Montag, 12. November 2012

Spieglein Spieglein an der Wand...Vom fatalen Streben nach Perfektionismus!



Ja, wer ist denn nun die Schönste, die Tollste, der Beste, der Schlauste  im ganzen Land? In Zeiten von Germany’s Next Top Model, Deutschland sucht den Superstart und diversen Quiz-Shows wird mehr denn je deutlich, wie sehr die Menschen in der modernen Gesellschaft nach Perfektion und Anerkennung streben. Höher, weiter, besser, schöner, schlauer ist das Motto. Es wird gestylt, geprobt, gekämpft und ausgetrickst, was das Zeug hält. Wo man hinblickt, lächeln marionetten-gleiche, aalglatte Hartschalen-Kreaturen von irgendwelchen Werbepostern und versuchen uns glauben zu machen, dass wir diesem Ideal folgen müssten. Das traurige ist, dass es vielfach auch noch funktioniert. Viele Menschen scheinen bewusst oder unbewusst in verschiedensten Bereichen nach Perfektion zu streben, sei es in kleinem oder großem Maße. Wir suchen das perfekte Outfit, den perfekten Job, den perfekten Partner, den perfekten Urlaub, die perfekte Wohnung oder meinen einen perfekten Kuchen backen zu müssen. Dabei ist Perfektion eine absolute Illusion. Und nicht nur das. Der Illusion der Perfektion zu erliegen, hat zudem einen sehr hohen Preis: Authentizität, Lebendigkeit und Kraft bleiben dabei schnell auf der Strecke.  

Was veranlasst uns also, perfekt zu sein, oder zu meinen perfekt sein zu müssen?

Kürzlich stellte ich in einem Training folgende Frage: „Was würde passieren, wenn Ihr den Anspruch, perfekt zu sein, aufgeben würdet?“ Nach einem Stutzen, das zunächst so viel zu sagen schien wie „Ähm, wie bitte, nicht mehr perfekt sein?“ kam die Antwort von mehreren Teilnehmern sehr prompt: „Puuh, dann könnte ich mich wirklich entspannen.“

Ja, warum tun wir es dann nicht? Warum hören wir nicht einfach auf, perfekt zu sein und einer Illusion hinterher zu rennen, die selbstmörderisch ist? Es scheint als hätten die Menschen in der modernen Gesellschaft einen unbewussten, automatisch laufenden Perfektions-Mechanismus in ihrem Hirn eingebaut.

Dieser Perfektionsmechanismus kann dabei sowohl sehr offensichtlich als auch ganz subtil zu Tage treten. Das offensichtliche Streben nach Perfektion kommt uns täglich auf Werbeplakaten, in Zeitschriften und Fernseh-Shows entgegen. Es ist eine regelrechte Perfektions-Manipulation, die da sagt, „Wenn Du nicht dies kaufst, oder so bist, dann bist Du out“.

Bereits im Kindesalter werden wir damit konfrontiert, spätestens in der Schule. Wer schlechte Noten hat und sich nicht „angemessen“ – sprich nach gesellschaftlichen Normen perfekt – verhält, fliegt raus bzw. darf eine Klasse wiederholen. In der Ausbildung, dem Studium und im Job geht es auf dieser Schiene gerade weiter. Ständig wird uns suggeriert, wir müssen Leistung bringen und alles möglichst perfekt machen, damit wir akzeptiert und anerkannt werden.

Und genau da liegt doch der Hase im Pfeffer: Wir wollen akzeptiert werden. Wir wollen dazu gehören. Wir wollen Teil der Gesellschaft sein. Doch woher kommt dieses Bedürfnis der Zugehörigkeit? Das zu erforschen lohnt sich und stellt unter Umständen die ganze aktuelle Gesellschaftsstruktur in Frage.

Menschen sind von Natur aus keine Einzelkämpfer. Menschen sind „Rudeltiere“. Das ist bei indigenen Völkern noch sehr schön zu sehen, denn sie leben in Stämmen. Genau das ist unsere Natur. Wir haben ursprünglich in Gemeinschaft gelebt, hatten unseren Stamm und wussten dadurch, wo wir hingehören, wo unsere Wurzeln sind. Kürzlich las ich ein Buch von Martín Prechtel. In „Die Geheimnisse des Jaguars“ beschreibt er seinen Weg, der ihn in ein Maya Dorf in Guatemala führte. In diesem Dorf lebt ein spezieller Volks-Stamm der Maya und bei seiner Ankunft wurde Prechtel gefragt „Wo ist Dein Stamm?“ Als er antwortet „Ich habe keinen Stamm, ich lebe alleine“, konnten die Dorfbewohner es nicht fassen und sagten „Was, Du hast keinen Stamm? Wie furchtbar, dann bist Du ein Waise.“

Früher war es selbstverständlich in größeren Gemeinschaften oder Familien-Clans zu leben. Sie boten einen gewissen Halt und haben die Menschen permanent an ihre Wurzeln erinnert. Innerhalb einer Gemeinschaft, konnte man so sein, wie man war, mit all seinen Facetten. Man war Teil dieser Gemeinschaft, egal, ob man „gut drauf“ war, oder nicht.

Und heute? Heute leben 95% der Menschen in der modernen Kultur in ihrem eigenen Appartement oder Haus, kennen ihre Nachbarn mit viel Glück vom Sehen und haben maximal ihre direkte Familie mit Ehefrau/-mann und Kindern um sich. Allein in Deutschland liegt der Prozentsatz von Alleinstehenden bei 43%, in Städten sogar bei 50%. 43% der deutschen Bevölkerung lebten mit einem Ehepartner. Wo finden die Menschen heute also noch wahre Unterstützung und Zugehörigkeit?

Die Zugehörigkeit zu einem Stamm ist immer noch in uns. Doch die moderne Kultur fördert kein „Stammesleben“. Da der ursprüngliche Stammes-Rückhalt fehlt, beginnen die Menschen also in ihren isolierten Wohnungen und Häusern nach Ersatz zu suchen. Das tief sitzende Verlangen dazu zu gehören, führt dazu, dass sie den Medien und Marketing Agenten glauben, die ihnen vorgeben, wie sie zu sein haben, damit sie in der modernen Gesellschaft dazu gehören. Die Menschen wollen Teil von etwas sein. Nur deswegen funktioniert dieser ganze Werbe- und Marketing-Kram. Es wird manipulativ mit der unbewussten Angst der Menschen gearbeitet, nicht dazu zu gehören. „Wenn Du dieses Produkt nicht kaufst….dann gehörst Du leider nicht dazu. Dann bist Du nicht schön genug, gut genug, cool genug.” Schauen Sie sich die jungen Leute von heute an. Die meisten versuchen irgendetwas darzustellen und zuweilen ist es sogar offensichtlich, welchen Star oder welches Model sie gerade nachahmen. Traurig, aber wahr.

Das Absurde ist, dass Perfektionismus nichts anderes als falsche Sicherheit ist. Wir meinen, wir sind sicher, wenn wir perfekt sind und den Normen der Gesellschaft oder der Firma, für die wir arbeiten, entsprechen. Wir klammern uns an Vorgaben um uns „sicher“ zu fühlen. Doch alles, was wir mit Perfektionismus erreichen ist, dass wir uns von uns selbst abschneiden, von unserer eigenen Authentizität und Weisheit und damit innerlich unsicherer sind denn je. Wir betrügen uns selbst und - noch schlimmer - machen uns unbewusst auch noch selbst fertig, wenn wir nicht perfekt sind.

Wie viele von Ihnen haben z. B. schon einmal einen Fehler gemacht und dann in Gedanken gesagt „Oh man, Idiot, warum hast Du nicht aufgepasst“ oder „Na toll, das hätte ich aber auch besser machen können“ oder „Ach neee, jetzt habe ich das schon wieder vergessen“.

Kennen Sie solche Sätze? Ich vermute, jeder kennt sie. Doch machen Sie sich einmal bewusst, was dahinter steckt. In dem Moment, wo Sie solch einen Satz auch nur denken, holen Sie unbewusst die 9-schwänzige Geißel raus und bestrafen sich selbst für das, was eben NICHT perfekt war.

Perfektionismus ist nichts anderes als eine Überlebensstrategie. Wie eingangs erwähnt, kann sich das Streben nach Perfektion dabei sehr offensichtlich oder auch subtil zeigen. Offensichtlicher Perfektionismus kann sich zum Beispiel auch in Neurosen zeigen, zum Beispiel wenn jemand meint, dass Tomaten immer in Scheiben geschnitten werden müssen und keinesfalls in Würfel oder jemand ohne Maniküre alle 2 Tage nicht leben kann. Alles kann neurotisch werden: Ordnung, Putzen, akribische Genauigkeit (Erbsenzählen), Schönheitswahn, etc. Ich bin mir sicher, Ihnen fallen sofort neurotische Beispiele ein, vor allem von anderen Menschen. Kennen Sie zum Beispiel den Film „Der Feind in meinem Bett“ mit Julia Roberts? Uuuuh, da können Sie eine zerstörerische Ordnungs-Neurose erleben.

Es gibt jedoch auch die ganz subtilen Perfektions-Dramen und das sind eben die, die sich in Ihrem eigenen Kopf abspielen. Und sie spielen sich ab, wenn Sie sich laut oder leise sagen hören “Verdammt…so was blödes.“

Wenn wir versuchen, den Idealen der modernen Kultur zu entsprechen, um uns zugehörig zu fühlen, bauen wir unsere Hütte auf Treibsand. Doch wie können wir aus diesem Perfektions-Zugehörigkeits-Teufelskreis ausbrechen? Wie können wir authentisch über unser eigenes Nicht-Perfekt-Sein werden, gleichzeitig innere Stabilität erhalten und aus dem heraus wahrhafte Beziehungen aufbauen, die unsere Sehnsucht nach Zugehörigkeit stillen?


Experiment 1: Aufdecken des Perfektions-Mechanismus

SCHRITT 1:
Nehmen Sie sich einen Augenblick Zeit und Papier und Stift zur Hand. Blicken Sie einmal auf die letzten 3 Tage zurück. Schreiben Sie nun einmal die offensichtlichen Perfektions-Versuche auf. Wann haben Sie versucht, etwas perfekt zu machen? Für wen oder warum wollten Sie es perfekt machen? Seien Sie ehrlich. Ihr Ego wird diese Übung hassen, denn Sie decken gerade eine Überlebensstrategie auf. Lassen Sie sich einfach nicht beirren und seien Sie authentisch gegenüber sich selbst.  Vielleicht haben Sie den Bericht für den Chef noch 5mal überarbeitet und das Layout noch zig mal schöner gemacht. Oder Sie haben die Hemden und Blusen perfekt gedämpft und akribisch darauf geachtet, dass ja kein Knick mehr zu sehen war.

SCHRITT 2:
Nun geht es an die subtilen Perfektions-Versuche bzw. Selbst-Geißelungen. Blicken Sie wieder auf die letzten 3 Tage zurück. Wann ist vielleicht etwas schief gegangen und Sie haben gedacht (oder zu sich gesagt) „Oh man…..blöd... das hätte ich besser machen können…da habe ich geschlafen…“ Es gibt zig Situationen am Tag, wo wir uns unbewusst bewerten. Vielleicht haben Sie beim Frühstück ein wenig Kaffee vergossen („Oh man, sowas blödes“), oder Sie sind etwas spät zu einem Termin losgefahren („Verdammt, hoffentlich komme ich nicht zu spät“), oder Sie sehen, dass in der Präsentation für den Kunden ein Tippfehler drin ist („Verflixt, wie unprofessionell“). Schreiben Sie wirklich alles auf.

SCHRITT 3:
Nun schauen Sie auf Ihre Liste und spüren Sie einmal hin, wie sich dieser Perfektionsanspruch anfühlt. Machen Sie sich bewusst, wie unbewusst dieses Programm  läuft. Anstrengend, oder?

Das Paradoxe an der Geschichte ist, dass die meisten Menschen sich danach sehnen, einfach so angenommen zu werden, wie sie sind, doch gleichzeitig diesen Perfektions-Mechanismus laufen haben. Und genau das ist ein ziemlich großer Konflikt. Offensichtlich wird dieser Konflikt, wenn wir uns das Thema Beziehung in der heutigen Gesellschaft anschauen. Wie viele Menschen sehnen sich nach einer aufrichtigen, authentischen Beziehung, in der sie so sein können, wie sie sind, suchen jedoch gleichzeitig den perfekten Partner? Sie suchen den perfekten Partner, bei dem sie nicht perfekt sein müssen. Da passt doch etwas nicht zusammen.

Wie kommen Sie also nun aus diesem Kreis heraus, nachdem Sie aufgedeckt haben, wo Ihr Perfektionsmechanismus täglich unbewusst läuft? Hier sind einige hilfreiche Möglichkeiten:


Finden Sie den Anker in sich
Ein entscheidender Schritt ist, dass Sie lernen, sich in sich selbst zu verwurzeln, sprich sich zu zentrieren. Wenn Sie zentriert sind, sind Sie nämlich Ihre eigene Autorität und müssen keinen Idealen oder Vorstellungen mehr genügen. Dann sind Sie in sich verankert, egal, was um Sie herum passiert. Aus einer zentrierten Grundposition heraus – ähnlich wie z. B. beim Aikido, Ballett oder Fechten – können Sie sich überall hinbewegen und Sie kann nichts aus der Bahn werfen (Details zum Zentriert-Sein finden Sie auch im Artikel „2011-08-24 Seien Sie Ihre eigene Autorität“ auf http://www.viva-essenza.com/50/Publikationen.html ).


Selbst-Beobachtung
Beginnen Sie, sich selbst permanent zu beobachten und den Perfektionsmechanismus aufzudecken. Und bitte, wenn Sie eine Situation entdeckt haben, dann geißeln Sie sich nicht dafür, dass der Modus schon wieder aktiv war. Dieses Streben nach Perfektion ist wirklich tief in uns verankert und es braucht eine Zeit an Selbst-Beobachtung um dem auf die Schliche zu kommen.

Keine Bewertung
Wenn Sie feststellen, dass Sie (oder auch andere) etwas nicht perfekt gemacht haben, dann hören Sie auf zu bewerten. Sie oder jemand anderes hat einen Fehler gemacht oder es eben so gut gemacht, wie es ging und es war nicht perfekt. Ja und? Es ist wie es ist. Punkt. Keine weitere dramatisierenden Geschichten bitte. Wenn Sie aufhören, bewertenden Geschichten an die Handlungen und Ereignisse zu knüpfen, werden Sie feststellen, dass das Leben sehr viel leichter wird. Bewertungen killen Beziehung, und zwar die Beziehung zu sich selbst und zu anderen gleichermaßen. Lernen Sie, die Dinge neutral zu sehen. Etwas ist wie es ist. Nur das. Sonst gar nichts. Es ist absolut neutral.

Erzählen Sie bewusst eine neue, lebendige Geschichte
Diesen Punkt erläutere ich am besten anhand eines persönlichen Beispiels von heute. Ich stehe in der Küche und freue mich auf einen schönen Espresso. Zur Zubereitung benutze ich eine dieser traditionellen Achtkant-Kannen, die man auf die Herdplatte stellt. Dort kommt normalerweise unten das Wasser rein, in die Mitte der Trichter mit dem Espresso-Pulver und oben schraubt man dann das Kännchen drauf, in dem der Espresso landet, wenn er aufgekocht ist. So, gesagt getan, ich schraube also alles zusammen und als ich ein Brodeln höre, freue ich mich, in der nächsten Sekunde, den Espresso in meine Tasse zu gießen. Ich gieße also los und…es kommt ein gelbliches Wasser heraus. Wäre ich im Perfektionismus-Modus gewesen, hätte eine innere Stimme gesagt „Na toll Frau Nagel, da haste ja mal voll gepennt und vergessen, das Espresso-Pulver in den Trichter zu tun.“ Stattdessen habe ich es nicht bewertet und nur „Oh!“ gesagt. Im nächsten Moment habe ich mich kaputt gelacht und bewusst eine nicht-lineare Geschichte dazu erzählt, die da lautete: „Wow, cool, schau mal, das ist ein nicht-linearer Piraten-Espresso à la Captain Jack Sparrow und das Tolle ist, dass die Kanne gleichzeitig einmal komplett durchgespült wurde. Okay und jetzt mal sehen, wie im Vergleich dazu ein italienischer Espresso aussehen würde.“ Statt Perfektion hatte ich einen Heidenspaß. Probieren Sie also mal aus, anstatt der 9-schwänzigen Geißelgeschichte bewusst eine andere Geschichte zu erzählen (und auch die muss nicht perfekt sein. Spielen sie damit).

Seien Sie bewusst unperfekt
Uuuh, das ist ein gemeines Experiment. Das Experiment besteht darin, dass Sie etwas, das Sie normalerweise perfekt machen, einmal bewusst nicht perfekt machen. Bei Ihnen in der Wohnung ist immer eine perfekte Ordnung? Nun, dann legen Sie doch einmal bewusst 3 Bücher unordentlich auf den Fussboden und lassen Sie sie dort 2 Tage liegen. Sie schneiden das Brot mit dem Messer sonst perfekt1cm breit? Okay, schneiden Sie bewusst unperfekt eine schiefe Scheibe ab, die alles andere als 1cm breit ist. Diese Übung wird Ihr perfektions-getrimmtes Ego durchdrehen lassen, denn es ist darauf trainiert zu überleben und irgendwie dazu zu gehören. Lassen Sie es ausflippen und spüren Sie einmal, wie sich gleichzeitig ein anderer Teil in Ihnen entspannt und lebendig wird. Ihre Handtasche oder Ihr Aktenkoffer steht normalerweise perfekt aufgeräumt in der linken Schrank-Ecke? Prima, lassen Sie ihn einfach mal unperfekt mitten im Flur rumstehen.

So, nun haben Sie also bereits begonnen, Ihren unbewussten Drang nach Perfektion zu durchschauen und zu durchbrechen. Wie sieht es nun im nächsten Schritt mit dem Bedürfnis der Zugehörigkeit aus? Zugegeben, das ist ein Experiment, dass Sie womöglich ein wenig fordert. Denn bei dem folgenden Experiment geht es darum, authentisch mit Menschen in Beziehung zu treten und wieder Gemeinschaft zu leben.


Experiment 2: Aufbau von authentischen Beziehungen
In einer Gesellschaft, die nach Perfektion strebt, authentische Beziehungen aufzubauen, kann eine Herausforderung sein. Authentische Beziehung bedeutet nämlich, dass Sie die Menschen hinter Ihre Maske schauen lassen, die Sie über so viele Jahre mühevoll aufgebaut haben, um dem Gesellschafts-Ideal zu entsprechen und zu überleben. Doch wenn Sie erst einmal mit diesem Experiment anfangen, werden Sie feststellen, dass Sie bei anderen Menschen offene Türen einrennen, weil diese sich gleichermaßen nach authentischer Verbindung sehnen. Denken Sie bei diesem Experiment daran, dass Angst einfach nur Angst ist. Ohne Bewertung. Und Sie müssen es nicht perfekt machen.

Ein erster Schritt würde zum Beispiel darin bestehen, dass Sie aufhören oberflächlichen Small Talk zu machen und beginnen, über Ihre Gefühle zu sprechen. Wenn Sie gefragt werden, wie es Ihnen geht, wäre die alte Antwort womöglich „gut“. Sie können aber auch authentisch sagen, wie Sie sich in dem Moment fühlen, z. B. „Ich traurig, weil ich es heute nicht pünktlich aus dem Büro schaffe, um die Kinder noch vor dem Schlafengehen zu sehen. Und gleichzeitig freue ich mich, weil wir am Wochenende gemeinsam einen tollen Ausflug machen werden.“ Hören Sie einfach auf, den perfekten Schein „Alles bestens, alles prima“ zu wahren, der in unserer Spaß-Gesellschaft allgegenwärtig ist. Sie fühlen etwas (Wut, Angst, Trauer, Freude). Vielleicht bewegt Sie etwas. Teilen Sie das mit. Sie können sogar im Büro damit beginnen. Wenn Ihnen im Meeting etwas aufstößt können Sie sagen „Ich habe Angst, weil der Kunde diesen Änderungsvorschlag womöglich nicht akzeptiert.“ Werden Sie authentisch.

Und: schauen Sie Ihrem Gegenüber wirklich einmal in das Zentrum eines Auges, in eine der Pupillen. Die meisten Menschen schauen bei Gesprächen auf die Stirn, die Nase oder die Nasenwurzel des Gegenübers. Doch dadurch vermeiden Sie wahrhaften Kontakt. Es mag sich vielleicht die ersten Male beängstigend anfühlen, denn diese Art des Schauens ist intensiv und wir sind es in der Regel nicht gewohnt, jemanden so anzusehen oder gesehen zu werden. Doch auch hier gilt, werden Sie nicht neurotisch. Starren Sie nicht. Haben Sie einfach die Absicht, wahrhaft in Kontakt zu treten. Und wenn Sie Angst spüren, atmen Sie einfach weiter. Angst ist nur Angst. Sie begeben sich auf unbekanntes Gebiet und es ist angemessen Angst zu spüren.

Und auch hier die Einladung: bewerten Sie nicht. Weder sich selbst, noch den anderen.

Mit diesen ersten Schritten werden Sie erstaunt sein, welche Türen sich öffnen, wie sich das Miteinander verändert und sich dadurch authentische Zugehörigkeit wieder einstellen kann. Und wundern Sie sich nicht, wenn neue Menschen und auch immer mehr Menschen in Ihr Umfeld kommen und die Gemeinschaft mit Ihnen genießen möchten.

Abschließend möchte ich noch einen Satz mit Ihnen teilen, den ich neulich gelesen habe und der es auf den Punkt bringt:

„Es gibt keine Notwendigkeit perfekt zu sein, um andere zu inspirieren. Lass andere inspiriert werden von der Art, wie Du mit deiner Unperfektheit umgehst.“

In diesem Sinne gänzlich unpääärfäääkte Grüße von Herzen,
Ihre Nicola Nagel

Montag, 15. Oktober 2012

Der Lauf im Hamsterrad - Vom Irrsinn des täglichen Lebens.



Ist es nicht ein absoluter Irrsinn, den wir Menschen betreiben? Die meisten arbeiten tagein, tagaus, von morgens bis abends, jonglieren mit Terminen und diversen Verpflichtungen und wissen oft gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Sätze wie „Puh, das ist alles so viel“ oder „Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll“ oder „Ich habe keine Zeit“ sind Gang und Gäbe. Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor?

ZEIT! Ein sehr kostbares Gut heutzutage. Das Paradoxe ist, dass wir ständig im Hamsterrad des Alltags rennen und meinen keine Zeit zu haben, doch gleichzeitig zu 100% dafür verantwortlich sind, was wir mit unserer Zeit machen.

Oh! Da gibt es bereits bei dem ein oder anderen die ersten Irritationen. Denn bitteschön, schließlich verlangt der Job doch so viel Zeit, Mühe, Gerödel und Gerenne. Oder die Kinder, die zum Schwimmen, Musizieren, den Pfadfindern oder sonst wohin gekarrt werden wollen. Aha, ist das so? Lassen Sie mich eine wichtige Frage stellen. Wer hat sich Ihren Job ausgesucht? Wer hat gewählt, eine Familie zu haben? Wer hat entschieden, eine bestimmte Herausforderung im Leben anzunehmen? YEP! Sie liegen absolut richtig, SIE SELBST. 

Diejenigen, die also meinen, dass alle anderen an Ihrer Zeit-Misere Schuld sind (oder auch an vielen anderen Dingen in ihrem Leben), muss ich leider der Illusion des bequemen Opfer Daseins berauben. Das einzige, was Ihnen bequemes Opfer-Dasein bringt, ist Jammern auf höchstem  Niveau, schlechte Laune und graue Haare. Ansonsten gar nichts.

Viel interessanter wird es, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie Ihre eigene Zeitmaschine sind. Sie sind ein Zeitmacher. Sie selbst bestimmen in Ihrem Leben, wie viel Zeit Sie für eine bestimmte Tätigkeit aufbringen. Niemand anderes. Wenn Sie sich getrieben fühlen, sind Sie Opfer der Umstände. Wenn Sie sich hingegen bewusst entscheiden, für etwas Zeit aufzuwenden, dann haben Sie das Ruder in der Hand und können somit auch jederzeit in eine andere Richtung steuern. Ein kleiner, aber bedeutender Unterschied.

Sie fühlen sich zum Beispiel gestresst, weil Sie schon wieder spät dran sind und es vielleicht gerade noch so zum nächsten Termin schaffen? Wer könnte seine Zeit anders planen und sich verpflichten, 10 Minuten eher loszufahren? „Ja, aber…“ tönt da vielleicht die ein oder andere Stimme, „Wenn der Termin vorher bereits zu lange dauert und ich deswegen in Zeitbedrängnis für den nächsten Termin laufe?“ Tolle Opfergeschichte! Planen Sie Zeitpuffer ein. Wenn ein Termin bis 15 Uhr angesetzt ist und Sie dann definitiv los müssen, um bei Ihrem Kunden um 16 Uhr den nächsten Termin wahrnehmen zu können, dann seien Sie nicht Opfer der Zeit, wenn der vorherige Termin um 15 Uhr noch nicht beendet ist. Wenn der vorherige Besprechungsleiter sein Meeting nicht gut genug zeitlich geplant hat, wessen Problem ist es dann? Definitiv nicht Ihres. Stehen Sie auf und kommen Sie Ihrer Verpflichtung nach, pünktlich und entspannt bei Ihrem nächsten Termin zu sein. Was denken Sie, wie viel Zeit und Geld eingespart würde, wenn es keine überzogenen Meetings mehr gäbe.

Gleiches gilt für das Privatleben. Sie haben Ihren Bekannten klar gesagt, dass Sie nur bis 21 Uhr bleiben können, weil Sie dann den Babysitter ablösen müssen? Dann bleiben Sie nicht aus gespielter Höflichkeit bis 21.15 Uhr, nur um es diesen Menschen recht zu machen und anschließend mit Vollgas und entsprechendem Risiko nach Hause zu rasen.

Nun kann es jedoch passieren, dass es einfach sehr viele Projekte und Aufgaben in Ihrem Leben gibt, denen Sie sich gleichzeitig verpflichtet haben. Da kann es sehr leicht passieren, dass man den Überblick verliert und vor lauter Aufgaben nicht mehr weiß, was man zuerst machen und wie man sich die Zeit einteilen soll. Falls Sie sich in solch einem Hamsterrad wiederfinden und verzweifelt nach der Bremse oder der Gangschaltung suchen, um Herr der Lage zu werden, kann es hilfreich sein, die verschiedenen Aufgaben auf Ihrem Tisch zu nach ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit zu klassifizieren. Dabei gibt es 4 Kategorien:

1.    Dinge, die NICHT dringend und NICHT wichtig sind - STREICHEN
In diese Kategorie fallen Dinge, die ich gerne als „nice to have“ oder als „nettes Blümchen auf dem Tisch“ bezeichne. Es sind Aufgaben, die weder wichtig, noch dringend sind und deren Erledigungs-Priorität sehr niedrig, wenn nicht gar null ist. Zum Beispiel:
  • Dem Kollegen, der gefragt hat, ob ich einen guten Italiener kenne, noch zusätzlich eine Liste mit den besten Restaurants der Stadt erstellen.
  • Eine neue Pflanze für das Büro kaufen.
  • Die Gartenmöbel in einer neuen Farbe lackieren.
  • Die Gardinen waschen.
  • Den Keller oder Dachboden ausmisten.
  • Im Sommer bereits über Weihnachtsgeschenke nachdenken.
  • Bei Gelegenheit die Tarife für Strom und Telefon online vergleichen.

Diese Dinge können Sie getrost von Ihrer Liste streichen, denn ob sie getan oder nicht getan werden, ist ungefähr so bedeutend wie ein Sack Reis, der in China umfällt. Wenn Sie diese Dinge nicht tun, geht die Welt nicht unter und weder Sie noch jemand anderes leidet darunter.

2.    Dinge, die SEHR dringend, aber NICHT wichtig sind – DELEGIEREN
In dieser Kategorie wird es bereits brenzliger, denn hier sitzt Ihnen womöglich ein Termin im Nacken. Auch wenn die Aufgabe für Sie selbst nicht wirklich wichtig ist bzw. es Ihnen egal ist, auf welchem Weg sie erledigt wird, so muss sie doch erledigt werden. Zum Beispiel:

  • Ein Flugticket und ein Hotel für das Business-Meeting in Rom buchen.
  • Einem Kunden die allgemeinen Unterlagen über Ihre Firma und die Produktpalette schicken.
  • Termine mit 5 potentiellen Kunden vereinbaren.
  • Einen Seminarraum für den Abteilungsworkshop nächste Woche organisieren.
  • Neues Büromaterial bestellen.
  • Die Hemden vor Ladenschluss aus der Reinigung abholen.
  • Mit Oma klären, ob die Kinder am Mittwoch bei ihr übernachten können.

Dies sind Aufgaben, die Sie delegieren können. Diese Dinge müssen zwar erledigt werden, doch ist es nicht erforderlich, dass Sie es persönlich erledigen. Ob durch die Sekretärin, einen anderen Kollegen, den Partner, die Kinder, Hauptsache die Aufgabe wird erledigt. Zum Beispiel fand ich als Teenager, wenn ich früher aus der Schule kam, häufig einen Zettel meiner Mutter auf dem Küchentisch, der da sagte „Bitte schon mal Kartoffeln schälen / Salat vorbereiten / Gemüseauflauf schichten. Komme um 13 Uhr.“ Wenn die Zeit also knapp war, die Familien-Bäuche aber gefüllt werden wollten, war das eine sehr elegante Art meiner Mutter, durch Delegieren Zeit zu schaffen, damit das Mittagessen dennoch pronto auf dem Tisch stand und alle Familienmitglieder anschließend pünktlich zu ihren Nachmittags-aktivitäten aufbrechen konnten.  

3.    Dinge, die SEHR dringend und SEHR wichtig sind - PRIORISIEREN
  • Den Personalausweis und Reisepass vor dem Auslandsurlaub nächste Woche verlängern lassen.
  • Das vom Kunden geforderte Angebot bis heute Abend fertigstellen und rausschicken.
  • Den Kollegen aus der Produktentwicklung umgehend sagen, dass der Kunde eine Änderung an der Spezifikation vorgenommen hat.
  • Die Präsentation für die Vorstandssitzung, die in einer Stunde beginnt, vorbereiten.
  • Neue Texte für die Webseite erstellen und freischalten, bevor die Firmenveranstaltung übermorgen beginnt.
  • Um 18 Uhr den kleinen Sohn vom Pfadfinder-Treffpunkt abholen.
  • Einen Babysitter für heute Abend organisieren.

Diese Kategorie von Dingen verlangt kurzfristige bzw. sofortige Erledigung. Ein Aufschub ist nicht möglich. Vor allem aber verlangen diese Aufgaben Ihren direkten Einsatz. Diese Themen sind zu wichtig, als dass sie verschoben oder von jemand anderem erledigt werden könnten. Gibt es mehrere Dinge, die sowohl dringend als auch sehr wichtig sind, so gilt es, diese zu priorisieren, um klaren Kopf zu behalten. Was kommt zuerst? Was kann zeitlich vielleicht ein, zwei Stunden später erfolgen?

4.    Dinge, die NICHT dringend, aber SEHR wichtig sind – HYPER-NETZWERKEN
Die vierte Kategorie an Dingen ist sehr spannend. Hierbei handelt es sich nämlich um Dinge, die Ihnen persönlich sehr wichtig sind, die jedoch keine Dringlichkeit besitzen. Es sind vielmehr Dinge, die Sie vielleicht immer schon einmal machen wollten, wenn Sie denn endlich einmal Zeit hätten. Gleichzeitig sind es jedoch Dinge und Themen, die Sie nähren und inspirieren. Zum Beispiel:

  • Eine Reise zu indianischen Eingeborenen im Amazonas machen.
  • Ihren Partner mit einem außergewöhnlichen Abend überraschen, den Sie selbst kreieren.
  • Einen Vortrag zum Thema Gefühle vor 300 Menschen halten.
  • Einen Paragliding Flug vom Mont Blanc starten.
  • Ein Buch schreiben.
  • Argentinischen Tango lernen.
  • Sich mit Leuten weltweit vernetzen, die tragfähige Lebensweise erforschen.
  • Das Dachgeschoss in Ihrem Haus eigenhändig zu einer großen Dachterrasse umbauen.

Sie tragen ein Projekt oder einen Traum in sich, oder vielleicht auch mehrere, die sie angehen würden, wenn Sie endlich mal Zeit und die nötigen Ressourcen hätten. Etwas, das sie begeistert. Dinge, die Ihnen persönlich am Herzen liegen, die Sie in Freude versetzen, jedoch aufgrund des übervollen Terminplans immer wieder hinten runterfallen. Manchmal fehlt Ihnen zur Realisierung einfach auch nur der letzte Input, die letzte Idee, der letzte Anstoß. Solche Themen gehen Sie am besten über das sogenannte „Hyper-Netzwerken“ an. Das bedeutet konkret, dass Sie andere Menschen, unabhängig von ihrem Status, ihrer Position, Religion, Kultur, Alter, Geschlecht, etc. um Ressourcenaustausch bitten. Jeder Mensch ist eine Quelle von Fülle. Jeder Mensch hat Ideen, Ressourcen, Kontakte, Fähigkeiten. Einige haben vielleicht auch die nötigen finanziellen Mittel, oder Verbindungen und Erfahrungen, die Sie zur Realisierung Ihres persönlichen Projekts benötigen.

Lassen Sie mich ein simples Beispiel geben. In einem meiner Trainings habe ich dieses Hypernetzwerken mit den Teilnehmern durchgeführt. Eine Teilnehmerin erzählte mir von ihrem Projekt, dass sie für ihren Mann zum Geburtstag gerne eine Steinpyramide selbst bauen wolle, da er für Pyramiden einen Fabel habe. Sie habe jedoch festgestellt, dass sie dafür spezielles, teures Werkzeug zum Durchbohren von Steinen benötige, das sie nicht finanzieren könne. Ich konnte ihr umgehend helfen, denn ich hatte einen Bekannten, der selbst Steinmetz war und über genau das notwendige Werkzeug verfügte. Ich stellte den Kontakt zwischen beiden her und er bohrte in null-komma-nichts kostenlos die Löcher in die Steine. So konnte Sie Ihrem Mann eine großartige Geburtstagsüberraschung bereiten.

Experiment 1: Kategorisieren Sie Ihre Aufgabenliste
Schreiben Sie einmal alle aktuell anfallenden Aufgaben auf ein Blatt Papier. An was müssen Sie alles denken, was müssen Sie noch erledigen, was dürfen sie auf keinen Fall vergessen? Schreiben Sie wirklich alle Dinge auf, die auf Erledigung warten.

Nun schauen Sie sich die Liste an. Schreiben Sie dann links neben die Punkte, in welche der Kategorien 1 bis 4 die entsprechende Aufgabe fällt.

Wichtig ist dabei, dass Sie die Punkte verantwortlich einschätzen und nicht neurotisch werden. Oft meinen wir, alle Dinge seien wichtig und könnten nur von uns persönlich erledigt werden. Die Einzelkämpfer-Strategie bzw. die Herangehensweise des einsamen Wolfes ist weit verbreitet, denn das ist die Strategie, die wir im Patriarchat lernen. Nur wer alles weiß und selbst meistern kann ist heldenhaft. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche. Früher habe ich eher mit zwei langen Kochlöffeln in der Kaffeeküche der Firma das letzte Glas aus dem obersten Regal gehangelt, als dass ich den 1,92m großen Kollegen, der neben mir stand, gefragt hätte, ob er mir das Glas herunter reichen kann.

Wir sind brillant darin trainiert, alles selbst zu schaffen, um im Job und auch im Privatleben Anerkennung einzuheimsen. Es herrscht der unbewusste Irrglaube, man sei nur vollwertig, wenn man gestresst sei, denn das ist schließlich ein Beweis dafür, wie viele Dinge man zu tun hat und wie wichtig man daher ist. Wir sind eine Leistungs-Gesellschaft, eine Wettkampf-Gesellschaft in der das Wort Team immer mehr zur Farce geworden und Stress bzw. die Drehzahl unseres Hamsterrades als Messlatte für Leistung geworden ist. Traurig, aber wahr. 
Glücklicherweise wachen immer mehr Menschen auf und stellen fest „Das kann es doch nicht sein!“ Alte Pfade zu verlassen kann jedoch mitunter eine Herausforderung sein. Allein die Tatsache, andere - womöglich fremde - Menschen um Unterstützung zu bitten (wie beim Hyper-Netzwerken), kann zunächst beängstigend sein. Sie begeben sich in dem Moment in unbekanntes Gebiet, denn Sie geben etwas von sich preis und werden dadurch verwundbar. Doch eines ist dabei garantiert: Lebendigkeit, Bereicherung und Spaß auf höchstem Niveau.

Experiment 2: Planen Sie SEINS-Phasen ein
Sich mehr Raum und Zeit zu schaffen, indem Sie Dinge streichen, delegieren oder um Unterstützung bitten, ist die eine Sache. Lassen Sie uns nun noch einmal auf das Thema zurück kommen, dass Sie Ihre eigene Zeitmaschine sind. Wie oft räumen Sie sich bewusst ZEIT FÜR SICH ein? Wie oft haben Sie in Ihrem Terminkalender einen Zeitraum für sich selbst geblockt, in dem Sie bewusst eine Auszeit nehmen, bei sich ankommen und vielleicht sogar  NICHTS tun? Solche kurzen Auszeiten sind essenziell, wenn Sie an eine andere Weisheit als Ihren logischen Verstand anknüpfen wollen.

Schauen Sie sich einmal Ihren Terminkalender für diese Woche an. Tragen Sie nun – abgesehen vom Wochenende – unter der Woche jeden Tag einen 10-minütigen Termin ein, der Ihnen persönlich gewidmet ist. Sie können diesen Zeit-Slot als Ihren persönlichen Auszeit-Block deklarieren. In der Zeit gehen Sie nicht ans Telefon, lesen keine E-Mails, surfen nicht im Internet, reden nicht mit Kollegen. Nada. Finden Sie stattdessen einen ruhigen Ort, genießen Sie bewusst und in Ruhe einen schaumüberdeckten Cappuccino oder schauen Sie bewusst aus dem Fenster und nehmen Sie die Schönheit der Herbstfarben in sich auf. Machen Sie sich bewusst, dass Sie gerade in diesem Moment Zeit für sich geschaffen haben. Atmen Sie ein paar Mal tief und entspannt ein und aus, seien Sie präsent in diesem Augenblick, ohne an das zu denken, was Sie dann im Anschluss noch alles erledigen müssen. Bauen Sie Entschleunigungs-Phasen ein. Diese müssen nicht jedes Mal 1 Stunde dauern. Es geht darum, dass Sie durch kurze Zeit-Blocker, Bewusstheit darüber bekommen, dass Sie in jedem Moment ein Zeitmacher sind. Sogar jetzt, in diesem Augenblick, machen Sie Zeit dafür, diesen Artikel zu lesen, anstatt 12 andere noch anstehende Sachen zu erledigen. Eine großartige Möglichkeit der Entschleunigung ist übrigens auch, den Tag morgens damit zu beginnen, dass Sie 10 bis 30 Minuten still für sich dasitzen und nichts tun und sich auf den Tag einstimmen. 

Der Trick, das Hamsterrad zum Stehen zu bringen, liegt darin, einfach nicht mehr wie ferngesteuert zu rennen, weil Sie meinen anderen genügen oder gefallen zu müssen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen, die Hand an die Gangschaltung zu legen und den Fuß auf die Bremse zu setzen, um dadurch in die Geschwindigkeit zu kommen, die Ihrem persönlichen Rhythmus entspricht. Denn Zeit ist nicht Geld. Zeit ist Leben!

In diesem Sinne herzliche Grüße,
Ihre Nicola Nagel


POTENZIALE LEBEN!
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