Montag, 15. Juli 2013

Lieben Sie schon, oder kämpfen Sie noch? - Wahre Liebe wurzelt im widerstandslosen Sein.



„Lieben Sie schon oder kämpfen Sie noch?“ Die Frage ist durchaus ernst gemeint. Einige von Ihnen werden vielleicht antworten „Ich liebe natürlich. Ich bin seit x Jahren mit meinem Partner zusammen und die Beziehung funktioniert.“ Lassen Sie mich daher die Frage noch etwas anders formulieren:“Erleben Sie den Segen einer blühenden Beziehung oder basiert Ihre Beziehung auf der gegenseitigen Befriedigung von Abhängigkeiten und Ego-Bedürfnissen?“ Autsch, da wird es schon brenzling, oder?

Wenn Sie sich einmal umschauen - sei es in Ihrem Bekanntenkreis, in Ihrer eigenen Beziehung, in der Gesellschaft, ja selbst, wenn Sie die Zeitung aufschlagen oder den Fernseher anmachen - sobald es um das Thema Beziehung geht, ist sehr schnell die Verbindung zwischen Liebe und Schmerz da. Das eine scheint es ohne das andere nicht zu geben. Es wird diskutiert, gestritten, gerechtfertigt und manipuliert und es werden gerne – bewusst oder unbewusst - Grollpunkte gegen den Partner gesammelt. Selbst 90% der Lieder über Liebe oder Beziehung besingen den Schmerz. Das Paradoxe daran ist, dass sich die meisten Menschen nichts sehnlicher wünschen, als eine glückliche und intakte Beziehung ohne Kummer, Unzufriedenheit und Querelen. Woran hängt es also?

Mit Leid und Schmerz ist nicht nur physische Gewalt oder lauter Streit gemeint. Schmerz kann gleichermaßen in einer Beziehung auftreten, wenn Sie z. B. an Ihrem Partner herumnörgeln – sei es ausgesprochen oder gedanklich – oder auch einfach nur genervt von ihm sind, auf gut Deutsch: wenn Sie im Widerstand sind!

Wir lernen in unserer Gesellschaft nicht wirklich etwas über Beziehung und wahre Liebe. Stattdessen wird uns mehr und mehr ein Konzept vorgegaukelt, wie eine Beziehung auszusehen hat. Und dieses Konzept enthält eben auch Schmerz. Doch wie wäre es für Sie, wenn das eine völlige Illusion ist? Wie wäre es für Sie, wenn keine intime Beziehung tatsächlich die Ursache für Kummer und Schmerz ist? Wie wäre es für Sie, eine Möglichkeit zu haben, wahre Liebe zu leben anstatt mit kleinen und großen Unstimmigkeiten in der Beziehung zu kämpfen?

Wenn wir geboren werden tragen wir in unserem Seins-Kern eine Referenz in Bezug auf archetypische, d. h. ursprüngliche männliche und weibliche Strukturen. Wenn wir dann älter werden, suchen wir nach diesen Strukturen, wir suchen nach Rollenmodellen, die für das archetypisch Männliche und Weibliche stehen. Unsere Gesellschaft ist jedoch mittlerweile so manipuliert, dass dieses Rollenmodelle kaum zu finden sind. Stattdessen geben die Medien vor, wie eine Beziehung zu sein hat: Das perfekte Heim, eine perfekte harmonische Ehe, 2 Kinder, Sie kennen das Bild (Schauen Sie sich bei Gelegenheit den Film „Pleasant Ville“ an, der diese Bild grandios darstellt).  Wir wachsen also mit einem Konzept auf, das weit von den ursprünglichen Strukturen entfernt ist. Da wir im Außen keinen Referenzpunkt für das Archetypisch Männliche und Weibliche finden, versuchen wir stattdessen unseren inneren Referenzpunkt zu verändern. Wir vergewaltigen uns unbewusst selbst, damit unser Seins-Kern sich den äußeren Vorgaben anpasst und wir der Norm entsprechen, dem gesellschaftlichen Bild. Das führt dazu, dass wir beginnen nach dem idealen Partner und der idealen Beziehung zu suchen.

Wir eignen uns also ein mentales Konzept an, von dem unser Ego meint, es verfolgen zu müssen. Das Ego – auch „Box“ genannt – ist nichts anderes als unsere Weltsicht, unsere Identität, unsere Komfortzone. Es ist ein sich ständig wiederholdender Mechanismus, der uns vorgibt, wie die Dinge in unserem Leben zu sein haben, damit wir uns sicher fühlen.

Und - Sie ahnen es schon - dieser Schuss kann nur nach hinten losgehen.  Die eingangs gestellte Frage „Erleben Sie den Segen einer blühenden Beziehung oder basiert Ihre Beziehung auf der gegenseitigen Befriedigung von Abhängigkeiten und Ego-Bedürfnissen“ ist also in unserer Gesellschaft gar nicht so abwegig. Was bedeutet das konkret?

Experiment 1: Rückblick auf Ihre Beziehung
Nehmen Sie sich einmal 2 bis 3 Minuten Zeit und blicken auf Ihre aktuelle Beziehung mit Ihrem Partner. Wenn Sie keine intime Beziehung mit einem Partner haben, können Sie auch eine Beziehung mit einem Freund oder einer Arbeitskollegin nehmen.

Gehen Sie nun gedanklich die letzten Tage einmal durch und schauen Sie, welche der folgenden Punkte zutreffen:
  • Wir haben gestritten und argumentiert
  • Wir haben über etwas diskutiert und ich hatte letztendlich Recht.
  • Es geht mir oft darum, Recht zu haben.
  • Gedanklich hätte ich meinen Partner ein paar Mal verfluchen können.
  • Sie/Er hat mich genervt (Seien Sie ehrlich! Auch wenn es ein noch so kleines Genervt-Sein war!).
  • Manchmal halte ich einfach meinen Mund, wenn er/sie etwas sagt und denke mir meinen Teil.
  • Ich habe gedanklich ab und zu an meinem Partner rumgemäkelt, z. B. weil er schon wieder vergessen hatte, den Müll rauszutragen oder zu spät zum Essen kam.
  • Gelegentlich rolle ich die Augen, wenn er/sie es nicht so macht, wie ich es möchte.

Seien Sie schonungslos ehrlich: Haben Sie sich in dem ein oder anderen Punkt wiedergefunden? Die oben genannten Punkte sind nur einige Beispiele, die in Beziehungen häufig auftreten. Fakt ist jedoch, dass Sie in dem Moment im Widerstand sind und Ihre Beziehung auf der Erfüllung von Ego-Bedürfnissen basiert. Ihr Ego will, dass etwas anders ist. Autsch, das sitzt, oder? Wenn Sie wirklich schonungslos ehrlich sind, wird schnell klar, dass die meisten Beziehungen nicht im Sein wurzeln, sondern im Verstand, im Ego. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Es produziert einfach nur bestimmte Ergebnisse.  

Und genau da sitzt der Schmerz. Schmerz, Kummer und Unzufriedenheit in Beziehung entsteht, wenn Sie unbewusst im Widerstand sind und Ihr Ego versucht, die Beziehung nach seinen Vorstellungen zu führen. Nicht selten manipulieren wir unseren Partner subtil und unbewusst, damit er unseren Vorstellungen entspricht. Eine sehr spannende Frage in diesem Zusammenhang ist: Warum führen Sie eine Beziehung?

Ein weiterer Teil des gesellschaftlichen Beziehungskonzeptes ist, dass ein Partner dazu da ist, um uns glücklich zu machen. Eine erfüllende, glückliche Partnerschaft ist doch schließlich das Ziel, oder nicht? Warum sonst enden alle Filme an dem Punkt, wo sich die beiden Liebenden endlich finden und vereint sind?

Wenn Sie jedoch Ihr Glück von einer Partnerschaft oder gar ihrem Partner abhängig machen – also von einem äußeren Faktor - dann geht auch dieser Schuss sehr schnell nach hinten los. Sehr offensichtlich wird es nach der ersten Verliebtheitsphase, wenn die rosarote Blase plötzlich platzt und Sie auf dem Boden der Realität aufschlagen, weil sich Ihr Partner als doch nicht so perfekt herausstellt. Zum anderen passiert diese Partner-Glück-Abhängigkeit jedoch auch in langfristigen Beziehungen. Wenn wir unser Glück von einer anderen Person abhängig machen, vermeiden wir in dem Moment, uns mit dem eigenen Schmerz, der eigenen, inneren Unzufriedenheit auseinander zu setzten und projizieren diese auf unseren Partner. Wir sind sozusagen süchtig nach dem Partner als Glücks-Garant. Die Illusion vom  idealen Partner oder einer idealen Beziehung fördert zwangsläufig Kummer und Schmerz zutage, da bei jeder Sucht, die Wirkung der Droge irgendwann nachlässt (*). Sie wissen, wie es dann weitergeht. Unzufriedenheit und Kummer treten zu Tage z. B. in Form von kleinen Streitigkeiten, Liebesentzug, Diskussion, oder was auch immer. Mit dem Kummer entspinnt sich sehr schnell eine Drama Spirale und das klassische Täter-Retter-Opfer Spiel geht los, denn bitteschön, schließlich ist es doch so, dass Ihr Partner etwas gesagt hat und Sie sich jetzt schlecht fühlen. Schließlich ist er doch im Unrecht und Sie haben Recht. Schließlich hätte er doch seine Socken wegräumen können, dann wären Sie auch nicht genervt.

Um diesem Schmerz oder der Unzufriedenheit zu entgehen, flüchten sich viele Menschen in die Zukunft, getreu dem Motto: „Ja, er/sie wird sich schon ändern“ oder „Wenn es nur so-und-so wäre, dann wäre es perfekt.“ Oder „Im Urlaub renkt sich das bestimmt wieder ein.“ Wir flüchten also in dem Moment des Schmerzes in die Zukunft, um den Schmerz nicht fühlen zu müssen. Das gleiche funktioniert auch mit der Vergangenheit, indem wir uns z. B. in einen Moment flüchten, wo alles „rosig und harmonisch“ war.

Auf die Gefahr hin, dass Sie jetzt gleich empört oder wütend aufschreien, möchte ich Ihnen folgende Frage stellen: Wie wäre es für Sie, wenn Ihr Partner niemals die Ursache für Kummer und Schmerz ist, den Sie in Ihrer intimen Beziehung erleben? Beziehungen fördern lediglich den Schmerz zutage, der bereits in Ihnen ist. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Beziehungen dazu da sind, Sie glücklich zu machen. Wenn Sie Heil und Glück in einer Beziehung suchen, werden Sie immer wieder enttäuscht werden und kleinen oder großen Schmerz und Unzufriedenheit erfahren.

Beziehungen sind vielmehr dazu da, Sie auf die nächste Bewusstseinsebene zu bringen, indem Sie sich dem Schmerz stellen und ihn auflösen. Ihr Partner tut ihnen sozusagen einen Gefallen, indem er Ihr Spiegel ist. Er ist Ihr Katalysator für Wachstum und Bewusstheit. Warum akzeptieren und arbeiten wir also nicht mit dem Schmerz, anstatt zu fliehen, Beziehungen zu meiden oder weiterhin dem Phantom des idealen Partners, dem Prinzen auf dem weißen Schimmel, der leidenschaftlichen Göttin mit der Superfigur hinterherzujagen, der/die die Lösung all unserer Probleme ist.

Es ist tatsächlich ein Irrsinn, dass viele Menschen glauben, dass mit einem anderen Partner alles besser wäre. Solange Sie Ihre eigenen Muster nicht angeschaut und transformiert haben, wird sich der nächste Prinz oder die Göttin genauso schnell in einen Idioten oder eine blöde Kuh verwandeln, wie das vorherige Exemplar. Es könnte sich also lohnen, Ihre Widerstände in Ihrer aktuellen Beziehung anzuschauen und Sie als großartige Möglichkeit zu sehen, als Chance, tatsächlich wahre Liebe zu leben.  Lassen Sie uns im nächsten Schritt damit arbeiten.

Experiment 2: Finden Sie Ihre Widerstände in Ihrer Beziehung
Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und Stift und schreiben Sie einmal auf, wo Sie gegenüber Ihrem Partner oder der Beziehung generell Widerstände haben, egal wie groß oder klein diese sind. Bei welchem Gedanken oder in welcher Situation spüren Sie eine Art von Negativität in sich? Was nervt Sie? Vielleicht hört Ihr Partner manchmal zu laut Musik oder er diskutiert gerne rum, vielleicht kann er sich ewig nicht entscheiden (z. B. wenn es um Wochenend-Aktivitäten geht) oder eine seiner/ihrer Gesten nervt Sie. Schreiben Sie es einfach auf.

Haben Sie Ihre Liste? Schauen Sie sich nun die Punkte noch einmal in Ruhe an. Lassen Sie sich von dem Schmerz und dem Schock treffen. Wenn Sie absolut ehrlich zu sich selbst waren, könnte es sein, dass Sie eine ganze Reihe von Punkten haben, wo Sie im Widerstand mit Ihrem Partner oder der Beziehung sind (auch wenn Sie vielleicht grundsätzlich zufrieden und glücklich sind). Diesen Schmerz jetzt bewusst zu spüren ist der erste Schritt zur Veränderung.

Wie bereits erwähnt ist das Ego sehr clever, alte Strukturen und Muster beizubehalten. Durch Negativität und das Finden von Beweisen meint Ihr Ego, die Wirklichkeit manipulieren zu können und einen unerwünschten Zustand aufheben zu können oder einen erwünschten Zustand herbeiführen zu können (*).  Ihr Ego will Recht haben. Doch an Ihrer Beziehung und Ihrem Partner wird sich nichts ändern. Das einzige, was sich ändert ist, dass Sie weitere Grollpunkte gegenüber Ihrem Partner sammeln, Ihr Ego gestärkt wird und Ihr unbewusstes inneres Monster (auch „Gremlin“ genannt) einen Heidenspaß hat, Nähe und Vertrautheit zu zerstören. Beobachten Sie einmal, wie oft Sie im Widerstand sind.

Die Sache ist die: Wenn Sie im Widerstand sind, dann wehren Sie sich auf einer tiefen unbewussten Ebene gegen eine Veränderung zum Positiven. Das Ego bezieht seine Identität aus dem Widerstand. Den Widerstand, den kleinen und großen Kummer und Schmerz in Beziehung, das ist das, was Ihr Verstand, Ihr Ego bisher kennt. Das ist Ihre Identität. Diese Widerstände aufzugeben ist für das Ego bedrohlich, denn es bedeutet für Ihr Ego zu sterben. Wenn Sie nicht mehr ständig Recht haben in der Diskussion mit Ihrem Partner, wenn Sie nicht mehr subtil oder offensichtlich manipulieren und kämpfen müssen, sondern sich vom Schmerz transformieren lassen, wer sind Sie dann? Wer sind Sie, wenn Ihre Identität als mehr oder weniger jammernder, deprimierter, leidender, genervter, den Partner korrigierender Mensch wegfällt? Wer sind Sie ohne Unzufriedenheit? Wer sind Sie dann?

Das Ego oder die Box meint, dass die Stärke im Widerstand, im Rechthaben im Besserwissen läge. Doch Widerstand schneidet Sie vom Sein ab und damit von wahrer Liebe ab. Widerstand ist Angst getarnt als intellektuelle Stärke. Angst, tatsächlich wahre Liebe und Intimität zu erfahren. Liebe und Intimität, die jetzt in diesem Moment aus dem Sein heraus passiert und nicht aus dem Verstand, ist für das Ego und damit den Gremlin extrem gefährlich, denn diese Art Beziehung kann sehr intensiv sein.

Wenn Sie immer wieder Widerstand oder Negativität in Bezug auf Ihren Partner oder gewisse Punkte in Ihrer Beziehung spüren, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass Sie einen Teil Ihres Selbstgefühls daraus ziehen (*). Das Ego versucht, seine Identität zu schützen und das Altbekannte beizubehalten.

Wie können Sie diese kleinen und großen Widerstände nun wandeln und etwas anderes kreieren?

Experiment 2:  Totale Akzeptanz ohne Bewertung
Bisher hat Ihr Ego diesen Punkt bewertet. Vielleicht haben Sie auch schon versucht, Ihren Partner zu „erziehen“ bzw. zu verändern, damit er es so tut, wie Sie es wollen.  Und hat es funktioniert? Wahrscheinlich nicht. Sie können Ihren Partner nicht verändern. Im Gegenteil. Widerstand und Kampf erzeugt mehr von dem, was Sie nicht haben wollen. Denn wenn Sie bewusst oder unbewusst den Fokus auf das richten, was sie nervt, was sie NICHT wollen, dann geben Sie genau dem Energie und erzeugen paradoxerweise mehr davon. Sie haben jedoch die Möglichkeit, einen Raum für Wachstum und Transformation zu schaffen, in dem Liebe und Güte Einzug halten kann. Sie haben die Möglichkeit, selbst anders zu agieren.

Nehmen Sie einmal einen Aspekt der soeben aufgelisteten Punkte, wo Sie einen Widerstand gegenüber Ihrem Partner haben. Beginnen Sie mit einem Punkt, bei dem Sie einen geringen Widerstand haben. Versuchen Sie nun, diesen Punkt vollständig neutral zu sehen. Hier ein Beispiel: Angenommen, Sie sind total genervt, weil Ihr Partner die Zahnpasta-Tube regelmäßig in der Mitte ausdrückt, anstatt – wie es Ihrer Meinung nach richtig ist - sie am Ende auszudrücken. Wie sehen Sie das jetzt neutral? Nun, indem Sie nur das betrachten, was ist: Ihr Partner drückt die Zahnpasta-Tube in der Mitte aus. Punkt. So ist es. Nur das. Sie können es nicht ändern, weil es bereits so ist. Ihr Schmerz ist in der Vergangenheit nur dadurch entstanden, dass Sie bewertet haben und Ihr Ego Ihnen gesagt hat, es müsse anders sein. Die Kunst besteht darin, eine Situation oder Ihren Partner nicht zu bewerten in gut oder schlecht, richtig oder falsch. Wertung ist nur ein konzeptionelles Relikt aus Inquisitionszeiten, das keinen Bezug zur Realität hat. Versuchen Sie stattdessen wirklich einmal nicht zu bewerten. Keine Geschichte. Kein „Es müsste anders sein.“ Widerstand entsteht, weil Sie meinen, etwas müsste anders sein. Sie kreieren den Schmerz also selbst, indem Sie auf Ihrer Position verharren und damit im Widerstand sind bleiben.

Sie trommeln schon mit den Fingern auf Ihrem Bein, weil Ihr Partner Gas geben könnte, um noch über die grüne Ampel zu kommen? Dann sind Sie im Widerstand, weil Sie meinen, es sei richtig, zügig zu fahren, denn schließlich würden SIE es ja tun. Sie wünschen sich, von Ihrem Partner so angenommen zu werden, wie Sie sind, bedingungslos? Sind Sie auch in der Lage, Ihren Partner zu 100% so zu akzeptieren wie er ist, ohne jegliche Wertung? Sind Sie bereit, jeglichen Widerstand aufzugeben? Oder gibt es da nicht doch noch diese 5 Punkte, die Sie gerne an ihm ändern würden?

Wie lange wird es noch dauern, bis Sie sagen können „Ich gebe jeglichen Widerstand auf und will keinen Schmerz und Kummer mehr verursachen, weder gegenüber mir selbst, noch gegenüber meinem Partner?“ Wie viel Schmerz und Unzufriedenheit – egal ob klein oder groß, egal ob häufig oder gelegentlich – brauchen Sie noch, bis Sie diese Entscheidung treffen können? Wann sind Sie bereit, absolute Verantwortung für Ihre Unzufriedenheit zu übernehmen?

Geschichten und Bewertungen entstehen in der Zeit, d. h. wenn wir nicht in jedem einzelnen Augenblick präsent sind. Wie wäre es, wenn Sie sich JETZT entscheiden, jeglichen Widerstand aufzuspüren, ihn anzuschauen in der Bewusstheit, dass Ihr Partner mit Ihrem inneren Widerstand nichts, aber rein gar nichts zu tun hat? Wie wäre es, wenn Sie sich in absoluter Hingabe üben? Das würde bedeuten, dass Sie als neutraler Bobachter wahrnehmen, was passiert und Ihren Partner, Ihren Widerstand nicht mehr bewerten, sondern voll und ganz akzeptieren? In dem Moment, wo Sie den Widerstand bewusst wahrnehmen und anerkennen, beginnt er, sich aufzulösen.

Das bedeutet nicht, dass Sie in Ihrer Beziehung ab sofort alles hinnehmen. Wenn Sie alles nur noch hinnehmen mit der Einstellung „das ist mir ab jetzt alles egal“, dann ist das Negativität in Form von unbewusstem Groll und das ist clever getarnter Widerstand. Sie können durchaus Grenzen setzen oder auf bestimmte Dinge hinweisen. Es geht jedoch darum, in jedem Moment aufmerksam und präsent zu sein und es nicht mit der Einmischung des Egos zu tun, das Recht behalten oder den anderen beschuldigen möchte. Sie können das vollkommen widerstandslos tun.

Vielleicht hilft Ihnen folgende Geschichte aus einem Youtube Video von Benjamin Zander Ihren Widerstand JETZT aufzugeben und Ihre Liebe aus dem Sein heraus in jedem Moment zu leben (http://www.ted.com/talks/benjamin_zander_on_music_and_passion.html ):

Eine Frau, die die Zeit in einem Konzentrationslager überlebt hat, erzählte folgendes: „Ich war mit meinem kleineren Bruder in einem dieser Wagons, der uns zum Lager brachte. Ich schaute nach unten und sah, dass er keine Schuhe mehr an hatte, sondern seine Füße nackt waren. Ich raunzte ihn an „Wo zum Teufel sind deine Schuhe. Mein Gott, kannst Du nicht ein einziges Mal Dein Hirn einschalten und auf Deine Sachen achten?” Unglücklicherweise waren das die letzten Worte, die sie zu ihm sagte. Sie sah ihn nie wieder. Er hat nicht überlebt. Als sie zurück ins Leben ging schwor sie sich folgendes: “Ich werde nie wieder etwas sagen, das nicht als mein letztes Wort stehen könnte, das ich jemals sprechen werde.“

Können wir das auf Anhieb? Sicher nicht. Doch es ist eine Möglichkeit, nach der wir streben können, um achtsam und respektvoll in Liebe mit unserem Partner zu sein – in voller Akzeptanz, ohne Widerstand.

Herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel



* Eckhard Tolle, „Das Leben im Jetzt“
Weitere Inspiration zum Thema Beziehung erhalten Sie im Buch „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan


POTENZIALE LEBEN!

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Freitag, 14. Juni 2013

Die Illusion von Zeit und Verstand. - Es existiert nur das JETZT!



Unser Verstand ist eine clevere Maschine, die fortwährend mit Informationen gefüttert wird und das Wissen in endlosen Schleifen wiederholt und abruft. Das ist nicht gut und nicht schlecht. Die entscheidende Frage ist, gebrauchen Sie Ihren Verstand, oder gebraucht Ihr Verstand Sie? Denken Sie, Sie sind Ihr Verstand?

In unserer Gesellschaft wird uns eingetrichtert, dass der Verstand das Wichtigste am Menschen ist, dass wir sozusagen unser Verstand sind. Die meisten Menschen sind vollständig mit Ihrem Verstand identifiziert. Getreu dem Motto „Ich denke, also bin ich.“  Doch was, wenn die Identifikation mit dem Verstand eine Illusion ist? Was wenn es ein Trick Ihres Egos ist, die Dinge so zu belassen wie sie sind?

Ihr Ego – oder auch Ihre „Box“ – ist ein Konstrukt aus Konzepten, Begriffen, Vorstellungen, Erwartungen, Meinungen und Definitionen. Seit Ihrer Kindheit hat Ihre smarte Verstands-Maschine Informationen, Eindrücke und Erlebnisse gesammelt und diese in einer riesigen Datenbank abgespeichert. Diese Informationen können permanent abgerufen werden. Es sind die Informationen, aus denen Sie Ihre Identität, Ihre Persönlichkeit, Ihr Ego oder eben Ihre Box aufgebaut haben.

Das Ziel des Egos ist es, diese Identitäts-Struktur aufrecht zu erhalten und das zu reproduzieren, was es bereits kennt. Es nutzt den Verstand, um die Informationen in Endlosschleifen abzurufen, damit gewährleistet ist, dass Ihre Identität nicht erschüttert wird oder sich verändert. Um das Bekannte zu reproduzieren, lässt Ihr Verstand Sie zudem glauben, es existiere eine Zeitschiene und es gäbe Vergangenheit und Zukunft.

Wenn Sie sich nun vollständig mit Ihrem Verstand identifizieren, glauben Sie das auch, ja es ergibt sogar Sinn. Schließlich waren Sie doch gerade gestern mit Freunden gemeinsam essen und das ist doch Vergangenheit, oder nicht? Und übermorgen ist doch der wichtige Kundentermin und das ist doch Zukunft, oder nicht? Ja, und beides ist nur eine Illusion. Denn Sie können weder beeinflussen, was gestern war, noch, was übermorgen sein wird. Das einzige, was existiert ist JETZT.

Für die meisten von uns ist es so normal mit dem Verstand identifiziert zu sein. Wir denken, wir sind unser Verstand. Tatsache ist jedoch, dass wir nicht unser Verstand SIND, sondern einen Verstand HABEN, den wir bewusst einsetzen können. Doch statt das zu tun, werden wir fortlaufend von unserem Verstand benutzt.

Unser Verstand plappert permanent. Gedanken rasen unaufhörlich durch unseren Kopf und kreieren Geschichten. Wenn wir nun keine Des-Identifikation vornehmen, glauben wir unserem Verstand tatsächlich das, was er uns vorgaukelt. Um es etwas anschaulicher zu machen, wie der Verstand dafür sorgt, dass wir uns in der Illusion von Vergangenheit und Zukunft bewegen, lassen Sie uns ein kleines Experiment machen.

Experiment 1: Benutzt Ihr Verstand Sie?

Beantworten Sie einmal folgende Fragen für sich:
  • Versuchen Sie ständig irgendwo hinzukommen, sei es räumlich (von A nach B) oder gedanklich („Wenn ich das erst geschafft habe, dann…“)?
  • Versuchen Sie ein Ziel zu erreichen?
  • Ist Ihr Fokus darauf gerichtet, wie sich eine Situation in Ihrem Leben wohl entwickeln wird?
  • Warten Sie darauf, dass Sie Urlaub haben?
  • Warten Sie darauf, den idealen Partner zu finden, um endlich glücklich zu sein?
  • Hoffen Sie, dass einige Dinge in Ihrem Leben sich bessern werden? Malen Sich sich aus, wie das aussehen könnte?
  • Hoffen Sie, dass sich Ihr Partner, Boss, Freund, Nachbar ändert, damit es Ihnen besser geht?
  • Sind Sie gedanklich schon bei der Verabredung mit Ihrem Partner morgen Abend und malen sich aus, wie es wohl sein wird?
  • Denken Sie immer wieder darüber nach, wie das Gespräch mit dem Kollegen letzte Woche verlaufen ist?
  • Malen Sie sich aus, was Sie das nächste Mal sagen werden?
  • Machen Sie sich Sorgen und wissen nicht, wie es weitergehen soll oder wie Sie ein Problem lösen sollen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, benutzt Ihr Verstand Sie! Dann sind Sie in der Vergangenheit oder Zukunft gefangen und bauen sich gerade Ihr eigenes Gefängnis. Beobachten Sie einmal wie schnell es geht, dass Ihr Verstand Sie in Geschichten der Vergangenheit und Zukunft zieht.

Es gibt jedoch gute Neuigkeiten: Sie sind nicht Ihr Verstand. Sie sind nicht Ihr Ego oder Ihre Box. Sie können eine Des-Identifikation vornehmen und damit anfangen wirklich präsent im JETZT zu leben.

Die Sache ist die: Durch den Mangel an Präsenz im Jetzt setzt sich die Vergangenheit weiter fort. Das Ego ist darauf getrimmt, die Dinge so zu belassen, wie Sie sind. Wenn sie jedoch permanent Ihrem Verstand glauben, dann haben Sie keine Kraft, weil Sie nicht im JETZT präsent sind. Dann glauben Sie die Geschichten und wundern sich, warum Sie wieder Enttäuschungen erleben. Genau das ist die Strategie Ihres Egos.

Hier ein Beispiel:
Angenommen, Sie sind nächste Woche mit einer charmanten Person zum Essen verabredet und freuen sich bereits heute darauf. Sie malen sich aus, wie es wohl sein wird und was Sie der Person unbedingt erzählen möchten. Sie sind gedanklich komplett in der Zukunft.
Was passiert dann, wenn Sie diese Person tatsächlich treffen? Sie haben bereits eine Geschichte im Kopf, ein Konzept, wie die Begegnung idealerweise abläuft und sind nicht mehr offen und präsent für das, was JETZT gerade in diesem Moment da ist. Sie leben in Geschichten, in einer Illusion, die sie des tatsächlichen Lebens im JETZT beraubt. Sie haben Erwartungen, wie etwas zu laufen hat und können nicht mehr mit dem sein, was gerade in diesem Moment da ist, in dem Sie mit der Person zusammen sind. Und genau das ist das fatale, denn diese Erwartungen sind prädestiniert dafür, enttäuscht zu werden. Diese Ent-Täuschung ist nichts anderes als die Befreiung von der Täuschung der Illusion. Ein Weckruf, dass das JETZT anders ist, als Sie sich vorgestellt haben. Es ist wie ein Wecker, der Sie aus dem Schlaf der Illusion rausholt.

Viele Menschen leben in Erinnerungen oder Erwartungen. Sie kennen ja vielleicht den Spruch von John Lennon „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ zu Deutsch „Leben ist das, was Dir passiert, während Du andere Pläne machst.“

Dieser Satz trifft es genau. Das Leben passiert nur JETZT. Das was unser Verstand uns psychisch als Zeit vorgaukelt, also die Vergangenheit oder Zukunft, existiert nicht. Dinge sind nie in der Vergangenheit oder Zukunft passiert sondern immer nur im JETZT. Zum Beispiel gab es vor 2 Sekunden ein JETZT, wo ein Auto vor meinem Haus vorbeigefahren ist. Oder gestern gab es ein JETZT, wo eine Freundin angerufen hat. Alles was passiert, passiert immer nur JETZT.  Und um es noch mehr auf den Punkt zu bringen: Sie bestimmen JETZT Ihre Zukunft. JETZT in diesem Moment. Es lohnt sich also präsent in das HIER und JETZT zu kommen und diesen Moment bewusst zu gestalten und zu erleben, weil er Ihre Zukunft gestaltet.

Wie machen Sie das? Dazu können Sie ein Experiment in 3 Schritten machen:


Experiment 2: JETZT und HIER präsent werden

·         SCHRITT 1: Schalten Sie den Verstand aus
„Haha, sehr witzig“ werden jetzt einige denken. Und auch das ist nur eine Stimme Ihres Verstandes. Nicht zu denken ist tatsächlich möglich. Gehen Sie zum Beispiel raus in den Garten oder Park und beobachten Sie dort einen Vogel oder eine Blume. Beobachten Sie ganz bewusst. Fokussieren Sie das, was Sie beobachten. Aha, die Blume ist gelb. Sie hat runde, kleine Blätter mit roten feinen Streifen, die zur Mitte hin dicker werden…“ Oder nehmen Sie einen Gegenstand auf Ihrem Schreibtisch. Üben Sie 5 Minuten…Na, wie war’s? Konnten Sie feststellen, dass Ihr Verstand aufgehört hat, zu plappern und Ihnen Konzepte und Bewertungen zuzuflüstern? Sie waren in dem Moment voll präsent.

Alternatives Experiment: Sitzen Sie entspannt im Stuhl. Spüren Sie jetzt ganz bewusst die Sitzfläche und die Stellen, wo Ihr Po den Stuhl berührt. Spüren Sie die Lehne im Rücken. Spüren Sie, wo Ihre Kleidung Ihre Haut berührt. Spüren Sie, wie Ihr Atem durch Ihren Körper fließt. Hören Sie die kleinsten Geräusche um sich herum.

·         SCHRITT 2: Beobachten Sie, wie der Verstand sich wieder einschaltet
Beobachten Sie als nächstes, wie der Verstand sich wieder einschaltet. Beobachten Sie die Stimmen, die Bewertungen (z. B. „Na das ist ja ein Experiment, was soll ich jetzt damit?“ oder „Oh man, ich muss ja noch einkaufen.“, etc.). Beobachten Sie einfach den Verstand, das womit Sie denken, das Ding, was Ihnen ständig Geschichten erzählt. Und bewerten Sie nicht, was Sie beobachten.

Sobald Sie anfangen im Jetzt Ihren Verstand zu beobachten, sind Sie auf dem besten Weg der Des-Identifikation. Identifizieren Sie die wiederkehrenden Stimmen in Ihrem Kopf.

·         SCHRITT 3: Kreieren Sie JETZT etwas anderes
Der Verstand projiziert das, was er aus vergangenen Erfahrungen und Erlebnissen gespeichert hat. Das ist sein Job. Wenn Ihnen bewusst wird, was Ihr Verstand für wiederkehrende Muster produziert, haben Sie JETZT die Möglichkeit, dem einen Riegel vorzuschieben. Wie Eckhard Tolle sagt: „Die Zukunft wird durch die Qualität Deines Bewusstseins in diesem Augenblick geprägt.“ Sie können jeden Moment bewusst voll Liebe, Güte, Großzügigkeit, Leidenschaft und Gemeinschaft gestalten (Sie können zum Beispiel auch mit Leidenschaft den Abwasch machen oder mit Großzügigkeit dem Kollegen helfen). Genau das wird sich dann auch in Ihrem Leben zeigen.

Wenn Sie hoffen, dass sich in Zukunft in Ihrem Leben etwas bessert, dann sind Sie in der Zukunft. Dann sind Sie gefangen im Verstand. Dann benutzt Ihr Verstand Sie und Sie haben keine Kraft. Sie können weder ändern, was letzte Woche passiert ist, noch was übermorgen passiert. Sie haben nur JETZT Kraft und können nur JETZT diesen Moment gestalten. Ob Sie dies bewusst tun, oder Ihr Ego und Ihren Verstand es unbewusst tun lassen, liegt bei Ihnen. Keins ist besser oder schlechter. Es produziert einfach nur verschiedene Ergebnisse. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, sobald Sie aufhören, sich mit Ihrem Verstand zu identifizieren, wird das Leben sehr viel intensiver und reicher, weil Sie im HIER und JETZT präsent sind und den Augenblick leben. Und es wird auch ruhiger, weil Sie sich nicht mehr mit allem möglichen Quatsch aus Vergangenheit und Zukunft beschäftigen müssen. Dadurch werden enorme Energiereserven in Ihnen freigesetzt, die Sie im HIER und JETZT nutzen können.

Das heißt jedoch nicht, dass sie jetzt gar nicht mehr denken sollen. Sie können sich jedoch entscheiden, Ihren Verstand nur dann bewusst einzusetzen, wenn er wirklich gebraucht wird, z. B. wenn Sie eine konkrete Aufgabe lösen müssen oder herausfinden müssen, wie Sie mit dem Zug von A nach B kommen. Dann benutzen Sie Ihren Verstand und nicht umgekehrt. Es geht darum, Ihr LEBEN nicht mit permanentem Denken zu vergeuden. Lassen Sie sich nicht von der Verstandsmaschine in den Strudel von Erinnerungen, Erwartungen und Projektionen und damit in die Vergangenheit oder Zukunft ziehen. Das ist alles nur eine Illusion des Egos. Das, was wirklich von Bedeutung im Leben ist – Liebe, Schönheit, Gemeinschaft, Freude, inneres Wachstum, etc. – hat seinen Ursprung jenseits des Verstandes. Sie sind mehr als Ihr Verstand. Sie sind größer als Ihr Verstand. Leben Sie JETZT aus Ihrem Sein heraus.

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


 POTENZIALE LEBEN!
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Mittwoch, 15. Mai 2013

Die Welt braucht SIE!



Frühlingsduft liegt in der Luft. Überall sprießt und grünt es, die Eichhörnchen jagen wild spielend die Bäume rauf und runter, die Vögel trällern ihre Lieder. Es ist eine enorme Vielfalt, die der Frühling produziert. Und es ist mehr als nur Vielfalt. Es ist fast wie Magie. Es ist als läge eine besondere magische Stimmung von Aufbruch und Neubeginn in der Luft, ein Drang, die Vielfalt in die Welt zu tragen und alles zum Blühen zu bringen, was möglich ist.

In gewisser Weise spiegelt der Frühling genau das wider, was in jedem einzelnen Menschen steckt: Vielfalt und Magie. Umso trauriger ist es, dass den meisten Menschen ihre innere Vielfalt und Magie nicht bewusst ist.

Gestern war ich seit langem wieder einmal in der Münchner Innenstadt, um eine liebe Freundin vom Bahnhof abzuholen. Ich parkte und blieb noch einen Moment im Auto sitzen, da ich einige Minuten zu früh am Bahnhof war. Also entschloss ich mich, das bunte Treiben der Stadt und der Menschen auf mich wirken zu lassen. Es hat mich traurig und wütend gemacht zu sehen, wie sehr die Menschen in Ihrem Verstand unterwegs waren, durch die Gegend eilten und sichtlich nicht in Kontakt mit ihrer Umgebung, geschweige denn mit ihren Mitmenschen waren. Es war, als würde jeder mit Scheuklappen als Einzelkämpfer durch die Gegend rennen, tief versunken in seine eigenen Gedanken. In dem Moment habe ich mich gefragt, wie viele Menschen sich ihrer inneren Vielfalt und Magie tatsächlich bewusst sind.

Szenenwechsel: Kürzlich las ich ein Buch von Robert Wolff mit dem Titel „Original Wisdom“ (dt. ursprüngliche Weisheit). In dem Buch ging es genau um die vielfältige, innere Weisheit, die uns Menschen zu Eigen ist und gleichzeitig um die Verbindung mit der Natur. Konkret sprach Wolff von seinen Erfahrungen mit indigenen (ursprünglichen) Völkern, die sich eine intuitive Weisheit und Verbindung mit der Erde bewahrt haben, wie sie in der westlichen Kultur nicht mehr bekannt ist. Zum Beispiel können sie solch eine Person irgendwo mitten im Urwald aussetzen, und sie findet nur aufgrund ihrer Verbindung mit der Natur und ihrer inneren Weisheit, ihr Dorf zielsicher wieder. Diese Menschen sind an eine größere Quelle angedockt, eine Quelle, die nicht dem Ego dient.

Wie neurotisch ist unsere Gesellschaft geworden? Wie neurotisch ist jeder einzelne von uns? Es geht hier gar nicht darum, dafür zu plädieren wieder in kargen Baumhütten zu leben und nur einen Lendenschutz zu tragen. Es geht vielmehr darum, inwieweit wir uns selbst verleugnen, unsere Vielfalt und die uns inne wohnende Magie verdrängen. Anstatt nach innen zu schauen, suchen wir im Außen nach etwas, von dem wir noch nicht einmal wissen, dass wir es suchen. Woher sollen wir es auch wissen? Schließlich wird uns das in der Schule nicht beigebracht.

Stattdessen werden wir zu Schlafwandlern erzogen. Wir werden dazu erzogen zu gehorchen, zu kopieren, zu konsumieren, zu folgen. Wir werden sozusagen dahin gehend trainiert, als Planeten zu leben. Vielleicht kennen Sie die Eigenschaft von Planeten. Sie nehmen mehr Energie auf, als sie abgeben. Schauen Sie sich um. Die meisten Menschen versuchen irgendwo Energie herzubekommen, sich zu regenerieren, aufzutanken, sich abzulenken.

Wie Seth Godin in seinem Buch „Tribes“ so schön schreibt: „Es ist sehr viel einfacher einen Schüler zu einem Schaf zu trainieren als die Alternative. Für den Test zu lehren, angepasstes Verhalten sicherzustellen und Angst als Motivator zu nutzen, sind die einfachsten und schnellsten Wege, Kinder durch die Schule zu bringen. Warum also wundert es uns, dass wir so viele Schafe haben? Gut erzogene Schafe wohlgemerkt, aber trotzdem angepasst.“

Dabei sind wir Menschen dazu geboren, als Sterne zu leben. Im Gegensatz zu Planeten geben Sterne mehr Energie ab, als sie aufnehmen. Sie sind eine Energie-Quelle. Sie generieren, initiieren, kreieren, erschaffen. Jeder Mensch trägt diese Quelle in sich.
Sie haben alles, was Sie brauchen, um etwas zu erschaffen, das weitaus größer ist, als Sie selbst. Sie können ein Anführer in jedem Bereich Ihres Lebens sein, im Job, in Ihrer Beziehung, mit der Familie und Freunden, selbst mit der ganzen Gesellschaft.

Jeder Mensch trägt eine Vielfalt und Magie in sich, die darauf wartet, in die Welt getragen zu werden. Sie haben die Möglichkeit, wieder an die Quelle anzudocken. Die Vielfalt, die jeder Mensch in sich trägt, zeigt sich durch die ihm eigens innewohnenden sogenannten Hellen Prinzipien. Was versteht man darunter? Nun, jeder Mensch hat eine helle Seite und eine dunkle Seite. Uaaaah, auch eine dunkle? Ja, auch eine dunkle Seite, ob Sie es wollen, oder nicht. Zu glauben ein Mensch könnte nur hell, schön und freundlich sein ist eine Illusion. Das wird ziemlich schnell klar, wenn Sie einmal überlegen, wie lange Sie tatsächlich nett, freundlich und absolut harmonisch leben können. Das geht genau solange gut, bis Ihr Partner die Zahnpasta-Tube wieder falsch ausdrückt, die Socken auf dem Boden liegen lässt, Ihr Chef Ihnen kurz vor Feierabend noch eine dringende Aufgabe auf den Tisch legt, oder Ihr Nachbar die Musik mal wieder zu laut hat. Spätestens dann springt das kleine Monster (der König Ihrer eigenen Unterwelt) an, das genervt ist, rumjammert, sich rechtfertigt oder andere beschuldigt.

Jeder Mensch hat also eine sogenannte helle und dunkle Seite in sich. An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Geschichte mit Ihnen teilen:

Ein alter Cherokee Indianer lehrt seinen Enkel über das Leben:
“Ein Kampf findet in mir statt”, sagt er zu dem Jungen. „Es ist ein schrecklicher Kampf zwischen zwei Wölfen.“
„Einer ist bösartig – er ist Wut, Neid, Kummer, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbst-Mitleid, Schuld, Groll, Minderwertigkeitsgefühl, Selbst-Zweifel und Ego.“
„Der andere ist gut – er ist Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Freundlichkeit, Güte, Empathie, Großzügigkeit, Wahrheit, Mitgefühle und Glaube.“
“Der gleiche Kampf findet auch in Dir statt – und in jeder anderen Person auch.”
Der Enkel dachte eine Minute darüber nach und fragte dann seinen Großvater: „Welcher Wolf wird gewinnen?“
„Der Alte Indianer antwortete einfach “Der, den Du fütterst.“

Sie haben jederzeit die Wahl, welchen Wolf Sie füttern. JETZT… und JETZT… und JETZT und zwar in jedem Bereich Ihres Lebens. Doch um vor allem auch den hellen Wolf füttern zu können, brauchen Sie erst einmal Klarheit darüber, was ihn ausmacht.

Die Vielfalt von der ich eingangs sprach, bezieht sich auf das, was in Ihnen blühen möchte, das Juwel, das Sie in sich tragen und das strahlen möchte. Sie haben ein Talent zu geben. Sie haben etwas, auf das die Menschen in Ihrer Umgebung warten. Dieses Talent, dieses Geschenk können Sie geben, sobald Sie sich in den Dienst Ihrer Hellen Prinzipien stellen. Es gibt unendlich viele dieser Hellen Prinzipien. Wie in der Kurzgeschichte schon ersichtlich wird, sind Helle Prinzipien zum Beispiel folgende: Liebe, Kreativität, Abenteuer, Wachstum, Transformation, Klarheit, Güte, Lebendigkeit, Weisheit, Möglichkeit, Ermächtigung, Führung, Mitgefühl, Großzügigkeit, Humor, Verbindung, Gemeinschaft, Schönheit, etc.

Helle Prinzipien sind Vielfalt und Magie in Aktion. Es sind Kräfte des Universums, die durch die Menschen hindurch wirken. Jeder Mensch ist ein Kanal für Helle Prinzipien. Die Erfahrung zeigt, dass es meist 4-6 Helle Prinzipien sind, die durch einen Menschen wirken. Die Hellen Prinzipien – wie auch die dunklen oder Schatten-Prinzipien – sind in Ihrem Leben schon immer präsent und genau die Hellen Prinzipien sind es, die Sie Ihre Bestimmung in Aktion sein lassen. Diese Prinzipien kommen von einer höheren Quelle. Diese Vielfalt an Hellen Prinzipien, für die Sie der Kanal sind, geben Ihnen Klarheit darüber, warum Sie eigentlich hier sind; was Ihr Talent und Ihre Bestimmung sind. Es gibt einen detaillierten Prozess, um diese Hellen Prinzipien herauszufiltern und sich ihnen zu verpflichten. Für einen kleinen Vorgeschmack und um eine Idee zu bekommen, können Sie einmal folgendes Experiment machen.

Experiment: Entdecken Sie die Vielfalt in sich
SCHRITT 1:
Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie einmal auf, was Ihrer Meinung nach Freunde und Arbeitskollegen über Sie sagen würden. Wie würden sie Sie beschreiben? Würden Sie sagen, Sie versprühen Begeisterung sobald Sie den Raum betreten, oder ermutigen Sie andere? Was meinen Sie, warum diese Menschen gerne mit Ihnen zusammen sind oder zusammen arbeiten? Was schätzen die anderen Ihrer Meinung nach an Ihnen besonders? Schreiben Sie die Begriffe, die Ihnen spontan einfallen, einmal auf.

SCHRITT 2:
Schreiben Sie nun die Namen von 5 Personen auf, die Sie sehr schätzen. Das können Menschen in Ihrem direkten Umfeld sein, Menschen in der Öffentlichkeit wie z. B. Politiker, Aktivisten o. ä. Es können aber genauso gut Menschen aus der Geschichte sein, die Sie bewundern oder für etwas schätzen. Lassen Sie nach jedem Namen ein wenig Platz.

Schreiben Sie nun unter jeden Namen die Eigenschaften, die Sie an der Person besonders schätzen. Was beeindruckt Sie? Was schätzen Sie? Was inspiriert Sie an diesen Personen? Denken Sie nicht lange darüber nach. Schreiben Sie spontan einzelne Wörter auf, die Ihr Empfinden wiedergeben.

SCHRITT 3:
Gehen Sie nun zu 3 Personen, die Sie in Schritt 1 aufgeschrieben haben und fragen Sie diese noch einmal direkt, was sie an Ihnen schätzen. Welche Qualitäten sind es, die Sie ausmachen.

SCHRITT 4:
Schauen Sie nun, was Sie in den Schritten 1-3 aufgeschrieben haben und halten Sie Ausschau nach wiederkehrenden Themen oder Ausdrücken, die besonders mit Ihnen in Resonanz gehen. Kreisen Sie die 4 bis 6 wichtigsten Wörter ein. Schreiben Sie diese anschließend auf ein neues Blatt Papier. Schauen Sie diese Wörter an und lassen Sie diese auf sich wirken.

Was Sie sehen, ist eine erste Auswahl Ihrer Hellen Prinzipien. Darum sind Sie hier. Doch Achtung, diese repräsentieren NICHT das, was SIE SIND. Darum geht es nicht. Wenn Sie zum Beispiel Begriffe haben wie Mut, Klarheit oder Liebe, dann geht es nicht darum, dass sich Ihr Ego derer bedient und sagt „Haha, schaut mal her, wie toll ich bin. Ich bin mutig und klar und….“  Die Vielfalt und Magie in Ihnen, die durch die hellen Prinzipien gespiegelt wird, ist das, was SIE IN DIE WELT TRAGEN. Die Prinzipien spiegeln das wider, was Sie den Menschen und der Welt zu geben haben. „Klarheit“ bedeutet also, dass die Menschen gerne mit Ihnen zusammen sind, weil Sie ihnen Klarheit geben können. Das Helle Prinzip „Führung“ würde bedeuten, dass die Menschen zu Ihnen kommen, weil Sie ihnen den Weg zeigen können und für Sie vorangehen. „Abenteuer“ würde nicht bedeuten, dass Sie abenteuerlustig und damit richtig cool sind, sondern dieses Prinzip steht z. B. dafür, dass die Menschen zu Ihnen kommen, weil Sie von Ihnen neue, inspirierende Ideen erhalten und aus dem Gewöhnlichen ausbrechen können.

Die Hellen Prinzipien repräsentieren die Vielfalt, die durch Sie hindurch blühen will. Deswegen sind Sie hier auf der Erde. Das ist das Geschenk, das Sie zu geben haben. Sie können sich sogar bewusst dafür entscheiden, diesen Hellen Prinzipien zu dienen. Doch seien Sie gewarnt, sobald Sie sich dafür entscheiden, verändern sich Dinge in Ihrem Leben.
Die Prinzipien können nur durch uns Menschen wirken, da sie selbst keine Hände, Füße oder Mund haben. Sobald Sie sich Ihren Hellen Prinzipien bewusst verpflichten, sind diese dankbar dafür. Das zeigt sich dann in der Form von neuen Aufgaben auf Ihrem Tisch und damit meine ich nicht nur auf Ihrem Schreibtisch in Ihrer aktuellen Firma. Es kann sein, dass Sie plötzlich Aufgaben bekommen, an die Sie noch gar nicht gedacht haben, die jedoch ein idealer Spielplatz für Ihre Hellen Prinzipien sind. Und es kann sogar sein, dass die Hellen Prinzipien Sie zu einer Tätigkeit führen, die nicht auf dem Formularblatt des Finanzamtes steht. Das Tolle ist, dass Sie diesen Hellen Prinzipien absolut vertrauen können. Sie brauchen die Dinge nicht mehr nur mit Ihrem Verstand herausfinden. Sie bedienen nicht mehr Ihr Ego, sondern Sie dienen den Hellen Prinzipien.

Wenn Sie an Ihre Hellen Prinzipien angedockt sind, sind Sie an die ursprüngliche Quelle angedockt und das ist pure Magie. Je mehr Sie dieser Quelle vertrauen, desto mehr werden die Hellen Prinzipien Sie bewegen und Sie in Richtung Ihrer Bestimmung führen. Sie werden vielleicht plötzlich Impulse spüren, Dinge zu tun oder zu sagen, auf die Ihr Verstand nicht gekommen wäre. Sie müssen einfach nur aus dem Weg gehen und den Impulsen vertrauen. Das bedarf eventuell ein wenig Übung und Arbeit, doch es lohnt sich.

Wenn Sie an Ihre Hellen Prinzipien angedockt sind, kann sich auch Ihre Wertevorstellung verändern. Sie müssen den gesellschaftlichen Neurosen der modernen Kultur, wie z. B. shoppen, nicht mehr nachgehen. Sie müssen nicht mehr im Außen suchen, um sich zu definieren, weil Sie das Juwel in sich tragen und nutzen. Alles Wissen, alle Fülle und Vielfalt liegt in Ihnen. Sie können aufhören im außen nach Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Geld, etc. zu suchen. Sie können aufhören, den materiellen Konsum zu unterstützen und mechanisch zu funktionieren, weil Ihr Arbeitgeber es verlangt.

Die Hellen Prinzipien halten viel spannendere und vor allem erfüllendere Aufgaben für Sie bereit, die das Gewöhnliche obsolet machen. An diese Quelle angedockt zu sein bedeutet, dass Sie etwas Größerem dienen als sich selbst (sprich als Ihrem Ego).

Und es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, das die Hellen Prinzipien nur eine Seite der Medaille sind. Es ist mehr als hilfreich auch Ihre Schattenseite zu erkunden. Wenn Sie Ihre Schattenseite nicht kennen, wissen Sie nicht, welcher Mechanismus täglich versucht, Ihre Hellen Prinzipien zu untergraben, Ihr Leben zu manipulieren und Sie glauben zu machen, Sie müssten sich weiterhin anpassen, um anerkannt zu werden.. Doch darauf einzugehen, würde den Rahmen des Artikels sprengen.

Stellen Sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn alle Menschen wieder an die Quelle ihrer Hellen Prinzipien angedockt wären; wie es wäre, wenn jeder Mensch sein Talent als Geschenk der Erde und der Menschheit zur Verfügung stellen würde; wie es wäre, wenn es keine frustrierten Mensch mehr gäbe, die stumpf einen Job machen, um Ihre Miete zahlen zu können, sondern Menschen, die absolut erfüllt sind, weil Sie Ihren Hellen Prinzipien dienen. Eine Illusion? Ich denke nicht. Sie haben mit dem obigen Experiment bereits den ersten Schritt gewagt und genau das zählt.  

Es ist übrigens auch möglich die Hellen Prinzipien von ganzen Organisation und Unternehmen zu destillieren. Es macht einen enormen Unterschied für die Mitarbeiter zu wissen, welche Hellen Prinzipien ein Unternehmen zusammen hält. Doch auch das wäre jetzt ein weiterer Artikel.

Für heute möchte ich Sie von Herzen ermutigen, Ihre persönlichen Hellen Prinzipien herauszufinden und sich Ihnen zu verpflichten, auch wenn Sie im ersten Moment nicht wissen, was das genau für Ihr Leben bedeutet. Die Welt hungert nach inspirierten Menschen, nach Menschen, die ihre Bestimmung in Aktion sind, nach Menschen, die an die Quelle der Hellen Prinzipien angedockt sind und voran gehen. SIE werden gebraucht. SIE haben ein Talent zu geben. Tragen Sie es in die Welt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von Ihnen mit einer etwas anderen Signatur. In Hellen Prinzipien gesprochen grüßt Sie heute von Herzen:

LIEBE, 
LEBENSFREUDE, 
WEISHEIT, 
MÖGLICHKEIT, 
KLARHEIT, 
ERMÄCHTIGUNG.


POTENZIALE LEBEN!
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