sagen: „Vielen Dank für das Geschenk der destruktiven Bewertung. Ich nehme es nicht an und gebe es Dir hiermit zurück.“ Prüfen Sie vorher, das Timing und die Situation. Sie können sich diesen Satz sonst auch denken und damit nicht in den Bewertungs-Ring steigen.

Kürzlich saß ich einem Bekannten in einem Café gegenüber, der mir 5 Minuten lang zahlreiche bewertende Gründe nannte, warum das Projekt, das er im Sinn hat, genau das Richtige für ihn sei und deswegen alles andere Larifari sei, was er sowieso schon kenne und  nicht brauche. Mein Bewertungs-Detektor blinkte wie wild. Doch ich nahm keine der Bewertungen an. Es war seine Geschichte und nicht meine. Als er mich anschaute und eine Antwort spürbar erwartete gab ich ihm Feedback, dass diese Art von bewertender Kommunikation nicht gut und nicht schlecht ist, jedoch zum Resultat hat, dass sie jegliche Art von authentischem Kontakt und Miteinander zerstört. Ich sagte, ich sei an einer anderen Art von Miteinander interessiert und fragte ihn, wie es ihm damit ginge.  Er schaute mich an, schluckte kurz und verstand sofort, was ich meinte. Und genau in dem Moment wurde eine andere Art der Kommunikation möglich. Es war spürbar, wie die Starre am Tisch, die sich durch die Bewertung aufgebaut hatte, wie eine Mauer einstürzte und plötzlich Verletzlichkeit und Miteinander als Werte im Raum waren.

Bewertung ist nichts anderes als Positionierung. Es ist ein Überlebensmuster, das wir als Kinder ungeprüft übernommen haben. Es dient der Normung der Gesellschaft, damit weiterhin Konkurrenz und Wettkampf praktiziert werden und die Menschen voneinander getrennt bleiben, anstatt kraftvoll und bewertungsfrei ihre eigene Autorität zu sein und ihr volles Potenzial auszuschöpfen.  

Bewertungen schließen jedoch wahre Werte, Seins-Qualitäten oder helle Prinzipien aus. Um aus dem Bewertungssystem auszusteigen, ist es daher sehr hilfreich, dass Sie sich bewusst machen, welche Werte oder hellen Prinzipien Ihnen wichtig sind, wenn Sie mit anderen und auch mit sich selbst zusammen sind. Wenn Sie bewerten, dann füttern Sie Ihren Gremlin, Ihr inneres kleines Monster, Ihren inneren Richter, der Schattenaspekte wie Getrenntsein, Besserwisserei, Rechthaberei, Macht, Arroganz bevorzugt.

Doch was wollen Sie tatsächlich? Was ist Ihnen wirklich wichtig? Wie wünschen Sie sich, dass andere Menschen mit Ihnen umgehen. Sind Ihnen da vielleicht Werte wie Miteinander, Teamwork, Liebe, Respekt, Güte, Großzügigkeit, Wertschätzung und Warmherzigkeit wichtig? Wahre Werte oder helle Prinzipien haben nichts mit Bewertung zu tun.

Und: wenn Sie andere bewerten und damit auf Getrenntsein ausgerichtet sind, tun Sie sich das in dem Moment auch selbst an. Selbst wenn Sie sich in dem Moment gar nicht bewerten, sondern nur den anderen. Wir sind alle miteinander verbunden und das was Sie der anderen Person oder auch der Natur antun, tun sie in dem Moment auch sich selbst an.

Was sind also Ihre wahren Werte? Schreiben Sie doch jetzt einmal 3-4 Werte auf, die Ihnen wichtig sind.

Hier noch einmal die wesentlichen Unterschiede von Werten und Bewertung:

Wahre Werte / Prinzipien
Bewertung / Positionierung
Schließen ein
Schließt aus
Gemeinsamkeiten finden
Konkurrenz, Wettkampf
Flexibel
Starr, unbeweglich
Akzeptieren
Recht haben wollen
Miteinander
Getrenntsein / Isolation
Eigene Autorität, zentriert sein
Autorität abgeben, angepasstes Verhalten
Fördern von Kreativität und Genietum
Ersticken von Kreativität
Authentischer Kontakt
Eine unsichtbare Mauer entsteht
Offen, frei
Enges Korsett
Erlauben Verletzlichkeit
Erlauben Argumente und Logik
Herz-zu-Herz Kommunikation
Finden nur im Verstand statt
Vielfalt
Eintönigkeit
Warm
Kalt

Wenn Sie Ihre wahren Werte, die Ihnen am Herzen liegen aufgeschrieben haben, prägen Sie sich diese gut ein. Jedes Mal, wenn Ihr Bewertungs-Detektor aufblinkt, können Sie dann sofort eines oder alle dieser hellen Prinzipien allein mit Ihrer Absicht in den Raum hineinrufen und eine andere Art von Kommunikation und Miteinander kreieren (dies ist auch gedanklich möglich, sie brauchen die Werte nicht laut aussprechen. Die Absicht ist entscheidend).

Lassen Sie sich überraschen, wie viel mehr Energie und Zeit Ihnen zur Verfügung stehen, wenn Sie aufhören, sich oder andere zu bewerten. Und seien Sie nicht erstaunt, wenn es wesentlich „stiller“ wird in Ihnen, entspannter, ruhiger. Denn wenn das Bewertungssystem in Ihnen aktiv ist, diese unbewusste Bewertungs-Skala gegenwärtig ist, dann stehen Sie permanent unter Strom und Anspannung. Sobald Sie die Bewertungs-Skala zusammenbrechen lassen, kann sich auch Ihr physischer Körper und Ihr gesamtes Nervensystem komplett entspannen. Seien Sie wagemutig. Während andere das Bewertungssystem noch krampfhaft aufrecht erhalten, können Sie einen neuen Weg gehen.

In diesem Sinne, viel Freude beim Experimentieren mit Ihrem neu installierten Bewertungs-Detektor.

Herzliche Grüße,
    www.viva-essenza.com  

 
CREATING POSSIBILITIES!

 
Ihre Nicola Nagel