Montag, 18. November 2013

Weisheit versus Wissen - Koppeln Sie sich vom Verstand ab!



Wie treffen Sie im Leben Entscheidungen? Verlassen Sie sich auf Ihren Verstand oder nutzen Sie eine andere Weisheits-Quelle? Die meisten werden vielleicht antworten, dass sie den Großteil Ihrer Entscheidungen logisch nachvollziehbar mit dem Verstand treffen. Das haben wir schließlich jahrelang gelernt, angefangen in der Schule über Ausbildung oder Lehre bis hin zum Job. Wir sind darin trainiert, Wissen anzusammeln.

Wir haben gelernt unseren Verstand zu gebrauchen. Mehr noch, wir glauben, wir sind unser Verstand. „Ich denke, also bin ich“ heißt das weit verbreitete Motto. Das ist durchaus nicht verwerflich, denn schließlich haben wir oft genug erfahren, welche Konsequenzen es haben kann, wenn wir etwas nicht wissen. Dann nämlich gab es entweder schlechte Schulnoten oder jemand anderes hat den begehrten Job bekommen. Sobald Sie sagen „Ich weiß es nicht“ werden Sie schräg angeschaut. Denn bitteschön, in unserer hoch-technisierten Zeit, wo man ständig über Smartphone, Internet und GPS Zugriff auf alle Daten haben kann, ist es doch fast schon ein Frevel, etwas nicht zu wissen. Die Angst, bloßgestellt zu werden, sitzt tief und wurde bei den meisten seit frühester Kindheit genährt.

Es ist zu einem sonderbaren Phänomen der Gesellschaft geworden zu glauben, dass wir unser Verstand sind. Doch was, wenn das nur eine Illusion ist? Was, wenn der Verstand lediglich vergleichbar ist mit einer außer Kontrolle geratenen Maschine, die endlose Wissens- und Gedankenschleifen dreht, sich unserer bemannt hat und uns von unserer wahren Weisheits-Quelle abschneidet? Was ist überhaupt diese andere Quelle? Und wie kann ich daran wieder andocken?

Oftmals wird jemand als weise bezeichnet, der ein gewisses Alter erreicht und eine gehörige Portion Lebenserfahrung gesammelt hat. Wie wäre es jedoch für Sie zu wissen, dass jeder von uns weise ist, unabhängig davon, wie alt eine Person ist? Wir sind es tatsächlich. Wir haben lediglich verlernt, auf die innere Weisheit zuzugreifen. Wie viele von Ihnen hatten schon einmal einen Impuls etwas zu tun oder zu sagen und haben es im Endeffekt doch nicht getan, weil die Vorstellung davon zu gefährlich war? Es scheint jedoch nur deswegen so gefährlich, weil wir dermaßen mit unserem Verstand verhaftet sind. Sobald der Verstand etwas nicht logisch begründen kann, generiert er den Gedanken „Das geht nicht. Das kenne ich nicht. Das ist nicht sicher.“ Wie oft ist es Ihnen passiert, dass der erste Impuls den Sie hatten, jedoch womöglich aus Verstandes-Angst nicht verfolgt haben, sich letztendlich doch als der richtige herausgestellt hat? Fragen über Fragen.

Lassen Sie uns an dieser Stelle einmal gemeinsam schauen, was überhaupt der Unterschied zwischen Weisheit und Wissen ist.


Weisheit
Wissen/Verstand
Intuitiv
Logisch
Unbegrenzt
Begrenzt
Vielfältig
Analytisch
Weich
Hart
Spielerisch
Strukturiert
Irrational
Rational
Nicht erklärbar
Erklärbar
Basiert auf Impulsen
Basiert auf Fakten
Flexibel
Starr
Fließend
Eckig
Unendlich
Endlich
Lebendig
Tot. Basiert auf Konzepten
Vertrauen
Planen
Verbunden mit dem Lebensfluss.
Vom Lebensfluss abgeschnitten. Das Leben planen. Zielgerichtet, erfolgsorientiert.
Zentriert
(energet. Zentrum liegt auf phys. Zentrum)
Unzentriert
(energetisches Zentrum liegt im Kopf)
Zugriff auf Unbekanntes
Zugriff auf bereits Bekanntes
Sich entfaltend
Sich wiederholend
Freiheit
Sicherheit
Verbindung
Trennung
Schafft Nähe
Schafft Distanz
Authentisch in Kontakt sein, Herzverbindung
Kopf-gesteuert, fehlende Herzensverbindung
Präsent im Jetzt
Ausgerichtet auf die Zukunft
Fördert Gemeinschaft und Prinzipien
Fördert Konkurrenz und Positionierung.
Basiert auf Erfahrungs-Realität.
Basiert auf verbaler Realität.
Ich bin.
Ich weiß.

Verstehen Sie das bitte nicht falsch. Die obige Gegenüberstellung meint nicht, Weisheit ist gut und Wissen/Verstand ist schlecht. Die Frage ist einfach, was Ihr Leben bestimmt und was dadurch möglich oder nicht möglich ist.

Der Verstand ist wichtig. Entscheidend ist jedoch, dass Sie aufhören, sich von Ihrem Verstand beherrschen und sich alles logisch vorgeben zu lassen, denn dadurch begrenzen Sie sich selbst. Der Verstand, der nach Konzepten und Sicherheit strebt hält Sie quasi in Ihrem eigenen Gefängnis gefangen. Die gute Nachricht ist: Bei diesem Gefängnis steckt der Schlüssel innen. Es liegt also in Ihrer Hand ein neues Experiment zu wagen und an eine Weisheitsquelle anzudocken, die zwar auf den ersten Blick (aus Sicht des Verstandes) weniger stabil zu sein scheint, die sich jedoch als absolut verlässlich entpuppt, sobald Sie ihr vertrauen. Verlässlicher, als der Verstand es jemals sein könnte.

Die Krux an der Geschichte ist jedoch, dass Sie an diese Weisheit nur unter einer Bedingung andocken können:
Um auf Ihre innere Weisheit zugreifen zu können ist es entscheidend, dass Sie sich von Ihrem Verstand abkoppeln. Uaaaaah, wie bitte? Sie haben richtig gelesen:

Weisheit kommt durch die Abkopplung vom Verstand.

Allein diese Vorstellung kann sehr beängstigend sein. Sie sollen plötzlich nicht mehr alles wissen, planen, logisch denken, analysieren und ein Konzept haben? Yep! So ist es. Und das ist bereits alles an schlechter Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass Sie und alle anderen dann nur gewinnen können.

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Kürzlich war ich auf einer Geburtstagsfeier eingeladen und kannte die Gastgeberin noch nicht lange. Rein vom Verstand her und anhand gesammelter Fakten konnte ich definitiv nicht sagen, was ich ihr zum Geburtstag mitbringen sollte. Also habe ich meiner inneren Weisheit die Frage gestellt „Was ist das passende Geburtstagsgeschenk?“ Postwendend kam die Antwort „Das Acryl-Bild, das Du vor einiger Zeit auf Leinwand gemalt hast.“

Es war spannend, was direkt im Anschluss passierte. Dieser erste Impuls fühlte sich absolut stimmig an. 5 Sekunden später hat sich jedoch der Verstand eingeklinkt und angefangen zu argumentieren: „Also Moment mal. Ich kenne sie ja nicht wirklich und weiß gar nicht, welchen Geschmack sie hat. Und ein Bild…also bitte, das ist ja wirklich gewagt. Was, wenn sie es scheußlich findet? Das wäre ja sehr peinlich. Nein, also ich kann doch einer quasi fremden Person kein Bild schenken, das zudem noch sehr wilde Farben und Muster hat.“ Der Geburtstag rückte näher. Einen Tag vor der Einladung holte ich das Bild aus dem Keller. Der Verstand versuchte die gleiche Gedankenschleife wieder und wieder runter zu leiern. Der Teil von mir, der gerne eine absolut sichere Lösung parat hat, hatte Angst. Doch ich habe mich entschieden, dem ersten, sehr klaren Impuls zu folgen und packte das Bild schön in Geschenkpapier ein. Am nächsten Tag kam die Stunde der Wahrheit. Die Gastgeberin packte das Bild aus und …… hat sich vor Begeisterung nicht mehr eingekriegt. Es seien genau ihre Farben und überhaupt fänd sie das Bild gigantisch. Einen Tag später schickte sie mir eine E-Mail und schrieb, dass sie das Bild nachts nach der Feier noch aufgehängt habe und sie es nun direkt von ihrem Schreibtisch aus den ganzen Tag sehen könne.

Wusste ich mit meinem analytischen Verstand, dass das Bild genau „ihre Farben“ enthielt? Nein. Wusste ich zuvor rein von der Logik, dass sie einen besonderen Bezug zu einer bestimmten Form auf dem Bild haben würde? Nein. Wusste ich mit meinem strukturierten Hirn überhaupt irgendetwas über ihren Geschmack? Nein. Aber meine innere Weisheits-Quelle wusste es. Hatte der logische Verstandes-Teil in mir Angst, diese völlig irrationale Idee umzusetzen? Ja.

Hier ein weiteres, etwas praktischeres Beispiel für die Herren unter Ihnen:
Kürzlich brauchte ich neue Winterreifen für mein Auto. Also informierte ich mich im Internet, welche Möglichkeiten es gab. Für diese Recherche nutzte ich zunächst einmal meinen analytischen Verstand; ich habe ihn also nur für diese Aktion bewusst eingeschaltet, um verschiedene Angebote zu vergleichen. Schließlich stieß ich auf eine Internetseite eines Reifenhändlers, der meine gewünschten Kompletträder zu einem sensationellen Preis anbot, der 100 Euro unter den Standardangeboten lag. Prima. Jetzt konnte ich meinen Verstand wieder ausschalten. Da ich noch einen Termin hatte, entschied ich mich, die Räder am nächsten Tag in Ruhe zu bestellen. Am nächsten Tag ging ich also wieder auf diese Internetseite und sah, dass der Preis gestiegen war. Auf meine Nachfrage bei besagtem Händler stellte sich heraus, dass es sich um Tagespreise handelte, die praktisch wie Börsenkurse schwanken können. Ergo: je mehr das Wetter Richtung Schnee tendiert und je mehr von den Reifen gekauft werden, desto mehr schnellt der Preis in die Höhe. Mein Verstand sagte also: „Sieh zu, dass Du die Dinger kaufst, bevor der Preis noch weiter steigt.“ Eine andere Weisheit in mir sagte jedoch „Warte bis morgen.“ Mein Verstand war in dem Moment total verwirrt, da ich ja live verfolgen konnte, wie der Preis stieg. Was tun? Ich spürte Angst, dem ersten Impuls zu folgen. Die finanziellen Beweise lagen schließlich auf der Hand. Letztendlich ließ ich mich von meinem Verstand überreden, zu dem noch einigermaßen günstigen Preis zu kaufen, bevor dieser weiter stieg. Dreimal dürfen Sie raten, was am nächsten Tag passiert ist. Ich schaute aus Neugier noch einmal auf der Internetseite nach und der Preis war um 15% unter meinen Kaufpreis gefallen, obwohl er am Vorabend noch um weitere 10% über meinen Preis gestiegen war. Die innere Weisheit hatte wieder einmal ihre Verlässlichkeit gegenüber dem rationalen Verstand bewiesen. Das war eine kleine Lehre für mich, direktes Feedback vom Universum sozusagen.

Diese Weisheits-Quelle wohnt in jedem von uns, in Männern wie in Frauen. Und: Sie können Sie jederzeit anzapfen. Wir müssen lediglich wieder Bewusstheit darüber erlangen, dass es diese Weisheit in uns gibt, diesen Teil in uns, der jederzeit mit allem verbunden ist, was im Universum existiert. Wir können sozusagen in jedem Moment alle Informationen herunterladen, die im jeweiligen Moment benötigt werden. Es funktioniert in jedem Lebensbereich, sei es im Job, zuhause mit der Familie oder beim Sport mit Freunden. Egal, ob Sie eine Präsentation beim Kunden halten müssen, eine schwierige Aufgabe zu lösen haben oder gerade eine neue Wohnung suchen.

Die Quizfrage die sich nun stellt ist: „Wie können Sie sich vom Verstand abkoppeln und ihn nur bei absoluter Dringlichkeit einschalten, während Sie sich ansonsten aus ihrer Weisheit heraus bewegen?“

Eine Möglichkeit ist, sich mit folgenden Übungen an die Abkopplung heranzutasten.

Experiment 1: Neuverkabelung von Angst
Als aller erstes ist es entscheidend, dass Sie einen neuen Bezug zur Angst entwickeln. Wenn für Sie Angst bedrohlich oder gefährlich ist, oder Sie den Glaubenssatz haben, dass man Angst um jeden Preis vermeiden sollte, weil man sonst als Feigling bezeichnet wird, stehen Sie sich selbst im Weg. Wenn Sie an Ihre innere Weisheit andocken wollen, bedeutet das zwangsläufig, dass Sie mehr und mehr im Nichts stehen. Das heißt, Sie WISSEN nicht mehr wie es geht. Es nicht zu wissen, keinen Plan zu haben, etwas nicht erklären zu können kann beängstigend sein. Somit ist es hilfreich Ihre Definition von Angst zu überprüfen. Welchen Begriff haben Sie mit Angst verbunden.

Sagen Sie einmal den Satz „Angst ist…“ und ergänzen Sie das fehlende Wort. Die meisten werden Definitionen haben wie „Angst ist schlecht“, „Angst ist bedrohlich“, „Angst ist blockierend.“ Wie auch immer ihre Definition lautet, in Ihrem Gehirn ist das rote Kabel mit der Aufschrift „Angst“, mit einem andersfarbigen Kabel mit einer Definition verbunden, was eine wenig zielführende Querverbindung darstellt. Suchen Sie einmal diese Kabelverbindung. Dann schneiden Sie das andersfarbige Kabel mit der Definition ab, sodass Sie nur noch das rote „Angst“-Kabel übrig haben. Welches Kabel würde genau zu dem roten „Angst“-Kabel passen?....Richtig, das andere rote Kabel mit der Aufschrift „Angst“. Suchen Sie es einmal in Ihrem Kopf. Wenn Sie es gefunden haben, stecken Sie diese beiden Kabel zusammen und verlöten Sie diese, damit die Verbindung stabil ist. Das ist wie eine energetische Operation. Wie heißt nun die neue Definition? „Angst ist…?“ Richtig, „ANGST IST ANGST“. Nur das. Angst ist Angst. Nichts weiter. Angst ist Angst. Ein Gefühl, das Sie für sich nutzen können.

Wenn Sie also Ihre innere Weisheit anzapfen und die Informationen, die sie von dort erhalten, nicht erklären können und folglich Angst spüren, sagen Sie einfach „Angst ist Angst. Ich fühle Angst, weil ich keinen Plan habe.“ Die Angst sagt Ihnen in dem Moment einfach nur, dass Sie sich in unbekanntes Gebiet begeben. Angst ist Angst.

Experiment 2: Sagen Sie „Ich weiß es nicht“
Ist es okay für Sie, „nicht zu wissen“? Beobachten Sie einmal im Alltag, wie Sie versuchen, Dinge zu erklären, oder eine Antwort zu haben, obwohl Sie vielleicht nicht wirklich eine klare Aussage treffen können. Der Mechanismus, eine Antwort parat zu haben, sitzt so tief in unseren Nervenzellen, dass die meisten Menschen Mühe damit haben, zu sagen „Ich weiß es nicht.“ In der Schule gab es dafür schließlich schlechte Noten. Ich lade Sie ein, diese Erinnerung den Abfluss hinunter zu spülen. Wenn Sie also das nächste Mal jemand etwas fragt und Sie die Antwort nur vage kennen, dann sagen Sie einfach einmal „Ich weiß es nicht“, anstatt sich eine halbgare Erklärung abzuringen. Üben Sie sich im Nichtwissen. Was kann schon passieren? Vielleicht werden Sie verdutzt angeschaut, doch im gleichen Moment sind Sie Vorbild für eine neue authentische Lebensart. Und vielleicht werden Sie sogar zunehmend feststellen, wie entspannend es ist, endlich nicht mehr alles logisch wissen zu müssen.

Experiment 3: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Weisheits-Quelle
Sobald Sie mit der Angst und dem Nicht-Wissen ein wenig vertraut sind, verbinden Sie sich mit Ihrer Weisheits-Quelle. Jemand stellt Ihnen eine Frage? Halten Sie erst inne, bevor Sie antworten. Werden Sie still. Antworten Sie nicht blitzschnell aus dem Verstand. Schauen Sie stattdessen die Person an und atmen Sie weiter. Benutzen Sie dann Ihre Absicht, um Ihre Aufmerksamkeit auf die Weisheits-Quelle zu legen, die die Antwort auf die gestellte Frage kennt. Sprechen Sie dann, ohne vorher mit dem Verstand zu analysieren. Es könnte sein, dass Sie selbst überrascht sind, was aus Ihrem Mund kommt.

Oder Sie haben eine Frage, die Sie für sich beantwortet haben möchten? Stellen Sie Ihre Frage der inneren Weisheit und WISSEN SIE NICHT VORHER, was die Antwort wohl sein könnte. Üben Sie sich in absoluter Gelassenheit und Empfänglichkeit für den Impuls der kommt. Zu Beginn wird Ihr Verstand vielleicht noch versuchen dazwischen zu funken. Sobald die logisch, analytische Maschine anspringt, sagen Sie sofort „Ich weiß es nicht“. Dann ist der Verstand mit diesem Satz beschäftigt und die eigentliche Information von der Weisheits-Quelle kann zu Ihnen durchdringen. Es braucht ein wenig Übung.

Ich lade Sie ein, jeglichem Impuls zu vertrauen (sofern er nicht Ihr Leben gefährdet). Wenn Sie auf dem Heimweg den Impuls haben eine andere Straße entlang zu fahren, ohne dass es einen logischen Grund gibt, tun Sie das. Wenn Sie spontan den Impuls haben, auf eine bestimmte Veranstaltung zu gehen, obwohl Ihr Plan für den Abend eigentlich war, einen ruhigen Abend zuhause zu verbringen, gehen Sie zu der Veranstaltung. Seien Sie im Jetzt präsent. Denken Sie nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Nur im Jetzt, in diesem Moment haben Sie Zugang zur Quelle. Nur wenn Sie im Jetzt präsent sind ohne bereits alle Antworten parat zu haben, können Sie authentisch mit anderen Menschen in Kontakt sein und die Notwendigkeit erkennen, die der jeweilige Augenblick enthüllt.

Denn Weisheit hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Fähigkeit, sich mit dem Sein und der Quelle dessen, was jetzt gebraucht wird, zu verbinden. Sie werden erstaunt sein, was dann möglich wird.

Herzliche Grüße, 
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!

www.viva-essenza.com

Samstag, 12. Oktober 2013

Katharsis versus Kathexis - Wohin mit den ganzen Gefühlen?



Es brodelt in vielen Menschen. Es rumort, es kocht, es zwickt, es ist kurz vorm Explodieren. Was ist dieses ES? ES sind Gefühle und Emotionen, die immer mehr hochkochen. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Ausprägungen. Die einen explodieren tatsächlich, indem sie z. B. jemanden anschreien oder einen Streit über Belanglosigkeiten anzetteln, die nächsten fressen Gefühle still in sich hinein und haben früher oder später körperliche Symptome, und eine große Anzahl Menschen versucht die Gefühle mit Shopping, Konsum, Alkohol und Ablenkung zu vertuschen. Wen wundert’s, schließlich sind wir dahin gehend in unserer Gesellschaft manipuliert worden, dass es nicht okay ist, Gefühle zu haben oder zu zeigen. Man muss stark, verlässlich und professionell sein und da passen Gefühle nun einmal nicht hinein. Was sollen denn die Nachbarn und Kollegen sonst denken! Gefühle sind negativ, albern, kindisch und destruktiv. Doch viele Menschen sind am Anschlag und der Versuch, das, was da innen drin brodelt zu unterdrücken, geht irgendwann voll nach hinten los.

Es ist Zeit, sich zu besinnen und zwar darauf, dass Gefühle und Emotionen kein Design-Fehler von Gott sind, sondern ein wesentlicher Bestandteil von uns. Sie sind gewollt. Sie gehören zu uns. Es sind archetypische Kräfte, die uns dienen. Das scheint eine große Anzahl von Menschen jedoch zu verdrängen. Wie viele Bücher und Workshops gibt es, in denen Sie lernen können gaaanz ruhig zu sein und Ihre Wut zu kontrollieren oder wie viele Seminare versprechen Ihnen, dass Sie nach Besuch der selbigen weniger Angst haben. Es ist wirklich erschreckend. Kürzlich erzählte mir ein junger Mann, dass er für ein Jahr in einem Ashram in Indien war und dort eine bestimmte Art von Mediation lernte, um letztendlich ganz ruhig und gelassen zu sein. Das funktionierte auch zunächst prima. Und dann, so erzählte er, kam nach einem Jahr der Tag, an dem seine Mutter und seine Schwester ihn in Indien besuchten… und – Sie ahnen es - innerhalb von 2 Stunden triggerten die beiden das komplette alte Programm in ihm und all seine unterdrückten Gefühle wurden in rasender Geschwindigkeit zum Kochen gebracht. Vorbei war’s mit der Gelassenheit. Lassen Sie uns daher eine Sache klarstellen: Wut, Traurigkeit, Angst und Freude sind archetypische, d. h. ursprüngliche Gefühlsterritorien. Sie gehen niemals weg. Vielleicht schaffen Sie es, diese Ur-Kräfte über einen bestimmten Zeitraum zu kontrollieren oder zu unterdrücken, doch irgendwann kommt der Punkt, an dem alles, was verdrängt wurde, wie ein Boomerang zurück kommt. Es ist Zeit, die Kraft der Gefühle wieder in Besitz zu nehmen und zu nutzen.

Dieses Thema wird insofern immer brisanter, als dass die nationalen und weltweiten politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen alles andere als vertrauenswürdig sind und Instabilität und Unsicherheit zunehmen. Was können Sie also tun, wenn in Ihnen ein Gefühls-Cocktail brodelt und scheinbar alles zu viel wird?

Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten: Katharsis oder Kathexis.

Lassen Sie uns zunächst Katharsis betrachten. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre Gefühle über diverse große und kleine Dinge bisher gedeckelt. Die meisten Menschen tun dies. Sie bauen eine sogenannte Taubheitsschwelle auf, um Gefühle nicht fühlen zu müssen, um in einer Großstadt überleben oder in einer bestimmten Firma arbeiten zu können, kurzum: um im Alltags-Dschungel der modernen Gesellschaft zu überleben. Auf einer Skala von 0 bis 100% Gefühls-Maximum haben viele Menschen Ihre Taubheitsschwelle bei ca. 80% liegen, d. h. alle Gefühle, die weniger als 80% groß sind, können sie nicht bewusst fühlen. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Es produziert lediglich bestimmte Resultate. Wenn dann in einem bestimmten Moment der besagte Tropfen Ihr Fass zum Überlaufen bringt und das Gefühl in dem Moment die 80% Marke übersteigt, dann kommt es zum Vulkanausbruch. Sie brüllen vielleicht das Büro zusammen oder greifen Ihren Partner an, schnauzen die Verkäuferin im Supermarkt an oder wettern gegen Ihren Geschäftspartner. Genau das ist Katharsis. Katharsis ist ein unkontrollierter Gefühlsausbruch, um die Gefühle eben „einfach mal raus zu lassen“. Manche leben Katharsis gegenüber anderen Menschen aus, wieder andere gehen in den Wald und schreien einen Baum an oder prügeln auf einen Box-Sack ein. Der Ausbruch fühlt sich oftmals so groß an, dass Sie danach womöglich denken „Was war das denn? Ohje, da muss ich mich aber das nächste Mal besser im Griff haben.“ Und dann setzen Sie Ihre Taubheitsschwelle wieder nach oben und deckeln die Gefühle erneut. Schließlich wollen Sie ja nicht, dass die anderen Sie als jähzornig, Heulsuse oder armen Irren betiteln.

Doch noch einmal: Sie können die Gefühle nicht loswerden. Der Mensch hat einen emotionalen Körper mit einem Herz, das Gefühle hat. Und so lange Sie nicht Davy Jones sind (der skurrile Kapitän der Flying Dutchman  aus dem Film „Der Fluch der Karibik“), können Sie ohne Herz und damit ohne Gefühle nicht leben. Es ist vergebens zu probieren, die Gefühle abzustellen. Katharsis ist also nicht wirklich zielführend. Es ist vielleicht ein temporärer Nutzen, doch Sie haben dadurch die tatsächlich Gefühlskraft nicht wieder in Besitz genommen. Ergo steht Sie ihnen nicht dauerhaft nützlich zur Verfügung. Bei Katharsis hat das Gefühl Sie im Griff.

Lassen Sie uns an dieser Stelle ein Experiment machen.

Experiment 1: Wie lenken Sie sich ab?
Erinnern Sie sich einmal an Momente, in denen Gefühle in Ihnen hochkochten und Sie sie souverän kontrolliert haben. Wie haben Sie das gemacht? Wie haben Sie sich abgelenkt, um die Gefühle nicht zu fühlen. Vielleicht sind Sie eine Runde Joggen gegangen oder haben sich im Fitness-Studio abreagiert. Oder Sie haben sich vor den Fernseher gesetzt, im Internet gesurft, eine Flasche Rotwein oder Bier aufgemacht oder Schokolade und Pizza gefuttert. Manche Menschen nutzen auch Sex als Ablenkung, andere wiederum Zigaretten oder sonstige Drogen. Jeder hat Lieblingsstrategien, um sich abzulenken und „zu vergessen“.
Schreiben Sie einmal auf, wie Sie versuchen, die „negativen“ Gefühle verschwinden zu lassen.

Die Ablenkungsstrategie, genauso wie Katharsis, beruhen auf der alten Sichtweise über Gefühle. Die alte Sichtweise besagt, dass Gefühle schlecht sind. Wut ist negativ, destruktiv, kindisch, zerstörerisch, gefährlich und bedrohlich. Wenn Sie traurig sind, sind Sie eine Heulsuse, ziehen andere runter, sind unprofessionell und nicht in der Lage Entscheidungen zu treffen. Bewegen Sie sich im Gebiet der Angst sind Sie feige, verbreiten womöglich Panik und mal ehrlich, Angst möchte doch keiner haben, also gilt es, diese zu vermeiden. Und Freude? Nun ja, dieses Gefühl geht gerade noch. Das ist eventuell noch positiv, oder? Aber was passiert, wenn Sie den ganzen Tag grinsend im Büro sitzen? Dann sind Sie albern, naiv, haben etwas geraucht, nicht genug Arbeit oder einen Clown gefrühstückt. Auf jeden Fall sind Sie dann nicht ernst zu nehmen.

Soweit die alte Sichtweise, die uns beigebracht wurde und uns nach wie vor versucht wird einzutrichtern.

Eine andere Möglichkeit, mit aufkommenden klaren oder vermischten Gefühlen umzugehen, ist die sogenannte Kathexis. Kathexis bedeutet, dass Sie Ihre Gefühle bewusst fühlen, Ihre Taubheitsschwelle schrittweise herabsetzen und in einem weiteren Schritt die Information und Energie, die hinter den Gefühlen stecken, verantwortlich nutzen. Um das tun zu können, ist eine neue Sichtweise auf die vier genannten Gefühlsterritorien Wut, Traurigkeit, Freude und Angst notwendig.

Die neue Sichtweise lautet, dass Gefühle NEUTRALE Energie und Information sind -  so neutral wie die vier Himmelsrichtungen auf einem Kompass – und ihnen auf wertvolle Art und Weise dienen. Sie sind wie ein goldener Schlüssel, wie ein inneres Navigationssystem, das Sie zielsicher durchs Leben leitet.

Mit Wut können Sie z. B. Grenzen setzen, Unterscheidungen treffen, in Aktion treten, Entscheidungen fällen, vorwärts gehen, ausmisten, Dinge erledigen, Ja und Nein sagen, etwas beginnen und stopp sagen. Mit Traurigkeit können Sie AUTHENTISCH in Kontakt mit anderen Menschen gehen, Mitgefühl entwickeln, Dinge loslassen oder verabschieden, sich offen und verletzlich zeigen. Angst ermöglicht Ihnen zu planen, kreativ zu werden, in unbekanntes Gebiet zu gehen, innovativ zu sein, wach, präsent und aufmerksam zu sein. Freude dient Ihnen, um zu führen, sich selbst und andere zu begeistern, über den Tellerrand zu schauen, zu motivieren und vorwärts zu gehen.*

Mit dieser neuen Sichtweise ist Kathexis möglich. Kathexis bedeutet, dass Sie den Schatz z. B. des Territoriums der Traurigkeit erforschen und in einem geschützten Raum in Gegenwart einer anderen Person wirklich traurig sein können und zwar nicht als Opfer, sondern verantwortlich. Sie beginnen bewusst und hören bewusst auf. Sie kommunizieren klar, worüber Sie traurig sind („Ich bin traurig weil, …“) und es wird von der anderen Person gehört. Es funktioniert gleichermaßen mit Wut, Angst und Freude. Entscheidend ist, dass Sie bewusst lernen zu fühlen und den facettenreichen Schatz der Gefühle ausgraben.

Katharsis hat also die Absicht etwas loszuwerden, während Kathexis die Absicht hat, den Schatz zu bewahren, den Sie erhalten, wenn Sie bewusst und klar die verschiedenen Gefühlsterritorien erfahren und erforschen.* Der Schatz den Sie erhalten ist Klarheit über Ihre Gefühle und deren Nutzen. Sie erfahren, dass Sie größer sind als ein Gefühl. Sie nehmen die Gefühle und ihre Energie wieder in Besitz. Und vor allem erhalten Sie dadurch Ihre Kraft zurück und können an Ihr tatsächliches Potenzial andocken.

Experiment 2: Gefühle bewusst machen
SCHRITT 1: Wenn Sie das nächste Mal eine Ihrer oben genannten Strategien anwenden wollen, um etwas nicht zu fühlen, widerstehen Sie bewusst. Halten Sie inne und versuchen Sie bewusst wahrzunehmen, welches Gefühl da gerade in Ihrem Körper aufsteigt. Ist es Wut, Traurigkeit, Angst oder Freude? Vielleicht fühlen Sie auch mehrere über die gleiche Situation, also z. B. Angst und Traurigkeit.

SCHRITT 2: Bitten Sie nun eine Person Ihres Vertrauens für den nächsten Schritt zur Verfügung zu stehen. Das einzige, was diese Person machen muss ist zuhören (keine Rückfragen, Analysen oder Diskussionen). Sagen Sie dieser Person nun, zu wie viel Prozent und warum Sie etwas gerade fühlen. Also z. B. „Ich fühle mich 5% wütend, weil es schon wieder so spät ist und ich mich nicht mehr auf meinen Termin vorbereiten kann“ oder „ich fühle10% Traurigkeit, weil ich heute Abend nicht mit Dir essen gehen kann“. Es wird sich im ersten Moment vielleicht etwas komisch anfühlen, doch das ist ein entscheidender Schritt, um wieder bewusst fühlen zu lernen. Lassen Sie die Gefühle für dieses Experiment nur maximal 15% groß werden. Sobald Sie einen weiteren Schritt gehen möchten, suchen Sie sich eine Person, die den Raum für bewusst Gefühlsarbeit für Sie sicher machen kann, also jemand, der sich damit auskennt. Probieren Sie nicht alleine zuhause auf dem Sofa 50% oder 80% oder gar 100% Maximum Wut, Traurigkeit oder Angst zu fühlen. Zum einen könnten Sie sich verletzen, zum anderen könnten die Nachbarn die Polizei rufen (Denken Sie daran, dass Ihre Nachbarn womöglich auch in der Annahme leben, dass es nicht okay ist so große Gefühle zu haben).

Entscheidend ist, dass Sie bei Kathexis bewusst nach innen gehen. Sie suchen keine Ablenkung mehr im Außen oder schreien Ihre Gefühle unkontrolliert heraus. Sie gehen bewusst nach innen, um den Schatz der Gefühlskraft zu heben und diese Schatztruhe zu öffnen, sodass Ihnen die Kraft Ihrer Gefühle wieder als inneres Navigationssystem zur Verfügung steht und sie diese bewusst und verantwortlich nutzen können.

Katharsis
Kathexis
  • Gefühle sind nicht okay.

  • „Negative“ Gefühle loswerden.

  • Unkontrollierter Gefühlsausbruch.

  • Verpulvern von Energie.

  • Taubheitsschwelle hoch halten.

  • Die Information und der Nutzen der Gefühle bleiben verschlossen.

  • Nach außen gerichtet. Keine Klarheit über die Intensität der Gefühle.

  • Das Gefühl besitzt mich. Das Gefühl ist größer als ich.
  • Gefühle sind neutrale Energie & Information, die mir dienen.
  • Die Kraft der Gefühle halten.

  • Bewusst anfangen und aufhören zu fühlen.
  • Aktivieren und halten der Energie.

  • Herabsetzen der Taubheitsschwelle.

  • Information der Gefühle wird er-schlossen und verantwortlich genutzt.
  • Nach innen gerichtet. Die Gefühle werden im Innern zwischen 0% und 100% Maximum bewusst erfahren.
  • Ich besitze das Gefühl. Ich bin größer als das Gefühl.


Lassen Sie sich inspirieren.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Neumann-Mangoldt




*Ein großartiges Buch zum Thema ist „Die Kraft des bewussten Fühlens“ von Clinton Callahan.


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