Dienstag, 12. Februar 2013

Auf der Suche nach dem Glück - Folgen Sie dem Fluss!



Wann haben Sie das letzte Mal an einem Fluss gesessen und einfach nur das Wasser angeschaut? Kürzlich saß ich an einem Bach in den Bergen und dachte, dass die Natur ja schon sagenhaft ist. Sie zeigt uns nämlich genau den Reichtum und die Vielfalt, die in uns stecken und die Leichtigkeit, mit der wir zielsicher durch das Leben navigieren und unserem roten Lebensfaden folgen können. Doch wo lernen wir diese Dinge? Es gibt kein Fach „Lebensfluss“ oder „Glücklich leben“ in der Schule.

Viele meinen, das Ziel im Leben sei es, Glück zu finden oder glücklich zu sein. Aber was ist Glück? Viele Menschen verknüpfen Glück mit einem Zustand von Harmonie, Frieden und Freude, während andere Menschen wiederum Glück an dem Besitz materieller Dinge festmachen. Getreu dem Motto „wenn ich erst dies und das erreicht habe, ja dann bin ich glücklich.“ Die Krux ist nur, dass Sie mit dieser Haltung das Glück in Ihrem Leben auf ein Podest stellen und es womöglich verpassen. Denn dann können Sie nur glücklich sein, wenn alles genau so eintrifft, wie sie es logisch definiert haben. Sobald es auch nur die geringste Abweichung gibt, sind Sie nicht mehr glücklich. Sie machen Ihr Glück also an Konzepten fest, die Ihnen Ihr schlauer Verstand vorgibt.

Glück ist jedoch nicht das Ziel. Glück ist der Weg. Glück ist eine Entscheidung. Um es mit den Worten von Lee Lozowick einmal zu sagen „Glück kommt von der Wahl dessen, was ist“. Glück ist eigentlich der Grundzustand der Menschen, doch durch bewusste und unbewusste Denk- und Verhaltensmuster legen wir uns selbst Steine in den Weg. Wir begrenzen uns selbst durch Zweifel, Negativität und alte, blockierende Entscheidungen, die wir in uns tragen. Schauen Sie einmal auf Ihr Leben. Für was haben Sie sich entschieden? Haben Sie sich für Glück entschieden? Oder haben Sie sich für Schwierigkeiten und Dramen entschieden? Sie brauchen nur Ihr Leben anschauen und haben sofort die Antwort.

Lassen Sie uns einmal zu dem Fluss-Beispiel zurückkehren und schauen, was das bedeutet. Mit der Geburt besteigt jeder ein Boot auf dem Fluss des Lebens. Als Zubehör gibt es lediglich ein Ruder, das dazu da ist, in möglichen Untiefen zu navigieren oder Felsen zu umschiffen. Ansonsten werden Sie nur vom Fluss getragen. 

Dem Fluss zu folgen ist eigentlich sehr einfach, denn mit der Strömung zu treiben ist natürlich, leicht, stimmig, ungezwungen und unkompliziert. Der Fluss ist auch so angelegt, dass es immer wieder Stellen gibt, an denen wir unser Geschick und Können unter Beweis stellen müssen. Vielleicht gibt es Stromschnellen oder Felsen im Wasser. Die Schwierigkeit liegt jedoch vor allem darin, dass am Ufer so viele Dinge und Menschen sind, die versuchen, uns abzulenken und unseren Kurs zu manipulieren, sodass wir sehr leicht von selbigem abkommen können.

Vor ca. 1,5 Jahren lernte ich eine Frau kennen, mit der ich einen interessanten Austausch hatte. Wir kamen auf den Lebensfluss zu sprechen. Als ich ihr erzählte, dass ich meine Berufung als Trainerin lebe, sagte sie „Toll, ich würde auch gerne meine Berufung leben.“ Ich fragte sie, was ihre Berufung sei und sie antwortete, dass sie begeistert sei von Feng Shui, gerne Feng Shui Beraterin wäre und dazu auch schon eine Ausbildung gemacht hätte. Sie würde gerne Firmen und Privatpersonen darin unterstützen, den Energiefluss in Räumen optimal zum Fließen zu bringen. Sie hätten Sie sehen sollen. Sie strahlte und war in dem Moment eine völlig andere Person. Ich fragte sie, wann sie damit anfangen wolle, doch sie wusste es nicht genau. Da ich ihr Potenzial sah, schlug ich ihr ad hoc vor, die darauf folgende Woche bei mir in der Wohnung anzufangen. Gesagt getan. Sie kam, stellte mir Fragen, schaute meine Wohnung an, bestimmte die Himmelsrichtungen etc. Dann wollte sie eine Ausarbeitung machen und mir diese zukommen lassen. Doch sie brach den Kontakt ab.

Letzte Woche erhielt ich überraschend eine E-Mail von eben dieser Frau. Sie schrieb, sie sei zunächst so euphorisch gewesen, doch dann habe sie es sich leider wieder nicht zugetraut, die Kenntnisse ihrer Ausbildung einzusetzen und möglicherweise durch ihre Hinweise falsche Dinge in Gang zu bringen. Ich war traurig, als ich das las. Nicht, weil meine Feng Shui Beratung flöten gegangen war. Nein, ich war traurig, weil diese Frau sich von Ängsten, Sorgen, Stimmen, die vermutlich nicht einmal ihre eigenen sind (z. B. „Du kannst das nicht. Das ist viel zu riskant.“) abhielten lies, auf Kurs ihres Flusses zu bleiben. Der Lebensfluss hatte sie bereits zur Feng Shui Ausbildung gebracht, doch jetzt hatte sie Angst, die Fahrt fortzusetzen.

Stellen Sie sich vor, sie stehen am Ufer und sehen Ihr Boot vor sich im Wasser liegen. Sie wissen, es ist Ihr Boot. Sie müssen eigentlich nur einsteigen und sich mit dem Ruder vom Ufer abstoßen und los geht‘s. Nun steigen Sie also ein und merken, dass es womöglich wackelig ist. Sie kennen das vielleicht: wenn man einen Fuß in so eine Nuss-Schale setzt, dann wackelt der kleine Kahn erst einmal hin und her, bis man sein Gleichgewicht gefunden hat und sicher sitzt. Diese Frau hat also den Fuß in das Boot gesetzt und bei den ersten schunkelnden Auswirkungen gleich wieder einen Rückzieher gemacht.

Sie ist nur ein Beispiel dafür, was vielen Menschen passiert. Es passiert jedem von uns fast täglich, bei unterschiedlichsten großen und kleinen Dingen. Wir tun etwas nicht, das vielleicht spannend, lustig oder begeisternd wäre, weil wir Angst haben, zu versagen oder einen Fehler zu machen. Wir meinen, wir müssen erst stundenlang oder wochenlang Pläne machen und alle möglichen Risiken abprüfen, bevor wir einen Schritt tun können. Wie viele goldene Möglichkeiten haben Sie im Leben dadurch schon verpasst? Warum ist es immer wieder so schwierig den Schritt ins Boot zu schaffen?

Wenn wir in unser Boot einsteigen, dann begeben wir uns auf eine Wildwasserfahrt. Sind Sie schon einmal mit einem Kanu über Wildwasser gefahren, oder waren Sie einmal beim Rafting? Ich empfehle Ihnen, so etwas einmal zu machen. Auch Surfen oder Skifahren kommen dem, was ich beschreiben möchte, einigermaßen nahe. In dem Moment, wo Sie Ihr Boot besteigen, sind Sie „in Kontrolle außer Kontrolle“. Wie bitte? Was soll das denn heißen?

Nun, wenn Sie sich auf eine Wildwasserfahrt begeben, können Sie vielleicht das Boot ein wenig navigieren, in dem Sie das Ruder mal links und mal rechts raushalten. Wirklich kontrollieren können Sie die Fahrt aber nicht mehr. Wenn Sie im Boot sitzend Ihrem persönlichen Fluss folgen und sich ganz darauf einlassen, dann nehmen Sie in null-komma-nichts mächtig Fahrt auf und schwupps ist es vorbei mit der Kontrolle. Das kann gehörig Angst machen, denn viele Menschen lieben doch gerade die Kontrolle und Sicherheit. Der Witz ist jedoch, dass sich Ihre Normalität anpasst, wenn Sie sich erst einmal auf das Boot und den Fluss eingelassen haben. Das bedeutet, dass es nur der erste Moment ist, in dem Sie Angst haben. Sobald Sie erst einmal eine Weile im wackeligen Boot gesessen haben, wird es für Sie ganz normal. Waren Sie schon einmal eine Stunde oder länger auf einem Boot und sind dann wieder an Land gegangen? Was ist da passiert? Richtig, Sie betraten das Ufer und sind erst einmal geschwankt, weil Ihr ganzer Körper noch auf die Wasserbewegung ausgerichtet war. Und Angst ist nur Angst, eine großartige Kraft, die uns hilft in Unbekanntes Gebiet zu gehen (Siehe auch Artikel „2011-06-14_Die Angst vor der Angst“).

Doch stellen Sie sich vor, Sie besteigen nun Ihr Boot und folgen also dem Fluss. Was ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann? Richtig, Sie könnten kentern. Wohlgemerkt „könnten“. Sie „könnten“ jedoch auch morgen auf der Straße von einem Auto überfahren werden, ohne jemals Ihrem Fluss gefolgt zu sein. Blöde Vorstellung, oder?

Wirklich, das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, wenn Sie Ihrem Fluss folgen, ist, dass Sie vielleicht in einer Stromschnelle oder an einem Felsen kentern. Und? Dann ist das in dem Moment einfach ein direktes Feedback für Sie, dass das letzte Manöver nicht funktioniert hat. Dann heißt das Motto: aus dem Wasser wieder auftauchen, Boot umdrehen, weiterfahren und das nächste Mal etwas Neues ausprobieren. Oder würden Sie deswegen nie wieder in ein Boot steigen? Haben Sie beim Skilaufen einmal einen Huckel übersehen, sind gestürzt und deswegen nie wieder Ski gelaufen?

Der Witz ist, Sie werden auf Ihrer Wildwasserfahrt auf jeden Fall an Stromschnellen vorbei kommen. Sie werden sogar Wasserfälle mit Ihrem Kahn hinunterstürzen. Doch genau das sind die Momente, in denen Sie sich weiterentwickeln und auf die nächste Ebene kommen, anstatt immer im gleichen Sumpf stecken zu bleiben. Dafür sorgt das Universum, das auf Evolution ausgerichtet ist. Deswegen heißt es ja auch „Wild“-Wasser. Es geht wild und lebendig zu. Der Lebensfluss ist kein stehender Baggersee.

Wenn Sie sich übrigens gar nicht erst vom Ufer ins Boot bewegen, wird das Universum den Hammer rausholen, damit Sie sich endlich auf Ihrem Fluss bewegen. Z. B. brennt Ihr Haus ab, Sie haben einen Unfall, sie verlieren Ihren Job, oder irgendetwas geht mächtig in die Hose, damit Sie aufwachen. Falls Sie etwas in dieser Art gerade erleben, schauen Sie einmal direkt bei sich, anstatt das Opfer der Umstände zu sein. Was soll Ihnen diese Situation zeigen? Hier ein Beispiel: ein enger Freund von mir hatte neulich aus heiterem Himmel eine Fußverletzung konnte nicht mehr auftreten und sich somit nicht fortbewegen. Es ging sprichwörtlich nicht mehr. Die interessante Frage war in dem Moment „was geht in seinem Leben gerade nicht mehr. Wo geht es nicht mehr vorwärts.“ Die Antwort kam ziemlich prompt „Im Job. Der geht einfach nicht mehr. Ich muss etwas anderes machen.“ So „geht“ es nicht mehr weiter.

Es lohnt sich also, direkt in Ihr Boot zu steigen, anstatt überraschend die Keule vom Universum zu kriegen. Bei der Feng Shui Beraterin könnte das z. B. wie folgt aussehen: sie steigt in ihr Boot, hat erst einmal Angst, weil es wackelt, aber wir nehmen an, sie steigt ein. Sie kriegt die ersten Aufträge. Und dann kommt eine Stromschnelle und bei einem Klienten fließt in einem Zimmer die Energie nach ihrer Beratung vielleicht nicht so, wie sie erwartet hatte. Steckt sie deswegen sofort den Kopf in den Sand, oder nimmt sie diese Situation dankbar als Lernsituation an und macht es beim nächsten Mal anders? Glauben Sie, ich sei von Anfang an die Trainerin gewesen, die ich heute bin? Glauben Sie Einstein hat alles gewusst und richtig gemacht?

Die Welt ist ein gigantischer Feedback-Generator. Wenn wir losgehen, oder mit unserem Boot losfahren, bekommen wir zwangsläufig Rückmeldung. Dabei vergessen wir oft, dass es nur zwei Arten von Rückmeldung gibt, wenn wir losgehen: „Funktioniert“ oder „Funktioniert nicht“. Es ist einfach eine Rückmeldung darüber, ob in der Vergangenheit etwas funktioniert hat, oder nicht. In unserer Gesellschaft ist „Feedback“ jedoch oft negativ behaftet und wird als persönliche Kritik angesehen, die es zu vermeiden gilt. Ich lade Sie ein, Ihre Sichtweise über Feedback zu ändern, denn wenn Sie in Ihr Boot steigen, werden Sie unmittelbar Rückmeldung  bekommen, ob Ihre Navigation funktioniert, oder nicht. Es ist wirklich nur ein Hinweis darüber, was funktioniert und was nicht. Punkt. Neutral. Kein persönlicher Angriff. Einfach nur eine Rückmeldung. Das ist alles. Sagen Sie „Ah, danke für das Feedback, jetzt weiß ich wo ich stehe.“ Fahren Sie weiter und probieren Sie das nächste Mal etwas anderes aus, bis Sie wissen, was funktioniert. Wenn Sie den gleichen Schlamassel wieder erleben, haben sie vermutlich vergessen, nach dem letzten Feedback etwas zu verändern. Vergessen Sie diesen wichtigen Schritt also nicht. Auf dem Fluss des Lebens gilt es, schnell zu lernen. Sie fahren los, etwas funktioniert nicht, sie kentern, sie fahren wieder los, verändern bei der nächsten Stromschnelle etwas und kommen durch.

Je mehr Sie bei Ihrer Wildwasserfahrt übrigens mit dem Ruder herumfuchteln und versuchen die Fahrt mit dem Verstand zu kontrollieren, desto eher werden Sie kentern oder vom Kurs abkommen. Entspannen Sie sich und vertrauen Sie. Ein Fluss macht sich keine Gedanken darüber, ob er links oder rechts herum fließen muss. Er fließt einfach stetig vor sich hin und bahnt sich seinen Weg. Sie können ihn weder beschleunigen, noch stoppen. Er fließt einfach und trägt Sie. Versuchen Sie also nicht krampfhaft, gegen den Strom zu schwimmen.

Nun gibt es durchaus Schlauberger, die meinen, sie wüssten, wo das Ziel ist und könnten eine Abkürzung nehmen, indem sie ihr Boot aus dem Wasser ziehen, es kopfüber nehmen und zu Fuß quer durch die Walachei rennen, um es an der nächsten Flussgabelung wieder zu Wasser zu lassen. Sehr clever. Dabei vergessen Sie jedoch meistens, dass Abkürzungen mitunter durch wildes Gestrüpp gehen und der Marsch zur Tortur wird. Sie kommen nicht schneller an, nur weil Sie eine Abkürzung nehmen oder meinen, schneller rennen zu müssen.

Experiment: Wo sind Sie nicht im Fluss?
Lassen Sie uns etwas praktischer werden. Nehmen Sie einmal Zettel und Stift und schreiben Sie, ohne groß nachzudenken, die 5 Dinge auf, die in Ihrem Leben nicht laufen. Wo fließt es nicht. Was funktioniert nicht? Was blockiert Sie?

Vielleicht haben Sie schon einmal den Spruch gehört „Change it, love it or leave it“ (Verändere es, liebe es, oder lasse es). Schreiben Sie jetzt hinter jedes der Beispiele entweder das Wort verändern, lieben oder lassen.

Wenn Sie etwas in der Kategorie „verändern“ haben, schreiben Sie nun genau auf, wie die Veränderung aussieht bzw. was der nächste Schritt ist, um die Veränderung einzuleiten. Vielleicht müssen Sie ein Gespräch führen, neu tapezieren oder was auch immer.

Wenn Sie einen Punkt in der Kategorie „lieben“ haben, dann können Sie ab sofort aufhören, sich über diesen Punkt zu beschweren. Sie können ihn akzeptieren und lieben lernen, anstatt sich dagegen zu wehren.

Wenn Sie einen Punkt in der Kategorie „lassen“ haben, dann werden Sie diesen so schnell wie möglich los. Kündigen Sie den Job, die Versicherung oder hören Sie auf, jemandem hinterher zu rennen, oder die Sachen hinterher zu tragen. Lassen Sie es einfach. Hören Sie auf, sich kaputt zu machen, abzuhetzen, zu viele Termine anzunehmen, die Arbeit anderer zu machen und sie dadurch zu retten, etc. Folgen Sie stattdessen dem, was für Sie stimmig ist.

Es gibt viele Gründe, etwas, das Sie begeistert, nicht zu tun. Unser Kopf wartet mit allerlei Stimmen auf, die uns einflüstern, dass es besser ist, Ihrem Fluss nicht zu folgen. Doch es reicht genau ein Grund dafür, um zu beginnen. Sie müssen nur den ersten Schritt ins Boot schaffen. Die Fahrt beginnt von allein und schon bald werden Sie merken wie viel Freude Sie auf dem Weg haben und wie spannend und möglichkeitsreich der Fluss ist.

Glauben Sie mir, ich bin auch schon mit meinem Boot in Stromschnellen angeeckt und gefühlte 10.000 Wasserfälle hinabgestürzt. Doch jede einzelne Herausforderung war ein Erlebnis und hat mich auf die nächste Ebene gebracht. Von der einen oder anderen Stromschnelle habe ich eine  Weile eine Beule gehabt, doch ganz ehrlich: ich möchte keine missen, denn ich habe eine Menge gelernt und erlebt. Der Lebensfluss ist ein Abenteuer. Die Frage ist immer, was machen Sie, wenn Sie sich eine Beule holen oder kentern. Stehen Sie wieder auf, verändern etwas und fahren weiter oder verharren Sie ab sofort nur noch am sicheren, langweiligen Ufer, an dem alles nur gewöhnlich ist und Sie stagnieren?

Zwischen Ihnen und Ihrem Lebensfluss-Boot steht nur eine Person: Sie selbst. Hören Sie einfach auf, gedankliche Staudämme zu errichten und steigen Sie endlich ein.

Das erinnert mich gerade an einen Ausschnitt aus dem Film „Der friedvolle Krieger“.  Der Student Dan wird von seinem weisen Lehrer mit dem Spitznamen „Sokrates“ gebeten, am nächsten Tag morgens früh am vereinbarten Treffpunkt zu erscheinen mit den Worten „Du bist soweit. Ich möchte Dir etwas zeigen“. Dan erscheint und ist absolut euphorisch. Er freut sich unglaublich, während beide Stunde um Stunde einen Berg hochwandern. Es ergibt sich folgender Dialog:

·         Sokrates: „Es gibt nur 3 Regeln im Leben.“
·         Dan: „Es gibt nur 3 Regeln im Leben?“
·         Sokrates: „Und du kennst sie bereits.“
·         Dan: „Paradox, Humor und Veränderung.“
·         Sokrates: „Paradox…“
·         Dan: „…Das Leben ist ein Rätsel. Verschwende keine Zeit damit, es zu ergründen.“
·         Sokrates: „Humor…“
·         Dan: „…Bewahre Dir Deinen Sinn für Humor, besonders, was Dich selbst betrifft. Er ist Deine unermessliche Stärke.“
·         Sokrates: „Veränderung…“
·         Dan: „…Vergiss nicht, dass nichts bleibt, wie es ist.“
·         Dan: „Hey, bitte sag, dass wir bald da sind…Komm schon, Sokrates, wir rennen schon seit 3 Stunden hier rauf.“
·         Sokrates: „JETZT sind wir da.“
·         Dan (schaut sich verwundert um): „Wo sind wir?“
·         Sokrates: „An dem Ort, den ich Dir zeigen wollte.“
·         Dan: „Wegen der Aussicht, oder was?“
·         Sokrates: „Da, neben Deinem Fuß.“
·         Dan: „Die Blume?...Ich warne Dich.“
·         Sokrates: „Nein, der Stein.“
·         Dan: „Ist da irgendwas besonderes an diesem Stein?“
·         Sokrates: „Stimmt was nicht?“
·         Dan: „Ach komm schon, Sokrates, das ist es, wofür ich endlich weit genug sein soll?“
·         Sokrates: „Na den ganzen Weg hier rauf warst Du aufgeregt, du warst überglücklich.“
·         Dan: „Weil ich gedacht habe, dass es hier etwas zu sehen gibt.“ …
·         Sokrates: „Und was hat sich geändert?
·         Dan: „Das nichts hier ist, außer diesem Stein.“
·         Sokrates: „Das hätte ich Dir vermutlich vorher verraten sollen, mh? Aber ehrlich gesagt, ich war selbst nicht so ganz sicher, was wir hier finden würden. Weil ich das nie bin…Tut mir leid, dass Du nicht mehr glücklich bist.“
·         Dan (nach kurzer Besinnung): „Der Weg…Der Weg ist es, der uns glücklich macht und nicht das Ziel.“

Wenn Glück Ihr Ziel ist, dann sind Sie gedanklich in der Zukunft und verpassen das Glück JETZT in diesem Moment. In der Zukunft haben Sie keine Kraft. Es geht um den Weg. Wählen Sie das Glück. Wählen Sie diesen Moment mit allem, was er ist und genießen Sie die Wildwasserfahrt. Seien Sie in diesem Moment. Lassen Sie sich überraschen, was der nächste Moment für Sie bereit hält. Und wenn Sie einmal kentern, bewahren Sie sich Ihren Humor. Wie gesagt, Glück kommt von der Wahl dessen, was ist.

Ahoi und herzliche Grüße, 
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!

www.viva-essenza.com



 

Sonntag, 9. Dezember 2012

Von Königen und Schweinen - Welche Art von Beziehung kreieren Sie?



Es kommt jedes Jahr wieder einmal völlig überraschend……WEIHNACHTEN! Eine Zeit, in der sich viele Menschen einfach nur Ruhe, Liebe und Harmonie wünschen. Es ist, als würde ein unglaubliches Damokles-Schwert über dem Wort „Weihnachten“ schweben. Alles soll bitte perfekt und harmonisch sein und am Besten in Liebe „ersaufen“. Entschuldigen Sie bitte, diese etwas rüde Ausdrucksweise. Die Frage, die ich mir angesichts dieser scheinheiligen Illusion stelle ist „Wieso bitte immer nur diese 3 Tage im Jahr?“ Was ist Liebe überhaupt? Und wie wäre es für Sie, wenn Sie tatsächlich die Möglichkeit hätten, in jedem Moment, außergewöhnliche Beziehung voller Liebe zu Ihrem Partner oder Ihrer Familien zu kreieren?

Als ich vor einigen Tagen in der Münchner Innenstadt war, hatte ich den Eindruck, dass Liebe heutzutage oft an Konsum festgemacht wird. Es war ein Geschiebe und Gedränge in der Stadt, als sei es der letztmögliche Tag, an dem die Menschen jemals etwas kaufen könnten. Und was zum weihnachtlichen Verkauf angeboten wurde, hat mich nur noch den Kopf schütteln lassen. Ich war traurig und wütend zugleich, was für ein Plastikmüll über die Ladentheken ging, und wie viele Dinge „Made in China“ (sei es Kleidung, Dekoration o. ä.) gekauft wurden…viele Dinge, die die Welt nicht braucht und die größtenteils an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen sind. Wie abgestumpft ist unsere Gesellschaft?

Messen wir Liebe tatsächlich an Geschenken, oder vielmehr noch am Wert der Geschenke? Ich komme nicht umhin, die Erwartung, die in der vorweihnachtlichen Luft hängt, wahrzunehmen. Es ist eine regelrechte Massen-Erwartung. Viele Menschen scheinen die Erwartung zu haben, z. B. von dem Partner ein besonderes Geschenk zu bekommen – oder ihm ein besonderes Geschenk machen zu müssen – um ja die Liebe zu beweisen. Und wehe, das Geschenk entspricht nicht unseren Vorstellungen, oh je, das ist garantiert ein Beweis, dass uns der Partner nicht kennt und gar nicht liebt. Mit so einer Erwartungshaltung im Gepäck ist der Groll meist vorprogrammiert. Ich werde nie die Geschichte vergessen, als ein Bekannter meiner Eltern seiner Frau zu Weihnachten eine Trockenhaube an einem fahrbaren Gestell schenkte. Er hatte wirklich liebevoll für seine Frau mitgedacht, die unglaublich feine Haare und daher immer Schwierigkeiten mit dem Frisieren hatte. Tja, nur fand eben diese Frau eine fahrbare Trockenhaube als Geschenk alles andere als lustig. Sie war stinksauer und der weihnachtliche Haussegen hing mächtig schief, da sie sich in ihrer Schönheit und Ehre gekränkt fühlte. Stille Nacht, heilige Nacht.

Es scheint, als wäre unsere Gesellschaft darauf programmiert in den drei magischen Tagen, sprich dem 24., 25. und 26. Dezember – besonders viel Liebe zu bekommen. Die Menschen hungern regelrecht danach. Alle Hoffnung ruht auf Weihnachten (oder im Februar auf dem Valentinstag). Es scheint eine große Sehnsucht nach Liebe da zu sein, was ja grundsätzlich nicht verwerflich ist. Viel trauriger ist es, dass die Sehnsucht danach so groß ist, weil sie unterjährig scheinbar nicht gestillt wird. In unserer Gesellschaft, die auf Konkurrenz,  Wettkampf und Macht gepolt ist, mangelt es an Liebe, Nähe, Miteinander und Fürsorge. Zu Weihnachten fällt es uns dann – oh Wunder – wieder ein und wir versuchen, diesen Mangel zu kompensieren. Doch leider funktioniert das nicht. Was nicht langfristig gesät und achtsam großgezogen wurde, kann nicht innerhalb von jetzt auf gleich da sein und 3 Tage anhalten. Das wäre ungefähr so, als würden Sie verlangen, dass Sie und Ihr Partner mit dem Mitternachts-Gongschlag zum 24. Dezember eine komplizierte „Lord of the Dance“ Choreographie tanzen können und zwar 3 Tage nonstop, ohne jemals vorher Stepptanz gemacht zu haben. Viel Erfolg. Das ist genau der Grund, warum  es in vielen Familien oder Partnerschaften bevorzugt zur Weihnachtszeit kracht, wenn die Lieben aufeinander hocken und ihren Wert und ihre Liebe füreinander an Geschenken messen.

Und nu‘?

Wie ist denn etwas anderes möglich bzw. was wäre das denn?

Lassen Sie uns einmal zurückkommen auf die Eingangsfrage, was Liebe überhaupt ist. Wie viele von Ihnen dachten bisher, dass Liebe ein Gefühl ist? … Gefährliche Frage: Was, wenn Liebe gar kein Gefühl ist? Was, wenn Liebe ein sogenanntes helles Prinzip ist, die Kraft, aus der das Universum besteht und die alles im Universum durchwebt und zusammenhält? Liebe wird gerne mit einem Gefühl verwechselt, da wir, wenn wir lieben, unterschiedliche Gefühle in Beziehung zu unserem Partner oder zu unserer Familie fühlen. Die aufgeregten Schmetterlinge im Bauch, die oft als „Verliebtheit“ bezeichnet wird, ist zum Beispiel eine Vermischung von Freude und Angst. Wir freuen uns den anderen zu sehen, haben aber auch gleichzeitig Angst, weil wir uns in unbekanntes Gebiet begeben, sozusagen auf Forschungsreise in Sachen Nähe. Liebe als Kraft ist jedoch unabhängig von diesen Gefühlen.

Um die Frage zu beantworten, wie etwas anderes in Sachen zwischenmenschlicher Beziehung möglich ist – und das nicht nur zur Weihnachtszeit – ist es hilfreich zunächst einmal zu wissen, welche Art von Beziehung Sie gerade führen. Das erfordert Bewusstheit, Aufmerksamkeit, Selbst-Beobachtung und vor allem Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst (lügen Sie sich also nicht selbst in die Tasche, wenn Sie beim Lesen des folgenden Abschnitts Ihre Beziehung betrachten).

Es gibt 3 unterschiedliche Arten von Beziehung*:
  • gewöhnliche menschliche Beziehung
  • außergewöhnliche menschliche Beziehung
  • archetypische Beziehung


1. Gewöhnliche menschliche Beziehung
Der Zweck einer gewöhnlichen menschlichen Beziehung besteht darin, geliebt zu werden, Einsamkeit zu vermeiden, als sozial akzeptiert oder erfolgreich angesehen zu werden. Überlegen Sie z. B. einmal, wie weit es noch verbreitet ist, dass gewisse Positionen in Firmen nur an Leute vergeben werden, die auch „seriös verheiratet“ sind und idealerweise Frau und Kinder aufweisen können. Da wird Liebe und Beziehung zum Statussymbol. Der Zweck gewöhnlicher Beziehung besteht auch darin zu überleben, Orgasmen zu haben, oder  unsere Eltern glücklich zu machen. In gewöhnlicher Beziehung versuchen Sie selbst glücklich zu sein, einen Kampfpartner zu haben und sogenanntes niederes Drama zu erzeugen.

Gewöhnliche Beziehung findet statt, wenn Sie meinen Ihren Partner zu „brauchen“, ohne ihn nicht leben zu können. In dieser Art von Beziehung wird der Partner als Besitz betrachtet, er gehört Ihnen. „Das ist meine(r).“ Die meisten Liebes-Beziehungs-Lieder im Radio handeln übrigens von gewöhnlicher Beziehung, wenn Sie einmal auf den Text achten.

Ein anderes Anzeichen gewöhnlicher Beziehung ist, wenn Sie von Ihrem Partner Anerkennung brauchen, als Beweis, dass Sie liebenswert sind. Damit einher geht oftmals eine subtile Manipulation durch Worte und Gesten, um eben diesen Liebesbeweis zu erhalten. Ohne diese Liebesbeweise fühlen Sie sich nicht liebenswert. Sie gehen davon aus, dass es nicht genug Liebe gibt und Sie deswegen so viele Beweise wie möglich einheimsen müssen. Gewöhnliche Beziehung findet auch statt, wenn Sie im Restaurant z. B. einfach für Ihren Partner etwas zu trinken bestellen, ohne ihn gefragt zu haben („Aber er trinkt immer Bier!“). In dem Fall erliegen Sie der Illusion, die Gedanken und Gelüste Ihres Partners in allen Details in jeder Sekunde zu kennen. Ihr Partner wird zu einem Konzept und Sie bevormunden und erniedrigen ihn in genau dem Moment auf ganz subtile Art und Weise.

In gewöhnlicher menschlicher Beziehung meinen Sie zudem, eine Beziehung zu „haben“, aber Sie SIND nicht in Beziehung. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Beziehung HAT oder in Beziehung IST. Viele Menschen meinen, eine Beziehung haben zu müssen. Eine Beziehung wird gleichgesetzt mit einem Ding, das man besitzen kann. Doch in genau dem Moment, ist die Beziehung schon tot, weil Sie dann einem Konzept hinterherjagen, einem Ding, einem Anspruch, wie eine Beziehung zu sein HAT.

In gewöhnlicher Beziehung kommen immer wieder Diskussion und Streit vor – sei es laut oder leise, offensichtlich oder subtil. Es ist ein fortwährendes Argumentieren, Beweisen, Rechthaben, Anordnen. Es geht ständig darum, wer Recht hat. Wer Recht hat, gewinnt.

Doch es gibt einen ganz entscheidenden Satz und ich lade Sie ein, sich diesen Satz groß an die Kühlschranktür oder sichtbar im Haus hinzuhängen. Er lautet wie folgt:

Entweder Du hast Recht
ODER
Du bist in Beziehung!

Beides geht nicht. Wenn Sie Recht haben wollen, spielen Sie niederes Drama, ein „Ich gewinne – Du verlierst“ Spiel. In dem Moment können Sie nicht in Beziehung sein, weil es Ihnen nur darum geht, Recht zu behalten. Und genau dann zerstören Sie Nähe und Vertrautheit.


2. Außergewöhnliche menschliche Beziehung
Außergewöhnliche menschliche Beziehung verfolgt einen anderen Zweck als die gewöhnliche Beziehung. Der Zweck außergewöhnlicher Beziehung ist zu lieben, eine Partnerschaft zu erschaffen, authentisch zu kommunizieren (auch über die Gefühle Wut, Freude, Traurigkeit und Angst). Es geht darum, gemeinsam zu lernen und zu wachsen, Vertrautheit zu erforschen, die Gesellschaft des anderen zu genießen und wertzuschätzen. Und ja, es geht auch darum, Sex zu haben (jedoch im Sinne von Nähe und Vertrautheit erforschen, NICHT um Orgasmen als Konzept hinterherzujagen).

In dieser Art von Beziehung ehren Sie den anderen für das, was er ist. Sie versuchen nicht, ihn/sie zu manipulieren und ihn/sie so hinzubiegen, wie Sie es gerne hätten. In außergewöhnlicher menschlicher Beziehung verhalten Sie sich nicht angepasst, sondern respektieren Ihren persönlichen Raum genauso wie den des anderen. Dazu gehört auch, Grenzen zu setzen.

Wenn Sie auf einer Party gefragt werden, was Ihr Partner trinkt, antworten Sie nicht „Orangensaft“ (auch wenn er vielleicht häufig Orangensaft trinkt), sondern sagen „Ich weiß nicht, was er jetzt trinken möchte. Bitte frage ihn doch direkt, wenn er von der Toilette zurück kommt.“

Sie übernehmen Verantwortung für Ihre Beziehung. Sie übernehmen Verantwortung für eine erwachsene Beziehung ohne subtile Manipulation, niederes Drama und Rechthaberei. Sie übernehmen Verantwortung für sogenanntes „Hohes Drama“, für verantwortliche und achtsame Kommunikation, dafür, dass Liebe geschieht. In außergewöhnlicher Beziehung ist Liebe kein Zufall. Während in gewöhnlicher Beziehung die Meinung vorherrscht, dass es nicht genug Liebe gibt, sind Sie in außergewöhnlicher Beziehung die Quelle von Liebe. Wenn es einen Moment gibt, wo Sie feststellen, dass keine Liebe da ist, dann sind Sie die Quelle und generieren Liebe, weil Liebe im Überfluss da ist. In jeder Sekunde. Sie können diese Quelle anzapfen.

Viele Menschen warten oft darauf, dass ihnen die Liebe zufliegt, oder sie liebevolle Momente in der Familie erleben. Sie machen andere dafür verantwortlich Liebe zu bekommen. Doch in dem Moment sind Sie Opfer der Umstände von „es gibt nicht genug Liebe“ und damit wieder in gewöhnlicher Beziehung. Sie wünschen sich in Beziehung zu Ihrem Partner oder Ihrer Familie mehr Liebe und Nähe? Na los, worauf warten Sie noch? Was tun Sie dafür? Erschaffen Sie selbst diese Momente der Liebe, Nähe und Vertrautheit. Sie sind die Quelle. Hören Sie auf, Opfer zu spielen und fangen Sie an, Verantwortung zu übernehmen. Nehmen Sie Ihr kleines Monster (Ihren Gremlin) an die Leine, das gerade dem Partner wieder einen Spruch schräg reinwürgen will, weil er mal wieder vergessen hat, den Müll rauszubringen, oder mal wieder nicht erraten hat, dass Sie die unausgesprochene Erwartung haben, dass er den Wasserkasten aus dem Auto holt. Genau das sind die Momente, wo Sie Liebe zerstören. In dem Moment machen Sie Ihren Partner, oder wahlweise auch Ihre Familienangehörigen oder Freunde zum Schwein anstatt zum König oder zur Königin. In dem Moment sammelt Ihr kleines Monster Grollpunkte, um dann bei bester Gelegenheit alle gesammelten Punkte in einem handfesten Streit auf den Tisch zu bringen („Du machst immer…“, oder „Immer sagst Du…“, oder „Nie tust Du, was ich sage…“).

Bitte, hören Sie auf Ihren Partner oder Freunde zu Schweinen zu machen. Schulen Sie Ihre Achtsamkeit und Bewusstheit. Fangen Sie an, sich selbst zu beobachten. Welche Absicht verfolgen Sie mit jedem Satz Ihrer Kommunikation? Möchten Sie die andere Person manipulieren, zum Schwein machen und wieder mal Beweise sammeln, dass der andere ein Idiot ist? Oder möchten Sie mit der anderen Person SEIN, ihre Gesellschaft genießen, sie zum König/zur Königin machen und die Quelle von Liebe sein? Was ist Ihre Absicht? Jetzt…und jetzt…und jetzt…? In jedem Moment. Was ist Ihre wahre Absicht?


3. Archetypische Beziehung
Eine dritte Form von Beziehung ist die archetypische Beziehung. Der Zweck dieser Art von Beziehung ist es, etwas Größerem zu dienen, als uns selbst. Sie stehen im Dienst der sogenannten hellen Prinzipien. Sie akzeptieren das, was ist, so wie es ist, ohne jegliche Bedeutung. Der Zweck ist, einfach präsent zu sein und mit dem anderen zu sein. Sie erschaffen die Möglichkeit für die Präsenz des archetypisch Weiblichen und Männlichen. Der Zweck archetypischer Beziehung ist Evolution. Ihre Beziehung dient nicht mehr nur Ihnen und Ihrem Partner, sondern wird zu einem Raum in dem etwas völlig anderes geschehen kann.

Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf archetypische Beziehung eingehen. Es ist schon eine große Herausforderung von gewöhnlicher zu außergewöhnlicher Beziehung zu wechseln, nicht mehr zu diskutieren, nicht mehr Recht zu haben und nicht mehr subtil mit kleinen Worten zu manipulieren. Sie meinen, Sie haben schon eine recht außergewöhnliche Beziehung? Kurzer Test: Wie oft sagen Sie einen Satz wie z. B. „Sollen wir spazieren gehen?“

Na…? Nutzen Sie solche Sätze? Sie denken, an diesem Satz ist nichts auszusetzen? Nun, dieser Satz ist leider nichts anderes als gewöhnliche, subtile Manipulation. Oh-oh-oh, jetzt höre ich Protest von einigen Lesern: „Was? So ein Quatsch, wieso soll denn das Manipulation sein? Das ist doch ganz normal, dass man so spricht!“ Ja, normal im Sinne von „Damit sind wir aufgewachsen. Das haben wir gelernt“. Haben Sie es auch jemals hinterfragt? Überlegen Sie einmal kurz, was Sie mit dem obigen Beispiel „Sollen wir spazieren gehen?“ tatsächlich sagen möchten. Was ist Ihre Absicht? Sie wollen in dem Moment doch Ihren Partner dazu bewegen, mit Ihnen spazieren zu gehen, weil Sie da  Lust zu hätten, oder? Wenn Sie Ihren Partner zum König machen wollen und verantwortlich kommunizieren, würden Sie sagen „Ich würde jetzt gerne mit Dir spazieren gehen. Hast Du Zeit und Lust mit mir zu kommen?“ Sagen Sie konkret, was Sie wollen und brauchen, anstatt subtil zu manipulieren.

Um noch einmal auf Weihnachten zurück zu kommen:
Nutzen Sie die Weihnachtstage als Experimentierfeld. Welche Art von Beziehung zu Ihrem Partner oder zu Ihrer Familie kreieren Sie? Beobachten Sie sich selbst. Es ergibt sich ein Streit oder eine Diskussion? Schauen Sie, wo Sie (und nur Sie!!!) ums Verrecken Recht haben oder den anderen kontrollieren wollen. Und dann hören Sie auf damit. Gehen Sie kurz aus dem Raum, sagen Sie, Sie müssten kurz auf die Toilette und kommen Sie dann mit einer neuen Absicht wieder zurück, die da heißt, die Quelle von Liebe zu sein und nicht an den rechthaberischen, oder besserwisserischen Drama Haken zu gehen.

Mit unseren Kindern können wir übrigens auch neue Samen der Liebe und Wertschätzung säen. Wieso erzählen Eltern ihren Kindern z. B. immer noch die Bullshit Geschichte vom Weihnachtsmann oder Christkind, der/das die Geschenke bringt? Haben Sie sich jemals gefragt, welch herben Schlag ein Kind erlebt, wenn es herausfindet, dass die Eltern ihm jahrelang einen Bären aufgebunden haben und es den Weihnachtsmann gar nicht gibt? Ehrlich. Warum säen wir in den Kindern nicht die Geschichte, dass es ein Brauch ist, dass man einer Person, die man mag und wertschätzen möchte, zu Weihnachten ein Geschenk machen kann (optional!!!) oder mit ihr einfach zusammen ist und ihre Gesellschaft genießt? Spüren Sie da mal hinein. Das wäre ein völlig neues Spiel. Können Sie wahrnehmen, wie sich Entspannung breit macht, wenn dieser Geschenke-Liebes-Beweis-Stress wegfiele?

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch ein Weihnachtsexperiment mitgeben:

Weihnachts-Experiment:
Dieses Experiment besteht darin, dass Sie Ihrem Partner oder Ihren Familienangehörigen ein etwas anderes Geschenk machen. Ein aufrichtiges Geschenk. Ein Geschenk, das unbezahlbar ist.

Nehmen Sie ein Blatt Papier. Überlegen Sie sich, wem Sie gerne ein ganz besonderes Geschenk machen möchten. Schreiben Sie nun oben auf das Papier „Liebe(r) …“ und ergänzen den Vornamen. Und jetzt schreiben Sie dieser Person einen Brief voller Wertschätzung. Sozusagen einen Liebes-Wertschätzungsbrief. Was schätzen Sie an der anderen Person? Es geht nicht darum zu sagen „Ich schätze Deine schicke Frisur oder Deinen sexy Gang“. Es geht um Seins-Eigenschaften. Vielleicht schätzen Sie die Kreativität und Leichtigkeit, mit der die Person Aufgaben angeht. Vielleicht schätzen Sie auch, wie liebevoll oder diszipliniert jemand ist. Wenn Sie Seins-Eigenschaften wertschätzen, sagen Sie, wie jemand IST (nicht was jemand tut oder hat).

Und bitte, schreiben Sie den Brief mit der Hand, mit einem Füller oder Kuli. Drucken Sie den Brief nicht auf Ihrem super trouper High-Tech-Drucker aus. Nehmen Sie sich die Zeit.
Wenn Sie Lust haben, verzieren Sie den Brief ein wenig, rollen ihn zusammen und binden eine schöne Stoffschleife um die Papierrolle (bitte kein billig Plastik-Band). Wertschätzung zeigt sich im Detail. Seien Sie achtsam und staunen Sie, was passiert.

Es liegt an Ihnen, in jedem Moment, alle 3 Sekunden, für welche Beziehung Sie sich entscheiden. Welche Art von Beziehung Sie kreieren, ist unmittelbar sichtbar. Sie müssen nur die Ergebnisse anschauen. Ist Rechthaberei und Anspannung oder Liebe und Wertschätzung da?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine wunderschöne Weihnachtszeit mit außergewöhnlichen, bereichernden und wertschätzenden Begegnungen und Momenten.

Ihre Nicola Nagel



 
* Nach Clinton Callahan. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, empfehle ich Ihnen als Buch-Tipp: „Wahre Liebe im Alltag“ von Clinton Callahan.


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