Mittwoch, 15. Mai 2013

Die Welt braucht SIE!



Frühlingsduft liegt in der Luft. Überall sprießt und grünt es, die Eichhörnchen jagen wild spielend die Bäume rauf und runter, die Vögel trällern ihre Lieder. Es ist eine enorme Vielfalt, die der Frühling produziert. Und es ist mehr als nur Vielfalt. Es ist fast wie Magie. Es ist als läge eine besondere magische Stimmung von Aufbruch und Neubeginn in der Luft, ein Drang, die Vielfalt in die Welt zu tragen und alles zum Blühen zu bringen, was möglich ist.

In gewisser Weise spiegelt der Frühling genau das wider, was in jedem einzelnen Menschen steckt: Vielfalt und Magie. Umso trauriger ist es, dass den meisten Menschen ihre innere Vielfalt und Magie nicht bewusst ist.

Gestern war ich seit langem wieder einmal in der Münchner Innenstadt, um eine liebe Freundin vom Bahnhof abzuholen. Ich parkte und blieb noch einen Moment im Auto sitzen, da ich einige Minuten zu früh am Bahnhof war. Also entschloss ich mich, das bunte Treiben der Stadt und der Menschen auf mich wirken zu lassen. Es hat mich traurig und wütend gemacht zu sehen, wie sehr die Menschen in Ihrem Verstand unterwegs waren, durch die Gegend eilten und sichtlich nicht in Kontakt mit ihrer Umgebung, geschweige denn mit ihren Mitmenschen waren. Es war, als würde jeder mit Scheuklappen als Einzelkämpfer durch die Gegend rennen, tief versunken in seine eigenen Gedanken. In dem Moment habe ich mich gefragt, wie viele Menschen sich ihrer inneren Vielfalt und Magie tatsächlich bewusst sind.

Szenenwechsel: Kürzlich las ich ein Buch von Robert Wolff mit dem Titel „Original Wisdom“ (dt. ursprüngliche Weisheit). In dem Buch ging es genau um die vielfältige, innere Weisheit, die uns Menschen zu Eigen ist und gleichzeitig um die Verbindung mit der Natur. Konkret sprach Wolff von seinen Erfahrungen mit indigenen (ursprünglichen) Völkern, die sich eine intuitive Weisheit und Verbindung mit der Erde bewahrt haben, wie sie in der westlichen Kultur nicht mehr bekannt ist. Zum Beispiel können sie solch eine Person irgendwo mitten im Urwald aussetzen, und sie findet nur aufgrund ihrer Verbindung mit der Natur und ihrer inneren Weisheit, ihr Dorf zielsicher wieder. Diese Menschen sind an eine größere Quelle angedockt, eine Quelle, die nicht dem Ego dient.

Wie neurotisch ist unsere Gesellschaft geworden? Wie neurotisch ist jeder einzelne von uns? Es geht hier gar nicht darum, dafür zu plädieren wieder in kargen Baumhütten zu leben und nur einen Lendenschutz zu tragen. Es geht vielmehr darum, inwieweit wir uns selbst verleugnen, unsere Vielfalt und die uns inne wohnende Magie verdrängen. Anstatt nach innen zu schauen, suchen wir im Außen nach etwas, von dem wir noch nicht einmal wissen, dass wir es suchen. Woher sollen wir es auch wissen? Schließlich wird uns das in der Schule nicht beigebracht.

Stattdessen werden wir zu Schlafwandlern erzogen. Wir werden dazu erzogen zu gehorchen, zu kopieren, zu konsumieren, zu folgen. Wir werden sozusagen dahin gehend trainiert, als Planeten zu leben. Vielleicht kennen Sie die Eigenschaft von Planeten. Sie nehmen mehr Energie auf, als sie abgeben. Schauen Sie sich um. Die meisten Menschen versuchen irgendwo Energie herzubekommen, sich zu regenerieren, aufzutanken, sich abzulenken.

Wie Seth Godin in seinem Buch „Tribes“ so schön schreibt: „Es ist sehr viel einfacher einen Schüler zu einem Schaf zu trainieren als die Alternative. Für den Test zu lehren, angepasstes Verhalten sicherzustellen und Angst als Motivator zu nutzen, sind die einfachsten und schnellsten Wege, Kinder durch die Schule zu bringen. Warum also wundert es uns, dass wir so viele Schafe haben? Gut erzogene Schafe wohlgemerkt, aber trotzdem angepasst.“

Dabei sind wir Menschen dazu geboren, als Sterne zu leben. Im Gegensatz zu Planeten geben Sterne mehr Energie ab, als sie aufnehmen. Sie sind eine Energie-Quelle. Sie generieren, initiieren, kreieren, erschaffen. Jeder Mensch trägt diese Quelle in sich.
Sie haben alles, was Sie brauchen, um etwas zu erschaffen, das weitaus größer ist, als Sie selbst. Sie können ein Anführer in jedem Bereich Ihres Lebens sein, im Job, in Ihrer Beziehung, mit der Familie und Freunden, selbst mit der ganzen Gesellschaft.

Jeder Mensch trägt eine Vielfalt und Magie in sich, die darauf wartet, in die Welt getragen zu werden. Sie haben die Möglichkeit, wieder an die Quelle anzudocken. Die Vielfalt, die jeder Mensch in sich trägt, zeigt sich durch die ihm eigens innewohnenden sogenannten Hellen Prinzipien. Was versteht man darunter? Nun, jeder Mensch hat eine helle Seite und eine dunkle Seite. Uaaaah, auch eine dunkle? Ja, auch eine dunkle Seite, ob Sie es wollen, oder nicht. Zu glauben ein Mensch könnte nur hell, schön und freundlich sein ist eine Illusion. Das wird ziemlich schnell klar, wenn Sie einmal überlegen, wie lange Sie tatsächlich nett, freundlich und absolut harmonisch leben können. Das geht genau solange gut, bis Ihr Partner die Zahnpasta-Tube wieder falsch ausdrückt, die Socken auf dem Boden liegen lässt, Ihr Chef Ihnen kurz vor Feierabend noch eine dringende Aufgabe auf den Tisch legt, oder Ihr Nachbar die Musik mal wieder zu laut hat. Spätestens dann springt das kleine Monster (der König Ihrer eigenen Unterwelt) an, das genervt ist, rumjammert, sich rechtfertigt oder andere beschuldigt.

Jeder Mensch hat also eine sogenannte helle und dunkle Seite in sich. An dieser Stelle würde ich gerne eine kleine Geschichte mit Ihnen teilen:

Ein alter Cherokee Indianer lehrt seinen Enkel über das Leben:
“Ein Kampf findet in mir statt”, sagt er zu dem Jungen. „Es ist ein schrecklicher Kampf zwischen zwei Wölfen.“
„Einer ist bösartig – er ist Wut, Neid, Kummer, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbst-Mitleid, Schuld, Groll, Minderwertigkeitsgefühl, Selbst-Zweifel und Ego.“
„Der andere ist gut – er ist Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Freundlichkeit, Güte, Empathie, Großzügigkeit, Wahrheit, Mitgefühle und Glaube.“
“Der gleiche Kampf findet auch in Dir statt – und in jeder anderen Person auch.”
Der Enkel dachte eine Minute darüber nach und fragte dann seinen Großvater: „Welcher Wolf wird gewinnen?“
„Der Alte Indianer antwortete einfach “Der, den Du fütterst.“

Sie haben jederzeit die Wahl, welchen Wolf Sie füttern. JETZT… und JETZT… und JETZT und zwar in jedem Bereich Ihres Lebens. Doch um vor allem auch den hellen Wolf füttern zu können, brauchen Sie erst einmal Klarheit darüber, was ihn ausmacht.

Die Vielfalt von der ich eingangs sprach, bezieht sich auf das, was in Ihnen blühen möchte, das Juwel, das Sie in sich tragen und das strahlen möchte. Sie haben ein Talent zu geben. Sie haben etwas, auf das die Menschen in Ihrer Umgebung warten. Dieses Talent, dieses Geschenk können Sie geben, sobald Sie sich in den Dienst Ihrer Hellen Prinzipien stellen. Es gibt unendlich viele dieser Hellen Prinzipien. Wie in der Kurzgeschichte schon ersichtlich wird, sind Helle Prinzipien zum Beispiel folgende: Liebe, Kreativität, Abenteuer, Wachstum, Transformation, Klarheit, Güte, Lebendigkeit, Weisheit, Möglichkeit, Ermächtigung, Führung, Mitgefühl, Großzügigkeit, Humor, Verbindung, Gemeinschaft, Schönheit, etc.

Helle Prinzipien sind Vielfalt und Magie in Aktion. Es sind Kräfte des Universums, die durch die Menschen hindurch wirken. Jeder Mensch ist ein Kanal für Helle Prinzipien. Die Erfahrung zeigt, dass es meist 4-6 Helle Prinzipien sind, die durch einen Menschen wirken. Die Hellen Prinzipien – wie auch die dunklen oder Schatten-Prinzipien – sind in Ihrem Leben schon immer präsent und genau die Hellen Prinzipien sind es, die Sie Ihre Bestimmung in Aktion sein lassen. Diese Prinzipien kommen von einer höheren Quelle. Diese Vielfalt an Hellen Prinzipien, für die Sie der Kanal sind, geben Ihnen Klarheit darüber, warum Sie eigentlich hier sind; was Ihr Talent und Ihre Bestimmung sind. Es gibt einen detaillierten Prozess, um diese Hellen Prinzipien herauszufiltern und sich ihnen zu verpflichten. Für einen kleinen Vorgeschmack und um eine Idee zu bekommen, können Sie einmal folgendes Experiment machen.

Experiment: Entdecken Sie die Vielfalt in sich
SCHRITT 1:
Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie einmal auf, was Ihrer Meinung nach Freunde und Arbeitskollegen über Sie sagen würden. Wie würden sie Sie beschreiben? Würden Sie sagen, Sie versprühen Begeisterung sobald Sie den Raum betreten, oder ermutigen Sie andere? Was meinen Sie, warum diese Menschen gerne mit Ihnen zusammen sind oder zusammen arbeiten? Was schätzen die anderen Ihrer Meinung nach an Ihnen besonders? Schreiben Sie die Begriffe, die Ihnen spontan einfallen, einmal auf.

SCHRITT 2:
Schreiben Sie nun die Namen von 5 Personen auf, die Sie sehr schätzen. Das können Menschen in Ihrem direkten Umfeld sein, Menschen in der Öffentlichkeit wie z. B. Politiker, Aktivisten o. ä. Es können aber genauso gut Menschen aus der Geschichte sein, die Sie bewundern oder für etwas schätzen. Lassen Sie nach jedem Namen ein wenig Platz.

Schreiben Sie nun unter jeden Namen die Eigenschaften, die Sie an der Person besonders schätzen. Was beeindruckt Sie? Was schätzen Sie? Was inspiriert Sie an diesen Personen? Denken Sie nicht lange darüber nach. Schreiben Sie spontan einzelne Wörter auf, die Ihr Empfinden wiedergeben.

SCHRITT 3:
Gehen Sie nun zu 3 Personen, die Sie in Schritt 1 aufgeschrieben haben und fragen Sie diese noch einmal direkt, was sie an Ihnen schätzen. Welche Qualitäten sind es, die Sie ausmachen.

SCHRITT 4:
Schauen Sie nun, was Sie in den Schritten 1-3 aufgeschrieben haben und halten Sie Ausschau nach wiederkehrenden Themen oder Ausdrücken, die besonders mit Ihnen in Resonanz gehen. Kreisen Sie die 4 bis 6 wichtigsten Wörter ein. Schreiben Sie diese anschließend auf ein neues Blatt Papier. Schauen Sie diese Wörter an und lassen Sie diese auf sich wirken.

Was Sie sehen, ist eine erste Auswahl Ihrer Hellen Prinzipien. Darum sind Sie hier. Doch Achtung, diese repräsentieren NICHT das, was SIE SIND. Darum geht es nicht. Wenn Sie zum Beispiel Begriffe haben wie Mut, Klarheit oder Liebe, dann geht es nicht darum, dass sich Ihr Ego derer bedient und sagt „Haha, schaut mal her, wie toll ich bin. Ich bin mutig und klar und….“  Die Vielfalt und Magie in Ihnen, die durch die hellen Prinzipien gespiegelt wird, ist das, was SIE IN DIE WELT TRAGEN. Die Prinzipien spiegeln das wider, was Sie den Menschen und der Welt zu geben haben. „Klarheit“ bedeutet also, dass die Menschen gerne mit Ihnen zusammen sind, weil Sie ihnen Klarheit geben können. Das Helle Prinzip „Führung“ würde bedeuten, dass die Menschen zu Ihnen kommen, weil Sie ihnen den Weg zeigen können und für Sie vorangehen. „Abenteuer“ würde nicht bedeuten, dass Sie abenteuerlustig und damit richtig cool sind, sondern dieses Prinzip steht z. B. dafür, dass die Menschen zu Ihnen kommen, weil Sie von Ihnen neue, inspirierende Ideen erhalten und aus dem Gewöhnlichen ausbrechen können.

Die Hellen Prinzipien repräsentieren die Vielfalt, die durch Sie hindurch blühen will. Deswegen sind Sie hier auf der Erde. Das ist das Geschenk, das Sie zu geben haben. Sie können sich sogar bewusst dafür entscheiden, diesen Hellen Prinzipien zu dienen. Doch seien Sie gewarnt, sobald Sie sich dafür entscheiden, verändern sich Dinge in Ihrem Leben.
Die Prinzipien können nur durch uns Menschen wirken, da sie selbst keine Hände, Füße oder Mund haben. Sobald Sie sich Ihren Hellen Prinzipien bewusst verpflichten, sind diese dankbar dafür. Das zeigt sich dann in der Form von neuen Aufgaben auf Ihrem Tisch und damit meine ich nicht nur auf Ihrem Schreibtisch in Ihrer aktuellen Firma. Es kann sein, dass Sie plötzlich Aufgaben bekommen, an die Sie noch gar nicht gedacht haben, die jedoch ein idealer Spielplatz für Ihre Hellen Prinzipien sind. Und es kann sogar sein, dass die Hellen Prinzipien Sie zu einer Tätigkeit führen, die nicht auf dem Formularblatt des Finanzamtes steht. Das Tolle ist, dass Sie diesen Hellen Prinzipien absolut vertrauen können. Sie brauchen die Dinge nicht mehr nur mit Ihrem Verstand herausfinden. Sie bedienen nicht mehr Ihr Ego, sondern Sie dienen den Hellen Prinzipien.

Wenn Sie an Ihre Hellen Prinzipien angedockt sind, sind Sie an die ursprüngliche Quelle angedockt und das ist pure Magie. Je mehr Sie dieser Quelle vertrauen, desto mehr werden die Hellen Prinzipien Sie bewegen und Sie in Richtung Ihrer Bestimmung führen. Sie werden vielleicht plötzlich Impulse spüren, Dinge zu tun oder zu sagen, auf die Ihr Verstand nicht gekommen wäre. Sie müssen einfach nur aus dem Weg gehen und den Impulsen vertrauen. Das bedarf eventuell ein wenig Übung und Arbeit, doch es lohnt sich.

Wenn Sie an Ihre Hellen Prinzipien angedockt sind, kann sich auch Ihre Wertevorstellung verändern. Sie müssen den gesellschaftlichen Neurosen der modernen Kultur, wie z. B. shoppen, nicht mehr nachgehen. Sie müssen nicht mehr im Außen suchen, um sich zu definieren, weil Sie das Juwel in sich tragen und nutzen. Alles Wissen, alle Fülle und Vielfalt liegt in Ihnen. Sie können aufhören im außen nach Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Geld, etc. zu suchen. Sie können aufhören, den materiellen Konsum zu unterstützen und mechanisch zu funktionieren, weil Ihr Arbeitgeber es verlangt.

Die Hellen Prinzipien halten viel spannendere und vor allem erfüllendere Aufgaben für Sie bereit, die das Gewöhnliche obsolet machen. An diese Quelle angedockt zu sein bedeutet, dass Sie etwas Größerem dienen als sich selbst (sprich als Ihrem Ego).

Und es sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, das die Hellen Prinzipien nur eine Seite der Medaille sind. Es ist mehr als hilfreich auch Ihre Schattenseite zu erkunden. Wenn Sie Ihre Schattenseite nicht kennen, wissen Sie nicht, welcher Mechanismus täglich versucht, Ihre Hellen Prinzipien zu untergraben, Ihr Leben zu manipulieren und Sie glauben zu machen, Sie müssten sich weiterhin anpassen, um anerkannt zu werden.. Doch darauf einzugehen, würde den Rahmen des Artikels sprengen.

Stellen Sie sich einmal vor, wie es wäre, wenn alle Menschen wieder an die Quelle ihrer Hellen Prinzipien angedockt wären; wie es wäre, wenn jeder Mensch sein Talent als Geschenk der Erde und der Menschheit zur Verfügung stellen würde; wie es wäre, wenn es keine frustrierten Mensch mehr gäbe, die stumpf einen Job machen, um Ihre Miete zahlen zu können, sondern Menschen, die absolut erfüllt sind, weil Sie Ihren Hellen Prinzipien dienen. Eine Illusion? Ich denke nicht. Sie haben mit dem obigen Experiment bereits den ersten Schritt gewagt und genau das zählt.  

Es ist übrigens auch möglich die Hellen Prinzipien von ganzen Organisation und Unternehmen zu destillieren. Es macht einen enormen Unterschied für die Mitarbeiter zu wissen, welche Hellen Prinzipien ein Unternehmen zusammen hält. Doch auch das wäre jetzt ein weiterer Artikel.

Für heute möchte ich Sie von Herzen ermutigen, Ihre persönlichen Hellen Prinzipien herauszufinden und sich Ihnen zu verpflichten, auch wenn Sie im ersten Moment nicht wissen, was das genau für Ihr Leben bedeutet. Die Welt hungert nach inspirierten Menschen, nach Menschen, die ihre Bestimmung in Aktion sind, nach Menschen, die an die Quelle der Hellen Prinzipien angedockt sind und voran gehen. SIE werden gebraucht. SIE haben ein Talent zu geben. Tragen Sie es in die Welt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von Ihnen mit einer etwas anderen Signatur. In Hellen Prinzipien gesprochen grüßt Sie heute von Herzen:

LIEBE, 
LEBENSFREUDE, 
WEISHEIT, 
MÖGLICHKEIT, 
KLARHEIT, 
ERMÄCHTIGUNG.


POTENZIALE LEBEN!
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Dienstag, 16. April 2013

Aufmerksamkeit & Präsenz - Die Basis für außergewöhnliche Beziehung.



Das Thema Beziehung scheint ein Dauerbrenner zu sein. Wen wundert’s, schließlich sind wir ständig in Beziehung, sei es mit unserem Partner, unseren Nachbarn, den Arbeitskollegen, oder Freunden. Zwischenmenschlicher Kontakt birgt per se ein großes Fettnäpfchen-Potenzial. Dabei sind es insbesondere die subtilen Gesten, Worte und Handlungen, die darüber entscheiden, ob eine Beziehung auf der gewöhnlichen Ebene stecken bleibt, oder die außergewöhnliche Ebene erreicht. Das betrifft die Beziehung zu ihrem Partner genauso wie zu Menschen, die Sie gerade erst kennengelernt haben.

Es gibt zahlreiche Aspekte, die miteinander verwoben sind und darüber entscheiden, ob Sie eine gewöhnliche oder eine außergewöhnliche Beziehung erschaffen. Lassen Sie uns heute einmal den Aspekt der Aufmerksamkeit und Präsenz im Detail betrachten.

Mit der Aufmerksamkeit fängt bereits alles an. Damit steht und fällt die Beziehungsebene, auf der Sie sich bewegen. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen mit Ihrem Partner im Restaurant an einem Tisch und freuen sich auf einen schönen, gemeinsamen Abend. Nun haben Restaurants die Eigenschaft, dass sich dort mehrere Leute tummeln und etwas los ist. Der Kellner rennt durch das Sichtfeld, dort vorne kommen neue Gäste, dort hinten fällt ein Glas um, jemand lacht laut auf, das Handy klingelt zwischendrin, etc. Die Versuchung, sich ablenken zu lassen, ist enorm groß. Doch der Grad Ihrer Aufmerksamkeit entscheidet darüber, welche Art von Kontakt mit Ihrem Partner überhaupt möglich ist und ob Sie ihn/sie zum König/zur Königin oder zum Schwein machen.

Wenn Sie im Beispiel des Restaurants die Aufmerksamkeit von Ihrem Gegenüber abziehen und Ihren Blick auf das Drumherum richten (und sei es nur einige Male kurz für 3 Sekunden), dann vermitteln Sie der anderen Person auf subtile Art und Weise, dass Sie nicht hier und jetzt präsent mit ihr/ihm sind, was sehr schnell den Eindruck hinterlässt, dass Sie nicht wirklich Interesse am anderen haben. Ich habe das neulich seit langem wieder einmal erlebt. Ich saß in einem Café und der Bekannte mir gegenüber hat ständig geschaut, was für Leute rein und raus gehen, was der Kellner macht oder was am Nachbartisch gerade passiert. Es war sozusagen neurotisches Zuhören par Excellence und ich hätte mich besser  mit einer Parkuhr unterhalten können. Kennen Sie solch eine Situation? Es war ganz subtil und doch hatte ich nach kurzer Zeit keine Lust mehr, das Gespräch fortzusetzen.

Experiment:
SCHRITT 1:
Wenn Sie sich das nächste Mal mit Ihrem Partner oder einer anderen Person unterhalten, achten Sie einmal darauf, ob die Person präsent ist oder gelegentlich in der Weltgeschichte umherschaut.  Falls letzteres der Fall ist, spüren Sie einmal bewusst hin, was das mit Ihnen macht. Im Falle des eigenen Partners ist das eventuell noch massiver spürbar, als wenn es nur eine Bekannte ist. Spüren Sie einmal bewusst den Schmerz, den es verursacht und machen Sie sich klar, welches Gefühl es ist, das in dem Moment aufkommt? Ist es Wut, weil Ihr Partner nicht bei der Sache ist? Ist es Traurigkeit, weil Sie gerne mehr in Kontakt wären? Oder ist es vielleicht Angst davor, dass der andere Sie nicht interessant finden könnte?

SCHRITT 2:
Beobachten Sie sich im nächsten Schritt selbst. Wann tendieren Sie dazu, wegzuschauen und aus dem Kontakt zu gehen? Wann, wie oft, mit wem und warum passiert es? Schauen Sie in der Gegend umher, weil das Gespräch langweilig ist, oder weil Sie gerade lieber etwas anderes machen möchten? Oder ist es einfach Ihre Überlebensstrategie, um intensiven Kontakt nicht zuzulassen und nicht wirklich gesehen zu werden? Haben Sie vielleicht noch zig andere Dinge im Kopf, die Sie erledigen müssen? Beginnen Sie einmal damit, diesen Aspekt zu beobachten. Machen Sie sich den unbewussten Mechanismus bewusst und lassen Sie sich von dem Schmerz treffen. Dadurch wird Veränderung möglich.

Verstehen Sie das bitte nicht falsch, es ist nicht gut und nicht schlecht, wenn Sie umherschauen und aus dem Kontakt gehen, es produziert einfach nur ganz bestimmte Ergebnisse. Das Ergebnis lautet in dem Fall, dass Sie nicht präsent im Hier und Jetzt mit Ihrem Gegenüber sind und Sie damit die Gelegenheit verpassen, außergewöhnliche Beziehung zu kreieren.

Es gibt Menschen, die meinen, der Partner müsse sich lediglich verändern und aufmerksamer sein, damit es ihnen besser geht. Viel Erfolg! Darauf warten Sie unter Umständen ein Leben lang. Es geht darum, dass Sie Ihre eigene Aufmerksamkeit schulen. Sie wünschen sich mehr Aufmerksamkeit von Ihrem Partner? Wie wäre es, wenn Sie beginnen, selbst aufmerksamer zu werden? In dem Maße, in dem Sie sich verändern, verändert sich auch Ihr Umfeld.

Aufmerksamkeit ist das A und O, wenn Sie außergewöhnliche Beziehung erschaffen wollen. Der ein oder andere mag jetzt sagen „Ja ist doch klar, dass man mal aufmerksam sein muss.“ Doch wenn es so klar ist, warum gibt es dann so viele Menschen, die sich nach einer anderen Art von Beziehung sehnen? Wenn es so klar ist, dass Aufmerksamkeit wichtig ist, warum laufen dann nicht lauter strahlende, blühende Frauen und Männer umher?

Liebe Männer, wenn Sie die Göttin in Ihrer Frau/Freundin zum Blühen bringen wollen, dann legen Sie 100% Ihrer Aufmerksamkeit auf sie, wenn Sie Zeit mit ihr verbringen. Sonst wird Ihnen dieses Geschenk verwehrt bleiben. Eine Frau kann sich nur voll entfalten, wenn der Raum für sie sicher genug ist. Wenn Sie wild umherschauen und gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt sind, ist der Raum nicht sicher. Es geht um die Qualität des Miteinanders, des Zusammenseins. Ihre Energie folgt Ihrer Aufmerksamkeit. Schauen Sie also, wo Ihre Energie und Aufmerksamkeit hingeht, zu ihrem Gegenüber, oder zu anderen Personen und Dingen?

Für Frauen gilt es umgekehrt gleichermaßen. Wenn Sie Ihren Mann zum König machen wollen, dann seien Sie aufmerksam und präsent im Hier und Jetzt mit ihm, so wie er gerade ist. 

Was machen Sie nun, wenn Sie eine andere Situation vorfinden, wenn Sie also z. B. jemand gegenüber haben, der alles andere als aufmerksam ist? Hier einige Möglichkeiten:

·       Wenn jemand offensichtlich gar nicht zuhört, dann können Sie Ihr kleines Monster nutzen (den Gremlin) und einfach mitten im Satz etwas völlig Schräges erzählen, z. B. „…und als ich von der Arbeit kam,… da schoss plötzlich dieses Krokodil um die Ecke und biss der Oma ins Bein. Das war vielleicht ein Getöse.“ Spätestens dann, ist Ihr Gegenüber vermutlich wieder bei Ihnen und schaut Sie mit großen Augen erstaunt an.

·       Sprechen Sie das Thema an. Wenn es Ihnen am Herzen liegt, außergewöhnliche Beziehung zu erschaffen, dann setzen Sie ein Metagespräch auf und bringen Sie genau das zur Sprache. Sie können durchaus mitten in der Unterhaltung sagen, dass Sie den Eindruck haben, dass die andere Person nicht zuhört. Wichtig ist, dass Sie bei sich bleiben, wenn Sie sprechen. Erzählen Sie wie es Ihnen damit geht, was Ihr Eindruck ist, wie Sie sich fühlen. Sagen Sie auch, was Sie sich wünschen (Das gilt besonders für die Frauen. Liebe Frauen, Männer können unsere Gedanken nicht lesen. Sie lieben vielmehr klare Gebrauchsanweisungen, also bitten Sie um das, was Sie brauchen und befreien Sie den Mann von Ihrer unausgesprochenen Erwartung, dass er es erraten muss).

·         Wenn alles nicht hilft, beenden Sie das Gespräch. Denn mal ehrlich, wenn jemand nicht bei der Sache ist, wieso wollen Sie dann Ihre kostbare Zeit mit einem oberflächlichen Gespräch verbringen? Doch Achtung, mit „Gespräch beenden“ ist nicht gemeint, dass Sie die Drama-Königin oder den Drama-König rausholen, getreu dem Motto „Du hörst mir überhaupt nicht zu“ und dann beleidigt abzischen. Wählen Sie Ihre Worte achtsam. Sagen Sie Ihrem Partner z. B. „Du, ich würde mich sehr gerne mit Dir austauschen und gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass Du nicht ganz bei der Sache bist. Wie wäre es, wenn wir später reden? Wann hättest Du Zeit für mich?“

Umgekehrt trifft das gleichermaßen zu. Wenn Sie merken, dass Sie gerade keine Lust und/oder Zeit haben, ein Gespräch zu führen, dann sagen Sie das Ihrem gegenüber. Oder wollen Sie sich halbherzig ein Ohr abkauen lassen, während Ihr Wutpegel steigt, weil Sie eigentlich etwas anderes machen möchten? Ehrlich, es bringt niemanden weiter, weder Sie noch den anderen, wenn es gerade nicht die richtige Zeit ist, zu sprechen.

Timing ist wirklich alles. Zum Beispiel sind Männer vom Denken her nicht nur anders gestrickt, sondern sie haben auch eine geringere Wortkapazität pro Tag zur Verfügung als Frauen (4000 Wörter im Gegensatz zu weiblichen 8000). Fragen Sie Ihren Partner also lieber, wann es ihm passt, zu sprechen, anstatt einfach loszuplappern. Denn wenn er seine Anzahl Wörter schon verbraucht hat, oder gerade noch seine Firmen-Präsentation für morgen fertigstellen möchte, dann ist es einfach nicht der richtige Moment, um zu reden. Sie können spüren, ob es stimmig ist, ein Gespräch zu führen, oder nicht. Entwickeln Sie auch hier Ihre Aufmerksamkeit, um die feinen Nuancen wahrzunehmen.

(Zur weiteren Unterscheidung von Männer- und Frauengehirnen lade ich Sie ein, sich das kurze, aussagekräftige und gleichzeitig sensationelle Youtube Video von Marc Gungor anzuschauen: http://www.youtube.com/watch?v=ulP6f9zXtTs).


Aufmerksamkeit versus Retten
Mangelnde Aufmerksamkeit birgt ein enormes Potenzial für Groll. Doch jeder einzelne Grollpunkt, den Sie gegen den anderen sammeln, verhindert und zerstört Nähe, Intimität und Vertrautheit. Außergewöhnliche Beziehung zu kreieren erfordert permanente Arbeit und Achtsamkeit. Es ist nicht damit getan, dass Sie einmal aufmerksam waren. Aufmerksamkeit hat nichts damit zu tun, dass Sie Ihrer Frau einmal im Quartal Blumen kaufen und es damit gut ist.

Und Achtung: Aufmerksamkeit hat erst recht nichts damit zu tun, dass Sie alles für den anderen tun und ihn pempern und betüteln. Ich war neulich auf einer Veranstaltung, wo eine Person meinte, sie wäre besonders zuvorkommend und aufmerksam, indem sie mir ungefragt Wasser einschenkt, einen Kaffee bringt und mir einen Teller mit Essen reicht. Was soll ich sagen, ich bin fast durchgedreht. Diese Person hat permanent versucht, mich zu retten und zu manipulieren, weil sie die ungeprüfte Annahme hatte, dass ich doch die gleichen Dinge zur gleichen Zeit mögen muss, wie sie. Dabei wollte ich weder Kaffe, noch Wasser, noch sonst etwas. Die aufsteigenden 5% Wut habe ich genutzt, um eine klare Grenze zu setzen.

Aufmerksamkeit und Retten sind zwei völlig unterschiedliche Dinge! Aufmerksamkeit bedeutet, dass Sie mit Ihrer Präsenz, mit Ihrer ganzen Energie voll bei der anderen Person sind. Sie SIND mit ihr. Sie genießen die Gesellschaft und den Kontakt. Sie verpflichten sich in dem Moment der Person gegenüber (nicht dem Nachbarn, nicht dem Kellner, nicht dem Fernseher, dem Handy oder der Zeitung und auch nicht Ihrem Hund).

Retten hingegen ist sogenanntes niederes Drama, mit dem sie der anderen Person den Eindruck vermitteln, dass die andere Person – flapsig ausgedrückt – es nicht auf die Reihe kriegt und Sie besser wissen, was für sie gut ist. Sie geben in dem Moment komplett Ihr Zentrum und Ihre Autorität an die andere Person ab. Wenn Sie aufmerksam sein wollen und z. B. sehen, dass Ihr Partner nichts mehr zu trinken hat, dann fragen Sie ihn, ob er/sie noch etwas trinken möchte und stellen Sie es ihm/ihr nicht einfach vor die Nase.

Wenn Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit voll und ganz bei dem anderen sind, geht es auch nicht darum, seine/ihre unerfüllten Kindheitsbedürfnisse zu erfüllen bzw. Ihren Partner dahingehend zu manipulieren, dass er Ihr Aufmerksamkeits-Loch füllt. Lassen Sie dieses Loch in die Vergangenheit driften. Sie haben in der Vergangenheit nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit bekommen? Okay. Das ist so und es ist vorbei. Wenn Sie letzte Woche unglaublich Durst hatten und sich heute noch an dieses Durstgefühl erinnern können, hilft es dann, wenn Sie heute einen Liter Wasser trinken, um den Durst von letzter Woche zu löschen? Nein. Also können Sie endlich aufhören, Ihren Partner dafür verantwortlich zu machen, Löcher aus der Vergangenheit stopfen zu müssen.

Bei dem erschaffen von außergewöhnlicher Beziehung ist die Absicht von Aufmerksamkeit nicht die, alte Löcher zu stopfen. Es geht darum, sich dem Zusammensein mit der anderen Person zu verpflichten. Diese Art Aufmerksamkeit ist nährend und erfüllend. Sie können den Unterschied spüren. Die Nähe und Vertrautheit, die durch diese Art Aufmerksamkeit entsteht, kann intensiv sein. Wenn Ihr Gegenüber voll präsent und aufmerksam bei Ihnen und mit Ihnen ist, kann das sogar unglaublich intensiv sein. Versuchen Sie es auszuhalten. Wenn es sehr intensiv wird, atmen Sie einfach weiter. Gehen Sie nicht aus dem Kontakt, indem Sie zum Smartphone greifen, ein Witzchen machen oder irgendeinen lapidaren Spruch loslassen. Versuchen Sie langsam Ihren Intensitätslevel zu erhöhen und durch die Aufmerksamkeit, die Ihnen entgegengebracht wird bzw. die Sie entgegenbringen, den Grad an Nähe und Vertrautheit zu erhöhen. Es lohnt sich.

Herzliche, aufmerksame Grüße,
Ihre Nicola Nagel



Wenn Sie zum Thema Aufmerksamkeit und außergewöhnliche Beziehung erfahren möchten, empfehle ich Ihnen als Buch-Tipp: „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.


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Sonntag, 17. März 2013

Welche Geschichte erzählen Sie? - Über die Kraft des Wählens.



Heute möchte ich direkt mit der Tür ins Haus fallen und Ihnen eine Frage stellen. Sie lautet: „Welche Geschichte wählen Sie im Leben?“ Wählen ist eine mächtige Kraft, die oft unterschätzt wird und derer sich viele Menschen nicht bewusst sind. Dabei können Sie in jedem Moment wählen, wie Ihr Leben verläuft, JETZT…und JETZT…und JETZT. Sie haben in der Hand, welche Geschichte Sie in jedem Moment über die verschiedenen Begebenheiten und Menschen in Ihrem Leben erzählen. Damit bestimmen Sie, welche Energie Sie aussenden und damit auch auf Sie zurück kommt und sich in Ihrem Leben manifestiert.

Lassen Sie mich dazu eine Anekdote erzählen:
Neulich gab ich mit einer Kollegin gemeinsam ein 3-tägiges Training in einem Seminarhaus in der Schweiz. Am zweiten Abend, nach einer intensiven Übung, bei der es genau um die Frage ging, welche Geschichte die Teilnehmer im Leben wählen, erzählten wir die Geschichte von dem Piloten, der die Passagiere nie sieht und nur durch das Mikro die Ansage macht „Lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich und genießen Sie den Flug.“ Und er weiß nur um die Black Box. Wussten Sie, dass in 90% der Fälle die letzten Worte auf einer Black Box „Oh Shit!“ sind? Nun denn, das ist besonders übel für Piloten, die aus einem Kulturkreis kommen, der sagt, dass Sie im nächsten Leben das werden, was Sie zuletzt gesagt haben. Wie dem auch sei, nach dieser Übung und der Pilotengeschichte gingen wir in unser Zimmer. Auf dem Weg dorthin kam uns eine Frau entgegen und sagte „Die Toilette im Gang ist verstopft, die kann man nicht benutzen.“ Das hat uns im ersten Moment zunächst nicht interessiert, da wir ein Zimmer mit eigenem Bad und WC hatten. Wir betraten das Zimmer und mir wurde in dem Moment bewusst, dass unser Bad an das WC auf dem Gang grenzt. Also ging ich ins Badezimmer, um zu prüfen, ob unsere Toilette irgendwelche Anzeichen von Verstopfung aufwies. Das war nicht der Fall, doch der Geruch im Bad löste trotzdem eine gewisse Übelkeit in mir aus. Als ich mich zur Duschkabine umdrehte, war klar warum. Und jetzt entschuldigen Sie bitte die rüde Ausdrucksweise, aber die Scheiße aus der verstopften Toilette im Gang war bei uns durch den Abfluss in der Duschwanne gelandet. Das sah recht ekelhaft aus. Was dann folgte, war sehr interessant und fast Comedy-reif.

Meine Kollegin und ich hatten die Wahl, welche Geschichte wir in dem Moment erzählen. Variante 1 wäre gewesen, wir beide in die schlechte Laune gekippt wären und ein niederes Drama inszeniert hätten. Das hätte ungefähr so klingen können: „So ein Mist. Das ist ja absolut ekelhaft. Wir werden uns beschweren. Das ist ja eine Zumutung. Wo sind wir denn hier gelandet. Wir verlangen sofort ein anderes Zimmer. Das geht ja gar nicht….etc.“ Wir hätten wirklich die ganze Litanei an Drama abziehen können. Wir hätten die Opfer der Umstände sein können, die armen Frauen, die jetzt diesen Gestank aushalten mussten.
Wir hätten die Seminarhausleitung angreifen und beschuldigen können, das dies ja absolut unmögliche Zustände seien. Es wäre ein leichtes gewesen, diese Situation zum Anlass zu nehmen, „aufzudrehen“, Beschimpfungen und Beschwerden loszuwerden, Recht zu haben, andere ins Unrecht zu setzen, etc. Wir hätten eine hieb- und stichfeste Täter-Opfer-Geschichte erzählen können in der Hoffnung, dass uns letztendlich ein Hausmeister rettet und die Misere in Ordnung bringt.

Wir wählten jedoch beide unabhängig voneinander einen anderen Modus, nämlich den verantwortlichen Modus, der Humor erlaubte. Das sah dann so aus: Vor der ekeligen Duschkabine erinnerte ich mich an die zuvor im Trainingsraum erzählte Piloten-Pointe und sagte zu dem braunen Desaster in der Dusche „Lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich und genießen Sie den Flug.“ Als nächstes traten meine Kollegin und ich direkt in Aktion. Wir gingen aus dem Zimmer und suchten etwas, um den Abfluss in Gang zu bringen. In einer Abstellkammer auf dem Flur fanden wir zwei Gummi-Pömpel. Meine Kollegin ging also in unsere Dusche, ich in die Toilette auf dem Gang und gleichzeitig legten wir mit diesen Dingern los. Das war ein Bild für Götter und wir lachten uns kaputt. Resultat: Wir hatten noch mehr braune Brühe in der Dusche als vorher, was unser Gelächter noch verstärkte. Auch das gefundene Rohrfrei-Granulat half nicht. Es gelang uns, zwischendrin eine Dame vom Seminarhaus per Handy zu erreichen und Bescheid zu geben, dass die Rohrleitungen verstopft waren. Das löste jedoch unser Problem nicht. Es war nach  Mitternacht und es war klar, dass unser Bad so schnell nicht wieder begehbar war, geschweige denn noch ein anderes Zimmer frei war. Was nun?

Wir verschlossen die Duschkabine, räumten unsere Sachen aus dem Bad und schlossen die kleine Glas-Schiebtür. Als nächstes überlegten wir, wie wir dem Geruch im Zimmer Herr werden konnten. 1. Schritt: lüften. 2. Schritt: wir bauen aus zwei Schälchen eine Duftlampe. Auf der Suche nach Streichhölzern, fand meine Kollegin dann im Flur doch tatsächlich auf einem Fenstersims eine echte Duftlampe. Duftöl fand sich ein paar Meter weiter und Streichhölzer auch. Also tränkten wir das Zimmer mit Lemon-Gras Duft, was ziemlich gut funktionierte. So konnten wir zumindest schlafen. Und was soll ich sagen, wir haben bei dieser Aktion und der Suche nach Möglichkeiten 1,5 Stunden Tränen gelacht und hatten einen Heiden-Spaß.

Und die Moral von der Geschichte? Die Moral ist, dass Sie immer die Wahl haben, welche Geschichte Sie erzählen und dass Sie damit Ihr Leben massiv beeinflussen. Sie können für jede Geschichte, die Sie wählen, Beweise finden. Lassen Sie uns dazu einmal ein Experiment machen.


Experiment 1: Welche Geschichte erzählen Sie?
Schauen Sie einmal bewusst auf Ihr Leben. Welche Geschichte erzählen Sie über verschiedene Menschen und Situationen gerade? Welche Geschichte erzählen Sie über den Nachbarn, der schon wieder lauthals singt und Ihre Nachtruhe stört? Welche Geschichte erzählen Sie über Ihren Partner, der gerade mal wieder den Toiletten-Deckel nicht geschlossen hat oder seine Socken auf dem Boden liegen lässt? Welche Interpretation lassen Sie sich gerade über die Person einfallen, die vor Ihnen ohne zu blinken mit dem Auto aus der Parklücke auf die Straße fährt? Und wie ist es mit dem jähzornigen Chef, der Ihnen immer mehr Arbeit auf den Tisch legt? Welche Geschichte erzählen Sie?

Wählen Sie einmal bewusst 3 Situationen aus, von denen Sie sagen würden,  jemand anderes muss sich ändern, damit es Ihnen besser geht. Oder die Umstände müssten sich ändern, damit es Ihnen besser geht, Ihnen der Job wieder Spaß macht, oder Sie in Ihrer Partnerschaft glücklicher wären. Schreiben Sie diese Situationen auf ein Blatt Papier.

Spüren Sie dabei einmal in sich hinein, was mit Ihrer Energie passiert, wenn Sie Beweise finden, dass die anderen es nicht auf die Reihe kriegen, oder Sie schikanieren. Schreiben Sie auch diese Empfindungen auf.  Wie fühlen Sie sich? Vielleicht fühlen Sie sich traurig, Ihre Energie geht flöten und Ihr ganzer Körper wird schwer. Vielleicht spüren Sie auch, dass ein Kampfmodus anspringt und Sie sofort zig Beweise finden, warum Sie Recht haben.


Experiment 2: Wählen Sie eine neue Geschichte
Die Herausforderung besteht nun darin, dass Sie jeweils eine neue Geschichte wählen und verantwortlich in Aktion treten. Wenn der jähzornige Chef Ihnen also immer mehr Arbeit auf den Tisch knallt, könnten Sie z. B. die verantwortliche Geschichte so erzählen: „Ich habe diesen Job gewählt und damit auch den Chef. Also kann ich jetzt Verantwortung übernehmen und lernen, meinem Chef eine Grenze zu setzen und ihm zu sagen, dass mein Arbeitspensum voll ist.

Oder wenn Ihr Partner Sie gerade wieder nervt, weil er die Socken rumfliegen lässt, dann wählen Sie doch einmal eine Geschichte, in der Sie ihn/sie für seine/ihre Seins-Eigenschaften wertschätzen. Was schätzen Sie an ihm/ihr? Warum haben Sie ihn/sie als Partner gewählt?

Gehen Sie das einmal für jede der 3 Situationen durch. Sie können wirklich für jede Geschichte Beweise finden. Sie haben die Wahl, ob Sie Groll aufbauen bzw. das arme Opfer sind, oder ob Sie verantwortlich agieren.

Den neuen, lauthals singenden Nachbarn habe ich zum Beispiel direkt nebenan wohnen. Er singt jedoch nicht tagsüber, sondern bevorzugt nach 23 Uhr. In dem hellhörigen Haus hört sich das an, als würde er mir direkt ins Ohr singen. Die Opfergeschichte würde so lauten: „So ein Idiot. Hat keinen Respekt und nimmt noch nicht einmal Rücksicht auf die Nachbarn. Hallo… ich würde gerne schlafen. Kann der vielleicht seine Klappe halten….?“ Etc., etc., etc.  Spüren Sie da mal hinein. Merken Sie, wie schnell sich Ihr Verstand in diese Geschichte einklinkt und Sie mit dieser Geschichte in einen klebrigen Sumpf aus Groll und Unmut gelangen?

Die neue Geschichte über meinen Nachbarn lautet so: „Er ist ein sehr musikalischer Mensch und liebt es, zu singen. Ich schätze seine Musikalität, Kreativität und Lebensfreude. Und vielleicht ist es ihm gar nicht bewusst, dass das Haus so hellhörig ist.“ Spüren Sie wieder, wie die Energie sich in Ihnen verändert?

Mit dieser neuen Geschichte konnte ich neulich übrigens auf meinen Nachbarn zugehen, ihn für seine Musikalität wertschätzen und ihn bitten, nachts etwas leiser zu singen, was er seitdem gerne tut. Es war ihm in der Tat nicht bewusst, dass sein Gesang durch das ganze Haus schallte.

Welche Geschichte wählen Sie in Ihrem Leben in jeder Situation? JETZT … und JETZT… und JETZT?
Alles, was passiert, ist neutral. Es ist, wie es ist. Nur das. Etwas passiert. Punkt. Doch wir sind mit unserem brillanten Verstand unglaublich kreative Geschichtenmacher und erfinden ständig Geschichten über alle Begebenheiten und Menschen, denen wir im Leben begegnen.

Der Spruch „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus“ entspricht genau dem. Wenn Sie vorziehen, Drama-Geschichten über alles und jeden in Ihrem Leben zu erzählen (und wenn Sie es nur innerlich für sich tun) und ständig Gründe finden, warum etwas nicht geht, schlecht ist, sowieso wieder schief geht oder Sie gar nichts tun können, dann werden Sie genau das in Ihrem Leben vorfinden. Wir sind, was wir denken. Gedanken sind wie energetische Informationen, die wir kontinuierlich in das Universum hinaus schicken. Das universelle Feld kann jedoch nicht anders, als auf das zu reagieren, was wir aussenden. Es empfängt sozusagen unsere Impulse. Unsere Gedanken sind wie elektromagnetische, unsichtbare Wellen, die in das morphogenetische Feld ausgesandt werden.

Es ist somit hilfreich, auf Ihre Gedanken zu achten. Wir haben das nicht wirklich gelernt, sodass es möglich ist, dass die Medien, die Presse und die Politiker die Gesellschaft mit Angst, Hass und Drama-Geschichten füttern. Kennen den Song von den Ärzten „Lass reden“? Dort heißt es in einem Satz über eine populäre Deutsche Zeitung“… und wer wisse das nicht, sie besteht aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.“  Und genau darum geht es. Die Medien manipulieren die Gesellschaft dahin gehend, dass Gedanken über Angst, Hass, Gewalt, Opfer-Täter-Retter-Mechanismen und Probleme genährt werden. Das geschieht auf sehr subtiler Ebene.

Das Entscheidende ist, dass sowohl unsere bewussten als auch unbewussten Gedanken in das universelle Feld rausgehen und sich manifestieren. Wenn Sie also täglich die Katastrophen-Berichte in den Zeitungen und Nachrichten aufnehmen und Krimis und Mordserien im Fernsehen anschauen, speichern Ihre Nervenzellen das und Sie senden diese Eindrücke letztendlich wieder ins universelle Feld aus. (Machen Sie aus Spaß einmal das Experiment, 2 Wochen komplett auf Fernsehen und Zeitung zu verzichten und schauen Sie einmal, wie sich Ihr kompletter Körper entspannt, Sie anders schlafen und sich Ihr Wohlbefinden insgesamt verändert).

Sie können wieder lernen, auf Ihre Gedanken zu achten und bewusst wahrzunehmen, welche Geschichten in Ihrem Leben wirken. Welche Geschichte erzählen Sie? Welche Geschichten denken Sie sich jeden Tag, jede Minute mit Ihrem schlauen Verstand aus?  Ihr Nachbar ist nur Ihr Nachbar und der singt vielleicht. Punkt. Das ist das, was ist. Welche Geschichte wählen Sie? Eine Drama-Geschichte oder eine verantwortliche Geschichte?

Jede Geschichte hat eine Absicht. Die Absicht kann entweder verantwortlich oder unverantwortlich sein. Und verstehen Sie das bitte nicht falsch, keine ist gut oder schlecht. Sie produzieren lediglich völlig unterschiedliche Ergebnisse. Die Ergebnisse, die Sie in Ihrem Leben in unterschiedlichen Bereichen vorfinden, geben Ihnen also direkt Auskunft darüber, welche Geschichte Sie in Ihrem Leben mir Vorliebe erzählen.

Sind Sie zum Beispiel total gestresst, weil Sie einen Job haben, sich auch noch um die Schwiegermutter kümmern müssen und keine Zeit mehr für sich haben? Tolle Opfergeschichte! Erzählen Sie die verantwortliche Variante. Entscheiden Sie sich und wählen Sie etwas anderes. Wer hat den Job angenommen? (Sie!) Wer hat gewählt den Mann/die Frau an Ihrer Seite zu heiraten und damit die Schwiegermutter? (Sie!) Wer könnte sich dafür entscheiden, wieder etwas für sich selbst zu tun? (Sie!) Sie merken schon, Sie kommen aus der Nummer nicht raus. So schmerzhaft das Realisieren vielleicht ist, letztendlich sind Sie selbst für alles verantwortlich. Lassen Sie sich von diesem Schmerz treffen und verändern.

Entscheiden Sie sich, ab sofort mit Bedacht zu wählen, welche Geschichte Sie erzählen. Erzählen Sie eine Geschichte, die auf Verantwortung, Fülle, Liebe und Leichtigkeit basiert? Eine Geschichte, in der alle gewinnen, Nähe und Vertrautheit zwischen Menschen möglich ist und die sogenannten hellen Prinzipien dient, wie z. B. Gemeinschaft, Liebe, Lebensfreude, Integrität, Klarheit, Schönheit, Kreativität, Achtsamkeit, Güte, Authentizität, Verbundenheit, Ermächtigung und Möglichkeit?

Oder wählen Sie eine Geschichte, die auf Mangel und Wettkampf beruht? Eine Geschichte, in der das Spiel heißt „Ich gewinne, Du verlierst“, in der es nicht genug Liebe, genug Anerkennung oder genug Geld gibt und sogenannte Schattenprinzipien wie z. B. Groll, Hass, Rache, Besserwisserei, Trennung, Rechthaberei, Macht und Zerstörung vorherrschen?

Welche Geschichte wählen Sie, jetzt und in jedem weiteren Moment? Sie haben die Wahl. Das Wählen ist deshalb so kraftvoll, weil Sie jederzeit und vor allem OHNE GRUND wählen können. Sie entscheiden. Sie können sich dafür entscheiden, ab sofort keine unverantwortlichen Drama-Geschichten mehr zu erzählen, denn mal ehrlich, das einzige, was Sie dadurch erreichen ist, dass Sie älter werden und graue Haare kriegen. Sie können einfach etwas anderes wählen, ohne Grund. Dann liegt die wahre Kraft bei Ihnen. Sie können jetzt wählen, verantwortliche Geschichten zu erzählen und zu staunen, wie sich Ihr Leben dadurch auf magische Weise verändert.

Sie kennen ja den Satz: „Alle sagten es geht nicht. Bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.“ Sie können wählen. Sie können neue Geschichten wählen und damit eine neue Realität kreieren, jetzt und ohne Grund.

In diesem Sinne herzliche Grüße,

Ihre Nicola Nagel